J.S. Bach: “Ach Gott vom Himmel sieh darein”, Kantate am 2. Sonntag nach Trinitatis (BWV 2)  

Erfurter Enchiridion (1524)

Kantor Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig) komponiert die Kantate “Ach Gott vom Himmel sieh darein”, zum 2. Sonntag nach Trinitatis (BWV 2).

Dem Werk liegt der gleichnamige Choral, Ach Gott, vom Himmel sieh darein, von Martin Luther vom Ende des Jahres 1523 zugrunde. Die erste und die letzte Choralstrophe wurden im Wortlaut in den Sätzen 1 und 6 übernommen, während die anderen Texte Umdichtungen eines unbekannten Dichters sind.

Hier in Wikipedia mehr dazu.

Hier der Text der Kantate, dank der Vorlage von Walter F. Bischof (University of Alberta) und schon vorweggenommen die Tenor Arie mit dem trostvollen Sätzen:

Durchs Feuer wird das Silber rein, durchs Kreuz das Wort bewährt erfunden. Drum soll ein Christ zu allen Stunden im Kreuz und Not geduldig sein.

Ach Gott, vom Himmel sieh darein
  
1. Coro
Violino I e Trombone I col Soprano, Violino II e Oboe I/II e Trombone II coll’ Alto, Viola e Trombone III col Tenore, Trombone IV col Basso, Continuo
Ach Gott, vom Himmel sieh darein
Und lass dich’s doch erbarmen!
Wie wenig sind der Heilgen dein,
Verlassen sind wir Armen;
Dein Wort man nicht lässt haben wahr,
Der Glaub ist auch verloschen gar
Bei allen Menschenkindern.
  
2. Recitativo T
Continuo
Sie lehren eitel falsche List,
Was wider Gott und seine Wahrheit ist;
Und was der eigen Witz erdenket,
– O Jammer! der die Kirche schmerzlich kränket –
Das muss anstatt der Bibel stehn.
Der eine wählet dies, der andre das,
Die törichte Vernunft ist ihr Kompass;
Sie gleichen denen Totengräbern
Die, ob sie zwar von außen schön,
Nur Stank und Moder in sich fassen
Und lauter Unflat sehen lassen.
  
3. Aria A
Violino solo, Continuo
Tilg, o Gott, die Lehren,
So dein Wort verkehren!
    Wehre doch der Ketzerei
    Und allen Rottengeistern;
    Denn sie sprechen ohne Scheu:
    Trotz dem, der uns will meistern!
  
4. Recitativo B
Violino I/II, Viola, Continuo
Die Armen sind verstört,
Ihr seufzend Ach, ihr ängstlich Klagen
Bei soviel Kreuz und Not,
Wodurch die Feinde fromme Seelen plagen,
Dringt in das Gnadenohr des Allerhöchsten ein.
Darum spricht Gott: Ich muss ihr Helfer sein!
Ich hab ihr Flehn erhört,
Der Hilfe Morgenrot,
Der reinen Wahrheit heller Sonnenschein
Soll sie mit neuer Kraft,
Die Trost und Leben schafft,
Erquicken und erfreun.
Ich will mich ihrer Not erbarmen,
Mein heilsam Wort soll sein die Kraft der Armen.
  
5. Aria T
Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Continuo
Durchs Feuer wird das Silber rein,
Durchs Kreuz das Wort bewährt erfunden.
    Drum soll ein Christ zu allen Stunden
    Im Kreuz und Not geduldig sein.
  
6. Choral
Violino I e Oboe I/II e Trombone I col Soprano, Violino II e Trombone II coll’ Alto, Viola e Trombone III col Tenore, Trombone IV col Basso, Continuo
Das wollst du, Gott, bewahren rein
Für diesem arg’n Geschlechte;
Und lass uns dir befohlen sein,
Dass sichs in uns nicht flechte.
Der gottlos Hauf sich umher findt,
Wo solche lose Leute sind
In deinem Volk erhaben.

BesetzungSoli: A T B, Coro: S A T B, Trombone I-IV, Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Continuo
Entstehungszeit18. Juni 1724
Text1,6: Martin Luther (12. Psalm) 1524; 2-5: Umdichtungen eines unbekannten Verfassers
Anlass2. Sonntag nach Trinitatis
PartiturMelvin Unger’s kommentierte Partitur
DiskussionAryeh Oron Julian Mincham

Hier eine Aufführung mit Helmuth Rilling und der Bachkantorei Stuttgarter.

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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