Vater Wilhelms Rundbrief

eltern-weber
Karin wurde gefragt, warum wochenlang kein Brief von mir gekommen sei, und sie begründete es Sonnabend damit, dass Gulbranssens “Und ewig singen die Wälder” und “Das Erbe von Björndal” mich wieder einmal beschäftigten und festhielten.  Das stimmte für Sonnabend. Es war aber ein anderer Grund: Der Brief, den ich am 31. Januar angefangen hatte, war eine Reaktion auf Veröffentlichungen, die mir nicht gefielen, die ich gern meiner Überzeugung gemäß beurteilen wollte und mich doch scheute, nachdem ich es niedergeschrieben hatte, so in einem Wochenbrief in die Welt zu schicken, dass ich ihn nicht losschickte und noch keinen neuen Brief schrieb.
Es genügt mir, dass die Übersetzung von der Veröffentlichung von John Pless in Deutsch inzwischen erschienen ist, mit den Fragen, die Prof. Barnbrock jedem Prediger und damit ebenso jedem Schreiber, der in kirchlichen Blättern Gedanken oder Urteile zu Papier bringt, zur Beachtung ans Herz legt. Deshalb überlasse ich es lieber dem Herrn, dass in unseren Kreisen, wo diese Bücher gelesen werden, in Zukunft solche Lobeshymnen von einmaligen menschlichen Leistungen oder Anerkennungen nicht wieder gedruckt werden.
Ebenso habe ich von Prof. Dr. Armin Burchholz einen schönen Artikel im Lutherjahrbuch 2014 gelesen, der manches recht überzeugend und klar von einer erstaunlichen Kenntnis aufgrund von Luthers Katechismen, der lutherischen Bekenntnis- und Lutherschriften gesagt hat, dass kein gutes Werk, auch nicht der Erweis christlicher Liebe gelobt werden sollte, ohne daran zu erinnern, dass das alles nur dann Gott gefällig ist und gut genannt werden kann, wenn es dem offenbarten Willen Gottes entspricht und Frucht des Glaubens an die Vergebung der Sünden und die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden ohne eigenes Verdienst ist. Es geht dabei um den Glauben, dem aus Gnaden ohne eigenes Verdienst die Gerechtigkeit Christi  in der Taufe geschenkt, in der Beichte im Namen des dreieinigen Gottes mit der Vergebung der Sünden zugesprochen und im Heiligen Abendmahl durch den Empfang des wahren Leibes und Blutes unseres Herrn bestätigt wird.
Schweden-Wildnis
Dieser Glaube, diese wort- und bekenntnisgemäße Lehre darf durch keine kirchliche Gemeinschaft mit Anderslehrenden auf Kosten einer falsch verstandenen Liebe in Frage gestellt werden, sei es, dass das Evangelium, die Taufe, das Abendmahl, die heilige Schrift als Grundlage aller wortgemäßen Lehre anders verstanden und gelehrt werden oder aufgrund von sonstiger schrift- und bekenntniswidriger Gründe in Frage gestellt wird.
Armin BuchholzBernhard Schütze hatte mir auf meine Nachfrage mitgeteilt, wer Prof. Armin Buchholz (Bild oben – vor dem Walch) sei. Mich hat es gefreut, wie dieser Professor (2013 ✝), der an der FTU in Gießen und Leiter eines Theologischen Seminars in Taiwan war, auf die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium wert legt und auch auf Luthers Unterscheidung zwischen den Menschen, die alle von Natur aus Sünder sind, dann aber als erlöste Gottes Kinder mit den unterschiedlichsten Aufgaben beauftragt sind. Da freut man sich z. B. auch daran, dass nicht unterschiedslos geliebt werden soll, sondern unterschieden wird zwischen ehelicher, verwandtschaftlicher, freundschaftlicher, glaubensbrüderlicher u. s. w. Liebe.
