Ein frohes neues Jahr (Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu)

Rudolf Schäfer (16.9.1578-25.10.1961)

O Christe, unser Seligkeit, der Du in der Kindheit am achten Tag bist beschnitten nach jüdischen Sitten, hast erstlich Dein rein Blut vergossen uns zugut, bist unter das Gesetz gekommen, hast auf Dich genommen seinen Fluch und schwere Bürden, daß wir der´ los würden, derselben Du Jesus genannt, hast Gewalt, hie von Sünden als ein rechter Heiland Dein Volk zu entbinden.

Beschneid unser Herz und Sinnen, laß sie nicht beginnen, was Deinem Willen widerlich und dem Satan zuspricht, bewahr uns vor sein Netz und lehr uns Dein Gesetz, daß wir dies Jahr wohl anfangen in Deiner Lieb und Gunst, darinnen mehr Gnad erlangen und Kraft zu Deiner Kunst, auf daß Deines Namens Wahrheit in uns hie auf Erden auch oben in Klarheit gepreist möchte werden.

Michael Weiße 1531 (LKG 118)

Der Herr behüte Deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Introitus

Im Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Deine Namen in allen Landen, Du, den man lobet im Himmel. Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast Du eine Macht zugerichtet um Deiner Feinde willen. Wenn ich sehe die Himmel, Deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die Du bereitet hast: Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß Du Dich sein annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott mit Ehre und Schmuck hast Du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über Deiner Hände Werk; alles hast Du unter seine Füße getan.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist gleicherweis von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Psalm 8,2ff

Kollekte

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen lieben Sohn unter das Gesetz getan hast auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösten: hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.32

Alttestamentliche Lese

Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott[1]; wandle vor mir und sei fromm. 2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. 3 Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: 4 Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. 5 Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. 6 Und ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen und Könige sollen von dir kommen. 7 Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. 8 Und ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan, zu ewigem Besitz und will ihr Gott sein. 9 Und Gott sprach zu Abraham: So halte nun meinen Bund, du und deine Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht. 10 Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; 11 eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. 12 Jeden Knaben, wenn er acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. Desgleichen auch alles, was an Gesinde im Hause geboren oder was gekauft ist von irgendwelchen Fremden, die nicht aus eurem Geschlecht sind. 13 Beschnitten soll werden alles Gesinde, was dir im Hause geboren oder was gekauft ist. Und so soll mein Bund an eurem Fleisch zu einem ewigen Bund werden. 14 Ein Unbeschnittener aber, der nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, soll ausgerottet werden aus seinem Volk; meinen Bund hat er gebrochen. 15 Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker. 17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: Ach dass Ismael möchte leben bleiben vor dir! 19 Da sprach Gott: Nein, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und ich will meinen Bund mit ihm aufrichten als einen ewigen Bund für seine Nachkommen. 20 Und für Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen. 21 Aber meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr. 22 Und er hörte auf, mit ihm zu reden. Und Gott fuhr auf von Abraham. 23 Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael und alle Knechte, die in seinem Hause geboren, und alle, die von ihm gekauft waren, alle Männer im Hause Abrahams, und beschnitt ihre Vorhaut an ebendiesem Tage, wie ihm Gott gesagt hatte. 24 Und Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als er seine Vorhaut beschnitt. 25 Ismael aber, sein Sohn, war dreizehn Jahre alt, als seine Vorhaut beschnitten wurde. 26 Eben auf diesen Tag wurden Abraham und sein Sohn Ismael beschnitten. 27 Und alle Männer seines Hauses, im Hause geboren und gekauft von Fremden, wurden mit ihm beschnitten.

Genesis 17 (1. Buch Mose 17)

Epistolische Lektion

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5 auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! 7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. 

Galater 4,4-7

Halleluja Vers

Halleluja. Mein Mund soll des Herrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich. Halleluja.

Psalm 145,21

Evangelium

Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

Lukas 2,21

Graduallied

Warum machet solche Schmerzen, warum machet solche Pein der von unbeschnittnem Herzen Dir, herzliebstes Jesulein, mit Beschneidung, da Du doch frei von des Gesetzes Joch, weil Du einem Menschenkinde zwar gleich, doch ganz ohne Sünde?

Für Dich darfst Du dies nicht dulden, Du bist ja des Bundes Herr. Unsre, unsre großen Schulden, die so grausam, die so schwer auf uns liegen, daß es Dich jammert herz- und inniglich, die trägst Du ab, uns zu retten, die sonst nichts zu zahlen hätten.

Freut Ihr Schuldner Euch deswegen, ja, sei fröhlich alle Welt, weil heut anhebt zu erlegen Gottes Sohn das Lösegeld. Das Gesetz wird heut erfüllt, heut wird Gottes Zorn gestillt, heut macht uns, so sollten sterben, Gottes Sohn zu Gottes Erben.

Wer mag recht die Gnad erkennen? Wer mag dafür dankbar sein? Herz und Mund soll Dich stets nennen unsern Heiland, Jesulein. Deine Güte wollen wir nach Vermögen preisen hier, weil wir in der Schwachheit wallen; dort soll baß Dein Lob erschallen.

Paul Gerhardt 1647 (LKG 119)

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Bekenntnislese: Apologie IV (Von der Rechtfertigung)

Was der Glaub sei, der für Gott fromm und gerecht macht §48-68.

Die Widersacher wollen wähnen, der Glaube sei dieses, daß ich wisse oder gehört habe die Historie von Christo; darum lehren sie, ich könne wohl glauben, ob ich gleich in Todsünden sei. Darum, von dem rechten christlichen Glauben, davon Paulus an allen Orten so oft redet, daß wir durch den Glauben vor Gott fromm werden, da wissen oder reden sie gar nichts von. Denn welche vor Gott heilig und gerecht geachtet werden, die sind je nicht in Todsünden. Darum, der Glaube, welcher vor Gott fromm und gerecht macht, ist nicht allein dieses, daß ich wisse die Historie, wie Christus geboren, gelitten usw. (das wissen die Teufel auch), sondern ist die Gewißheit oder das gewisse, starke Vertrauen im Herzen, da ich mit ganzem Herzen die Zusage Gottes für gewiß und wahr halte, durch welche mir angeboten wird ohne mein Verdienst Vergebung der Sünden, Gnade und alles Heil durch den Mittler Christum. Und damit daß niemand wähne, es sei allein ein bloßes Wissen der Historie, so setze ich das dazu: Der Glaube ist, daß sich mein ganzen Herz desselben Schatzes annimmt, und ist nicht mein Tun, nicht mein Schenken noch Geben, nicht mein Werk oder Bereiten; sondern daß ein Herz sich des tröstet und ganz darauf verläßt, daß Gott uns schenkt, uns gibt, und wir ihm nicht, daß er uns mit allem Schatz der Gnade in Christo überschüttet.

Aus diesem ist leicht zu merken Unterschied zwischen dem Glauben und zwischen der Frömmigkeit, die durchs Gesetz kommt. Denn der Glaube ist ein solcher Gottesdienst und latria, da ich mir schenken und geben lasse. Die Gerechtigkeit aber des Gesetzes ist ein solcher Gottesdienst, der da Gott anbietet unserer Werke. So will Gott nun durch den Glauben also geehrt sein, daß wir von ihm empfangen, was er verheißt und anbietet.

Daß aber der Glaube nicht allein sei die Historie wissen, sondern der da festhält die göttlichen Verheißungen, zeigt Paulus genugsam an, der da sagt zu den Römern am 4, 16: „Derhalben muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß die Verheißung fest bleibe.“ Da heftet und verbindet Paulus die zwei also zusammen, daß, wo Verheißung ist, da muß auch Glaube sein usw.; und wiederum correlative, wo Verheißung ist, da fordert Gott auch Glauben.

Wiewohl noch klarer und schlechter zu zeigen ist, was der Glaube, der da gerecht macht, sei, wenn wir unser eigen Credo und Glauben ansehen. Denn im Symbolo steht je dieser Artikel: Vergebung der Sünden. Darum ist’s nicht genug, daß ich wisse oder glaube, daß Christus geboren ist, gelitten hat, auferstanden ist, wenn wir nicht auch diesen Artikel, darum das alles endlich geschehen, glauben, nämlich: Ich glaube, daß mir die Sünden vergeben seien. Auf den Artikel muß das andere alles gezogen werden, nämlich, daß um Christus’ willen, nicht um meines Verdienstes willen, uns die Sünden vergeben werden.

Denn was wäre not, daß Gott Christum für unsere Sünden gäbe, wenn unser Verdienst für unsere Sünden könnte genugtun?

Derhalben, so oft wir reden von dem Glauben, der gerecht macht, oder fide iustificante, so sind allezeit diese drei Stücke oder obiecta beieinander: erstlich, die göttliche Verheißung, zum andern, daß dieselbe umsonst, ohne Verdienst Gnade anbietet, für das dritte, daß Christi Blut und Verdienst der Schatz ist, durch welchen die Sünde bezahlt ist. Die Verheißung wird durch den Glauben empfangen; daß sie aber ohne Verdienst Gnade anbietet, da geht alle unsere Würdigkeit und Verdienst unter und zu Boden, wird gepriesen die Gnade und große Barmherzigkeit. Das Verdienst Christi aber ist der Schatz; denn es muß je ein Schatz und edles Pfand sein, dadurch die Sünden aller Welt bezahlt sind.

Die ganze Schrift, Alten und Neuen Testaments, wenn sie von Gott und Glauben redet, braucht viel dieses Wortes: Güte, Barmherzigkeit, misericordia. Und die heiligen Väter in allen ihren Büchern sagen alle, daß wir durch Gnade, durch Güte, durch Vergebung selig werden.

Sooft wir nun das Wort Barmherzigkeit in der Schrift oder in den Vätern finden, sollen wir wissen, daß da vom Glauben gelehrt wird, der die Verheißung solcher Barmherzigkeit faßt. Wiederum, sooft die Schrift vom Glaube redet, meint sie den Glauben, der auf lauter Gnade baut; denn der Glaube nicht darum vor Gott fromm und gerecht macht, daß er an ihm selbst unser Werk und unser ist, sondern allein darum, daß er die verheißene, angebotenen Gnade ohne Verdienst aus reichem Schatz geschenkt nimmt.

Und solcher Glaube und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit wird als der größte, heiligste Gottesdienst gepriesen, sonderlich in Propheten und Psalmen. Denn wiewohl das Gesetz nicht vornehmlich predigt Gnade und Vergebung der Sünden wie das Evangelium, so sind doch die Verheißungen von dem künftigen Christo von einem Patriarchen auf den andern geerbt, und sie haben gewußt, auch geglaubt, daß Gott durch den gebenedeiten Samen, durch Christum, wollte Segen, Gnade, Heil und Trost geben. Darum, so sie verstanden, daß Christus sollte der Schatz sein, dadurch unsere Sünden bezahlt werden, haben sie gewußt, daß unsere Werke eine solche große Schuld nicht bezahlen könnten. Darum haben sie Vergebung der Sünden, Gnade und Heil ohne alles Verdienst empfangen und sind durch den Glauben an die göttliche Verheißung, an das Evangelium von Christo, selig geworden als wohl als wir oder die Heiligen im Neuen Testament.

Daher kommt’s, daß diese Worte: Barmherzigkeit, Güte, Glaube, so oft in Psalmen und Propheten wiederholt werden. Als im 130. Psalm: „So du willst, Her, achthaben auf Missetat, Her, wer wird bestehen?“ Da bekennt David seine Sünde, rühmt nicht viel Verdienst, sagt auch weiter: „Denn bei dir ist Vergebung, daß man sich fürchte.“ Da fühlt er wieder Trost und verläßt sich auf Gnade und Barmherzigkeit, verläßt sich auf die göttliche Zusage und spricht: „Meine Seele harret des Herrn, Und ich warte auf sein Wort.“ Und abermals: „Meine Seele wartet doch auf den Herrn.“ Das ist, dieweil du verheißen hast Vergebung der Sünden, so halte ich mich an die Zusage, so verlasse und wage ich nicht auf die gnädige Verheißung.

Darum werden die heiligen Patriarchen vor Gott fromm und heilig auch nicht durchs Gesetz, sondern durch Gottes Zusage und den Glauben. Und sollte wahrlich jedermann sich hoch verwundern, warum die Widersacher doch so wenig oder gar nichts vom Glauben lehren, so sie doch sehen gar nahe in allen Syllaben der Bibel, daß der Glaube für den allerhöchsten, edelsten, heiligsten, größten, angenehmsten, besten Gottesdienst gelobt und gepriesen wird, Also sagt er in 50. Psalm: „Rufe mich an in der Zeit der Not, und ich will dich erretten.“

Also nun und durch diese Weise will Gott uns bekannt werden. Also will er geehrt sein, daß wir von ihm Gnade, Heil, alles Gute nehmen und empfangen sollen, und nämlich aus Gnaden, nicht um unsers Verdienstes willen. Diese Erkenntnis ist gar eine edle Erkenntnis und ein großmächtiger Trost in allen Anfechtungen, leiblichen und geistlichen, es komme zu sterben oder zu leben, wie fromme Herzen wissen; und denselben edeln, teuern, gewissen Trost rauben und nehmen die Widersacher den armen Gewissen, wenn sie vom Glauben so kalt, so verächtlich reden und lehren und dagegen mit Gott, der hohen Majestät, durch unser elend, bettelisch Werk und Verdienst handeln. Daß der Glaube an Christum gerecht macht.

Für das erste, daß niemand gedenke, wir reden von einem schlechten Wissen oder Erkenntnis der Historie von Christo, so müssen wir erstlich Sagen, wie es zugeht, wie ein Herz anfängt zu glauben, und wie es zum Glauben kommt. Danach wollen wir anzeigen, daß derselbe Glaube vor Gott fromm macht, und wie das zu verstehen sei, und wollen der Widersacher Gründe eigentlich klar und gewiß ablehnen.

Christus befiehlt Lucä am letzten, zu predigen „Busse und Vergebung der Sünden“. Das Evangelium auch straft alle Menschen, daß sie in Sünden geboren seien, und daß sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum. Und dieselbe Vergebung, Versöhnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. Denn die Predigt von der Busse oder diese Stimme des Evangelii: „Bessert euch, tut Busse“, wenn sie recht in der Herzen geht, erschreckt sie die Gewissen und ist nicht ein Scherz, sondern ein groß Schrecken, da das Gewissen seinen Jammer und Sünde und Gottes Zorn fühlt. In dem Erschrecken sollen die Herzen wieder Trost suchen. Das geschieht, wenn sie glauben an die Verheißung von Christo, daß wir durch ihn Vergebung der Sünden haben. Der Glaube, welcher in solchem Zagen und Schrecken die Herzen wieder aufrichtet und tröstet, empfängt und empfindet Vergebung der Sünden, macht gerecht und bringt Leben; denn derselbe starke Trost ist eine neue Geburt und ein neu Leben.

