Lobt Gott, Ihr Christen alle gleich

Weihnachts-Introitus Puer natus est nobis in gregorianischer Quadratnotation

 Lobt Gott, ir Christen, alle gleich, in seinem höchsten thron, der heut schleust auff sein Himelreich, Und schenckt uns seinen Son. 

Er kömpt aus seines Vaters schoß und wird ein Kindlein klein,
Er leit dort elend, nackt und bloß In einem Krippelein. 

Er eussert sich all seiner gewalt, wird nidrig und gering und nimpt an sich eins knechts gestalt, Der Schöpffer aller ding.

Er leit an seiner Mutter brust, Ir milch, die ist sein speis, An dem die Engel sehn irn lust, Denn er ist Davids reis. 

Das aus sein stamm entspriessen solt In dieser letzten zeit, Durch welchen Gott auffrichten wolt Sein Reich, die Christenheit.

Er wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimpt er an und gibt uns inn seins Vatern reich die klare Gottheit dran. 

Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein, Wie könnd er doch sein freundlicher, Das herze Jhesulein.

Heut schleust er wider auff die thür, zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr darfür. Gott sey lob, ehr und preis.

Nikolaus Herman 1560 (LKG 94)

Kollekte zum neuen Jahr 

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen lieben Sohn unter das Gesetz getan hast auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösten: hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.32

Fortlaufende Lese

Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen, ob Johannes vielleicht der Christus wäre,  16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.  17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.  18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm.  19 Herodes aber, der Landesfürst, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das er getan hatte,  20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: Er warf Johannes ins Gefängnis. 

Lukas 3,15-20

Morgenlese

Als nun der Morgen kam, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und alle, die vom Geschlecht der Hohenpriester waren; 7 und sie stellten sie in die Mitte und fragten sie: Aus welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan? 8 Petrus, voll des Heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten! 9 Wenn wir heute wegen der Wohltat an dem kranken Menschen verhört werden, wodurch er gesund geworden ist, 10 so sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi von Nazareth[1], den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. 11 Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.

Apostelgeschichte 4,5-12

Abendlese

Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. 6 Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe. 7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. 8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten. 9 Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Josua 1,5-9

Bekenntnislese Apologie 4,103-121

Und bei den Vätern findet man auch viel der Sprüche. Denn auch Ambrosius zu Irenäo schreibt: „Die ganze Welt aber wird darum Gott untertan, unterworfen durchs Gesetz; denn durch das Gebot des Gesetzes werden wir alle angeklagt, aber durch die Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. Denn durch das Gesetz wird die Sünde erkannt, aber die Schuld wird aufgelöst durch den Glauben; und es scheint wohl, als hätte das Gesetz Schaden getan, denn es alle zu Sündern gemacht hat; aber der Herr Christus ist gekommen und hat uns die Sünde, welche niemand konnte meiden, geschenkt und hat die Handschrift durch Vergießen seines Bluts ausgelöscht. Und das ist, das Paulus sagt zu den Römern am 5, 20: ‘Die Sünde ist mächtig worden durchs Gesetz, aber die Gnade ist noch mächtiger worden durch Jesum.’ Denn dieweil die ganze Welt ist schuldig worden, so hat er der ganzen Welt Sünde weggenommen, wie Johannes zeugt: ‘Siehe, das ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde wegnimmt.’ Und darum soll niemand seiner Werke sich rühmen; denn durch sein eigen Tun wird niemand gerecht; wer aber gerecht ist, dem ist’s geschenkt in der Taufe in Christo, da er ist gerecht worden. Denn der Glaube ist’s, der uns losmacht durch das Blut Christi, und wohl dem, welchem die Sünde vergeben wird und Gnade widerfährt.“

Diese sind Ambrosii klare Worte, die doch ganz öffentlich mit unsere Lehre auch stimmen. Er sagt, daß die Werke nicht gerecht machen, und sagt, daß der Glaube uns erlöse durch das Blut Christi.

Wenn man alle Sententiarios über einen Haufen zusammenschmelzte, die doch große Titel führen, denn etliche nennen sie engelisch, angelicos, etliche subtiles, etliche irrefragabiles, das ist, Doctores, die nicht irren können, und wenn man sie alle läse, so würden sie alle miteinander nicht so nütze sein, Paulum zu verstehen, als der einige Spruch Ambrosii.

Auf die Meinung hat auch Augustinus viel wider die Pelagianer geschrieben, und De Spiritu et Litera sagt er also: „Darum wird uns das Gesetz und seine Gerechtigkeit vorgehalten, daß, wer sie tut, dadurch lebe, und daß ein jeder, so er seine Schwachheit erkennt, zu Gott, welcher allein gerecht macht, komme, nicht durch seine eigenen Kräfte noch durch den Buchstaben des Gesetzes, welchen wir nicht erfüllen können, sondern durch den Glauben. Ein recht gut Werk kann niemand tun, denn der zuvor selbst gerecht, fromm und gut sei; Gerechtigkeit aber erlangen wir allein durch den Glauben.“ Da sagt er klar, daß Gott, welcher allein selig macht und heiligt, durch den Glauben versöhnt wird, und daß der Glaube uns vor Gott fromm und gerecht macht. Und bald hernach: „Aus dem Gesetz fürchten wir Gott, durch den Glauben hoffen und vertrauen wir in Gott. Die aber die Strafe fürchten, denen wird die Gnade verborgen, unter welcher Furcht, wenn ein Mensch in Angst ist usw., soll er durch den Glauben fliehen zu der Barmherzigkeit Gottes, daß er dasjenige gebe, dazu Gnade verleihe, das er im Gesetz gebietet.“ Da lehrt er, daß durch das Gesetz die Herzen geschreckt werden und durch den Glauben wieder Trost empfangen.

Es ist wahrlich Wunder, daß die Widersacher können so blind sein und so viel klare Sprüche nicht ansehen, die da klar melden, daß wir durch den Glauben gerecht werden und nicht aus den Werken. Wo denken doch die armen Leute hin?

Meinen sie, daß die Schrift ohne Ursache einerlei so oft mit klaren Worten wiederholt? Meinen sie, daß der Heilige Geist sein Wort nicht gewiß und bedächtig setze oder nicht wisse, was er rede?

Darüber haben die gottlosen Leute eine sophistische Glosse erdichtet und sagen, die Sprüche der Schrift, so sie vom Glauben reden, sind von fide formata zu verstehen. Das ist, sie sagen: Der Glaube macht niemand fromm oder gerecht denn um der Liebe oder Werke willen. Und in Summa, nach ihrer Meinung so macht der Glaube niemand gerecht, sondern die Liebe allein. Denn sie sagen, der Glaube könne neben einer Todsünde sein.

Was ist das anders, denn alle Zusage Gottes und Verheißung der Gnade umgestoßen und das Gesetz und Werke gepredigt? So der Glaube Vergebung der Sünden und Gnade erlangt um der Liebe willen, so wird die Vergebung der Sünden allezeit ungewiß sein. Denn wir lieben Gott nimmer so vollkommen, als wir sollten. Ja, wir können Gott nicht lieben, denn das Herz sei erst gewiß, daß ihm die Sünden vergeben seien. Also, so die Widersacher lehren auf die Liebe zu Gott, die wir vermögen, und eigene Werke vertrauen, stoßen sie das Evangelium, welches Vergebung der Sünden predigt, gar zu Boden, so doch die Liebe niemand recht haben noch verstehen kann, er glaube denn, daß wir aus Gnaden, umsonst Vergebung der Sünden erlangen durch Christum.

Wir sagen auch, daß die Liebe dem Glauben folgen soll, wie Paulus sagt: „In Christo Jesu ist weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt.“

Man soll aber darum auf die Liebe nicht vertrauen noch bauen, als erlangten wir um der Liebe willen oder durch die Liebe Vergebung der Sünden und Versöhnung Gottes, gleichwie wir nicht Vergebung der Sünden erlangen um anderer Werke willen, die da folgen, sondern allein durch den Glauben, Denn die Verheißung Gottes kann niemand durch Werke fassen, sondern allein mit dem Glauben.

Und der Glaube eigentlich oder fides proprie dicta ist, wenn mir mein Herz und der Heilige Geist im Herzen sagt, die Verheißung Gottes ist wahr und ja; von demselben Glauben redet die Schrift. Und dieweil der Glaube, ehe wir etwas tun oder wirken, nur ihm schenken und geben läßt und empfängt, so wird uns der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wie Abraham, ehe wir lieben, ehe wir das Gesetz tun oder einig Werk.

Wiewohl es wahr ist, daß Früchte und Werke nicht außen bleiben, und der Glaube ist nicht eine bloße, schlechte Erkenntnis der Historie, sondern ein neu Licht im Herzen und kräftig Werk des Heiligen Geistes, dadurch wir neugeboren werden, dadurch die erschrockenen Gewissen wieder aufgerichtet werden und Leben erlangen.

Und dieweil der Glaube allein Vergebung der Sünden erlangt und uns Gott angenehm macht, bringt er mit sich den Heiligen Geist und sollte billiger genannt werden gratia gratum faciens, das ist, die Gnade, die da angenehm macht, denn die Liebe, welche folgt.

Bis hierher haben wir reichlich angezeigt aus Sprüchen der Väter und der Schrift, damit doch diese Sache gar klar würde, daß wir allein durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen um Christus’ willen, und daß wir allein durch den Glauben gerecht werden, das ist, aus Ungerechten fromm, heilig und neugeboren werden.

Fromme Herzen aber sehen hie und merken, wie ganz überaus hochnötig diese Lehre vom Glauben ist; denn durch sie allein lernt man Christum erkennen und seine Wohltaten, und durch diese Lehre finden die Herzen und Gewissen allein rechte, gewisse Ruhe und Trost.

Denn soll eine christliche Kirche sein, soll ein Christenglaube sein, so muß je eine Predigt und Lehre darin sein, dadurch die Gewissen auf keinen Wahn noch Sandgrund gebaut werden, sondern darauf sie sich gewiß verlassen und vertrauen mögen. Darum sind wahrlich die Widersacher untreue Bischöfe, untreue Prediger und Doctores, haben bis hierher den Gewissen übel geraten und raten ihnen noch übel, daß sie solche Lehre führen, da sie die Leute lassen im Zweifel stecken, ungewiß schweben und hangen, ob sie Vergebung der Sünden erlangen oder nicht. Denn wie ist’s möglich, daß diejenigen in Todesnöten und letzten Zügen und Ängsten bestehen sollten, die diese nötige Lehre von Christo nicht gehört haben oder nicht wissen, die da noch wanken und im Zweifel stehen, ob sie Vergebung der Sünden haben oder nicht?

Item, soll eine christliche Kirche sein, so muß je in der Kirche das Evangelium Christi bleiben, nämlich diese göttliche Verheißung, daß uns ohne Verdienst Sünden vergeben werden um Christus’ willen. Dasselbe heilige Evangelium drücken diejenigen gar unter, die von dem Glauben, davon wir reden, gar nichts lehren.

Nun lehren noch schreiben die Scholastici nicht ein Wort, nicht einen Tüttel vom Glauben, welches schrecklich ist zu hören. Denen folgen unsere Widersacher und verwerfen diese höchste Lehre vom Glauben und sind so verstockt und blind, daß sie nicht sehen, daß sie damit das ganze Evangelium, die göttliche Verheißung von der Vergebung der Sünden und den ganzen Christum unter die Füße treten. Von der Liebe und Erfüllung des Gesetzes.

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. 

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. 

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , | Leave a comment

Den die Hirten lobeten sehre und die Engel noch viel mehre

Den die Hirten lobeten sehre und die Engel noch viel mehre, fürcht´ Euch fürbaß nimmermehre, Euch ist geborn ein König der Ehrn. Heut sein die lieben Engelein in hellem Schein erschienen bei der Nachte den Hirten, die ihr Schäfelein bei Mondenschein im weiten Feld bewachten: “Große Freud und gute Mär wolln wir euch offenbaren, die Euch und aller Welt soll widerfahren.”

Refrain: Gottes Sohn ist Mensch geborn, ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn, des Vaters Zorn.

Zu dem die Könige kamen geritten, Gold, Weihrauch, Myrrhen brachten sie mitte. Sie fielen nieder auf ihr Kniee: Gelobet seist Du, Herr, allhie. “Sein Sohn die göttlich Majestät Euch geben hat, ein Menschen lassen werden. Ein Jungfrau ihn geboren hat in Davids Stadt, da Ihr ihn finden werdet liegend in eim Krippelein nackend, bloß und elende, daß er all Euer Elend von Euch wende.” [Refrain]

Freut Euch heute mit Maria in der himmlischen Hierarchia, da die Engel singen alle in dem Himmel hoch mit Schall. Danach sangen die Engelein: “Gebt Gott allein im Himmel Preis und Ehre. Groß Friede wird auf Erden sein, des solln sich freun die Menschen alle sehre  und ein Wohlgefallen han: Der Heiland ist gekommen, hat Euch zugut das Fleisch an sich genommen.” [Refrain]

Lobt, Ihr Menschen alle gleiche, Gottes Sohn, vom Himmelreiche; dem gebt jetzt und immer mehre Lob und Preis und Dank und Ehr. Die Hirten sprachen: “Nun wohlan,
so laßt uns gahn und diese Ding erfahren, die uns der Herr hat kundgetan: das Vieh laßt stahn, er wird’s indes bewahren.” Da fanden sie das Kindelein in Tüchelein gehüllet,
das alle Welt mit seiner Gnad erfüllet. [Refrain]

Nach dem “Quem pastores” (9Jhd) und dem “Nunc angelorum gloria” (14Jhd) von Nikolaus Herman (1560) und Matthäus Luderus (1589). (LKG 93)

Kollekte zum neuen Jahr 

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen lieben Sohn unter das Gesetz getan hast auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösten: hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.32

Fortlaufende Lese

Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?  8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.  9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.  10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun?  11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso.  12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?  13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!  14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! 

Lukas 3,7-14

Morgenlese

Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um zu lesen. 17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht: 18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit 19 und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.« 20 Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. 21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Lukas 4,16-21

Abendlese

Es ist kein Gott wie der Gott Jeschuruns, der am Himmel daherfährt dir zur Hilfe und in seiner Hoheit auf den Wolken. 27 Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist, und unter seinen ewigen Armen. Er hat vor dir her deinen Feind vertrieben und geboten: Vertilge! 28 Israel wohnt sicher, der Brunnquell Jakobs unbehelligt in dem Lande, da Korn und Wein ist, dessen Himmel von Tau trieft. 29 Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den HERRN, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! Deine Feinde werden dir schmeicheln, und du wirst auf ihren Höhen einherschreiten. 

Deuteronomium 33,26-29 (5. Mose)

Bekenntnislese: Von der Rechtfertigung (verf)

Zum vierten, Vergebung der Sünden ist verheißen um Christus’ willen. Darum kann sie niemand erlangen denn allein durch den Glauben. Denn die Verheißung kann man nicht fassen noch derselben teilhaftig werden denn allein durch den Glauben. Röm. 4, 16: „Derhalben muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei aus Gnaden und die Verheißung fest bleibe.“ Gleich als sollte er sagen: so unser Heil und Gerechtigkeit auf unserm Verdienst stünde, so wäre die Verheißung Gottes immer noch ungewiß und wäre uns unnütz; denn wir können nimmer des gewiß sein, wann wir genug verdient hätten. Und dieses verstehen fromme Herzen und christliche Gewissen sehr wohl, nähmen nicht tausend Welten, daß unser Heil auf uns stünde. Damit stimmt Paulus zu den Galatern: „Gott hat alles unter die Sünde beschlossen, daß die Verheißung aus dem Glauben Jesu Christi den Gläubigen widerfahre.“ Da stößt Paulus all unser Verdienst danieder; denn er sagt, wir sind alle schuldig des Todes und unter der Sünde beschlossen; und gedenkt der göttlichen Zusage, dadurch wir allein Vergebung der Sünden erlangen, und setzt noch weiter dazu, wie wir der Verheißung teilhaftig werden, nämlich durch den Glauben. Und dieser Grund, dieses Argument, da Paulus aus Art und Natur der göttlichen Verheißung schließt, nämlich also: So Gottes Verheißung gewiß sein und feststehen soll, wie sie nicht fehlen kann, so muß Vergebung der Sünden nicht aus unserm Verdienst sein, sonst wäre sie ungewiß, und wir wüßten nicht, wann wir genug verdient hätten: ja, dies Argument, sage ich, und der Grund ist ein rechter Fels und fast das Stärkste im ganzen Paulo und wird gar oft wiederholt und angezogen in allen Episteln. Es wird auch nimmermehr auf Erden ein Mensch etwas trachten und dichten oder erdenken, dadurch der einige Grund allein, wenn sonst nichts wäre, möge umgestoßen werden.

