Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN (1. Samuel 2)

Nahender Regen (Timisoara, Rumänien)

Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Horn ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. 3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin. 6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt ins Totenreich und wieder herauf. 7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt. 9 Er wird behüten die Füße seiner Heiligen, aber die Frevler sollen zunichtewerden in Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand. 10 Die mit dem HERRN hadern, müssen zugrunde gehen. Über ihnen wird er donnern im Himmel. Der HERR wird richten der Welt Enden. Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Horn seines Gesalbten.

1. Samuel 2,1-10

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch: Um gut Wetter und durchdringenden Regen, genug Wasser für Menschen und Vieh…

Herr Gott, Du Herrscher aller Welt, gut Wetter Du bescherest, Du machst mit Früchten reich das Feld, dadurch Du uns ernährest; Du gibst uns Obst, Getreid und Wein, dazu Tier, Fisch und Vögelein, erhältst uns Leib und Leben.

Schau, wie jetzt bei der dürren Zeit die Frücht im Feld vergehen, all Kreatur um Regen schreit, die Menschen jammernd stehen. Es lechzt das Vieh, dürr ist das Land. Drum tu auf Deine Gnadenhand; gib Guts, wend allen Schaden.

Send uns herab von’s Himmels Saal ein’ warmen, fruchtbarn Regen, behüt vor Schloß’ und Wetterstrahl, gib zum Gewächs Dein’ Segen, bescher uns unser täglich Brot, gib, was für Leib und Seel ist not, hilf, daß wir selig werden

Martin Behm 1608 (LKG 312)

Fortlaufende Lese

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.  Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.  Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,  und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.  Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.  Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.  Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?  Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?  Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,  Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,  Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.  Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?  Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 

Apostelgeschichte 2,1-13

Morgenlese

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie sich’s gebührt in dem Herrn. Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist wohlgefällig in dem Herrn. Ihr Väter, kränkt eure Kinder nicht, auf dass sie nicht verzagen. Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen Herren; dient nicht allein vor ihren Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn. Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus!

Kolosser 3,16-24

Abendlese

Und es begab sich, als er nahe von Betfage und Betanien an den Berg kam, der Ölberg heißt, da sandte er zwei Jünger und sprach: Geht hin in das Dorf, das gegenüberliegt. Und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt’s her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sagt so: Der Herr bedarf seiner. Und die er gesandt hatte, gingen hin und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte. Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los? Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner. 

Und sie brachten’s zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf. Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19,29-40

Bekenntnislese

So haben wir nun die Zehn Gebote als einzigartige Zusammenfassung der göttlichen Lehre; sie sagen uns, was wir tun sollen, damit unser ganzes Leben Gott gefällt. Sie sind die Quelle und der Brunnen, aus der alles kommen und in den hinein alles fließen muss, was ein gutes Werk genannt werden soll, sodass außerhalb der Zehn Gebote nichts gut ist und Gott gefallen kann, es sei so groß und glänzend vor der Welt, wie es wolle.

Lasst nun sehen, wessen sich unsere großen Heiligen rühmen können! Sie rühmen sich ihrer geistlichen Orden und ihrer großen und schweren Werke, die sie erdacht und erfunden haben, aber die Zehn Gebote haben sie fahren lassen, gerade als wären sie viel zu gering oder schon längst getan. Ich meine jedoch, man hätte hier alle Hände voll zu tun, um zu halten, was sie gebieten: Sanftmut, Geduld, Liebe den Feinden gegenüber, Keuschheit, Wohltätigkeit usf. und was damit zusammenhängt. Aber solche Werke gelten in den Augen der Welt nichts, denn sie sind nicht außergewöhnlich und auffallend. Sie sind nicht an eine besondere Zeit, einen besonderen Ort, eine besondere Weise der
Ausführung gebunden, sondern sind ganz gewöhnliche, alltägliche Verhaltensweisen, mit denen einer dem andern begegnet. Darum haben sie kein Ansehen.

Jene großen Heiligen aber haben die Augen und Ohren der Menschen auf sich gerichtet. Sie tragen selber dazu bei mit ihrem großen Gepränge, dem Aufwand und den herrlichen Bauten. Und sie schmücken sie aus, dass alles glänzt und leuchtet; man räuchert, singt und klingt; man zündet Kerzen und Lichter an, sodass man außer diesem allem nichts anderes mehr hören und sehen kann. Denn dass da ein Priester in einem goldenen Messgewand steht oder ein Laie den ganzen Tag in der Kirche auf den Knien liegt, das nennt man ein christliches Werk, das niemand genug loben kann.

Aber dass da ein armes Mädchen ein kleines Kind pflegt und treu tut, was ihr anbefohlen ist, das gilt nichts. Was sollten sonst auch Mönche und Nonnen in ihren Klöstern suchen?

Sieh aber, ist es nicht eine verfluchte Vermessenheit der heillosen Heiligen, wenn sie vorgeben, in einem höheren Stand zu leben und ein besseres Leben zu führen als es die Zehn Gebote lehren? Und wenn sie, wie gesagt, vorgeben, dass zu unterscheiden sei zwischen dem gewöhnlichen Leben des einfachen Mannes und dem der Heiligen und Vollkommenen? Und sie sehen nicht, diese elenden blinden Leute, dass kein Mensch es so weit bringen kann, auch nur eines von den Zehn Geboten so zu halten, wie es gehalten werden soll; sondern Glaube und Gebet müssen zur Hilfe kommen (wie wir noch hören werden), um zu erbitten und ständig aufs Neue zu empfangen, was zum Halten der Gebote nötig ist. Darum ist ihr Rühmen gerade soviel, als wenn ich mich rühmen und sagen würde: Ich habe nicht einmal einen Groschen, um etwas zu bezahlen, aber zehn Gulden könnte ich wohl bezahlen.

Dies sage und betone ich deswegen so sehr, damit das leidige Missverständnis endlich aufhört, das so tief eingewurzelt ist und an dem jedermann noch hängt, und damit alle sich daran gewöhnen, allein auf die Gebote zu sehen und um ihre Erfüllung bemüht zu sein. Denn man wird niemals eine Lehre aufbringen und zu einer Lebensweise finden, die den Zehn Geboten gleichkommt und ihnen entspricht. Sie gehen weit über alles hinaus, was Menschen je vermögen, sodass niemand aus eigener Kraft sie halten kann; und wer sie halten würde, der wäre ein himmlischer, den Engeln gleicher Mensch und hoch erhaben über alle Heiligkeit der Welt.

Nimm sie dir nur vor und versuche dich an ihnen; setze alle Kraft und alles Vermögen daran, du wirst so viel zu tun bekommen, dass du keine andern Werke und keine andere Heiligkeit suchen und achten wirst.

