Fest, fröhlich, frei und frech als Zeichen der Kirche

D1000004Synodalreferat: gehalten auf der Bezirkssynode Niedersachsen Ost, am 14.06.2014, in Gistenbeck : (Slide 1) „Was ich mir wünsche, was in der SELK passieren sollte!“

Sehr gehrte Synodale, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich hier bei euch in Gistenbeck zu sein. Es ist schön in der Heimat meiner Großmutter, Mutter und Frau. Es ist schön für mich in der SELK zu besuchen. Von der LKM eingeladen, bereise ich seit zwei Wochen Gemeinde in Deutschland. (Slide 2) Ich habe noch keinen unfreundlichen Menschen getroffen und das alles noch bei schönem Wetter. Ob in Oberursel, Bochum, Rodenberg, Talle, Veltheim, Lachendorf, Hannover, Celle, Bleckmar, Uelzen oder Hamburg es ist unsere lutherische Kirche, die Menschen teilen unsere Freuden, Nöte und Sorgen. Ob in Rodenberg in der Scheune von Familie Matthias, in Lachendorf oder Celle, es sind unsere Gottesdienste. Hugo Gevers berichtet in Rodenberg von den großen Taten Gottes in Leipzig. Ich feierte Gottesdienste in Lachendorf, Celle und Bleckmar, das ist für mich eine Freude. Da bin ich zu Hause. Gottesdienst mit Sündenvergebung, Singen, Beten, Hören, eine schöne, gut durchdachte Predigt über Gal 5 von Markus Nietzke in Bleckmar, Abendmahl, Segen das alles tut mir gut im fremden Land. Gott dient uns mit seinen guten Gaben in seinen schönen Gottesdiensten, und ich bin nicht mehr Gast, sonder im Hause meines Vaters. Ich erlebe Jugendkreis in Lachendorf, Konfirmandenunterricht in Hamburg, Gemeinden und Gemeindekreise, wie ich sie aus Umhlangeni kenne, alle bemühen sich an der einen Sache. Dann treffe ich auch noch viele Verwandte und Bekannte: Klän, Albers, Barnbrocks, Stiefs, Wenz, Ottos, Hein, Volkmars, Büttchers, Zieger, Neubauer, Meyers, Rothfuchs, Heickes ohne Ende, Gnauk, Petersens, Teppers und wie sie alle heißen, daheim in der SELK kann ich da nur sagen. Was ich mir wünsche: Dass wir den großen Schatz erkennen, den wir haben, dass wir ihn dankbar erkennen und leben. Hier Deutschland und dort bei mir zu Hause in Südafrika. Vielleicht bin ich gar nicht der gewünschte Outsider, der diese Frage beantworten soll, aber die Frage: „Was ich mir wünsche,was in der SELK passieren sollte!“ möchte ich dennoch versuchen, so gut wie möglich zu beantworten. Außerdem gefällt mir die Frage, weil anders als im Theologischem Examen gibt es da nicht wirklich richtig oder verkehrt, wie zum Beispiel die Frage nach der Trinität, der Relativitätstheorie, wann beginnt die Ehe oder Wer empfängt das Sakrament würdig? Natürlich könnte ich euch auch richtig ärgern, einige brisante und hochexplosive Themen bearbeiten und dann wieder fahren. So wünsche ich mir einfach für die SELK, das die Pfarrer mehr Sport machen.