Es werden auch fromme Herzen und christliche Gewissen sich in keinem Weg lassen hiervon abführen, nämlich, daß wir allein durch den Glauben, um Christus’ Verdienstes willen Vergebung der Sünden haben. Denn da haben sie einen gewissen, starken, ewigen Trost wider die Sünde, Teufel, Tod, Hölle. Das andere alles ist ein Sandgrund und besteht nicht in Anfechtungen.

So wir nun allein durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen und den Heiligen Geist, so macht allein der Glaube vor Gott fromm. Denn diejenigen, so mit Gott versöhnt sind, die sind vor Gott fromm und Gottes Kinder, nicht um ihrer Reinigkeit willen, sondern um Gottes Barmherzigkeit willen, so sie dieselbe fassen und ergreifen durch den Glauben. Darum zeugt die Schrift, daß wir durch den Glauben vor Gott fromm werden. So wollen wir nun Sprüche erzählen, welche klar melden, daß der Glaube fromm und gerecht mache, nicht derhalben, daß unser Glauben ein solch köstlich, rein Werk sei, sondern allein derhalben, daß wir durch den Glauben und sonst mit keinem Dinge die angebotene Barmherzigkeit empfangen.

Paulus in der Epistel zu den Römern handelt vornehmlich dieses Stück, wie ein Mensch vor Gott fromm werde, und beschließt, daß alle die da glauben, daß sie durch Christum einen gnädigen Gott haben, ohne Verdienst durch den Glauben vor Gott fromm werden. Und diesen gewaltigen Beschluß, diese Proposition, in welcher gefaßt ist die Hauptsache der ganzen Episteln, ja der ganzen Schrift, setzt er im dritten Kapitel mit dürren, klaren Worten also: „So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, Röm. 3, 28. Da wollen die Widersacher sagen, Paulus habe ausgeschlossen allein die jüdischen Zeremonien, nicht andere tugendliche Werke. Aber Paulus redet nicht allein von Zeremonien, sondern eigentlich gewiß redet er auch von allen andern Werken und von dem ganzen Gesetze oder zehn Geboten. Denn im 7. Kapitel hernach zieht er an den Spruch aus den zehn Geboten: „Laß dich nicht gelüsten!“ Und so wir durch andere Werke, welche nicht jüdische Zeremonien wären, konnten Vergebung der Sünden erlangen und dadurch Gerechtigkeit verdienen, was wäre denn Christus und seine Verheißung vonnöten? Da läge schon danieder alles, was Paulus von der Verheißung an so viel Orten redet. So schriebe auch Paulus unrecht zu den Ephesern, da er sagt Eph. 2, 8: „ohne Verdienst, umsonst seid ihr selig worden; denn Gottes Gabe ist’s, nicht aus Werken.“ Item, Paulus zieht an in der Epistel zu den Römern Abraham und David. Dieselben hatten einen Befehl und Gottes Gebot von der Beschneidung. So nun irgendein Werk vor Gott fromm machte, so müßten je die Werke, die dazumal Gottes Befehl hatten, auch gerecht und fromm gemacht haben. Aber Augustinus, der lehrt klar, daß Paulus von dem ganzen Gesetz rede, wie er denn nach der Länge solches disputiert De Spiritu et Litera, „Von dem Geist und Buchstaben“, da er zuletzt sagt: „So wir nun dieses Stück nach dem Vermögen, das Gott verliehen hat, erwogen und gehandelt haben, so schließen wir, daß kein Mensch fromm wird durch Gebote eines guten Lebens, sondern durch den Glauben Jesu Christi.“

Und das niemand denken darf, als sei Paulo dieses Wort („der Mensch wird gerecht allein durch den Glauben“) entfahren, so führt er das nach der Länge aus im 4. Kapitel zu den Römern und er holt solches in allen seinen Episteln.

Denn also sagt er am 4. Kapitel: „Dem, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht; dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.“ So ist’s nun aus den Worten klar, daß der Glaube das Ding und das Wesen ist, welches er Gottes Gerechtigkeit nennt, und setzt dazu, sie werde aus Gnaden zugerechnet, und sagt, sie könnte uns aus Gnaden nicht zugerechnet werden, so Werke oder Verdienst da wären. Darum schließt er gewißlich aus alles Verdienst und alle Werke nicht allein jüdischer Zeremonien, sondern auch alle andern guten Werke. Denn so wir durch dieselben Werke fromm würden vor Gott, so würde uns der Glaube nicht gerechnet zur Gerechtigkeit ohne alle Werke, wie doch Paulus klar sagt.

Und hernach spricht er: „und wir sagen, daß Abraham sein Glaube ist gerechnet zur Gerechtigkeit.“

Item, Kap. 5, 1: „Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christ“, das ist, wir haben fröhliche, stille Gewissen vor Gott.

Röm. 10, 10: „So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.“ Da nennt er den Glauben die Gerechtigkeit des Herzens.

Zu den Galatern am 2, 16: „So glauben wir auch an Christum Jesum auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch’s Gesetzes Werke.“ Eph. 2, 8: „Denn aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich niemand rühme.“

Joh. 1, 12: „Denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die da an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen des Mannes, sondern von Gott geboren sind.“

Johannes am 3, 14.15: „Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn auch erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.“

Item V. 17: „Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.“

Act. 13, 38.39: „So sei es nun euch kund, liebe Brüder, daß euch verkündigt wird Vergebung der Sünden und von dem allem, durch welches ihr nicht konntet im Gesetz Mosis gerecht werden. Wer aber an diesen glaubet, der ist gerecht.“ Wie hätte er doch klarer reden können von dem Reich Christi und von der Rechtfertigung? Er sagt, das Gesetz habe nicht können jemand gerecht machen, und sagt, darum sei Christus gegeben, daß wir glauben, daß wir durch ihn gerecht werden. Mit klaren Worten sagt er: Das Gesetz kann niemand gerecht machen. Darum wird uns durch Christum Gerechtigkeit zugerechnet, wenn wir glauben, daß uns Gott durch ihn gnädig ist.

Act. 4, 11.12: „Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein worden ist; und ist in keinem andern Heil, und ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.“ An den Namen aber Christi kann ich nicht andern glauben, denn daß ich höre predigen das Verdienst Christi und solches fasse. Derhalben durch Glauben an den Namen Christi und nicht durch Vertrauen auf unsere Werke werden wir selig. Denn das Wort „Name“ an dem Ort bedeutet Ursache, dadurch und darum das Heil kommt. Darum den Namen Christi rühmen oder bekennen ist als viel, als vertrauen auf den, der Christus allein ist und heißt, daß der causa meines Heils und Schatzes sei, dadurch ich erlöst bin.

Act. 15, 9: „Durch den Glauben reinigte er ihre Herzen.“ Darum ist der Glaube, da die Apostel von reden, nicht eine schlechte Erkenntnis der Historie, sondern ein stark, kräftig Werk des Heiligen Geistes, das die Herzen verändert.

Hab. 2, 4: „Der Gerechte lebt seines Glaubens.“ Da sagt er erstlich, daß der Gerechte durch den Glauben gerecht wird, so er glaubt, daß Gott durch Christum gnädig sei. Zum andern sagt er, daß der Glaube lebendig macht. Denn der Glaube bringt allein den Herzen und Gewissen Frieden und Freude und das ewige Leben, welches hier in diesem Leben anfängt.

Jes. 53, 11: „Seine Erkenntnis wird viele gerecht machen.“ Was ist aber die Erkenntnis, Christi, denn seine Wohltaten kennen und seine Verheißungen, die er in die Welt hat gepredigt und predigen lassen? Und die Wohltaten kennen, das heißt an Christum wahrlich glauben, nämlich glauben das, was Gott durch Christum verheißen hat, daß er das gewiß geben wolle.

Aber die Schrift ist voll solcher Sprüche und Zeugnisse. Denn diese zwei Stücke handelt die Schrift: Gesetz Gottes und Verheißung Gottes. Nun reden die Verheißungen von Vergebung der Sünden und Gottes Versöhnung durch Christum.

AC IV,84-102

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. 

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. 

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , | Leave a comment

Da Christus geboren war, freuet sich der Engel Schar

Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert)

Da Christus geboren war, freuet sich der Engel Schar und sangen mit Haufen schon: “Ehr sei Gott im höchsten Thron!” Gottes Sohn ist Mensch geboren, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Die Hirten erschraken ganz von des Engels hellem Glanz, hörten fröhlich neue Mär, daß Christus geboren wär. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Sie suchten das Kindelein, eingehüllt in Windelein, wie der Engel hatt vermeldt, welches trägt die ganze Welt. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Sie fanden das Kindlein zart liegen in der Krippe hart bei dem Vieh im finstern Stall, welchs die Stern schaffet all. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Aus der Mutter Brust so rein nähret sich dies Kindelein, welchs durch sein göttlich Kraft allem Vieh sein Futter schafft. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Solche groß Barmherzigkeit laßt uns preisen in Ewigkeit, in Gottsfurcht und Glauben fein mit Geduld gehorsam sein. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid.

Nach dem “In natali Domini” (15.Jhd) Wittenberg 1560. LKG 92

Kollekte zum neuen Jahr

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen lieben Sohn unter das Gesetz getan hast auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösten: hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.32

Fortlaufende Lese

Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene,  2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.  3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden,  4 wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!  5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden,  6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« 

Johannes 3,1-6

Morgenlese

So spricht der HERR, der im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn macht, 17 der ausziehen lässt Wagen und Rosse, Heer und Macht – da liegen sie, stehen nicht wieder auf, sind verglüht wie ein Docht, erloschen: 18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde. 

Jesaja 43,16-19

Abendlese

Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. 

Römer 14,7-9

Bekenntnislese: Apologie IV Rechtfertigung (verf).

Apologie IV:69-83

Nun wollen wir anzeigen, daß derselbe Glaube, und sonst nichts, uns vor Gott gerecht macht. Und erstlich will ich dieses hier den Leser verwarnen, gleichwie dieser Spruch muß und soll stehenbleiben, und kann ihn niemand umstoßen: Christus ist unser einiger Mittler, also kann auch diesen Spruch niemand umstoßen: Durch den Glauben werden wir rechtfertig, ohne Werke. Denn wie will Christus der Mittler sein und bleiben, wenn wir nicht durch den Glauben uns an ihn halten als an den Mittler und also Gott versöhnt werden, wenn wir nicht gewiß im Herzen halten, daß wir um seinetwillen vor Gott gerecht geschätzt werden? Das heißt nun glauben: also vertrauen, also sich getrösten des Verdienstes Christi, daß um seinetwillen Gott gewiß uns wolle gnädig sein.

Item, wie dieses klar in der Schrift ist, daß über das Gesetz zur Seligkeit not ist die Verheißung Christi, also ist auch klar, daß der Glaube gerecht macht; denn das Gesetz predigt nicht Vergebung der Sünden aus Gnaden. Item, das Gesetz können wir nicht erfüllen noch halten, ehe wir den Heiligen Geist empfangen. Darum muß das bestehen, daß zur Seligkeit die Verheißung Christi vonnöten ist. Dieselbe kann nun niemand fassen noch empfangen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, daß wir nicht durch den Glauben vor Gott gerecht und fromm werden, was tun die anders, denn daß sie Christum und das Evangelium unterdrücken und das Gesetz lehren?

Aber etliche, wenn man sagt, der Glaube macht rechtfertig vor Gott, verstehen solches vielleicht vom Anfang, nämlich daß der Glaube sei nur der Anfang oder eine Vorbereitung zu der Rechtfertigung, also daß nicht der Glaube selbst dafürgehalten werden soll, daß wir dadurch Gott gefallen und angenehm sind, sondern daß wir Gott angenehm sind von wegen der Liebe und Werke, so folgen, nicht von wegen des Glaubens. Und solche meinen der Glaube werde allein derhalben gelobt in der Schrift, daß er ein Anfang sei guter Werke, wie denn allezeit viel am Anfang gelegen ist.

Dies aber ist nicht unsere Meinung, sondern wir lehren also vom Glauben, daß wir durch den Glauben selbst vor Gott angenehm sind. Und nachdem das Wort iustificari auf zweierlei Weise gebraucht wird, nämlich, für bekehrt werden oder neugeboren, item, für gerecht geschätzt werden, wollen wir das erst anzeigen, daß wir allein durch den Glauben aus dem gottlosen Wesen bekehrt, neugeboren und gerecht werden.

Etliche fechten groß an das Wort Sola, so doch Paulus klar sagt zu den Römern am 3, 28: „So halten wir nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke“; item, zu den Ephesern am 2, 8. 9: „Gottes Gabe ist es, nicht aus euch noch aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme“; item, zu den Römern am 3, 24 dergleichen. So nun dieses Wort und diese exclusiva Sola etlichen so hart entgegen ist und so übel gefällt, die mögen an so vielen Orten in den Episteln Pauli auch diese Worte auskratzen: „aus Gnaden“; item: „nicht aus Werken“; item: „Gottes Gabe“ usw.; item: „das sich niemand rühme“ und dergleichen; denn es sind ganz starke exclusivae. Das Wort „aus Gnaden“ schließt Verdienst und alle Werke aus, wie die Namen haben. Und durch das Wort, Sola, so wir sagen: „Allein der Glaube macht fromm“, schließen wir nicht aus das Evangelium und die Sakramente, daß darum das Wort und die Sakramente sollten vergeblich sein. So es der Glaube alles allein tut, wie die Widersacher uns alles gefährlich deuten; sondern unser Verdienst daran schließen wir aus. Denn wir haben oben genug gesagt, daß der Glaube durchs Wort kommt: So preisen wir das Predigtamt und Wort höher und mehr denn die Widersacher; so sagen wir auch, die Liebe und Werke sollen dem Glauben folgen. Darum schließen wir die Werke durchs Wort Sola nicht also aus, daß sie nicht folgen sollten, sondern das Vertrauen auf Verdienst, auf Werke, das schließen wir aus und sagen, sie verdienen nicht Vergebung der Sünden. Und das wollen wir noch richtiger, heller und klarer zeigen.

Daß wir Vergebung der Sünden allein durch den Glauben an Christum erlangen.

Wir halten, die Widersacher müssen bekennen, daß vor allen Dingen zu der Rechtfertigung vonnöten sei Vergebung der Sünden. Denn wir sind alle unter der Sünde geboren. Darum so schließen wir nun also:

Vergebung der Sünden erlangen und haben, dasselbe heißt vor Gott gerecht und fromm werden, wie der 32. Psalm sagt: „Wohl dem, dem die Übertretung vergeben ist.“

Allein aber durch den Glauben an Christum, nicht durch die Liebe, nicht um der Liebe oder Werke willen, erlangen wir Vergebung der Sünden, wiewohl die Liebe folgt, wo der Glaube ist, Derhalben muß folgen, daß wir allein durch den Glauben gerecht werden. Denn gerecht werden heißt ja, aus einem Sünder fromm werden und durch den Heiligen Geist neugeboren werden.

Daß wir aber allein durch den Glauben, wie die minor meldet, nicht durch die Liebe Vergebung der Sünden erlange, wollen wir jetzund klarmachen, Die Widersacher reden kindisch von diesen hohen Dingen; sie fragen, ob es einerlei Veränderung sei, Vergebung der Sünden und Eingießung der Gnade, oder ob es zwei seien. Die müßigen, unerfahrenen Leute können doch gar nicht von diesen Sachen reden. Denn Sünde recht fühlen und Gottes Zorn, ist nicht so ein schlecht, schläfrig Ding. Wiederum, Vergebung der Sünden ergreifen ist nicht so ein schwacher Trost. Denn also sagt Paulus 1 Kor, 15, 56f.: „Der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Lob, der uns gibt Überwindung durch Jesum Christum, unsern Herrn.“ Das ist, die Sünde erschreckt das Gewissen, das geschieht durchs Gesetz, welches uns Gottes Ernst und Zorn zeigt wider die Sünde; aber wir liegen ob durch Christum. Wie geschieht das? Wenn wir glauben, wenn unsere Herzen wieder aufgerichtet werden und sich halten an die Verheißung der Gnade durch Christum.

So beweisen wir nun dieses also, daß wir durch den Glauben an Christum und nicht durch Werke Vergebung der Sünden erlangen. Nämlich Gottes Zorn kann nicht versöhnt noch gestillt werden durch unsere Werke, sondern allein Christus ist der Mittler und Versöhner, und um seinetwillen allein wird uns der Vater gnädig. Nun kann Christum niemand als einen Mittler fassen durch Werke, sondern allein, daß wir dem Wort glauben, welches ihn als einen Mittler predigt. Darum erlangen wir allein durch den Glauben Vergebung der Sünden, wenn unser Herz getröstet und aufgerichtet wird durch die göttliche Zusage, welche uns um Christus’ willen angeboten wird.

