Pfarrer Frank Eisel zum Amtsantritt von Papst Franziskus I (SELK INFO)

papstEin Kommentar von Frank Eisel, Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Wiesbaden..
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„Papam habemus“ – die lateinische Formel, mit der die römisch-katholische Kirche eine erfolgreiche Papstwahl verkündet. Etwa 1,196 Milliarden römisch-katholische Christen, von denen die Hälfte der Gläubigen in Mittel- und Südamerika lebt, haben nun wieder ein Oberhaupt.

Aber warum gerade „papam“? Die Amtsbezeichnung „Papst“ wird sprachgeschichtlich vom griechischen Wort „pappas“ („Vater“, „Bischof“) abgeleitet und hat sich im Kirchenlatein mit „papa“ als Bezeichnung des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche durchgesetzt. „pappas” („Papa“ oder „Väterchen“) allerdings im eigentlichen Sinne ist der Papst ja nun gerade nicht – jedenfalls sollte man davon ausgehen können!

Ob der nun 76-jährige Argentinier, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der argentinischer und italienischer Staatsangehöriger ist und gelegentlich als „Kardinal der Armen“ bezeichnet wird, für einen Aufbruch der römisch-katholischen Kirche steht, ist fraglich. Zwar macht diesen Mann sympathisch, dass er demütig auftritt, auch dass er bisher lieber öffentliche Verkehrsmittel wählte, als in einer Limousine durch die Gegend gefahren zu werden, weil er die Verbindung zu den Armen suchte. Dennoch spiegeln die Worte seiner Amtseinführung ganz klar seinen Selbstanspruch wieder, den auch die Kirche mit dieser Person verbindet. Er sagt selbst: „…und jetzt beginnen wir diesen Weg – Bischof und Volk –, den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen“ (!) „…einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens.“

Der Führungsanspruch des römischen Bischofs gegenüber allen Kirchen bleibt wesentlicher Bestandteil des Pontifikats des Bischofs von Rom (wobei seit der Enzyklika „Dominus Iesus“ von Benedikt XVI. fraglich ist, ob die sogenannten anderen „Kirchen“ überhaupt als Kirchen bezeichnet werden können, solange sie nicht unter dem Papst leben und ihn als Oberhaupt anerkennen).

Auch bleibt die römisch-katholische Kirche beim Selbstverständnis des Ablasses, ungeachtet der theologischen Auseinandersetzungen der Reformationszeit. In der Ankündigung des Segens „Urbi et Orbi“ hieß es (in der Übersetzung der Live-Übertragung ins Deutsche) „Der Heilige Vater Franziskus wird nun allen Anwesenden und allen, die seinen Segen über Hörfunk, Fernsehen und über neue Technologien empfangen, vollen Ablass in der in der Kirche festgelegten Form erteilen.“

Der Segen „Urbi et Orbi“ selbst bringt dieses Ablassverständnis auf den Punkt und benennt neben der Heiligenanrufung auch die stellvertretenden Verdienste, wenn es heißt:
„Die Heiligen Apostel Petrus und Paulus, auf deren Machtfülle und Autorität wir vertrauen, sie selbst mögen beim Herrn für uns Fürsprache halten.“ Alle: „Amen.“
„Aufgrund der Fürsprache und der Verdienste der seligen immerwährenden Jungfrau Maria, des heiligen Erzengels Michael, des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, erbarme Sich euer der allmächtige Gott und nachdem Er alle eure Sünden vergeben hat, führe euch Jesus Christus zum ewigen Leben.“ Alle: „Amen.“
„Der allmächtige und barmherzige Herr gewähre euch Nachlass, Vergebung und Verzeihung all eurer Sünden, einen Zeitraum echter und fruchtbarer Reue, ein allzeit bußfertiges Herz und Besserung des Lebens, die Gnade und die Tröstung des Heiligen Geistes und die endgültige Ausdauer in den guten Werken.“ Alle: „Amen.“
„Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes + komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit.“ Alle: „Amen.“

Der Segen, wie er hier im vierten Teil von „Urbi et Orbi“ gesprochen ist, ist uns vertraut, das Übrige ist traditionelle Lehre der römisch-katholischen Kirche, von der sicher auch der neue Papst nicht abweichen wird und kann, die uns aber deutlich voneinander unterscheidet.

Wenn ich daher in unserer SELK (vielleicht weil sie mit ihren nicht mal mehr 34.000 Kirchgliedern verschwindend klein ist) gelegentlich den Ausspruch höre, wir seien doch „eigentlich katholisch“, müsste diese Person erklären, wie sie das versteht und wo sie theologisch steht.

Zwar sind wir in dem einen Christus und Herrn der Kirche aufgrund des Zeugnisses der Heiligen Schrift und in der Kraft des Heiligen Geistes in der „einen, heiligen christlichen Kirche“ miteinander verbunden, doch ist diese für uns nicht sichtbar und schon gar nicht gleichzusetzen mit einer Institution „Kirche“, ob nun als evangelische, evangelisch-lutherische oder römisch-katholische Kirche.