Dies sei genug an Lehre und Mahnung vom ersten Hauptstück. Doch müssen wir zum Schluss noch einmal den Text wiederholen, den wir oben beim 1. Gebot behandelt haben, damit man lerne, wieviel Gott daran liegt, dass man die Zehn Gebote hält und sich in ihnen übt.

Ich, der Herr dein Gott, bin ein eifernder Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend Glied.

Obgleich dieser Zusatz, wie oben gesagt, insbesondere dem 1. Gebot beigefügt ist, so ist er doch um aller Gebote willen beigefügt; denn alle Gebote lassen sich auf ihn beziehen und sollen auf ihn bezogen werden. Darum habe ich gesagt, dass man diesen Zusatz auch der Jugend vor Augen halten und einprägen soll, damit sie ihn lernen und behalten und dadurch erkennen, was uns dazu bewegen soll, diese Zehn Gebote zu halten. Und man soll diesen Zusatz nicht anders ansehen, als sei er jedem einzelnen Gebot beigefügt und durchdringe sie alle.

Nun ist, wie schon zuvor ausgeführt, in diesen Worten dies beides zusammengefasst: Ein zorniges Drohwort, um uns zu erschrecken und zu warnen, und eine freundliche Zusage, um uns zu locken und zu bewegen, damit man sein Wort in göttlichem Ernst annimmt und achtet. Denn er selbst drückt darin aus, wie sehr ihm an den Geboten gelegen ist und wie sehr er über ihnen wachen will; denn er will alle grausam und schrecklich strafen, die seine Gebote verachten und übertreten. Und er will andererseits jene reichlich belohnen und denen alles Gute erweisen, die sie achten und gern nach ihnen handeln und leben. Damit fordert er, dass alles aus einem Herzen geschehen soll, das allein Gott fürchtet und vor Augen hat und aus solcher Furcht alles unterlässt, was gegen seinen Willen ist, um ihn nicht zu erzürnen. Und zugleich soll alles aus einem Herzen geschehen, das Gott allein vertraut und aus Liebe zu ihm tut, was er haben will, weil er sich so freundlich als ein Vater zu erkennen gibt und uns alles Gute und alle Gnade anbietet.

Dr. Martin Luther: Der Große Katechismus (1529). Der Beschluß. GK I,311-323

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. (Psalm 39)

St. Johannes (Topeka, KS)

Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muss mein Leid in mich fressen. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe; wenn ich seufze, brennt es wie Feuer.

So rede ich mit meiner Zunge: »HERR, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sela. 

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird.« Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Errette mich von aller meiner Sünde und lass mich nicht den Narren zum Spott werden. Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; denn du hast es getan. 

Wende deine Plage von mir; ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift. Wenn du den Menschen züchtigst um der Sünde willen, so verzehrst du seine Schönheit wie Motten ein Kleid. Ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen. Sela. 

Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin. 

Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’ gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Martin Rinckart 1636 (LKG 316)

Fortlaufende Lese

Und in diesen Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach:  16 Ihr Männer, liebe Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen;  17 denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.  18 Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor.  19 Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker.  20 Denn es steht geschrieben im Buch der Psalmen: »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.«  21 So muss nun einer von den Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist –  22 seit seiner Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.  23 Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias,  24 und beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden,  25 dass er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an seinen Ort zu gehen.  26 Und sie warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde hinzugezählt zu den elf Aposteln. 

Apostelgeschichte 1,15-26

Morgenlese

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch[1] ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. 66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Johannes 6,60-69

Abendlese

Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen. 17 Die folgte Paulus und uns überall hin und schrie: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen. 18 Das tat sie viele Tage lang. Paulus war darüber so aufgebracht, dass er sich umwandte und zu dem Geist sprach: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst. Und er fuhr aus zu derselben Stunde. 19 Als aber ihre Herren sahen, dass damit ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Oberen 20 und führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden 21 und verkünden Sitten, die wir weder annehmen noch einhalten dürfen, weil wir Römer sind. 22 Und das Volk wandte sich gegen sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herunterreißen und befahlen, sie mit Stöcken zu schlagen.

23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. 24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. 25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. 

Apostelgeschichte 16,16-25

Bekenntnislese

Denn die menschliche Natur ist so beschaffen, dass niemand dem andern mehr gönnt als man selber hat und jeder bringt soviel wie möglich an sich. Wo der andere bleibt, danach wird nicht gefragt. Und sie wollen dabei noch fromm und rechtschaffen sein; sie können uns aufs Feinste etwas vormachen und den Bösewicht vor uns verbergen. Sie suchen und ersinnen schlaue Kniffe und üble Tricks (wie das heute gang und gäbe ist), und bemühen noch das Recht dazu und wagen es, sich vor uns kühn darauf zu berufen und darauf zu pochen. Und sie wollen das alles nicht Bosheit, sondern Gescheitheit und Klugheit genannt haben. Dabei helfen auch die Juristen und die Anwälte mit, die das Recht verdrehen und dehnen, wie es der Sache am besten dient; sie pressen das Recht und nehmen es zum Vorwand und fragen nicht nach Billigkeit und dem, was dem Nächsten dient. Kurz: Wer in diesen Dingen der Geschickteste und Gescheiteste ist, dem hilft
das Recht am besten. So sprechen sie es auch aus: „Dem Wachsamen hilft das
Recht.“

Darum ist dieses letzte Gebot nicht für die Bösewichter in der Welt gegeben, sondern gerade für die Rechtschaffensten und Frömmsten, die gelobt sein wollen und die als redlich und aufrichtig gelten; die gegen die vorigen Gebote sich nichts zuschulden kommen lassen – so wie es insbesondere die Juden von sich sagten und es auch viele große Leute, Herren und Fürsten tun. Denn die meisten andern Menschen fallen erst einmal unter das 7. Gebot, denn sie fragen nicht viel danach, ob sie das Ihre auf ehrliche und rechtmäßige Weise gewinnen.

Die Übertreung dieses letzten Gebotes geschieht am häufigsten, wenn Streitsachen vor Gericht verhandelt werden, bei denen man sich vornimmt, den Nächsten zu übervorteilen und ihm etwas abzunehmen. So, um ein Beispiel zu nennen, wenn man um eine große Erbschaft, um Land und anderes streitet und verhandelt. Da führt man alles an und nimmt zu Hilfe, was den Anschein des Rechts hat. Man bauscht es auf und stellt es so dar, dass man schließlich recht bekommt und sein Gut behält und das Urteil dazu, dass niemand einen Anspruch darauf habe und Grund, deswegen zu klagen.

