Gott, schweige doch nicht! (Psalm 83)

Lutherische Bekenntnisschriften. (Tübingen, 1580)

Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! 3 Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. 4 Sie machen listige Anschläge wider dein Volk und halten Rat wider die, die bei dir sich bergen. 5 »Wohlan!«, sprechen sie. »Lasst uns sie ausrotten, / dass sie kein Volk mehr seien und des Namens Israel nicht mehr gedacht werde!« 6 Ja, sie haben einmütig beraten und haben einen Bund wider dich gemacht: 7 die Zelte Edoms und die Ismaeliter, Moab und die Hagariter, 8 Gebal, Ammon und Amalek, die Philister mit denen von Tyrus; 9 auch Assur hat sich zu ihnen geschlagen, sie helfen den Söhnen Lot. Sela. 10 Mach’s mit ihnen wie mit Midian, wie mit Sisera, mit Jabin am Bach Kischon, 11 die vertilgt wurden bei En-Dor und wurden zu Mist auf dem Acker. 12 Mache ihre Fürsten wie Oreb und Seeb, alle ihre Edlen wie Sebach und Zalmunna, 13 die auch einmal sagten: Wir wollen Gottes Auen einnehmen. 14 Mein Gott, mache sie wie verwehende Blätter, wie Spreu vor dem Winde. 15 Wie ein Feuer den Wald verbrennt und wie eine Flamme die Berge versengt, 16 so verfolge sie mit deinem Sturm und erschrecke sie mit deinem Ungewitter. 17 Bedecke ihr Angesicht mit Schande, dass sie, HERR, nach deinem Namen fragen müssen. 18 Schämen sollen sie sich und erschrecken für immer und zuschanden werden und umkommen. 19 So werden sie erkennen, / dass du allein der Höchste bist über die ganze Erde, HERR ist dein Name. 

Psalm 83. Ein Psalmlied Asafs. Deutsche Übersetzung Dr. Martin Luthers (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Johannes 12,24

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Seele, mach Dich eilig auf, Jesum zu begleiten gen Jerusalem hinauf tritt ihm an die Seiten. In der Andacht folg ihm nach zu dem bittern Leiden, bis Du aus dem Ungemach zu ihm wirst verscheiden.

Seele, stehe, Gottes Lamm gehet zu dem leiden, Deiner Seelen Bräutigam, als zur Hochzeit Freuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen; sehet ihn in seiner Kron unter Dornen prangen.

Du zeuchst als ein König ein, wirst dafür empfangen: aber Bande warten Dein, Dich damit zu fangen. Für die Ehre Hohn und Spott wird man Dir, Herr, geben, bis Du durch des Kreuzes Tod schließen wirst Dein leben.

Das Kreuz ist der Königsthron, drauf man Dich wird setzen, Dein Haupt mit der Dornenkron bis in Tod verletzten. Jesu, Dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden; so ist es von Dir bestellt bis zum letzten Scheiden.

Du wirst, Herr der Herrlichkeit, ja wohl müssen sterben, daß des Himmels Ewigkeit ich dadurch mög erben. Aber ach, wie herrlich glänzt Deine Kron von ferne, die Dein siegreich Haupt bekränzt, schöner als die Sterne.

Laß mich diese Leidenszeit fruchtbarlich bedenken, voller Andacht, Neu und Leid, und darüber kränken. Auch Dein Leiden tröste mich bei so vielem Jammer, bis nach allem leiden ich geh zur Ruhekammer.

Abraham Klesel 1675 (LKG 147)

Fortlaufende Lese

Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:  30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist.  31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.  32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.  33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. 

34 Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme  35 wie ein Fallstrick. Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen.  36 Wachet aber allezeit und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.  37 Er lehrte des Tags im Tempel; des Nachts aber ging er hinaus und blieb an dem Berg, den man den Ölberg nennt.  38 Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm, ihn im Tempel zu hören. 

Lukas 21,29-38

Morgenlese

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. 22 Da sprachen die Juden: Will er sich denn selbst töten, dass er sagt: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen? 23 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 24 So habe ich euch gesagt, dass ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden. 25 Da fragten sie ihn: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Was soll ich euch zuerst sagen? 26 Ich habe viel über euch zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. 27 Sie erkannten aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. 28 Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir aus tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. 29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. 30 Als er das sagte, glaubten viele an ihn. 

Johannes 8,21-30

Abendlese

Als aber Elisa wieder nach Gilgal kam, war Hungersnot im Lande. Und als die Prophetenjünger vor ihm saßen, sprach er zu seinem Diener: Setze einen großen Topf auf und koche ein Gemüse für die Prophetenjünger! 39 Da ging einer aufs Feld, um Kraut zu sammeln, und fand ein Rankengewächs und pflückte sein Kleid voll mit wilden Gurken. Und als er kam, schnitt er’s in den Topf zum Gemüse – sie kannten’s aber nicht – 40 und legte es den Männern zum Essen vor. Als sie nun von dem Gemüse aßen, schrien sie und sprachen: O Mann Gottes, der Tod im Topf! Denn sie konnten’s nicht essen. 41 Er aber sprach: Bringt Mehl her! Und er tat’s in den Topf und sprach: Lege es den Leuten vor, dass sie essen! Da war nichts Böses mehr in dem Topf. 42 Es kam aber ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Mann Gottes Erstlingsbrot, nämlich zwanzig Gerstenbrote, und neues Getreide in seinem Beutel. Er aber sprach: Gib’s den Leuten, dass sie essen! 43 Sein Diener sprach: Wie soll ich davon hundert Mann geben? Er sprach: Gib den Leuten, dass sie essen! Denn so spricht der HERR: Man wird essen und es wird noch übrig bleiben. 44 Und er legte es ihnen vor, dass sie aßen; und es blieb noch übrig nach dem Wort des HERRN. 

2. Könige 4,38-44

Bekenntnislese

Was aber die Bischöfe für ein Amt oder Gewalt haben in der Kirche, haben wir in der Konfession gesagt. Die Bischöfe, so jetzund den Bischofsnamen tragen in der Kirche, tun gar nicht ihr bischöflich Amt nach dem Evangelio. Aber laß sie gleich Bischöfe sein der canonica politia nach, welche wir in ihrem Wert lassen. Wir reden aber von rechten, christlichen Bischöfen, und es gefällt mir die alte Division oder Teilung nicht übel, da sie gesagt haben, bischöfliche Gewalt stehe in diesen zweien, potestate ordinis und potestate iurisdictionis, das ist, in Reichung der Sakramente und geistlichem Gerichtszwang. So hat ein jeder christlicher Bischof potestatem ordinis. das ist, das Evangelium zu predigen, Sakramente zu reichen; auch hat er Gewalt eines geistlichen Gerichtszwangs in der Kirche, das ist, Macht und Gewalt, aus der christlichen Gemeinde zu schließen diejenigen, so in öffentlichen Lastern gefunden werden, und dieselben, wenn sie sich bekehren, wieder anzunehmen und ihnen die Absolution mitzuteilen. Sie haben aber nicht eine tyrannische Gewalt, das ist, ohne gewisses Gesetz zu urteilen. So haben sie auch keine königliche Gewalt, das ist, über die gegebenen Gesetze hinaus zu schaffen, sondern haben ein gewiß Gottesgebot und gemessenen Befehl, unter welchem sie sind, nach welchem sie ihre geistliche Gewalt und Gerichtszwang. brauchen sollen. Ob sie schon solche Jurisdiktion über der öffentliche Laster haben, so folgt doch nicht, daß sie darum Macht haben, neue Gottesdienste anzurichten. Denn iurisdictio und neue Gottesdienste machen, sind weit voneinander. Item, es streckt sich auch die iurisdictio nicht auf Sünden wider ihre neuen Gesetze, sondern allein auf solche Sünden, die wider Gottes Gebot sind. Denn das Evangelium richtet ihnen nicht ein Regiment an außer dem Evangelio, das ist ja klar und gewiß.

Wiewohl wir nun in der Konfession dazugesetzt haben, wiefern die Bischöfe mögen Satzungen machen, nämlich daß sie die nicht als nötige Gottesdienste aufrichten und lehren, sondern daß es still und ordentlich in der Kirche zugehe. Aber damit sollen die Gewissen nicht gefangen sein, als seien es nötige Gottesdienste. Denn Paulus schreibt an die Galater im 5. Kapitel: „So stehet nun in der Freiheit, wie euch Christus hat freigemacht, und laßt euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft bringen!“ So muß man nun freilassen, solche äußerliche Satzungen zu brauchen oder nicht zu brauchen, daß sie nicht für solche Gottesdienste geachtet oder gehalten werden, welche nötig sollten sein zur Seligkeit. Doch ist man schuldig, Ärgernis zu meiden. Also haben die Apostel viel Dings um guter Zucht willen in der Kirche geordnet, das mit der Zeit geändert ist, und haben nicht Satzungen also gemacht, daß sie sollten nötig sein oder ewig bleiben. Denn sie haben wider ihre eigene Schrift und Lehre nicht, gehandelt, darin sie das gar heftig streiten , daß man die Kirche nicht solle mit Satzungen also beschweren oder verpflichten, als wären sie nötig zur Seligkeit.

Das ist ein einfältiger, klarer Unterricht von Menschensatzungen, nämlich daß wir wissen, daß es nicht nötige Gottesdienste sind, und daß man sie dennoch nach Gelegenheit, Ärgernis zu meiden, halten soll. Und also haben viel gelehrte, große Leute in der Kirche gehalten und gelehrt, und ist gewiß, daß die Widersacher dawider nichts können aufbringen. So ist es auch gewiß, daß dieses Wort des Herrn Christi Luk. 10: „Wer euch höret, der höret mich“, nicht von Menschensatzungen redet, sondern ist stracks dawider. Denn die Apostel empfangen da nicht ein mandatum cum Iibera, das ist, einen ganz freien, ungemessenen Befehl und Gewalt, sondern haben einen gemessenen Befehl, nämlich, nicht ihr eigen Wort, sondern Gottes Wort und das Evangelium zu predigen. Und der Her Christus will in den Worten: „Wer euch höret, der höret mich“ alle Welt stärken, wie auch vonnöten war, daß wir sollten ganz gewiß sein, daß das leibliche Wort Gottes Kraft wäre, und daß niemand vom Himmel ein ander Wort dürfte suchen oder gewarten. Darum kann dies Wort: „Wer euch höret, der höret mich“ von Satzungen nicht verstanden werden. Denn Christus will da, daß sie also lehren sollen, daß man durch ihren Mund Christum selbst höre. So müssen sie ja nicht ihr eigen Wort predigen, sondern sein Wort, seine Stimme und Evangelium, soll man Christum hören. Dies tröstliche Wort, welches aufs allerstärkste unsere Lehre bestätigt und viel nötige Lehre und Trost für die christlichen Gewissen in sich hat, das deuten die groben Esel auf ihre närrischen Satzungen, auf ihre Speisen, Trank, Kleider und dergleichen Kinderwerk.