Dieses ist je einfältig und klar geredet; so wissen fromme Herzen, daß es also ist; so sind die Exempel, daß es mit allen Heiligen so gegangen von Anbeginn, in der Kirche vorhanden, wie an der Bekehrung Pauli und Augustini zu sehen ist. Die Widersacher haben nichts Gewisses, können nirgend recht sagen oder verständlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Die erdichten ihnen eigene Träume, daß durch schlecht leiblich Empfangen und Brauchen der Sakramente, ex opere operato, die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, wennschon das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding.

So wir aber von einem solchen Glauben reden, welcher nicht ein müßiger Gedanke ist, sondern ein solch neues Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut erneuert, einen andern Menschen und neue Kreatur aus uns macht, nämlich ein neues Licht und Werk des Heiligen Geistes: so versteht ja männiglich, daß wir nicht von solchem Glauben reden, dabei Todsünde ist, wie die Widersacher vom Glauben reden. Denn wie will Licht und Finsternis beieinander sein? Denn der Glaube, wo er ist, und dieweil er da ist, gebiert er gute Früchte, wie wir danach sagen wollen.

Dieses ist je mit klaren, deutlichen, einfältigen Worten geredet, wie es zugeht, wenn ein Sünder recht sich bekehrt, was die neue Geburt sei oder nicht sei. Trotz sei nun geboten alle den Sententiariis, ob sie unter den unzähligen Rommenten, Glossen und Skribenten über Sententiarum einen können vorbringen, der ein Wörtlein, einen Tüttel recht davon setzt, wie es zugeht, wenn ein Sünder bekehrt wird.

Wenn sie von der Liebe reden, oder wenn sie von ihrem habitu dilectionis reden, so bringen sie wohl ihre Träume vor, daß denselben habitum die Leute verdienen durch ihre Werke, reden aber gar nichts von Gottes Verheißung oder Wort, wie auch zu dieser Zeit die Wiedertäufer lehren.

Nun kann man mit Gott doch je nicht handeln, so läßt sich Gott nicht erkennen, suchen noch fassen denn allein im Wort und durchs Wort, wie Paulus sagt: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen, die daran glauben.“ Item, zu den Römern am 10: „Der Glaube ist aus dem Gehör.“ Und aus dem allein sollte je klar genug sein, daß wir allein durch den Glauben vor Gott fromm werden. Denn so wir allein durchs Wort Gottes zu Gott kommen und gerecht werden, und das Wort kann niemand fassen denn durch den Glauben, so folgt, daß der Glaube gerecht macht.

Doch sind andere Ursachen, die sich zu dieser Sache besser reimen. Dieses habe ich bisher gesagt, daß ich anzeige, wie es zugeht, wie wir neugeboren werden, und daß man verstehen möchte, was der Glaube ist oder nicht ist, davon wir reden.

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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In dulci jubilo, nun singet und seid froh

In dulci jubilo im Klug’schen Gesangbuch (1533)

In dulci iubilo nu singet vnd seid fro / vnsers hertzen wunne / leit in presepio / vnd leuchtet als die Sonne / matris in gremio / Alpha es et o / Alpha es et o.

O Jhesu paruule / nach dir ist mir so weh / Tröst mir mein gemüte / o puer optime / durch alle deine güte / o princeps glorie / trahe me post te / trahe me post te.

O patris charitas, o nati lenitas! Wir wärn all verloren per nostra crimina, so hat er uns erworben coelorum gaudia. Eia, wärn wir da, eia, wärn wir da!

Vbi sunt gaudia / nirgend mehr denn da / da die Engel singen / noua cantica / vnd die schellen klingen in regis curia / Eya wer wir da / Eya wer wir da.

14.Jhd. Babstsches Gesangbuch 1545 (LKG 90

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Fortlaufende Lese

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest.  42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes.  43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht.  44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.  45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.  46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.  47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.  48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.  49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss bei denen, die zu meinem Vater gehören?  50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.  51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.  52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Lukas 2,41-52

Morgenlese

Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 

Römer 8,31-39

Abendlese

Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den HERRN sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. 2 Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren. 3 Ja, der HERR tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des HERRN, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang. 4 Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. 5 Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. 6 Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

Jesaja 51,1-6

Bekenntnislese: Apologie 4,36-47

Zuletzt, so ist je das auch aufs närrischste und ungeschickteste von den Widersachern geredet, daß die Menschen, die auch ewiges Zornes schuldig sind, Vergebung der Sünden erlangen durch die Leibe oder actum elicitum dilectionis, so es doch unmöglich ist, Gott zu lieben, wenn das Herz nicht erst durch den Glauben Vergebung der Sünden ergriffen hat. Denn es kann je ein Herz, das in Ängsten ist und Gottes Zorn recht fühlt, Gott nicht lieben, er gebe denn dem Herzen Luft, er tröste und erzeige sich denn wieder gnädig. Denn dieweil er schreckt und also uns angreift, als wolle er uns in ewiger Ungnade in den ewigen Tod von sich stoßen, so muß der armen schwachen Natur das Herz und Mut entfallen und muß je vor so großem Zorn erzittern, der so greulich schreckt und straft, und kann je alsdann, ehe Gott selbst tröstet, kein Fünklein Liebe fühlen.

Müßige und unerfahrene Leute mögen ihnen wohl selbst einen Traum von der Liebe erdichten, darum reden sie auch so kindisch davon, daß einer, der gleich einer Todsünde schuldig ist, könne gleichwohl Gott über alles lieben; denn sie wissen noch nicht recht, was Sünde für eine Last, was für eine große Qual sei, Gottes Zorn fühlen. Aber fromme Herzen, die es im rechten Kampf mit dem Satan und rechten Ängsten des Gewissens erfahren haben, die wissen wohl, daß solche Worte und Gedanken eitel Gedanken, eitel Träume sind. Paulus sagt: „Das Gesetz richtet nur Zorn an“, Röm. 4,15.

Er sagt nicht, daß durch das Gesetz die Leute verdienen Vergebung der Sünden. Denn das Gesetz klagt allzeit das Gewissen an und erschreckt’s. Derhalben macht das Gesetz niemand fromm und gerecht vor Gott; denn ein erschrocken Gewissen fleucht vor Gott und seinem Urteil. Derhalben irren diejenigen, die durch ihre Werke oder durch das Gesetz wollen verdienen Vergebung der Sünden.

Dieses sei genug gesagt von der Gerechtigkeit der Werkheiligen oder der Vernunft, welche die Widersacher lehren. Denn bald hernach, wenn wir werden sagen von der Frömmigkeit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die aus dem Glauben kommt, wird die Sache an ihr selbst mit sich bringen, mehr Sprüche aus der Schrift einzuführen, welche denn alle auch gleich stark dienen werden, die obangezeigten Irrtümer der Widersacher umzustoßen

Dieweil denn kein Mensch aus seinen Kräften Gottes Gesetz zu halten vermag, und sind alle unter der Sünde, schuldig des ewigen Zornes und Todes, so könnten wir durch das Gesetz der Sünde nicht los noch vor Gott fromm werden, sondern es ist verheißen Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum, welcher für uns gegeben ist, daß er die Sünden der Welt bezahlte, und ist der einige Mittler und Erlöser.

Und diese Verheißung lautet nicht also: Durch Christum habt ihr Gnade, Heil usw., wo ihr’s verdient, sondern lauter aus Gnade bietet er an Vergebung der Sünden, wie Paulus sagt: „So aus den Werken Vergebung der Sünden ist, so ist’s nicht Gnade.“ Und an einem andern Ort: „Diese Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist ohne Gesetz offenbart“, das ist, umsonst wird Vergebung der Sünden angeboten. Und darum liegt’s nicht an unserm Verdienst, daß wir Gott versöhnt werden.

Denn wenn’s an unserm Verdienst läge, Vergebung der Sünden und die Versöhnung Gottes aus dem Gesetz wäre, so wäre es verloren und wären wir wahrlich übel Gott vereinigt und versöhnt. Denn wir halten das Gesetz nicht und vermögen es nicht zu halten; so würde folgen, daß wir auch die zugesagte Gnade und Versöhnung nimmermehr erlangten. Denn also schließt Paulus zu den Römern am 4, 14: „So aus dem Gesetz das Erbe ist, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist ab.“ So sich nun die Verheißung gründete auf unser Verdienst und auf das Gesetz, so folgte, dieweil wir das Gesetz nicht halten können, daß die Verheißung vergeblich wäre.

So wir aber vor Gott fromm und gerecht werden allein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, die in Christo verheißen ist, erfolgt, daß wir durch unsere Werke nicht fromm werden. Denn was wäre sonst der herrlichen göttlichen Verheißungen vonnöten, und was dürfte Paulus die Gnade so hoch heben und preisen? Derhalben lehrt, rühmt, predigt und preist das Evangelium die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt an Christum, welche nicht eine Gerechtigkeit des Gesetzes ist.

So lehrt auch das Gesetz davon nichts, und ist gar viel eine höhere Gerechtigkeit, denn des Gesetzes Gerechtigkeit ist. Denn das Gesetz fordert von uns unsere Werke und will haben, daß wir inwendig im Herzen gottesfürchtig und ganz rechtschaffen sind. Aber die göttliche Zusage, die bietet uns an, als denjenigen, die von der Sünde und Tode überwältigt sind, Hilfe, Gnade und Versöhnung um Christus’ willen, welche Gnade niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christum.

Derselbe Glaube bringt noch schenkt Gott dem Herrn kein Werk, kein eigen Verdienst, sondern baut bloß auf lauter Gnade und weiß sich nichts zu trösten noch zu verlassen denn allein auf Barmherzigkeit, die verheißen ist in Christo. Derselbe Glaube nun, da ein jeder für sich glaubt, daß Christus für ihn gegeben ist, der erlangt allein Vergebung der Sünden um Christus’ willen und macht uns vor Gott fromm und gerecht. Und dieweil derselbe in rechtschaffener Busse ist, unsere Herzen auch im Schrecken der Sünde und des Todes wieder aufrichtet, so werden wir durch denselben neugeboren, und kommt durch den Glauben der Heilige Geist in unser Herz, welcher unsere Herzen erneuert, daß wir Gottes Gesetz halten können, Gott recht lieben, gewißlich fürchten, nicht wanken noch zweifeln, Christus sei uns gegeben, er erhöre unser Rufen und Bitten, und daß wir in Gottes Willen uns fröhlich geben können auch mitten im Tode.

Also derselbe Glaube, der aus Gnaden umsonst empfängt und erlangt Vergebung der Sünde, ist rechtschaffen, der gegen Gottes Zorn nicht sein Verdienst oder Werk setzt, welches ein Federlein gegen einen Sturmwind wäre, sondern der Christum der Mittler darstellt; und derselbe Glaube ist eine rechte Erkenntnis Christi. Wer also glaubt, der erkennt die große Wohltat Christi und wird eine neue Kreatur; und ehe ein solcher Glaube im Herzen ist, kann niemand das Gesetz erfüllen.

Von demselben Glauben und Erkenntnis Christi ist nicht eine Syllabe, nicht ein Tüttel in allen Büchern der Widersacher. Darum schelten wir auch die Widersacher, daß sie allein das Gesetz lehren von unsern Werken und nicht das Evangelium, das da lehrt, daß man gerecht werde, wenn man an Christum glaubt. Was der Glaube sei, der vor Gott fromm und gerecht macht.

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.  Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.  Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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Der Tag, der ist so freudenreich (6.Tag in Weihnachten)

Der Tag, der ist so freudenreich aller Kreature; denn Gottes Sohn vom Himmelreich über die Nature von einer Jungfrau ist geborn. Maria, Du bist auserkorn, daß Du Mutter wärest. Was geschah so wunderlich? Gottes Sohn vom Himmelreich, der ist Mensch geboren.

Ein Kindelein so löbelich ist uns geboren heute von einer Jungfrau säuberlich zu Trost uns armen Leuten. Wär uns das Kindlein nicht geborn, so wären wir allzumal verlorn; das Heil ist unser aller. – Ei du süßer Jesu Christ, daß Du Mensch geboren bist! Behüt uns vor der Höllen.

Als die Sonn durchscheint das Glas mit ihrem klaren Scheine – und doch nicht versehret das, so merket allgemeine: zu gleicher Weis geboren ward von einer Jungfrau rein und zart – Gottes Sohn, der werte. In ein Kripp ward er gelegt, – große Marter für uns leid’ –
hie auf dieser Erden.

Gott sollen wir auch danken schon um seine großen Gaben, die wir sein´ allerliebsten Sohn von ihm empfangen haben in eines Kindeleins Gestalt, der doch regiert mit aller Gewalt im Himmel und auf Erden. Dem sei Lob, Ehr und Preis bereit´ samt Heiligem Geist in Ewigkeit von allen Kreaturen.

Nach dem mittelalterlichen “Dies est laetitiae” 1-2 (15Jhd); 3 (1544) und 4 (1525) (LKG 89)

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Fortlaufende Lese

Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt  37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.  38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.  39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.  40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm. 

Lukas 2,36-40

Morgenlese

Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. 45 Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. 46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. 47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette. 48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. 49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. 50 Und ich weiß: Sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: Was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat. 

Johannes 12,44-50

Abendlese

Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. 6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; 7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 8 Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. 9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse. 

2. Korinther 5,1-10

Bekenntnislese

Apologie 4,19-35: Von der Rechtfertigung

Daß sie aber einen Unterschied erdichten unter dem meritum congrui und meritum condigni, unter dem gebührlichen Verdienst und rechtem, ganzem Verdienst, spielen und zanken sie allein mit Worten, damit sie sich nicht öffentlich als Pelagianer merken lassen. Denn so Gott von Not muß Gnade geben um Gebührverdienst, so ist es nicht Gebührverdienst, sondern eine rechte Pflicht und ganz Verdienst, wiewohl sie selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn sie erdichten und träumen, daß, wenn der habitus der Liebe Gottes (davon oben gesagt), da ist, so verdiene der Mensch gebührlich oder mit ganzem Verdienst die Gnade Gottes, und sagen doch, es könne niemand so gewiß sein, ob derselbe habitus da sei.

Nun hört, liebe Herren, wie wissen sie denn, oder wann wissen wie es, ob sie gebührlich oder durch ganz Verdienst, für voll oder halb, unserm Herrgott seine Gnade abverdienen? Aber, ach lieber Herr Gott! das sind eitel kalte Gedanken und Träume müßiger, heilloser, unerfahrener Leute, welche die Bibel nicht viel in Praktiken bringen, die gar nicht wissen noch erfahren, wie einem Sünder ums Herz ist, was Anfechtungen des Todes oder des Teufels sind, die gar nicht wissen, wie rein wir alles Verdienstes, aller Werke vergessen, wenn das Herz Gottes Zorn fühlt, oder das Gewissen in Ängsten ist. Die sicheren, unerfahrenen Leute gehen wohl immer dahin in dem Wahn, als verdienten sie mit ihren Werken de congruo Gnade. Denn es ist ohne das uns angeboren natürlich, daß wir von uns selbst und unsern Werken gern etwas viel wollten halten. Wenn aber ein Gewissen recht seine Sünde und Jammer fühlt, so ist aller Scherz, so sind alle Spielgedanken aus, und ist eitel großer, rechter Ernst; da läßt sich kein Herz noch Gewissen stillen noch zufriedenstellen, sucht allerlei Werke und abermals Werke und wollte gern Gewißheit, wollte gern Grund fühlen und gewiß auf etwas fußen und ruhen. Aber dieselben erschrockenen Gewissen fühlen wohl, daß man de condigno noch de congruo nichts verdienen kann, sinken bald dahin in Verzagen und Verzweiflung, wenn ihnen nicht ein anderes Wort denn des Gesetzes Lehre, nämlich das Evangelium von Christo, daß der für uns gegeben ist, gepredigt wird. Daher weiß man etliche Historien, daß die Barfüssermönche, wenn sie etlichen guten Gewissen in der Todesstunde lange haben umsonst ihren Orden und gute Werke gelobt, daß sie zuletzt haben müssen ihres Ordens und St. Franzisken schweigen und dies Wort sagen: Lieber Mensch, Christus ist für dich gestorben! daß hat in Ängsten erquickt und erkühlt, Frieden und Trost allein gegeben.