Item, Paulus zu den Römern am 5, 2: „Durch ihn haben wir einen Zugang zum Vater“; und sagt klar dazu: „durch den Glauben“. Also werden wir nun, und nicht anders, dem Vater versöhnt, also erlangen wir Vergebung der Sünden, wenn wir aufgerichtet werden, festzuhalten, an der Zusage, da uns Gnade und Barmherzigkeit verheißen ist durch Christum. Die Widersacher, die verstehen dieses vom Mittler und Versöhner Christo also, daß Christus uns verdiene die Liebe oder den habitum dilectionis, und sagen nicht, daß wir ihn als einen einigen Mittler brauchen müssen, sondern stecken Christum wieder ins Grab, erdichten ein anderes, als hätten wir einen Zutritt durch unsere Werke, item, als verdienten wir durch Werke den habitum und könnten danach durch die Liebe zu Gott kommen. Das heißt je Christum wieder ins Grab stecken und die ganze Lehre von Glauben wegnehmen. Dagegen aber lehrt Paulus klar, daß wir einen Zutritt haben, das ist, Versöhnung Gottes, durch Christum. Und daß er anzeige, wie dasselbe geschehe, so setzt er dazu: „Durch den Glauben haben wir den Zutritt, durch den Glauben empfangen wir Vergebung der Sünden aus dem Verdienst Christi“, und können Gottes Zorn nicht stillen denn durch Christum. So ist leicht zu verstehen, daß wir nicht Vergebung verdienen durch unsere Werke oder Liebe.

Zum andern ist’s gewiß, daß die Sünden vergeben werden um des Versöhners Christi willen, Röm. 3, 25: „Welchen Gott dargestellet hat zu einem Gnadenstuhl“ oder zu einem Versöhner, und setzt klar dazu: „durch den Glauben“. So wird uns der Versöhner nun also nütz, wenn wir durch den Glauben fassen das Wort, dadurch verheißen wird Barmherzigkeit, und dieselbe halten gegen Gottes Zorn und Urteil. Und dergleichen steht geschrieben Hebr. am 4, 14. 16: „Wir haben einen Hohenpriester, Christum usw. Laßt uns zu ihm treten mit Freudigkeit.“ Er heißt uns zu Gott treten, nicht im Vertrauen unserer Werke, sondern im Vertrauen auf den Hohenpriester Christum; derhalben fordert er je klar den Glauben.

Für das dritte, Petrus in Geschichten der Apostel am 10, 43 sagt: „Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, daß wir Vergebung der Sünden durch seinen Namen erlangen sollen, alle, die in ihn glauben.“ Wie hätte doch Petrus klarer können reden? Er sagt: „Vergebung der Sünden empfangen wir durch seinen Namen“, das ist, durch ihn erlangen wir sie, nicht durch unser Verdienst, nicht durch unsere Reue oder Attrition, nicht durch unsere Liebe, nicht durch eigenen Gottesdienst, nicht durch eigene Menschensatzung oder Werke, und setzt dazu: „wo wir in ihn glauben“. Derhalben will er, daß ein Glaube im Herzen sei, darum sagt er: es zeugen mit einem Munde von dem Christo alle Propheten. Das, meine ich, heißt recht die christliche Kirche oder katholische Kirche allegiert. Denn wenn alle heiligen Propheten zeugen, das ist je ein herrlich, groß trefflich, stark Dekret und Zeugnis. Aber von dem Spruch wollen wir drunten weiter reden.

Gebet zum Neuen Jahr

Treuer und ewiger Gott, ewige Kraft und Quelle der Liebe,
Du schenkst uns dieses neue Jahr.
Wir wissen nicht,  was kommen wird.
Wir gehen mit Hoffnung in dieses Jahr.
Wir bitten dich um Frieden für die Kinder, die in diesem Jahr geboren werden und für diese von Gewalt und Hass bedrängte Welt.
Wir gehen mit Plänen in dieses Jahr.
Wir bitten dich um Segen für deine wunderbare Schöpfung,  und für unsere Arbeit, 
Jeden Tag werden wir aus deiner Fülle leben.
Wir rufen zu dir: Du bist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. 

Wir wissen nicht, was kommen wird.
Wir gehen mit Sorgen in dieses Jahr.
Wir bitten um Gerechtigkeit für die Hungernden und Verachteten, für die Verschuldeten und  für die, die sich vor dem nächsten Tag fürchten.
Wir bitten um Weisheit  für die Mächtigen und Einflussreichen und für die, die über andere urteilen.
Jeden Tag werden wir aus deiner Fülle leben.
Wir rufen zu dir: Du bist bei uns am Abend …

Wir wissen nicht, wen wir in diesem Jahr verlieren werden.
Wir bitten dich um Trost für die Trauernden.
Wir wissen nicht, welche Lasten wir tragen müssen.
Wir bitten dich um Mut für die Kranken, die Verschleppten, die Verzweifelten,
Jeden Tag werden wir aus deiner Fülle leben.
Wir rufen zu dir: Du bist bei uns am Abend …

Wir wissen nicht, was kommen wird.
Wir gehen mit Neugier in dieses Jahr.
Wir bitten um Freude  für die Menschen, die zueinander finden. und für die, die zu Neuem aufbrechen.
Wir bitten um Treue  im Zusammenleben der Menschen in unserem Land und für die Gemeinschaft der Völker.
Jeden Tag werden wir aus deiner Fülle leben.
Wir rufen zu dir: Du bist bei uns am Abend …

Wir gehen mit Sehnsucht in dieses Jahr.
Wir bitten dich  um Hoffnung, um Glauben, um Liebe durch Jesus Christus, in Bethlehem geboren und in unseren Herzen gegenwärtig.
Jeden Tag werden wir aus deiner Fülle leben.
Wir rufen zu dir: Du bist bei uns am Abend … 
Amen.

VELKD Wochengebet

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , , , , | Leave a comment

Ein frohes neues Jahr (Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu)

Rudolf Schäfer (16.9.1578-25.10.1961)

O Christe, unser Seligkeit, der Du in der Kindheit am achten Tag bist beschnitten nach jüdischen Sitten, hast erstlich Dein rein Blut vergossen uns zugut, bist unter das Gesetz gekommen, hast auf Dich genommen seinen Fluch und schwere Bürden, daß wir der´ los würden, derselben Du Jesus genannt, hast Gewalt, hie von Sünden als ein rechter Heiland Dein Volk zu entbinden.

Beschneid unser Herz und Sinnen, laß sie nicht beginnen, was Deinem Willen widerlich und dem Satan zuspricht, bewahr uns vor sein Netz und lehr uns Dein Gesetz, daß wir dies Jahr wohl anfangen in Deiner Lieb und Gunst, darinnen mehr Gnad erlangen und Kraft zu Deiner Kunst, auf daß Deines Namens Wahrheit in uns hie auf Erden auch oben in Klarheit gepreist möchte werden.

Michael Weiße 1531 (LKG 118)

Der Herr behüte Deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Introitus

Im Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Deine Namen in allen Landen, Du, den man lobet im Himmel. Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast Du eine Macht zugerichtet um Deiner Feinde willen. Wenn ich sehe die Himmel, Deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die Du bereitet hast: Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß Du Dich sein annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott mit Ehre und Schmuck hast Du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über Deiner Hände Werk; alles hast Du unter seine Füße getan.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist gleicherweis von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Psalm 8,2ff

Kollekte

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen lieben Sohn unter das Gesetz getan hast auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösten: hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.32

Alttestamentliche Lese

Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott[1]; wandle vor mir und sei fromm. 2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. 3 Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: 4 Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. 5 Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. 6 Und ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen und Könige sollen von dir kommen. 7 Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. 8 Und ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan, zu ewigem Besitz und will ihr Gott sein. 9 Und Gott sprach zu Abraham: So halte nun meinen Bund, du und deine Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht. 10 Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; 11 eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. 12 Jeden Knaben, wenn er acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. Desgleichen auch alles, was an Gesinde im Hause geboren oder was gekauft ist von irgendwelchen Fremden, die nicht aus eurem Geschlecht sind. 13 Beschnitten soll werden alles Gesinde, was dir im Hause geboren oder was gekauft ist. Und so soll mein Bund an eurem Fleisch zu einem ewigen Bund werden. 14 Ein Unbeschnittener aber, der nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, soll ausgerottet werden aus seinem Volk; meinen Bund hat er gebrochen. 15 Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker. 17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: Ach dass Ismael möchte leben bleiben vor dir! 19 Da sprach Gott: Nein, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und ich will meinen Bund mit ihm aufrichten als einen ewigen Bund für seine Nachkommen. 20 Und für Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen. 21 Aber meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr. 22 Und er hörte auf, mit ihm zu reden. Und Gott fuhr auf von Abraham. 23 Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael und alle Knechte, die in seinem Hause geboren, und alle, die von ihm gekauft waren, alle Männer im Hause Abrahams, und beschnitt ihre Vorhaut an ebendiesem Tage, wie ihm Gott gesagt hatte. 24 Und Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als er seine Vorhaut beschnitt. 25 Ismael aber, sein Sohn, war dreizehn Jahre alt, als seine Vorhaut beschnitten wurde. 26 Eben auf diesen Tag wurden Abraham und sein Sohn Ismael beschnitten. 27 Und alle Männer seines Hauses, im Hause geboren und gekauft von Fremden, wurden mit ihm beschnitten.

Genesis 17 (1. Buch Mose 17)

Epistolische Lektion

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5 auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! 7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. 

Galater 4,4-7

Halleluja Vers

Halleluja. Mein Mund soll des Herrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich. Halleluja.

Psalm 145,21

Evangelium

Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

Lukas 2,21

Graduallied

Warum machet solche Schmerzen, warum machet solche Pein der von unbeschnittnem Herzen Dir, herzliebstes Jesulein, mit Beschneidung, da Du doch frei von des Gesetzes Joch, weil Du einem Menschenkinde zwar gleich, doch ganz ohne Sünde?

Für Dich darfst Du dies nicht dulden, Du bist ja des Bundes Herr. Unsre, unsre großen Schulden, die so grausam, die so schwer auf uns liegen, daß es Dich jammert herz- und inniglich, die trägst Du ab, uns zu retten, die sonst nichts zu zahlen hätten.

Freut Ihr Schuldner Euch deswegen, ja, sei fröhlich alle Welt, weil heut anhebt zu erlegen Gottes Sohn das Lösegeld. Das Gesetz wird heut erfüllt, heut wird Gottes Zorn gestillt, heut macht uns, so sollten sterben, Gottes Sohn zu Gottes Erben.

Wer mag recht die Gnad erkennen? Wer mag dafür dankbar sein? Herz und Mund soll Dich stets nennen unsern Heiland, Jesulein. Deine Güte wollen wir nach Vermögen preisen hier, weil wir in der Schwachheit wallen; dort soll baß Dein Lob erschallen.

Paul Gerhardt 1647 (LKG 119)

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Bekenntnislese: Apologie IV (Von der Rechtfertigung)

Was der Glaub sei, der für Gott fromm und gerecht macht §48-68.

Die Widersacher wollen wähnen, der Glaube sei dieses, daß ich wisse oder gehört habe die Historie von Christo; darum lehren sie, ich könne wohl glauben, ob ich gleich in Todsünden sei. Darum, von dem rechten christlichen Glauben, davon Paulus an allen Orten so oft redet, daß wir durch den Glauben vor Gott fromm werden, da wissen oder reden sie gar nichts von. Denn welche vor Gott heilig und gerecht geachtet werden, die sind je nicht in Todsünden. Darum, der Glaube, welcher vor Gott fromm und gerecht macht, ist nicht allein dieses, daß ich wisse die Historie, wie Christus geboren, gelitten usw. (das wissen die Teufel auch), sondern ist die Gewißheit oder das gewisse, starke Vertrauen im Herzen, da ich mit ganzem Herzen die Zusage Gottes für gewiß und wahr halte, durch welche mir angeboten wird ohne mein Verdienst Vergebung der Sünden, Gnade und alles Heil durch den Mittler Christum. Und damit daß niemand wähne, es sei allein ein bloßes Wissen der Historie, so setze ich das dazu: Der Glaube ist, daß sich mein ganzen Herz desselben Schatzes annimmt, und ist nicht mein Tun, nicht mein Schenken noch Geben, nicht mein Werk oder Bereiten; sondern daß ein Herz sich des tröstet und ganz darauf verläßt, daß Gott uns schenkt, uns gibt, und wir ihm nicht, daß er uns mit allem Schatz der Gnade in Christo überschüttet.

Aus diesem ist leicht zu merken Unterschied zwischen dem Glauben und zwischen der Frömmigkeit, die durchs Gesetz kommt. Denn der Glaube ist ein solcher Gottesdienst und latria, da ich mir schenken und geben lasse. Die Gerechtigkeit aber des Gesetzes ist ein solcher Gottesdienst, der da Gott anbietet unserer Werke. So will Gott nun durch den Glauben also geehrt sein, daß wir von ihm empfangen, was er verheißt und anbietet.

Daß aber der Glaube nicht allein sei die Historie wissen, sondern der da festhält die göttlichen Verheißungen, zeigt Paulus genugsam an, der da sagt zu den Römern am 4, 16: „Derhalben muß die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß die Verheißung fest bleibe.“ Da heftet und verbindet Paulus die zwei also zusammen, daß, wo Verheißung ist, da muß auch Glaube sein usw.; und wiederum correlative, wo Verheißung ist, da fordert Gott auch Glauben.

Wiewohl noch klarer und schlechter zu zeigen ist, was der Glaube, der da gerecht macht, sei, wenn wir unser eigen Credo und Glauben ansehen. Denn im Symbolo steht je dieser Artikel: Vergebung der Sünden. Darum ist’s nicht genug, daß ich wisse oder glaube, daß Christus geboren ist, gelitten hat, auferstanden ist, wenn wir nicht auch diesen Artikel, darum das alles endlich geschehen, glauben, nämlich: Ich glaube, daß mir die Sünden vergeben seien. Auf den Artikel muß das andere alles gezogen werden, nämlich, daß um Christus’ willen, nicht um meines Verdienstes willen, uns die Sünden vergeben werden.

Denn was wäre not, daß Gott Christum für unsere Sünden gäbe, wenn unser Verdienst für unsere Sünden könnte genugtun?

Derhalben, so oft wir reden von dem Glauben, der gerecht macht, oder fide iustificante, so sind allezeit diese drei Stücke oder obiecta beieinander: erstlich, die göttliche Verheißung, zum andern, daß dieselbe umsonst, ohne Verdienst Gnade anbietet, für das dritte, daß Christi Blut und Verdienst der Schatz ist, durch welchen die Sünde bezahlt ist. Die Verheißung wird durch den Glauben empfangen; daß sie aber ohne Verdienst Gnade anbietet, da geht alle unsere Würdigkeit und Verdienst unter und zu Boden, wird gepriesen die Gnade und große Barmherzigkeit. Das Verdienst Christi aber ist der Schatz; denn es muß je ein Schatz und edles Pfand sein, dadurch die Sünden aller Welt bezahlt sind.

Die ganze Schrift, Alten und Neuen Testaments, wenn sie von Gott und Glauben redet, braucht viel dieses Wortes: Güte, Barmherzigkeit, misericordia. Und die heiligen Väter in allen ihren Büchern sagen alle, daß wir durch Gnade, durch Güte, durch Vergebung selig werden.

Sooft wir nun das Wort Barmherzigkeit in der Schrift oder in den Vätern finden, sollen wir wissen, daß da vom Glauben gelehrt wird, der die Verheißung solcher Barmherzigkeit faßt. Wiederum, sooft die Schrift vom Glaube redet, meint sie den Glauben, der auf lauter Gnade baut; denn der Glaube nicht darum vor Gott fromm und gerecht macht, daß er an ihm selbst unser Werk und unser ist, sondern allein darum, daß er die verheißene, angebotenen Gnade ohne Verdienst aus reichem Schatz geschenkt nimmt.

Und solcher Glaube und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit wird als der größte, heiligste Gottesdienst gepriesen, sonderlich in Propheten und Psalmen. Denn wiewohl das Gesetz nicht vornehmlich predigt Gnade und Vergebung der Sünden wie das Evangelium, so sind doch die Verheißungen von dem künftigen Christo von einem Patriarchen auf den andern geerbt, und sie haben gewußt, auch geglaubt, daß Gott durch den gebenedeiten Samen, durch Christum, wollte Segen, Gnade, Heil und Trost geben. Darum, so sie verstanden, daß Christus sollte der Schatz sein, dadurch unsere Sünden bezahlt werden, haben sie gewußt, daß unsere Werke eine solche große Schuld nicht bezahlen könnten. Darum haben sie Vergebung der Sünden, Gnade und Heil ohne alles Verdienst empfangen und sind durch den Glauben an die göttliche Verheißung, an das Evangelium von Christo, selig geworden als wohl als wir oder die Heiligen im Neuen Testament.