Es bleibt daher dauerhaft unsere Aufgabe, das geschwisterliche Gespräch auch über unsere Kirchengrenzen hinweg zu suchen, auf die Heilige Schrift zu verweisen und um die Auslegung der Schrift und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu ringen. Es wäre schön, wenn uns dies gelingt, wie Papst Franziskus es in eindrücklicher Weise gezeigt hat, nicht in Überheblichkeit und Arroganz, sondern in Demut und Achtung vor Gott und den Nächsten.
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Ein Kommentar von selk_news [14.3.2013]
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Propst Kelter kommentiert den 1. Auftritt des Papstes (SELK Info)

pope-francis1KOMMENTAR: Die römisch-katholische Kirche hat seit dem 13. März 2013 einen neuen Papst: Papst Franziskus. Zu dessen erster Ansprache hat Propst Gert Kelter eine erste Analyse verfasst.

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Ein Kommentar von Gert Kelter, Pfarrer in Görlitz und Propst im Sprengel Ost sowie Ökumenereferent der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK).
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Bischof Franziskus von Rom

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ sagte Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Das gilt wohl auch für die ersten Worte eines neugewählten Papstes, mit denen er sich kurz nach seiner Wahl an die Öffentlichkeit wendet. Es ist schwer zu beurteilen, ob die Worte, die der neugewählte Papst Franziskus gestern an die auf dem Petersplatz versammelten Menschen richtete, wirklich bewusste Programmatik oder doch eher Ausdruck eigener Bewegtheit und Spontaneität waren. Vielleicht sollte man die Worte dieser ersten Kurzadresse daher auch nicht auf die Goldwaage legen.

Eine Diözese hat einen neuen Bischof

Dennoch: Wer mit „theologischen Ohren“ hörte, bekam einiges von Gewicht zu hören: „Ihr wisst“, begann der Papst, „es war die Aufgabe des Konklaves, Rom einen Bischof zu geben.“ Das gehörte zwar zweifellos auch zu den Aufgaben des Konklaves. Dennoch lässt es aufmerken, wenn der neue Papst gerade diese Aufgabe betont und als einzige nennt. Bei einer Aufgabenbeschreibung eines Konklaves hätte man durchaus die Wahl des geistlichen Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche, also des Papstes, in den Vordergrund stellen können, wie es sicherlich die weltweit medial teilnehmende Öffentlichkeit auch erwartete.

Stattdessen die Feststellung von Franziskus: „Die diözesane Gemeinschaft von Rom mit seinem Bischof.“ So der Wortlaut nach Radio Vatikan. Andere Übersetzungen bieten auch an: „Die Diözese Rom hat nun seinen Bischof.“ (kathpress)

Unbestreitbar ist der Papst immer auch Bischof von Rom und dies gilt auch umgekehrt. Bemerkenswert ist jedoch die Akzentuierung, die der bisherige Erzbischof von Buenos Aires hier vornimmt, indem er als ihm offenbar wichtigstes Resultat seiner Wahl feststellt: Die Diözese Rom hat einen neuen Bischof. Und nicht etwa: Die römisch-katholische Kirche hat einen neuen Papst.  In derselben Weise wendet er sich im nächsten Satz seinem Vorgänger zu, den er als „emeritierten Bischof Benedikt XVI.“ bezeichnet. Auch Benedikt XVI. erwies in seiner Habemus-Papam-Ansprache am 19. Mai 2005 seinem verstorbenen Vorgänger die Reverenz, bezeichnete ihn aber als „großen Papst Johannes Paul II“ und nicht etwa als „verewigten Bischof von Rom“.

Vorsitzender in der Liebe

Dann weitet der bisherige Kardinal Bergoglio den Blick von der Diözese Rom auf die ganze Kirche, indem er fortfährt: „Und jetzt beginnen wir diesen Weg – Bischof und Volk –, den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen.“ Selbstverständnis und Terminus des „Vorsitzes in der Liebe“ findet man auch in Reden anderer Päpste. Der Begriff geht auf Ignatius von Antiochia zurück, der ihn um das Jahr 110 n. Chr. in seinem Brief an die Römer verwendet, um damit den Status des Bischofs von Rom gegenüber den anderen Bischöfen zu kennzeichnen.

Der Bischof von Rom als „Vorsitzender in der Liebe“, der sich zusammen mit dem „Volk“ nun auf einen „Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens“ begibt, wie Franziskus diesen Gedanken dann entfaltet: Ein solches Selbstverständnis des Petrusdienstes könnte ganz neue innerkirchliche, vor allem aber auch ökumenische Perspektiven eröffnen. Als Primus inter pares, als Gleicher unter Gleichen, dem aufgrund allgemeiner Übereinkunft ein Ehrenvorrang in der Liebe, ein Sprecheramt unter den Bischöfen und Ortskirchen zukommt, könnte sich Franziskus vermutlich insbesondere auch bei den Ostkirchen viel Sympathie und theologische Zustimmung sichern. Auch für Altkatholiken und nicht zuletzt für Lutheraner wäre ein so akzentuiertes päpstliches Selbstverständnis eine Gesprächsbasis.