Also lehren die Widersacher nichts denn eine äußerliche Frömmigkeit äußerlicher guter Werke, welche Paulus des Gesetzes Frömmigkeit nennt, und sehen also, wie die Juden, das verdeckte Angesicht Mosis, tun nichts, denn daß sie in etlichen sicheren Heuchlern die Sicherheit und Härtigkeit stärken, führen die Leute auf einen Sandgrund, aus ihre eigenen Werke, dadurch Christus und das Evangelium verachtet wird, geben manchen elenden Gewissen Ursache zur Verzweiflung; denn sie tun gute Werke auf ungewissen Wahn, erfahren nimmer, wie ein groß, kräftig Ding der Glaube ist, fallen zuletzt ganz in Verzweiflung.

Wir halten und reden von der äußerlichen Frömmigkeit also, daß Gott wohl fordert und haben will ein solch äußerlich ehrbar Leben, und um Gottes Gebotes willen müsse man dieselben guten Werke tun, welche in den zehn Geboten werden geboten. Denn das Gesetz ist unser Zuchtmeister und das Gesetz ist den Ungerechten gegeben. Denn Gott der Herr will, daß den groben Sünden durch eine äußerliche Zucht gewehrt werde, und dasselbe zu erhalten, gibt er Gesetze, ordnet Obrigkeit, gibt gelehrte, weise Leute, die zum Regiment dienen.

Und also äußerlich ehrbaren Wandel und Leben zu führen, vermag etlichermaßen die Vernunft aus ihren Kräften, wiewohl sie oft durch angeborne Schwachheit und durch List des Teufels auch daran gehindert wird.

Wiewohl ich nun einem solchen äußerlichen Leben und den guten Werken gerne so viel Lobes lasse, als ihm gebührt; denn in diesem Leben und im weltlichen Wesen ist je nichts Besseres denn Redlichkeit und Tugend, wie denn Aristoteles sagt, daß weder der Morgenstern noch Abendstern lieblicher und schöner sei denn Ehrbarkeit und Gerechtigkeit, wie denn Gott solche Tugend auch belohnt mit leiblichen Gaben: so soll man doch gute Werke und solchen Wandel nicht also hoch haben, daß es Christo zur Schmach gereiche.

Denn also schließe ich und bin des gewiß: erdichtet ist’s und nicht wahr, daß wir durch unsere Werke sollten Vergebung der Sünden verdienen.

Auch ist’s Lüge und nicht wahr, daß ein Mensch vor Gott könne gerecht und fromm werden durch seine Werke und äußerliche Frömmigkeit.

Auch ist es Ungrund und nicht wahr, daß die menschliche Vernunft aus ihren Kräften vermögen sollte, Gott über alles zu lieben, sein Gebot zu halten, ihn zu fürchten, gewiß darauf zu stehen, daß Gott das Gebet erhöre, Gott zu danken und gehorsam zu sein in Trübsalen und anderem, was Gottes Gesetz gebietet, als, nicht fremdes Gut begehren usw. Denn das alles vermag die Vernunft nicht, wiewohl sie äußerlich ehrbares Leben und gute Werke etlichermaßen vermag.

Auch ist es erdichtet und nicht wahr und eine Lästerung wider Christum, daß diejenigen sollten ohne Sünde sein, die Gottes Gebote allein äußerlich halten ohne Geist und Gnade im Herzen.

Dieses meines Beschlusses habe ich Zeugnis nicht allein aus der Heiligen Schrift, sondern auch aus den alten Vätern. Augustinus redet und handelt solches aufs allerreichlichste wider die Pelagianer, daß die Gnade nicht gegeben wird um unsers Verdienstes willen. Und im Buche De Natura et Gratia, das ist, von der Natur und Gnade, sagt er also: „So das Vermögen der Natur durch den freien Willen genug ist, beide, zu erkennen, wie man leben soll, und also recht zu leben, so ist Christus umsonst gestorben. Warum sollte ich hier auch nicht rufen und schreien mit Paulo?

Ich mag billig schreien: „Ihr habt Christum verloren, die ihr durch des Gesetzes Werke gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.’ Denn ihr erkennt die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachtet eure eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und seid der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Denn wie das Ende des Gesetzes Christus ist, also ist auch der Heiland der verderbten Natur Christus.

Item, Joh. 8, 36: „So euch der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei.’“ Derhalben können wir durch die Vernunft oder unsere guten Werke nicht frei werden von den Sünden oder Vergebung der Sünden verdienen. Item, Joh. am 3, 5 steht geschrieben: „Es sei denn, daß jemand neugeboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ So nun das dazu gehört, daß wir durch den Heiligen Geist müssen neugeboren werden, so werden uns unsere guten Werke oder eigen Verdienst nicht rechtfertig machen vor Gott, so können wir das Gesetz nicht halten noch erfüllen.

Item, Röm. 3, 23: „Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollten“, das ist, ihnen mangelt die Weisheit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, dadurch sie Gott recht erkennen, groß achten und preisen sollten. Item, Röm. 8, 7. 8: „Fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich gesinnet sind, mögen Gott nicht gefallen.“

Das sind so gar klare, helle Sprüche der Schrift, daß sie nicht so scharfes Verstandes bedürfen, sondern allein, daß man’s lese und die klaren Worte wohl ansehe, wie auch Augustinus in der Sache sagt. Ist nun die Vernunft und fleischlich gesinnt sein eine Feindschaft wider Gott, so kann kein Mensch ohne den Heiligen Geist herzlich Gott lieben. Item, ist fleischlich gesinnt sein wider Gott, so sind wahrlich die besten guten Werke unrein und Sünden, die immer ein Adamskind tun mag. Item, kann das Fleisch Gottes Gesetz nicht untertan sein, so sündigt wahrlich auch ein Mensch, wenn er gleich edle, schöne, köstliche gute Werke tut, die die Welt groß achtet.

Die Widersacher sehen allein die Gebote an der andern Tafel Mosis, die da auch von der äußerlichen Ehrbarkeit redet, welche die Vernunft besser vernimmt, und wollen wähnen, mit solchen äußerlichen guten Werken halten sie Gottes Gesetz. Sie sehen aber die erste Tafel nicht an, welche gebietet und von uns haben will, daß wir Gott herzlich sollen lieben, daran gar nicht wanken noch zweifeln sollen, daß Gott um der Sünde willen zürne, daß wir Gott herzlich fürchten sollen, daß wir uns gewiß in unsern Herzen sollen darauf verlassen, Gott sei nicht ferne, er erhöre unser Gebet usw. Nun sind wir, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, alle der Art aus Adam, daß unser Herz in Sicherheit Gottes Zorn, Urteil und Dräuen verachtet, seinem Urteil und Strafen gehässig und feind ist.

So nun alle Adamskinder in so großen Sünden geboren werden, daß wir alle von Art Gott verachten, sein Wort, seine Verheißung und Dräuen in Zweifel setzen, so müssen wahrlich unsere besten guten Werke, die wir tun, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, sündliche und verdammte Werke vor Gott sein, wenn sie gleich vor der Welt schön sind; denn sie gehen aus einem bösen, gottlosen, unreinen Herzen, wie Paulus sagt Röm. 14, 23: „Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde.“ Denn alle solche Werkheilige tun Werke ohne Glauben, verachten Gott im Herzen und glauben als wenig, daß Gott sich ihrer annehme, als Epikurus geglaubt hat. Die Verachtung Gottes inwendig muß je die Werke unflätig und sündlich machen, wenn sie gleich vor den Leuten schön sind; denn Gott forscht die Herzen.

Apostolische Glaubensbekenntnis

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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1. Sonntag nach Weihnachten

“Flucht nach Ägypten” Meuhlhäusener Altar, Bamberger Dom

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1,14b

Introitus

HERR, ich traue auf dich, lass mich nimmermehr zuschanden werden. 2 Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir! 3 Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, / der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. 

12 Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile, mir zu helfen! 

14 Ich aber will immer harren und mehren all deinen Ruhm. 15 Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit, täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann. 16 Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. 17 Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. 18 Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. 

Psalm 71,1-3.12.14-18

Alttestamentliche Lese

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. 14 Zion aber sprach: Der HERR hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. 15 Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. 16 Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.

Jesaja 49,13-16

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf Daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Epistolische Lektion

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

1. Johannes 1,1-4

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unsers Gottes. Halleluja.

Psalm 98,3

Evangelium

Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn: »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, 24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« 25 Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. 26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus[4] des Herrn gesehen. 27 Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, 32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. 33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. 34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – 35 und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden. 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft[5] hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt 37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. 40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm. 

Lukas 2,22-40

Predigttext

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«
19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten 20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. 21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galiläische Land 23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer[4] heißen. 

Matthäus 2,13-23

Graduallied

2. Siehe, siehe, meine Seele, wie Dein Heiland kommt zu Dir, brennt in Liebe für und für, dass er in der Krippen Höhle harte lieget Dir zugut, Dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

3. Jesu, wie soll ich Dir danken? Ich bekenne, dass von Dir meine Seligkeit herrühr, so lass mich von Dir nicht wanken. Nimm mich Dir zu Eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

4. Jesu, nimm Dich Deiner Glieder ferner noch in Gnaden an; schenke, was man bitten kann, und erquick uns alle wieder; gib der ganzen Christenschar Frieden und ein seligs Jahr. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Christian Keimann 1646

Bekenntnis der Christenheit

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Kirchengebet

Du hast überlebt, Du bist unser Leben, Jesus Christus, Du Kind in der Krippe.
Auf Dich hoffen wir und rufen zu Dir: Hilf uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.

Du hast die Mörder überlebt, weil Josef wachsam war. Wir bitten dich für die Wachsamen, die die Zeichen der Zeit erkennen, die bedrohtes Leben beschützen, die aufbrechen.

Wir bitten dich für die Fürsorglichen, die ihre Herzen für die Bedrohten öffnen, die Orte der Barmherzigkeit schaffen, die den Worten der Engel Gottes trauen. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast überlebt, während andere Kinder ihr Leben verloren. Wir bitten dich für die Kinder in Gefahr, bedroht von Bomben und Drohnen, auf der Flucht vor Hunger und Gewalt, verloren in Sprachlosigkeit und Schmerz.

Wir bitten dich für die Eltern, die sich um das Leben ihrer Kinder sorgen, die verzweifelt hoffen, die weinen und trauern. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast Herodes überlebt, weil auch die Tage von Gewaltherrschern gezählt sind. Wir bitten dich für die Opfer der Diktatoren, die verschleppt, gefoltert und ermordet werden. Wir bitten dich für die Mutigen,  die sich selbst befreien  und die Macht der brutalen Herrscher abschütteln.

Wir bitten dich für die Mächtigen, die das Morden beenden können, die dem Frieden dienen, die deine Gebote achten. Wir bitten dich Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast überlebt, damit wir leben. Wir bitten dich für unsere Kranken, für die Trauernden, die Einsamen und die,  denen diese Feiertage zur Qual werden. Wir bitten dich für unsere Kinder um Schutz und Geborgenheit, wie du sie erfahren hast. Wir bitten dich für alle,  die uns lieb sind. 

Du hast überlebt und mit allen, die an dich glauben, freuen wir uns über dein Wort und Leben. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus … Amen.

VELKD: Sonntagsgebet

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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28. Dezember: Tag der unschuldigen Kindlein

The Rennaisance painting “The Massacre of the Innocents” painted by Peter Paul Rubens between 1609 and 1611. (AP Photo)

Introitus

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erden, der Du Deinen Glanz über die Himmel legst! Aus dem Munde der Kindern und Säuglingen hast Du Dir eine Macht zugerichtet, um Deiner Feinde willen, den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen zu bringen. Wenn ich Deinen Himmel betrachte, das Werk Deiner Finger, den Mond und die Sterne, die Du gemacht hast: was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst? Du hast ihn ein wenig Gottes mangeln lassen; aber mit Ehre und Schmuck hast Du ihn gekrönt. Du lässest ihn herrschen über die Werke Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gelegt: Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, ja, was auf den Pfanden der Meere zieht. Jehova, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde.  

Psalm 8

Alttestamentliche Lese 

So spricht der HERR: Man hört Klagegeschrei und bittres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder; denn es ist aus mit ihnen. 16 Aber so spricht der HERR: Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird belohnt werden, spricht der HERR. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, 17 und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen. 

Jeremia 31,15-17

Kollekte

Allmächtiger Gott, der Du in großen und gewaltigen Werken Deine Herrlichkeit offenbarest und durch die Unmündigen und Geringen noch in ihrem Sterben Wunder tust: mache uns bereit, uns Deinem Willen zu fügen und unser Leben für Deinen Sohn zu opfern. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.26

Epistolische Lektion

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. 3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, 4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße. 5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron. 6 Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, dass sie dort ernährt werde tausendzweihundertsechzig Tage.

Offenbarung 12,1-6

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.

Psalm 98,3

Evangelium

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«

16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«

Matthäus 2,13-18

Graduallied

2. zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.«

3. Des sollt Ehr alle fröhlich sein, dass Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eu’r Fleisch und Blut, Eu’r Bruder ist das ewig Gut.

4. Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; lasst zürnen Teufel und die Höll, Gotts Sohn ist worden Eu’r Gesell.

5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt Ihr auf ihn Eu’r Zuversicht; es mögen euch viel fechten an: dem sei Trotz, der’s nicht lassen kann.

6. Zuletzt müsst Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.

Martin Luther 1543

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Bekenntnislese: Apologie 2,42-4,18

Von der Erbsünde (verf)

Und wenn die Widersacher werden vorgeben, daß fomes oder die böse Neigung weder gut noch böse sei, da werden nicht allein viele Sprüche der Schrift dawider sein, sondern auch die ganze Kirche und alle Väter. Denn alle erfahrenen, christlichen Herzen wissen, daß diese Stücke leider uns in der Haut stecken, angeboren sind, nämlich daß wir Geld, Gut und alle andern Sachen größer denn Gott achten, sicher dahingehen und leben; item, daß wir immer nach Art fleischlicher Sicherheit also gedenken, Gottes Zorn und Ernst sei nicht so groß über die Sünde, als er doch gewiß ist; item, daß wir den edlen, unaussprechlichen Schatz des Evangelii und Versöhnung Christi nicht herzlich so teuer und edel achten, als er ist; item, daß wir wider Gottes Werk und Willen murren, daß er in Trübsalen nicht bald hilft und macht’s, wie wir wollen.