Daher kommt’s, daß diese Worte: Barmherzigkeit, Güte, Glaube, so oft in Psalmen und Propheten wiederholt werden. Als im 130. Psalm: „So du willst, Her, achthaben auf Missetat, Her, wer wird bestehen?“ Da bekennt David seine Sünde, rühmt nicht viel Verdienst, sagt auch weiter: „Denn bei dir ist Vergebung, daß man sich fürchte.“ Da fühlt er wieder Trost und verläßt sich auf Gnade und Barmherzigkeit, verläßt sich auf die göttliche Zusage und spricht: „Meine Seele harret des Herrn, Und ich warte auf sein Wort.“ Und abermals: „Meine Seele wartet doch auf den Herrn.“ Das ist, dieweil du verheißen hast Vergebung der Sünden, so halte ich mich an die Zusage, so verlasse und wage ich nicht auf die gnädige Verheißung.

Darum werden die heiligen Patriarchen vor Gott fromm und heilig auch nicht durchs Gesetz, sondern durch Gottes Zusage und den Glauben. Und sollte wahrlich jedermann sich hoch verwundern, warum die Widersacher doch so wenig oder gar nichts vom Glauben lehren, so sie doch sehen gar nahe in allen Syllaben der Bibel, daß der Glaube für den allerhöchsten, edelsten, heiligsten, größten, angenehmsten, besten Gottesdienst gelobt und gepriesen wird, Also sagt er in 50. Psalm: „Rufe mich an in der Zeit der Not, und ich will dich erretten.“

Also nun und durch diese Weise will Gott uns bekannt werden. Also will er geehrt sein, daß wir von ihm Gnade, Heil, alles Gute nehmen und empfangen sollen, und nämlich aus Gnaden, nicht um unsers Verdienstes willen. Diese Erkenntnis ist gar eine edle Erkenntnis und ein großmächtiger Trost in allen Anfechtungen, leiblichen und geistlichen, es komme zu sterben oder zu leben, wie fromme Herzen wissen; und denselben edeln, teuern, gewissen Trost rauben und nehmen die Widersacher den armen Gewissen, wenn sie vom Glauben so kalt, so verächtlich reden und lehren und dagegen mit Gott, der hohen Majestät, durch unser elend, bettelisch Werk und Verdienst handeln. Daß der Glaube an Christum gerecht macht.

Für das erste, daß niemand gedenke, wir reden von einem schlechten Wissen oder Erkenntnis der Historie von Christo, so müssen wir erstlich Sagen, wie es zugeht, wie ein Herz anfängt zu glauben, und wie es zum Glauben kommt. Danach wollen wir anzeigen, daß derselbe Glaube vor Gott fromm macht, und wie das zu verstehen sei, und wollen der Widersacher Gründe eigentlich klar und gewiß ablehnen.

Christus befiehlt Lucä am letzten, zu predigen „Busse und Vergebung der Sünden“. Das Evangelium auch straft alle Menschen, daß sie in Sünden geboren seien, und daß sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum. Und dieselbe Vergebung, Versöhnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. Denn die Predigt von der Busse oder diese Stimme des Evangelii: „Bessert euch, tut Busse“, wenn sie recht in der Herzen geht, erschreckt sie die Gewissen und ist nicht ein Scherz, sondern ein groß Schrecken, da das Gewissen seinen Jammer und Sünde und Gottes Zorn fühlt. In dem Erschrecken sollen die Herzen wieder Trost suchen. Das geschieht, wenn sie glauben an die Verheißung von Christo, daß wir durch ihn Vergebung der Sünden haben. Der Glaube, welcher in solchem Zagen und Schrecken die Herzen wieder aufrichtet und tröstet, empfängt und empfindet Vergebung der Sünden, macht gerecht und bringt Leben; denn derselbe starke Trost ist eine neue Geburt und ein neu Leben.

Dieses ist je einfältig und klar geredet; so wissen fromme Herzen, daß es also ist; so sind die Exempel, daß es mit allen Heiligen so gegangen von Anbeginn, in der Kirche vorhanden, wie an der Bekehrung Pauli und Augustini zu sehen ist. Die Widersacher haben nichts Gewisses, können nirgend recht sagen oder verständlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Die erdichten ihnen eigene Träume, daß durch schlecht leiblich Empfangen und Brauchen der Sakramente, ex opere operato, die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, wennschon das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding.

So wir aber von einem solchen Glauben reden, welcher nicht ein müßiger Gedanke ist, sondern ein solch neues Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut erneuert, einen andern Menschen und neue Kreatur aus uns macht, nämlich ein neues Licht und Werk des Heiligen Geistes: so versteht ja männiglich, daß wir nicht von solchem Glauben reden, dabei Todsünde ist, wie die Widersacher vom Glauben reden. Denn wie will Licht und Finsternis beieinander sein? Denn der Glaube, wo er ist, und dieweil er da ist, gebiert er gute Früchte, wie wir danach sagen wollen.

Dieses ist je mit klaren, deutlichen, einfältigen Worten geredet, wie es zugeht, wenn ein Sünder recht sich bekehrt, was die neue Geburt sei oder nicht sei. Trotz sei nun geboten alle den Sententiariis, ob sie unter den unzähligen Rommenten, Glossen und Skribenten über Sententiarum einen können vorbringen, der ein Wörtlein, einen Tüttel recht davon setzt, wie es zugeht, wenn ein Sünder bekehrt wird.

Wenn sie von der Liebe reden, oder wenn sie von ihrem habitu dilectionis reden, so bringen sie wohl ihre Träume vor, daß denselben habitum die Leute verdienen durch ihre Werke, reden aber gar nichts von Gottes Verheißung oder Wort, wie auch zu dieser Zeit die Wiedertäufer lehren.

Nun kann man mit Gott doch je nicht handeln, so läßt sich Gott nicht erkennen, suchen noch fassen denn allein im Wort und durchs Wort, wie Paulus sagt: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen, die daran glauben.“ Item, zu den Römern am 10: „Der Glaube ist aus dem Gehör.“ Und aus dem allein sollte je klar genug sein, daß wir allein durch den Glauben vor Gott fromm werden. Denn so wir allein durchs Wort Gottes zu Gott kommen und gerecht werden, und das Wort kann niemand fassen denn durch den Glauben, so folgt, daß der Glaube gerecht macht.

Doch sind andere Ursachen, die sich zu dieser Sache besser reimen. Dieses habe ich bisher gesagt, daß ich anzeige, wie es zugeht, wie wir neugeboren werden, und daß man verstehen möchte, was der Glaube ist oder nicht ist, davon wir reden.

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Uncategorized | Leave a comment

In dulci jubilo, nun singet und seid froh

In dulci jubilo im Klug’schen Gesangbuch (1533)

In dulci iubilo nu singet vnd seid fro / vnsers hertzen wunne / leit in presepio / vnd leuchtet als die Sonne / matris in gremio / Alpha es et o / Alpha es et o.

O Jhesu paruule / nach dir ist mir so weh / Tröst mir mein gemüte / o puer optime / durch alle deine güte / o princeps glorie / trahe me post te / trahe me post te.

O patris charitas, o nati lenitas! Wir wärn all verloren per nostra crimina, so hat er uns erworben coelorum gaudia. Eia, wärn wir da, eia, wärn wir da!

Vbi sunt gaudia / nirgend mehr denn da / da die Engel singen / noua cantica / vnd die schellen klingen in regis curia / Eya wer wir da / Eya wer wir da.

14.Jhd. Babstsches Gesangbuch 1545 (LKG 90

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Fortlaufende Lese

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest.  42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes.  43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht.  44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.  45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.  46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.  47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.  48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.  49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss bei denen, die zu meinem Vater gehören?  50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.  51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.  52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Lukas 2,41-52

Morgenlese

Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 

Römer 8,31-39

Abendlese

Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den HERRN sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. 2 Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren. 3 Ja, der HERR tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des HERRN, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang. 4 Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. 5 Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. 6 Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

Jesaja 51,1-6

Bekenntnislese: Apologie 4,36-47

Zuletzt, so ist je das auch aufs närrischste und ungeschickteste von den Widersachern geredet, daß die Menschen, die auch ewiges Zornes schuldig sind, Vergebung der Sünden erlangen durch die Leibe oder actum elicitum dilectionis, so es doch unmöglich ist, Gott zu lieben, wenn das Herz nicht erst durch den Glauben Vergebung der Sünden ergriffen hat. Denn es kann je ein Herz, das in Ängsten ist und Gottes Zorn recht fühlt, Gott nicht lieben, er gebe denn dem Herzen Luft, er tröste und erzeige sich denn wieder gnädig. Denn dieweil er schreckt und also uns angreift, als wolle er uns in ewiger Ungnade in den ewigen Tod von sich stoßen, so muß der armen schwachen Natur das Herz und Mut entfallen und muß je vor so großem Zorn erzittern, der so greulich schreckt und straft, und kann je alsdann, ehe Gott selbst tröstet, kein Fünklein Liebe fühlen.

Müßige und unerfahrene Leute mögen ihnen wohl selbst einen Traum von der Liebe erdichten, darum reden sie auch so kindisch davon, daß einer, der gleich einer Todsünde schuldig ist, könne gleichwohl Gott über alles lieben; denn sie wissen noch nicht recht, was Sünde für eine Last, was für eine große Qual sei, Gottes Zorn fühlen. Aber fromme Herzen, die es im rechten Kampf mit dem Satan und rechten Ängsten des Gewissens erfahren haben, die wissen wohl, daß solche Worte und Gedanken eitel Gedanken, eitel Träume sind. Paulus sagt: „Das Gesetz richtet nur Zorn an“, Röm. 4,15.

Er sagt nicht, daß durch das Gesetz die Leute verdienen Vergebung der Sünden. Denn das Gesetz klagt allzeit das Gewissen an und erschreckt’s. Derhalben macht das Gesetz niemand fromm und gerecht vor Gott; denn ein erschrocken Gewissen fleucht vor Gott und seinem Urteil. Derhalben irren diejenigen, die durch ihre Werke oder durch das Gesetz wollen verdienen Vergebung der Sünden.

Dieses sei genug gesagt von der Gerechtigkeit der Werkheiligen oder der Vernunft, welche die Widersacher lehren. Denn bald hernach, wenn wir werden sagen von der Frömmigkeit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die aus dem Glauben kommt, wird die Sache an ihr selbst mit sich bringen, mehr Sprüche aus der Schrift einzuführen, welche denn alle auch gleich stark dienen werden, die obangezeigten Irrtümer der Widersacher umzustoßen

Dieweil denn kein Mensch aus seinen Kräften Gottes Gesetz zu halten vermag, und sind alle unter der Sünde, schuldig des ewigen Zornes und Todes, so könnten wir durch das Gesetz der Sünde nicht los noch vor Gott fromm werden, sondern es ist verheißen Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum, welcher für uns gegeben ist, daß er die Sünden der Welt bezahlte, und ist der einige Mittler und Erlöser.

Und diese Verheißung lautet nicht also: Durch Christum habt ihr Gnade, Heil usw., wo ihr’s verdient, sondern lauter aus Gnade bietet er an Vergebung der Sünden, wie Paulus sagt: „So aus den Werken Vergebung der Sünden ist, so ist’s nicht Gnade.“ Und an einem andern Ort: „Diese Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist ohne Gesetz offenbart“, das ist, umsonst wird Vergebung der Sünden angeboten. Und darum liegt’s nicht an unserm Verdienst, daß wir Gott versöhnt werden.

Denn wenn’s an unserm Verdienst läge, Vergebung der Sünden und die Versöhnung Gottes aus dem Gesetz wäre, so wäre es verloren und wären wir wahrlich übel Gott vereinigt und versöhnt. Denn wir halten das Gesetz nicht und vermögen es nicht zu halten; so würde folgen, daß wir auch die zugesagte Gnade und Versöhnung nimmermehr erlangten. Denn also schließt Paulus zu den Römern am 4, 14: „So aus dem Gesetz das Erbe ist, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist ab.“ So sich nun die Verheißung gründete auf unser Verdienst und auf das Gesetz, so folgte, dieweil wir das Gesetz nicht halten können, daß die Verheißung vergeblich wäre.

So wir aber vor Gott fromm und gerecht werden allein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, die in Christo verheißen ist, erfolgt, daß wir durch unsere Werke nicht fromm werden. Denn was wäre sonst der herrlichen göttlichen Verheißungen vonnöten, und was dürfte Paulus die Gnade so hoch heben und preisen? Derhalben lehrt, rühmt, predigt und preist das Evangelium die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt an Christum, welche nicht eine Gerechtigkeit des Gesetzes ist.

So lehrt auch das Gesetz davon nichts, und ist gar viel eine höhere Gerechtigkeit, denn des Gesetzes Gerechtigkeit ist. Denn das Gesetz fordert von uns unsere Werke und will haben, daß wir inwendig im Herzen gottesfürchtig und ganz rechtschaffen sind. Aber die göttliche Zusage, die bietet uns an, als denjenigen, die von der Sünde und Tode überwältigt sind, Hilfe, Gnade und Versöhnung um Christus’ willen, welche Gnade niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christum.

Derselbe Glaube bringt noch schenkt Gott dem Herrn kein Werk, kein eigen Verdienst, sondern baut bloß auf lauter Gnade und weiß sich nichts zu trösten noch zu verlassen denn allein auf Barmherzigkeit, die verheißen ist in Christo. Derselbe Glaube nun, da ein jeder für sich glaubt, daß Christus für ihn gegeben ist, der erlangt allein Vergebung der Sünden um Christus’ willen und macht uns vor Gott fromm und gerecht. Und dieweil derselbe in rechtschaffener Busse ist, unsere Herzen auch im Schrecken der Sünde und des Todes wieder aufrichtet, so werden wir durch denselben neugeboren, und kommt durch den Glauben der Heilige Geist in unser Herz, welcher unsere Herzen erneuert, daß wir Gottes Gesetz halten können, Gott recht lieben, gewißlich fürchten, nicht wanken noch zweifeln, Christus sei uns gegeben, er erhöre unser Rufen und Bitten, und daß wir in Gottes Willen uns fröhlich geben können auch mitten im Tode.

Also derselbe Glaube, der aus Gnaden umsonst empfängt und erlangt Vergebung der Sünde, ist rechtschaffen, der gegen Gottes Zorn nicht sein Verdienst oder Werk setzt, welches ein Federlein gegen einen Sturmwind wäre, sondern der Christum der Mittler darstellt; und derselbe Glaube ist eine rechte Erkenntnis Christi. Wer also glaubt, der erkennt die große Wohltat Christi und wird eine neue Kreatur; und ehe ein solcher Glaube im Herzen ist, kann niemand das Gesetz erfüllen.

Von demselben Glauben und Erkenntnis Christi ist nicht eine Syllabe, nicht ein Tüttel in allen Büchern der Widersacher. Darum schelten wir auch die Widersacher, daß sie allein das Gesetz lehren von unsern Werken und nicht das Evangelium, das da lehrt, daß man gerecht werde, wenn man an Christum glaubt. Was der Glaube sei, der vor Gott fromm und gerecht macht.

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.  Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.  Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , | Leave a comment

Der Tag, der ist so freudenreich (6.Tag in Weihnachten)

Der Tag, der ist so freudenreich aller Kreature; denn Gottes Sohn vom Himmelreich über die Nature von einer Jungfrau ist geborn. Maria, Du bist auserkorn, daß Du Mutter wärest. Was geschah so wunderlich? Gottes Sohn vom Himmelreich, der ist Mensch geboren.

Ein Kindelein so löbelich ist uns geboren heute von einer Jungfrau säuberlich zu Trost uns armen Leuten. Wär uns das Kindlein nicht geborn, so wären wir allzumal verlorn; das Heil ist unser aller. – Ei du süßer Jesu Christ, daß Du Mensch geboren bist! Behüt uns vor der Höllen.

Als die Sonn durchscheint das Glas mit ihrem klaren Scheine – und doch nicht versehret das, so merket allgemeine: zu gleicher Weis geboren ward von einer Jungfrau rein und zart – Gottes Sohn, der werte. In ein Kripp ward er gelegt, – große Marter für uns leid’ –
hie auf dieser Erden.