Oder, wenn jemand gern ein Schloss, eine Stadt, eine Grafschaft oder sonst etwas Großes hätte, dann wird soviel bestochen – durch Freunde und auf alle mögliche Weise, dass es einem andern schließlich abgesprochen und ihm zugesprochen wird; dazu wird noch mit Brief und Siegel bestätigt, dass er es rechtmäßig und auf Grund eines fürstlichen Rechtstitels erhalten habe. Ebenso geht es auch allgemein im Geschäftsleben zu. Mit List luchst einer dem andern etwas ab, sodass der andere das Nachsehen hat. Oder einer lässt dem andern keine Ruhe und bedrängt ihn, wenn er seinen Vorteil und Nutzen darin erkennt, dass der andere vielleicht aus Not oder Verschulden das Seine nicht behalten und nur mit Verlust verkaufen kann. Und so bekommt er es fast geschenkt, und es gilt doch nicht als mit Unrecht genommen oder entwendet, sondern als redlich gekauft. Da heißt es dann: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ und „Ein jeder sehe auf seinen Vorteil“; der andere muss zusehen, wo er bleibt.

Und wer wollte so klug sein, um alle Möglichkeiten aufzuzählen, wie man unter solchem schönen Schein Dinge an sich bringen kann, ohne dass es die Welt als Unrecht ansieht und ohne dass sie es sehen will, dass damit der Nächste benachteiligt wird, der abgeben muss, was er eigentlich nicht entbehren kann. Und niemand will dann zugeben, dass er so am Nächsten hat handeln wollen. Daran kann man sehr wohl sehen, dass alles falscher Vorwand und Schein ist.

So ist man auch früher mit den Frauen umgegangen. Da gebrauchten sie solche Kunstgriffe, dass, wenn einem die Frau eines andern gefiel, er es selber oder mit Hilfe anderer zuwege brachte (mancherlei Wege und Mittel lassen sich da denken), dass ihr Mann auf sie ärgerlich wurde oder sie sich ihm widersetzte und derart verhielt, dass er sich von ihr scheiden und jenem überlassen musste. Das ist in der Zeit des mosaischen Gesetzes zweifellos häufig vorgekommen. Man liest davon auch im Evangelium vom König Herodes, dass er die Frau seines eigenen Bruders noch zu dessen Lebzeiten freite. Und er wollte doch ein ehrbarer, frommer Mann sein. St. Markus stellt ihm dieses Zeugnis aus. Aber ein solches Beispiel, hoffe ich, soll bei uns keine Nachahmung finden, weil im Neuen Testament den Verehelichten verboten ist, sich voneinander zu trennen. Allenfalls könnte das bei uns vorkommen, dass einer dem andern dessen reiche Braut mit List wegnimmt. Das andere aber ist bei uns nicht selten, dass einer die Angestellten des
andern weglockt oder sonst mit schönen Worten abwirbt.

Es mag nun dies alles zugehen, wie es wolle; wir jedoch sollen wissen, dass Gott es nicht haben will, dass du den Nächsten um etwas bringst, was ihm gehört und was er dann entbehren muss, nur damit du deine Habgier stillst. Auch wenn du es vor der Welt unangefochten behalten darfst – Gott will es nicht. Es ist hinterhältige, heimtückische Bosheit und heimliches Ränkespiel, so zu handeln; denn niemand soll es ja merken. Auch wenn du deiner Wege gehst, als habest du niemand Unrecht getan – du bist doch deinem Nächsten zu nahe getreten. Und wenn man dieses auch nicht stehlen und betrügen nennt, so hast du doch des Nächsten Gut begehrt, und das heißt, du hast danach getrachtet und hast es gegen seinen Willen ihm abspenstig gemacht und hast ihm nicht gönnen wollen, was Gott ihm gegeben hat.

Und wenn dirs auch der Richter und jedermann lassen muss, so wird dirs Gott doch nicht lassen; denn er sieht das böse Herz und die Tücke der Welt sehr wohl; wenn man der einen Finger breit einräumt, nimmt sie gleich eine ganze Elle dazu, sodass bald auch offenbares Unrecht und offene Gewalt folgen. So lassen wir diese Gebote in ihrer allgemeinen Bedeutung stehen bleiben. Sie gebieten vor allem, dass man dem Nächsten keinen Schaden wünscht, auch nichts tut und keinen Anlass gibt, dass er Schaden erleidet. Sondern man soll ihm gönnen und lassen, was er hat, außerdem das fördern und erhalten, was ihm von Nutzen und Vorteil ist – ebenso wie wir auch wollten, dass man mit uns umgeht.

So richtet sich dieses Gebot besonders gegen die Missgunst und den leidigen Geiz; denn Gott will die Ursache und Wurzel aus dem Wege räumen, aus der alles entspringt, was dem Nächsten schadet. Darum fasst er es auch ausdrücklich in diese Worte: „Du sollst nicht begehren.“ Denn er will vor allem das Herz rein haben, auch wenn wir, solange wir hier leben, es soweit nicht bringen können. So bleibt dies auch ein Gebot wie alle andern; es beschuldigt uns ohne Unterlass und zeigt uns, wie rechtschaffen wir vor Gott sind.

Dr. Martin Luther: Großer Katechismus I,297-310

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Ich danke dir, HERR! (Jesaja 12)

St. Johannes Lutherische Kirche (Topeka, KS)

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR! Du bist zornig gewesen über mich. Möge dein Zorn sich abkehren, dass du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, die du wohnst auf Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir! 

Jesaja 12

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett’ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein’ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold; sein Güt ist hoch erhaben ob den’, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.

Wie sich ein Mann erbarmet ob seiner jungen Kindlein klein, so tut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Gemächte und weiß, wir sind nur Staub, ein bald verwelkt Geschlechte ein Blum und fallend Laub: Der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da, also der Mensch vergehet, sein End, das ist ihm nah.

Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner lieben G’meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heiligs Wort! Mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort.

Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist! Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheilst, dass wir ihm test vertrauen, uns gründen ganz auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden’s erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.

Johann Gramann um 1540 (Strophe 5. Königsberg 1559) LKG 315

Fortlaufende Lese

Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte  2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.  3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.  4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;  5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.  6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?  7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;  8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.  9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.  10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.  11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.  12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.  13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.  14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. 

Apostelgeschichte 1,1-14

Morgenlese

Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Epheser 5,8-14

Abendlese

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, daß Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

1. Timotheus 3,16

Großer Katechismus

Weiter lehrt Christus (Matth. 18,16): „Will er dich aber nicht hören, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jegliche Sache stehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund“, damit man ja mit dem Betreffenden selber handelt, um den es geht, und man nicht ohne sein Wissen hinter seinem Rücken redet.