Es sei nicht nur an das Luther-Zitat erinnert, in dem dieser bekundet, er wolle dem Papst die Füße küssen, wenn dieser nur das Evangelium zuließe, sondern auch an den Zusatz, mit dem Melanchthon 1537 die Schmalkaldischen Artikel unterschrieben hat: „Die vorgestellten Artikel halte ich auch für recht und christlich, vom Papst aber halte ich, wenn er das Evangelium zulassen wollte, daß ihm dann um des Friedens und der allgemeinen Einigkeit willen, von denjenigen Christen, die bisher unter ihm sind und auch künftig sein möchten, seine Oberhoheit über die Bischöfe, die er nach menschlichem Recht hat, auch von uns zugestanden werden soll.“

Man darf jedenfalls gespannt sein, ob dieser Versuch einer Analyse weniger erster Worte nur dem „Zauber des Anfangs“ erlegen ist oder ob sich hier tatsächlich neue Perspektiven, gerade auch für das ökumenische Gespräch und im Blick auf das römische Selbstverständnis des Papstamtes ergeben.

Welcher „Franz“ stand Pate?

Und noch ein letzter Gedanke: Es liegt nahe, die Namenswahl des neuen Papstes auf den heiligen Franz von Assisi zu beziehen und daraus – wie es gestern in den Medien bereits zu hören war – Rückschlüsse auf ein bevorstehendes Reform- wenn nicht gleich ein „Revolutionspontifikat“ zu ziehen. Man wird gewiss in allernächster Zeit nähere Informationen über den Hintergrund der Namenswahl erhalten.

Spontan fiele mir aber als Namenspate noch ein ganz anderer Franz ein: Der heilige Franz von Sales, der einem Jesuiten möglicherweise noch eher in den Sinn kommen konnte als der Begründer des Franziskanerordens. Franz von Sales (1567-1622) war Jesuitenkollegiat, Fürstbischof von Genf und Ordensgründer. Er gilt als sanfter, liebenswürdiger, den Menschen sehr zugewandter Heiliger. Einfachheit und Bescheidenheit sind Ideale, die die „beiden Fränze“ teilten und lebten. Franz von Sales zählte zu den großen Vorbildern Papst Johannes XXIII. Ihm wird der Satz zugeschrieben „Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille, außer wenn du viel zu tun hast … dann gib dir zwei.” Gelassenheit, Bescheidenheit, Stille, Gebet: Wer die Habemus-Papam-Ansprache Franziskus’  mitverfolgt hat, kann sich des Eindruckes nicht ganz erwehren, dass diese Form der Spiritualität ihn geprägt hat. Freilich: Franz von Sales, menschlich-liebenswürdiger Seelenführer, Evangelist, begnadeter Prediger, Lehrer und Pädagoge („Schutzpatron der Journalisten“!) wäre auch unter ökumenischen Gesichtspunkten ein interessanter Namenspate: Er hatte nämlich maßgeblichen Anteil an der Rekatholisierung des calvinistisch gewordenen Genfer Bistums. Dabei verzichtete er auf die damals übliche konfessionelle Polemik und überzeugte durch Argumente, die er aufgrund seiner intensiven theologischen Beschäftigung mit dem Calvinismus liebenswürdig vorzubringen wusste.

Sollte es denn nicht vorrangig Franz von Assisi sondern Franz von Sales gewesen sein, an den der neue Papst bei seiner Namenswahl dachte, könnte möglicherweise zu den Zielen des neuen römischen Bischofs nicht nur die in seiner Ansprache erwähnte „Evangelisierung dieser schönen Stadt“ (Rom), sondern auch die Rekatholisierung seines süd- bzw. lateinamerikanischen Heimatkontinentes gehören, der in den letzten Jahrzehnten zwar nominell ein Wachstum der römisch-katholischen Kirche zu verzeichnen hatte, faktisch jedoch durch protestantische, charismatisch-calvinistische Gemeinschaften und Sekten förmlich überschwemmt wurde. Bereits 2007 meldete beispielsweise das statistische Institut Brasiliens (IBGE), von den nominell 155 Millionen römischen Katholiken des Landes seien faktisch weit über 40 Millionen „evangelikale“ Brasilianer.
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Ein Kommentar von selk_news [14.3.2013]
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LÖHE ON JOHN 6:12-13

brot und fischWhen they had all had enough to eat, he said to his disciples, “Gather the pieces that are left over. Let nothing be wasted.” So they gathered them and filled twelve baskets with the pieces of the five barley loaves left over by those who had eaten. (John 6:12-13 NIV)

Jesus is saving the leftovers. For whom? Perhaps for his apostles giving each one a basket filled from this divine abundance. For each apostle one basket. Each apostles picks up enough to fill a basket. So the Lord rewards the work of his apostles and servants. They served him when he fed the multitudes. When the people were satisfied, the apostles now take their part and its no small part either. Yes it is made up of pieces, but its more than enough for each one. It was never the intention of the Lord, that his servants should be short-changed or receive only poor sustenance. If a congregation is the bride of Christ and has his character and shares his mind and inclination, then she will say nothing less to her Eliezer, who brings the bride to the bridegroom: “Come, you who are blessed by the LORD,” he said. “Why are you standing out here?”  (Gen 24:31 NIV) Yes, if she shares in his way of doing things, then she will even hold back from eating herself, so that his servants will get their food first. Those serving at the altar, should eat from the altar; those serving the herds and flocks, should also nourish themselves from the milk.