(Slide 3) Wer bin ich? (Weiter) Ich bin Missionarssohn, in der Kirche getauft, konfirmiert, sogar ordiniert. (Slide 4) Ich würde sogar behaupten, dass ich SELKie bin, wie oben schon gesagt, nicht der wirkliche „Outsider“. Und ehrlich gesagt, kann ich mir für die SELK nicht viel mehr wünschen als das sie fest, fröhlich, frei und frech auf Schrift und dem Bekenntnis der Lutherischen Kirche gegründet, ihr Leben in der Welt lebt, genau dort wo sie lebt, in Bleckmar, Frankfurt, Leipzig oder in Mvutshini, nicht über oder unter der Welt, sondern in der Welt. Die lutherischen Kirchen in Afrika, Amerika, Europa, in der ganzen Welt sind sich da auch einig: Nichts anders wollen wir, als Schrift- und Bekenntnistreue wirklich leben, praktizieren, im Alltag, im Gottesdienst, im Unterricht, bis hin zu jedem einzelnen, kleinen Gemeindekreis, als Pfarrer und als Gemeinde. Uns macht es große Sorgen, wenn Kultur oder Tradition sich über Schrift und Bekenntnis erheben und in unseren Kirchen normativen Charakter bekommen. Diese Schrift und Bekenntnistreue vereint uns, als Schwesterkirchen, sie ist auch der Grund, warum wir Afrikaner uns hier in der SELK so wohl fühlen, es ist nicht wie daheim, es ist daheim. Unser Verständnis von Schrift und Bekenntnis prägt unseren Gottesdienst, das färbt unseren Unterricht, das formt unser ganzes Leben als Kirche. In der Ordinationsverpflichtung heißt es etwa: „Ich gelobe im Angesicht Gottes bei der in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche angenommenen reinen Lehre …“ In der Berufungsurkunde steht: „In diesem Amte ist er verpflichtet…“ Wenn ihr mich also fragt, was ich mir für die SELK wünsche, dann darf das gar nicht so schrecklich ausgefallen sein, sonst verstoßen ich noch gegen mein Versprechen, meine Verpflichtung als SELK Pfarrer, als LKM Missionar. Dennoch gibt es Beobachtungen, die wir ohne Angst vor irgend welchen Verfahren machen können.

(Slide 5) Will der Elefant wirklich was vom Nashorn lernen, nur weil sie beide grau sind? Wie kommt es, dass ich mir hier was wünschen darf? Ich vermute auch, dass das hier eigentlich keinen wirklich stört, was ich mir wünsche. Wenn ich mir wünschte, was dir nicht passt, Bernhard, dann würdest du es nicht mitnehmen nach Hamburg, auch du, Axel, würdest es für Neumünster höflich ignorieren. Wenn mir jemand, besonders ein Outsider, etwas erzählt, was ich in Umhlangeni unbedingt anwenden sollte, würde ich es nie machen, wenn ich es nicht auch zuvor unterstützte. Wenn wir Pfarrer etwas nicht möchten, dann nicken wir freundlich, lächeln ein wenig, legen es zu den Akten, denken uns unser Teil darüber, aber versuchen oder anwenden werden wir es nicht. Anderseits aber, wenn ich mir etwas wünschen würde, was dir Robert besonders gefiel, dann würdest du sagen, ja genau Peach, das wäre gut, hoffentlich hören die anderen gut zu, ich habe das ja schon immer gesagt. Ich meine, dass wir deswegen bei unseren Überlegungen nicht nur die Pfarrer, sondern auch Gemeindeglieder mit engagieren müssen.

Ich möchte mich wirklich bemühen, die Frage ordentlich zu beantworten. Denn auch uns tut es gut von außen zu hören, wahrzunehmen. Mir tut es gut Abstand von meiner Arbeit in Umhlangeni zu nehmen, darüber zu berichten, zu reflektieren. Ich glaube dies ist ein großer Vorteil oder ein echtes Privileg für uns Missionare der LKM im südlichem Afrika. Wir dürfen gelegentlich für eine gewisse Zeit von unserer Arbeit Abstand gewinnen, um über sie hier in Deutschland zu berichten. Fragen wie: Warum macht ihr das so oder so, helfen uns bei der Arbeit. Auch zu uns kommen gelegentlich Besucher aus Deutschland oder Amerika, aus unseren Schwesterkirchen, die uns und unsere Arbeit aus einer anderen Perspektive sehen. Sie sehen nicht nur den für uns langweiligen Alltag, sondern haben gelegentlich so etwas wie ein „Wauw-Erlebniss“. Wenn unsere Konfirmanden die Gebote, Glaubensartikel, Vaterunser, Taufe und Abendmahl lernen, dann merken die Besucher etwas, es gibt den lutherischen Katechismus auch auf Zulu, das verbindet uns. Wenn alte, arme Menschen in einer Hütte das Abendmahl mit Dank empfangen, dann bewegt das unsere Besucher, sie denken über ihren eigenen Glauben nach. Im letzten Jahr waren zum Beispiel Büttchers aus Lachendorf und Müllers aus Wittingen bei uns zu Gast. Wie sehen sie unsere Arbeit? Der Missionsdirektor besucht uns auch immer mal wieder. Er sieht unsere Arbeit als Beobachter, ich möchte nicht unbedingt sagen als Outsider. (Erzählen) Wunsch: Besucht andere Lutherische Schwesterkirchen, wo möglich in anderen Ländern. Wenn möglich besucht uns in Südafrika. Unsere Nöte und Sorgen sind nicht sehr viel anders als eure.

