“Nicht gottgegeben” von Bischof Dr. G.Mueller [Zeitzeichen]

Homosexuelle im Pfarrhaus sind ökumenisch nicht vermittelbar

 Gerhard Müller

Zu behaupten, Homosexualität sei gottgewollt, entspricht weder der Bibel noch der kirchlichen Tradition.

Dass es zu einem globalen Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen kommen könnte, fürchten viele. Umso mehr wird gehofft, solche Zusammenstöße könnten vermieden werden. Ein kleines Vorspiel für unterschiedliche Kulturen ist die derzeitige Diskussion um die Sexualität, die sich an der Frage der Homosexualität festgehakt hat. Die römisch-katholische Kirche hat eine klare Position: Wer sich als homosexuell versteht, wird als Person akzeptiert, aber die Ausübung der Homosexualität wird nicht als gottgegeben anerkannt.

Im Protestantismus wogt der Streit. Ablehnung findet die Homosexualität in Afrika oder Asien, Anerkennung findet sie in Nordamerika und etlichen europäischen Ländern wie bei uns. Die größte lutherische Kirche in Afrika, die von Tansania, hat vor der Tagung des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart im Juli 2010 erklärt, dass sie homosexuelle “Ehen” und deren gesetzliche “Zulassung” nicht akzeptieren werde. “Jeglichen Versuch der Überredung” lehne sie ab.

Während der Tagung in Stuttgart erklärte sie sich jedoch bereit, den Aufschub, das Moratorium, bis 2012 einzuhalten, weil während dieser Zeit noch über dieses Thema im Lutherischen Weltbund gesprochen werden soll. In Deutschland wurde dieses Problem aktuell, als im November 2010 die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Pfarrerdienstrecht beschloss. Im Gesetzestext wurde in einem Paragraphen von der Ehe der Pfarrerinnen und Pfarrer gesprochen, in der Begründung jedoch auch von Partnerschaften homosexueller Art. Acht Bischöfe im Ruhestand, darunter ich, wiesen in einem “Offenen Brief” die Synodalen in den Landeskirchen, die sich mit dem Gesetz befassen müssen, auf diese Diskrepanz hin und baten, im Hinblick auf das biblische Zeugnis nur das Gesetz zu akzeptieren und die Begründung zu diesem Punkt ausdrücklich abzulehnen. Das ist auf Widerspruch gestoßen.

Festzustellen ist, dass mit der Freiheit jedweder sexueller Praktik das jüdische Erbe verlassen wird, das die Christenheit übernommen hat. In der Antike gab es Religionen, in denen man hoffte, durch die Ausübung von Sexualität, die Natur zu höherer Fruchtbarkeit zu bewegen. Das hat das Judentum stets abgelehnt, und die gesamte Christenheit hat sich dieser Einstellung angeschlossen. Die Kirchen in Afrika oder Asien vertreten also die bisherige Meinung aller christlichen Kirchen.

Abweichung vom Üblichen

Natürlich war die Verfolgung und Ermordung Homosexueller durch die Nazis ein schlimmes Verbrechen, durch das schwere Schuld auf uns lastet. Auch müssen Menschen, die sich als homosexuell verstehen, respektiert und sie dürfen keineswegs ausgeschlossen werden. Aber gleichzeitig zu behaupten, Homosexualität in Partnerschaften sei gottgewollt, wenn sie mit Verlässlichkeit, Treue und Dauer verbunden sei und damit der Ehe zwischen Frau und Mann gleich, entspricht weder der Bibel noch der kirchlichen Tradition. Diese Partnerschaften sollen die Ausbreitung von Aids eingrenzen, heißt es. Das mag sein. Aber zur Sexualität gehört nach dem Verständnis der Bibel auch die Möglichkeit, dass Kinder hinzukommen, weltlich gesprochen: die Arterhaltung. Dass Kinder als eine Gabe Gottes angesehen und geliebt werden sollen und dürfen, wird klar gesagt. Also ist Heterosexualität von Gott vorgegeben.

Medizinisch betrachtet ist die Homosexualität eine Deviation. Das habe ich von dem praktischen Theologen Manfred Seitz erfahren, also eine Abweichung vom Üblichen. Die Sexualität von uns Menschen ist sehr komplex. Deswegen verbieten sich Vereinfachungen. Aber einige Eckpunkte sind dennoch klar. So ist nicht belegt, dass Homosexualität genetisch bedingt ist. Wechsel von ihr in die Heterosexualität und auch der Wechsel von der Heterosexualität in die Homosexualität kommen vor.

Besondere Situationen, in denen Frauen fehlen, scheinen mindestens bei Männern zu homosexuellen Handlungen Anlass zu sein. Die Bundeswehr ist dabei gerade (wieder einmal) ins Gerede gekommen. Auch an die Situation im Knast wird erinnert.

Klar ist aber für Christen auch, dass Sexualität in Rücksicht ausgeübt werden sollte. Das kann in der Bibel nachgelesen werden. Homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern wären jedenfalls ein seltsames Signal für Heranwachsende, das sie beeinflussen und ihre Freiheit einschränken könnte. Deswegen sollte es nicht verwundern, wenn wir acht Bischöfe im Ruhestand zur Nüchternheit mahnen.

Was mir wichtig ist: Die Sexualität sollte wieder als verantwortliche und verantwortbare Gabe Gottes (für Agnostiker: “Gabe der Natur”) erkannt und anerkannt werden, die nicht zur Verletzung anderer Menschen führen sollte. Es gibt sicher wichtigere Fragen in der Christenheit zu beantworten. Aber zugleich sollte bedacht werden, ob die Behauptung, die Homosexualität sei der Heterosexualität gleichwertig, zu einem Kampf der Kulturen im 21. Jahrhundert führen sollte.

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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