Sommerferien 2019: Einmal Masuren und zurück (Teil 7)

Wunderschönes Masuren!

Schöne Zeiten fliehen im Nu dahin und gerade erfüllte Tage scheinen zu kurz. Wir hätten noch vieles machen können, aber wie schon wiederholt festgestellt und Heino immer noch singt: “Der Wagen, der rollt…” Königsberg war hoch auf unserer Liste, weil wir ja als Südafrikaner sogar ohne Visum nach Russland rein kommen, ebenso ein Abstecher zum Dönhoff Vermächtnis oder dem Ernst Wiechert Museum – schließlich war Wiechert der meist gelesenste Deutsche in jenen Jahrzehnten vor und nach dem letzten Weltkrieg. Wir hätten wohl auch noch einige Tage auf Kajaks rudern und noch mehr Vögel suchen und fotografieren wollen. Die Kurische Nehrung haben wir auch nicht besucht. Das ist keine Klage, eher eine nüchterne Feststellung. Als ich damals in Hluhluwe den Postkartenständer durchforstete und alle Tiere hervorhob, die wir auf der Durchfahrt nicht gesehen hatten, war mein Patenonkel Karl ungehalten. Ich sollte doch dankbar sein für das, was wir gesehen hätten und nicht so auf das Ungesehene achten… Recht hat er gehabt. Wir sind dann von Wegorzewo (Angerburg) nach Wolisko zum Wisente bestaunen gefahren. Das war auf einer Forschungsstation und die wilden Viecher waren zahm wie Milchvieh – oder Büffel im Krügerpark. Hinter dem Zaum kriegt man das nicht so genau mit! Auf dem Heimweg schauten wir noch im Zoo von Posen (Pozan) rein – und sahen noch mal von diesen Gnu-ähnlichen Zotteltieren Europas.

Natürlich ist in Masuren nicht nur Naturlandschaft zu bewundern. Wisente gibts. Das haben wir gesehen. Wölfe, Bären, Luchse und andere scheuen Waldtiere nicht in freier Wildbahn. Das haben wir dann im Zoo nachgeholt. Wunderschöne Landschaften aber gab es zuhauf und zum satt sehen. Das haben wir ausgiebig genossen.

Anschließend – und weil es von der Zeitplannung so gut paßte – fuhren wir auch noch zur Wolfschanze: Der kriegerischen Machtzentrale des 3.Reiches im Angriff auf Russland und dem Schauplatz des mißlungenen Attentats am 20. Juli. Die riesigen Betonbrocken dieser Bunker zeigen die tiefe Angst dieser Machtmenschen. Letztlich war das alles nichts wert. Der Wurm war drin. Ihr eigenes Gift hat sie umgebracht. Die Schutzburg wird zur Rattenfalle. Es war wohl so das Beste, damit keine “Dolchstoßlegende” wiederholt wurde. Sie haben sich an Rußland verhoben – kein Zweifel. Der Bissen war zu groß, selbst für ihren bestialischen Heißhunger: “Just see and behold, how the mighty have fallen!” Heute hausen dort Fledermäuse und ähnliches lichtscheues Gesindel. Der Herr im Himmel lachet ihrer. Die größten Betonklötzer sind immer noch kleiner als die Felsen, die von den Drakensbergen und Golden Gate absplittern und ins Tal purzeln. General Major Jodl beschrieb die gifte Atmosphäre der Hitlerschen Anlage: “Halb Kloser, halb KZ”.

Es ist als ob diese Steine erst langsam gelichtet werden, wenn überhaupt. Die Natur ist kräftig am übernehmen und zurückdrängen, was ihr damals so selbstherrlich genommen wurde. Doch wenn man es bedenkt, lasten diese Klötzer stets tonnenschwer auf unserer Geschichte und Vergangenheit. Es gibt noch viel zu erkennen und noch mehr zu verstehen – gerade auch im Hinblick auf die komplizierten Prozesse und Geschichtsverläufe, die sich auch in Masuren kreuzten…

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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