Item, wir erfahren täglich, daß es uns wehe tut, wie auch David und alle Heiligen geklagt, daß es den Gottlosen in dieser Welt wohl geht. Darüber fühlen alle Menschen, wie leicht ihr Herz entbrennt, jetzund mit Ehrgeiz, dann mit Grimm und Zorn, dann mit Unzucht. So nun die Widersacher selbst bekennen müssen, daß solcher Unglaube, solcher Ungehorsam wider Gott im Herzen ist, wennschon nicht ganze Verwilligung (wie sie davon reden), sondern allein die Neigung und Lust da ist, wer will so kühn sein, daß er diese groben Stücke weder böse noch gut achte? Nun sind die klaren Psalmen und klaren Worte der Propheten da, daß die bekennen, daß sie sich also fühlen. Aber die Sophisten in Schulen haben zu dieser Sache wider die klare, öffentliche Schrift geredet und aus der Philosophie ihre eigenen Träume und Sprüche erdichtet, sagen, daß wir um der bösen Lüste willen weder böse noch gut, noch zu schelten noch zu loben sind; item, daß Lüste und Gedanken inwendig nicht Sünde sind, wenn ich nicht ganz drein verwillige. Dieselben Reden und Worte in der Philosophen Büchern sind zu verstehen von äußerlicher Ehrbarkeit vor der Welt und auch von äußerlicher Strafe vor der Welt. Denn da ist’s wahr, wie die Juristen sagen: L. cogitationis, „Gedanken sind zollfrei und straffrei“. Aber Gott erforscht die Herzen; mit Gottes Gericht und Urteil ist’s anders. Also flicken sie auch an diese Sache andere ungereimte Sprüche, nämlich: Gottes Geschöpf und die Natur könne an ihr selbst nicht böse sein. Das fechte ich nicht an, wenn es irgend geredet wird, da es statthat; aber dazu soll dieser Spruch nicht angezogen werden, die Erbsünde gering zu machen.

Und dieselben Sprüche der Sophisten haben viel unsäglichen Schaden getan, durch welche sie die Philosophie und die Lehre, welche äußerliches Leben vor der Welt belangen, vermischen mit dem Evangelio und haben doch solches nicht allein in der Schule gelehrt, sondern auch öffentlich unverschämt vor dem Volk gepredigt. Und die ungöttlichen, irrigen, gefährlichen, schädlichen Lehren hatten in aller Welt überhandgenommen; da ward nichts gepredigt denn unser Verdienst in aller Welt; dadurch ward die Erkenntnis Christi und das Evangelium ganz unterdrückt.

Derhalben hat D. Luther aus der Schrift lehren und erklären wollen, wie eine große Todesschuld die Erbsünde vor Gott sei, und wie in großem Elend wir geboren werden, und daß die übrige Erbsünde, so nach der Taufe bleibt, an ihr selbst nicht indifferens sei, sondern bedarf des Mittlers Christi, daß sie uns Gott nicht zurechne, und ohne Unterlaß des Lichtes und Wirkung des Heiligen Geistes, durch welchen sie ausgefegt und getötet werde.

Wiewohl nun die Sophisten und Scholastici anders lehren und beide von der Erbsünde und von derselben Strafe der Schrift ungemäß lehren, da sie sagen, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gottes Gebote zu halten, so wird doch die Strafe, so Gott auf Adams Kinder auf die Erbsünde gelegt, im ersten Buch Mosis viel anders beschrieben. Denn da wird die menschliche Natur verurteilt nicht allein zum Tod und zu anderem leiblichen Übel, sondern dem Reich des Teufels unterworfen. Denn da wird dieses schreckliche Urteil gefällt: „Ich will Feindschaft zwischen dir und dem Weibe, zwischen ihrem Samen und deinem Samen setzen“ usw.

Der Mangel erster Gerechtigkeit und die böse Lust sind Sünde und Strafe. Der Tod aber und die andern leiblichen übel, die Tyrannei und Herrschaft des Teufels sind eigentlich die Strafen und poenae der Erbsünde. Denn die menschliche Natur ist durch die Erbsünde unter des Teufels Gewalt dahingegeben und ist also gefangen unter des Teufels Reich, welcher manchen großen, weisen Menschen in der Welt mit schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer Blindheit betäubt und verführt und sonst die Menschen zu allerlei Lastern dahinreißt.

Wie es aber nicht möglich ist, den listigen und gewaltigen Geist, Satan, zu überwinden ohne die Hilfe Christi, also können wir uns aus eigenen Kräften aus dem Gefängnis auch nicht helfen. Es ist in allen Historien vom Anfang der Welt zu sehen und zu finden, wie eine unsäglich große Gewalt das Reich des Teufels sei. Man sieht, daß die Welt vom Höchsten bis zum Niedrigsten voll Gotteslästerung, voll großer Irrtümer, gottloser Lehre wider Gott und sein Wort ist. In den starken Fesseln und Ketten hält der Teufel jämmerlich gefangen viel weise Leute, viel Heuchler, die von der Welt heilig scheinen. Die andern führt er in andere grobe Laster: Geiz, Hoffart usw.

So uns nun Christus darum gegeben ist, daß er dieselben Sünden und schweren Strafen der Sünden wegnehme, die Sünde, den Tod, des Teufels Reich uns zugut überwinde, kann niemand herzlich sich freuen des großen Schatzes, niemand die überschwenglichen Reichtümer der Gnade erkennen, er fühle denn von erst dieselbe Last, unser angebornes großes Elend und Jammer. Darum haben unsere Prediger von dem nötigen Artikel mit allem höchsten Fleiße gelehrt und haben nichts Neues gelehrt, sondern eitel klare Worte der Heiligen Schrift und gewisse Sprüche der Väter, Augustini und der andern.

Dieses, achten wir, solle die kaiserliche Majestät ihr billig lassen genug sein wider das lose; kindische, ungegründete Vorbringen der Widersacher, durch welches sie der unsern Artikel ohne Ursache ganz unbillig anfechten. Denn sie singen, sagen, wieviel, was und wie lange sie wollen, so wissen wir eigentlich das und sind’s fürwahr gewiß, daß wir christlich und recht lehren und mit der gemeinen christlichen Kirche gleich stimmen und halten. Werden sie darüber weiter mutwilligen Zank einführen, so sollen sie sehen, es sollen hier, will’s Gott, Leute nicht fehlen, die ihnen antworten und die Wahrheit dennoch erhalten. Denn die Widersacher wissen das mehrere Teil nicht, was sie reden. Denn wie oft reden und schreiben sie ihnen selbst Widerwärtiges? Verstehen auch ihre eigene Dialektika nicht vom Formal der Erbsünde, das ist, was eigentlich an ihrem Wesen die Erbsünde sei oder nicht sei, was auch der Mangel der ersten Gerechtigkeit sei. An diesem Ort aber haben wir nicht wollen von ihrer zänkischen Disputation subtiler oder weiter reden, sondern allein die Sprüche und Meinung der heiligen Väter, welchen wir auch gleichförmig lehren, mit klaren, gemeinen verständlichen Worten erzählen wollen.

Artikel III. Von Christo

Den dritten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da wir bekennen, daß in Christo zwei Naturen sind, nämlich, daß Gottes Sohn die menschliche Natur hat angenommen und also Gott und Mensch eine Person, ein Christus ist; und daß derselbe für uns hat gelitten und ist gestorben, uns dem Vater zu versöhnen; und daß er auferstanden ist, daß er ein ewig Reich besitze alle Gläubigen heilige und gerecht mache usw., wie das Credo der Apostel und Symbolum Nicänum lehrt.

Artikel IV. Wie man vor Gott fromm und gerecht wird

Im vierten, fünften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, daß wir lehren, daß die Gläubigen Vergebung der Sünden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides. Erstlich, daß wir nein dazu sagen, daß den Menschen durch ihre Verdienst sollten die Sünden vergeben werden. Zum andern, daß wir halten, lehren und bekennen, daß niemand Gott versöhnt wird, niemand Vergebung der Sünden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum.

Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also daß an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, beständigen, gewissen Trost haben oder die Reichtümer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majestät wolle von dieser großen, tapferen, hochwichtigen Sache nach Notdurft und gnädig uns hören.

Denn dieweil die Widersacher gar nicht verstehen noch wissen, was durch diese Worte in der Schrift zu verstehen, was Vergebung der Sünden sei, was Glaube, was Gnade, was Gerechtigkeit sei, so haben sie diesen edeln, hochnötigen, vornehmsten Artikel, ohne welchen niemand Christum erkennen würde, jämmerlich besudelt und den hohen, teuren Schatz der Erkenntnis Christi, oder was Christus und sein Reich und Gnade sei, gar unterdrückt und den armen Gewissen einen solchen, so edeln, großen Schatz und ewigen Trost, daran es gar gelegen, jämmerlich geraubt.

Daß wir aber unser Bekenntnis bekräftigen und was die Widersacher vorgebracht, widerlegen mögen, so wollen wir zuvor erst anzeigen Grund und Ursache beiderlei Lehre, damit jeder Teil klarer zu vernehmen sei.

Die ganze Schrift beide Alten und Neuen Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheißungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheißt den zukünftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Neuen Testament, wenn Christus, seitdem er gekommen ist auf Erden, im Evangelio verheißt Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.

Hier aber, an dem Orte, nennen wir das Gesetz die zehn Gebote Gottes, wo dieselben in der Schrift gelesen werden. Von den Zeremonien und den Gesetzen der Gerichtshändel wollen wir hier nicht reden.

Von diesen zwei Stücken nehmen nun die Widersacher das Gesetz vor sich. Denn dieweil das natürliche Gesetz, welches mit dem Gesetz Mosis oder den zehn Geboten übereinstimmt, in aller Menschen Herzen angeboren und geschrieben ist, und also die Vernunft etlichermaßen die zehn Gebote fassen und verstehen kann, will sie wähnen, sie habe genug am Gesetz, und durchs Gesetz könne man Vergebung der Sünden erlangen.

Die zehn Gebote aber erfordern nicht allein ein äußerlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft etlichermaßen vermag zu tun, sondern erfordern etwas viel Höheres. welches über alle menschlichen Kräfte, über alles Vermögen der Vernunft ist; nämlich will das Gesetz von uns haben, daß wir Gott sollen mit ganzem Ernst von Herzensgrund fürchten und lieben, ihn in allen Nöten allein anrufen und sonst auf nichts einigen Trost setzen. Item, das Gesetz will haben, daß wir nicht weichen noch wanken sollen, sondern aufs allergewisseste im Herzen schließen, daß Gott bei uns sei, unser Gebet erhört, und daß unser Seufzen und Bitten Ja sei; item, daß wir von Gott noch Leben und allerlei Trost erwarten sollen mitten im Tode, in allen Anfechtungen seinem Willen uns gänzlich anheimgeben, in Tod und Trübsal nicht von ihm fliehen, sondern ihm gehorsam sein, gerne alles tragen und leiden, wie es uns geht.

Hier haben die Scholastici den Philosophis gefolgt, und wenn sie wollen sagen, wie man vor Gott fromm wird, lehren sie allein eine Gerechtigkeit und Frömmigkeit, da ein Mensch äußerlich vor er Welt ein ehrbar Leben führt und gute Werke tut, und erdichten diesen Traum dazu, daß die menschliche Vernunft ohne den Heiligen Geist vermöge Gott über alles zu lieben. Denn wohl ist’s wahr, wenn ein Menschenherz müßig ist und nicht in Anfechtungen, und dieweil es Gottes Zorn und Gericht nicht fühlt, so mag es einen solchen Traum ihm erdichten, als liebe es Gott über alles und tue viel Gutes, viele Werke um Gottes willen; aber es ist eitel Heuchelei. Und auf die Weise haben doch die Widersacher gelehrt, daß die Menschen Vergebung der Sünden verdienen, wenn sie so viel tun, als an ihnen ist, das ist, wenn die Vernunft ihr läßt die Sünde leid sein und erdichtet einen Willen dazu, Gott zu lieben.

Und diese Meinung und irrige Lehre, dieweil die Leute natürlich dazu geneigt sind, daß ihre Verdienste und Werke vor Gott etwas geachtet und verdienen möchten, hat unzählig viel mißbräuchliche Gottesdienste in der Kirche angerichtet und geursacht, als da sind die Klostergelübde, Mißbräuche der Messe, wie denn solches unzählig, immer ein Gottesdienst über den andern, aus diesem Irrtum erdacht ist.

Und daß nur solch Vertrauen auf unsere Verdienste und Werke immer weiter ausgebreitet worden, haben sie unverschämt dürfen sagen und schließen, Gott der Herr müsse von Not Gnade geben denjenigen, die also gute Werke tun, nicht daß er gezwungen wäre, sondern da dies die Ordnung also sei, die Gott nicht übergehe noch ändere.

Und in diesen Stücken, eben in dieser Lehre, sind viel andere große, ganz schädliche Irrtümer und schreckliche Lästerungen Gottes begriffen und verborgen, welche alle bei Namen zu erzählen jetzt zu lang wäre. Allein das wolle doch um Gottes willen ein jeglicher christlicher Leser bedenken: Können wir durch solche Werke vor Gott fromm und Christen werden, so wollte ich gerne hören (und versucht alle euer Bestes, hier zu antworten), was doch für Unterschied sein wollte zwischen der Philosophen und Christi Lehre. So wir Vergebung der Sünden erlangen mögen durch solche unsere Werke oder actus elicitos, was hilft und dann Christus? Können wir heilig und fromm vor Gott werden durch natürliche Vernunft und unsere eigenen guten Werke, was brauchen wir dann des Blutes und Todes Christi, oder daß wir durch ihn neugeboren werden, wie Petrus 1 Pet. 1, 18ff, sagt?

Und aus dem gefährlichen Irrtum (dieweil man solchen öffentlich in Schulen gelehrt und auf den Predigtstühlen getrieben), ist es leider dahin geraten, daß auch große Theologen zu Löwen, Paris usw. von keiner andern christlichen Frömmigkeit oder Gerechtigkeit gewußt haben (obwohl alle Buchstaben und Syllaben im Paulo anders lehren) denn von der Frömmigkeit, welche die Philosophie lehrt. Und so es uns billig fremd sein sollte, und wir billig sie verlachen sollten, verlachen sie uns, ja verspotten Paulum selbst.

Also gar ist der schändliche, greuliche Irrtum eingerissen. Ich habe selbst einen großen Prediger gehört, welcher Christi und des Evangeliums nicht gedacht und Aristotelis „Ethicorum“ predigte; heißt das nicht kindisch, närrisch unter Christen gepredigt? Aber ist der Widersacher Lehre wahr, so ist das „Ethicorum“ ein köstlich Predigtbuch und eine feine neue Bibel.

