Wochenbrief meines Vaters

Grossvater Wilhelm Weber DD

Wir waren wieder unterwegs. Als ich den vorigen Brief schrieb, war es noch nicht fest abgemacht, dass wir das Haus in der Rubidastraße einige Tage hüten würden. Wilhelm und Angelika waren auf dem Weg nach Deutschland, Christoph nach Amerika. Friederike, Detlev und Matthias wären ohne Chauffeur gewesen. Nötig war ich dann nur einmal, dass Friederike zur Präfung zur Uni kam. Sonst sind die drei entweder Fahrrad gefahren, oder sie wurden abgeholt und wiedergebracht. Besonders schön war, dass die Großmutter sie bekochen konnte. Da haben wir den Aufenthalt in Pretoria wieder genossen. Bedingung war, dass wir am Sonnabend wieder nach Hause fahren würden. Da war hier Christophs vierzigste Geburtstagsfeier geplant und am Sonntag wollten wir gern das Posaunefest in Wittenberg miterleben. Wir hätten sicher schon am Freitag fahren können, um auch den diesjährigen Jugendtag der FELSiSA mitzuerleben, aber da wollten wir doch den Nachmittag noch in der Rubidastraße sein, wenn Detlev und Matthias von der Schule nach Hause kamen. Mi hat das auch ganz gut gepasst. Da wurde ich erst fertig mit der Vorbereitung der Lesepredigten, die ich hier dann Elisabeth mitgeben konnte. Allerdings hatte ich Sonnabend noch die Freude, dass hier noch eine von einem Amtsbruder geschriebene Predigt auf mich wartete. Die war am 30. Mai abgeschickt, und hatte es bis zu unserer Abfahrt nach Pretoria hierher noch nicht geschafft. Ich hatte schon eine alte benutzt. Die neugeschriebene schrieb ich Sonnabend nachmittag noch ab. Übersetzt habe ich sie nicht mehr in Setswana. Da muss es die alte noch machen. In Zulu hat sie eine andere Nummer bekommen. Eine andere kam per E-Mail, als ich da auch schon eine alte Predigt für den jetzigen Versand ausgedruckt hatte. Die kommt auch in Setswana unter einer Nr. mit a. Die die Predigten per E-Mail bekommen, werden dann die bereits vorbereitete und die neugeschriebene bekommen. Es gibt also eine 16/11 in Zulu und Tswana und eine 16a/11, eine 51/11 in Zulu und Tswana, und eine 51a/11 nur in Zulu.