Unterscheidungskunst PlessDer Beitrag im Lutherjahrbuch 2014 von Armin Buchholz: “Luthers reformatorische Katechismus-Spiritualität: Lernen wahren Menschseins” hat mir gut gefallen und ich halte ihn für beachtens- und lesenswert; auch die Übersetzung von Prof. Barnbrock des Buches: “Unterscheidungskunst” von John T. Pless. Wenn die Grundsätze, die dort vertreten werden, nicht mehr gelten sollten, wäre die Mühe C. F. W. Walthers Buch von der “rechten Unterscheidung von Gesetz und Evangelium” in Setswana zu übersetzen eine vergebliche Liebesmüh. Der Herr schenke es auch in dieser Zeit und in Zukunft, dass der heilige Geist durch das Wort der heiligen Schrift und die lutherischen Bekenntnisse Bischöfen, Dekanen, Pröpsten, Superintendenten, Kirchen- und Diözesan- bzw. Kirchenbezirksleitungen und Gemeinden in den unions-, staats- und weltbundfreien Lutherischen Kirchen die Liebe zu Schrift und Bekenntnis festige, und damit die Gabe, zu unterscheiden zwischen Gesetz und Evangelium, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Ständen, zwischen genuin lutherischer Lehre und Irrlehre, zwischen Kirchen, die die Bindung an Schrift und Bekenntnis ernst nehmen und diese Bindung schrift- und bekenntnisgemäß annehmen, und den Kirchen, die sich nicht mehr schrift- und bekenntnisgemäß daran binden, Schrift und Bekenntnis nach eigenem Gutdünken zeitgemäß umgedeutet wissen möchten. Ich zitiere einen Abschnitt aus WA 40/ii, 51f, der sich übersetzt findet auf Seite 22 der Übersetzung von John T. Plessens Unterscheidungskunst:  “So ist ein Vergleich zwischen Lehre und Leben in keinem Sinn zulässig. Ein Tüpfelchen der Lehre ist mehr wert als Himmel und Erde. Deswegen lassen wir es uns nicht gefallen, dass diese auch nur im Geringsten verletzt wird. Aber hinsichlich der Irrtümer des Lebens können wir leicht ein Auge zudrücken. Denn auch wir irren täglich im Leben und in unseren Bräuchen, es irren auch alle Heiligen, wie sie auch voller Ernst im Vaterunser und Glaubensbekenntnis bekennen. Unsere Lehre ist Gott sei Dank, rein, wir haben alle Artikel des Glaubens fest und gegründet in den heiligen Schriften. Diese reine Lehre wollte uns der Teufel gern beflecken und zerstören, daher kommt er so verschlagen mit diesem großartigen Argument von der Liebe und der Einigkeit der Kirchen, die nicht verletzt werden dürfe.”
Buchholz nennt eine erfreuliche Beobachtung, wie der Kleine Katechismus Luthers über Generationen hinweg das Leben in Kirchen, Völkern, Gemeinden und Familien geprägt hat gerade durch die Erklärungen der drei Glaubensartikel und der zehn Gebote. Leider hat die Revolution von 1789 der Prägung durch den Glauben, und die von dem Ende der sechziger Jahre die Prägung durch die zehn Gebote sehr geschadet. Nicht nur die Freude an Björndal hat mich am Briefschreiben gehindert, auch einiges andere. Die letzten Verse von Ps 19, den wir heute morgen lasen, geben mir die nötige Courage, diesen Brief nun heute am 26. 2. postfertig zu machen und loszuschicken.
Thomas Beneke
Gestern haben wir uns gefreut und es sogar ein wenig gefeiert hier auf Welbedacht, dass Thomas sein zweites theologische Examen gut geschafft hat. Zur geplanten Ordination am zweiten Ostertag ist die Reise von Ruth und Walter schon geplant. Sonntag soll nun die Einführung des neuen Bischofs der LuKiSA in Salem stattfinden. Walter, der als Kirchenvorsteher von Lüneburg teilnehmen wird, will mich mitnehmen. Am Sonntag sollte ein Regionalkirchenvorstehertreffen nachmittags in Wittenberg stattfinden. Walter wollte mich nach dem Gottesdienst in Salem dann zu meiner Schwester Marie Luise bringen. Das Treffen findet nicht mehr statt; deshalb sicher auch nicht mehr der Besuch bei Niebuhrs. Wir freuen uns auch über die Geburt von Noah Maximilian und Greta Johanna Pontow, den Kindern von Thomas und Ines. Die Mutter musste monatelang im Krankenhaus möglichst stille liegen. Der Junge wog fast 6 Pfund und das Mädchen fast 5. Eine angekündigte Thrombose im Bein entpuppte sich als falscher Alarm, dass wir uns dankbar mitfreuen können mit Eltern und Großeltern der beiden. Hier haben wir es gerade miterlebt, dass auch ein Zwilling gesund geboren worden ist.

About Wilhelm Weber jr

Rector of the Lutheran Theological Seminary in Tshwane
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