Auch ziehen sie diesen Spruch an zu den Hebräern am 13.: „Gehorchet denen, die euch vorgehen“ usw. Dieser Spruch fordert, daß man soll gehorsam sein dem Evangelio; denn er gibt den Bischöfen nicht eine eigene Herrschaft oder Herrengewalt außer dem Evangelio; so sollen auch die Bischöfe nicht wider das Evangelium Satzungen machen, noch ihre Satzungen wider das Evangelium auslegen. Denn wenn sie das tun, so verbietet uns das Evangelium, ihnen gehorsam zu sein, wie Paulus zu den Galatern sagt: „So euch jemand würde ein ander Evangelium predigen, der sei verflucht!“

Gleich dasselbe antworten wir auch auf den Spruch Mat. am 23.: „Auf Mosis Stuhl sitzen die Schriftgelehrten usw.; alles nun, was sie euch sagen, das ihr hatten sollt, das haltet und tut’s.“ Das ist gewiß, daß damit nicht geboten wird universaliter, insgemein, daß wir alles sollen halten, was sie gebieten, auch wider Gottes Gebot und Wort. Denn an einem andern Ort sagt die Schrift: „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“ Darum, wenn sie unchristlich und wider die Schrift lehren, soll man sie nicht hören. So richtet dieser Spruch auch nicht ein Regiment an außer dem Evangelio; darum können sie ihre Gewalt, die sie außer dem Evangelio aufgerichtet haben, nicht durchs Evangelium beweisen. Denn das Evangelium redet nicht de traditionibus, sondern von Gottes Wort zu lehren.

Daß aber die Widersacher zu Ende der Konfutation uns verunglimpfen und beschweren, daß diese Lehre zu Ungehorsam und andern mehr Ärgernissen Ursache gebe, solches wird dieser unserer Lehre unbillig aufgelegt. Denn es ist öffentlich, daß die Obrigkeit aufs höchste durch diese Lehre gepreiset ist. So weiß man, daß an den Orten, da diese Lehre gepredigt wird, durch Gottes Gnade bisanher die Obrigkeit in allen Ehren von Untertanen gehalten ist.

Daß aber Uneinigkeit und Spaltung in der Kirche ist, weiß man, wie sich diese Händel erstlich zugetragen haben, und wer Ursache zur Trennung gegeben, nämlich die Indulgenzkrämer, die unleidliche Lügen unverschämt predigten und nachmals den Luther verdammten, daß er dieselben Lügen nicht billigte, dazu erregten für und für mehr Händel, daß Luther andere, mehr Irrtümer anzufechten verursacht ward. Dieweil aber unser Gegenteil die Wahrheit nicht hat dulden wollen und sich untersteht, öffentliche Irrtümer noch mit Gewalt zu handhaben, ist leichtlich zu richten, wer an der Trennung schuldig ist. Es sollte ja billig alle Welt, alle Weisheit, alle Gewalt Christo und seinem heiligen Wort weichen; aber der Teufel ist Gottes Feind, darum erregt er alle seine Macht wider Christum, Gottes Wort zu dämpfen und zu unterdrücken. Also ist der Teufel mit seinen Gliedern, so sich wider Gottes Wort legt, Ursache der Spaltung und Uneinigkeit; denn wir zum höchsten Frieden gesucht haben, des wir noch zum höchsten begehren, so fern, daß wir nicht gedrungen werden, Christum zu lästern und zu verleugnen. Denn Gott weiß, der aller Herzen Richter ist, daß wir an dieser schrecklichen Uneinigkeit nicht Lust oder Freude haben. So hat der Gegenteil bisanher keinen Frieden machen wollen, darin nicht gesucht sei, daß wir die heilsame Lehre von Vergebung der Sünden durch Christum ohne unser Verdienst sollten fallen lassen, dadurch doch Christus zum höchsten gelästert würde.

Und wiewohl nicht ohne ist, daß, wie die Welt pflegt, in dieser Spaltung dennoch Ärgernisse durch frevele und ungeschickte Leute etwa vorgefallen, denn der Teufel richtet solche Ärgernisse an zu Schmach dem Evangelio: so sind sie doch alle nicht zu achten gegen den hohen Trost, den diese Lehre mit sich gebracht hat, die lehrt, daß wir um Christus’ willen ohne unser Verdienst Vergebung der Sünden und einen gnädigen Gott haben; item, daß sie unterrichtet, daß Gottesdienst nicht sei, verlassen weltliche Stände und Obrigkeit, sondern daß solche Stände und Obrigkeit Gott gefallen und rechte heilige Werke und Gottesdienste seien.

So wir auch des Gegenteils Ärgernisse erzählen sollten, dazu wir wahrlich nicht Lust haben, würde es gar ein schrecklich Register werden: wie die Messe zu einem schändlichen, lästerlichen Jahrmarkt durch den Gegenteil gemacht; wie ein unzüchtig Leben durch ihren Zölibat angerichtet ist; wie die Päpste nun länger denn vierhundert Jahre mit den Kaisern gekriegt haben und des Evangelii vergessen und allein danach getrachtet, daß sie selbst Kaiser wären und ganz Italien unter sich brächten; wie sie mit den Kirchengütern gespielt haben; wie durch ihren Unfleiß viel falsche Lehre und falsche Gottesdienste durch die Mönche aufgerichtet sind. Ist doch ihr Heiligendienst eine öffentliche heidnische Abgötterei. Alle ihre Skribenten sagen nicht ein Wort von diesem Glauben an Christum, dadurch man Vergebung der Sünden erlangt. Die höchste Heiligkeit setzen sie in Menschensatzungen; davon schreiben und predigen sie vornehmlich. So ist das billig auch unter ihre Ärgernisse zu zählen, daß sie sich öffentlich erzeigen, was Geist sie haben, daß sie so viel unschuldige, fromme Leute jetzund um christlicher Lehre willen ermorden. Doch wollen wir hiervon jetzund nicht reden; denn diese Sachen soll man nach Gottes Wort richten und die Ärgernisse beider Seiten dieweil nicht ansehen.

Wir hoffen, es sollen alle Gottesfürchtigen in dieser unserer Schrift genugsam sehen, daß unsere Lehre christlich und allen Frommen tröstlich und heilsam sei. Darum bitten wir Gott, daß er Gnade verleihe, daß sein heiliges Evangelium bei allen erkannt und geehrt werde, zu seinem Lobe und zu Friede, Einigkeit und Seligkeit unser aller; und erbieten uns hiemit, wo es not ist, von allen Artikeln weiter Bericht zu tun.

Apologie XXVIII,12-27 Von der Potestate Ecclesiastica (Von der kirchlichen Macht)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. (Psalm 69)

“Burggarten” von Paul Klee 1919

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. 3 Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. 4 Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. 5 Die mich ohne Grund hassen, sind mehr, als ich Haare auf dem Haupt habe. Die mir ohne Ursache feind sind / und mich verderben wollen, sind mächtig. Ich soll zurückgeben, was ich nicht geraubt habe. 6 Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen. 7 Lass nicht zuschanden werden an mir, die deiner harren, Herr, HERR Zebaoth! Lass nicht schamrot werden an mir, die dich suchen, Gott Israels! 8 Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande. 9 Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter; 10 denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen. 11 Ich weine bitterlich und faste, und man spottet meiner dazu. 12 Ich habe einen Sack angezogen, aber sie treiben ihren Spott mit mir. 13 Die im Tor sitzen, schwatzen von mir, und beim Zechen singt man von mir. 14 Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. 15 Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke, dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen, und aus den tiefen Wassern…

Psalm 69,1-15. Von David, vorzusingen, nach der Weise »Lilien«. Dr. Martin Luthers Übersetzung (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Johannes 12,24

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Herr Jesu Christ, Dein teures Blut ist meiner Seele höchstes Gut, das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein.

Dein Glut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Unschuld und Gerechtigkeit macht, daß ich kann vor Gott bestehn und zu der Himmelsfreud eingehn.

O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, Dein teures Blut, Dein Lebenssaft gibt mir stets neue Lebenskraft.

Herr Jesu, in der letzten Not, wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein.

Johann Olearius 1671 (LKG 146)

Fortlaufende Lese

Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.  21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht hinein.  22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.  23 Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen,  24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. 

25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,  26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.  27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.  28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. 

Lukas 21,20-28

Morgenlese

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Johannes 6,47-58

Abendlese

Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 11 Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, auf dass auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch. 12 So ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. 13 Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht: »Ich glaube, darum rede ich«, so glauben wir auch, darum reden wir auch; 14 denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.

2. Korinther 4,7-14

Bekenntnislese

Die Widersacher machen hier ein groß Geschrei von den Freiheiten und Privilegien der Geistlichen (wie sie es nennen) und setzen danach einen solchen Beschluß: „Es ist“, sagen sie, „alles nichts und untüchtig, was in diesem Artikel wider die Freiheit und Privilegien der Kirchen und Priester wird vorgebracht.“ Hier handeln die Meister der Konfutation aber als Buben, uns zu verunglimpfen. Denn in unserer Konfession ist nichts geredet wider der Kirchen oder Priester Freiheiten, damit sie von weltlicher Obrigkeit, Kaisern, Königen und Fürsten begnadet sind. Denn wir lehren ja, man soll weltliche Ordnungen und Rechte halten.

Aber wollte Gott, daß die Widersacher doch auch einmal hörten die unsägliche, erbärmliche, große Klage aller Kirchen, das große Schreien und Seufzen so viel frommer Herzen und Gewissen! Der Kirchen Freiheit, und was Geld und Gut belangt, vergessen die Widersacher nicht, aber wie die nötigsten, nützlichsten Ämter in der Kirche bestellt sind, da sorgen sie nichts. Sie fragen gar nichts danach, wie man lehre oder predige; sie fragen nicht danach, wie christlicher Gebrauch der Sakramente erhalten werde; sie ordinieren grobe Esel. Damit ist die christliche Lehre untergegangen, daß die Kirchen nicht mit tüchtigen Predigern bestellt sind. Sie machen Traditiones und unerträgliche Bürden, die Seelen zu verderben, und ob solchen ihren Traditionen halten sie viel fester denn ob Gottes Geboten. Viel arme Seelen stecken jetzund im Zweifel, wissen nicht, was sie halten sollen. Da gebührt den Prälaten, zu hören, was recht, was unrecht wäre, und die Mißbräuche zu ändern, den armen Leuten aus dem Zweifel zu helfen und die Last von den beschwerten Gewissen zu nehmen. Was sie aber tun, ist am Tage. Sie machen Edikte wider die öffentliche Wahrheit, zeigen unerhörte Tyrannei wider fromme Leute zur Erhaltung etlicher ihrer Traditionen, die öffentlich wider Gott sind. So sie nun ihre Privilegia rühmen, sollten sie billig auch ihr Amt bedenken und vieler frommen Christen Seufzen und Klagen hören, die ohne Zweifel Gott hört, und er wird einmal Rechenschaft von den Prälaten fordern.

Auch antwortet die Konfutation nicht auf unsere Gründe, sondern stellt sich recht päpstlich: sagt von großer Gewalt der Bischöfe und beweist sie nicht, spricht also, daß die Bischöfe Gewalt haben zu herrschen, zu richten, zu strafen, zu zwingen, Gesetze zu machen, dienlich zum ewigen Leben. Also rühmt die Konfutatio der Bischöfe Gewalt und beweist sie doch nicht. Von diesem Artikel ist nun der Streit: ob die Bischöfe Macht haben, Gesetze zu machen außer dem Evangelio und zu gebieten, dieselben zu halten als Gottesdienste, dadurch ewiges Leben zu verdienen.