Will aber dieses nichts helfen, so bringe es dann öffentlich vor die Gemeinde, vor die weltliche oder die geistliche Gerichtsbarkeit. Denn hier stehst du nicht allein da, sondern hast jene Zeugen bei dir, durch die du den Schuldigen überführen kannst, worauf der Richter dann ein Urteil gründen und die Strafe verhängen kann. So kann es auf ordentliche und rechte Weise dazu kommen, dass man den Bösen wehrt oder sie bessert.

Wenn man jedoch einen andern bis in alle Winkel ins Gerede bringt und im Schmutze
wühlt, wird niemand gebessert; und hinterher, wenn man Rede stehen und als Zeuge auftreten soll, dann will mans nicht gesagt haben. Darum würde es solchen Mäulern recht geschehen, wenn man ihnen die Lust daran gründlich verleidete, sodass sich andere dadurch warnen ließen. Wenn du es wirklich aus Liebe zur Wahrheit tust oder um deinen Nächsten zu bessern, dann würdest du nicht heimlich herumschleichen und den Tag und das Licht scheuen.

Das alles bezieht sich nun auf die verborgenen Sünden. Wo aber die Sünde in der Öffentlichkeit bekannt ist, sodass die Richter und jedermann davon wissen, kannst du den Betreffenden, ohne zu sündigen, meiden und fahren lassen als einen, der sich selbst in Schande gebracht hat, und kannst auch öffentlich über ihn reden. Denn wenn etwas offenbar zutage liegt, kann es keine böse Nachrede und kein falsches Richten und falsches Zeugnis geben. So, wenn wir jetzt z. B. den Papst mit seiner Lehre verurteilen, die in öffentlichen Büchern zutage liegt und in alle Welt hinausposaunt ist. Denn wo die Sünde in der Offentlichkeit bekannt ist, soll auch die Verurteilung und Strafe billigerweise öffentlich erfolgen, damit ein jeder sich davor hüten moge.

Dies ist also der Hauptsinn und die weitergefasste Bedeutung dieses Gebotes, dass niemand mit der Zunge seinem Nächsten, ob Freund oder Feind, schaden und Böses von ihm reden soll, gleich ob es wahr oder erlogen ist – es sei denn, er habe einen Auftrag dazu oder es geschieht zur Besserung des Nächsten. Sondern jeder soll seine Zunge dazu gebrauchen und dienen lassen, um von jedermann das Beste zu reden, die Sünde und die Schwachheiten der andern zuzudecken, zu entschuldigen, und mit der eigenen Ehre für den andern eintreten.

Der Grund für solches Verhalten soll vor allem der sein, den Christus im Evangelium (Matth. 7,12) nennt und mit dem er alle Gebote, sofern sie den Nächsten betreffen, zusammenfasst: „Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“

Das lehrt uns auch die Natur an unserm eigenen Leibe, wie St. Paulus in 1. Korinther 12,22-23 sagt: „Die Glieder des Leibes, die uns dünken die schwächsten zu sein, sind die nötigsten; und die uns dünken am wenigsten ehrbar zu sein, die umkleiden wir mit besonderer Ehre, und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten.“ Gesicht, Augen, Nase und Mund deckt niemand zu; denn sie haben es nicht nötig, weil sie die ehrbarsten Teile des Körpers sind. Aber die allergebrechlichsten, deren wir uns schämen, deckt man fleißig zu; da müssen die Hände, die Augen und der ganze Leib noch nachhelfen, sie zu bedecken und zu verhüllen.

So sollen auch wir alle miteinander das, was an unserm Nächsten fehlerhaft und unvollkommen ist, verhüllen, und soviel in unserm Vermögen steht, seine Ehre und sein Ansehen zu erhalten und zu fördern suchen. Und wir sollen allem entgegentreten, was seinem Ruf zum Schaden gereichen mag.

Und dies ist eine besonders gute und edle Tugend, wer alles, was er über den Nächsten Schlechtes reden hört (wenn es nicht allgemein bekannt ist), zu seinem Besten auslegt und deutet und ihm zugute hält – jenen giftigen Mäulern gegenüber, die eifrig darauf bedacht sind, den Nächsten zu tadeln und ihm alles zum Schlechten auszulegen und zu verdrehen, wo sie an ihm etwas finden und entdecken können. Das geschieht jetzt besonders häufig im Blick auf das liebe Gotteswort und seine Prediger.

Darum ist in diesem Gebot auch über die Maßen viel enthalten, was wir Gutes tun sollen, woran Gott sein größtes Wohlgefallen hat und was reichlichen Segen und Gutes mit sich bringt. Möchten die falschen Heiligen und die blinde Welt das nur erkennen!

Denn es gibt nichts am ganzen Menschen und in ihm, das mehr Gutes schaffen und zugleich Schaden wirken kann als die Zunge, sowohl in geistlichen als auch in weltlichen Dingen, obgleich doch die Zunge das kleinste und schwächste Glied ist.

Das 9. und 10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.

Diese zwei Gebote sind, genau genommen, nur den Juden gegeben, obgleich sie auch uns zum Teil betreffen. Denn die Juden beziehen sie nicht auf die Unkeuschheit oder den Diebstahl, weil beides schon oben (im 5. und 7, Gebot) zur Genüge verboten ist. Sie waren außerdem auch der Ansicht, sie hätten jene Gebote alle gehalten, wenn sie äußerlich nach ihnen gelebt hätten.

Darum hat Gott diese beiden Gebote hinzugefügt, damit man es auch für Sünde halte und für etwas Verbotenes, wenn man des Nächsten Frau oder Gut begehrt und auf irgendeine Weise nach ihnen trachtet. Vor allem deswegen sind sie hinzugefügt, weil bei den Juden Knechte und Mägde nicht, wie es jetzt der Fall ist, frei waren, um Lohn zu dienen, solange sie wollten, sondern sie waren Eigentum ihrer Herren mit Leib und Leben und allem, was sie hatten, so wie das Vieh und anderes Gut.

Außerdem hatte auch ein jeder über seine Frau die Verfügungsgewalt; er konnte sie durch einen Scheidungsbrief öffentlich entlassen und eine andere nehmen. Da mussten sie nun untereinander darauf gefasst sein, dass, wenn jemand eines andem Frau gern gehabt hätte, er irgendeinen Grund hersuchte, um sich von seiner Frau zu trennen und um die andere von ihrem Mann zu entfremden, um sie dann selber mit gutem Recht an sich zu bringen. Das war nun bei ihnen keine Sünde und Schande, ebensowenig als wenn jetzt ein Dienstherr seine Angestellten entlässt oder einer sie dem andern abspenstig macht.