Jetzt kommen wir zur SELK. Was ist die SELK? (Slide 6). Erstens Fest (Slide 7: Der Elefant). Gut organisiert, geregelt, pünktlich sind einige Wörter, die mir einfallen, wenn ich an die SELK denke. Das ist bei uns in Südafrika oft ein wenig anders, aber deswegen nicht unbedingt erstrebenswert, das würde ich, wenn ich ihr wärt, nicht unbedingt nachahmen. Es geht mir sehr auf den Senkel, wenn ich alleine irgendwo auf Gemeindeglieder warte (Siehe Einleitung im neuen Missionsblatt). Dagegen ist eine gewisse afrikanische Gelassenheit auch nicht immer schlecht, vielleicht gut für die Nerven. Salzmann, Stolle, Heidenreich, alle haben an unserer Aussendung vor ein paar Jahren von Geduld geredet. Inzwischen weiß ich warum. Dazu muss ich sagen, dass das alles nicht so einfach verallgemeinert werden kann. Viele Versammlungen, Gottesdienste, Synoden fangen ganz pünktlich an und hören ganz pünktlich auf. Was dient der Arbeit, was garantiert ein ordentliches Miteinander in der Arbeit.

Andere Wörter fallen mir auf, wenn ich SELK höre, Wörter wie Standhaft, Schrift, Bekenntnis, Liturgie, Gottesdienst, Unterricht, das wollen wir auch sein, wie ihr. Ich meine die SELK hat ein sehr starkes Fundament. Mein Vater, der weit systematischer und fundierter erzählt hätte, der auch ganz klar gesagt hätte, was er sich von der SELK wünscht, hat mal geschrieben: „Lutherischer Gottesdienst und lutherische Unterweisung nehmen viel Zeit in Anspruch.“ Die SELK hat eine lange Geschichte. Die LCSA eine etwas kürzere, die lange Zeit hat man in der SELK über viele Generationen gut genutzt. Ich glaube mein Vater hat recht. Lutherische Theologie ist schwer. Sie ist felsenfest, braucht viel Zeit und lange Weile (positiv gemeint). Aber es ist im Grunde genommen die gleiche Theologie in Afrika wie auch hier in Deutschland. Ich habe die SELK erlebt als eine Kirche, die besonders bemüht ist und auch bereit ist für die Wahrheit zu kämpfen, zu streiten. Auch in Südafrika bemühen sich die Lutherischen Kirchen um die Wahrheit des Evangeliums. Ob in Oberursel an der Hochschule, Pretoria am Seminar, in ihren Gottesdiensten, Sitzungen, Synoden usw., es geht immer um schwere, fundierte Theologie. Manchmal übertreiben die Streithähne es natürlich auch, und streiten sich über Tücher, Blumen, Kerzen, Trachten, Hüte und das dann noch theologisch. Da würde ich einfach sagen lasst das, das bringt nicht so viel, hat auch keinen Sinn. Das ist bei uns in Afrika auch nicht anders, warum sollte es auch sein, sind wir doch die gleichen Menschen, wie ihr hier?