Darauf tun wir diesen Bericht: Man muß in der Kirche diese Lehre behalten, daß wir ohne Verdienst, um Christus’ willen, durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen; so muß man auch die Lehre behalten, daß alle Menschensatzungen nicht nütze sind, Gott zu versöhnen. Darum in Speise, Trank, Kleidern und dergleichen ist weder Sünde noch Gerechtigkeit zu setzen. Denn Paulus spricht: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken.“ Darum haben die Bischöfe nicht Macht, Satzungen zu machen außer dem Evangelio, also daß man dadurch Vergebung der Sünden erlangen wollte, oder daß es sollten Gottesdienste sein, um welcher willen uns Gott gerecht schätze, und zu welchen sie die Gewissen verpflichten bei einer Todsünde. Das alles lehrt der einige Spruch in Geschichten der Apostel am 15. Kapitel, da Petrus sagt, „das die Herzen werden durch den Glauben gereinigt“. Und danach verbieten sie, ein Joch oder Bürde auf die Jünger zu legen, und sagen, wie gefährlich das sei. Auch geben sie zu verstehen, das die schrecklich sündigen und wider Gott handeln und Gott versuchen, die also die Kirche beschweren. Denn sie sagen: „Was versucht ihr Gott?“ Dies harte, ernste Wort der Apostel, welches sie billig als ein Donnerschlag schrecken sollte, lassen ihnen die Widersacher gar nicht zu Herzen gehen, sondern wollen noch mit aller Tyrannei und Gewalt ihre erdichteten Gottesdienste verteidigen.

Denn den XV. Artikel, darin wir gesetzt haben, daß wir durch Menschensatzungen nicht verdienen Vergebung der Sünden, verdammen sie und sagen hier: Die Menschensatzungen sind nütz und dienstlich, das ewige Leben zu verdienen. Dagegen ist ja öffentlich, daß sie das Herz inwendig nicht trösten; so bringen sie auch kein neu Licht oder Leben in das Herz; wie denn Paulus zu den Kolossern sagt, daß darum die Satzungen nichts helfen, ewige Gerechtigkeit oder ewiges Leben zu erlangen, denn die Satzungen lehren vom Unterschied der Speisen, Kleider und der Dinge, welche sich unter’n Händen verzehren. Das ewige Leben aber, welches inwendig durch Glauben in diesem Leben anfängt, wirkt der Heilige Geist im Herzen durch das Evangelium. Darum werden die Widersacher nimmermehr beweisen, daß man durch Menschensatzungen das ewige Leben verdiene.

So nun das Evangelium klar verbietet, daß mit solchen Satzungen die Kirchen und Gewissen nicht sollen beschwert werden, also daß man dadurch Vergebung der Sünden erlangen müsse, oder müsse sie halten als nötige Gottesdienste, ohne welche christliche Heiligkeit nicht sein könne, oder daß man sie bei einer Todsünde zu halten soll schuldig sein, so werden die Widersacher nimmermehr beweisen, daß die Bischöfe solche Gottesdienste anzurichten Macht haben.

Apologie XXVIII,1-11 Von der Potestate Ecclesiastica (Von der Macht der Bischöfe)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe (Psalm 51,14)

St. Marien und Corpus Christi Kapelle in der Lutherstadt Wittenberg

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. 4 Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; 5 denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. 6 An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest. 7 Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen. 8 Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund. 

9 Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich weißer werde als Schnee. 10 Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. 11 Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat. 12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. 13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. 15 Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren. 16 Errette mich von Blutschuld, / Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. 

17 Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. 18 Denn Schlachtopfer willst du nicht, / ich wollte sie dir sonst geben, und Brandopfer gefallen dir nicht. 19 Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. 20 Tue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem. 21 Dann werden dir gefallen rechte Opfer, / Brandopfer und Ganzopfer; dann wird man Stiere auf deinem Altar opfern. 

Psalm 51. Ein Psalm Davids, vorzusingen, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war. Übersetzung ins Deutsche von Dr. Martin Luther (2017 Revision)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Johannes 12,24

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Jesu, Deine Passion will ich jetzt bedenken; wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, wie Du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen.

Meine Seele sehen mach Deine Angst und Bande, Deine Schläge, Deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine Geißel, Dornenkron, Speer– und Nägelwunden, Deinen Tod, o Gottessohn, und den Leib voll Schrunden.

Aber lass mich nicht allein Deine Marter sehen, laß mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen. Ach, die Ursach war auch ich, ich und meine Sünde: diese hat gemartert Dich, daß ich Gnade finde.

Jesu, lehr bedenken mich dies mit Buß und Reue; hilf, daß ich mit Sünde Dich martre nicht aufs Neue. Sollt ich dazu haben Lust und nicht wollen meiden, was Du selber büßen mußt mit so großem Leiden?

Wenn mir meine Sünde will heiß die Hölle, Jesu, mein Gewissen still, Dich ins Mittel stelle. Dich und Deine Passion laß mich gläubig fassen; liebet mich sein lieber Sohn, wie kann Gott mich hassen?

Gib auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, daß ich Demut von Dir lern und Geduld in Plage, daß ich Dir geb Lieb um Lieb. Indes laß dies Lallen – bessern Dank ich dorten geb -, Jesu, Dir gefallen.

Sigmund von Birken 1663 (LKG 145)

Fortlaufende Lese

Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihegaben geschmückt sei, sprach er:  6 Es wird die Zeit kommen, in der von dem allen, was ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde. 

7 Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein, wenn das geschehen wird?  8 Er aber sprach: Seht zu, lasst euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s, und: Die Zeit ist herbeigekommen. – Lauft ihnen nicht nach!  9 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Unruhen, so entsetzt euch nicht. Denn das muss zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da.  10 Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere,  11 und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen. 

12 Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen.  13 Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis.  14 So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt.  15 Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können.  16 Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen.  17 Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen.  18 Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen.  19 Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen. 

Lukas 21,5-19

Morgenlese

Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt[3] und mit all deiner Kraft« 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Markus 12,28-34

Abendlese

Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. 36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 

Johannes 6,30-40

Bekenntnislese

Hier werfen uns die Widersacher vor die Nazaräer im Gesetz Mosis. Aber die taten ihre Gelübde nicht der Meinung, dadurch Vergebung der Sünden zu erlangen, wie wir oben von den Mönchsgelübden geklagt haben. Der Nazaräer Orden war eine leibliche Übung mit Fasten, mit gewisser Speise, dadurch sie ihren Glauben bekannten, nicht daß sie dadurch Vergebung der Sünden erlangten oder dadurch vom ewigen Tod erlöst würden; denn das suchten sie anderswo, nämlich in der Verheißung von dem gebenedeiten Samen. Item, wie die Beschneidung im Gesetz Mosis oder das Opferschlachten jetzund nicht soll für einen Gottesdienst aufgerichtet werden, also soll man das Fasten oder Zeremonie der Nazaräer nicht aufrichten oder anziehen als einen Gottesdienst, sondern soll gehalten werden für ein Mittelding und leibliche Übung. Derhalben können noch sollen sie ihren Mönchsstand, welcher ohne Gottes Wort erdichtet ist als ein Gottesdienst, dadurch Gott versöhnt werde, nicht vergleichen mit der Nazaräer Stand, welchen Gott befohlen hatte, und war nicht dazu erdacht, daß die Nazaräer dadurch sollten erlangen einen gnädigen Gott, sondern daß es eine äußerliche Zucht und Übung wäre des Leibes wie andere Zeremonien im Gesetz Mosis. Item, gleich dasselbe ist auch von andern mancherlei Gelübden, die im Gesetz Mosis gesetzt werden zu antworten.

Auch so ziehen die Widersacher an das Exempel der Rechabiten, welche keine Güter hatten, auch keinen Wein tranken, wie Jeremia sagt am 35. Kapitel. Ja wahrlich, es reimt sich Wohl der Rechabiten Exempel zu unsern Mönchen, so ihre Klöster prächtiger denn der Könige Paläste gebaut sind, so sie in allem Überfluß leben. Auch so sind die Rechabiten bei ihrer Armut doch Eheleute gewesen unsere Mönche, so sie alle Pracht, allen haben, geben in ihrer Heuchelei Keuschheit vor.

Nun, die verständigen und Gelehrten wissen wohl, daß man alle Exempel nach der Regel, das ist, nach der klaren Schrift, und nicht wider die Regel oder Schrift soll auslegen oder einführen. Darum, so die Rechabiten in der Schrift gelobt werden, so ist es gewiß, daß sie ihre Weise und Zeremonie nicht darum gehalten haben, dadurch Vergebung der Sünden oder ewiges Leben zu verdienen, oder daß ihre Werke an ihnen selbst sie vor Gott versöhnen könnten, sondern sie haben als fromme, gottesfürchtige Kinder geglaubt an den gesegneten, gebenedeiten Samen, an den zukünftigen Christum, und dieweil sie haben Gebot und Befehl gehabt ihrer Eltern, wird in der Schrift gelobt ihr Gehorsam, von welchem das vierte Gebot redet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“

Item, so hat der Rechabiten Weise noch eine Ursache. Sie waren unter den Heiden gewesen, da hat sie ihr Vater unterscheiden wollen von den Heiden mit etlichen Zeichen, daß sie nicht wieder fielen in gottlos Wesen und Abgötterei. Darum hat sie ihr Vater dadurch wollen erinnern der Gottesfurcht, des Glaubens, der Auferstehung der Toten; und das ist eine gute Ursache. Aber die Möncherei hat viel andere Ursachen. Sie erdichten, daß die Möncherei sei ein Gottesdienst, da durch man verdiene Vergebung der Sünden und Gott versöhnt werde. Darum ist es gar keine Vergleichung mit der Rechabiten Exempel; daß ich geschweige andern unzähligen Unrats und Ärgernisses, welche darüber noch am Klosterleben sind.

Auch so bringen sie vor aus der ersten Epistel zum Timotheo am 5. von den Witwen, welche den Kirchen dienten und von dem gemeinen Kirchengut ernährt wurden, da Paulus sagt: „Denn wenn sie geil worden sind wider Christum, so wollen sie freien; und haben ihr Urteil, das sie den ersten Glauben verbrochen haben.“ Ich will gleich setzen, daß, da der Apostel von den Gelübden rede (wie doch nicht ist), so tut doch der Spruch gar nichts dazu, daß die Klostergelübde sollten christlich sein. Denn die Klostergelübde geschehen darum, daß sie sollen ein Gottesdienst sein, dadurch man Vergebung der Sünden verdiene. Paulus aber verwirft alle Gesetze, alle Werke, alle Gottesdienste, welche also gehalten und angenommen werden, dadurch Vergebung der Sünden und das ewige Leben zu verdienen, welches wir allein durch Christum erlangen. Darum ist es gewiß, ob die Witwen etliche Gelübde getan hätten, daß sie doch ungleich den jetzigen Klostergelübden gewesen sind.

Darüber, wenn die Widersacher je den Spruch Pauli wollen auf die Klostergelübde ziehen und dehnen, so müßten sie das auch annehmen, daß Paulus verbietet, „es solle keine Witwe eingenommen werden, die jünger wäre denn sechzig Jahre“. Also werden denn alle Klostergelübde, welche vor der Zeit des Alters geschehen sind von jüngeren Leuten, unbündig und nichts sein. Aber die Kirche hat von den Klostergelübden die Zeit nichts gewußt. So verwirft nun Paulus die Witwen nicht darum, daß sie ehelich werden (denn er heißt die jungen ehelich werden), sondern daß sie aus dem gemeinen Kirchenkasten sich nähren ließen, desselben zu ihrer Lust und Mutwillen mißbrauchten und also den ersten Glauben brächen. Das heißt er den ersten Glauben fahren lassen nicht der Klostergelübde, sondern ihrer Taufe, ihrer christlichen Pflicht, ihres Christentums. Und also redet er auch vom Glauben im selben Kapitel: „So jemand seine Hausgenossen nicht versorget, der hat seinen Glauben verleugnet.“ Denn er redet anders vom Glauben denn die Sophisten. Darum sagt er, daß diejenigen den Glauben verleugnen, die ihre Hausgenossen nicht versorgen. Also sagt er auch von den vorwitzigen Weibern, daß sie den Glauben fahren lassen.