Gott sollen wir auch danken schon um seine großen Gaben, die wir sein´ allerliebsten Sohn von ihm empfangen haben in eines Kindeleins Gestalt, der doch regiert mit aller Gewalt im Himmel und auf Erden. Dem sei Lob, Ehr und Preis bereit´ samt Heiligem Geist in Ewigkeit von allen Kreaturen.

Nach dem mittelalterlichen “Dies est laetitiae” 1-2 (15Jhd); 3 (1544) und 4 (1525) (LKG 89)

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Fortlaufende Lese

Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt  37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.  38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.  39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.  40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm. 

Lukas 2,36-40

Morgenlese

Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. 45 Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. 46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. 47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette. 48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. 49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. 50 Und ich weiß: Sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: Was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat. 

Johannes 12,44-50

Abendlese

Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. 6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; 7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 8 Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. 9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse. 

2. Korinther 5,1-10

Bekenntnislese

Apologie 4,19-35: Von der Rechtfertigung

Daß sie aber einen Unterschied erdichten unter dem meritum congrui und meritum condigni, unter dem gebührlichen Verdienst und rechtem, ganzem Verdienst, spielen und zanken sie allein mit Worten, damit sie sich nicht öffentlich als Pelagianer merken lassen. Denn so Gott von Not muß Gnade geben um Gebührverdienst, so ist es nicht Gebührverdienst, sondern eine rechte Pflicht und ganz Verdienst, wiewohl sie selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn sie erdichten und träumen, daß, wenn der habitus der Liebe Gottes (davon oben gesagt), da ist, so verdiene der Mensch gebührlich oder mit ganzem Verdienst die Gnade Gottes, und sagen doch, es könne niemand so gewiß sein, ob derselbe habitus da sei.

Nun hört, liebe Herren, wie wissen sie denn, oder wann wissen wie es, ob sie gebührlich oder durch ganz Verdienst, für voll oder halb, unserm Herrgott seine Gnade abverdienen? Aber, ach lieber Herr Gott! das sind eitel kalte Gedanken und Träume müßiger, heilloser, unerfahrener Leute, welche die Bibel nicht viel in Praktiken bringen, die gar nicht wissen noch erfahren, wie einem Sünder ums Herz ist, was Anfechtungen des Todes oder des Teufels sind, die gar nicht wissen, wie rein wir alles Verdienstes, aller Werke vergessen, wenn das Herz Gottes Zorn fühlt, oder das Gewissen in Ängsten ist. Die sicheren, unerfahrenen Leute gehen wohl immer dahin in dem Wahn, als verdienten sie mit ihren Werken de congruo Gnade. Denn es ist ohne das uns angeboren natürlich, daß wir von uns selbst und unsern Werken gern etwas viel wollten halten. Wenn aber ein Gewissen recht seine Sünde und Jammer fühlt, so ist aller Scherz, so sind alle Spielgedanken aus, und ist eitel großer, rechter Ernst; da läßt sich kein Herz noch Gewissen stillen noch zufriedenstellen, sucht allerlei Werke und abermals Werke und wollte gern Gewißheit, wollte gern Grund fühlen und gewiß auf etwas fußen und ruhen. Aber dieselben erschrockenen Gewissen fühlen wohl, daß man de condigno noch de congruo nichts verdienen kann, sinken bald dahin in Verzagen und Verzweiflung, wenn ihnen nicht ein anderes Wort denn des Gesetzes Lehre, nämlich das Evangelium von Christo, daß der für uns gegeben ist, gepredigt wird. Daher weiß man etliche Historien, daß die Barfüssermönche, wenn sie etlichen guten Gewissen in der Todesstunde lange haben umsonst ihren Orden und gute Werke gelobt, daß sie zuletzt haben müssen ihres Ordens und St. Franzisken schweigen und dies Wort sagen: Lieber Mensch, Christus ist für dich gestorben! daß hat in Ängsten erquickt und erkühlt, Frieden und Trost allein gegeben.

Also lehren die Widersacher nichts denn eine äußerliche Frömmigkeit äußerlicher guter Werke, welche Paulus des Gesetzes Frömmigkeit nennt, und sehen also, wie die Juden, das verdeckte Angesicht Mosis, tun nichts, denn daß sie in etlichen sicheren Heuchlern die Sicherheit und Härtigkeit stärken, führen die Leute auf einen Sandgrund, aus ihre eigenen Werke, dadurch Christus und das Evangelium verachtet wird, geben manchen elenden Gewissen Ursache zur Verzweiflung; denn sie tun gute Werke auf ungewissen Wahn, erfahren nimmer, wie ein groß, kräftig Ding der Glaube ist, fallen zuletzt ganz in Verzweiflung.

Wir halten und reden von der äußerlichen Frömmigkeit also, daß Gott wohl fordert und haben will ein solch äußerlich ehrbar Leben, und um Gottes Gebotes willen müsse man dieselben guten Werke tun, welche in den zehn Geboten werden geboten. Denn das Gesetz ist unser Zuchtmeister und das Gesetz ist den Ungerechten gegeben. Denn Gott der Herr will, daß den groben Sünden durch eine äußerliche Zucht gewehrt werde, und dasselbe zu erhalten, gibt er Gesetze, ordnet Obrigkeit, gibt gelehrte, weise Leute, die zum Regiment dienen.

Und also äußerlich ehrbaren Wandel und Leben zu führen, vermag etlichermaßen die Vernunft aus ihren Kräften, wiewohl sie oft durch angeborne Schwachheit und durch List des Teufels auch daran gehindert wird.

Wiewohl ich nun einem solchen äußerlichen Leben und den guten Werken gerne so viel Lobes lasse, als ihm gebührt; denn in diesem Leben und im weltlichen Wesen ist je nichts Besseres denn Redlichkeit und Tugend, wie denn Aristoteles sagt, daß weder der Morgenstern noch Abendstern lieblicher und schöner sei denn Ehrbarkeit und Gerechtigkeit, wie denn Gott solche Tugend auch belohnt mit leiblichen Gaben: so soll man doch gute Werke und solchen Wandel nicht also hoch haben, daß es Christo zur Schmach gereiche.

Denn also schließe ich und bin des gewiß: erdichtet ist’s und nicht wahr, daß wir durch unsere Werke sollten Vergebung der Sünden verdienen.

Auch ist’s Lüge und nicht wahr, daß ein Mensch vor Gott könne gerecht und fromm werden durch seine Werke und äußerliche Frömmigkeit.

Auch ist es Ungrund und nicht wahr, daß die menschliche Vernunft aus ihren Kräften vermögen sollte, Gott über alles zu lieben, sein Gebot zu halten, ihn zu fürchten, gewiß darauf zu stehen, daß Gott das Gebet erhöre, Gott zu danken und gehorsam zu sein in Trübsalen und anderem, was Gottes Gesetz gebietet, als, nicht fremdes Gut begehren usw. Denn das alles vermag die Vernunft nicht, wiewohl sie äußerlich ehrbares Leben und gute Werke etlichermaßen vermag.

Auch ist es erdichtet und nicht wahr und eine Lästerung wider Christum, daß diejenigen sollten ohne Sünde sein, die Gottes Gebote allein äußerlich halten ohne Geist und Gnade im Herzen.

Dieses meines Beschlusses habe ich Zeugnis nicht allein aus der Heiligen Schrift, sondern auch aus den alten Vätern. Augustinus redet und handelt solches aufs allerreichlichste wider die Pelagianer, daß die Gnade nicht gegeben wird um unsers Verdienstes willen. Und im Buche De Natura et Gratia, das ist, von der Natur und Gnade, sagt er also: „So das Vermögen der Natur durch den freien Willen genug ist, beide, zu erkennen, wie man leben soll, und also recht zu leben, so ist Christus umsonst gestorben. Warum sollte ich hier auch nicht rufen und schreien mit Paulo?

Ich mag billig schreien: „Ihr habt Christum verloren, die ihr durch des Gesetzes Werke gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.’ Denn ihr erkennt die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachtet eure eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und seid der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Denn wie das Ende des Gesetzes Christus ist, also ist auch der Heiland der verderbten Natur Christus.

Item, Joh. 8, 36: „So euch der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei.’“ Derhalben können wir durch die Vernunft oder unsere guten Werke nicht frei werden von den Sünden oder Vergebung der Sünden verdienen. Item, Joh. am 3, 5 steht geschrieben: „Es sei denn, daß jemand neugeboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ So nun das dazu gehört, daß wir durch den Heiligen Geist müssen neugeboren werden, so werden uns unsere guten Werke oder eigen Verdienst nicht rechtfertig machen vor Gott, so können wir das Gesetz nicht halten noch erfüllen.

Item, Röm. 3, 23: „Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollten“, das ist, ihnen mangelt die Weisheit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, dadurch sie Gott recht erkennen, groß achten und preisen sollten. Item, Röm. 8, 7. 8: „Fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich gesinnet sind, mögen Gott nicht gefallen.“

Das sind so gar klare, helle Sprüche der Schrift, daß sie nicht so scharfes Verstandes bedürfen, sondern allein, daß man’s lese und die klaren Worte wohl ansehe, wie auch Augustinus in der Sache sagt. Ist nun die Vernunft und fleischlich gesinnt sein eine Feindschaft wider Gott, so kann kein Mensch ohne den Heiligen Geist herzlich Gott lieben. Item, ist fleischlich gesinnt sein wider Gott, so sind wahrlich die besten guten Werke unrein und Sünden, die immer ein Adamskind tun mag. Item, kann das Fleisch Gottes Gesetz nicht untertan sein, so sündigt wahrlich auch ein Mensch, wenn er gleich edle, schöne, köstliche gute Werke tut, die die Welt groß achtet.

Die Widersacher sehen allein die Gebote an der andern Tafel Mosis, die da auch von der äußerlichen Ehrbarkeit redet, welche die Vernunft besser vernimmt, und wollen wähnen, mit solchen äußerlichen guten Werken halten sie Gottes Gesetz. Sie sehen aber die erste Tafel nicht an, welche gebietet und von uns haben will, daß wir Gott herzlich sollen lieben, daran gar nicht wanken noch zweifeln sollen, daß Gott um der Sünde willen zürne, daß wir Gott herzlich fürchten sollen, daß wir uns gewiß in unsern Herzen sollen darauf verlassen, Gott sei nicht ferne, er erhöre unser Gebet usw. Nun sind wir, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, alle der Art aus Adam, daß unser Herz in Sicherheit Gottes Zorn, Urteil und Dräuen verachtet, seinem Urteil und Strafen gehässig und feind ist.

So nun alle Adamskinder in so großen Sünden geboren werden, daß wir alle von Art Gott verachten, sein Wort, seine Verheißung und Dräuen in Zweifel setzen, so müssen wahrlich unsere besten guten Werke, die wir tun, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, sündliche und verdammte Werke vor Gott sein, wenn sie gleich vor der Welt schön sind; denn sie gehen aus einem bösen, gottlosen, unreinen Herzen, wie Paulus sagt Röm. 14, 23: „Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde.“ Denn alle solche Werkheilige tun Werke ohne Glauben, verachten Gott im Herzen und glauben als wenig, daß Gott sich ihrer annehme, als Epikurus geglaubt hat. Die Verachtung Gottes inwendig muß je die Werke unflätig und sündlich machen, wenn sie gleich vor den Leuten schön sind; denn Gott forscht die Herzen.

Apostolische Glaubensbekenntnis

Credo in Deum,
Patrem omnipotentem,
Creatorem caeli et terrae.

Et in Iesum Christum,
Filium eius unicum, Dominum nostrum:
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos:
tertia die resurrexit a mortuis;
ascendit ad caelos;
sedet ad dexteram Dei
Patris omnipotentis:
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Credo in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
Sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam aeternam.
Amen.

Textfassung aus dem Missale Romanum von 1970.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6, 9-13

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , , | Leave a comment

1. Sonntag nach Weihnachten

“Flucht nach Ägypten” Meuhlhäusener Altar, Bamberger Dom

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1,14b

Introitus

HERR, ich traue auf dich, lass mich nimmermehr zuschanden werden. 2 Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir! 3 Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, / der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. 

12 Gott, sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile, mir zu helfen! 

14 Ich aber will immer harren und mehren all deinen Ruhm. 15 Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit, täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann. 16 Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. 17 Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. 18 Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen. 

Psalm 71,1-3.12.14-18

Alttestamentliche Lese

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. 14 Zion aber sprach: Der HERR hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. 15 Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. 16 Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.

Jesaja 49,13-16

Kollekte

O allmächtiger, ewiger Gott: regiere all unser Werk und Tun nach Deinem Wohlgefallen auf Daß wir durch Deinen lieben Sohn reich werden an guten Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.28

Epistolische Lektion

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

1. Johannes 1,1-4

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unsers Gottes. Halleluja.

Psalm 98,3

Evangelium

Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn: »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, 24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« 25 Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. 26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus[4] des Herrn gesehen. 27 Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, 32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. 33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. 34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – 35 und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden. 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft[5] hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt 37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. 40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm. 

Lukas 2,22-40

Predigttext

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«
19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten 20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. 21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er einen Befehl und zog ins galiläische Land 23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer[4] heißen. 

Matthäus 2,13-23

Graduallied

2. Siehe, siehe, meine Seele, wie Dein Heiland kommt zu Dir, brennt in Liebe für und für, dass er in der Krippen Höhle harte lieget Dir zugut, Dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

3. Jesu, wie soll ich Dir danken? Ich bekenne, dass von Dir meine Seligkeit herrühr, so lass mich von Dir nicht wanken. Nimm mich Dir zu Eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

4. Jesu, nimm Dich Deiner Glieder ferner noch in Gnaden an; schenke, was man bitten kann, und erquick uns alle wieder; gib der ganzen Christenschar Frieden und ein seligs Jahr. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne.

Christian Keimann 1646

Bekenntnis der Christenheit

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Kirchengebet

Du hast überlebt, Du bist unser Leben, Jesus Christus, Du Kind in der Krippe.
Auf Dich hoffen wir und rufen zu Dir: Hilf uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.

Du hast die Mörder überlebt, weil Josef wachsam war. Wir bitten dich für die Wachsamen, die die Zeichen der Zeit erkennen, die bedrohtes Leben beschützen, die aufbrechen.

Wir bitten dich für die Fürsorglichen, die ihre Herzen für die Bedrohten öffnen, die Orte der Barmherzigkeit schaffen, die den Worten der Engel Gottes trauen. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast überlebt, während andere Kinder ihr Leben verloren. Wir bitten dich für die Kinder in Gefahr, bedroht von Bomben und Drohnen, auf der Flucht vor Hunger und Gewalt, verloren in Sprachlosigkeit und Schmerz.

Wir bitten dich für die Eltern, die sich um das Leben ihrer Kinder sorgen, die verzweifelt hoffen, die weinen und trauern. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast Herodes überlebt, weil auch die Tage von Gewaltherrschern gezählt sind. Wir bitten dich für die Opfer der Diktatoren, die verschleppt, gefoltert und ermordet werden. Wir bitten dich für die Mutigen,  die sich selbst befreien  und die Macht der brutalen Herrscher abschütteln.

Wir bitten dich für die Mächtigen, die das Morden beenden können, die dem Frieden dienen, die deine Gebote achten. Wir bitten dich Wir rufen zu dir: Hilf uns aus …

Du hast überlebt, damit wir leben. Wir bitten dich für unsere Kranken, für die Trauernden, die Einsamen und die,  denen diese Feiertage zur Qual werden. Wir bitten dich für unsere Kinder um Schutz und Geborgenheit, wie du sie erfahren hast. Wir bitten dich für alle,  die uns lieb sind. 

Du hast überlebt und mit allen, die an dich glauben, freuen wir uns über dein Wort und Leben. Wir rufen zu dir: Hilf uns aus … Amen.

VELKD: Sonntagsgebet

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , | Leave a comment

28. Dezember: Tag der unschuldigen Kindlein

The Rennaisance painting “The Massacre of the Innocents” painted by Peter Paul Rubens between 1609 and 1611. (AP Photo)

Introitus

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erden, der Du Deinen Glanz über die Himmel legst! Aus dem Munde der Kindern und Säuglingen hast Du Dir eine Macht zugerichtet, um Deiner Feinde willen, den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen zu bringen. Wenn ich Deinen Himmel betrachte, das Werk Deiner Finger, den Mond und die Sterne, die Du gemacht hast: was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst? Du hast ihn ein wenig Gottes mangeln lassen; aber mit Ehre und Schmuck hast Du ihn gekrönt. Du lässest ihn herrschen über die Werke Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gelegt: Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, ja, was auf den Pfanden der Meere zieht. Jehova, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde.  