Denn von äußerlich ehrbarem Leben wird nicht leicht jemand besser schreiben denn Aristoteles. Wir sehen, daß etliche Hochgelehrte haben Bücher geschrieben, darin sie anzeigen, als stimmten die Worte Christi und die Sprüche Sokratis und Zenonis fein zusammen, gleich als sie Christus gekommen, daß er gute Gesetze und Gebote gebe, durch welche wir Vergebung der Sünden verdienen sollten, und nicht vielmehr Gnade und Frieden Gottes zu verkünden und den Heiligen Geist auszuteilen durch sein Verdienst und Blut.

Darum so wir der Widersacher Lehre annehmen, daß wir Vergebung der Sünden verdienen mögen aus Vermögen natürlicher Vernunft und durch unsere Werke, so sind wir schon aristotelisch und nicht christisch, und ist kein Unterschied zwischen ehrbarem, heidnischem, zwischen pharisäischem und christlichem Leben, zwischen der Philosophie und dem Evangelio.

Wiewohl nun die Widersacher, damit sie des Namens Christi nicht gar als die gottlosen, rohen Heiden schweigen, also vom Glauben reden, daß sie sagen, es sei eine Erkenntnis der Historie von Christo, und wiewohl sie von Christo auch dennoch etwas sagen, nämlich daß er uns verdient habe einen habitum oder, wie sie es nennen, primam gratiam, die erste Gnade, welche sei achten für eine Neigung, dadurch wir dennoch Gott leichter denn sonst lieben können: so ist es doch eine schwache, geringe, kleine, schlechte Wirkung, die Christus also hätte, oder die durch solchen habitus geschähe. Denn sie sagen nichtsdestoweniger, daß die Werke unserer Vernunft und Willens, ehe derselbe habitus da ist, und auch danach, wenn derselbe habitus da ist, eiusdem speciei, das ist, vor und nach einerlei und ein Ding sei. Denn sie sagen, daß unsere Vernunft und menschlicher Wille an ihm selbst vermöge, Gott zu lieben, allein der habitus bringe eine Neigung, daß die Vernunft dasselbe, das sie zuvor wohl vermag, desto lieber und leichter tue. Darum lehren sie auch, daß derselbe habitus müsse verdient werden durch unsere vorgehenden Werke, und daß wir durch die Werke des Gesetzes Vermehrung solcher guten Neigung und das ewige Leben verdienen.

Also verbergen uns die Leute Christum und begraben ihn aufs neue, daß wir ihn nicht für einen Mittler erkennen können. Denn sie schweigen gar, daß wir lauter aus Gnaden, ohne Verdienst Vergebung der Sünden durch ihn erlangen, sondern bringen ihre Träume aus, als könnten wir durch gute Werke und des Gesetzes Werke Vergebung der Sünden verdienen, so doch die ganze Schrift sagt, daß wir das Gesetz nicht vermögen zu erfüllen oder zu halten. Und so die Vernunft am Gesetz nichts ausrichtet, denn daß sie allein äußerliche Werke tut, im Herzen aber fürchtet sie Gott nicht, so glaubt sie auch nicht, daß Gott ihrer wahrnehme. Und wiewohl sie von dem habitus also reden, so ist es doch gewiß, daß ohne den Glauben an Christum rechte Gottesliebe in keinem Herzen sein kann; so kann auch niemand verstehen, was Gottes Liebe ist, ohne den Glauben.

Apologie 2,42-4,18

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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3. Weihnachtstag: Christum wir sollen loben schon

Codex Aureus von Lorsch

Christum wir sollen loben schon, der reinen Magd Marien Sohn, so weit die liebe Sonne leucht, und an aller Welt Ende reicht.

Der selig Schöpfer aller Ding zog an eins Knechtes Leib gering, daß er das Fleisch durchs Fleisch erwürb und sein Geschöpf nicht alls verdürb.

Die göttlich Gnad vom Himmel groß sich in die keusche Mutter goß; ein Mägdlein trug ein heimlich Pfand, das der Natur war unbekannt.

Das züchtig Haus des Herzens zart gar bald ein Tempel Gottes ward; die kein Mann rühret noch erkannt, von Gottes Wort sie man schwanger fand.

Die edle Mutter hat geboren den Gabriel verhieß zuvorn, den Sankt Johanns mit Springen zeigt, da er noch lag im Mutterleib.

Er lag im Heu mit Armut groß, die krippen hart ihn nicht verdroß; es ward ein’ kleine milch sein speis’, der nie kein vöglein hungern ließ.

Des himmels chör’ sich freuen drob und die engel singen Gott lob, en armen hirten wird vermeld’t  der Hirt und Schöpfer aller welt.

Lob, Ehr’ und Dank sei Dir gesagt, Christ gboren von reiner Magd, mit Vater und dem Heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Hymnus des Bischofs Caelius Sedultius (5. Jhd: A solis ortus cordine), deutsch von Dr. Martin Luther 1524 (LKG 88)

Kollekte

Allmächtiger, barmherziger Vater, der Du das wahrhaftige Licht, unsern Herrn Jesum Christum, in der Welt hast aufgehen und durch Deine Apostel treulich bezeugen lassen: verleihe uns, daß wir durch dieses Licht erleuchtet werden im rechten Glauben zum ewigen Leben. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17

Introitus

Wohl dem, der stets mit Gottes Wort umgeht und dasselbe auslegt und lehrt. Der Herr tut ihm den Mund auf inmitten der Gemeinde.

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen Deinem Namen, Du Höchster, des Morgens Deine Gnade und des Nachts Deine Wahrheit verkündigen. Denn, Herr, Du lassest mich fröhlich singen von Deinem Werken und ich rühme die Geschäfte Deiner Hände. Die gepflanzte sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, werden fruchtbar und frisch sein, daß sie verkündigen, daß der Herr so fromm ist, mein Hort, und ist kein Unrecht an ihm.

Psalm 92,2f.5.14ff

Alttestamenliche Lese

Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, 28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30 da war ich beständig[1] bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. 32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod. 

Sprüche 8,22-36

Epistel

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. 

1. Johannes 1,1-10

Halleluja Vers

Halleluja. Freuet Euch des Herrn, Ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schön preisen. Halleluja.

Evangelium

Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! 20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Da kam unter den Brüdern die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? 24 Dies ist der Jünger, der das bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

Johannes 21,19b-24

Bekenntnislese

Aber danach wollen wir mit mehr Worten anzeigen, daß wir von der Erbsünde, nämlich was dieselbe sei oder nicht, auch auf geübte, alte Weise der Scholastiker und nicht so ungewöhnlich geredet haben. Ich muß aber erst anzeigen, aus was Ursachen ich an dem Ort vornehmlich solcher und nicht anderer Worte habe brauchen wollen. Die Widersacher selbst reden also davon in ihren Schulen und bekennen, daß die Materie oder Materiale der Erbsünde, wie sie es nennen, sei böse Lust. Darum, so ich habe wollen sagen, was Erbsünde sei, ist das nicht zu übergehen gewesen, sonderlich dieser Zeit, da etliche von derselben angebornen bösen Lust mehr heidnisch aus der Philosophie denn nach dem göttlichen Wort oder nach der Heiligen Schrift reden.

Denn etliche reden also davon, daß die Erbsünde an der menschlichen Natur nicht sei eine angeborne böse Art, sondern allein ein Gebrechen und aufgelegte Last oder Bürde, die alle Adamskinder um fremder Sünde willen, nämlich Adams Sünde halben, tragen müssen, und darum alle sterblich seien, nicht daß sie selbst alle von Art und aus Mutterleibe Sünde ererbten. Darüber sagen sie dazu, daß kein Mensch ewig verdammt werde allein um der Erbsünde oder Erbjammers willen, sondern gleichwie von einer leibeigenen Magd leibeigene Leute und Erbknechte geboren werden, nicht ihrer eigenen Schuld halben, sondern daß sie der Mutter Unglücks und Elends entgelten und tragen müssen, so sie doch an ihnen selbst, wie andere Menschen, ohne Wandel geboren werden: so sei die Erbsünde auch nicht ein angebornes Übel, sondern allein ein Gebrechen und Last, die wir von Adam tragen, aber für uns selbst darum nicht in Sünden und Erbungnaden stecken.

Damit ich nun anzeigte, daß uns solche unchristliche Meinung nicht gefiele, habe ich dieser Worte gebraucht: „Alle Menschen von Mutterleibe an sind alle voll böser Lüste und Neigung“ und nenne die Erbsünde auch darum eine Seuche, anzuzeigen, daß nicht ein Stück, sondern der ganze Mensch mit seiner ganzen Natur mit einer Erbseuche von Art in Sünden geboren wird.

Darum nennen wir es auch nicht allein eine böse Lust, sondern sagen auch, daß alle Menschen in Sünden ohne Gottesfurcht, ohne Glauben geboren werden. Dasselbe setzen wir nicht ohne Ursache dazu. Die Schulzänker oder Scholastici, die reden von der Erbsünde, als sei es allein ein leichtes, geringes Gebrechen, und verstehen nicht, was die Erbsünde sei, oder wie es die andern heiligen Väter gemeint haben. Wenn die Sophisten schreiben, was Erbsünde sei, was der fomes oder böse Neigung sei, reden sie unter andern davon, als sei es ein Gebrechen am Leibe, wie sie denn wunderkindisch von Sachen zu reden pflegen, und geben Fragen vor: ob dasselbe Gebrechen aus Vergiftung des verbotenen Apfels im Paradies oder aus Anblasen der Schlange Adam erst angekommen sei; item, ob es mit dem Gebrechen die Arznei je länger, je ärger macht.

Mit solchen zänkischen Fragen haben sie diese ganze Hauptsache und die vornehmste Frage, was die Erbsünde doch sei, gar verwirrt und unterdrückt. Darum, wenn sie von der Erbsünde reden, lassen sie das Größte und Nötigste außen, und unsers rechten, größten Jammers gedenken sie gar nicht, nämlich daß wir Menschen alle also von Art geboren werden, daß wir Gott oder Gottes Werk nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Gott nicht ernstlich fürchten noch vertrauen, seinem Gericht oder Urteil feind sind; item, daß wir alle von Natur vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen zürnen und murren, item, uns auf Gottes Güte gar nicht verlassen noch wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde verlassen. Diese geschwinde Erbseuche, durch welche die ganze Natur verderbt, durch welche wir alle solch Herz, Sinn und Gedanken von Adam ererben, welches stracks wider Gott und das erste, höchste Gebot Gottes ist, übergehen die Scholastici und reden davon, als sei die menschliche Natur unverderbt, vermöge, Gott groß zu achten, zu lieben über alles, Gottes Gebote zu halten usw., und sehen nicht, daß sie wider sich selbst sind.

Denn solches aus eigenen Kräften vermögen, nämlich Gott groß zu achten, herzlich zu lieben, seine Gebote zu halten, was wäre das anders, denn eine neue Kreatur im Paradies, gar rein und heilig sein?

So wir nun aus unsern Kräften so Großes vermöchten, Gott über alles zu lieben, seine Gebote zu halten, wie die Scholastici tapfer dürfen heraussagen, was wäre dann die Erbsünde? Und so wir aus eigenen Kräften gerecht würden, so ist die Gnade Christi vergeblich; was dürften wir auch des Heiligen Geistes, so wir aus menschlichen Kräften Gott über alles lieben und seine Gebote halten können?

Hier steht je jedermann, wie ungeschickt die Widersacher von diesem hohen Handel reden. Sie bekennen die kleinen Gebrechen an der sündlichen Natur, und des allergrößten Erbjammers und Elendes gedenken sie nicht, da doch die Apostel alle über klagen, das die ganze Schrift allenthalben meldet, da alle Propheten über schreien, wie der 14. Psalm und etliche andere Psalmen sagen: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist nicht, der nach Gott fraget; da ist nicht, der Gutes tut, auch nicht einer.“ „Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Otterngift ist unter ihren Lippen. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen“, Ps. 5, 10. So doch auch die Schrift klar sagt, daß uns solches alles nicht angeflogen, sondern angeboren sei.

Dieweil aber die Scholastici unter die christliche Lehre viel Philosophie gemengt und viel von dem Licht der Vernunft und den actibus elicitis reden, halten sie zu viel vom freien Willen und unsern Werken. Darüber haben sie gelehrt, daß die Menschen durch ein äußerlich ehrbar Leben vor Gott, fromm werden, und haben nicht gesehen die angeborne Unreinigkeit inwendig der Herzen,

welche niemand gewahr wird denn allein durch das Wort Gottes, welches die Scholastici in ihren Büchern sehr spärlich und selten handeln. Wir sagen auch wohl, daß äußerlich ehrbar zu leben etlichermaßen in unserm Vermögen stehe, aber vor Gott fromm und heilig zu werden, ist nicht unsers Vermögens.

Das sind die Ursachen, warum ich des Orts, als ich habe wollen sagen, was die Erbsünde sei, der angebornen bösen Lust gedacht habe und gesagt, daß aus natürlichen Kräften kein Mensch vermag Gott zu fürchten oder ihm zu vertrauen. Denn ich habe wollen anzeigen, daß die Erbsünde auch diesen Jammer in sich begreife, nämlich, daß kein Mensch Gott kennt oder achtet, keiner ihn herzlich fürchten oder lieben oder ihm vertrauen kann. Das sind die größten Stücke der Erbsünde, durch welche wir alle aus Adam stracks wider Gott, wider die erste Tafel Mosis und das größte, höchste göttliche Gebot gesinnt und geartet sind.

Und wir haben da nichts Neues gesagt. Die alten Scholastici, so man sie recht versteht, haben auch gleich dasselbe gesagt; denn sie sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Reinigkeit und Gerechtigkeit im Paradies. Was ist aber justitia orginalis oder die erste Gerechtigkeit im Paradies?

Gerechtigkeit und Heiligkeit in der Schrift heißt je nicht allein, wenn ich die andere Tafel Mosis halte, gute Werke tue und dem Nächsten diene, sondern denjenigen nennt die Schrift fromm, heilig und gerecht, der die erste Tafel, der das erste Gebot hält, das ist, der Gott von Herzen fürchtet, ihn liebt und sich auf Gott verläßt.

Darum ist Adams Reinigkeit und unverrücktes Wesen nicht allein eine feine, vollkommene Gesundheit und allenthalben reines Geblüt, unverderbte Kräfte des Leibes gewesen, wie sie davon reden, sondern das Größte an solcher edlen ersten Kreatur ist gewesen ein helles Licht im Herzen, Gott und sein Werk zu erkennen, eine rechte Gottesfurcht, ein recht herzliches Vertrauen gegen Gott und allenthalben ein rechtschaffener, gewisser Verstand, ein feines, gutes, fröhliches Herz gegen Gott und alle göttlichen Sachen.

Und das bezeugt auch die Heilige Schrift, da sie sagt, daß der Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sei. Denn was ist das anders, denn daß göttliche Weisheit und Gerechtigkeit, die aus Gott ist, sich im Menschen bildet, dadurch wir Gott erkennen, durch welche Gottes Klarheit sich in uns spiegelt, das ist, daß dem Menschen erstlich, als er geschaffen, diese Gaben gegeben seien, recht, klare Erkenntnis Gottes, rechte Furcht, rechtes Vertrauen und dergleichen?