Oh, how much would I prefer to be silent about this, especially if there is no reason to complain for myself. However the Lord’s reasoning should not be suppressed, but rather repeated: The Lord and his bride, the holy Church, saves for those, that serve them! If the Lord helps and serves the congregation, then he helps and serves his servants simultaneously.

Lord, our God! We ask you for the fathers of our Church, for the pastors of our congregations, for those servants serving in difficult callings and ministries, for the pastors in huge and widespread congregations, for those despairing and for those stormy and energetic ones, for all we plead you: Keep them from losing faith and over-sensitivity, grant them rather holy joy and happy spirit. We ask you for those, that you have gifted with new ideas and great plans. Keep them humble and sufficient patience; guide their paths according to your will and let them be a blessing for many. You yourself be the comfort and power for the missionaries and their families. Grant them open doors for your holy word and saving gospel and let your kingdom come. Yours is the glory everywhere and always! Amen. (P. Wurster)

Blessed are your beloved people o Lord, who you have presented with faithful shepherds according to your will and heart. Shepherds that lead your flock heavenward with passion, spirit and might, faithful and conscientiously, touching hearts of sinners mercifully + Faithful pastors that do not let your people go wanting, but rather are saved together with your people. (Johann Daniel Karl Bickel, 1737-1809)  

This is a translation of Wilhelm Löhe’s devotion for Friday after Laetare (4th Sunday in Lent). The prayer was translated rather literally and not poetically. Both are found on Pg. 143 in Lob sei Dir ewig, o Jesu!   (Eternal Praise to you o Jesus!) edited by A. Schuster and published in the Freimund Verlag, Neuendettelsau 1949.

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Herrenhuter readings for Friday, the 15th March 2013

forgivenIf you, O LORD, kept a record of sins, O Lord, who could stand? (Psalm 130:3 NIV)

In Jesus Christ we have redemption through his blood, the forgiveness of sins, in accordance with the riches of God’s grace (Eph 1:7 NIV)

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LÖHE ON ACTS 20:35

Good works‘It is more blessed to give than to receive.’ (Act 20:35 NIV)

This time of lent is one of giving, of mercy, of offerings and sacrifices. In this time we are called in particular to share our property with those in need. If one is without property, then the chance is given to provide services and works of mercy and prayer instead. Works of mercy done out of love for Jesus Christ, the merciful savior, who in his suffering showed the greatest compassion and mercy, is the special occasion of lent. Where is there something more beautiful to be found in all the world than a person, who out of love for Christ, the savior of the world, uses this time of lent to renounce this or waive that to give it away to those, who need it even more. Yet although we know that our Lord and savior recommends and lauds this, we still hold back here and there. It is praised and magnified, yet following this example is very easily considered enthusiastic extravagance. Missing out on the most lovely way of compassion in this way would be reason enough that we should cover our faces in shame. We are just to shy to miss out on this and to hesitant to give up on that – even if it were for the time being. May God grant improvement and give us at least small beginnings in this attitude and life style, that Christ exemplified and the Church extols so that we will live out this Lenten tide ever more appropriately!

We plead you, o Lord God, who knows and loves the lowliest of our kind: Help us to a fitting communion with those, whom you have assigned as our siblings and family members in the faith, but also in humanity. Let us help, serve and assist each other willingly and unite us in Jesus Christ, with the love that is the bond of perfection. Amen. (Arper-Zillessen)

Souls: Let us do good and never tire. When the time comes, we will rest from all burdens, but not only rest, but harvest too.

Oh that we would learn in this time for eternity. Whoever sows sparingly here, will harvest little there too. Yet those doing lots of good will reap rich rewards there too.

Teach me o God to do good and never sag in faithfulness. The time for this is now and its fleeing rapidly. Do good – even if just a little bit, it’s still good!

Grant that the harvest be in my mind and that I will sow in hope and faith. What we do – we do it for you, o Lord – otherwise its in vain. Even if the reward would be outstanding, the grace is abounding still. (Philipp Friedrich Hiller + 1699-1769)  

This is a translation of Wilhelm Löhe’s devotion for Thursday after Laetare (4th Sunday in Lent). The prayer was translated rather literally and not poetically. Both are found on Pg. 142 in Lob sei Dir ewig, o Jesu!   (Eternal Praise to you o Jesus!) edited by A. Schuster and published in the Freimund Verlag, Neuendettelsau 1949.