Darum haben sie nun, sage ich, diese Gebote so gedeutet, wie es ja auch richtig ist (obgleich ihr Sinn noch weiter und umfassender ist), dass niemand darauf bedacht sein und sich vornehmen soll, das, was dem andem gehört, an sich zu bringen (wie Frau und Dienstboten, Haus und Hof, Acker, Wiesen oder Vieh), auch nicht, wenn es mit gutem Schein oder unter einem1 Vorwand geschieht; denn es geschieht doch immer zum Schaden des Nächsten.

Denn oben im 7. Gebot ist das Unrecht verboten, dass man fremdes Gut an sich reißt oder dem Nächsten vorenthält, wozu man kein Recht hat. Hier aber wird dem gewehrt, dass man dem Nächsten etwas ablockt, auch wenn man vor der Welt nichts Ehrenrühriges dabei tut, sodass niemand dich zu beschuldigen und zu tadeln wagt, als habest du es unrechtmäßig gewonnen

Dr. Martin Luther: Der Große Katechismus (1529)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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    Merkt auf, ihr Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Rede meines Mundes. (Lied des Moses)

    Apokaypse Val-Dieu Offb.15 (British Library, London)

    Merkt auf, ihr Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Rede meines Mundes. 2 Meine Lehre rinne wie der Regen, und meine Rede riesele wie Tau, wie der Regen auf das Gras und wie die Tropfen auf das Kraut. 3 Denn ich will den Namen des HERRN preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre! 4 Er ist der Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alle seine Wege sind recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. 5 Das verkehrte und böse Geschlecht hat gesündigt wider ihn; sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder. 6 Dankst du so dem HERRN, deinem Gott, du tolles und törichtes Volk? Ist er nicht dein Vater und dein Herr? Ist’s nicht er allein, der dich gemacht und bereitet hat? 7 Gedenke der vorigen Zeiten und hab acht auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Frage deinen Vater, der wird dir’s verkünden, deine Ältesten, die werden dir’s sagen. 8 Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels[1]. 9 Denn des HERRN Teil ist sein Volk, Jakob ist sein Erbe. 10 Er fand ihn in der Steppe, in der Wüste, im Geheul der Wildnis. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel. 11 Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln. 12 Der HERR allein leitete ihn, und kein fremder Gott war mit ihm. 13 Er ließ ihn einherfahren über die Höhen der Erde und nährte ihn mit den Früchten des Feldes und ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus hartem Gestein, 14 Butter von den Kühen und Milch von den Schafen samt dem Fett von den Lämmern, feiste Widder und Böcke und das Beste vom Weizen und tränkte ihn mit edlem Traubenblut. 15 Als aber Jeschurun fett ward, wurde er übermütig. Er ist fett und dick und feist geworden und hat den Gott verworfen, der ihn gemacht hat. Er hat den Fels seines Heils gering geachtet 16 und hat ihn zur Eifersucht gereizt durch fremde Götter; durch Gräuel hat er ihn erzürnt. 17 Sie haben Geistern geopfert, die keine Gottheiten sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die vor Kurzem erst aufgekommen sind, die eure Väter nicht geehrt haben. 18 Den Fels, der dich gezeugt hat, hast du außer Acht gelassen und hast vergessen den Gott, der dich geboren hat. 19 Und als es der HERR sah, ward er zornig über seine Söhne und Töchter, 20 und er sprach: Ich will mein Antlitz vor ihnen verbergen, will sehen, was ihnen zuletzt widerfahren wird; denn es ist ein verkehrtes Geschlecht, es sind untreue Kinder. 21 Sie haben mich gereizt durch einen Nicht-Gott, durch ihre Abgötterei haben sie mich erzürnt. Ich aber will sie wieder reizen durch ein Nicht-Volk, durch ein gottloses Volk will ich sie erzürnen. 22 Denn ein Feuer ist entbrannt durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste Tiefe und wird verzehren das Land mit seinem Gewächs und wird anzünden die Grundfesten der Berge. 23 Ich will alles Unglück über sie häufen, ich will alle meine Pfeile auf sie schießen. 24 Vor Hunger sollen sie verschmachten und verzehrt werden vom Fieber und von jähem Tod. Ich will der Tiere Zähne unter sie schicken und der Schlangen Gift. 25 Draußen wird das Schwert ihre Kinder rauben und drinnen der Schrecken den jungen Mann wie das Mädchen, den Säugling wie den Greis. 26 Ich hätte gesagt: Es soll aus sein mit ihnen, ich will ihren Namen tilgen unter den Menschen –, 27 wenn ich nicht den Spott der Feinde gescheut hätte; ihre Widersacher hätten es nicht erkannt und gesagt: Unsere Macht ist groß, und nicht der HERR hat dies alles getan. 28 Denn Israel ist ein Volk, dem man nicht mehr raten kann, und kein Verstand wohnt in ihnen. 29 O dass sie weise wären und dies verstünden, dass sie merkten, was ihnen hernach begegnen wird! 30 Wie geht’s zu, dass einer tausend verjagt und zwei sogar zehntausend flüchtig machen? Kommt’s nicht daher, dass ihr Fels sie verkauft hat und der HERR sie dahingegeben hat? 31 Denn unserer Feinde Fels ist nicht wie unser Fels; so müssen sie selber urteilen. 32 Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, 33 ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern. 34 Ist dies nicht bei mir verwahrt und versiegelt in meinen Schatzkammern? 35 Die Rache ist mein, ich will vergelten zur Zeit, da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. 36 Denn der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. Denn er wird sehen, dass ihre Macht dahin ist und es aus ist mit ihnen ganz und gar. 37 Und er wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten, 38 die das Fett ihrer Schlachtopfer essen sollten und trinken den Wein ihrer Trankopfer? Lasst sie aufstehen und euch helfen und euch schützen! 39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand reißen. 40 Denn ich will meine Hand zum Himmel heben und will sagen: So wahr ich ewig lebe: 41 Wenn ich mein blitzendes Schwert schärfe und meine Hand zur Strafe greift, so will ich mich rächen an meinen Feinden und denen, die mich hassen, vergelten. 42 Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen, vom Haupt der Fürsten des Feindes. 43 Preiset, ihr Heiden, sein Volk; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird an seinen Feinden Rache nehmen und entsühnen das Land seines Volks! 

    Deuteronomium (5. Mose) 32,1-43 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    O gläubig Herz, gebenedei und gib Lob deinem Herren! Gedenk, dass er dein Vater sei, den du allzeit sollst ehren, dieweil du keine Stund ohn ihn mit aller Sorg in deinem Sinn dein Leben kannst ernähren.