Wir haben etliche Ursachen angezeigt und widerlegt , was die Widersacher vorgebracht. Dieses haben wir nicht allein um der Widersacher willen erzählt, sondern vielmehr um etlicher christlicher Herzen und Gewissen willen, daß sie mögen klar vor Augen haben, warum die Klostergelübde und die mancherlei Möncherei nicht recht oder christlich sind, welche auch alle miteinander das einige Wort Christi möchte zu Boden stoßen, da er sagt: „Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten;“ Denn aus dem Wort allein hat man kurz, daß die ganze Möncherei, Kappen, Strick, Gürtel und alle eigenerdichtete Heiligkeit vor Gott unnütz, vergebliche Gottesdienste seien, und alle christlichen, frommen Herzen sollen das ganz für gewiß halten, daß dies gewiß ein pharisäischer, verdammter, häßlicher Irrtum, daß wir sollten durch solche Möncherei Vergebung der Sünden oder das ewige Leben verdienen und nicht vielmehr erlangen durch den Glauben an Christum. Darum fromme Leute, so im Klosterleben selig geworden und erhalten sind, die haben endlich müssen dahin kommen, daß sie an allem ihrem Klosterleben verzagt, alle ihre Werke wie Kot verachtet, alle ihre heuchlerischen Gottesdienste verdammt und sich und die Zusage der Gnade in Christo fest gehalten haben, wie man des denn von St. Bernhard ein Exempel hat, daß er gesagt: Perdite Vixi, „Ich habe sündlich gelebt“. Denn Gott will keine andern Gottesdienste haben, denn welche er selbst hat aufgerichtet durch sein Wort.

Apologie XXVII,58-70 (Von den Klostergelübden)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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HERR, strafe mich nicht in Deinem Zorn und züchtige mich nicht in Deinem Grimm! (Psalm 38)

HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! 3 Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. 4 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. 5 Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. 6 Meine Wunden stinken und eitern wegen meiner Torheit. 7 Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. 8 Denn meine Lenden sind ganz verdorrt; es ist nichts Gesundes an meinem Leibe. 9 Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzens. 10 Herr, du kennst all mein Begehren, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. 11 Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist dahin. 12 Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage, und meine Nächsten halten sich fern. 13 Die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; / und die mein Unglück suchen, bereden, wie sie schaden wollen; sie sinnen Arges den ganzen Tag. 14 Ich bin wie taub und höre nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut. 15 Ich muss sein wie einer, der nicht hört und keine Widerrede in seinem Munde hat. 16 Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst antworten. 17 Denn ich denke: Dass sie sich ja nicht über mich freuen! Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wider mich. 18 Denn ich bin dem Fallen nahe, und mein Schmerz ist immer vor mir. 19 Denn ich bekenne meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde. 20 Aber meine Feinde leben und sind mächtig; die mich ohne Grund hassen, derer sind viele. 21 Die mir Gutes mit Bösem vergelten, feinden mich an, weil ich mich an das Gute halte. 22 Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir! 23 Eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe! 

Psalm 38. Ein Psalm Davids, zum Gedenkopfer. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Johannes 12,24

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen, Herr Jesu, Dir sei Dank für alle Deine Plagen: für Deine Seelenangst, für Deine Band und Not, für Deine Geißelung, für Deinen bittern Tod.

Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet, was Du an unsrer Statt, was Du für uns erduldet. Ach unsre Sünde bringt Dich an das Kreuz hinan; o unbeflecktes Lamm, was hast Du sonst getan?

Dein Kampf ist unser Sieg, Dein Tod ist unser Leben; in Deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, ein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.

O hilf, daß wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen; hilf tragen mit Geduld, durch Deine Dornenkron, wenn’s kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen; durch Deinen Todeskampf laß uns im Tode siegen; durch Deine Bande, Herr, bind uns, wie Dir’s gefällt; hilf, daß wir kreuzigen durch Dein Kreuz Fleisch und Welt.

Laß Deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden, laß uns auf Deinen Tod den Trost im Tode gründen. O Jesu, laß an uns durch Dein Kreuz Angst und Pein Dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.

Adam Thebesius 1663 (LKG 144)

Fortlaufende Lese

Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Gotteskasten einlegten.  2 Er sah aber eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein.  3 Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt.  4 Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Gaben eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte. 

Lukas 21,1-4

Morgenlese

Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. 25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen? 26 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 27 Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters. 28 Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? 29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 

Johannes 6,24-29

Abendlese

 Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr nicht das Gesetz? 22 Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien. 23 Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch geboren worden, der von der Freien aber durch die Verheißung. 24 Das ist bildlich zu verstehen: Die beiden Frauen sind zwei Bundesschlüsse, einer vom Berg Sinai, der in die Knechtschaft gebiert; das ist Hagar. 25 Hagar aber bezeichnet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. 26 Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter. 27 Denn es steht geschrieben: »Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.« 28 Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. 29 Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch geboren war, den verfolgte, der nach dem Geist geboren war, so geht es auch jetzt. 30 Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« 31 Darum, Brüder und Schwestern, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien. 

Galater 4,21-31

Bekenntnislese

Auch so wird ein Spruch angezogen: „So du willst vollkommen sein, so gehe, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen und folge mir nach.“ Der Spruch hat vielen zu schaffen gemacht, daß sie haben wollen wähnen, das sei die höchste Heiligkeit und Vollkommenheit, nicht Eigenes haben, nicht Haus, Hof, Güter haben. Es mögen aber die Cynici, als Diogenes, der kein Haus haben wollte, sondern lag in einem Faß, solche heidnische Heiligkeit rühmen; christliche Heiligkeit steht viel auf höheren Sachen denn auf solcher Heuchelei. Denn Güter haben, Haus und Hof, sind weltlicher Regimente Ordnungen, welche durch Gott bestätigt sind, als im siebenten Gebot: „Du sollst nicht stehlen“ usw. Darum Güter, Haus und Hof verlassen, ist in der Schrift nicht geboten noch geraten. Denn evangelische, christliche Armut steht nicht darin, daß ich die Güter verlasse, sondern daß ich nicht darauf vertraue, gleichwie David gleichwohl arm war bei einer großen Gewalt und Königreich.

Darum dieweil solch Verlassen der Güter nichts ist denn eine menschliche Satzung, so ist es ein unnützer Gottesdienst. Und des Papsts Extravagant rühmt und lobt auch viel zu hoch solche mönchische, heuchlerische Armut, da sie sagt, nicht Eigenes haben um Gottes willen sei ein verdienstlich, heilig Ding und ein Weg der Vollkommenheit. Wenn unerfahrene Leute solch Rühmen hören, fallen sie darauf, es sei unchristlich, in Gütern sitzen; daraus folgen denn viele Irrtümer und Aufruhre. Durch solch Rühmen ist Müntzer betrogen worden, und werden dadurch viele Anabaptisten verführt. Sie sprechen aber: Hat’s doch Christus selbst Vollkommenheit genannt. Da sage ich nein zu; denn sie tun dem Text Gewalt, daß sie ihn nicht ganz anziehen. Vollkommenheit steht in diesem Stück, da Christus spricht: „Folge mir nach!“ Und darin steht eines jeden Christen Vollkommenheit, daß er Christo folge, ein jeder nach seinem Beruf; und sind doch die Berufe ungleich; einer wird berufen zu einem Regenten, der andere zu einem Hausvater, der dritte zu einem Prediger. Darum, obschon jener Jüngling berufen ist, daß er verkaufen sollte, betrifft sein Beruf nicht andere, wie Davids Beruf, daß er König werden sollte, nicht alle betrifft; Abrahams Beruf, daß er seinen Sohn opfern sollte, betrifft nicht andere. Also sind die Berufe ungleich; aber der Gehorsam soll gleich sein, und darin steht Vollkommenheit, so ich in meinem Beruf gehorsam bin, nicht so ich mich eines fremden Berufs annehme, da ich nicht Befehl oder Gottes Gebot von habe.

Für das dritte, eins von den Substantialklostergelübden ist die Keuschheit. Nun haben wir oben von der Priesterehe gesagt, daß man durch kein Gesetz oder Klostergelübde natürlich oder göttlich Recht ändern kann; und so nicht alle Leute die Gabe der Keuschheit haben, so halten sie auch dieselben, das Gott geklagt sei. So können auch keine Klostergelübde noch Gesetze dem Heiligen Geist sein Gebot ändern, da Paulus sagt: „Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.“ Darum sind die Klostergelübde nicht christlich in denen, welche nicht haben die Gabe der Keuschheit, sondern fallen und machen’s ärger aus Schwachheit. Von dem Artikel haben wir hier oben gesagt, und ist wahrlich Wunder, so die Widersacher vor Augen sehen so viele, unzählige Fährlichkeiten der Gewissen und Ärgernisse, daß sie nichtsdestoweniger als die törichten, rasenden Leute dringen auf solche Menschensatzungen wider das öffentliche Gottesgebot und sehen nicht, daß der Her Christus so ernstlich straft die Pharisäer, welche Satzungen wider Gottes Gebot lehrten.

Zum vierten, so sollte doch jedermann vom Klosterleben abschrecken der greuliche, schreckliche Mißbrauch der Messen, welche gehalten werden für Lebendige und für die Toten; item, das Anrufen der Heiligen, das alles auf Geiz, auf eitel Teufelsgreuel gerichtet ist. Denn am Anrufen der Heiligen ist zweierlei Greuel: der eine, daß der Heiligen Dienst auf Geiz gerichtet ist; der andere, das die Heiligen werden gesetzt an Christus’ Statt, und daß sie werden abgöttisch angebetet und für Mittler gegen Gott gehalten, wie allein die Predigermönche (geschweige denn unzählige tolle Träume der andern Mönche) mit der Brüderschaft des Rosenkranzes eine rechte unverschämte Abgötterei haben angerichtet, welches worüber jetzund Feinde und Freunde selbst spotten. Item, das Evangelium, welches da predigt Vergebung der Sünden um Christus’ willen, von rechter Buße, von rechten guten Werken, die Gottes Befehl haben, hören sie nicht, sie lehren’s auch nicht, sondern lehren aus ihren Predigten Fabeln von Heiligen und eigenerdichtete Werke, dadurch Christus wird unterdrückt. Das alles haben die Bischöfe leiden können.

Wir wollen hier geschweigen der unzähligen kindischen Zeremonien und närrischen Gottesdienste mit Lektionen, mit Gesängen und dergleichen, welche zum Teil möchten zu dulden sein, wenn sie ein Maß hätte und zu guter Übung gebraucht würden, wie man der Lektionen in der Schule und der Predigt dazu gebraucht, daß die Zuhörer davon sich bessern. Aber nun erdichten sie ihnen selbst, daß solche mancherlei Zeremonien sollen Gottesdienste sein, Vergebung der Sünden dadurch zu verdienen ihnen selbst und andern; darum machen sie auch ohne Unterlaß neue Zeremonien. Denn wenn sie solche Kirchendienste und Zeremonien dahin richteten, daß die Jugend und der gemeine Mann möchte geübt werden in Gottes Wort, so wären kurze und fleißige Lektionen viel nütze denn ihr Geplärre im Chor, das weder Maß noch Ende hat. Also ist das ganze Klosterleben gar voll Abgötterei und voll heuchlerischer Irrtümer wider das erste und andere Gebot, wider Christum. Darüber ist noch die Fährlichkeit dabei, daß diejenigen, die also in Stiften oder Klöstern sind, müssen wissentlich helfen die Wahrheit verfolgen. Derhalben sind viel große Ursachen, darum fromme, redliche Leute das Klosterleben fliehen oder auch verlassen mögen.

