Erinnerungen am Hochzeitstag

Liebe Freunde und Verwandte, heute ist also unser 31. Hochzeitstag und was hat sich in diesen drei Jahrzehnten + schon alles getan. Wir haben nach der deutschen Anfangszeit mit der Geburt unserer beiden Ältesten und der kurzen Unterbrechung fürs Vikariat in Wartburg eine knappe Dekade als junge Pfarrfamilie in Wittenberg bei Moolmans verbracht. Da waren es ja zum Schluss noch zwei Jungs dazu. Einer im alten und der letzte im neuen Südafrika. Eine segensreiche Zeit und noch immer denke ich daran gerne zurück. Nicht nur, weil wir da so eng mit unseren Eltern Scharlach zusammenleben konnten, sondern auch weil wir in Gemeinde und Mission so wunderbar aufgenommen wurden. Dort waren wir richtig Zuhause. Doch schon damals sangen wir Samstag für Samstag den mahnenden Vers und mussten wohl auch deswegen nicht frühzeitig unsere andauernde Wanderschaft beenden:

„Ein Tag, der sagt dem andern,mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“

Gerhard Tersteegen 1745

In Murrayfield waren wir in der Rubida Straße Zuhause und zwar unter Gelbholzbäumen und weitreichenden Akazien und hohen Palmen – unweit von der Deutschen Schule Pretoria und der Pfarrei unseres alten Schul- und Studienfreundes Matthias. Das Zuhause hatten wir zum großen Teil meinen Eltern zu verdanken, die uns beim Hauskauf großzügig unterstützen, aber auch Angelika war nun an der Uni angestellt und machte dieses riskante Unterfangen auch in den überaus unsicheren Zeiten an der Jahrtausendwende möglich. So erlebten unsere Kinder hier den Großteil ihrer Schul- und Ausbildungszeit. Hier gingen sie in den Konfirmandenunterricht beim genannten Pastor Albers (wie ich damals bei seinem Vater) und mit uns in den sonntäglichen Gottesdienst. Zuerst in dem Englischen, den ich in der ersten Zeit mit P. Wally Hischke (St.Louis) wegen der Studenten anfing, die nicht Zulu/Tswana bzw Deutsch/Afrikaans konnten.  Diese blühende Missionsgemeinde in der auch Pastoren Sithole, Mntambo und Preus (St.Louis) aktiv eingebunden waren, war einer der ergiebigsten und erfreulichsten, wenn auch ungeplanten Geschehen dieser Zeit. Später hielten wir uns dann zur St.Paulusgemeinde, wo Angelika und die Kinder gerne im Singchor unter Berhard Böhmers Leitung mitmachten. Wir als Familie bewegte all die Zeit die letztlich vergebliche Hoffnung, dass die Sprachgruppierungen sich in der von uns initiierten „Arcadia Lutheran Ministry“ (ALM) als konfessioneller Dachorganisation zusammenfinden würden. Leider hat sich das in unserer Zeit nicht realisiert. Stattdessen gab es schlussendlich noch 2 weitere – sogenannte „unabhängige“ und „selbstständige“ Gemeinden – mit ihren jeweils addierten Pastoren, so dass ein Großteil der Arbeit weiterhin dupliziert bzw verdrei- und vervierfacht wurde, anstatt dass sie unter der Leitung eines anvisierten Hauptpastors Albers in unterstützender Spezialisierung und Konzentration zum großen Ganzen hätte gebündelt werden können.