Psalm 8

Alttestamentliche Lese 

So spricht der HERR: Man hört Klagegeschrei und bittres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder; denn es ist aus mit ihnen. 16 Aber so spricht der HERR: Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird belohnt werden, spricht der HERR. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, 17 und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen. 

Jeremia 31,15-17

Kollekte

Allmächtiger Gott, der Du in großen und gewaltigen Werken Deine Herrlichkeit offenbarest und durch die Unmündigen und Geringen noch in ihrem Sterben Wunder tust: mache uns bereit, uns Deinem Willen zu fügen und unser Leben für Deinen Sohn zu opfern. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.26

Epistolische Lektion

Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. 3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, 4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße. 5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron. 6 Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, dass sie dort ernährt werde tausendzweihundertsechzig Tage.

Offenbarung 12,1-6

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.

Psalm 98,3

Evangelium

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«

16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«

Matthäus 2,13-18

Graduallied

2. zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.«

3. Des sollt Ehr alle fröhlich sein, dass Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eu’r Fleisch und Blut, Eu’r Bruder ist das ewig Gut.

4. Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; lasst zürnen Teufel und die Höll, Gotts Sohn ist worden Eu’r Gesell.

5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt Ihr auf ihn Eu’r Zuversicht; es mögen euch viel fechten an: dem sei Trotz, der’s nicht lassen kann.

6. Zuletzt müsst Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.

Martin Luther 1543

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Bekenntnislese: Apologie 2,42-4,18

Von der Erbsünde (verf)

Und wenn die Widersacher werden vorgeben, daß fomes oder die böse Neigung weder gut noch böse sei, da werden nicht allein viele Sprüche der Schrift dawider sein, sondern auch die ganze Kirche und alle Väter. Denn alle erfahrenen, christlichen Herzen wissen, daß diese Stücke leider uns in der Haut stecken, angeboren sind, nämlich daß wir Geld, Gut und alle andern Sachen größer denn Gott achten, sicher dahingehen und leben; item, daß wir immer nach Art fleischlicher Sicherheit also gedenken, Gottes Zorn und Ernst sei nicht so groß über die Sünde, als er doch gewiß ist; item, daß wir den edlen, unaussprechlichen Schatz des Evangelii und Versöhnung Christi nicht herzlich so teuer und edel achten, als er ist; item, daß wir wider Gottes Werk und Willen murren, daß er in Trübsalen nicht bald hilft und macht’s, wie wir wollen.

Item, wir erfahren täglich, daß es uns wehe tut, wie auch David und alle Heiligen geklagt, daß es den Gottlosen in dieser Welt wohl geht. Darüber fühlen alle Menschen, wie leicht ihr Herz entbrennt, jetzund mit Ehrgeiz, dann mit Grimm und Zorn, dann mit Unzucht. So nun die Widersacher selbst bekennen müssen, daß solcher Unglaube, solcher Ungehorsam wider Gott im Herzen ist, wennschon nicht ganze Verwilligung (wie sie davon reden), sondern allein die Neigung und Lust da ist, wer will so kühn sein, daß er diese groben Stücke weder böse noch gut achte? Nun sind die klaren Psalmen und klaren Worte der Propheten da, daß die bekennen, daß sie sich also fühlen. Aber die Sophisten in Schulen haben zu dieser Sache wider die klare, öffentliche Schrift geredet und aus der Philosophie ihre eigenen Träume und Sprüche erdichtet, sagen, daß wir um der bösen Lüste willen weder böse noch gut, noch zu schelten noch zu loben sind; item, daß Lüste und Gedanken inwendig nicht Sünde sind, wenn ich nicht ganz drein verwillige. Dieselben Reden und Worte in der Philosophen Büchern sind zu verstehen von äußerlicher Ehrbarkeit vor der Welt und auch von äußerlicher Strafe vor der Welt. Denn da ist’s wahr, wie die Juristen sagen: L. cogitationis, „Gedanken sind zollfrei und straffrei“. Aber Gott erforscht die Herzen; mit Gottes Gericht und Urteil ist’s anders. Also flicken sie auch an diese Sache andere ungereimte Sprüche, nämlich: Gottes Geschöpf und die Natur könne an ihr selbst nicht böse sein. Das fechte ich nicht an, wenn es irgend geredet wird, da es statthat; aber dazu soll dieser Spruch nicht angezogen werden, die Erbsünde gering zu machen.

Und dieselben Sprüche der Sophisten haben viel unsäglichen Schaden getan, durch welche sie die Philosophie und die Lehre, welche äußerliches Leben vor der Welt belangen, vermischen mit dem Evangelio und haben doch solches nicht allein in der Schule gelehrt, sondern auch öffentlich unverschämt vor dem Volk gepredigt. Und die ungöttlichen, irrigen, gefährlichen, schädlichen Lehren hatten in aller Welt überhandgenommen; da ward nichts gepredigt denn unser Verdienst in aller Welt; dadurch ward die Erkenntnis Christi und das Evangelium ganz unterdrückt.

Derhalben hat D. Luther aus der Schrift lehren und erklären wollen, wie eine große Todesschuld die Erbsünde vor Gott sei, und wie in großem Elend wir geboren werden, und daß die übrige Erbsünde, so nach der Taufe bleibt, an ihr selbst nicht indifferens sei, sondern bedarf des Mittlers Christi, daß sie uns Gott nicht zurechne, und ohne Unterlaß des Lichtes und Wirkung des Heiligen Geistes, durch welchen sie ausgefegt und getötet werde.

Wiewohl nun die Sophisten und Scholastici anders lehren und beide von der Erbsünde und von derselben Strafe der Schrift ungemäß lehren, da sie sagen, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gottes Gebote zu halten, so wird doch die Strafe, so Gott auf Adams Kinder auf die Erbsünde gelegt, im ersten Buch Mosis viel anders beschrieben. Denn da wird die menschliche Natur verurteilt nicht allein zum Tod und zu anderem leiblichen Übel, sondern dem Reich des Teufels unterworfen. Denn da wird dieses schreckliche Urteil gefällt: „Ich will Feindschaft zwischen dir und dem Weibe, zwischen ihrem Samen und deinem Samen setzen“ usw.

Der Mangel erster Gerechtigkeit und die böse Lust sind Sünde und Strafe. Der Tod aber und die andern leiblichen übel, die Tyrannei und Herrschaft des Teufels sind eigentlich die Strafen und poenae der Erbsünde. Denn die menschliche Natur ist durch die Erbsünde unter des Teufels Gewalt dahingegeben und ist also gefangen unter des Teufels Reich, welcher manchen großen, weisen Menschen in der Welt mit schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer Blindheit betäubt und verführt und sonst die Menschen zu allerlei Lastern dahinreißt.

Wie es aber nicht möglich ist, den listigen und gewaltigen Geist, Satan, zu überwinden ohne die Hilfe Christi, also können wir uns aus eigenen Kräften aus dem Gefängnis auch nicht helfen. Es ist in allen Historien vom Anfang der Welt zu sehen und zu finden, wie eine unsäglich große Gewalt das Reich des Teufels sei. Man sieht, daß die Welt vom Höchsten bis zum Niedrigsten voll Gotteslästerung, voll großer Irrtümer, gottloser Lehre wider Gott und sein Wort ist. In den starken Fesseln und Ketten hält der Teufel jämmerlich gefangen viel weise Leute, viel Heuchler, die von der Welt heilig scheinen. Die andern führt er in andere grobe Laster: Geiz, Hoffart usw.

So uns nun Christus darum gegeben ist, daß er dieselben Sünden und schweren Strafen der Sünden wegnehme, die Sünde, den Tod, des Teufels Reich uns zugut überwinde, kann niemand herzlich sich freuen des großen Schatzes, niemand die überschwenglichen Reichtümer der Gnade erkennen, er fühle denn von erst dieselbe Last, unser angebornes großes Elend und Jammer. Darum haben unsere Prediger von dem nötigen Artikel mit allem höchsten Fleiße gelehrt und haben nichts Neues gelehrt, sondern eitel klare Worte der Heiligen Schrift und gewisse Sprüche der Väter, Augustini und der andern.

Dieses, achten wir, solle die kaiserliche Majestät ihr billig lassen genug sein wider das lose; kindische, ungegründete Vorbringen der Widersacher, durch welches sie der unsern Artikel ohne Ursache ganz unbillig anfechten. Denn sie singen, sagen, wieviel, was und wie lange sie wollen, so wissen wir eigentlich das und sind’s fürwahr gewiß, daß wir christlich und recht lehren und mit der gemeinen christlichen Kirche gleich stimmen und halten. Werden sie darüber weiter mutwilligen Zank einführen, so sollen sie sehen, es sollen hier, will’s Gott, Leute nicht fehlen, die ihnen antworten und die Wahrheit dennoch erhalten. Denn die Widersacher wissen das mehrere Teil nicht, was sie reden. Denn wie oft reden und schreiben sie ihnen selbst Widerwärtiges? Verstehen auch ihre eigene Dialektika nicht vom Formal der Erbsünde, das ist, was eigentlich an ihrem Wesen die Erbsünde sei oder nicht sei, was auch der Mangel der ersten Gerechtigkeit sei. An diesem Ort aber haben wir nicht wollen von ihrer zänkischen Disputation subtiler oder weiter reden, sondern allein die Sprüche und Meinung der heiligen Väter, welchen wir auch gleichförmig lehren, mit klaren, gemeinen verständlichen Worten erzählen wollen.

Artikel III. Von Christo

Den dritten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da wir bekennen, daß in Christo zwei Naturen sind, nämlich, daß Gottes Sohn die menschliche Natur hat angenommen und also Gott und Mensch eine Person, ein Christus ist; und daß derselbe für uns hat gelitten und ist gestorben, uns dem Vater zu versöhnen; und daß er auferstanden ist, daß er ein ewig Reich besitze alle Gläubigen heilige und gerecht mache usw., wie das Credo der Apostel und Symbolum Nicänum lehrt.

Artikel IV. Wie man vor Gott fromm und gerecht wird

Im vierten, fünften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, daß wir lehren, daß die Gläubigen Vergebung der Sünden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides. Erstlich, daß wir nein dazu sagen, daß den Menschen durch ihre Verdienst sollten die Sünden vergeben werden. Zum andern, daß wir halten, lehren und bekennen, daß niemand Gott versöhnt wird, niemand Vergebung der Sünden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum.

Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also daß an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, beständigen, gewissen Trost haben oder die Reichtümer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majestät wolle von dieser großen, tapferen, hochwichtigen Sache nach Notdurft und gnädig uns hören.

Denn dieweil die Widersacher gar nicht verstehen noch wissen, was durch diese Worte in der Schrift zu verstehen, was Vergebung der Sünden sei, was Glaube, was Gnade, was Gerechtigkeit sei, so haben sie diesen edeln, hochnötigen, vornehmsten Artikel, ohne welchen niemand Christum erkennen würde, jämmerlich besudelt und den hohen, teuren Schatz der Erkenntnis Christi, oder was Christus und sein Reich und Gnade sei, gar unterdrückt und den armen Gewissen einen solchen, so edeln, großen Schatz und ewigen Trost, daran es gar gelegen, jämmerlich geraubt.

Daß wir aber unser Bekenntnis bekräftigen und was die Widersacher vorgebracht, widerlegen mögen, so wollen wir zuvor erst anzeigen Grund und Ursache beiderlei Lehre, damit jeder Teil klarer zu vernehmen sei.

Die ganze Schrift beide Alten und Neuen Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheißungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheißt den zukünftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Neuen Testament, wenn Christus, seitdem er gekommen ist auf Erden, im Evangelio verheißt Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.

Hier aber, an dem Orte, nennen wir das Gesetz die zehn Gebote Gottes, wo dieselben in der Schrift gelesen werden. Von den Zeremonien und den Gesetzen der Gerichtshändel wollen wir hier nicht reden.

Von diesen zwei Stücken nehmen nun die Widersacher das Gesetz vor sich. Denn dieweil das natürliche Gesetz, welches mit dem Gesetz Mosis oder den zehn Geboten übereinstimmt, in aller Menschen Herzen angeboren und geschrieben ist, und also die Vernunft etlichermaßen die zehn Gebote fassen und verstehen kann, will sie wähnen, sie habe genug am Gesetz, und durchs Gesetz könne man Vergebung der Sünden erlangen.

Die zehn Gebote aber erfordern nicht allein ein äußerlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft etlichermaßen vermag zu tun, sondern erfordern etwas viel Höheres. welches über alle menschlichen Kräfte, über alles Vermögen der Vernunft ist; nämlich will das Gesetz von uns haben, daß wir Gott sollen mit ganzem Ernst von Herzensgrund fürchten und lieben, ihn in allen Nöten allein anrufen und sonst auf nichts einigen Trost setzen. Item, das Gesetz will haben, daß wir nicht weichen noch wanken sollen, sondern aufs allergewisseste im Herzen schließen, daß Gott bei uns sei, unser Gebet erhört, und daß unser Seufzen und Bitten Ja sei; item, daß wir von Gott noch Leben und allerlei Trost erwarten sollen mitten im Tode, in allen Anfechtungen seinem Willen uns gänzlich anheimgeben, in Tod und Trübsal nicht von ihm fliehen, sondern ihm gehorsam sein, gerne alles tragen und leiden, wie es uns geht.

Hier haben die Scholastici den Philosophis gefolgt, und wenn sie wollen sagen, wie man vor Gott fromm wird, lehren sie allein eine Gerechtigkeit und Frömmigkeit, da ein Mensch äußerlich vor er Welt ein ehrbar Leben führt und gute Werke tut, und erdichten diesen Traum dazu, daß die menschliche Vernunft ohne den Heiligen Geist vermöge Gott über alles zu lieben. Denn wohl ist’s wahr, wenn ein Menschenherz müßig ist und nicht in Anfechtungen, und dieweil es Gottes Zorn und Gericht nicht fühlt, so mag es einen solchen Traum ihm erdichten, als liebe es Gott über alles und tue viel Gutes, viele Werke um Gottes willen; aber es ist eitel Heuchelei. Und auf die Weise haben doch die Widersacher gelehrt, daß die Menschen Vergebung der Sünden verdienen, wenn sie so viel tun, als an ihnen ist, das ist, wenn die Vernunft ihr läßt die Sünde leid sein und erdichtet einen Willen dazu, Gott zu lieben.

Und diese Meinung und irrige Lehre, dieweil die Leute natürlich dazu geneigt sind, daß ihre Verdienste und Werke vor Gott etwas geachtet und verdienen möchten, hat unzählig viel mißbräuchliche Gottesdienste in der Kirche angerichtet und geursacht, als da sind die Klostergelübde, Mißbräuche der Messe, wie denn solches unzählig, immer ein Gottesdienst über den andern, aus diesem Irrtum erdacht ist.

Und daß nur solch Vertrauen auf unsere Verdienste und Werke immer weiter ausgebreitet worden, haben sie unverschämt dürfen sagen und schließen, Gott der Herr müsse von Not Gnade geben denjenigen, die also gute Werke tun, nicht daß er gezwungen wäre, sondern da dies die Ordnung also sei, die Gott nicht übergehe noch ändere.

Und in diesen Stücken, eben in dieser Lehre, sind viel andere große, ganz schädliche Irrtümer und schreckliche Lästerungen Gottes begriffen und verborgen, welche alle bei Namen zu erzählen jetzt zu lang wäre. Allein das wolle doch um Gottes willen ein jeglicher christlicher Leser bedenken: Können wir durch solche Werke vor Gott fromm und Christen werden, so wollte ich gerne hören (und versucht alle euer Bestes, hier zu antworten), was doch für Unterschied sein wollte zwischen der Philosophen und Christi Lehre. So wir Vergebung der Sünden erlangen mögen durch solche unsere Werke oder actus elicitos, was hilft und dann Christus? Können wir heilig und fromm vor Gott werden durch natürliche Vernunft und unsere eigenen guten Werke, was brauchen wir dann des Blutes und Todes Christi, oder daß wir durch ihn neugeboren werden, wie Petrus 1 Pet. 1, 18ff, sagt?

Und aus dem gefährlichen Irrtum (dieweil man solchen öffentlich in Schulen gelehrt und auf den Predigtstühlen getrieben), ist es leider dahin geraten, daß auch große Theologen zu Löwen, Paris usw. von keiner andern christlichen Frömmigkeit oder Gerechtigkeit gewußt haben (obwohl alle Buchstaben und Syllaben im Paulo anders lehren) denn von der Frömmigkeit, welche die Philosophie lehrt. Und so es uns billig fremd sein sollte, und wir billig sie verlachen sollten, verlachen sie uns, ja verspotten Paulum selbst.