Darüber, so sprechen die Canones selbst diejenigen los, die überredet sind mit guten Worten, ehe sie zu ihrem rechten Alter gekommen sind, oder welche die Freunde wider ihren Willen in ein Kloster verstoßen haben. Aus dem allem erscheint, daß viele Ursachen sind, welche da anzeigen, daß die Klostergelübde, welche bisher geschehen sind, nicht rechte christliche, bündige Gelübde sind. Darum mag man das Klosterleben mit gutem Gewissen verlassen, da es voll Heuchelei und allerlei Greuel ist.

Apologie XXVII,45-57 (Von den Klostergelübden)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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Dr. Martin Luthers 4. Passionspredigt (Mt.26,57-68)

Albrecht Dürer: Die große Passion (Titelblatt mit Schmerzensmann und Kriegsknecht 1511)

Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, dahin die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten. Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis in den Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte.

Die Hohenpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis gegen Jesus, auf daß sie ihn töteten, und fanden keins. Und wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch keins. Zuletzt traten herzu zwei falsche Zeugen und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn bauen.

Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen? Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester antwortete und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an wird’s geschehen, daß ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.

Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiteres Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünkt euch? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! Da spieen sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist’s, der dich schlug?

Matthäus 26,57-68 nach Dr. Martin Luthers Übersetzung von 1545

Dr. Martin Luther predigt die 4. Passionspredigt über Matthäus 26,57-68 wie der Herr Jersus für Annam und Caipham gefüret, und was für ein Gerichtsordnung oder Prozeß die Juden mit jhm gehalten haben. Hier zu lesen nach WA 52, S.758-763:

Und hier vorgelesen:

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“Examine all things; hold fast to what is good” (1. Thessalonians 5,21)

Here´s our update for the Old Latin School in March

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Hilf, HERR! Der König erhöre uns, wenn wir rufen. (Psalm 20,10)

Altar in der Kapelle der Alten Lateinschule (Lutherstadt Wittenberg)

Der HERR erhöre dich in der Not, der Name des Gottes Jakobs schütze dich! 3 Er sende dir Hilfe vom Heiligtum und stärke dich aus Zion! 4 Er gedenke all deiner Speisopfer, und dein Brandopfer sei ihm angenehm! Sela. 

Er gebe dir, was dein Herz begehrt, und erfülle alles, was du dir vornimmst! 6 Dann wollen wir jubeln, weil er dir hilft; / im Namen unsres Gottes erheben wir das Banner. Der HERR gewähre dir alle deine Bitten! 

Nun weiß ich, dass der HERR seinem Gesalbten hilft / und ihn erhört von seinem heiligen Himmel, seine rechte Hand hilft mit Macht. 8 Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des HERRN, unsres Gottes. 9 Sie sind niedergestürzt und gefallen, wir aber stehen aufgerichtet. 

Hilf, HERR! Der König erhöre uns, wenn wir rufen. 

Psalm 20. Ein Psalm Davids vorzusingen. Deutsche Übersetzung Dr. Martin Luthers (Revision 2017).

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Johannes 12,24

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der Du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben; tausend-, tausend mal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Du, ach Du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast lassen Wunden schlagen, Dich erbärmlich richten zu, um zu heilen meine Plagen, um zu setzen mich in Ruh; ach Du hast zu meinem Segen lassen Dich mit Fluch belegen. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Man hat Dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dornen Dich gekrönet: Was hat Dich dazu bewegt? Daß Du möchtest mich ergötzen, mir die Ehrenkron aufsetzen. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast wollen sein geschlagen, zu befreien mich von Pein, fälschlich lassen Dich anklagen, daß ich könnte sicher sein; daß ich möge Trost erlangen, hast Du ohne Trost gehangen. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Du hast Dich in Not gestecket, hast gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; daß ich würde losgezählet, hast Du wollen sein gequälet. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Ubermut, Dein Tod meinen Tod versüßet; es kommt alles mir zugut. Dein Verspotten, Dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend-, tausendmal sei Dir, liebster Jesu, Dank dafür.

Nun, ich danke Dir von Herzen, Herr, für alle Deine Not: für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod; für Dein Zittern, für Dein Zagen, für Dein tausendfaches Plagen, für Dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein.

Ernst Christoph Homburg 1659 (LKG 143)

Fortlaufende Lese

Er sprach aber zu ihnen: Wieso sagen sie, der Christus sei Davids Sohn?  Denn David selbst sagt im Buch der Psalmen: »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,  bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.«  David nennt ihn also »Herr«; wie ist er dann sein Sohn? 

Als aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern:  Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gern in langen Gewändern umhergehen und es lieben, sich auf dem Markt grüßen zu lassen und obenan in den Synagogen und beim Gastmahl zu sitzen;  sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein umso härteres Urteil empfangen. 

Lukas 20,41-47

Morgenlese

Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 14 Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um 16 und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! 17 Seine Jünger aber dachten daran, dass geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.« 18 Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, dass du dies tun darfst? 19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. 20 Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. 22 Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte. 

Johannes 2,13-22

Abendlese

Von Elim brachen sie auf, und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie von Ägypten ausgezogen waren. 2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. 3 Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. 4 Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich’s prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht. 5 Am sechsten Tage aber wird’s geschehen, wenn sie zubereiten, was sie einbringen, dass es doppelt so viel sein wird, wie sie sonst täglich sammeln. 6 Mose und Aaron sprachen zu ganz Israel: Am Abend sollt ihr innewerden, dass euch der HERR aus Ägyptenland geführt hat, 7 und am Morgen werdet ihr des HERRN Herrlichkeit sehen, denn er hat euer Murren wider den HERRN gehört. Was sind wir, dass ihr wider uns murrt? 8 Weiter sprach Mose: Der HERR wird euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brot die Fülle, weil der HERR euer Murren gehört hat, womit ihr wider ihn gemurrt habt. Denn was sind wir? Euer Murren ist nicht wider uns, sondern wider den HERRN. 9 Und Mose sprach zu Aaron: Sage der ganzen Gemeinde der Israeliten: Kommt herbei vor den HERRN, denn er hat euer Murren gehört. 10 Und als Aaron noch redete zu der ganzen Gemeinde der Israeliten, wandten sie sich zur Wüste hin, und siehe, die Herrlichkeit des HERRN erschien in der Wolke. 11 Und der HERR sprach zu Mose: 12 Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin. 13 Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. 14 Und als der Tau weg war, siehe, da lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. 15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu?[1] Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. 16 Das ist’s aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, so viel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte. 17 Und die Israeliten taten’s und sammelten, einer viel, der andere wenig. 18 Aber als man’s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, so viel er zum Essen brauchte. 19 Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon übrig bis zum nächsten Morgen. 20 Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend. Und Mose wurde zornig auf sie. 21 Sie sammelten aber alle Morgen, so viel ein jeder zum Essen brauchte. Wenn aber die Sonne heiß schien, zerschmolz es. 22 Und am sechsten Tage sammelten sie doppelt so viel Brot, je zwei Krüge voll für einen. Und alle Vorsteher der Gemeinde kamen hin und verkündeten’s Mose. 

2. Mose (Exodus) 16,1-22

Bekenntnislese

Diejenigen, die da lehren, daß wir durch Möncherei können Vergebung der Sünden verdienen, und setzen also das Vertrauen, welches Christo allein gebührt, auf die elenden Satzungen, die treten schlecht das heilige Evangelium und die Verheißung von Christo mit Füßen; und für den Heiland Christum ehren sie ihre schäbichten Kappen, ihre mönchischen tollen Werke. Und so es ihnen noch selbst fehlt an Gnade, so tun sie als die gottlosen, heillosen Leute, daß sie noch ihre merita supererogationis erdichten und andern Leuten das übrige Teil am Himmel verkaufen.

Wir reden hier desto kürzer von dieser Sache; denn aus dem, so droben geredet von der Buße, de justificatione, von Menschensatzungen usw., genug zu merken, daß die Klostergelübde nicht Schatz sind, dadurch wir erlöst und erlangen ewiges Leben usw. Und so Christus dieselben Satzungen nennt vergebliche Gottesdienste, so sind sie in keinem Wege eine evangelische Vollkommenheit

Doch haben etliche vernünftige Mönche eine Scheu gehabt, ihre Möncherei so hoch zu rühmen, daß sie sollte christliche Vollkommenheit heißen. Die haben diesen hohen Ruhm gemäßigt, haben gesagt, es sei nicht christliche Vollkommenheit, sondern es sei ein Stand, der dazu dienen soll, christliche Vollkommenheit zu suchen. Solcher Mäßigung gedenkt auch Gerson und verwirft die unchristliche Rede, daß Möncherei christliche Vollkommenheit sei. Wo nun Möncherei nur ein Stand ist, Vollkommenheit zu suchen, so ist’s nicht mehr ein Stand der Vollkommenheit denn der Bauern und Ackerleute, der Schneider und Bäcker Leben usw. Denn das alles sind auch Stände, christliche Vollkommenheit zu suchen. Denn alle Menschen, sie seien, in was Stande sie wollen, ein jeder nach seinem Beruf, so sollen sie nach der Vollkommenheit, solange dies Leben währt, streben und allzeit zunehmen in Gottesfurcht, im Glauben, in Liebe gegen den Nächsten und dergleichen geistlichen Gaben.

Man liest in vitis patrum von St. Antonio und etlichen andern großen heiligen Einsiedeln, welche durch Erfahrung dahin sind endlich gekommen, daß sie gemerkt, daß sie ihre Werke vor Gott nicht mehr fromm machen denn anderer Stände Werke. Denn St. Antonius hat auf eine Zeit Gott gebeten, das er ihm doch zeigen wolle, wie weit er gekommen wäre ins Leben der Vollkommenheit. Da ward ihm angezeigt ein Schuster zu Alexandria und ward ihm gesagt, dem Handwerksmanne wäre er in Heiligkeit gleich. Bald den andern Tag machte sich Antonius auf, zog gen Alexandria, sprach denselben Schuster an und fragte mit Fleiß, was er für einen heiligen Wandel, Leben und Wesen führte. Da antwortete ihm der Schuster: Ich tue. nichts Besonderes; denn morgens spreche ich mein Gebet für die ganze Stadt und arbeite danach mein Handwerk, warte meines Hauses usw. Da verstand Antonius bald, was Gott durch die Offenbarung gemeint hätte. Denn man wird nicht durch dies oder jenes Leben vor Gott gerecht, sondern allein durch den Glauben an Christum.

