Oberursel, 20.11.2012 – selk – Vergangenheitsbewältigung als Aufgabe: Apartheid ist das Thema des von zwei Professoren der Lutherischen Theologischen Hochschule der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel, Dr. Werner Klän und Dr. Gilberto da Silva, herausgegebenen neuen Buches, das als Band 13 der Ergänzungsbände der „Oberurseler Hefte“ beim SELK-Partnerverlag Edition Ruprecht (Göttingen) erschienen ist.
Das Buch „Mission und Apartheid. Ein unentrinnbares Erbe und seine Aufarbeitung durch lutherische Kirchen im südlichen Afrika“ liegt jetzt im Druck vor und enthält acht Beiträge zum Thema. Sie analysieren einen hervorragenden Aspekt der gemeinsamen Missions- und Kirchengeschichte lutherischer Bekenntniskirchen in Südafrika aus unterschiedlichen Perspektiven – historisch (mit zum Teil erstmals ausgewerteten Quellen), systematisch-theologisch und missionswissenschaftlich.
Die Beiträge gehen auf ein Symposium im November 2011 zurück, das die Lutherische Theologische Hochschule unter Leitung der beiden Herausgeber in Zusammenarbeit mit der Lutherischen Kirchenmission (Bleckmarer Mission) veranstaltet hatte. Die Referenten schreiben als Zeitzeugen, Mitwirkende, Betroffene, Außenstehende und Nachgeborene und stammen aus Südafrika, den USA und aus Deutschland. Der Einladung zum Symposium waren viele gefolgt, die die Zeit der Apartheid bei Besuchen oder beruflicher Tätigkeit im südlichen Afrika erlebt hatten. Ihre Erinnerungen und Diskussionsbeiträge waren neben den Referaten ein wichtiger Anstoß zur Gründung einer zwischenkirchlichen Arbeitsgruppe „Vergangenheitsbewältigung“ aus Vertretern der Freien Evangelisch-Lutherischen Synode in Südafrika (FELSISA), der Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (LCSA) und der SELK. Das in der Gründungssitzung der Arbeitsgruppe am 19. März 2012 formulierte Dokument ist im Anhang des Buches abgedruckt. Die Bischöfe der drei beteiligten Kirchen, Dr. Dieter Reinstorf (Pietermaritzburg), Hans-Jörg Voigt (Hannover) und Dr. Wilhelm Weber (Pretoria) schreiben im Geleitwort des Buchs: „Wir sehen in den jetzt angebahnten Gesprächen die Möglichkeit einer aufrichtigen Versöhnung, wo Schuld bekannt und Sündenvergebung zugesprochen und empfangen wird und ein gemeinsamer Weg nach vorn gegangen werden kann.“
Um eine Rezeption des Buchs auch in Englisch sprechenden Gemeinden zu ermöglichen, sind die grundlegenden Beiträge von Klän und Prof. i.R. Dr. Volker Stolle (Mannheim) sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache abgedruckt, die anderen mit einer Zusammenfassung in der jeweils anderen Sprache. Das gebundene Buch (ISBN 978-3-8469-0132-8) hat 226 Seiten und kostet 47,90 Euro. Der Band ist auch als eBook erhältlich.
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Sterben mit dem ARD – Kommentar von Henryk M. Broder
And you thought, they only critique boring sermons? Now way! Read this and consider how “outsiders” hear your tunes, messages and twits. I find Broder amusing and provocative at the same time. Read here what he’s got to say:
“In der „Todesfuge“ von Paul Celan findet sich der Satz „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Wie Recht der Dichter mit dieser Feststellung hatte, kann man in diesen Tagen erleben, wenn man das „Erste“ anmacht.
Da läuft die Themenwoche „Leben mit dem Tod“, die sich an den typischen ARD-Zuschauer richtet: einen Mann oder eine Frau zwischen 60 und 65, kurz vor oder nach der Verrentung, der/die sich nun auf das Unvermeidliche innerlich einstimmt. Und so wie sein/ihr Leben geregelt verlief, muss auch das Finale geregelt werden.
„Wie will ich sterben? Welche Beerdigung wünsche ich mir? Wer sich offen mit dem Tod beschäftigt, erleichtert nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen in seinem Umfeld den Abschied.“
Nun trägt die ARD ohnehin dem Umstand Rechnung, dass viele ihrer Zuschauer sich bereits in der pre-mortalen Phase befinden. Die diversen „Feste der Volksmusik“ mit Florian Silbereisen zum Beispiel erträgt nur, wer mit dem Leben weitgehend abgeschlossen hat. Die allabendlichen Talkshows sind so aufregend wie eine Weihnachtsfeier in einem Bestattungsunternehmen.
Erschienen in der Weltwoche vom 22.11.12
Insofern passt die Themenwoche „Leben mit dem Tod“ gut ins Gesamtprogramm. Trotzdem muss man sich fragen, ob es denn noch irgendeinen Bereich gibt, in den das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht erzieherisch eingreifen würde. Es rührt die Trommel für Organspenden und Krebsvorsorge, es klärt über die Gefahren des Tabak-und Alkoholkonsums auf, es nimmt sich der allein erziehenden Mütter an, jetzt greift es ein Thema auf, das angeblich „tabubehaftet“ ist, um dazu beizutragen, „Sprachlosigkeit zu überwinden“: den Tod. Aber der ist so wenig ein Tabu wie das Liebesleben von Heidi Klum. Und was die „Sprachlosigkeit“ angeht: viele Deutsche lesen nur deswegen eine Tageszeitung, um über die Todesfälle in ihrem Bekanntenkreis auf dem Laufenden zu bleiben.
Was aber, wenn einer vom Tod überrascht werden möchte, so wie es vor der Erfindung des Fernsehens der Fall war? Ja, dann hat er eben Pech gehabt. Mit der Zwangsgebühr kommt auch der Todesengel ins Haus.”
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