Also gar ist der schändliche, greuliche Irrtum eingerissen. Ich habe selbst einen großen Prediger gehört, welcher Christi und des Evangeliums nicht gedacht und Aristotelis „Ethicorum“ predigte; heißt das nicht kindisch, närrisch unter Christen gepredigt? Aber ist der Widersacher Lehre wahr, so ist das „Ethicorum“ ein köstlich Predigtbuch und eine feine neue Bibel.

Denn von äußerlich ehrbarem Leben wird nicht leicht jemand besser schreiben denn Aristoteles. Wir sehen, daß etliche Hochgelehrte haben Bücher geschrieben, darin sie anzeigen, als stimmten die Worte Christi und die Sprüche Sokratis und Zenonis fein zusammen, gleich als sie Christus gekommen, daß er gute Gesetze und Gebote gebe, durch welche wir Vergebung der Sünden verdienen sollten, und nicht vielmehr Gnade und Frieden Gottes zu verkünden und den Heiligen Geist auszuteilen durch sein Verdienst und Blut.

Darum so wir der Widersacher Lehre annehmen, daß wir Vergebung der Sünden verdienen mögen aus Vermögen natürlicher Vernunft und durch unsere Werke, so sind wir schon aristotelisch und nicht christisch, und ist kein Unterschied zwischen ehrbarem, heidnischem, zwischen pharisäischem und christlichem Leben, zwischen der Philosophie und dem Evangelio.

Wiewohl nun die Widersacher, damit sie des Namens Christi nicht gar als die gottlosen, rohen Heiden schweigen, also vom Glauben reden, daß sie sagen, es sei eine Erkenntnis der Historie von Christo, und wiewohl sie von Christo auch dennoch etwas sagen, nämlich daß er uns verdient habe einen habitum oder, wie sie es nennen, primam gratiam, die erste Gnade, welche sei achten für eine Neigung, dadurch wir dennoch Gott leichter denn sonst lieben können: so ist es doch eine schwache, geringe, kleine, schlechte Wirkung, die Christus also hätte, oder die durch solchen habitus geschähe. Denn sie sagen nichtsdestoweniger, daß die Werke unserer Vernunft und Willens, ehe derselbe habitus da ist, und auch danach, wenn derselbe habitus da ist, eiusdem speciei, das ist, vor und nach einerlei und ein Ding sei. Denn sie sagen, daß unsere Vernunft und menschlicher Wille an ihm selbst vermöge, Gott zu lieben, allein der habitus bringe eine Neigung, daß die Vernunft dasselbe, das sie zuvor wohl vermag, desto lieber und leichter tue. Darum lehren sie auch, daß derselbe habitus müsse verdient werden durch unsere vorgehenden Werke, und daß wir durch die Werke des Gesetzes Vermehrung solcher guten Neigung und das ewige Leben verdienen.

Also verbergen uns die Leute Christum und begraben ihn aufs neue, daß wir ihn nicht für einen Mittler erkennen können. Denn sie schweigen gar, daß wir lauter aus Gnaden, ohne Verdienst Vergebung der Sünden durch ihn erlangen, sondern bringen ihre Träume aus, als könnten wir durch gute Werke und des Gesetzes Werke Vergebung der Sünden verdienen, so doch die ganze Schrift sagt, daß wir das Gesetz nicht vermögen zu erfüllen oder zu halten. Und so die Vernunft am Gesetz nichts ausrichtet, denn daß sie allein äußerliche Werke tut, im Herzen aber fürchtet sie Gott nicht, so glaubt sie auch nicht, daß Gott ihrer wahrnehme. Und wiewohl sie von dem habitus also reden, so ist es doch gewiß, daß ohne den Glauben an Christum rechte Gottesliebe in keinem Herzen sein kann; so kann auch niemand verstehen, was Gottes Liebe ist, ohne den Glauben.

Apologie 2,42-4,18

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , , , | Leave a comment

3. Weihnachtstag: Christum wir sollen loben schon

Codex Aureus von Lorsch

Christum wir sollen loben schon, der reinen Magd Marien Sohn, so weit die liebe Sonne leucht, und an aller Welt Ende reicht.

Der selig Schöpfer aller Ding zog an eins Knechtes Leib gering, daß er das Fleisch durchs Fleisch erwürb und sein Geschöpf nicht alls verdürb.

Die göttlich Gnad vom Himmel groß sich in die keusche Mutter goß; ein Mägdlein trug ein heimlich Pfand, das der Natur war unbekannt.

Das züchtig Haus des Herzens zart gar bald ein Tempel Gottes ward; die kein Mann rühret noch erkannt, von Gottes Wort sie man schwanger fand.

Die edle Mutter hat geboren den Gabriel verhieß zuvorn, den Sankt Johanns mit Springen zeigt, da er noch lag im Mutterleib.

Er lag im Heu mit Armut groß, die krippen hart ihn nicht verdroß; es ward ein’ kleine milch sein speis’, der nie kein vöglein hungern ließ.

Des himmels chör’ sich freuen drob und die engel singen Gott lob, en armen hirten wird vermeld’t  der Hirt und Schöpfer aller welt.

Lob, Ehr’ und Dank sei Dir gesagt, Christ gboren von reiner Magd, mit Vater und dem Heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Hymnus des Bischofs Caelius Sedultius (5. Jhd: A solis ortus cordine), deutsch von Dr. Martin Luther 1524 (LKG 88)

Kollekte

Allmächtiger, barmherziger Vater, der Du das wahrhaftige Licht, unsern Herrn Jesum Christum, in der Welt hast aufgehen und durch Deine Apostel treulich bezeugen lassen: verleihe uns, daß wir durch dieses Licht erleuchtet werden im rechten Glauben zum ewigen Leben. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17

Introitus

Wohl dem, der stets mit Gottes Wort umgeht und dasselbe auslegt und lehrt. Der Herr tut ihm den Mund auf inmitten der Gemeinde.

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen Deinem Namen, Du Höchster, des Morgens Deine Gnade und des Nachts Deine Wahrheit verkündigen. Denn, Herr, Du lassest mich fröhlich singen von Deinem Werken und ich rühme die Geschäfte Deiner Hände. Die gepflanzte sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, werden fruchtbar und frisch sein, daß sie verkündigen, daß der Herr so fromm ist, mein Hort, und ist kein Unrecht an ihm.

Psalm 92,2f.5.14ff

Alttestamenliche Lese

Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, 28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30 da war ich beständig[1] bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. 32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod. 

Sprüche 8,22-36

Epistel

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. 

1. Johannes 1,1-10

Halleluja Vers

Halleluja. Freuet Euch des Herrn, Ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schön preisen. Halleluja.

Evangelium

Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! 20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Da kam unter den Brüdern die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? 24 Dies ist der Jünger, der das bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

Johannes 21,19b-24

Bekenntnislese

Aber danach wollen wir mit mehr Worten anzeigen, daß wir von der Erbsünde, nämlich was dieselbe sei oder nicht, auch auf geübte, alte Weise der Scholastiker und nicht so ungewöhnlich geredet haben. Ich muß aber erst anzeigen, aus was Ursachen ich an dem Ort vornehmlich solcher und nicht anderer Worte habe brauchen wollen. Die Widersacher selbst reden also davon in ihren Schulen und bekennen, daß die Materie oder Materiale der Erbsünde, wie sie es nennen, sei böse Lust. Darum, so ich habe wollen sagen, was Erbsünde sei, ist das nicht zu übergehen gewesen, sonderlich dieser Zeit, da etliche von derselben angebornen bösen Lust mehr heidnisch aus der Philosophie denn nach dem göttlichen Wort oder nach der Heiligen Schrift reden.

Denn etliche reden also davon, daß die Erbsünde an der menschlichen Natur nicht sei eine angeborne böse Art, sondern allein ein Gebrechen und aufgelegte Last oder Bürde, die alle Adamskinder um fremder Sünde willen, nämlich Adams Sünde halben, tragen müssen, und darum alle sterblich seien, nicht daß sie selbst alle von Art und aus Mutterleibe Sünde ererbten. Darüber sagen sie dazu, daß kein Mensch ewig verdammt werde allein um der Erbsünde oder Erbjammers willen, sondern gleichwie von einer leibeigenen Magd leibeigene Leute und Erbknechte geboren werden, nicht ihrer eigenen Schuld halben, sondern daß sie der Mutter Unglücks und Elends entgelten und tragen müssen, so sie doch an ihnen selbst, wie andere Menschen, ohne Wandel geboren werden: so sei die Erbsünde auch nicht ein angebornes Übel, sondern allein ein Gebrechen und Last, die wir von Adam tragen, aber für uns selbst darum nicht in Sünden und Erbungnaden stecken.

Damit ich nun anzeigte, daß uns solche unchristliche Meinung nicht gefiele, habe ich dieser Worte gebraucht: „Alle Menschen von Mutterleibe an sind alle voll böser Lüste und Neigung“ und nenne die Erbsünde auch darum eine Seuche, anzuzeigen, daß nicht ein Stück, sondern der ganze Mensch mit seiner ganzen Natur mit einer Erbseuche von Art in Sünden geboren wird.

Darum nennen wir es auch nicht allein eine böse Lust, sondern sagen auch, daß alle Menschen in Sünden ohne Gottesfurcht, ohne Glauben geboren werden. Dasselbe setzen wir nicht ohne Ursache dazu. Die Schulzänker oder Scholastici, die reden von der Erbsünde, als sei es allein ein leichtes, geringes Gebrechen, und verstehen nicht, was die Erbsünde sei, oder wie es die andern heiligen Väter gemeint haben. Wenn die Sophisten schreiben, was Erbsünde sei, was der fomes oder böse Neigung sei, reden sie unter andern davon, als sei es ein Gebrechen am Leibe, wie sie denn wunderkindisch von Sachen zu reden pflegen, und geben Fragen vor: ob dasselbe Gebrechen aus Vergiftung des verbotenen Apfels im Paradies oder aus Anblasen der Schlange Adam erst angekommen sei; item, ob es mit dem Gebrechen die Arznei je länger, je ärger macht.

Mit solchen zänkischen Fragen haben sie diese ganze Hauptsache und die vornehmste Frage, was die Erbsünde doch sei, gar verwirrt und unterdrückt. Darum, wenn sie von der Erbsünde reden, lassen sie das Größte und Nötigste außen, und unsers rechten, größten Jammers gedenken sie gar nicht, nämlich daß wir Menschen alle also von Art geboren werden, daß wir Gott oder Gottes Werk nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Gott nicht ernstlich fürchten noch vertrauen, seinem Gericht oder Urteil feind sind; item, daß wir alle von Natur vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen zürnen und murren, item, uns auf Gottes Güte gar nicht verlassen noch wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde verlassen. Diese geschwinde Erbseuche, durch welche die ganze Natur verderbt, durch welche wir alle solch Herz, Sinn und Gedanken von Adam ererben, welches stracks wider Gott und das erste, höchste Gebot Gottes ist, übergehen die Scholastici und reden davon, als sei die menschliche Natur unverderbt, vermöge, Gott groß zu achten, zu lieben über alles, Gottes Gebote zu halten usw., und sehen nicht, daß sie wider sich selbst sind.

Denn solches aus eigenen Kräften vermögen, nämlich Gott groß zu achten, herzlich zu lieben, seine Gebote zu halten, was wäre das anders, denn eine neue Kreatur im Paradies, gar rein und heilig sein?

So wir nun aus unsern Kräften so Großes vermöchten, Gott über alles zu lieben, seine Gebote zu halten, wie die Scholastici tapfer dürfen heraussagen, was wäre dann die Erbsünde? Und so wir aus eigenen Kräften gerecht würden, so ist die Gnade Christi vergeblich; was dürften wir auch des Heiligen Geistes, so wir aus menschlichen Kräften Gott über alles lieben und seine Gebote halten können?

Hier steht je jedermann, wie ungeschickt die Widersacher von diesem hohen Handel reden. Sie bekennen die kleinen Gebrechen an der sündlichen Natur, und des allergrößten Erbjammers und Elendes gedenken sie nicht, da doch die Apostel alle über klagen, das die ganze Schrift allenthalben meldet, da alle Propheten über schreien, wie der 14. Psalm und etliche andere Psalmen sagen: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist nicht, der nach Gott fraget; da ist nicht, der Gutes tut, auch nicht einer.“ „Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Otterngift ist unter ihren Lippen. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen“, Ps. 5, 10. So doch auch die Schrift klar sagt, daß uns solches alles nicht angeflogen, sondern angeboren sei.

Dieweil aber die Scholastici unter die christliche Lehre viel Philosophie gemengt und viel von dem Licht der Vernunft und den actibus elicitis reden, halten sie zu viel vom freien Willen und unsern Werken. Darüber haben sie gelehrt, daß die Menschen durch ein äußerlich ehrbar Leben vor Gott, fromm werden, und haben nicht gesehen die angeborne Unreinigkeit inwendig der Herzen,

welche niemand gewahr wird denn allein durch das Wort Gottes, welches die Scholastici in ihren Büchern sehr spärlich und selten handeln. Wir sagen auch wohl, daß äußerlich ehrbar zu leben etlichermaßen in unserm Vermögen stehe, aber vor Gott fromm und heilig zu werden, ist nicht unsers Vermögens.

Das sind die Ursachen, warum ich des Orts, als ich habe wollen sagen, was die Erbsünde sei, der angebornen bösen Lust gedacht habe und gesagt, daß aus natürlichen Kräften kein Mensch vermag Gott zu fürchten oder ihm zu vertrauen. Denn ich habe wollen anzeigen, daß die Erbsünde auch diesen Jammer in sich begreife, nämlich, daß kein Mensch Gott kennt oder achtet, keiner ihn herzlich fürchten oder lieben oder ihm vertrauen kann. Das sind die größten Stücke der Erbsünde, durch welche wir alle aus Adam stracks wider Gott, wider die erste Tafel Mosis und das größte, höchste göttliche Gebot gesinnt und geartet sind.

Und wir haben da nichts Neues gesagt. Die alten Scholastici, so man sie recht versteht, haben auch gleich dasselbe gesagt; denn sie sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Reinigkeit und Gerechtigkeit im Paradies. Was ist aber justitia orginalis oder die erste Gerechtigkeit im Paradies?

Gerechtigkeit und Heiligkeit in der Schrift heißt je nicht allein, wenn ich die andere Tafel Mosis halte, gute Werke tue und dem Nächsten diene, sondern denjenigen nennt die Schrift fromm, heilig und gerecht, der die erste Tafel, der das erste Gebot hält, das ist, der Gott von Herzen fürchtet, ihn liebt und sich auf Gott verläßt.

Darum ist Adams Reinigkeit und unverrücktes Wesen nicht allein eine feine, vollkommene Gesundheit und allenthalben reines Geblüt, unverderbte Kräfte des Leibes gewesen, wie sie davon reden, sondern das Größte an solcher edlen ersten Kreatur ist gewesen ein helles Licht im Herzen, Gott und sein Werk zu erkennen, eine rechte Gottesfurcht, ein recht herzliches Vertrauen gegen Gott und allenthalben ein rechtschaffener, gewisser Verstand, ein feines, gutes, fröhliches Herz gegen Gott und alle göttlichen Sachen.

Und das bezeugt auch die Heilige Schrift, da sie sagt, daß der Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sei. Denn was ist das anders, denn daß göttliche Weisheit und Gerechtigkeit, die aus Gott ist, sich im Menschen bildet, dadurch wir Gott erkennen, durch welche Gottes Klarheit sich in uns spiegelt, das ist, daß dem Menschen erstlich, als er geschaffen, diese Gaben gegeben seien, recht, klare Erkenntnis Gottes, rechte Furcht, rechtes Vertrauen und dergleichen?

Denn also legt auch solches aus vom Bild und Gleichnis Gottes Irenäus; und Ambrosias, so er allerlei auf die Meinung redet, sagt unter anderem: „Die Seele ist nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen, in welcher Gott nicht allzeit ist.“

Und Paulus zu den Ephesern und Kolossern zeigt genug an, daß Gottes Bild in der Schrift nichts anderes heiße denn Erkenntnis Gottes und rechtschaffenes Wesen und Gerechtigkeit vor Gott.

Und Longobardus sagt frei heraus, daß „die erstgeschaffene Gerechtigkeit in Adam sei das Bild und Gleichnis Gottes, welches an dem Menschen von Gott gebildet ist“.

Ich erzähle die Meinung und Sprüche der Alten, welche an der Auslegung Augustini, wie derselbe vom Bilde Gottes redet, nichts hindern.

