Luthers Vorrede auff den psalter (WA 10,1 S.94ff)

Den Psalter hat Luther zeitlebens studiert, gebetet und angewendet. In 1524 hat er ihn wieder als Teil des Alten Testaments in Deutsch übersetzt. Zu den jeweilig übersetzten Büchern hat der ehrwürdige Doktor dem Laien Vorreden geschrieben und darin einiges erklärt und betont.

Es ist die Ebreische sprache so reiche, das keyne sprach sie mag gnugsam erlangen. Denn sie hat viel wörter die da, singen, loben, preysen, ehren , frewen, betrüben etc. heyssen, da wyr kaum eynes haben. Und sonderlich ynn göttlichen heyligen sache ist sie reich mit worten, das sie wol zehen namen hat, da sie Gott mit nennet, da wyr nicht mehr haben denn das eynige wort, Gott, das sie wol billich eyn heylige sprache heyssen mag. Der halben keyne verdolmetschung so frey gehen kann, als ym Ebreischen selbs lautet, on was noch ist der verblümeten wort, die man figuras nennet, darynnen sie auch alle zungen ubertrifft. Doch das der psalter an ettlichen örtern deste heller werde, will ich ettliche wörter hie weyter ausstreichen.

Ym psalter und sonst hyn und widder, begegnen offt diese ywey wort beyeynander, barmherzigkeyt und warheyt, wilche von ettlichen sind wild und wüst gezogen, die habe ich verdeutscht also, guete und trewe, und ist eygentlich, das wyr auff frey deutsch sagen, Liebe und trew, wenn wyr pflegen zu sagen, Er hat myr liebe und trew bewyset. Aber ich habs nicht dürffen wagen so frey zu uerdeutschen, Denn Hesed, das sie barmherzigkeyt, und ich guete habe verdeutscht, heysst eygentlich, das, wenn man yemand freundschafft, liebe odder wolthat erzeygt, wie es Christus Matt.12. aus Hosea selbs deutet und spricht, Ich habe lust an der barmherzikeyt und nicht am opffer, das ist, Ich will das man freundschafft, liebe, und wolthat beweyse, lieber denn opffern.

So heysst warheyt, trew, das man sich auff eynen verlassen darff, und zuflucht zu yhm habe, und der selbe halte, was er geredt, und wes man sich zu yhm versihet. Also lesst sich Gott auch rhümen gegen uns ynn der schrifft allenthalben, das er barmherzig und trew sey, das ist, das er liebe und trew beweyset, und uns alle freundschafft und wolthat erzeyget, und wyr uns auff yhn verlassen mügen tröstlich, das er thut und hellt trewlich, wes man sich zu yhm versihet. Solche trew und warheyt heyyt Emeth. Daher kompt Emuna, wilchs S. Paulus selbs aus Abakuck verdolmetscht, glaube. Ro.1. Der gerecht lebet seyns glaubens. Und wird ym psalter offt zu Gott gesagt, Deyn glaube oder ynn deynem glauben, draumb das er solchen glauben gibt und auff seyne trew schier eyns fur das ander genomen wird. Wie auch auff deutsch wyr sagen, Der hellt glauben, der warhafftig und trew ist, Widderumb wer mistrewet, den hellt man fur falsch und ungleubig.

Darnach komen die zwey wort, gericht und gerechtickeyt, wilche wyr auch nicht wol geben konnen, Denn das wörtlin gericht, wens alleyne stehet, heysst es ettwa eyn richter ampt, als psalm. 7 Erwecke das gericht das du gepotten hast, Und richten heysst den regiern. Ettwa heysst es Gottes gepott, als Psalm. 119. Lere mich deyne gerichte. Item eyne gewonheyt odder recht, als Exo 21. Er soll mit yhr thun nach dem gericht der tochter, das ist, tochter recht, odder wie man eyner tochter pflegt zu thun etc. Wens aber bey dem wort, gerechtickeyt, stehet, so ist es des gerichts werck die helfft, nemlich ,das urteyl da mit das gottlos und unrecht verurteylt, gehasset und gestrafft wird, Und gerechtikeyt heisst das ander teyl, damit die unschuld beschirmet, erhallten und gefodert wird. Dises alles wollt ich auff deutsch gerne sagen, Recht und redlich, Als man spricht, Er hat die sache recht und redlich gewonnen. Aber ich durfft nicht so weyt von den worten gehen.

Wenn nu ym psalter odder sonst dyr furkompt, das er nicht schlecht von gericht und gerechtickeyt, sondern von Gottes gericht und gerechtickeyt redet, odder zu Gott spricht, Deyne gericht und gerechtickeyt, so mustu durch die gerechtickeyt den glauben verstehen, und durchs gericht, die tödtung des alten Adams. Denn Gott durch seyn wort beydes thut. Er verurteylet, verdampt, strafft und tödet was fleysch und blut ist, rechtfertiget aber und macht unschuldig den geyst durch den glauben. Das heyssen denn Gottes gericht und gerechtickeyt. Das gericht ubet er durchs wort seyns gesetzes. Röm.7. Das gesetze tödtet, Die gerechticketyt durchs wort des Euangelij, wilchs der geyst durch den glauben annympt. Röm.1. wie das fleysch die tödtung durch gedult leyden mus. Der gleychen mehr wird mit der zeyt die ubung selbs klar und erkendlich machen.

Das Alte Testament  1524. Luthers Vorrede auf den Psalter“ (WA 10,1. S.94-96)

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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