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Herrenhuter readings for Thursday, the 14th March 2013

PrayerBlessed is the man who fears the LORD, who finds great delight in his commands. (Psalm 112:1 NIV)

And whatever you do, whether in word or deed, do it all in the name of the Lord Jesus, giving thanks to God the Father through him. (Colossians 3:17 NIV)

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Network of young Lutheran theologians (NYLT) meet in Berlin

Students in BerlinNYLT-Europa-Treffen in Berlin-Zehlendorf
SELK-Gemeinde als Gastgeberin

Berlin, 12.3.2013 – selk – Vom 22. bis 24. Februar trafen sich fast 35 lutherische Theologiestudierende und junge Pastoren in den Räumlichkeiten der St. Mariengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Zehlendorf. Neben einigen Theologiestudierenden aus der SELK und aus der Freien Evangelisch-.Lutherischen Synode in Südafrika (FELSISA) waren Teilnehmende aus Finnland, Schweden, Norwegen, Lettland und England vertreten.

Das aus der skandinavischen Jugendkonferenz „Corpus Christi“ hervorgegangene Netzwerk junger lutherischer Theologinnen und Theologen (NYLT) kam nach einem ersten Treffen in Helsinki im Jahr 2012 nun erneut zusammen. NYLT hat es sich zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen jungen Theologinnen und Theologen bekenntnislutherischer Gruppen und Kirchen in Europa zu fördern.

Das Treffen zum Thema „Bekenntnislutherische Identität in Europa im 21. Jahrhundert“ war unter das Bibelwort gestellt worden: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist” (1 Petrusbrief, Kapitel 3, Vers 15). Neben den Diskussionen in Kleingruppen und im Plenum referierte Pfarrer Dr. Gottfried Martens über die Arbeit in der St. Mariengemeinde mit Migranten aus islamischen Ländern. Zwischen den thematischen Einheiten fanden Morgen-, Mittags- und Abendandachten statt.

Das nächste NYLT-Europa-Treffen ist für die Zeit vom 24. bis zum 27. Juni im Rahmen der „Corpus Christi“-Jugendkonferenz in Turku (Finnland) geplant.

NYLT-Europa wird von einem Dreiergremium geleitet. Dazu gehört neben den beiden finnischen Pastoren Sebastian Grünbaum (Turku) und Jari Kekäle (Helsinki) Jacob Corzine (Oberursel), der aus der US-amerikanischen Lutheran Church–Missouri Synod, einer Schwesterkirche der SELK, stammt und zurzeit in Deutschland promoviert.
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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK – Gesamtkirche /
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—> Informationen aus Kirche und Gemeinden in Wort und Bild
auch unter „SELK-Aktuell“ auf http://www.selk.de

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LÖHE ON EPHESIANS 4:3

unity005Make every effort to keep the unity of the Spirit through the bond of peace. (Eph 4:3 NIV)

What keeps us from believing that we are already experiencing the dawn of glory for our Church? The Lord is amongst us! Don’t we feel and know it? Let us be unified, brothers and let our unity be in the ancient truth and the joy in the Lord be our strength! Let us represent the holy Christian Church in the centre of denominations with dignity, love and holy devotion! Let us recognize the responsibility and task of our Church with regards to missions and carry her torch into all the lands and to all people. Let us be unified in this mission. Let us be one in this world. One message and teaching, one in practice as teachers, one in praise and worship. Let us strive for this unity. We have all reason to do this. Unity was the strength of the twelve apostles. Unity makes us strong too. Our Unity is in the almighty word of the Almighty, who has conquered all foes. We vie for unity as we are looking forward to the joy of Jerusalem as long as we live. We are rejoicing in loving unity even as it signals to the world, that we are his disciples. Never has he left our Church wanting to be a blessing in this world as we share his gospel and gifts in the world but our lack of unity. One God! One Lord! One Faith! One Baptism! One Origin! One way! One Entry! What will we miss? Praise to God, who will help us and promote his cause!    (Wilhelm Löhe)

Almighty God! Let your entire Church here on earth be more unified in your Spirit and in the truth and in the recognition of your dearly beloved son Jesus Christ. Grant that the disciples of your son Jesus Christ will grown in love towards all people. Grant that prejudice and false passions are overcome and that the will to peace and brotherhood will spread more and more. Grant that we recognise more and more what your way and goal is with humanity in our time. Let your blessing be with all, that promote the coming of your kingdom, the growth of your Even in the last night and before you died, you taught your followers the power of your love. Remind your Church, which so easily splits up and divides, that your last thoughts and care were unity of your members and disciples! (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf + 1700-1760)  

This is a translation of Wilhelm Löhe’s devotion for Wednesday after Laetare (4th Sunday in Lent). The prayer was translated rather literally and not poetically. Both are found on Pg. 141 in Lob sei Dir ewig, o Jesu!   (Eternal Praise to you o Jesus!) edited by A. Schuster and published in the Freimund Verlag, Neuendettelsau 1949.