Obwohl ich in Erlangen eine neutestamentlich Arbeit gut bestand, reichte es in Oberursel nicht aus, guter Wille und viele, voll getippte Seiten, waren dann doch nicht genug für eine ausreichende Note. Das sehe ich nicht als schlechtes Zeichen für Oberursel, sondern die Arbeit entsprach nicht dem Standard, der fundierten Theologie, die dort und in unserer Kirche gelehrt wurde. Lutherische Theologie ist schwer, nicht so einfach. Nicht mal Luther könnte heute noch bei uns behaupten, dass Johannes 6 nicht vom Abendmahl redet, da würden wir ihm als lutherische Exegeten etwas erzählen und natürlich: wir würden ihm sagen, dass wir das von ihm gelernt haben, das auf die Schrift hören. Auch die Vikare im Vikariat habe ich so erlebt im PTS, obwohl wir immer wieder fröhlich und locker feierten, haben wir uns gut, manchmal sicher auch schlecht, theologisch gestritten. Da hat man nicht geschwiegen, wenn einer der Vikare eine komische Predigt, Konfirmandenunterricht oder seelsorgerliches Gespräch gehalten hat, es gab viele Diskussionen, Auseinandersetzungen und dergleichen. Auch Paulus hat sich mit Kephas gestritten sagen wir und stehen in guter, biblischer Tradition (Gal 2,14 „Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen.“). Die Pfarrer bemühen sich um ihre Predigt, wir mögen es nicht, wenn jemand einfach unvorbereitet los predigt, irgend etwas erzählt, das kommt nicht gut an. Da sind einige in Afrika großzügiger, wie der Geist es halt gibt, aber natürlich auch nicht alle. Bei uns Lutheraner ist Liturgie wichtig, Gottesdienste werden gut geplant, durchdacht, da kann man nicht einfach irgendetwas hinblättern. Und es sind nicht allein die Pfarrer, auch die Gemeindeglieder sind geübte biblisch, fundierte Hörer des Wortes, die viel gelernt haben, Interesse zeigen und viele kennen lutherische Theologie wirklich gut. Was ich mir wünsche für die SELK: Dass der theologisch, wichtige Streit um die Wahrheit überall wo er praktiziert wird, richtig gemacht, brüderlich gemacht wird, zur Erbauung und um der Wahrheit Willen, nicht aus Lust am Streit oder Zank.

(Slide 8) Beim Streit um die Wahrheit, sollte dann auch wo möglich die Fröhlichkeit an unserer wunderschönen Aufgabe nicht verloren gehen. Kann man so etwas erwarten, verlangen, sich wünschen, dass die SELK fröhlich ist, bleibt, wird. Dass sie fröhlich ist über das, was sie hat, den Schatz, Jesus Christus, das Evangelium, die Sakramente, schöne Gottesdienste, gute Chöre, Pfarrer, engagierte Christen und dergleichen. Diese Freude, Fröhlichkeit erleben wir tatsächlich in unseren Gottesdiensten in Umhlangeni, Mafu, Msikaba, Mzumbe, Mtwalume. Ich habe sie auch in den Gottesdiensten hier in Deutschland bereits erlebt. Es gibt sie. Seit Sonntag spätestens wissen wir auch, dass Freude eine Gabe des Heiligen Geistes ist, sie wächst dort wo Wort und Sakramente genutzt werden (hört sich das sehr Theoretisch an). Ist es nicht: Wir brauchen Gottes Dienst. Er muss uns dienen, uns Pfarrern und allen anderen auch, damit wir fröhlich werden, fröhlich in unseren Gottesdiensten. Und weil wir wissen, dass Gottesdienst gut für uns ist halten wir gute, geplante und strukturierte Gottesdienste. Gottes Nähe ist gut für uns, wie wir es in der Jahreslosung hören: „Es ist gut für mich, in Gottes Nähe zu sein.“ Beichte, Abendmahl, sein Wort sind gut für uns, daraus bringt der Heilige Geist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Alles Dinge, die wir nicht herbei rufen, zwingen können, sondern Gaben des Heiligen Geistes, der an uns wirkt im Gottesdienst, durch Beichte, Wort und Abendmahl. Sehr wichtig für uns. Hier und in Afrika.

Und Gottes Dienst an uns ist schön. Wir haben schöne Gottesdienste. Es ist nicht eine Sache, der wir uns vielleicht schämen sollten. Immerzu traurig über die Leute, die nicht kommen, und dabei vergessen, dass wir bereits im Gottesdienst sind. Wir heulen, weil so wenig junge Leute dabei sind, und dabei vergessen wir die alten, die treu kommen. Wir achten vielleicht in der Kirche oft auf die Sachen, die wir nicht haben, und vergessen, was wir eigentlich haben. Der Versucher macht das, er freut sich, wenn wir verzweifeln und vor lauter guten Bäumen, Früchten und Segen, immerfort überlegen, was Gott uns eigentlich noch vorbehält.

