Unser Jahresrückblick 2010

Liebe Freunde und Verwandte, wir Webers aus Murrayfield wünschen Euch eine gesegnete Weihnachtszeit. Wie gut, dass diese Festzeit vom Advent bis zum Ende der Epiphaniaszeit dauert. Da hat hoffentlich jedermann genügend Muße, um sich ausgiebig an der Gnade unseres himmlischen Vaters zu erquicken und zu freuen. Er, der uns seinen lieben Sohn Jesus Christus als armes Kindlein in Windeln gewickelt in die Krippe gelegt hat, damit wir endlich erlöst in seinem ewigen Reich mit seinen kostbaren Hochzeitsgewändern bekleidet als seine Kinder und Geschwister Christi ewig selig würden. Die wunderbaren Weisen der christlichen Kirche haben es uns wieder ins Herz und in die Sinne gesungen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat, gar teuer hat ers erworben. Das Lied Maria durch ein Dornwald ging Kyrie eleisonging uns dabei öfter durch den Kopf verstärkt durchs Klavier, Waldhorn, E-gitare oder akapella-Gesang der Jungs. Wir Webers wünschen Euch die Erfüllung des Gebets von Paul Gerhard: “Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht.” [EG 39,7]

Einen Großteil der Advents- und Weihnachtstage haben wir als Familie am Kap der guten Hoffnung verbracht. Im Hause eines Freundes haben wir inmitten der herrlichen Weinlandschaft abwechslungsreiche Ferien verbringen dürfen. Obwohl wir gut zum Zelten ausgerüstet sind, brauchten wir die Isomatten, Windschutzschirme, Gaskocher und –leuchten, Klappstühle und –tische nicht nutzen. Nur die Schlafsäcke haben wir gebraucht. Wir sind gewandert, haben Berge erstiegen, Urwälder erforscht, gelesen, fotografiert, Scrabble gespielt, gesungen, Gottesdienste besucht und gute Predigten gehört, Museen, Landstriche, Straußenfarmen, Wein- und Olivengüter, Dörfer, Städte und Strände erkundet, eingekauft, erzählt, Pause und Picknick gemacht, Federvieh mit der Schrottflinte und Jagdhund gejagt, neue Freundschaften geschlossen, malerische Häuser und Gärten bewundert, Filme geguckt, geschwommen, Hummern gegart, Wein gekostet, den Kap der Stürme kennengelernt , uns köstlich amüsiert und “vrek viel” gefahren. Ein Urlaub wie er im Buche steht. Von Knysna bis Paternoster, von Kap Horn bis Tulbagh, von Oudtshoorn bis Franschhoek sind wir über Bergpässe und durch tiefe Täler, durch malerische Alleen von Eichen, Ahorn und Gelbholz, an elendigen Squattercamps vorbei, durch einladende Fußgängerzonen, über endlose Landstraßen, hohe Hängebrücken hinweg, sind durch Tunnel, in der Drahtseilbahn und auf dem Meer gewesen und haben festgestellt es stimmt: Die Kap ist ein schöner Teil unseres Landes! Noch hat der Condor zusammen mit dem Ventertjie uns mitsamt Gepäck gut verstaut und verfrachtet und das alles gar nicht so lahmarschig wie mancher vielleicht befürchtet. Hörbücher haben auch dieses Mal das ihre getan, um uns abzulenken. So haben wir nicht nur das Weihnachtsoratorium mehrmals gehört, sondern auch wieder Agatha Christie’s herrliches English in “They do it with mirrors” und auch Terry Prachet kennengelernt in “Mort” und “Wintersmith“. So wie meine Facebookfreunde schon wissen, haben wir in diesem Jahr besonders “Atemschaukel” der Nobelpreisträgerin Herta Müller und die Geschichte von Miep Gies und ihren Erinnerungen an Anne Frank andächtig gelauscht.