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Herrenhuterreadings for Wednesday, the 13th March 2013

Alter WeinstockThose who are planted in the house of the LORD, will flourish in the courts of our God. They will still bear fruit in old age, they will stay fresh and green … (Psalm 92:13-14 NIV)

But the seed on good soil stands for those with a noble and good heart, who hear the word, retain it, and by persevering produce a crop. (Luke 8:15 NIV)

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Friedrich Hauschildt: Lutherische Bekenntnisse (Zeitzeichen)

Umfassender Horizont

Warum die Bekenntnisse des 16. Jahrhunderts für Lutheraner auch heute noch wichtig sind

Friedrich Hauschildt

Müssten die Bekenntnisschriften der Reformationszeit durch ein aktuelles Bekenntnis ergänzt werden? Und sind die innerprotestantischen Unterschiede zwischen Lutheranern und Reformierten durch die Leuenberger Konkordie von 1973 überholt? Mit diesen Fragen setzt sich Friedrich Hauschildt auseinander, der im EKD-Kirchenamt das Amt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) leitet.

Symbolische Darstellung des Augsburger Bekenntnisses, um 1656. Foto: akg-images

Symbolische Darstellung des Augsburger Bekenntnisses, um 1656. Foto: akg-images

Lutheraner sind zu sehr auf die historischen Bekenntnisse aus dem 16. Jahrhundert fixiert. Sie versäumen darüber das aktuelle Bekennen in der Gegenwart”. So oder so ähnlich lautet ein Vorwurf, der nicht selten zu hören ist. “Warum messt Ihr Bekenntnissen, die über vierhundert Jahre alt sind, eine so fundamentale Bedeutung zu?”, werden Lutheraner gefragt. Hermann Barth, Altpräsident des EKD-Kirchenamtes, hat diese Sicht auf eine suggestive Wendung gebracht: “Bindung ans Bekenntnis ohne Bildung von Bekenntnis ist Hohn aufs Bekenntnis.” Treffen diese kritischen Anfragen wirklich das herkömmliche lutherische Verständnis von Bekenntnis? Vielleicht ist es hilfreich, sich Aspekte eines umfassenderen Verständnisses von Bekenntnis klarzumachen, um auf diesem Hintergrund genauer zu erfassen, welche Pointe sich mit dem lutherischen Verständnis eines Lehrbekenntnisses verbindet.

In der Debatte über das Bekenntnis gilt häufig dem Phänomen des aktuellen Bekennens die erste Aufmerksamkeit. Bekennen meint dann, in einer konkreten Situation, nicht selten wenn der Glauben von Anderen angegriffen wird, seinem Glauben einen authentischen Ausdruck zu verleihen. Wenn Helmuth James Graf von Moltke gegenüber dem ihn anbrüllenden Nazirichter Roland Freisler ruhig und bestimmt zu den christlichen Hintergründen seines Mitwirkens am Widerstand steht, haben wir es mit einem beeindruckenden Bekenntnis höchster Authentizität zu tun. Als Martin Luther in Worms vor dem Kaiser stand, setzte er mit seinem Bekenntnis um der Wahrheit willen sein Leben aufs Spiel. Und der Osloer Bischof Eivind Berggrav (1884-1959) hat während der deutschen Besetzung Norwegens gezeigt, wie es im 20. Jahrhundert in bewusst lutherischer Tradition zu Bekenntnisakten dieses Typs kommen konnte.

Bevor wir zum charakteristisch lutherischen Verständnis eines Lehrbekenntnisses kommen, ist es hilfreich, sich noch eine weitere Spielart zu vergegenwärtigen. Schon im Neuen Testament finden sich bekenntnishafte Formulierungen, die weniger einer singulären dramatischen Situation entstammen, wenn sie sich auch in solchen Situationen bewährt haben, sondern eher einen generalisierenden, zusammenfassenden Charakter haben. Sie bringen Glaubenserfahrungen vieler Menschen auf eine Kurzformel, zum Beispiel: “Christus ist mein Herr”.

Diese Wendungen eigneten sich als symbolum, als Erkennungszeichen. Sie wurden bei der Taufe wiederholt. Sie sind geeignet, dass Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen in sie einstimmen und sich darin ihrer Zusammengehörigkeit im Glauben versichern. Das geschieht etwa beim gemeinsamen Sprechen des Apostolikums im Gottesdienst.

Die lutherischen Bekenntnisse, die den Gegenstand der eingangs genannten Kritik darstellen, bilden nun einen dritten Typ von Bekenntnis, der eine ganz spezifische Funktion erfüllt. Die Bekenntnisse, die in den lutherischen Bekenntnisschriften gesammelt sind, sind Lehrbekenntnisse: Sie beschreiben die Vorgaben, denen Verkündigung, Lehre und Unterweisung in den lutherischen Kirchen verpflichtet sind. Sie sind nicht unmittelbarer Ausdruck des Glaubens eines Einzelnen, sondern Norm der Verkündigung. Sie benennen die inhaltliche Grundvorgabe der Verkündigung, sind nicht als unmittelbare Verkündigung gedacht, sondern als Richtlinie für diese. Sie beanspruchen, so etwas wie die summarische Bündelung zu sein, geben das Zentrum der Schrift an, “was Christum treibet”. Sie haben ihren Ort nicht in der Situation von Bekennen oder Verleugnen, sondern im prüfenden Nachdenken über eine sachgemäße Verkündigung. Aber warum bedarf es der Formulierung eines solchen Zentrums? Wird damit nicht ein einseitiges Prinzip über die Heilige Schrift in ihrer Fülle gesetzt?