Die Widersacher aber, wiewohl sie sich jetzund auch schämen, die Möncherei Vollkommenheit zu nennen, so halten sie es doch im Grund dafür. Denn sie verkaufen ihre Werke und Verdienste und geben vor, sie halten nicht allein die Gebote, sondern die consilia und Räte, und wähnen, sie behalten Verdienst noch übrig. Heißt das nun nicht mit der Tat Vollkommenheit und Heiligkeit rühmen, wenn sie gleich mit Worten ein wenig die Sache mäßigen? Auch ist klar gesetzt in der Konfutation, daß die Mönche näher und genauer nach dem Evangelio leben denn andere Weltliche. Wo nun ihre Meinung ist, daß man dadurch dem Evangelio näher lebt, wenn man nichts Eigenes hat, außerhalb der Ehe lebt, eine sonderliche Kleidung oder Kappe trägt, also fastet, also betet: so ist ja ihre Meinung, daß ihre Möncherei christliche Vollkommenheit sei, dieweil sie dem Evangelio näher sein soll denn gemein Leben.

Item, in der Konfutation steht geschrieben, daß die Mönche das ewige Leben reichlicher erlangen denn andere, und ziehen an die Schrift: „Wer Haus und Hof verläßt“ usw. Da rühmen sie auch eine Vollkommenheit, welche soll an der Möncherei sein. Aber der Spruch redet nichts von der Möncherei. Denn Christus will da nicht, daß Vater, Mutter, Weib, Kind, Haus und Hof verlassen ein solch Werk sei, damit man Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdiene, sondern auf die Weise Vater und Mutter verlassen, gefällt Gott gar nichts und ist in die Hölle vermaledeit. Denn wenn jemand darum Eltern, Haus, Hof verläßt, daß er dadurch will Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdienen, da lästert er Christum.

Es ist aber zweierlei Verlassen. Eins geschieht aus Beruf und Gottes Gebot. Das Verlassen, welches ohne Beruf und Gottes Gebot geschieht, das läßt sich der Her Christus gar nicht gefallen. Denn die Werke, wo wir selbst erwählen, nennt der Her Christus unnütze, vergebliche Gottesdienste. Man steht aber daraus noch klarer, daß Christus nicht meint ein solches Fliehen von Weib und Kind; er sagt: „Wer da verläßt Weib, Kind, Haus, Hof“ usw. Nun wissen wir, daß Gott geboten hat, Weib, Kind nicht zu verlassen. Es ist aber ein ander Verlassen, wenn wir aus Gottes Gebot verlassen Eltern, Weib, Kind usw., und wenn wir es selbst vornehmen. Denn wenn Tyrannen mich wollten zwingen, das Evangelium zu verleugnen, oder verjagen, da haben wir Gottes Befehl, daß wir sollen eher Unrecht leiden, als daß wir nicht allein von Weib und Kindern, Haus und Hof vertrieben werden, sondern auch, daß man uns unser Leib und Leben nimmt. Von dem Verlassen redet Christus, darum setzt er auch dazu: „um des Evangeliums Willen“, und zeigt genug an, daß er von denen rede, die um des Evangeliums willen leiden, nicht Weib und Kind aus eigenem Vornehmen verlassen. Denn wir sind auch schuldig, unser eigen Leben zu lassen um des Evangeliums willen. Da wäre es nun närrisch und ganz Widersinns verstanden, wenn ich mich selbst töten wollte ohne Gottes Befehl. Also ist es auch närrisch, das für Heiligkeit und Gottesdienst halten, daß ich aus eigenem Vornehmen verließe Weib und Kind ohne Gottes Befehl.

Derhalben wird der Spruch Christi übel auf die Möncherei gedeutet. Es möchte sich aber das auf die Mönche reimen, daß sie Hundertfältiges in diesem Leben empfangen. Denn viele werden Mönche um des Bauchs willen, und daß sie Müßiggang und feiste Küchen haben, da sie als Bettler dennoch in reiche Klöster kommen. Wie aber die ganze Möncherei voll Heuchelei ist und Betrugs, also ziehen sie auch die Schrift fälschlich an, tun also zweierlei schreckliche Sünde: für eins, daß sie die Welt mit Abgötterei betrügen; zum andern, daß sie Gottes Namen und Wort fälschlich anziehen, ihre Abgötterei zu schmücken.

Apologie XXVII,34-44 (Von den Klostergelübden)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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Lätare (4. Sonntag in den Fasten): Das Brot des Lebens

Abendmahl von Lucas Cranach d.J. (1547), St.Marien (Lutherstadt Wittenberg)

Freuet Euch mit Jerusalem und seid fröhlich alle, die Ihr sie lieb habt. Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom.

Jesaja 66,10.12

Introitus

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Sela.

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela.

Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“  

Psalm 84,2-13 übersetzt von Dr. Martin Luther (Revision von 2017)

Kollekte für diesen 4. Sonntag in den Fasten: Lätare

Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303

Alttestamentliche Lesung

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Jesaja 54,7-10

Epistolische Lektion

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

2. Korinther 1,3-7

Heiliges Evangelium

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Johannes 12,20-24

Der christliche Glaube

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unsrer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat. Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt. Amen.

Nizänische Glaubensbekenntnis

Graduallied dieser Woche

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach Dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer Dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

Unter Deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Laß den Satan wettern, laß die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in Acht, Erd und Abgrund muß verstummen, ob sie noch so brummen.

Weg mit allen Schätzen; Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg, Ihr eitlen Ehren, ich mag Euch nicht hören, bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesus scheiden.

Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst Du nicht. Gute Nacht, Ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sei ganz, Du Lasterleben, gute Nacht gegeben.

Weicht, Ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Zucker sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst Du auch im Leide, Jesu, meine Freude.

Johann Franck 1650 (LKG 236)

Predigttext

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt. 

Johannes 6,47-51

Meine Predigt:

Wochengebet

Jesus Christus, du Brot des Lebens, du Freude in der Angst, du Hoffnung in der Dunkelheit.

Wir bitten dich um Brot. Es herrscht Hunger. Inmitten von Gewalt und Dürre, von Flucht und Fluten  ist jeder gefüllte Teller ein Fest. Erbarme dich  der Hungrigen, der Menschen in den Flüchtlingslagern, der Familien, die in Trümmern leben, der Obdachlosen und Armen in unserer Nachbarschaft. Du bist das Brot des Lebens, teile dein Brot mit den Hungrigen. Kyrie eleison.

Wir bitten dich um Frieden. Es herrscht Krieg. In der Ukraine, in Gaza und Israel, im Sudan, an Orten, die uns fern sind. Erbarme dich der Opfer, der Männer und Frauen, die um das Überleben kämpfen, der Kinder, die um ihre Zukunft gebracht werden, der Schöpfung, die zerstört und der Tiere, die getötet werden. Du bist der Frieden, schaffe dir Raum in dieser Welt. Kyrie eleison.

Wir bitten dich um Schutz. Es herrscht Furcht. Die Mächtigen machen Geschäfte und die Wahrheit leidet. Erbarme dich der einfachen Leute, der Mutigen, die der Lüge standhalten, der Menschen guten Willens, der treuen Menschen, die für andere sorgen. Du bist Schutz und Schirm vor allem Bösen, bewahre unsere Kinder.  Kyrie eleison.

Wir bitten dich um Leben. Du bist die Liebe.  Du sprichst zu deiner Kirche. Du stehst uns bei. Erbarme dich deiner Gemeinde, der Kranken, der Trauernden, der Müden und Erschöpften. Du bist das Korn, das in die Erde sinkt.  Lebe in uns auf, wachse in uns, heute und morgen und alle Tage.  Dich loben wir.  Amen.

VELKD

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden +

4. Mose 6,24-26

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Halleluja! Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. (Psalm 106)

Halleluja! Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. 2 Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkündigen? 3 Wohl denen, die das Gebot halten und tun immerdar recht! 4 HERR, gedenke meiner nach der Gnade, die du deinem Volk verheißen hast; erweise an uns deine Hilfe, 5 dass wir sehen das Heil deiner Auserwählten und uns freuen, dass es deinem Volke so gut geht, und uns rühmen mit denen, die dein Eigen sind. 6 Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen. 7 Unsre Väter in Ägypten wollten deine Wunder nicht verstehen. Sie gedachten nicht an deine große Güte und waren ungehorsam am Meer, am Schilfmeer. 8 Er aber half ihnen um seines Namens willen, dass er kundtue seine Macht. 9 Er schalt das Schilfmeer, da wurde es trocken, und führte sie durch die Tiefen wie durch trockenes Land 10 und half ihnen aus der Hand dessen, der sie hasste, und erlöste sie von der Hand des Feindes. 11 Und die Wasser bedeckten ihre Widersacher, dass nicht einer übrig blieb. 12 Da glaubten sie an seine Worte und sangen sein Lob. 13 Aber sie vergaßen bald seine Werke, sie warteten nicht auf seinen Rat. 14 Und sie wurden lüstern in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde. 15 Er aber gab ihnen, was sie erbaten, und sandte ihnen eine Plage. 16 Und sie empörten sich wider Mose im Lager, wider Aaron, den Heiligen des HERRN. 17 Die Erde tat sich auf und verschlang Datan und deckte zu die Rotte Abirams, 18 und Feuer wurde unter ihrer Rotte angezündet, die Flamme verbrannte die Frevler. 19 Sie machten ein Kalb am Horeb und beteten das gegossene Bild an 20 und tauschten die Herrlichkeit Gottes gegen das Bild eines Ochsen, der Gras frisst. 21 Sie vergaßen Gott, ihren Heiland, der so große Dinge in Ägypten getan hatte, 22 Wunder im Lande Hams und schreckliche Wunder am Schilfmeer. 23 Und er gedachte, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Auserwählter; der trat vor ihm in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden, dass er sie nicht verderbe.

Psalm 106,1-23 ins Deutsche übersetzt von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Okuli (Das Lamm Gottes)

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du für uns Deinen Sohn des Kreuzes Pein hast lassen leiden, auf daß Du des Feines Gewalt von uns triebest, verleihe uns, sein Leiden also zu begehen, daß wir dadurch Vergebung der Sünden und Erlösung vom ewigen Tode erlangen, durch Deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Orate fratres S. 126

Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Matthäus 20,28

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Ach Jesu mein, was große Pein hast Du für uns gelitten! In Angst und Not bis in den Tod hast Du für uns gestritten.

Der blutig Schweiß wird Dir so heiß, die Geißeln Dich zerschlagen; die Dornenkron ist jetzt der Lohn, den Du davongetragen.

Des Kreuzes Last erdrückt Dich fast, fällst oft darunter nieder. Da heftet man mit Nägeln an Dir Deine heiligen Glieder.

Drei ganze Stund, bloß und verwundt, hängst Du in größten Schmerzen. Ach Jesu mein, wie muß dem sein, der dies nimmt recht zu Herzen!

Bregenz 1659 (LKG 142)

Fortlaufende Lese

Da traten zu ihm einige der Sadduzäer, die sagen, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn  28 und sprachen: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: »Wenn jemand stirbt, der eine Frau hat, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie zur Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.«  29 Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos.  30 Und der zweite  31 nahm sie zur Frau, dann der dritte, desgleichen alle sieben: Sie hinterließen keine Kinder und starben.  32 Zuletzt starb auch die Frau.  33 Die Frau nun – wessen Frau wird sie in der Auferstehung sein? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.  34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten;  35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen.  36 Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind.  37 Dass aber die Toten auferstehen, darauf hat auch Mose hingedeutet beim Dornbusch, wo er den Herrn nennt Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs.  38 Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.  39 Da antworteten einige der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast recht geredet.  40 Denn sie wagten nicht mehr, ihn etwas zu fragen. 