Schön war, dass Renate und Hans uns in Pretoria wiederholt besucht haben. Auch haben wir zufuß einen längeren Besuch bei einer Bekannten gemacht, die wir bei vorigen Gelegenheiten nicht besucht hatten. Auch besuchte uns Heinrich Voges einmal zu unserer großen Freude. Geschafft habe ich in den Tagen nicht, das Do 3 manuskript auf Fehler zu lesen. Das muss nun in den nächsten Tagen hier zu Hause geschehen. Ich hoffe, dass ich das bis zur Verlobungsfeier von Eckart und Kirstin schaffen kann, dass es wieder mitgekommen werden kann nach Pretoria zum Verleger. Die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis stimmen sogar bis auf drei Ausnahmen. Einige Tippfehler sind mir heute morgen auch schon aufgefallen. Das gehört halt einfach dazu, dass bei wiederholtem Lesen doch immer wieder einige Fehler entdeckt werden. Da ist es gut, dass die Verbesserungen so einfach im Rechner angebracht werden können. Da bin ich froh, dass Frau Streicher mit großer Geduld und gutem Können angegebene Verbesserungen in den Rechner von Mandi und Repro eintippt.
Es war eine große Freude, dass die Geschwister von Christoph mit Familien und die Schwestern mit Familien von Sigrid an der Geburtstagsfeier teilnehmen konnten, bis auf Christophs Brüder und Schwester mit ihren Familien, die in Deutschland sind. Gemeinsam fuhren wir dann am Sonntag von hier aus zum Posaaunenfest nach Wittenberg. Da konnten wir gleich kurz hinter einander zwei Posauenfeste in diesem Jahr erleben. Es ist erstaunlich, was hüben und drüben heute den Bläsern zugemutet wird, auch an Stücken mit Kreuzen. Als ich darüber sprach und auch vom Kreuz der Kreuze beim Blasen gesprochen wurde, erzählte ich wieder einmal von dem Jungen, der im Klavierunterricht seufzte und sich Luft machte: Diese Kreuze! Sein Klavierlehrer dann sagte: ”Ja, diese Kreuze. Ich habe fänf Kreuze. Sie stehen auf den Gräbern meiner Kinder.” Da sind die Kreuze, die andere Tonarten anzeigen, doch leichter.
Dankbar bin ich, dass die Synode in Berlin wenigstens keine Änderung der Grundordnung der SELK beschlossen hat. Es fiel mir übel auf, nachdem ich mich von Herzen über den Artikel von Propst Kelter in den Lutherischen Beiträgen gefreut und ihm dafür gedankt hatte, dass man den Gegnern der Fauenordination in einem Leserbrief im Missionsblatt nicht wörtlich aber doch unterschiebt, ihnen wären äußere Aspekte als Markmale ihrer Kirche wichtiger als das Festhalten an der Rechtfertigungslehre. Ich habe es in Oberursel gehört, und in Enhlanhleni gelehrt und das soll jetzt auch in Zulu gedruckt werden, dass alles Reden und Lehren über gute Werke und Heiligung, Bewahrung im Glauben, Gnadenmittel, Gesetz und Evangelium, Taufe, Abendmahl, Kirche und Amt, Gnadenwahl und letzte Dinge nur dann schrift- und bekenntnisgemäß geschehen kann, wenn die Lehre von der Rechtfertigung und der Vergebung des Sünders aus Gnade allein durch den Glauben an Jesus Christus in voller Geltung bleibt und angewandt wird. Was ich von Befürwortern (und Befürworterinnen) der Frauenordination in manchen Veröffentlichungen gelesen habe, verspricht Besserung der kirchlichen Lage, wenn endlich Frauen der Weg zur Ordination und ins Pfarramt geebnet wird. Ähnlich die Befürwortung von manch anderen Änderungen. Es sollte uns Lutheranern doch zu denken geben, wenn Glaubenslieder, die die Jungfrauengeburt nicht erwähnen, die Stelle des Glaubensbekenntnisses im Gottesdienst einnehmen. Da freue ich mich über Präses Dr. Harrison, der uns Lutheraner eindringlich ermahnt, die Litanei regelmäßig für die Lutherische Kirche in aller Welt zu beten.
Dankbar bin ich, dass die Botschaft von Bischof Tswaedis Krebserkrankung nicht stimmt. Ihm geht es gut. Er hat die Predigt an der großen Beerdigung von Dekan  i. R. Aaron Lenkwe in Ventersdorp gehalten. Da bin ich sehr dankbar, dass Christoph mich von Pretoria zu der Beerdigung in Venterrsdorp mitnehmen konnte, am 18. 6. Lenkwe war am 12. gestorben. Ntshoe hat wieder einmal die Erinnerung an die Vergangenheit der Jugend ans Herz gelegt. Bischof Tswaedi antwortete darauf in seiner Predigt ähnlich wie in seiner Predigt an der Konferenz, dass wir uns die Vergangeneheit und vor allem alles Schwere und Unrechte immer wieder in Erinnerung rufen können und die Last immer größer und unerträglicher beim ̀Älterwerden empfinden, man kann aber auch Gottes vergebende Liebe die Menge der Sünden zudecken lassen und den Herrn preisen, dass er hindurchgeholfen hat. Mir kam bei der Aufforderung von Ntshoe der Gedanke,, in Zukunft immer einmal daran zu erinnern, wo wir mit unseren Beerdigungen herkommen eingedenk an Mokones Erklärung, dass Christen bei Beerdigungen Auferstehungslieder singen. Auch will ich daran erinnern, wie in unserer Kirche mit öffentlicher Schuld und Sünde umgegangen wurde und durch Bekenntnis und Absolution eine Sache abgehandelt wurde und dann erledigt war. Mit diesem letzten Paragraph will ich meinen nächsten Brief anfangen.
Mit herzlichen Grüßen
    Euer Wilhelm Weber aus Welbedacht

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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