Martin Luther hat eine bemerkenswerte Erfahrung gemacht: Natürlich kannte er als Mönch die Schrift in- und auswendig. Aber sie blieb ihm in bestimmter Hinsicht doch verschlossen. Es hat sich ihm dann bekanntlich – wie er es in der Vorrede zu den lateinischen Werken von 1545 beschrieb – der Sinn der ganzen Heiligen Schrift von Römer 1,17 her oder besser gesagt, von der Einsicht in die gerechtmachende Gerechtigkeit Gottes, erschlossen.

Wir müssen also nicht nur die Heilige Schrift in ihrer vorliegenden Gestalt kennen, sie muss sich uns auf die rechte Weise, nämlich als Evangelium erschließen.

Die Bekenntnisse verstehen sich als die Hinführung zum rechten Verständnis der Schrift. Sie helfen zur Bewältigung einer Situation, die auch heute das Grundproblem des Menschen ausmacht: die Anfechtung des Sünders vor Gott. Der Vorgang der Kommunikation des Evangeliums stellt sich nur dann ein, wenn man in bestimmter Weise und unter Beachtung bestimmter Inhalte die Schrift liest und auslegt. Wer so an die Schrift herangeht, dem wird sich zeigen: Das ist keine von außen an die Schrift herangetragene Perspektive, es ist der Schlüssel, der der Schrift selbst entspricht.

Unser Zugang zur Schrift, zum Evangelium, kann in Geschäftigkeit, Gleichgültigkeit, Gewohnheit vergessen oder überdeckt werden oder in Anpassung an den Zeitgeist verloren gehen. Das Bekenntnis hat den Sinn, diesen Zugang, die angemessene Perspektive offen, bewusst, lebendig zu halten. Denn die Einsicht in die Mitte der Schrift, die lebendige Kommunikation des Evangeliums ist keine Selbstverständlichkeit. Die Verkündigung bedarf vielmehr des beständig orientierenden Hinweises auf dieses Zentrum.

Die lutherischen Kirchen fühlen sich diesem Zugang verpflichtet. Deshalb haben sie dem Bekenntnis kirchenordnenden Rang zugebilligt. Die Selbststeuerung der Kirche bezieht sich auf das Bekenntnis und dessen lehrhafte Auslegung. Pastoren und Mitarbeiter werden auf Schrift und Bekenntnis verpflichtet. In Zeiten, in denen fundamentalistische Lesarten der Schrift Zulauf finden, leuchtet es vielleicht ein, an einer Lesart festzuhalten, die das Evangelium in den Mittelpunkt stellt.

Aktualisierung der Grundentscheidungen

Warum aber reden Lutheraner von der relativen Abgeschlossenheit der Bekenntnisse? Weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass neue bekenntnisähnliche Texte wie die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche von 1934 die reformatorischen Bekenntnisse nicht ablösen, ersetzen, überwinden. Sie stellen vielmehr nur Aktualisierungen oder Präzisierungen der Grundentscheidungen dar, die sich in den reformatorischen Bekenntnissen erschlossen haben.

Das Profil des lutherischen Verständnisses kann man sich auch dadurch deutlich machen, wenn man es mit dem reformierten kontrastiert. Denn dieses setzt deutlich einen anderen Akzent. Karl Barth beschrieb es so: “Ein reformiertes Glaubensbekenntnis ist die von einer örtlich umschriebenen Gemeinschaft spontan und öffentlich formulierte, für ihren Charakter nach außen bis auf weiteres maßgebende und für ihre eigene Lehre und Leben bis auf weiteres richtungsgebende Darstellung der der allgemeinen christlichen Kirche vorläufig geschenkte Einsicht von der allein in der Heiligen Schrift bezeugten Offenbarung Gottes in Jesus Christus.” Im reformierten Verständnis ist das Bekenntnis also eine “Gelegenheitshandlung”, und es drängt damit auf einen unabschließbaren progressus fidei.

Mir machen zwei allgemeinere Überlegungen das lutherische Verständnis plausibel. Natürlich hat das aktuelle Bekennen, das Bekenntnis in einer bestimmten Situation – vor Kaiser und Reich wie bei Martin Luther, angesichts der nazistischen Verblendung wie 1934 oder gegenüber spöttischen Reden am Stammtisch – eine große Bedeutung. Aber je aktueller eine Aussage ist, je stärker ist sie mit einer bestimmten Situation verbunden, desto schneller veraltet sie und ist nicht ohne weiteres übertragbar. Übertragbar wird sie erst dann, wenn die situationsvarianten und die situationsinvarianten Züge unterschieden, aber nicht getrennt werden. Je aktueller, je situationsgebundener ein Bekenntnis ist, desto schwieriger ist es, dieses auf eine andere Situation, einen anderen Ort und eine andere Zeit zu übertragen. So ist es kein Zufall, dass die Barmer Theologische Erklärung in Skandinavien relativ wenig Widerhall gefunden hat. Denn die Einstellung zu dem, was in Deutschland “natürliche Theologie” genannt wird, ist dort signifikant anders.