Lukas 20,27-40

Morgenlese

 Im Anfang der Herrschaft Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, geschah dies Wort vom HERRN: 2 So spricht der HERR: Tritt in den Vorhof am Hause des HERRN und predige denen, die aus allen Städten Judas hereinkommen, um anzubeten im Hause des HERRN, alle Worte, die ich dir befohlen habe, ihnen zu sagen, und tu nichts davon weg, 3 ob sie vielleicht hören wollen und sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Wege, damit mich auch reuen möge das Übel, das ich gedenke, ihnen anzutun um ihrer bösen Taten willen. 4 Und sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Werdet ihr mir nicht gehorchen und nicht nach meiner Weisung wandeln, die ich euch vorgelegt habe, 5 und nicht hören auf die Worte meiner Knechte, der Propheten, die ich immer wieder zu euch gesandt habe und auf die ihr doch nicht hören wolltet, 6 so will ich’s mit diesem Hause machen wie mit Silo und will diese Stadt zum Fluchwort machen bei allen Völkern auf Erden. 7 Und die Priester, Propheten und alles Volk hörten Jeremia, dass er solche Worte redete im Hause des HERRN. 8 Da nun Jeremia alles gesagt hatte, was ihm der HERR befohlen hatte, allem Volk zu sagen, ergriffen ihn die Priester, Propheten und das ganze Volk und sprachen: Du musst sterben! 9 Warum weissagst du im Namen des HERRN: »Es wird diesem Hause gehen wie Silo, und diese Stadt soll so wüst werden, dass niemand mehr darin wohnt«? Und das ganze Volk sammelte sich im Hause des HERRN wider Jeremia. 10 Als das die Oberen von Juda hörten, gingen sie aus des Königs Hause hinauf ins Haus des HERRN und setzten sich an den Eingang des neuen Tors am Hause des HERRN. 11 Und die Priester und Propheten sprachen vor den Oberen und allem Volk: Dieser Mann ist des Todes schuldig; denn er hat geweissagt gegen diese Stadt, wie ihr mit eigenen Ohren gehört habt. 12 Aber Jeremia sprach zu allen Oberen und zu allem Volk: Der HERR hat mich gesandt, dass ich dies alles, was ihr gehört habt, weissagen sollte gegen dies Haus und gegen diese Stadt. 13 So bessert nun eure Wege und euer Tun und gehorcht der Stimme des HERRN, eures Gottes, so wird den HERRN auch gereuen das Übel, das er gegen euch geredet hat. 14 Ich aber, seht, ich bin in eurer Hand; macht mit mir, wie es euch gut und recht dünkt. 15 Doch sollt ihr wissen: Wenn ihr mich tötet, so werdet ihr unschuldiges Blut auf euch laden, auf diese Stadt und ihre Einwohner. Denn wahrlich, der HERR hat mich zu euch gesandt, dass ich dies alles vor euren Ohren reden soll. 

Jeremia 26,1-15

Abendlese

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. 8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen[2] auf Erden. 11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend; 12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an. 

Offenbarung 5,6-14

Bekenntnislese

Hier ist aber erst zu merken, wie gar unverschämte Heuchler und Buben sie sind. Sie dürfen sagen, daß ihre Klostergelübde und Orden nicht allein Gottesdienste seien, die gerecht und fromm vor Gott machen, sondern setzen noch dies dazu, daß es Stände seien der Vollkommenheit, das ist, heiligere und höhere Stände denn andere, als Ehestand, Regentenstand; und sind also in solcher ihrer mönchischen Heuchelei und pharisäischem Wesen unzählige andere greuliche, ketzerische Irrtümer begriffen. Denn sie rühmen sich für die allerheiligsten Leute, welche nicht allein die Gebote oder praecepta, sondern auch die consilia, das ist, die hohen Räte, was die Schrift von hohen Gaben nicht ein Gebot, sondern einen Rat gibt, halten. Danach so sie ihnen selbst erdichten, sie seien so reich von Verdienst und Heiligkeit, daß ihnen noch überbleibt, so sind dennoch die frommen Heiligen so milde, daß sie ihre merita supererogationis, ihre übrigen Verdienste, andern anbieten und um einen gleichen Pfennig, um Geld, lassen zustehen. Dieses alles ist eitel grobe, greuliche, erlogene, erstunkene Heiligkeit und eitel pharisäische Heuchelei und Gleisnerei. Denn da das erste Gebot Gottes: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele“ usw., höher ist, denn ein Mensch auf Erden begreifen kann, nachdem es die höchste Theologia ist, daraus alle Propheten, alle Apostel ihre beste, höchste Lehre als aus dem Brunnen geschöpft haben, ja, so es ein solch hohes Gebot ist, danach allein aller Gottesdienst, alle Gottesehre, alle Opfer, alle Danksagung im Himmel und auf Erden reguliert und gerichtet müssen werden, also daß alle Gottesdienste, wie hoch, köstlich und heilig sie scheinen, wenn sie außer dem Gebot sind, eitel Schalen und Hülsen ohne Kern, ja eitel Unflat und Greuel vor Gott sind, welches hohe Gebot so gar kein Heiliger vollkommen erfüllt hat, daß noch wohl Noah und Abraham, David, Petrus und Paulus sich da für unvollkommen, für Sünder bekennen und hier unter bleiben müssen: so ist es ungehörter pharisäischer, ja recht teuflischer Stolz, das ein läufiger Barfüßermönch oder dergleichen heilloser Heuchler soll sagen, ja predigen und lehren, er habe das heilige, hohe Gebot also vollkömmlich gehalten und erfüllt und nach Erfordern und dem Willen Gottes so viel gute Werke getan, daß ihm noch Verdienste überbleiben. Ja, liebe Heuchler, wenn sich die heiligen zehn Gebote und das hohe erste Gottesgebot also erfüllen ließen, wie sich die Brote und Parteken lassen in Sack stecken! Es sind unverschämte Heuchler, damit die Welt in diesen letzten Zeiten geplagt ist. Der Prophet David sagt: „Alle Menschen sind Lügner“, das ist, kein Mensch auf Erden, auch nicht die Heiligen achten oder fürchten Gott so hoch und groß, als sie sollten, kein Mensch auf Erden glaubt und vertraut Gott so ganz vollkömmlich, als er soll usw. Darum sind es Lügen und heuchlerische, erdichtete Träume, daß die Mönche rühmen, sie leben nach der Vollkommenheit des Evangelii und der Gebote Gottes, oder tun mehr, denn sie schuldig sind, das ihnen gute Werke und etliche Zentner übriger, überflüssiger Heiligkeit im Vorrat bleiben.

Auch so ist das falsch und erlogen, daß das Mönchsleben sollte sein eine Erfüllung der Konsilien oder Räte im Evangelio. Denn das Evangelium hat nirgend geraten solchen Unterschied der Kleider, der Speisen, oder durch solchen Bettelstab der Leute Güter auszusaugen; denn es sind eitel Menschensatzungen, von welchen Paulus sagt: „Die Speise macht uns nicht heiliger vor Gott“ usw. Darum sind es auch nicht Gottesdienste, die vor Gott fromm machen, sind auch nicht eine evangelische Vollkommenheit, sondern wenn man sie mit den prächtigen Titeln lehrt, predigt und ausschreit, so sind’s, wie sie Paulus nennt, rechte Teufelslehren.

Die Jungfrauschaft lobt Paulus, und als einen guten Rat predigt er’s denen, welche dieselbe Gabe haben, wie ich hier oben gesagt habe. Derhalben ist es ein schändlicher, höllischer Irrtum, lehren und halten, das evangelische Vollkommenheit in menschlichen Satzungen stehe. Denn auf die Weise möchten sich auch die Mahometisten und Türken rühmen (denn sie haben auch Einsiedel und Mönche, wie glaubliche Historien vorhanden), daß sie evangelische Vollkommenheit hielten. So ist auch die evangelische Vollkommenheit nicht in den Dingen, welche Adiaphora sind, sondern dieweil dieses das Reich Gottes ist, daß inwendig der Heilige Geist unsere Herzen erleuchte, reinige, stärke, und daß er ein neu Licht und Leben in den Herzen wirke, so ist die rechte evangelische, christliche Vollkommenheit, daß wir täglich im Glauben, in Gottesfurcht, in treulichem Fleiß des Berufs und Amts, das uns befohlen, zunehmen, wie auch Paulus die Vollkommenheit beschreibt, daß er sagt 2 Kor. 3: „Wir werden verkläret in dasselbige Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Geist des Herrn.“ Er sagt nicht: Wir gehen von einem Orden in den andern, wir ziehen jetzund diese, dann jene Kappe an, jetzund diesen Gürtel, dann jenen Strick usw. Es ist erbärmlich, daß in der christlichen Kirche solche pharisäische, ja türkische und mahometische Lehre überhandgenommen hat, daß sie lehren, die evangelische Vollkommenheit und das Reich Christi, durch welches sich hier die ewigen Güter und das ewige Leben anheben, sollen stehen in Kappen, in Kleidern, in Speisen und dergleichen Kinderwerk.

Hier höre man aber weiter die trefflichen Lehrer, wie sie in ihre Konfutation so eine öffentliche Gotteslästerung und häßlich Wort gesetzt haben. Sie dürfen unverschämt sagen, „es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, daß das Mönchsleben und die heiligen Orden das ewige Leben verdienen, und Christus habe dasselbe sonderlich den Mönchen überschwenglich zugesagt, welche also verlassen Haus, Hof, Brüder, Schwestern“. Das sind die klaren Worte der Widersacher. Ist aber das nicht eine ganz unverschämte, häßliche Lüge, es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, daß man durch das Mönchsleben könnte das ewige Leben verdienen? Wie seid ihr doch so kühn: Wo redet doch die Schrift von Möncherei? Also handeln diese große, treffliche Sache die Widersacher; also führen sie die Schrift ein. Die ganze Welt weiß, die Historien sind vor Augen, daß die Orden und Möncherei ein ganz neu Ding ist; dennoch dürfen sie rühmen, die Heilige Schrift rede von ihrer Möncherei.

Darüber so lästern sie und schmähen Christum, daß sie sagen, man könne durch Klosterleben das ewige Leben verdienen. Gott tut seinem eigenen Gesetz nicht die Ehre, daß man durch die Werke des Gesetzes sollte das ewige Leben verdienen, wie er klar sagt Hes. am 20.: „Ich habe ihnen gegeben Gesetze, dadurch sie das Leben nicht haben können.“ Denn für das erste ist das gewiß, daß durch Möncherei niemand kann das ewige Leben verdienen, sondern um Christus’ Verdienstes willen, durch lauter Barmherzigkeit, wird das ewige Leben gegeben denjenigen, so durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen und halten denselben gegen Gottes Urteil, nicht ihr armes Verdienst. Wie auch St. Bernhard ein fein Wort geredet hat: „daß wir Vergebung der Sünden nicht haben können denn allein durch Gottes Gnade und Güte“; item, „daß wir gar nichts von guten Werken haben können, wenn er es nicht gibt“; item, „daß wir das ewige Leben nicht verdienen können mit Werken, sondern es werde uns auch aus Gnaden gegeben“. Und dergleichen redet St. Bernhard viel auf dieselbe Meinung, wie wir oben erzählt. Und am Ende setzt noch St. Bernhard dazu: „Darum wolle niemand darin sich selbst betrüge noch verführen; denn wird er’s selbst recht bedenken, so wird er gewiß finden, daß er mit zehntausend dem nicht kann entgegenkommen (nämlich Gott), der mit zwanzigtausend auf ihn zudringt.“ So wir denn auch nicht durch die Werke des göttlichen Gesetzes Vergebung der Sünden oder das ewige Leben verdienen, sondern müssen die Barmherzigkeit suchen, welche in Christo verheißen ist, so verdienen wir es viel weniger durch Klosterleben, Möncherei, das eitel Menschensatzungen sind, und soll die Ehre viel weniger den bettelischen Satzungen gegeben werden.