    Er ist’s, der dich von Herzen liebt und sein Gut mit dir teilet, dir deine Missetat vergibt und deine Wunden heilet, dich waffnet zum geistlichen Krieg dass dir der Feind nicht obenlieg und deinen Schatz zerteile.

    Er ist barmherzig und sehr gut den Armen und Elenden, die sich von allem Übermut zu seiner Wahrheit wenden; er nimmt sie als ein Vater auf und gibt, dass sie den rechten Lauf zur Seligkeit vollenden.

    Wie sich ein treuer Vater neigt und Guts tut seinen Kindern, also hat sich auch Gott erzeigt allzeit uns armen Sündern; er hat uns lieb und ist uns hold, vergibt uns gnädig alle Schuld, macht uns zu Uberwindern.

    Er gibt uns seinen guten Geist, erneuet unsre Herzen, dass wir vollbringen, was er heißt, ob’s auch das Fleisch mag schmerzen. Er hilft uns hier mit Gnad und Heil, verheißt uns auch ein herrlich Teil von den ewigen Schätzen.

    Nach unsrer Ungerechtigkeit hat er uns nicht vergolten, sondern erzeigt Barmherzigkeit, da wir verderben sollten. Mit seiner Gnad und Gütigkeit ist uns und allen er bereit, die ihm von Herzen hulden.

    Was er nun angefangen hat, das will er auch vollenden; nur geben wir uns seiner Gnad, opfern uns seinen Händen und tun daneben unsern Fleiß, hoffend, er werd zu seinem Preis all unsern Wandel wenden.

    O Vater, steh uns gnädig bei, weil wir sind im Elende, dass unser Tun aufrichtig sei und nehm ein löblich Ende; o leucht uns mit deim hellen Wort, dass uns an diesem dunklen Ort kein falscher Schein ver-blende.

    O Gott, nimm an zu Lob und Dank, was wir einfältig singen, und gib dein Wort mit freiem Klang, lass’s durch die Herzen dringen. O hilf, dass wir mit deiner Kraft durch recht geistliche Ritterschaft des Lebens Kron erringen.

    Michael Weiße 1531 (LKG 314)

    Fortlaufende Lese

    Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit, da ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde,  2 will ich alle Völker zusammenbringen und will sie ins Tal Joschafat hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Völker zerstreut und sich mein Land geteilt haben;  3 sie haben das Los um mein Volk geworfen und haben Knaben für eine Hure hingegeben und Mädchen für Wein verkauft und vertrunken.  4 Und ihr, Tyrus und Sidon und alle Gebiete der Philister, was habt ihr mit mir zu tun? Wollt ihr mir’s heimzahlen oder mir etwas antun? Eilends und bald lasse ich euer Tun zurückfallen auf euren Kopf,  5 die ihr mein Silber und Gold genommen und meine schönen Kleinode in eure Tempel gebracht habt.  6 Dazu habt ihr die Judäer und die Leute von Jerusalem an die Griechen verkauft, um sie weit weg von ihrem Lande zu bringen.  7 Siehe, ich will sie kommen lassen aus dem Ort, wohin ihr sie verkauft habt, und will’s euch heimzahlen auf euren Kopf  8 und will nun eure Söhne und eure Töchter verkaufen in die Hand der Judäer; die sollen sie an die Sabäer, ein Volk in fernen Landen, verkaufen; denn der HERR hat’s geredet.  9 Ruft dies aus unter den Völkern! Heiligt euch zum Krieg! Bietet die Starken auf! Lasst herzukommen und hinaufziehen alle Kriegsleute!  10 Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße! Der Schwache spreche: Ich bin stark!  11 Eilt und kommt, alle Völker ringsum, und versammelt euch! – Dorthin führe du hinab, HERR, deine Starken! –  12 Die Völker sollen sich aufmachen und heraufkommen zum Tal Joschafat; denn dort will ich sitzen und richten alle Völker ringsum.  13 Greift zur Sichel, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß!  14 Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tal der Entscheidung; denn des HERRN Tag ist nahe im Tal der Entscheidung.  15 Sonne und Mond werden sich verfinstern und die Sterne ihren Schein zurückhalten.  16 Und der HERR wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme hören lassen, dass Himmel und Erde erbeben werden. Aber seinem Volk wird der HERR eine Zuflucht sein und eine Burg den Israeliten.  17 Und ihr sollt’s erfahren, dass ich, der HERR, euer Gott bin und zu Zion auf meinem heiligen Berge wohne. Dann wird Jerusalem heilig sein, und kein Fremder wird mehr hindurchziehen.  18 Zur selben Zeit werden die Berge von Most triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des HERRN, die wird das Tal Schittim bewässern.  19 Aber Ägypten soll wüst werden und Edom eine wüste Einöde um des Frevels willen an den Judäern, weil sie unschuldiges Blut in ihrem Lande vergossen haben.  20 Aber Juda soll für immer bewohnt werden und Jerusalem für und für.  21 Und ich will ihr Blut nicht ungesühnt lassen. Und der HERR wird wohnen zu Zion. 

    Joel 4,1-21

    Morgenlese

    Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker[1] sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

    Offenbarung des hl. Sankt Johannes 21,1-7

    Abendlese

    Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. 19 Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. 20 Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen. Darum haben sie keine Entschuldigung. 21 Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. 22 Die sich für Weise hielten, sind zu Narren geworden 23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere. 24 Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, sodass sie ihre Leiber selbst entehren. 25 Sie haben Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen. 26 Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften;

    Römer 1,18-26a

    Bekenntnislese

    Darum sollten wir uns klar darüber sein, dass niemand den Auftrag hat, seinen Nächsten öffentlich zu verurteilen und zu strafen, auch wenn er ihn sündigen sieht, es sei denn, er ist dazu beauftragt, zu richten und zu strafen. Denn es ist ein großer Unterschied zwischen Sünde richten und um Sünde wissen. Du magst um sie wissen, aber richten sollst du nicht. Diese Untugend sollen wir meiden. Sehen und hören, dass mein Nachbar sündigt, ist mir nicht verwehrt, aber ihn bei andern ins Gerede zu bringen, dazu habe ich keinen Auftrag. Wenn ich eingreife, richte und verurteile, so falle ich in eine Sünde, die größer ist als jene. Weißt du aber um die Sünde des andern, so mache aus deinen Ohren ein Grab und verscharre sie darin, solange bis du den Auftrag erhältst, Richter zu sein und von Amts wegen zu strafen. Das nennt man nun üble Nachrede, wenn Menschen es bei dem Wissen um die Sünde des andern nicht bleiben lassen, sondern hingehen und dem Urteil vorgreifen und, wenn sie etwas von dem andern wissen, es in alle Winkel tragen und eine Freude daran finden, im Schmutz eines andern zu wühlen wie eine Sau, die sich im Dreck wälzt und mit ihrem Rüssel darin herumwühlt.