Darum die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, und sprechen, es sie ein Mangel der ersten angeschaffenen Gerechtigkeit, da ist ihre Meinung, daß der Mensch nicht allein am Leibe oder geringsten, niedersten Kräften verderbt sei, sondern daß er auch dadurch verloren habe diese Gaben: rechte Erkenntnis Gottes, recht Liebe und Vertrauen gegen Gott und die Kraft, das Licht im Herzen, so ihm zu dem allem Liebe und Lust macht. Denn die Scholastici oder Theologen selbst in Schulen lehren, daß dieselbe angeborne Gerechtigkeit uns nicht möglich wäre gewesen ohne sonderliche Gaben und ohne Hilfe der Gnade. Und dieselben Gaben nennen wir Gottesfurcht, Gotteserkenntnis und Vertrauen gegen Gott, damit man es verstehen möge. Aus diesem allem erscheint genugsam, daß die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, gleich mit uns stimmen, und auch ihre Meinung ist, daß wir durch die Erbsünde in den Jammer gekommen, geboren, daß wir kein gutes Herz, welches Gott recht liebt, gegen Gott haben, nicht allein kein reines, gutes Werk zu tun oder vollbringen vermögen.

Gleich dasselbe meint auch Augustinus, da er auch will sagen, was die Erbsünde sei, und pflegt die Erbsünde eine böse Lust zu nennen; denn er will anzeigen, daß nach Adams Fall anstatt der Gerechtigkeit böse Lust uns angeboren wird. Denn von dem Fall an, dieweil wir, als von Art sündlich geboren, Gott nicht fürchten, lieben noch ihm vertrauen, so tun wir nichts anderes, denn daß wir uns auf uns selbst verlassen, verachten Gott oder erschrecken und fliehen von Gott.

Und also ist in Augustinus’ Worten auch die Meinung gefaßt und begriffen derjenigen, die da sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, das ist, die böse Lust, welche anstatt derselben Gerechtigkeit uns anhängt. Und ist die böse Lust nicht allein eine Verderbung oder Verrückung der ersten reinen Leibesgesundheit Adams im Paradies, sondern auch eine böse Lust und Neigung, da wir nach den allerbesten, höchsten Kräften und Licht der Vernunft dennoch fleischlich wider Gott geneigt und gesinnt sind. Und diejenigen wissen nicht, was sie sagen, die da lehren, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gott über alles zu lieben, und müssen doch zugleich bekennen, es bleibe solange dies Leben währt, noch böse Lust, sofern sie vom Heiligen Geist nicht gänzlich getötet ist.

Derhalben wir so eigentlich beides erwähnt und ausgedrückt, da wir haben lehren wollen, was die Erbsünde sei, beide die böse Lust und auch den Mangel der ersten Gerechtigkeit im Paradies, und sagen, derselbe Mangel sei, daß wir Adamskinder Gott von Herzen nicht vertrauen, ihn nicht fürchten noch lieben. Die böse Lust sei, daß natürlich wider Gottes Wort all unser Sinn, Herz und Mut steht, da wir nicht allein suchen allerlei Wollust des Liebes, sondern auch auf unsere Weisheit und Gerechtigkeit vertrauen und dagegen Gottes vergessen und wenig, ja gar nichts achten.

Und nicht allein die alten Väter, als Augustinus und dergleichen, sondern auch die neulichsten Lehrer und Scholastici, die etwas Verstand gehabt, lehren, daß diese zwei Stücke sämtlich die Erbsünde sind, nämlich der Mangel und die böse Lust. Denn also sagt St. Thomas, daß „Erbsünde ist nicht allein ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, sondern auch eine unordentliche Begierde oder Lust in der Seele. Derhalben ist es“, sagt er, „nicht allein ein lauterer Mangel, sondern auch aliquid positivum“.

Und Bonaventura sagt auch klar: „Wenn man fragt, was die Erbsünde sei, ist dies die rechte Antwort, daß es eine ungewehrte böse Lust sei. Auch ist die rechte Antwort, das es ein Mangel sei der Gerechtigkeit, und eins gibt das andere.“

Gleich dasselbe meint auch Hugo, da er sagt: „Die Erbsünde ist Blindheit im Herzen und böse Lust im Fleische.“ Denn er will anzeigen, daß wir Adamskinder alle so geboren werden, daß wir Gott nicht kennen, Gott verachten, ihm nicht vertrauen, ja ihn auch fliehen und hassen. Denn das hat Hugo wollen kurz begreifen, da er gesagt: ignorantia in mente, Blindheit oder Unwissenheit im Herzen.

Und die Sprüche auch der neuesten Lehrer stimmen überein mit der Heiligen Schrift. Denn Paulus nennt die Erbsünde unter Zeiten mit klaren Worten einen Mangel göttlichen Lichtes usw. 1. Kor. 2, 14: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes.“ Und an andern Orten nennt er es böse Lust, als zu den Römern am 7, 23, da er sagt: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern“ usw., welche Lust allerlei böse Früchte gebiert.

Ich könnte hier wohl viel mehr Sprüche der Schrift vorbringen von beiden diesen Stücken; aber in dieser öffentlichen Wahrheit ist es nicht not. Ein jeder Verständiger wird leichtlich sehen und merken, daß also ohne Gottesfurcht, ohne Vertrauen im Herzen sein, sind nicht allein actus oder wirkliche Sünden, sondern ein angeborner Mangel des göttlichen Lichtes und alles Guten, welcher da bleibt, solange wir nicht durch den Heiligen Geist neugeboren und durch ihn erleuchtet werden.

Wie wir nun bisher von der Erbsünde geschrieben und gelehrt, so lehren wir nichts Neues, nichts anderes denn die Heilige Schrift, die gemeine heilige christliche Kirche; sondern solche nötige, tapfere, klare Sprüche der Heiligen Schrift und der Väter, welche durch ungeschicktes Gezänk der Sophisten unterdrückt gewesen, bringen wir wieder an Tag und wollten gerne die christliche Lehre rein haben.

Denn es ist je am Tage, daß die Sophisten und Schulzänker nicht verstanden haben, was die Väter mit dem Wort „Mangel der ersten Gerechtigkeit“ gemeint. Dies Stück aber eigentlich und richtig zu lehren, und was die Erbsünde sei oder nicht sei, ist gar hoch vonnöten, und kann niemand sich nach Christo, nach dem unaussprechlichen Schatz göttlicher Huld und Gnade, welche das Evangelium vorträgt, herzlich sehnen oder danach Verlangen haben, der nicht seinen Jammer und Seuche erkennt, wie Christus sagt Mat. 9, 12; Mark 2, 17: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht.“ Alles heilige ehrbare Leben, alle guten Werke, soviel immer ein Mensch auf Erden tun mag, sind vor Gott eitel Heuchelei und Greuel, wir erkennen denn erst, daß wir von Art elende Sünder sind, welche in Ungnade Gottes sind, Gott weder fürchten noch lieben.

Also sagt der Prophet Jeremias 31, 19: „Dieweil du mir es gezeiget hast, bin ich erschrocken.“ Und der 116. Psalm: „Alle Menschen sind Lügner“, das ist, sie sind nicht recht gesinnt von Gott.

Hier schreien nun die Widersacher heftig wider D. Luther, daß er geschrieben hat, die Erbsünde bleibe auch nach der Taufe, und sagen dazu, derselbe Artikel sei billig verdammt von Papst Leo X. Aber kaiserliche Majestät wird hier öffentlich finden, daß sie uns ganz unrecht tun; denn die Widersacher verstehen sehr wohl, auf was Meinung D. Luther das geredet will haben, da er sagt, die Erbsünde bleibe nach der Taufe. Er hat allzeit klar also geschrieben, daß die heilige Taufe die ganze Schuld und Erbpflicht der Erbsünde wegnimmt und austilgt, wiewohl das Material (wie sie es nennen) der Sünde, nämlich die böse Neigung und Lust, bleibt. Darüber in allen seinen Schriften setzt er noch dazu vom selben Material, daß der Heilige Geist, welcher gegeben wird durch die Taufe, anfängt, inwendig die übrigen bösen Lüste täglich zu töten und zu löschen, und bringt ins Herz ein neues Licht, einen neuen Sinn und Mut.

Auf die Meinung redet auch Augustinus, da er also sagt; „Die Erbsünde wird in der Taufe vergeben, nicht daß sie nicht mehr sei, sondern daß sie nicht zugerechnet werde.“ Da bekennt Augustinus öffentlich, daß die Sünde in uns bleibt, wiewohl sie uns nicht zugerechnet wird. Und dieser Spruch Augustini hat den Lehrern hernach so wohl gefallen, daß er auch im Dekret angezogen wird. Und wider Julianus sagt Augustinus: „Das Gesetz, das in unsern Gliedern ist, ist weggetan durch die geistliche Wiedergeburt und bleibt doch im Fleische, welches ist sterblich. Es ist hinweggetan, denn die Schuld ist ganz los durch das Sakrament, dadurch die Gläubigen neugeboren werden; und bleibt noch da, denn es wirkt böse Lüste, wider welche kämpfen die Gläubigen.“

Daß D. Luther so hält und lehrt, wissen die Widersacher fast wohl, und so sie es nicht können anfechten, sondern selbst bekennen müssen, verkehren sie ihm böslich die Worte und deuten ihm seine Meinung fälschlich, die Wahrheit zu unterdrücken und unschuldig zu verdammen.

Aber weiter disputieren die Widersacher, daß die böse Lust eine Last und aufgelegte Strafe sei und sei nicht eine solche Sünde, die des Todes und Verdammnis schuldig sei. Dawider sagt D. Luther, es sei eine solche verdammliche Sünde. Ich habe hier oben gesagt, daß Augustinus auch solches meldet, die Erbsünde sei die angeborne böse Lust. Soll dieses übel geredet sein, mögen sie es mit Augustino ausfechten.

Darüber sagt Paulus Röm. 7, 7. 23: „Die Sünde erkannte ich nicht ohne durch das Gesetz; denn ich wußte nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht gesagt hätte: Laß dich nicht gelüsten.“ Da sagt je Paulus dürre heraus: Ich wußte nicht, daß die Lust Sünde war usw. Item: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.“

Dieses sind Pauli helle, gewisse Worte und klare Sprüche; da vermag keine Glosse, kein listiges Fündlein nichts wider; diese Sprüche werden alle Teufel, alle Menschen nicht umstoßen können. Da nennt er klar die böse Lust eine Sünde; doch sagt er, daß solche Sünde denjenigen, so an Christum glauben, nicht wird zugerechnet; doch an ihr selbst ist es gleichwohl wahrlich eine Sünde, des Todes und ewiger Verdammnis schuldig.

Und hat keinen Zweifel, daß auch solches der alten Väter Meinung gewesen. Denn Augustinus disputiert und ficht heftig wider diejenigen, die da hielten, daß die böse Neigung und Lust am Menschen nicht Sünde wäre und weder gut noch böse, wie schwarzen oder weißen Leib haben auch weder gut noch böse ist.

Apologie 2,4-41

Graduallied

Vom Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn’: “Ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart

zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.”

Des sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eur Fleisch und Blut, Eur Bruder ist das ewig Gut.

Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; laßt zürnen Teufel und die Höll, Gottes Sohn ist worden Eur Gesell.

Er will und kann Euch lassen nicht, setzt Ehr auf ihn Eur Zuversicht; es mögen Euch viel fechten an: dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.

Zuletzt müßt Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.

Martin Luther 1543 (LKG 87)

Bekenntnis der Christenheit 

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Gebet am 3. Christtag 

Wir stehen an Deiner Krippe,
Jesus, Kind der Maria,
Abbild der Liebe.

Du ruhst in Marias Schoß,
wir bitten Dich um Rettung für 
die Ruhelosen,
die Sehnsüchtigen,
die Aufbrechenden.

Zu Dir kommen die Weisen.
Wir bitten Dich um Menschenfreundlichkeit für
die Mächtigen in dieser Welt,
die Einflussreichen,
die Starken.

Dich beten die Hirten an.
Wir bitten Dich um neuen Lebensatem für
die Müden und Erschöpften,
die Schwachen und Kranken 
die, die unbemerkt anderen helfen.

Zu Deiner Geburt haben die Engel gesungen.
Wir bitten Dich um Frieden für 
Bethlehem und den Nahen Osten,
für die von Kriegen erschütterte Welt,
für die Verwundeten und Traumatisierten,
für unsere Kinder. 

An Deiner Krippe stehen Ochs und Esel.
Wir bitten Dich um Ehrfurcht 
vor dem Leben der Tiere und aller Arten,
für die bedrohte Schöpfung,
das Zusammenleben von Mensch und Natur.

Deine Geburt ist unsere große Freude.
Wir bitten Dich um Hoffnung 
für die Hoffnungslosen,
für die Trauernden
und alle, die in Angst leben.

Jesus, Kind der Maria,
Du Liebe und Lebenskraft.
In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an 
mit allen, die zu Deiner Krippe kommen
mit der ganzen Christenheit 
und mit der ganzen Schöpfung.
Amen.

VELKD 2. Weihnachtstag

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , , , , , | Leave a comment

Frohe Weihnachten: 2. Christtag

Rudolf Schäfer (16.September 1878 – 25. Oktober 1961)

Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, und über die, die da wohnen im finstern Lande, scheinet es helle. Vor Dir wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilet. Der Herr ist König und herrlich geschmückt, der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist.

Jesaja 9,1-2; Psalm 93,1

Introitus

Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! 2Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 3Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!

Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht! 8Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! 9Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!

10Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. 11Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; 12das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde 13vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Psalm 96,1-3.7-13

Alttestamentliche Lesung

Und der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: 11Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den Herrn nicht versuche.

13Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Jesaja 7,10-14

Kollekte

Hilf, lieber Herre Gott: daß wir der neuen leiblichen Geburt Deines lieben Sohnes teilhaftig werden und bleiben und unsrer alten südlichen Geburt ledig werden. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17

Epistel

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, 2hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welten gemacht hat. 3Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.

5Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt Ps 2,7: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum 2. Sam 7,14: »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«? 6Und abermals, wenn er den Erstgeborenen einführt in die Welt, spricht er Ps 97,7: »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 7Von den Engeln spricht er zwar Ps 104,4: »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, 8aber von dem Sohn Ps 45,7-8: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches. 9Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.« 10Und Ps 102,26-28: »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. 11Sie werden vergehen, du aber bleibst. Und sie werden alle veralten wie ein Gewand; 12und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« 13Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt Ps 110,1: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege«? 14Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?

Hebräer 1

Halleluja Vers

Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja. 

Psalm 98,3

Das heilige Evangelium

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.

20Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht Jes 7,1423»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.

24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Matthäus 1,18-25

Graduallied zum 2. Christtag

2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

3. Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satan hat betrogen, zu besuchen aus der Höh.

5. Jakobs Stern ist aufgegangen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlangen und zerstört der Höllen Reich.

6. Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist entzwei, und wir sind frei.

7. O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken Dir, o Jesulein.

8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht.

Text: Paul Gerhardt 166 Musik: DEN DIE HIRTEN LOBETEN SEHRE (NR. 29, I. TEIL) EG 39 LKG 105

Bekenntnis der Christenheit

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus,  Gottes eingeborenen Sohn,  der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt,  Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche.  Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis.

Gebet am 2. Christtag

Wir stehen an deiner Krippe,
Jesus, Kind der Maria,
Abbild der Liebe.

Du ruhst in Marias Schoß,
wir bitten dich um Rettung für 
die Ruhelosen,
die Sehnsüchtigen,
die Aufbrechenden.

Zu dir kommen die Weisen.
Wir bitten dich um Menschenfreundlichkeit für
die Mächtigen in dieser Welt,
die Einflussreichen,
die Starken.

Dich beten die Hirten an.
Wir bitten dich um neuen Lebensatem für
die Müden und Erschöpften,
die Schwachen und Kranken 
die, die unbemerkt anderen helfen.

Zu deiner Geburt haben die Engel gesungen.
Wir bitten dich um Frieden für 
Bethlehem und den Nahen Osten,
für die von Kriegen erschütterte Welt,
für die Verwundeten und Traumatisierten,
für unsere Kinder. 

An deiner Krippe stehen Ochs und Esel.
Wir bitten dich um Ehrfurcht 
vor dem Leben der Tiere und aller Arten,
für die bedrohte Schöpfung,
das Zusammenleben von Mensch und Natur.

Deine Geburt ist unsere große Freude.
Wir bitten dich um Hoffnung 
für die Hoffnungslosen,
für die Trauernden
und alle, die in Angst leben.

Jesus, Kind der Maria,
du Liebe und Lebenskraft.
In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an 
mit allen, die zu Deiner Krippe kommen
mit der ganzen Christenheit 
und mit der ganzen Schöpfung.
Amen.

VELKD 2. Weihnachtstag

Schlußkollekte

Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja. 

Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 

ebd. S.18. 

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

Posted in Uncategorized, Weihnachten | Tagged , , , , , , , , , , , , , | Leave a comment