Das Jahr hat wieder allerlei an Arbeit, Reisen, Konferenzen, Predigten, Sitzungen, Schulungen und Tagungen mit sich gebracht. Angelika und ich waren wieder ziemlich angespannt, aber auch unsere Kinder werden da schon mehr oder weniger mit eingespannt. So hilft Friederike beim Seminar mit manchen administrativen Aufgaben der Sekretärin, wenn sie nicht für ihren Führerschein probt. Christoph macht neben dem Studium bei der Uni auch schon am Seminar einige Vorlesungen mit, übt weiterhin begeistert Klavier/Gitarre und hilft seinen Eltern mit mancherlei Fahrdiensten. Detlev und Matthias sind an der Schule ebenfalls engagiert, aber Ihr wisst ja wie das so ist. Gott sei Dank hatten wir außer Bus- und Müllabfuhrstreiks keine Lehrerstreiks wie unsere Geschwister in Natal. Beide Christoph und ich hatten Unglücke mit dem Fahrrad. In beiden Fällen wurden wir von unaufmerksamen [?] Fahrern auf der Heimfahrt umgefahren. Christoph hat dabei einiges mehr an Herzblut, Hautabschürfungen und Haar gelassen als ich. Seither wächst sein Haar aber wieder, während meins aufgegeben hat. Trotzdem wollen wir das Fahrradfahren nicht lassen. Nächstes Jahr sollen die Schuljungs mit dem Rad fahren. Dann können wir etwas unabhängiger die Arbeit am Seminar und an der Uni absolvieren. Detlev will jetzt auch noch formellen Klavierunterricht belegen. Das macht ihm offensichtlich Spaß. Außerdem hat er seinen ersten Film gedreht. Matz hält sich dagegen an Tennis und Fußball. Inzwischen ist er entlassen und deswegen nicht mehr in der sonntäglichen Christenlehre. Hoffentlich bleibt er zusammen mit uns allen allezeit Schüler von Gottes Wort und Luthers Lehr bis an sein liebes Ende. Auch das wollen wir dem Herrn anbefehlen und uns nicht sorgen über morgen. Schließlich können wir nicht mal ein Haar auf unserem Haupt instand halten, aber er lässt nicht eines unbemerkt runterfallen.

Familiäre Höhepunkte waren wie immer Geburtstage, Jubiläen, andere Gedenktage und unser Jagdausflug nach Mkuze und Magud bei Kohrs und Goss. Besonders erwähnenswert sind die Goldene Hochzeit meiner Eltern in Lüneburg, das fünfzigste Ordinationsjubiläum meines Vaters und der vierzigstes Geburtstag meines Bruders Peter in Ohlangeni. Das konnten wir alles froh und fröhlich mitfeiern. Dass unsere liebe Tante Bärbel und unser lieber Onkel Ulf auch dabei sein durften, war ein besonderes Geschenk! Unsere Jungs waren glücklich, dass die Aschendorfer Musiker dieses Jahr hier besuchten. Da zwei der Orchestermitglieder unsere Hausgäste waren, haben wir das auch aus nächster Nähe mitgekriegt. Dass Deutschland England mit 4:1 besiegt hat, war für uns wohl der Höhepunkt der Weltmeisterschaft. Zum Glück waren wir uns da in unserer Familie alle einig! Ebenso als die Sharks die Bulls im Sharkstank bezwangen – trotz Bienenattacke vor Spielbeginn!