Denn also legt auch solches aus vom Bild und Gleichnis Gottes Irenäus; und Ambrosias, so er allerlei auf die Meinung redet, sagt unter anderem: „Die Seele ist nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen, in welcher Gott nicht allzeit ist.“

Und Paulus zu den Ephesern und Kolossern zeigt genug an, daß Gottes Bild in der Schrift nichts anderes heiße denn Erkenntnis Gottes und rechtschaffenes Wesen und Gerechtigkeit vor Gott.

Und Longobardus sagt frei heraus, daß „die erstgeschaffene Gerechtigkeit in Adam sei das Bild und Gleichnis Gottes, welches an dem Menschen von Gott gebildet ist“.

Ich erzähle die Meinung und Sprüche der Alten, welche an der Auslegung Augustini, wie derselbe vom Bilde Gottes redet, nichts hindern.

Darum die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, und sprechen, es sie ein Mangel der ersten angeschaffenen Gerechtigkeit, da ist ihre Meinung, daß der Mensch nicht allein am Leibe oder geringsten, niedersten Kräften verderbt sei, sondern daß er auch dadurch verloren habe diese Gaben: rechte Erkenntnis Gottes, recht Liebe und Vertrauen gegen Gott und die Kraft, das Licht im Herzen, so ihm zu dem allem Liebe und Lust macht. Denn die Scholastici oder Theologen selbst in Schulen lehren, daß dieselbe angeborne Gerechtigkeit uns nicht möglich wäre gewesen ohne sonderliche Gaben und ohne Hilfe der Gnade. Und dieselben Gaben nennen wir Gottesfurcht, Gotteserkenntnis und Vertrauen gegen Gott, damit man es verstehen möge. Aus diesem allem erscheint genugsam, daß die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, gleich mit uns stimmen, und auch ihre Meinung ist, daß wir durch die Erbsünde in den Jammer gekommen, geboren, daß wir kein gutes Herz, welches Gott recht liebt, gegen Gott haben, nicht allein kein reines, gutes Werk zu tun oder vollbringen vermögen.

Gleich dasselbe meint auch Augustinus, da er auch will sagen, was die Erbsünde sei, und pflegt die Erbsünde eine böse Lust zu nennen; denn er will anzeigen, daß nach Adams Fall anstatt der Gerechtigkeit böse Lust uns angeboren wird. Denn von dem Fall an, dieweil wir, als von Art sündlich geboren, Gott nicht fürchten, lieben noch ihm vertrauen, so tun wir nichts anderes, denn daß wir uns auf uns selbst verlassen, verachten Gott oder erschrecken und fliehen von Gott.

Und also ist in Augustinus’ Worten auch die Meinung gefaßt und begriffen derjenigen, die da sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, das ist, die böse Lust, welche anstatt derselben Gerechtigkeit uns anhängt. Und ist die böse Lust nicht allein eine Verderbung oder Verrückung der ersten reinen Leibesgesundheit Adams im Paradies, sondern auch eine böse Lust und Neigung, da wir nach den allerbesten, höchsten Kräften und Licht der Vernunft dennoch fleischlich wider Gott geneigt und gesinnt sind. Und diejenigen wissen nicht, was sie sagen, die da lehren, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gott über alles zu lieben, und müssen doch zugleich bekennen, es bleibe solange dies Leben währt, noch böse Lust, sofern sie vom Heiligen Geist nicht gänzlich getötet ist.

Derhalben wir so eigentlich beides erwähnt und ausgedrückt, da wir haben lehren wollen, was die Erbsünde sei, beide die böse Lust und auch den Mangel der ersten Gerechtigkeit im Paradies, und sagen, derselbe Mangel sei, daß wir Adamskinder Gott von Herzen nicht vertrauen, ihn nicht fürchten noch lieben. Die böse Lust sei, daß natürlich wider Gottes Wort all unser Sinn, Herz und Mut steht, da wir nicht allein suchen allerlei Wollust des Liebes, sondern auch auf unsere Weisheit und Gerechtigkeit vertrauen und dagegen Gottes vergessen und wenig, ja gar nichts achten.

Und nicht allein die alten Väter, als Augustinus und dergleichen, sondern auch die neulichsten Lehrer und Scholastici, die etwas Verstand gehabt, lehren, daß diese zwei Stücke sämtlich die Erbsünde sind, nämlich der Mangel und die böse Lust. Denn also sagt St. Thomas, daß „Erbsünde ist nicht allein ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, sondern auch eine unordentliche Begierde oder Lust in der Seele. Derhalben ist es“, sagt er, „nicht allein ein lauterer Mangel, sondern auch aliquid positivum“.

Und Bonaventura sagt auch klar: „Wenn man fragt, was die Erbsünde sei, ist dies die rechte Antwort, daß es eine ungewehrte böse Lust sei. Auch ist die rechte Antwort, das es ein Mangel sei der Gerechtigkeit, und eins gibt das andere.“

Gleich dasselbe meint auch Hugo, da er sagt: „Die Erbsünde ist Blindheit im Herzen und böse Lust im Fleische.“ Denn er will anzeigen, daß wir Adamskinder alle so geboren werden, daß wir Gott nicht kennen, Gott verachten, ihm nicht vertrauen, ja ihn auch fliehen und hassen. Denn das hat Hugo wollen kurz begreifen, da er gesagt: ignorantia in mente, Blindheit oder Unwissenheit im Herzen.

Und die Sprüche auch der neuesten Lehrer stimmen überein mit der Heiligen Schrift. Denn Paulus nennt die Erbsünde unter Zeiten mit klaren Worten einen Mangel göttlichen Lichtes usw. 1. Kor. 2, 14: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes.“ Und an andern Orten nennt er es böse Lust, als zu den Römern am 7, 23, da er sagt: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern“ usw., welche Lust allerlei böse Früchte gebiert.

Ich könnte hier wohl viel mehr Sprüche der Schrift vorbringen von beiden diesen Stücken; aber in dieser öffentlichen Wahrheit ist es nicht not. Ein jeder Verständiger wird leichtlich sehen und merken, daß also ohne Gottesfurcht, ohne Vertrauen im Herzen sein, sind nicht allein actus oder wirkliche Sünden, sondern ein angeborner Mangel des göttlichen Lichtes und alles Guten, welcher da bleibt, solange wir nicht durch den Heiligen Geist neugeboren und durch ihn erleuchtet werden.

Wie wir nun bisher von der Erbsünde geschrieben und gelehrt, so lehren wir nichts Neues, nichts anderes denn die Heilige Schrift, die gemeine heilige christliche Kirche; sondern solche nötige, tapfere, klare Sprüche der Heiligen Schrift und der Väter, welche durch ungeschicktes Gezänk der Sophisten unterdrückt gewesen, bringen wir wieder an Tag und wollten gerne die christliche Lehre rein haben.

Denn es ist je am Tage, daß die Sophisten und Schulzänker nicht verstanden haben, was die Väter mit dem Wort „Mangel der ersten Gerechtigkeit“ gemeint. Dies Stück aber eigentlich und richtig zu lehren, und was die Erbsünde sei oder nicht sei, ist gar hoch vonnöten, und kann niemand sich nach Christo, nach dem unaussprechlichen Schatz göttlicher Huld und Gnade, welche das Evangelium vorträgt, herzlich sehnen oder danach Verlangen haben, der nicht seinen Jammer und Seuche erkennt, wie Christus sagt Mat. 9, 12; Mark 2, 17: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht.“ Alles heilige ehrbare Leben, alle guten Werke, soviel immer ein Mensch auf Erden tun mag, sind vor Gott eitel Heuchelei und Greuel, wir erkennen denn erst, daß wir von Art elende Sünder sind, welche in Ungnade Gottes sind, Gott weder fürchten noch lieben.

Also sagt der Prophet Jeremias 31, 19: „Dieweil du mir es gezeiget hast, bin ich erschrocken.“ Und der 116. Psalm: „Alle Menschen sind Lügner“, das ist, sie sind nicht recht gesinnt von Gott.

Hier schreien nun die Widersacher heftig wider D. Luther, daß er geschrieben hat, die Erbsünde bleibe auch nach der Taufe, und sagen dazu, derselbe Artikel sei billig verdammt von Papst Leo X. Aber kaiserliche Majestät wird hier öffentlich finden, daß sie uns ganz unrecht tun; denn die Widersacher verstehen sehr wohl, auf was Meinung D. Luther das geredet will haben, da er sagt, die Erbsünde bleibe nach der Taufe. Er hat allzeit klar also geschrieben, daß die heilige Taufe die ganze Schuld und Erbpflicht der Erbsünde wegnimmt und austilgt, wiewohl das Material (wie sie es nennen) der Sünde, nämlich die böse Neigung und Lust, bleibt. Darüber in allen seinen Schriften setzt er noch dazu vom selben Material, daß der Heilige Geist, welcher gegeben wird durch die Taufe, anfängt, inwendig die übrigen bösen Lüste täglich zu töten und zu löschen, und bringt ins Herz ein neues Licht, einen neuen Sinn und Mut.

Auf die Meinung redet auch Augustinus, da er also sagt; „Die Erbsünde wird in der Taufe vergeben, nicht daß sie nicht mehr sei, sondern daß sie nicht zugerechnet werde.“ Da bekennt Augustinus öffentlich, daß die Sünde in uns bleibt, wiewohl sie uns nicht zugerechnet wird. Und dieser Spruch Augustini hat den Lehrern hernach so wohl gefallen, daß er auch im Dekret angezogen wird. Und wider Julianus sagt Augustinus: „Das Gesetz, das in unsern Gliedern ist, ist weggetan durch die geistliche Wiedergeburt und bleibt doch im Fleische, welches ist sterblich. Es ist hinweggetan, denn die Schuld ist ganz los durch das Sakrament, dadurch die Gläubigen neugeboren werden; und bleibt noch da, denn es wirkt böse Lüste, wider welche kämpfen die Gläubigen.“

Daß D. Luther so hält und lehrt, wissen die Widersacher fast wohl, und so sie es nicht können anfechten, sondern selbst bekennen müssen, verkehren sie ihm böslich die Worte und deuten ihm seine Meinung fälschlich, die Wahrheit zu unterdrücken und unschuldig zu verdammen.

Aber weiter disputieren die Widersacher, daß die böse Lust eine Last und aufgelegte Strafe sei und sei nicht eine solche Sünde, die des Todes und Verdammnis schuldig sei. Dawider sagt D. Luther, es sei eine solche verdammliche Sünde. Ich habe hier oben gesagt, daß Augustinus auch solches meldet, die Erbsünde sei die angeborne böse Lust. Soll dieses übel geredet sein, mögen sie es mit Augustino ausfechten.

Darüber sagt Paulus Röm. 7, 7. 23: „Die Sünde erkannte ich nicht ohne durch das Gesetz; denn ich wußte nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht gesagt hätte: Laß dich nicht gelüsten.“ Da sagt je Paulus dürre heraus: Ich wußte nicht, daß die Lust Sünde war usw. Item: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.“

Dieses sind Pauli helle, gewisse Worte und klare Sprüche; da vermag keine Glosse, kein listiges Fündlein nichts wider; diese Sprüche werden alle Teufel, alle Menschen nicht umstoßen können. Da nennt er klar die böse Lust eine Sünde; doch sagt er, daß solche Sünde denjenigen, so an Christum glauben, nicht wird zugerechnet; doch an ihr selbst ist es gleichwohl wahrlich eine Sünde, des Todes und ewiger Verdammnis schuldig.

Und hat keinen Zweifel, daß auch solches der alten Väter Meinung gewesen. Denn Augustinus disputiert und ficht heftig wider diejenigen, die da hielten, daß die böse Neigung und Lust am Menschen nicht Sünde wäre und weder gut noch böse, wie schwarzen oder weißen Leib haben auch weder gut noch böse ist.

Apologie 2,4-41

Graduallied

Vom Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn’: “Ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart

zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.”

Des sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eur Fleisch und Blut, Eur Bruder ist das ewig Gut.

Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; laßt zürnen Teufel und die Höll, Gottes Sohn ist worden Eur Gesell.

Er will und kann Euch lassen nicht, setzt Ehr auf ihn Eur Zuversicht; es mögen Euch viel fechten an: dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.

Zuletzt müßt Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.

Martin Luther 1543 (LKG 87)

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Gebet am 3. Christtag 

Wir stehen an Deiner Krippe,
Jesus, Kind der Maria,
Abbild der Liebe.

Du ruhst in Marias Schoß,
wir bitten Dich um Rettung für 
die Ruhelosen,
die Sehnsüchtigen,
die Aufbrechenden.

Zu Dir kommen die Weisen.
Wir bitten Dich um Menschenfreundlichkeit für
die Mächtigen in dieser Welt,
die Einflussreichen,
die Starken.

Dich beten die Hirten an.
Wir bitten Dich um neuen Lebensatem für
die Müden und Erschöpften,
die Schwachen und Kranken 
die, die unbemerkt anderen helfen.

Zu Deiner Geburt haben die Engel gesungen.
Wir bitten Dich um Frieden für 
Bethlehem und den Nahen Osten,
für die von Kriegen erschütterte Welt,
für die Verwundeten und Traumatisierten,
für unsere Kinder. 

An Deiner Krippe stehen Ochs und Esel.
Wir bitten Dich um Ehrfurcht 
vor dem Leben der Tiere und aller Arten,
für die bedrohte Schöpfung,
das Zusammenleben von Mensch und Natur.

Deine Geburt ist unsere große Freude.
Wir bitten Dich um Hoffnung 
für die Hoffnungslosen,
für die Trauernden
und alle, die in Angst leben.

Jesus, Kind der Maria,
Du Liebe und Lebenskraft.
In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an 
mit allen, die zu Deiner Krippe kommen
mit der ganzen Christenheit 
und mit der ganzen Schöpfung.
Amen.

VELKD 2. Weihnachtstag

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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Frohe Weihnachten: 2. Christtag

Rudolf Schäfer (16.September 1878 – 25. Oktober 1961)

Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, und über die, die da wohnen im finstern Lande, scheinet es helle. Vor Dir wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilet. Der Herr ist König und herrlich geschmückt, der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist.

Jesaja 9,1-2; Psalm 93,1

Introitus

Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! 2Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 3Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!

Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht! 8Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! 9Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!

10Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. 11Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; 12das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde 13vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Psalm 96,1-3.7-13

Alttestamentliche Lesung

Und der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: 11Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den Herrn nicht versuche.

13Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Jesaja 7,10-14

Kollekte

Hilf, lieber Herre Gott: daß wir der neuen leiblichen Geburt Deines lieben Sohnes teilhaftig werden und bleiben und unsrer alten südlichen Geburt ledig werden. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17

Epistel

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, 2hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welten gemacht hat. 3Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.

5Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt Ps 2,7: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum 2. Sam 7,14: »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«? 6Und abermals, wenn er den Erstgeborenen einführt in die Welt, spricht er Ps 97,7: »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 7Von den Engeln spricht er zwar Ps 104,4: »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, 8aber von dem Sohn Ps 45,7-8: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches. 9Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.« 10Und Ps 102,26-28: »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. 11Sie werden vergehen, du aber bleibst. Und sie werden alle veralten wie ein Gewand; 12und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« 13Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt Ps 110,1: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege«? 14Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?