Die Erklärung zur sechsten Bitte: „Wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott wolle behüten und erhalten, auf dass uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schanden und Laster“ Ich glaube, dass das viel passiert in unserem Leben als Pfarrer, Missionar, auch als Gemeinde, der Teufel, die Welt und unser Fleisch versuchen uns die Fröhlichkeit, versuchen uns unseren Glauben, zu rauben, damit wir verzweifeln, damit wir gar nichts Gutes mehr erkennen, und ganz traurige Christen werden. Dann beten wir: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Den Schatz vor Augen behalten, damit das Böse uns nicht überwindet, und wir fröhliche Christen bleiben: Fest und fröhlich, frech und frei.

(Slide 9) Frech und Frei: Der Elefant, der seine Größe erkennt, hat keine Angst vor dem, im Vergleich, kleinen aber dennoch gefährlichen Hippo. Dieser Vergleich hingt ein wenig, denn wir sollen nicht, Robert, nur weil wir größer sind, die Kleinen verjagen oder eventuell piesacken. Mit frech und frei möchte ich folgendes ausdrücken: Wir erkennen was für Freiräume und Bewegungsmöglichkeiten uns unser Glauben, die Schrift und das Lutherische Bekenntnis bieten, im Leben der Gemeinde, im Gottesdienst und in der Mission, der Sendung der Jünger in die Welt von Jesus Christus. Mit dem Spruch aus dem Galaterbrief: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ macht uns Paulus auf ein altes Problem aufmerksam. Befreit aus Ägypten, befreit aus der Knechtschaft werden wir wieder zu Knechten, unfrei. Frei durch Jesus Christus fangen wir an Regeln und Gesetze aufzurichten, die seiner Mission schadet.

„Kenn isch net, mag isch net!“ „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“ Hier wird es bei uns immer etwas schwierig. Auch die folgenden Sätze von (Slide 10) Professor Stolle sind beim ersten Lesen vielleicht etwas schwer: „Die entschlossene Bereitschaft, sich gegenüber erkannten Irrlehren und gegenüber falscher kirchlicher Praxis abzugrenzen, wird dann mit der Offenheit verbunden sein, die Grenzen des engen Rahmens der eigenen kirchlichen Existenz ständig missionarisch zu überschreiten, sich dabei immer neuen Verunsicherungen auszusetzen und sich in das Neuland der Kommunikation mit Menschen anderer kultureller und sozialer Gruppen vorzuwagen. Denn das Evangelium erweist seine Eindeutigkeit und Wahrheit gerade darin, dass es nicht ruht, Gottes Heil allen Menschen nahezubringen.“ Fest gegründet auf der Wahrheit der Schrift und des Lutherischen Bekenntnisses sind wir frei, um uns zu bewegen, auf andere Menschen zu. Wollen wir und unsere Gemeinden uns verunsichern lassen, wollen wir auch mal Neuland betreten. Wir sind ja frei, um uns zu bewegen. Unsere Sendung in die Welt, Jesu Christi Mission, geht über Grenzen! An dieser Stelle müssen wir lernen, in Südafrika, wie auch hier in der SELK. Wie können wir unsere Freiheit, unser Fundament frei leben, nach außen bekennend leben?

Ein paar wichtige Wörter: Wichtig: die Kommunikation mit Menschen. Wichtig: Verunsicherungen annehmen, wagen. Wichtig: das Evangelium ruht nicht. Sehr wichtig: Gottes Heil gilt allen Menschen. Und da kann ein Outsider uns leider nicht mehr weiter helfen. Wie rede ich in Deutschland, wie in Gamalakhe, wie in Shelly Beach, damit andere Menschen vom Heil in Jesus Christus hören? (Slide 11) Wir, damit meine ich wir alle, die in der Kirche Jesu Christi sind, werden immer weiter nachdenken müssen, beweglich bleiben, immer wieder fragen: wie reden, verkündigen, kommunizieren, handeln wir, damit auch andere von den großen Taten Gottes hören, und die wichtige Frage stellen: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“ Kann die LKM uns als SELK, als FELSISA oder LCSA hier helfen? Können wir in unseren Gemeinden diese Überlegungen anregen, erwarten? Wie können wir die Mission, die LKM, hier engagieren? Unsere Gottesdienste sind nicht von sich aus missionarisch, sie fallen unter FEST und Fröhlich und sind sehr wichtig für unser Glaubensleben. Wie können wir nun auf andere zu gehen, Gäste einladen, offen sein, übersetzen, austeilen, damit der Schatz, Jesus Christus, in der Welt bekannt wird?

