J.S. Bach: “O Ewigkeit, Du Donnerwort” (BWV 20)

Kantor Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig) komponiert die Kantate “O Ewigkeit, Du Donnerwort” zum 1. Sonntag nach Trinitatis (BWV 20). Die Erstaufführung war am 11. Juni 1724 in Leipzig. Sie eröffnete seinen zweiten Leipziger Kantatenjahrgang, der auch als Choralkantatenjahrgang bekannt ist.

“Mit dieser Kantate begann er (J.S. Bach) das Projekt, für jeden Anlaß des Kirchenjahres eine Choralkantate zu schreiben, die das jeweilige lutherische Hauptlied verarbeitete.[1] Leipzig hatte eine Tradition der Betrachtung dieser Lieder. Bereits 1690 hatte der Pfarrer der ThomaskircheJohann Benedict Carpzov, angekündigt, dass er jeweils über ein „gut, schön, alt, evangelisches und lutherisches Lied“ predigen würde, das Kantor Johann Schelle „in eine anmutige music zu bringen, und solche vor der Predigt … hören zu lassen“ angeboten habe.[5] Bach komponierte in seinem zweiten Kantatenjahrgang vierzig Choralkantaten.[5]

Hier in Wikipedia mehr dazu lesen.

Hier der Text der Kantate, dank der Vorlage von Walter F. Bischof (University of Alberta)

O Ewigkeit, du Donnerwort I
  
 Erster Teil
  
1. Coro
Oboe I-III, Violino I/II, Viola, Tromba da tirarsi col Soprano, Continuo
O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,
Ich weiß vor großer Traurigkeit
Nicht, wo ich mich hinwende.
Mein ganz erschrocken Herz erbebt,
Dass mir die Zung am Gaumen klebt.
  
2. Recitativo T
Continuo
Kein Unglück ist in aller Welt zu finden,
Das ewig dauernd sei:
Es muss doch endlich mit der Zeit einmal verschwinden.
Ach! aber ach! die Pein der Ewigkeit hat nur kein Ziel;
Sie treibet fort und fort ihr Marterspiel,
Ja, wie selbst Jesus spricht,
Aus ihr ist kein Erlösung nicht.
  
3. Aria T
Violino I/II, Viola, Continuo
Ewigkeit, du machst mir bange,
Ewig, ewig ist zu lange!
Ach, hier gilt fürwahr kein Scherz.
Flammen, die auf ewig brennen,
Ist kein Feuer gleich zu nennen;
Es erschrickt und bebt mein Herz,
Wenn ich diese Pein bedenke
Und den Sinn zur Höllen lenke.
  
4. Recitativo B
Continuo
Gesetzt, es dau’rte der Verdammten Qual
So viele Jahr, als an der Zahl
Auf Erden Gras, am Himmel Sterne wären;
Gesetzt, es sei die Pein so weit hinausgestellt,
Als Menschen in der Welt
Von Anbeginn gewesen,
So wäre doch zuletzt
Derselben Ziel und Maß gesetzt:
Sie müßte doch einmal aufhören.
Nun aber, wenn du die Gefahr,
Verdammter! tausend Millionen Jahr
Mit allen Teufeln ausgestanden,
So ist doch nie der Schluss vorhanden;
Die Zeit, so niemand zählen kann,
Fängt jeden Augenblick
Zu deiner Seelen ewgem Ungelück
Sich stets von neuem an.
  
5. Aria B
Oboe I-III, Continuo
Gott ist gerecht in seinen Werken:
    Auf kurze Sünden dieser Welt
    
     Hat er so lange Pein bestellt;
    Ach wollte doch die Welt dies merken!
    Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind,
    Bedenke dies, o Menschenkind!
  
6. Aria A
Violino I/II, Viola, Continuo
O Mensch, errette deine Seele,
Entfliehe Satans Sklaverei
Und mache dich von Sünden frei,
Damit in jener Schwefelhöhle
Der Tod, so die Verdammten plagt,
Nicht deine Seele ewig nagt.
O Mensch, errette deine Seele!
  
7. Choral
Tromba da tirarsi e Oboe I/II e Violino I col Soprano, Oboe III e Violino II coll’ Alto, Viola col Tenore, Continuo
Solang ein Gott im Himmel lebt
Und über alle Wolken schwebt,
Wird solche Marter währen:
Es wird sie plagen Kält und Hitz,
Angst, Hunger, Schrecken, Feu’r und Blitz
Und sie doch nicht verzehren.
Denn wird sich enden diese Pein,
Wenn Gott nicht mehr wird ewig sein.
  
 Zweiter Teil
  
8. Aria B
Tromba, Oboe I e Violino I, Oboe II e Violino II, Oboe III e Viola all’ unisono, Continuo
Wacht auf, wacht auf, verlornen Schafe,
Ermuntert euch vom Sündenschlafe
Und bessert euer Leben bald!
Wacht auf, eh die Posaune schallt,
Die euch mit Schrecken aus der Gruft
Zum Richter aller Welt vor das Gerichte ruft!
  
9. Recitativo A
Continuo
Verlass, o Mensch, die Wollust dieser Welt,
Pracht, Hoffart, Reichtum, Ehr und Geld;
Bedenke doch
In dieser Zeit annoch,
Da dir der Baum des Lebens grünet,
Was dir zu deinem Friede dienet!
Vielleicht ist dies der letzte Tag,
Kein Mensch weiß, wenn er sterben mag.
Wie leicht, wie bald
Ist mancher tot und kalt!
Man kann noch diese Nacht
Den Sarg vor deine Türe bringen.
Drum sei vor allen Dingen
Auf deiner Seelen Heil bedacht!
  
10. Aria (Duetto) A T
Continuo
O Menschenkind,
Hör auf geschwind,
Die Sünd und Welt zu lieben,
Dass nicht die Pein,
Wo Heulen und Zähnklappen sein,
Dich ewig mag betrüben!
Ach spiegle dich am reichen Mann,
Der in der Qual
Auch nicht einmal
Ein Tröpflein Wasser haben kann!
  
11. Choral
Tromba da tirarsi e Oboe I/II e Violino I col Soprano, Oboe III e Violino II coll’ Alto, Viola col Tenore, Continuo
O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,
Ich weiß vor großer Traurigkeit
Nicht, wo ich mich hinwende.
Nimm du mich, wenn es dir gefällt,
Herr Jesu, in dein Freudenzelt!

BesetzungSoli: A T B, Coro: S A T B, Tromba, Tromba da tirarsi, Oboe I-III, Violino I/II, Viola, Continuo
Entstehungszeit11. Juni 1724
Text1,7,11: Johann Rist 1642; 2-6,8-10: Umdichtung eines unbekannten Verfassers
Anlass1. Sonntag nach Trinitatis
PartiturMelvin Unger’s kommentierte Partitur
DiskussionAryeh Oron Julian Mincham

Hier eine Aufführung aus dem Jahre 1970 mit Helmuth Rilling und der Bachkantorei Stuttgarter.

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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