Hebräer 1

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja. 

Psalm 98,3

Das heilige Evangelium

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.

20Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht Jes 7,1423»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.

24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Matthäus 1,18-25

Graduallied zum 2. Christtag

2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

3. Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satan hat betrogen, zu besuchen aus der Höh.

5. Jakobs Stern ist aufgegangen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlangen und zerstört der Höllen Reich.

6. Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist entzwei, und wir sind frei.

7. O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken Dir, o Jesulein.

8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht.

Text: Paul Gerhardt 166 Musik: DEN DIE HIRTEN LOBETEN SEHRE (NR. 29, I. TEIL) EG 39 LKG 105

Bekenntnis der Christenheit

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Gebet am 2. Christtag

Wir stehen an deiner Krippe,
Jesus, Kind der Maria,
Abbild der Liebe.

Du ruhst in Marias Schoß,
wir bitten dich um Rettung für 
die Ruhelosen,
die Sehnsüchtigen,
die Aufbrechenden.

Zu dir kommen die Weisen.
Wir bitten dich um Menschenfreundlichkeit für
die Mächtigen in dieser Welt,
die Einflussreichen,
die Starken.

Dich beten die Hirten an.
Wir bitten dich um neuen Lebensatem für
die Müden und Erschöpften,
die Schwachen und Kranken 
die, die unbemerkt anderen helfen.

Zu deiner Geburt haben die Engel gesungen.
Wir bitten dich um Frieden für 
Bethlehem und den Nahen Osten,
für die von Kriegen erschütterte Welt,
für die Verwundeten und Traumatisierten,
für unsere Kinder. 

An deiner Krippe stehen Ochs und Esel.
Wir bitten dich um Ehrfurcht 
vor dem Leben der Tiere und aller Arten,
für die bedrohte Schöpfung,
das Zusammenleben von Mensch und Natur.

Deine Geburt ist unsere große Freude.
Wir bitten dich um Hoffnung 
für die Hoffnungslosen,
für die Trauernden
und alle, die in Angst leben.

Jesus, Kind der Maria,
du Liebe und Lebenskraft.
In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an 
mit allen, die zu Deiner Krippe kommen
mit der ganzen Christenheit 
und mit der ganzen Schöpfung.
Amen.

VELKD 2. Weihnachtstag

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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Tag der Geburt des Herrn: Der heilige Christtag (Weihnachten)

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1,14.

Rudolf Schäfer (16.8.1878-25.10.1961)

Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. Und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst. Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er sieget mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arme. Der Herr läßt sein Heil verkündigen vor den Völkern läßt er seine Gerechtigkeit offenbaren. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Ende sehen das Heil unseres Gottes. Jauchzet dem Herrn alle Welt; singet, rühmet und lobet. Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und Psalmen. Mit Drommeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem Könige.

Das Meer brause und was drinnen ist, der Erdboden und die drauf wohnen. Die Wasserströme müssen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn. Denn er kommt das Erdreich zu richten. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht.

Psalm 98,1-3 (4-7) 8-9.

Kollekte

Herr, allmächtiger Gott, der Du Dein Wort hast Fleisch werden lassen und uns darin mit dem neuen Lichte Deiner Gnade überströmest: verleihe uns, daß dieses Licht unsre Herzen durch den Glauben erleuchte und widerstrahle in unsern Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17

Alttestamentliche Lesung

Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.[1] 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.  

Jesaja 9,2-7

Epistel

Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, 5 machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, 6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, 7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben. 8 Das ist gewisslich wahr. Darum will ich, dass du festbleibst, damit alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich mit guten Werken hervorzutun. Das ist gut und nützlich für die Menschen.

Titus 3,4-8

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.

Psalm 98,3

Das heilige Evangelium

 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. 

Lukas 2,15-20

Glaubensbekenntnis der christlichen Kirche

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Graduallied

2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen find’t; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.

3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.

4. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein; es leucht’ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward und führt uns aus dem Jammertal, macht uns zu Erben in seim Saal. Kyrieleis.

6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.

7. Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.

Text: STR. 1 MEDINGEN UM 1380; STR. 2-7 MARTIN LUTHER 1524 Musik: MEDINGEN UM 1460, WITTENBERG 1524 (LKG 85)

Gebet am heiligen Christtag

Barmherziger Gott, lieber himmlischer Vater,
wir preisen dich für die Geburt deines Sohnes. 
In ihm leuchtet deine Liebe. 
Durch ihn berührt uns deine Gnade. 
Von ihm kommt dein Heil zu uns.

Wir bitten dich für deine Kirche in der ganzen Welt, 
für alle, die heute die Geburt deines Sohnes feiern: 
Erfülle deine Kirche mit Freude und Glanz und Schönheit. 
Lass deine Wärme spürbar werden in allen Gemeinden, 
auch dort, wo es gerade kalt und dunkel ist.

Wir bitten dich besonders für die Christen im Heiligen Land, 
im Iran, im Irak, in Syrien, in China, in Nordkorea, 
und überall, wo es schwer ist, im Glauben an dich zu leben. 
Behüte unsere Schwestern und Brüder vor Gefahr und Verfolgung. 
Bewahre sie in Anfechtung. 
Stärke sie, wenn sie die Hoffnung verlieren, 
und zeige uns Wege, ihnen beizustehen.

Wir bitten dich um Frieden auf Erden, 
um guten Willen bei allen Machthabern, 
und um Achtung für alle Menschen. 
Schaue auf die Ukraine, auf Israel, auf Syrien, auf den Sudan, 
und lass Frieden werden. 
Wir bitten dich um Freiheit für die israelischen Geiseln, 
die noch immer in der Hand der Terroristen sind. 
Wir bitten um deinen Schutz für alle, 
die ihr Leben riskieren, um den Frieden zu sichern. 
Wir denken besonders an unsere Soldaten und Soldatinnen in den Einsatzgebieten. 
Wir bitten um Versöhnung zwischen Feinden und Gerechtigkeit für die Unterdrückten.

Wir bitten dich für die, für die diese Tage besonders schwer sind. 
Für die Kinder, denen niemand etwas schenkt. 
Für die Frauen, deren Männer im Krieg gefallen sind. 
Für die Kranken, die nach Hause wollen. 
Nimm dich aller an, die traurig sind, 
die geliebte Menschen vermissen, 
die sich einsam fühlen. 
Umfange sie mit deiner Nähe, 
und sende ihnen Menschen, die für sie da sind.

Wir bitten dich für alle, mit denen wir Weihnachten feiern. 
Segne unsere Familien und unsere Freundeskreise; 
alle, denen wir verbunden sind in Liebe und Verantwortung. 
Erfülle unsere Häuser mit deiner Freude. 
Bringe Heilung, wo es Verletzungen gegeben hat. 
Bringe Frieden, wo Streit war. 
Lass uns alle spüren, wie sehr du uns liebst, 
und hilf uns, einander unsere Liebe zu zeigen.

Wir danken dir, Gott, dass du in Jesus Christus bei uns bist, 
und wir deine Herrlichkeit sehen dürfen. 
Hilf uns, in deinem Licht zu leben. 
Dir sei Ehre in Ewigkeit. 
Amen.

VELKD Gebet zum Christtag

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja.

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

ebd. S.18.

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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A very merry Christmas and happy new year 2025 from the Old Latin School

Dr. Martin Luther brought back the Gospel to light. He let us hear, what the Gospel is about and what it meant for us. He changed our way of seeing things by showing us God, His person and work in a new light. 

Jesus Christ, the Judge of the World: Sacristy of the city church in Wittenberg

Before his time people in Wittenberg – and for much of the Middle Ages – Christians of the Western Church envisioned the Lord Jesus Christ as the almighty and ever righteous judge of all at the final Judgment. That picture was imprinted on people´s minds. It was magnified before them in sermons and art. In the city church of Wittenberg, the big picture (2,15m) depicted Jesus Christ with the two-edged sword in his mouth. This is the imagery Dr. Martin Luther grew up with: Jesus Christ, the sword wielding Judge, who was to be trusted, feared and trusted above all. The great reformer feared Him alright, but always fell short on the loving and trusting part, which is demanded as much in the first commandment. This seemed much easier with dear mother Mary, holy Virgin and Mother of God. She was ever so sweet and endearing. No wonder the city church was named after her – like countless others in Europe: Unserer lieben Frauen! Her image of cradling baby Jesus on the front portal was even bigger than that of the fearsome Judge, which was rather hidden in the sacristy.  

Front portal of Dr. Martin Luther´s preaching church – today’s city church in Wittenberg – depicting St. Mary.

The Lutheran Reformation did a lot to correct wrong perceptions. Luther´s hymns laud and praise the “glad tidings of great joy” brought to us by heavenly hosts: 

To you this night is born a child of Mary, chosen virgin mild;  This little child of lowly birth shall be the joy of all the Earth. This is the Christ, our God most high who hears your sad and bitter cry; He will Himself your Salvior be from all your sin to set you free. He will on you the gifts bestow prepared by God for all below,  That in His kindgom, bright and fair, you may with us His glory share.

Dr. Martin Luther 1535 translated by Catherine Winkworth 1827-1878 LSB 358,2-4

Our good Lord, who himself is the very font and source of our joy, peace and salvation. He, not only to be feared, but far more loved and trusted above all else, because He was not out to get us by force, but rather seek, forgive and heal us – bringing us home to the Father.  

All Dr. Martin Luther´s life and work circled around these good tidings for all the world:

My heart for very joy must leap; my lips no more can silence keep. I, too, must sing with joyful tongue that sweetest, ancient cradle song; Glory to God in highest heav’n, who unto us His Son has giv’n! While angels sing with pious mirth a glad new song to all the earth.

ibd. Stanzas 14-15. 

Whereas the Germans celebrated the legendary St. Nicolas as the true giver of good gifts, Dr. Martin Luther wanted his children and all people to trust, that it was our good Lord Jesus Christ himself – “das liebe Christkind” – who brought us all good from the Father and made us true heirs of heaven and God´s very own children. So, he shifted the previous emphasis on the Saints of the church to the fount and source of all goodness, yes, to our very good God himself: Jesus Christ. 

Birth of our Saviour, Lord and God Jesus Christ (Lucas Cranach, 1520)

That is why Luther brought in the imagery of the wonderful and miraculous Christmas tree of light and colors bearing many gifts, sweets, fruits and nuts in the middle of winter reflecting the biblical tree of Psalm 1 and that of Revelation 22, but also of course the tree of life in Genesis 2,9ff. These direct us on to Nehushtan in Numbers 21,8f and ultimately to the most precious cross of our Lord on Golgotha, where He bore the ancient curse for us and brought about our salvation by being our propitiation with the Father, yes, He became sin for us, to save, forgive and free us. Thus, He changed the accursed beams to become for us the most beloved and dearest of all trees – the very tree of life: “For I determined not to know any thing among you, save Jesus Christ, and Him crucified.” (1. Corinthians 2,2). That is why we celebrate Christmas even today. We erect big Christmas trees and we light up a lot of lights and celebrate all the good that our gracious God has in His overwhelming goodness so richly and freely bestowed on us and our children and all of His children far and wide. 

Oh, this is not just Dr. Martin Luther´s story. It is God´s very own story and all the world celebrates it. There will come a time, when all knees will bow before him like those ragtag shepherds, but also the rich and wise kings from the East did in Bethlehem. Yes, all tongues will confess, that Jesus Christ is Lord indeed. He, the very own Son of our heavenly Father, who became our brother, so that we would be God´s own children – back at home in heaven forever. 

Today, many people see the old pictures and stone relics of the city church. Even more celebrate the many lights on the Christmas market on the public square. There is lots of music, good food and drink, many happy faces. The impressive Christmas tree is something to behold, but sadly like in those old days, when people relied more on the Saints, that on our only Saviour, too many are satisfied with the leftovers falling from the Lord´s table – and neglect the only saving truth of the Gospel and its most precious content Jesus Christ himself. Therefore, Luther’s message focussing us on the core and nitty gritty of the Gospel remains our focus and top priority. 

Just like that Lutheran pastor, who grew up close to Wittenberg in Gräfenhainichen and studied in Wittenberg wrote down for all of us:  

Come, then, banish all your sadness! One and all, great and small, come with songs of gladness. We shall live with Him forever there on high in that joy which will vanish never.

Paul Gerhard, 1653 translated by Catherine Winkworth 1827-1878: LSB 360,6

Merry Christmas to You and Yours: Read more about the Old Latin School by clicking this link.

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Jahresrückblick 2024

Weihnachten 2023 bis an die Enden der Welt.

Liebe Freunde und Verwandte, Euch wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr 2025, ganz so wie es uns Dr. Martin Luther ins Herz gesungen hat:

Des laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehen hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt.

LKG 86,6 

Rudolf Schäfer (1878-1961)

Das Jahr 2024 ging für uns wunderbar los und zwar mit der Geburt unserer Enkelin Isabel Charlotte Uenzen im Marienhaus St. Elisabeth Klinikum (Neuwied) am 19. Januar um 3h03. Gott sei Dank haben Mutter und Kind das gut überstanden.

Inzwischen ist unsere Kleine getauft und wir haben uns schon beinah dran gewöhnt Großeltern von einer kl. Prinzessin zu sein. Inzwischen sitzt und krabbelt sie, die selbst für ein Weberlein ein bemerkenswert flottes Mundwerk und ein beachtliches Repertoire an Tönen und Höhenlagen gemeistert hat.

Sie ist besonders gesegnet mit ihren zwei herzlichen Cousins Max und Louis nebenan. Die sind mächtig stolz auf ihre Cousine und passen sie rührig auf. Gerade wie es sich gehört. Oh, ja wir sind tief beglückt von den Kindern in der Eifel und habe allen Grund zutiefst dankbar zu sein wie der Psalmist uns ermahnt:

Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.

Psalm 127,3 

Winter in unserer Lutherstadt

Bruder Gerhard und seine Carmela feierten nach Ostern Silberhochzeit in München. Das war noch so ein Höhepunkt des Jahres dieses schöne Familienfest in der dortigen Trinitatis Gemeinde (Lustheimstraße).

Die Hellbergs, Prigges, Drewes, Stallmanns usw haben zusammen mit uns Webers, Scharlachs, Schützes und Nietzkes ein fröhliches Wiedersehn dort in der bayrischen Hauptstadt gefeiert. Mein Schwiegervater hätte sich gefreut. Er bevorzugte dieses malerische Alpenvorland weit über dem norddeutschen Flachland. Aussichtsweise hat er nicht unrecht.

Das denke ich jedes Mal, wenn ich vom hohen Kloster Andechs zu den malerischen Alpen rüber schau. So passiert beim ersten Stopp der „Lutherland-Tour“ mit Präsident Harrison (LCMS). Da könnt man denken, man sähe das gelobte Land vor sich ausgebreitet

ein gutes und weites Land, ein Land, darin Milch und Honig fließt.