Apologie XXVII,24-33 Von den Klostergelübden

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs! (Psalm 81)

An der Ostsee

Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs! 3 Stimmt an den Gesang und lasst hören die Pauken, liebliche Zithern und Harfen! 4 Blaset am Neumond die Posaune, am Vollmond, am Tag unsres Festes! 5 Denn das ist eine Satzung für Israel und eine Ordnung des Gottes Jakobs. 6 Das hat er zum Zeugnis gesetzt für Josef, als Er auszog wider Ägyptenland. Eine Sprache höre ich, die ich bisher nicht kannte: 7 »Ich habe ihre Schultern von der Last befreit, und ihre Hände wurden den Tragkorb los. 8 Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus und antwortete dir aus Wolke und Donner und prüfte dich am Haderwasser. Sela. 

Höre, mein Volk, ich will dich ermahnen. Israel, du sollst mich hören! 10 Kein andrer Gott sei unter dir, und einen fremden Gott sollst du nicht anbeten! 11 Ich bin der HERR, dein Gott, / der dich aus Ägyptenland geführt hat: Tu deinen Mund weit auf, lass mich ihn füllen! 12 Aber mein Volk gehorcht nicht meiner Stimme, und Israel will mich nicht. 13 So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, dass sie wandeln nach eigenem Rat. 14 Wenn doch mein Volk mir gehorsam wäre und Israel auf meinem Wege ginge! 15 Dann wollte ich seine Feinde bald demütigen und meine Hand gegen seine Widersacher wenden! 16 Und die den HERRN hassen, müssten sich vor ihm beugen, aber Israels Zeit würde ewiglich währen, 17 und ich würde es mit dem besten Weizen speisen und mit Honig aus dem Felsen sättigen.« 

Psalm 81. Von Asaf, vorzusingen, auf der Gittit. Übersetzung Dr. Martin Luthers 2017.

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte an Okuli (Das Lamm Gottes)

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du für uns Deinen Sohn des Kreuzes Pein hast lassen leiden, auf daß Du des Feines Gewalt von uns triebest, verleihe uns, sein Leiden also zu begehen, daß wir dadurch Vergebung der Sünden und Erlösung vom ewigen Tode erlangen, durch Deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Orate fratres S. 126

Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Matthäus 20,28

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Ich will hier bei Dir stehen, verachte mich doch nicht; von Dir will ich nicht gehen, wenn Dir Dein Herze bricht; wenn Dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich Dich fassen in meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden und tut mir herzlich wohl, wenn ich in Deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, an Deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir!

Ich danke Dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für Deines Todes Schmerzen, da Du’s so gut gemeint. Ach gib, dass ich mich halte zu Dir und Deiner Treu und, wenn ich nun erkalte, in Dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt Du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft Deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn Dein Bilde in Deiner Kreuzesnot. Da will ich nach Dir blicken, da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Nach dem “Salve caput cruentatum” des Arnulf von Löwen (um 1200-12500) von Paul Gerhardt 1656 (LKG 141,6-10)

Fortlaufende Lese

Und sie beobachteten ihn und sandten Leute aus, die sich stellen sollten, als wären sie gerecht; die sollten ihn fangen in seinen Worten, damit man ihn überantworten könnte der Obrigkeit und Gewalt des Statthalters.  21 Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du aufrichtig redest und lehrst und achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes wahrhaftig.  22 Ist’s recht, dass wir dem Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?  23 Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen:  24 Zeigt mir einen Silbergroschen! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie sprachen: Des Kaisers.  25 Er aber sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!  26 Und sie konnten ihn in seinen Worten nicht fangen vor dem Volk und wunderten sich über seine Antwort und schwiegen still. 

Lukas 20,20-26

Morgenlese

Denn ich meine, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen. 10 Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet. 11 Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere Stätte 12 und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Schmäht man uns, so segnen wir; verfolgt man uns, so dulden wir’s; 13 verlästert man uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute.

14 Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies; sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. 15 Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durch das Evangelium. 16 Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel! 

1. Korinther 4,9-16

Abendlese

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:[1] 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. 

Philipper 2,5-11

Bekenntnislese

Wir haben in unserer Konfession gesagt, daß man Vergebung der Sünden ohne Verdienst durch den Glauben an Christum erlangen müsse. Ist das nicht das lautere, reine Evangelium, wie es die Apostel gepredigt, ist das nicht die Stimme des Evangelii des ewigen Vaters, welche du, Herr, der du sitzest im Schoß des Vaters, der Welt offenbart hast, so sollen wir billig gestraft werden. Aber, dein herber, bitterer Tod am Kreuz, dein Heiliger Geist, welchen du reichlich ausgeteilt hast, deine ganze heilige, christliche Kirche gibt stark, gewaltig und gewiß Gezeugnis, welches so hell und offenbar ist als die Sonne, daß dies die Summa, der Kern des Evangelii ist, daß wir Vergebung der Sünden erlangen nicht um unsers Verdienstes Willen, sondern durch den Glauben an Christum.

Wenn Paulus darf sagen, daß wir durch das heilige, göttliche Gesetz Mosis und seine Werke nicht verdienen Vergebung der Sünden, so will er, daß wir viel weniger das tun durch menschliche Satzungen, und das zeigt er zu den Kolossern klar genug an. Denn so die Werke des Gesetzes Mosis, welches durch Gott war offenbart, nicht verdienen Vergebung der Sünden, wieviel weniger werden’s tun die närrischen Werke, Möncherei, Rosenkränze und dergleichen, die auch zu weltlichem Leben nicht not noch nütze sind, viel weniger geben sie der Seele ewiges Leben.

Die Widersacher erdichten ihnen selbst einen Traum, daß Christus das Gesetz Mosis habe abgetan und sei gekommen also nach Mose und ein neu, gut Gesetz gebracht, dadurch man Vergebung der Sünden erlangen müsse. Durch den schwärmerischen, närrischen Gedanken drücken sie Christum unter und seine Wohltat. Danach erdichten sie weiter, daß unter denen, welche die neuen Gesetze Christi halten, die Mönche Christo und den Aposteln am nächsten ähnlich leben und wandeln durch ihren Gehorsam, Armut und Keuschheit, so doch die ganze Möncherei eitel unverschämte, schändliche Heuchelei ist. Sie sagen von Armut, so sie doch vor großem Überfluß nie haben erfahren können, wie einem rechten Armen zu Herzen ist. Sie rühmen ihren Gehorsam, so kein Volk auf Erden freier ist denn die Mönche, welche aus Bischofs= und Fürstengehorsam sich meisterlich geschlossen haben. Von ihrer heiligen, großen, gefährlichen Keuschheit mag ich nicht sagen; ich will es Gerson sagen lassen, der auch von denjenigen, so ernstlich sich geflissen, keusch zu leben, wahrlich nicht viel Reinigkeit und Heiligkeit sagt; wiewohl das mehrere Teil ist Heuchelei und unter tausend nicht einer, der mit Ernst gedenkt, rein und keusch zu leben, daß wir inwendig der Herzen Gedanken schweigen.

Soll nun das die große Heiligkeit sein? Heißt das Christo und dem Evangelio gemäß gelebt? Christus ist nicht also nach Mose gekommen, neue Gesetze zu bringen, daß er um unserer Werke willen die Sünden vergebe, sondern sein Verdienst, seine eigenen Werke setzt er gegen Gottes Zorn für uns, daß wir ohne Verdienst Gnade erlangen. Wer aber ohne die Versöhnung Christi seine eigenen Werke gegen Gottes Zorn setzt und um seines eigenen Verdienstes willen Vergebung der Sünden erlangen will, er bringe die Werke des Gesetzes Mosis, der zehn Gebote, der Regeln Benedicti, Augustini oder andere Regeln, so wirst er hinweg die Verheißung Christi, fällt ab von Christo und seiner Gnade.

Hier wollen aber Kaiserliche Majestät, alle Fürsten und Stände des Reichs merken, wie überaus unverschämt die Widersacher sind, daß sie trotziglich dürfen sagen, es sei alles gottlos, was wir wider die Möncherei haben vorgebracht, so wir doch ganz gewisse und klare Sprüche Pauli angezogen haben, und je nichts klarer, gewisser in der ganzen Bibel ist, denn daß wir Vergebung der Sünden erlangen allein durch den Glauben an Christum. Und diese gewisse, göttliche Wahrheit dürfen die Meister der Konfutation, die verzweifelten Bösewichter und heillosen Buben, gottlose Lehre heißen. Wir haben aber keinen Zweifel, wo Kaiserliche Majestät und die Fürsten des verwarnt werden, sie werden eine solche öffentliche Gotteslästerung lassen aus der Konfutation tilgen und ausreißen.

Dieweil wir aber hier oben reichlich angezeigt, daß es ein Irrtum sei, daß wir Vergebung der Sünden um unsers Verdienstes willen erlangen sollten, so wollen wir hier desto kürzer reden. Denn ein jeder verständiger Leser kann leichtlich abnehmen, daß wir durch die elenden Mönchswerke nicht können vom Tode und des Teufels Gewalt erlöst werden und Vergebung der Sünden verdienen. Darum ist auch das gotteslästerliche, häßliche Wort, welches Thomas schreibt, in keinem Wege zu leiden, daß ins Kloster gehen solle eine neue Taufe sein oder der Taufe gleich sein. Denn es ist eine teuflische Wüterei und Irrtum, daß man eine heillose menschliche Satzung und Gebot, welches weder Gottes Gebot noch Zusage hat, der heiligen Taufe vergleichen sollte, dabei eine Zusage oder Verheißung Gottes ist.

Zum andern, so sind diese Stücke, willige Armut, Gehorsam, Keuschheit, wenn sie anders nicht unrein ist, eitel Adiaphora und leibliche Übung, darin weder Sünde noch Gerechtigkeit zu suchen ist. Darum haben die Heiligen derselben viel anders gebraucht, als St. Bernhard, Franciskus und andere, denn jetzund die Mönche. Denn dieselben haben solches Dinges gebraucht zur Übung des Leibes, daß sie desto leichter warten könnten Lehrens, Predigens und anderer dergleichen, nicht daß solche Werke Gottesdienste sollten sein, vor Gott gerecht zu machen oder das ewige Leben zu verdienen, sondern die Werke malet Paulus recht ab, da er sagt: „Leibliche Übung ist wenig nütze.“ Und es ist möglich, daß in etlichen Klöstern noch etliche fromme Leute sind, welche lesen und studieren, die solcher Regeln und Satzungen brauchen ohne Heuchelei und mit diesem Bericht, daß sie ihre Möncherei nicht für Heiligkeit halten. Das aber halten, das dieselben Werke ein Gottesdienst seien, dadurch wir vor Gott fromm werden und das ewige Leben verdienen, das ist stracks wider das Evangelium und wider Christum. Denn das Evangelium lehrt, daß wir durch den Glauben an Christum gerecht werden und das ewige Leben erlangen. So ist es auch stracks wider das Wort Christi: „Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.“ So ist es wider diesen Spruch Pauli: „Alles, was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde.“ Wie können sie aber sagen, daß es Gottesdienste sind, die Gott gefallen und angenehm seien vor ihm, so sie kein Gotteswort noch Befehl haben?

Apologie XXVII,13-23 (Von den Klostergelübden)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist

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