Mein erstes Jahr als Bischof der Lutherischen Kirche im südlichen Afrika [LuKisA = LCSA] liegt hinter uns. Die Last dieses Amtes lastet schwer auf mir. Wer Tolkiens “Lord of the Rings kennt und weiß wie Frodo unter seinem “Precious” zu tragen hat, weiß, wovon ich rede. Darum bin ich dankbar, dass Ihr wie alle guten Freunde und Verwandten nicht aufhört mich mit dieser Aufgabe in Gebet und Fürbitte dem Herrn der Kirche zu empfehlen. Er weiß Mittel und Wege da unser Fuß gehen kann nach seinem Willen und Wohlgefallen. Dankenswerterweise habe ich auch große Freuden und unverdiente Vorrechte in diesem Amt. Dazu gehört erstens und vornehmlich, dass Er mich in dieses Amt berufen und eingesetzt hat. Das lässt alle Last erträglich werden; denn nicht wie ich, sondern wie er will ist es am Besten. Das andere ist die Gewissheit, dass die armen Christen in der Kirche diesen Dienst bitter nötig haben und ihn auch gerne in Anspruch nehmen. Das ist mir immer wieder eine große Freude und tiefer Trost. Es ist wie mein Schwiegervater wiederholt betonte: Sie nehmen uns auf, wie den Apostel Paulus! So sind auch die vielen anderen Dinge erträglich und nicht nur mit Klagen und Murren, sondern ganz oft mit tiefer Dankbarkeit, inniger Freude und in vertrauensvoller Geborgenheit. Dabei komme ich auch etwas weiter rum, wie man so sagt, obwohl das als Rektor ja auch schon ein Aspekt meiner Arbeit war. So bin ich auf der FELSiSA-Synode in Westville zu einem Grußwort eingeladen gewesen, aber auch als geladener Gast zur Einführung von Präsident Matthew Harrison in St.Louis und zu Besuch bei sowohl Bischof Hans-Jörg Voigt in Hannover und dem neuen Missionsdirektor Roger Zieger als auch dem alten Markus Nietzke in Bleckmar gewesen. Das ich unterwegs bei den Geschwistern in Lachendorf und Farven, den Freunden in Habighorst, Austin und Collinsville sein konnte, war gut und erfreulich.

Ein unvergesslicher Höhepunkt in meinem Leben und wohl auch unserer lieben Kirche waren meine Einführung im März, an der viele aus Schwesterkirchen nah und fern teilnahmen. Dr. Dieter Reinstorf [Bischof der FELSiSA], Dr. Herbert Mueller [1.Vize-Präses der LCMS], Rev. Randal Golter [Präses des Rocky Mountain Districts] und Prof. Dr.habil Werner Klän [LTH Oberursel i.T] brachten Grußworte aus ihren Kirchen – unseren Schwesterkirchen. Bruder Peter Weber hat im Namen der MLC/LKM ein besonders eindrückliches Grußwort in Zulu und Englisch gesagt. Es ist sicherlich beim Bischofsamt wie Luther über Trauung und Hochzeit schreibt, nämlich, dass keiner diesen Stand auf sich nähme, wenn Gott ihn nicht mit allerlei Schmuck und Freude geschmückt hätte und locken würde. Mich ermutigt allerdings dass der Apostel des Herrn im 1.Korintherbrief im 4.Kapitel schreibt: “Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern als das sie treu erfunden würden” auch wenn ich weiß, dass ich selbst zu dieser Treue unfähig bin so wie unser Herrn und Meister erklärt: “und wenn ihr alles getan habt, so sagt: “Wir sind unnütze Knechte.” Nun will ich darüber aber nicht weiter grübeln, den nicht wir sind Richter, sondern der Herr, der der rechte Richter ist.

Aber es gab noch mehr erfreuliches in Kirche und Mission. Nicht nur die regelmäßigen Kirchenleitungssitzungen bereiten mir viel Freude [und Arbeit!], aber auch die Diözesan Synoden im November und Dezember, der gut besuchte und segensreiche Pfarrkonvent im August, die Einweihung der Gemeinderäume in Ntshongweni im Oktober, Christophs Einführung als Pastor in Umlazi im September, Ohlangenis 110. Kirchweihjubiläum im März. Dazu kamen Hochzeiten von Pastoren und Vikaren, aber auch die Beerdigungen der altgedienten Pastoren Aaron Ntuli im Juni und von Josef Mkopanele im Oktober. Traurig war allerdings, dass das geplante Reformationsfest in Jouberton [North-West] ins Wasser fiel – keiner ging hin! Wichtige Termine werden nicht wahrgenommen, verstreichen und bereits beschlossenes geht baden. Die kirchliche Aufgabe bleibt und wenn die Liebe in vielen erkaltet, wird der Herr dafür sorgen, dass seine Kirche bleibt. Möge er uns Treue schenke, damit wir bleiben in dem, was wir gelernt haben oder wie Stephen King in seinem Mammutroman “The Dark Tower” mahnt: “Remember the face of your father!” Das gewichtige Buch von Matthew Harrison “At home in the house of our fathers” ist da hilfreich.