Wir vom Seminar wollten in dieser Zusammenarbeit gerne mitbeitragen, aber da diese Missionare von weither eingeflogen ihre Arbeit lieber alleine machten, blieb eine solche optimierende Kooperation weit hinter dem möglichen Potential zurück. Eigentlich hätte das nicht verwundern bzw überraschen können, da die Neuzugänge schon von Zuhause aus eher auf Selbstverwirklichung und individuelle Selbständigkeit getrimmt worden waren d.h. sie sollten ja möglichst bald individuelle bzw partielle Erfolge aufweisen und zeigen, wie sie nun im Neuland „Hervorragendes“ und „Außergewöhnliches“ erreicht hätten. Das hatte von ihrer Aussendungsbasis und Reportagepflicht viel höhere Priorität als die von uns erwünschte und vor Ort aus erforderlicher Teamarbeit. Angesichts der bisher dominierenden Apartheid, die euphemistisch als parallele Entwicklung deklariert worden war, wollten wir ein Zeichen einheitlicher Vorgehensweise unter einem Dach ausleben. Dagegen wurde leider das alte Muster gerade von den Neuzugängen, die von reaktionären Kräften eifrig unterstützt wurden, fröhlich weiter praktiziert. Somit war natürlich gleich etwas faul und der Wurm mitten drin. So wurde auch das Motto „Gottes Mission: Unsere gemeinsame Aufgabe!“  regelrecht untergraben. Kein Wunder, dass relativ bald nachdem diese anvisierte Partnerschaft wegen der auseinanderströmenden Kräfte zerfiel, P. Albers eine Berufung nach Panbult annahm. Da blieb es beim gewohnten Stückwerk einzelner Sprach- und Altersgruppierungen, die krampfhaft versuchten sich jeweils unabhängig und zur Not sogar im Gegensatz zu den anderen zu profilieren und auszuleben. Genau wie es uns in der spöttischen Charakterisierung des protestantischen Spaltpilzes vorgehalten wird. Schließlich wurden Neugründungen wiederum wegen „Pastorenmangels“ geschlossen – Dabei hatte die anfängliche Zusammenarbeit gerade darauf abgezielt, diesem mit besserer Koordinierung, Aufteilung und Zuarbeit abzuhelfen. Hoffentlich schaffen kommende Generationen dann doch noch einmal den Zusammenschluss – und zwar auf konfessioneller Basis und nicht bloß wegen ökonomischer Praktikabilitäten oder sonstiger überholter identitärer Kriterien. Dazu gebe Gott seine Gnade!

Inzwischen sind wir ganz woanders – und doch ist vieles gleich geblieben. Hier in der Lutherstadt Wittenberg bin ich noch immer Pastor und Angelika Lehrerin. Wir sind dankbar, dass wir diese Möglichkeit auch in diesem neuen Jahrzehnt zusammen erleben können. Wie das alles weitergeht, befehlen wir unserem lieben himmlischen Vater: Er wirds wohl machen!

Genauso wie Jochen Klepper das bereits 1941 in seinem Lied, dass so gut zum Hochzeitstag passt, zusammenfasst:

1) Freuet euch im Herren allewege!
Abermals vernehmt es: Freuet euch!
Dass er Hand in Hand zum Bund euch lege,
neigt sich Gott zu euch vom Himmelreich.
Eure Liebe, die euch hier verbindet,
ist von seiner Liebeshuld verklärt.
Wo in Gott der Mensch zum Menschen findet,
ist der Segen stets noch eingekehrt.

2) Lasst die Lindigkeit, die ihr erfahren,
kund sein allen Menschen, die ihr zählt.
Kündet fortan von dem Wunderbaren,
das in dieser Stunde euch beseelt.
Euer Gott ist unter euch getreten!
Segnend war er euren Herzen nah!
Ja, in euren Taten und Gebeten
sei bezeugt, was euch von ihm geschah.

3) Sorget nichts! Vielmehr in allen Dingen
dürft ihr alles, was euch je bedrängt,
in Gebet und Flehen vor ihn bringen,
der als Vater hört, als König schenkt.
Sorget nichts! Ihr kennt den Wundertäter!
Er weiß alles, was ihr hofft und bangt!
Der Mensch tritt vor Gott als rechter Beter,
der im Bitten schon voll Freude dankt.

4) Und der Friede Gottes, welcher höher
als Vernunft und Erdenweisheit ist,
sei in eurem Bund euch täglich näher
und bewahre euch in Jesus Christ.
Er bewahre euer Herz und Sinne!
Gottes Friede sei euch zum Geleit!
Er sei mit euch heute zum Beginne;
er vollende euch in Ewigkeit!

5) Freut euch. Doch die Freude aller Frommen
kenne auch der Freude tiefster Grund.
Gott wird eins in Christus wiederkommen!
Dann erfüllt sich erst der letzte Bund!
Er, der nah war, wird noch einmal nahen.
Seine Herrschaft wird ohn Ende sein.
Die sein Reich schon hier im Glauben sehen,
holt der König dann mit Ehren ein.

Jochen Klepper (1941)

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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