2. Mose 3,8

Kein Wunder zieht es unsere Familie und Freunde dorthin. Unser Sohn Christoph ist dort gerne zu Besuch bei “unserem” Daniel mit seiner Ele und der kl.Esther, die ihn aber auch in Wurzen gerne besuchen. Olly arbeitet weiterhin in München. Berno und Karin haben dort in der bayrischen Hauptstadt ja so was wie ihre zweite Heimat mit ihren Kindern. Irgendwann werde ich es auch zum Oktoberfest schaffen – und vielleicht auch zu einem Spiel in der Allianz Arena. Dieses Mal haben wir einen Abstecher dorthin gemacht als wir auf dem Wege zu unserer Tochter im Westen waren. So konnten wir auch bei Jörn und Susanne in Kirchheim unter Teck vorbeischauen. Einmal sind wir mit Friederike und der Kleinen dann auch bis in die Normandie vorgedrungen. Super wars und schmeckte definitiv nach mehr.

Ganz anders ist die Aussicht jetzt hier, wenn man nordwärts über die Magaliesberge fährt und ins dürre Buschveld Richtung meines Geburtsorts in W.Transvaal fährt. Obwohl die Bäume grün ausgeschlagen sind, wächst kein frisches Gras. Noch nicht. Kein Regen. Rote, verbrannte Erde. Nur da, wo Platinminen neue Haufen aufstapeln, türmt es sich schwarz und steinig in der ausgetrockneten Landschaft auf. T. Lieselotte sprach von einer “grünen Dürre”. Aber auch hier haben wir Freunde und Verwandte. Sie wohnen auf gut halber Strecke nach Ventersdorp in Phokeng (Rustenburg).

Die Oase „Buffelsbrew“ von Hartmut und Cousine Margie Albers war so was von willkommen. Mit Schwester Renate und ihrem Hans haben wir besucht. Buschveldbäume wie „Buffels- und soetdoring“ schirmen die Sonne ab. Unten wächst üppig LM-Rasen da ausdauernd bewässert: ´n luilekker kuierplek – auf den Tisch kommt es so schmackhaft wie ich es von Albers schon immer in bester Erinnerung habe.

In Angelikas Schulferien sind wir zu unserer Botschaft in Berlin geradelt. Ich sollte bestätigen, daß ich meine südafrikanische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben wollte auch wenn ich die deutsche dank mütterlicher Abstammung rechtlich zugeteilt bekomme. Das ist jetzt angeblich nur noch eine Frage der Zeit. Aus Stadt Allendorf kam die Bestätigung, daß meine Mutter dort in frühen Jahren gemeldet war und auch eingeschult wurde. Damit ist die Geschichte wahrscheinlich gelaufen.

Es war eine tolle Radstrecke durch Feld und Wald, über versteckte Dörfer und weite Landstriche in der Mark Brandenburg. Ich habe sogar einen kl. Wolf überrascht – und zwar in der Nähe von der Burg Rabenstein. Es gab auch sonst viel Wild und Vögel zu bewundern. Die mehr als hundert Kilometer waren eindrücklich – nicht nur am Gesäß. Übernachtet haben wir in Werder an der Havel ehe wir über die Glienicker Brücke nach Potsdam und dann ins Herz der Hauptstadt geradelt sind. In Berlin haben wir uns nach dem kurzen Termin noch auf der Spree auf einer Bootsfahrt ausgeruht, ehe wir mit dem Zug heimwärts sind. 

T. Bärbel mit ihrer Freundin Gertrud machten bei uns Pause als sie auf ihrer Luther-Pilgertour durch das reformatorische Kernland zogen. Das hat uns ermuntert ebenfalls auf Luthers Fußspuren durch den Fläming von Roßlau nach Zerbst und dann über Aken bei Merkels; Mosigkau und Reppichau (Sachsenspiegel) bis nach Köthen (Bach) zu wandern. Diese Pilgertour zu Fuß mit Gesangbuchkirche (Luso), schönem Kirchplatz (Steckby) bis zu den Wildschweinen an der Mittelelbe schafften wir in täglich fast 25km weiten Etappen. Bei bewölktem Himmel und regnerischem Wetter ließ es sich gut angehen. Wir hatten top Quartiere bei interessanten Wirtsleuten. So wollen wir gerne den Luther-Weg weiter entdecken – Schritt für Schritt und alle Jahre wieder – so Gott will und wir leben.

Schließlich sind wir zu den Kindern in Montenegro gefahren. Sobald sie mit ihrem Quartal in Seattle fertig waren, war das Treffen in Biljanas Heimat angesagt. Eine wunderbare Entdeckungsfahrt führte uns in die Schweiz des Balkans über die Tschechei, ins rumänische Banat der katholischen Donauschwaben, wo wir in Timisoara und Nitçhidorf, die Heimat von Herta Müller aufsuchten. Unterwegs hörten wir ihre düsteren Erinnerungen wie „Die Atemschaukel“, „Die Nacht ist aus Tinte gemacht“, „Herztier“, „Niederungen“ usw. Das geht unter die Haut. Wie ganz anders war doch unsere Geschichte im südlichen Afrika. Da waren wir nicht auf der verfolgten und verdächtigten Seite.

Im heißen Sommer, über schier unendliche Weiten, die einstmalig so Deutsch waren wie Herta Müller das beschreibt und wie bei uns z.B. Lüneburg (Dumbe) und Wartburg (Umgeni), erschloß sich uns eine vielfältige und völlig unbekannte Landschaft, wo inzwischen kaum noch einer Deutsch redet. Ihre alte Dorfschule, wo es noch einige Hefte von Herta Müller gab, sah es aus wie in einer verwahrlosten Schule in einem der vielen vergessenen Bantustane. Wir haben gestaunt und bewundert und so viel wie möglich aufgenommen. Auch in Brno, Bratislava und Timisoara, Dubrovnik, Split, Ljubljana und Regensburg. Dazu gehörte der entspannte Picknick auf einer Wolldecke überm Gras unter Pflaumenbäumen neben trockener Erdstraße, die an Herta Müllers Elternhaus vorbeiführte. Oben auf dem Elektromast klapperten die Störche wie eh und je. Unten wirtschafteten fleißige Rumänen in der Mittagshitze mit Hacke, Schaufel und Schubkarre. Es sah aus wie in Dirkiesdorp damals oder eben Ventersdorp in schon lang vergessener Zeit.

Am schönsten war es dann aber bei Konatars im montenegrinischen Nordosten – kurz vor der serbischen Grenze. Oben in den Bergen, wo es Hirsche, Bären und Wölfe geben soll, haben wir in einem malerischen Holzhaus der Familie im prachtvollen Blumengarten, der von Bienen summte und Vögeln nur so zwitscherte, inmitten von Obstplantagen und im wohl ausgedachten Dreieck klösterlicher Prachtbauten der serbisch orthodoxen Kirche logiert. Die Gastfreundschaft von Detlevs Schwiegerfamilie war sprichwörtlich und überwältigend. Da haben wir manches dazugelernt, obwohl wir doch bereits überaus bemerkens- und dankenswerte Gastfreundschaft genossen. Diese war sagenhaft. Biljanas Mutter hat uns so liebevoll aufgenommen und mit ihrer Großfamilie aufs fürstlichste bewirtet und alles dran gewendet, daß wir uns aufs Beste aufgenommen und nach Noten verwöhnt fühlten.

Trotz der Sprachschwierigkeiten haben wir uns hier bald ganz zuhause gefühlt – hier wo die tapferen Montenegriner die muslimische Fremdherrschaft nach jahrzehntelanger Unterdrückung wieder abgeschüttelt haben, daß die Europäer sie immer wieder als Vorbild mutigen Aufbegehrens preisen. Die Landschaft ist malerisch. Klöster allgegenwärtig. Essen exotisch. Kein Wunder ist uns der Abschied schwergefallen, doch zuhause hatten unsere Geschwister Straeuli sich angemeldet. Außerdem wartete Dr. Robert Kolb mit Frau Pauline, unsere Sommervertretung in der Alten Lateinschule, auf Ablösung.

Ehe wir uns auf den Weg machten, hörten unsere beiden Kinder, daß ihnen jeweils eine Stelle in Lawrence (Kansas) offen stand. Das erleichterte die fällige Entscheidung von der Küste zurück in den mittleren Westen zu ziehen. Dieser Link ist zu einem Interview. Da gibt unser Detlev einen Einblick in seine Welt. und erinnert uns wie so vieles in unserem Leben an Luther´s Erklärung:

Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat … alles gegeben hat und noch erhält… mit aller Notdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens mich reichlich und täglich versorget, wider aller Fährlichkeit beschirmet und vor allem Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit ohne all mein Verdienst und Würdigkeit; des alles ich ihm zu danken und zu loben, dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr.

Von dieser göttlichen Fürsorge getragen und von seiner verläßlichen Verheißung, daß unser gütiger, barmherziger, dreieiniger Herr und Heiland derselbe ist gestern wie heute und allezeit, ermutigt, nimmt Paul Gerhardt (1653) uns mit vertrauensvoll mitzusingen:

Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann.

Lutherisches Kirchengesangbuch 339

Unser Christoph hat sich in Wurzen gut eingelebt. Bei einer IT-Firma in Bennewitz ist er angestellt. Von dort kommt Luther-Käse, gesalzene Butter und frischer Quark zu uns auf den Tisch in Wittenberg. Wir sind dankbar, daß er in unserer Nähe wohnt und wir ihn dort in unserem Nachbarland Sachsen so leicht besuchen können. Er hat Angelika von einem Klavierhändler in Leipzig erzählt. Dort haben wir dann kurz entschlossen auch eines dieser Instrumente erstanden. Darauf übt Angelika ausdauernd, damit sie mit unserem Ältesten und Familienmusikus immer mal zur allgemeinen Beglückung aufspielen kann.

Unser Matthias hat sich nach einem Jahrzehnt als Vertreter bei ALMI verselbständigt. Das bringt ihm allerlei Veränderungen mit. Zusammen mit seinem Paten Gerhard teilt er inzwischen Arbeitsfläche in Silverton. Wir freuen uns an ihrem anhaltenden Elan und wünschen gutes Gelingen und erfolgreiche Geschäfte. Wir sind dankbar, daß er uns Haus und Hof in Murryfield in Schuß hält und wir dort jederzeit willkommen sind. Es ermöglicht das Pendeln zwischen den Kontinenten. So erleben wir hier und da das Beste unserer zweier Welten. Es ist ein großes Glück unter eigenem Dach zu wohnen und ein Zuhause zu haben. Das geht vielen ganz anders. Zusammen mit Matthias war ich in der Adventszeit wieder einmal im Krügerpark. Manche nennen das ihren “happy place”. Naja, wir haben eine Reihe davon. Gott sei Lob und Dank.

Das ist in der Wildnis auch dieses Mal sehr schön gewesen. Leider ist mein Vermögen viel zu gering, das angemessen in Worte zu fassen. Wie sagt der Liederdichter so schön und treffend:

Ach, denke ich, bist Du hier so schön und läßt Du´s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?

O wär ich da! O stand ich schon, ach süßer Gott, vor Deinem Thron und trüge meine Palmen: so wollt ich nach der Engel Weis´ erhöhen Deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen.

Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu Deinem Lobe neigen.

Paul Gerhardt 1656 (LKG 329,9.11f)

Natürlich hatten Angelika und ich beide noch dies und das beruflich zu tun. Für mich waren die Highlights die Besuche von Matt mit seinen unterschiedlichen Truppen aus Missouri. Die Lutherlandtour 2024 war besonders, auch die Treffen mit Seminar- und Universitätsleitern Anfang des Jahres bzw mit seinen Vizepräsidenten und seinem Musikspezi Rob Bourassa, die im Oktober fast zwei Wochen bei uns waren. Angelika unterrichtet inzwischen “nur” noch Deutsch – und zwar Muttersprachenunterricht, was vor allem Literatur beinhaltet. Das gefällt ihr gut und ist inzwischen auch nicht mehr nur neu. Nachmittags gibt sie den Ukrainern noch immer freiwillig Nachhilfe beim Sprachenlernen. Das hält sie schon drei Jahre so durch, obwohl es ganz schön zeitaufwendig ist. Die Ukrainer sind ihr sehr dankbar und das ermuntert sie immer wieder. Zu ihrem Vergnügen hat sie manche Opern bzw Musikveranstaltungen in Wittenberg, Leipzig, Dessau und Berlin besucht. Das sind ihre Glücksmomente. Ich begnüge mich mit dem ausgiebigen Radioprogramm – und komme auch damit manchmal nicht mehr nach. Morgens starten wir beide mit dem FAZ-Frühdenker bzw Gabor Steingarts Pioneer Briefing. Angelika folgt dem ÖRR im Fernsehen, während ich mich vor allem auf X über die Ukraine, Israel und die USA orientiere. Zusammen sind wir zum berühmten Birnbaum in Riebbeck gefahren, aber auch gen Osten an die Oder in die Gärten von Graf Pückler. Renovierte Klöster haben wir dabei aufgesucht in Lehnin, Helfta, Doberlug usw. Es gibt noch viel zu sehen und mehr zu erleben im wunderschönen Deutschland – und wir haben noch immer großen Nachholbedarf.

So geht das Jahr schnell vorbei. Schon wieder liegt ein Jahr hinter uns. 2024 ist bisher ein gutes und schönes Jahr gewesen. Ende November hat mein Patenjunge Martin Rencken, Lisas Ältester, Meghan in Kirchdorf geheiratet. So Gott will und wir leben, heiratet Heinz Scharlach, Werners Jüngster, Anfang Januar. Angelika fliegt unter denselben Bedingungen des hl. Apostels Jakobi am nächsten Tag zurück zur Lutherstadt. Ob ich dann zur Bischofseinführung am 23. Februar und zur Hochzeit meines Patenjungen Christian am Vortrag wieder hier sein kann, wage ich noch nicht zu behaupten, aber sie sagen doch, man muß die Feste feiern wie sie fallen. Anders als Melanchthon werde ich das aber nicht aus den Sternen versuchen abzulesen, sondern eher nach Zeit und Geld. Naja, inzwischen wollen wir hier noch möglichst viel Sonnenschein tanken, unsere beiden Mütter in Natal besuchen und noch mehr Freunde und Verwandte. Immer dringlicher mahnt die alte Volksweise uns, die wir schon auf dem Sprung sind:

Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen der rollt. 

 Rudolf Baumbach (1840–1905)

Freunde und Verwandte zu Besuch in Wittenberg

Inzwischen bitten wir unseren Herrn und Heiland mit Worten des inzwischen oft oben zitierten Liederdichters aus Gräfenhainichen und singen weiterhin frohgemut und erhörungsgewiß mit ihm und der ganzen Christenheit:

Eins aber, hoffe ich, wirst Du mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich Dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch Dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein Dich und all Deine Freuden.

Paul Gerhardt 1653 (LKG 102,10)

Das wünschen wir Euch, unseren lieben Freunde und Verwandte zusammen mit unseren Kindern und unserer Enkelin und verbleiben gerne auch weiterhin

Eure Webers, die südafrikanischen Deutschen bzw deutschen Südafrikaner,

Angelika und Wilhelm.

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