Der Seminarabschluss mit 8 “graduates” von denen bereits vier bei der Uni eingeschrieben sind, um nächstes Jahr mit “Honours” weiterzumachen, hat das Jahr auf einem Hoch zum guten Ende gebracht. Vikar Bheki Ngobese, Pastoren John Nkambule, Orapeleng Shuping und Nathan Mntambo sind ebenfalls an der Uni eingeschrieben und zwar für Honours, Masters und PhD. Das macht insgesamt 8 Studenten vom LTS/LCSA an der Uni von Pretoria. Schade, dass wir nicht rechtzeitig das nötige Geld für den lutherischen Lehrstuhl beisammen hatten und dass Prof. Klän deswegen erstmal nicht nach Südafrika wechseln wird – auch wenn sein Einsatz im Juli-September sehr verheißungsvoll war. Mal sehen wie das wird – vielleicht kommt ja statt dessen David Tswaedi dort zum Zuge. Noch ist längst nicht alle Tage Abend – oder? Inzwischen ist Dr. Carl Rockrohr wieder im Gespräch und eventuell kommt er im kommenden Jahr. Durch die neue Führung in der Missouri-Synode sind eine Menge Dinge wieder in Bewegung gekommen und wir sind hoffnungsvoll, dass sie der Lutherischen Kirche in Afrika zum Besten dienen mögen. Ob es sich so verhält, wird sich erst mit der Zeit rausstellen. Mein Jahresbericht jedenfalls zieht eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Da die Trägerkirchen des Seminars [LCSA, FELSiSA und MLC/LKM] mich gebeten haben, die Aufgabe als Rektor noch 3 Jahre weiterzuübernehmen, werte ich als Bestätigung dieser Einschätzung. Wir hoffen, dass wir bis dahin einen geeigneten Nachfolger gefunden haben. Bitte bedenkt auch das in Eurer regelmäßigen Fürbitte!

Eine Reise, die besonders erwähnenswert ist, ist die nach Seoul, S.Korea zur Konferenz der Young Nak Kirche auf Einladung von der St. John’s University in England. Das war eine vornehmlich reformierte Versammlung, um “Peace and Reconciliation” eine Woche lang zu erarbeiten. Ich habe diese Reise in den Fernen Osten nach Noten genossen. So viel Neues, Interessantes, Bedenkenswertes und Bewegendes auf einmal, war etwas an das ich mich gerne zurückerinnere. Gerade wo wir eine ähnliche Thematik in unserer Kirche aufarbeiten wollen, war diese Übung eine gute Einführung. Besonders den Miroslav Volf vom Balkan und jetzt Yale hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Dankbar bin ich für neue Freunde aus Afrika: Sudan, Kenia, Botswana und Südafrika.

Zum Abschluss wünsche ich Euch nun alles Gute zum neuen Jahr des Herrn, das nun vor uns liegt. Möge es ein gutes und gesegnetes sein an dem wir alle noch näher zu ihm gelangen, zu Ihm, dessen Name schon immer Immanuel ist: Gott mit uns! Um Christi willen ist das nicht nur Drohung, sondern immer auch gnädige Verheißung und tröstliche Zusage. “In diesem Lichte kannst Du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein.” [Kaspar Friedrich Nachtenhöfer 1684 – EG 40,3]

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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