Das lutherische Verständnis von Bekenntnis fokussiert sich auf die situationsinvarianten Züge. Es will sich nicht vom aktuellen Bekennen suspendieren, sondern im aktuellen Bekennen einem klaren Maßstab folgen. Hier werden Grundsätze formuliert, die für das aktuelle Glaubenszeugnis in den verschiedenen Situationen und über die Zeiten hinweg eine orientierende Wirkung haben.

Der kanadische Philosoph Charles Taylor hat verschiedentlich hervorgehoben: All unsere Einzelaussagen mit Geltungsanspruch stehen in einem umfassenderen, uns häufig gar nicht ausdrücklich bewussten Denkhorizont, der den Einzelaussagen erst Bedeutsamkeit verleiht. Die Verpflichtung, von unserem Glauben Rechenschaft abzulegen, schließt die Verpflichtung ein, auch diesen umfassenden Denk- und Glaubenshorizont zu thematisieren. Von welchen Annahmen, von welcher Gewissheit gehe ich in meinem Denken und Glauben aus?

Für mich ist das Bekenntnis der Raum, in dem diese Voraussetzungen ausdrücklich werden, in dem “das Unbestimmbare bestimmt” (Niklas Luhmann) wird.

Die lutherischen Lehrbekenntnisse werden von Kritikern und gelegentlich auch von Befürwortern gesetzlich missverstanden, als ob die wortgetreue Rezitation deren Sinn wäre. Doch das ist ein Missverständnis. Mir ist das an der Unterscheidung von Lehrgestalt und Lehrintention klar geworden, die der Rostocker Theologe Friedrich Brundstäd (1883-1944) in seiner “Theologie der lutherischen Bekenntnisschriften” vornahm. Danach ist für uns die Intention des Bekenntnisses verpflichtend. Und wer die Intention eines Bekenntnissatzes verstanden hat, wird zu Reformulierungen in der Lage sein.

In der Debatte um das Bekenntnis wird immer wieder auf die Leuenberger Konkordie von 1973 verwiesen, mit dem Unterton, nach Leuenberg verliere die Bindung an das Bekenntnis ihr Gewicht. Diese Einigung von Lutheranern und Reformierten trete gewissermaßen an die Stelle der alten Bekenntnisse. Und die lutherische Art der Bekenntnisbindung sei dadurch überholt.

Diese Auffassung zeigt ein Missverständnis der Leuenberger Konkordie. Gleich zweimal, in den Artikeln 30 und 37, bekräftigt sie ausdrücklich die Bindung der einzelnen Kirchen an ihr Bekenntnis. Die Pointe der Konkordie besteht gerade darin, dass sie Kirchen unterschiedlichen Bekenntnisses den Weg zur Gemeinschaft eröffnet. Eine Kirchengemeinschaft darauf zu gründen, dass man zuvor die Unterschiede ausgeräumt, eingeebnet oder vergleichgültigt hat, ist keine Kunst. Leuenberg ermöglicht dagegen Gemeinschaft unter bleibend Verschiedenen. Die Unterschiede bleiben, aber sie haben ihre trennende, Streit auslösende Kraft verloren. Wie in einer guten Ehe oder Freundschaft werden sie als Bereicherung erlebt. Wer das begriffen hat, lässt Unterschieden den ihnen zukommenden Raum.

Die Entschließung, die die Generalsynode und die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zur Leuenberger Konkordie fassten, hält diese Einsicht fest: “Besonders wichtig erscheint uns …, dass die Konkordie als zwischenkirchliche Vereinbarung die verpflichtende Geltung der Bekenntnisse in den einzelnen Kirchen unangetastet lässt und sich selbst nicht als ein neues Bekenntnis versteht, sondern als eine Feststellung von Gemeinsamkeiten, die sich aus den geltenden Bekenntnissen unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Standes in den beteiligten Kirchen ergeben. Damit ist eindeutig erklärt, dass die Konkordie weder als übergeordnetes Bekenntnis noch als hermeneutischer Schlüssel der Bekenntnisse verstanden werden kann. Sie erkennt vielmehr an, dass die beteiligten Kirchen wie bisher ihren Bekenntnissen oder Traditionen verpflichtet bleiben, dass diese Verpflichtung ihnen aber den Weg in die Kirchengemeinschaft nicht versperrt.”

Wenn die lutherischen Kirchen an der Bedeutung der Bekenntnisse aus dem 16. Jahrhundert festhalten, folgen sie nicht einem bloßen Traditionalismus. Sie haben vielmehr die Erfahrung gemacht, damit jenen Horizont zu artikulieren, vor dem sich in immer neuer Auslegung die biblischen Schriften und die jeweilige Wirklichkeit in ihrer Bedeutsamkeit und ganzen Tiefe erschließen.

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