Seit über hundert Jahren sind wir in Umhlangeni bemüht Lutherische Kirche und Mission zu leben, es ist zur Tradition geworden, der Kreis hat sich geschlossen, die Gemeinde ist nicht unbedingt offener als eine SELK Gemeinde. Versuchen wir noch zu wachsen, auszuteilen, einzuladen? Eine Kirche, die aus der Mission hervorgegangen ist, wie die SELK auch, wird plötzlich unbeweglich. In der LCSA, FELSISA, SELK, Missiouri Synod bewegt diese Frage doch alle Gemeinden. Gemeinden, Gruppen schließen sich erstaunlich schnell. Doch das Evangelium ruht nicht, es bleibt beweglich und auf andere Menschen ausgerichtet. Wir sollen dem als Gemeinde nicht im Wege stehen. Es kommen zu uns nach Südafrika viele Fremde, viel Menschen aus anderen Ländern, was machen wir als Kirche? Laden wir die Äthiopier ein? Wollen wir sie bei uns aufnehmen? In der SELK sehe ich bereits diese Bemühung und wir können uns freuen darüber. Viele Menschen gehen in andere Gottesdienste, weil sie die Form besser finden, was machen wir? Sagen wir, die sind selber schuld und so wie so keine Lutheraner, oder versuchen wir sie aufzufangen? Sind wir frei, um auch mal etwas anderes zu gebrauchen, zu nutzen, zu versuchen, oder lehnen wir das alles ab, als Schwachsinn, bei dem unsere ganze Theologie und Kirche verloren gehen? Wir haben nach Südafrika nicht nur Evangelium, Kirche usw. exportiert, sondern auch Formen, die wir lutherisch nennen, wie frei sind wir wirklich, wie frech können wir sein? Warum habe ich Hemmungen andere Formen zu nutzen? Dies sind Überlegungen, die für euch hier und uns dort gelten. Wir müssen als Kirche unsere Umwelt ganz ernst nehmen.

Fest, fröhlich, frei und frech, so habe ich diese Referat ein wenig gegliedert. Diese sollten nicht getrennt werden, sondern zusammen bleiben, sie sollen als Merkspruch dienen. Wir sollen vor lauter Sorge um die Festigkeit und unser Fundament nicht die Freiheit verlieren, und vor lauter Freiheit nicht das Fundament, das Bekenntnis über Bord werfen. Sie gehören alle zusammen. Das Motto meiner Hochschule in Wartburg lautet: „Dennoch fest und frei!“ So ist das wohl zu denken.

Als Schluss: Mit großer Freude habe ich den Missionsbericht von Herrn Paap gelesen. Ich zitiere einen Satz daraus: „Es geschieht mitten unter uns ein großes Wunder!“ Und ebenso aus den Nachrichten aus Berlin-Steglitz: „Es ist kaum zu glauben – ein Jahr ist es nun schon (und zugleich auch: erst!) her, seit wir unser Missionsprojekt hier in Steglitz Ende Mai 2013 gestartet haben, keiner von uns konnte sich damals vor einem Jahr vorstellen, was sich in diesem Jahr hier in Steglitz alles entwickeln würde.“ Es geschehen Wunder, es ist kaum zu glauben. Deswegen lasst uns Fest, fröhlich, frei und frech am Werk des Herrn, an seiner Mission bleiben, hier in der Heimat meiner Mütter und auch dort in der Heimat meiner Väter.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, ich freue mich auf die Aussprache, die Fragen und Anregungen nach der Pause.

 

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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