    Das heißt nichts anderes als in Gottes Gericht und Amt greifen und mit dem schärfsten Urteil zu verurteilen und zu strafen. Denn kein Richter kann eine höhere Strafe verhängen als wenn er sagt: Dieser ist ein Dieb, ein Mörder, ein Verräter usf. Wer sich darum untersteht, solches vom Nächsten zu behaupten, maßt sich das Amt an, das Kaiser und Staat innehaben. Denn auch wenn du das Schwert nicht führst, so gebrauchst du doch eine giftige Zunge, um dem Nächsten zu schaden und ihn in Schande zu bringen. Darum will Gott verhindert haben, dass einer dem andern übel nachredet, auch wenn jener einer Sache schuldig ist und der andere es genau weiß. Noch viel weniger soll üble Nachrede dann geschehen, wenn einer von einer Sache nur vom Hörensagen vernommen hat und nichts Genaues weiß.

    Sagst du aber: Soll ichs denn nicht sagen, wenn es die Wahrheit ist? Antwort: Warum bringst du es dann nicht vor den ordentlichen Richter? Ja, ich kann es nicht öffentlich bezeugen. Man möchte mir vielleicht über den Mund fahren und mich schändlich abweisen. Ja, mein Lieber, riechst du den Braten? Merkst du etwas? Wenn du dich nicht traust, vor den dazu verordneten Personen zu stehen und eine Sache zu verantworten, dann halte den Mund. Weißt du aber um eine Sache, so behalte dein Wissen für dich und gib es nicht andern weiter. Denn wenn du es weitersagst, auch wenn es wahr ist, so stehst du doch wie ein Lügner da, weil du es nicht beweisen kannst, und handelst dazu noch wie ein Bösewicht. Denn man soll niemand um seine Ehre und seinen guten Ruf bringen, es sei denn, ihm sei schon zuvor öffentlich Ehre und Ruf genommen. So ist nun mit „falschem Zeugnis“ alle üble Nachrede gemeint, die man ordentlicherweise nicht beweisen kann. Darum soll niemand etwas offenbar machen und als Wahrheit aussprechen, was nicht eindeutig bewiesen und offenbar ist.

    Kurz, was verborgen ist, soll man verborgen bleiben lassen oder im Verborgenen strafen, wie wir noch hören werden. Wo dir darum ein loser Mund begegnet, der einen andern ins Gerede bringt und verleumdet, da rede ihm tüchtig ins Gewissen, damit er schamrot werde. So wird mancher seinen Mund halten, der sonst einen armen Menschen ins Gerede bringt, aus dem er schwer wieder herauskommen kann. Denn Ehre und guter Name sind schnell weggenommen, aber langsam wiedergegeben. So siehst du, dass es ganz und gar verboten ist, über den Nächsten etwas Böses zu reden. Doch sind hier die weltliche Obrigkeit, die Prediger, Vater und Mutter ausgenommen, insofern sie das Böse nicht ungestraft lassen sollen. Es verhält sich hier ähnlich wie beim 5. Gebot: Niemand soll dem Nächsten am Leibe Schaden zufügen, doch ist der Henker hiervon ausgenommen; denn sein Amt ist es, dem Nächsten nicht Gutes, sondern nur Schaden und Böses zu tun. Dennoch sündigt er nicht gegen das 5. Gebot, weil Gott selber dieses Amt um seiner selbst willen geordnet hat; denn Gott hat sich das Strafen nach seinem Belieben vorbehalten, wie er im 1. Gebot androht. Darum gilt auch hier (beim 8. Gebot): Niemand soll für seine Person irgend jemand richten und verurteilen. Doch wo es diejenigen nicht tun, denen es anbefohlen ist, sündigen sie ebensosehr wie jene, die es – ohne dazu beauftragt zu sein – von sich aus tun. Denn notwendig ist es, dass man von dem Bösen redet, dass angeklagt und gefragt, ausgesagt und Zeugnis abgelegt wird.

    Und es geht hier nicht anders zu als bei einem Arzt, der zuweilen denjenigen, den er heilen soll, auch an Stellen untersuchen und berühren muss, die man sonst nicht zeigt. So sind auch der Staat, Väter und Mütter, ja auch Brüder und Schwestern und sonst gute Freunde untereinander es schuldig, Böses zu strafen, wo es nötig und nützlich ist. Das wäre aber die richtige Weise, wenn man sich nach der Ordnung des Evangeliums in Matthäus 18,15-16 richten würde, wo Christus spricht: „Sündigt aber dein Bruder an dir, so halte es ihm vor zwischen dir und ihm allein.“

    Da hast du eine köstliche, feine Anweisung, um die Zunge recht zu regieren, eine Anweisung, die man sich gut merken sollte, um dem leidigen Missbrauch zu wehren. Danach richte dich nun, bringe nicht sogleich den Nächsten bei andern ins Gerede, sondern ermahne ihn unter vier Augen, dass er sich bessern soll. Ebenso auch, wenn dir ein anderer etwas zu Ohren bringt, was dieser oder jener getan hat, dann sage ihm auch, dass er hingehen und es dem Betreffenden vorhalten soll, falls er das Böse gesehen hat, falls nicht, dass er den Mund halten soll. Das magst du auch an Beispielen des täglichen Lebens in Haus und Beruf lernen. Denn so macht es der Dienstherr: Wenn er sieht, dass der Angestellte nicht tut, was er soll, so redet er mit ihm selbst. Wenn er aber so töricht wäre und ließe den Angestellten an seinem Platze sitzen und ginge heraus auf die Straße, um es den Nachbarn zu klagen, würde er freilich hören müssen: Du Narr, was gehts uns an, warum sagst du es ihm selber nicht?

    Sieh, das wäre recht brüderlich gehandelt, weil so dem Übel abgeholfen würde und dein Nächster in Ehren bliebe. So sagt es auch Christus an der genannten Stelle: „Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Damit hast du eine große und vortreffliche Tat getan. Denn meinst du, dass es keine Kleinigkeit ist, einen Bruder zu gewinnen? Lass alle Mönche und heiligen Orden mit all ihren Taten, auch wenn man sie alle auf einen Haufen tun würde, herzutreten, ob sie den Ruhm beanspruchen können, auch nur einen
    Bruder gewonnen zu haben?

    Dr. Martin Luther: Der große Katechismus 8. Gebot verf.

    Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist 
    + Friede sei mit Euch + 

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    Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der wilden Stiere (Psalm 22,22ff)

    “Vor dem Kampf” von Friedrich Wilhelm Karl Kuhnert (* 28. September 1865 – † 11. Februar 1926) 

    Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der wilden Stiere – du hast mich erhört! Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen: Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er’s. Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten. Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden;  und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker. Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern. Ihn allein werden anbeten alle Großen auf Erden; vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten. Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind. Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan. 

    Psalm 22,22-31 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    All Ehr und Lob soll Gottes sein, er ist und heißt der Höchst allein, sein Zorn auf Erden hat ein End, sein Fried und Gnad sich zu uns wend, den Menschen das gefalle wohl, dafür man herzlich danken soll.

    “Ach, lieber Gott, Dich loben wir, und preisen Dich mit ganzer Bgier, auch kniend wir anbeten Dich; Dein Ehr wir rühmen stetiglich. Wir danken Dir zu aller Zeit um Deine große Herrlichkeit.

    Herr Gott im Himmel Kön´g Du bist, ein Vater, der allmächtig ist. Du Gottes Sohn, vom Vater bist einig geborn, Herr Jesu Christ. Herr Gott, Du zartes Gotteslamm, ein Sohn aus Gott des Vaters Stamm.

    Der Du der Welt Sünd trägst allein, wollst uns gnädig barmherzig sein. Der Du der Welt Sünd trägst allein, laß Dir unser Bitt gefällig sein. Der Du gleich sizt dem Vater Dein, wollst uns gnädig, barmherzig sein.

    Du bist und bleibst heilig allein, über alles der Herr allein. Der Allerhöchst allein Du bist, Du lieber Heiland Jesu Christ, samt dem Vater und Heilgen Geist in göttlicher Majestät gleich.”

    Amen, das ist gewißlich wahr, das bekennt aller Engel Schar, und alle Welt, so weit und breit, Dich lobt und ehret allezeit. Dich rühmt die ganze Christenheit von Anfang bis in Ewigkeit.

    Babstsches Gesangbuch Wittenberg 1545 (LKG 313)

    Fortlaufende Lese

    Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.  Auch will ich zur selben Zeit über Knechte und Mägde meinen Geist ausgießen.  Und ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer und Rauchsäulen.  Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des HERRN kommt.  Und es soll geschehen: Wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR verheißen hat, und bei den Entronnenen, die der HERR berufen wird. 

    Joel 3,1-5

    Morgenlese

    Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Ob nun ich oder jene: So predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

    Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; dann sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen

    Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem. 

    1. Korinther 15,10-28

    Abendlese

    Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis 5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. 6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. 7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. 8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag. 9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. 10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. 11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so. 12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag. 14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre 15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. 16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. 17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde 18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. 19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. 20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. 21 Und Gott schuf große Seeungeheuer und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. 25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau[1]. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. 30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. 31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. 

    So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. 2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. 3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

    Genesis (1. Mose) 1,1-2,3

    Bekenntnislese

    Wir haben genug gemahnt und gewarnt; wer es nicht wahrhaben und glauben will, der lasse es bleiben, bis ers erfahre. Doch muss man dieses der Jugend einprägen, dass sie sich in acht nehmen und nicht dem gottlosen Haufen nachlaufen, sondern Gottes Gebot vor Augen haben, damit nicht Gottes Zorn und Strafe auch über sie komme. Unsere Aufgabe ist keine andere als Gottes Wort zu sagen und mit Gottes Wort zu strafen. Aber dass man solcher öffentlichen Willkür steuere, das ist die Aufgabe der Fürsten und des Staates. Die haben selber Augen und müssten den Mut haben, in den Dingen des Handelns, des Kaufens und Verkaufens Ordnung durchzusetzen und zu halten, damit die Armen nicht beschwert und unterdrückt werden und sie nicht noch die Last fremder Sünden zu tragen hätten.

    Das sei genug über das, was Stehlen heißt. Man darf es nicht so eng fassen, sondern muss es auf alles beziehen, soweit es den Nächsten betrifft. Um es kurz zusammenzufassen, wie es bei den vorhergehenden Geboten geschehen ist: Es ist erstens verboten, dem Nächsten Schaden und Unrecht zu tun (auf welche Weise es auch immer geschehen mag, dass man Hab und Gut des Nächsten mindert, dass man ihm etwas vorenthält oder fortnimmt), auch nicht darin einwilligt und es gestattet, sondern dem wehrt und es verhütet.

    Zum andern ist geboten, des Nächsten Gut zu fördern und gedeihen zu lassen und, wo er Not leidet, zu helfen, zu teilen und – ob Freund oder Feind – das Nötige vorzustrecken. Wer nun gute Taten tun möchte, wird hier übergenug finden, die Gott von Herzen angenehm sind und ihm gefallen und die er außerdem noch mit reichem Segen begnadet und überschüttet. Es soll reichlich vergolten werden, was wir unserm Nächsten Gutes tun, wie auch der König Salomo lehrt: „Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat“ (Spr. Sal. 19,17).

    Da hast du einen reichen Herrn, der dir gewiss genug geben und es dir an nichts
    fehlen lassen wird. So kannst du mit fröhlichem Gewissen hundertmal mehr genießen, als wenn du durch Untreue und Unrecht das Deine zusammenscharrst. Wer nun diesen Segen nicht mag, der wird Zorn und Unglück genug finden.

    Das 8. Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

    Außer unserm Leib, dem ehelichen Gemahl und dem zeitlichen Gut haben wir noch einen Schatz, nämlich die Ehre und den guten Ruf, die wir auch nicht entbehren können. Denn es ist wichtig, bei den Menschen nicht in öffentlicher Schande zu stehen und nicht von jedermann verachtet zu werden. Darum will Gott, dass dem Nächsten der gute Ruf, die Ehre und das gute Ansehen ebensowenig genommen und gemindert werden wie Geld und Gut, damit jeder von seiner Frau, seinen Kindern, seinen Angestellten und seinen Nachbarn als ehrenhaft dastehe. Und das ist die erste und eigentliche Bedeutung dieses Gebots, dass es sich, so wie die Worte lauten (“Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“), auf das Verhalten vor Gericht bezieht, wo man etwa einen armen unschuldigen Mann verklagt und durch falsche Zeugen belastet, damit er an Leib, Gut oder Ehre gestraft werde.

    Das scheint uns nun wenig anzugehen, aber bei den Juden kam dies sehr häufig vor, denn das jüdische Volk hatte eine gute Verfassung und Ordnung, und wo solch eine gute Verfassung und Ordnung ist, da geht es ohne diese Sünde nicht ab. Die Ursache ist folgende (denn wo es Richter, Bürgermeister, Fürsten oder andere obrigkeitliche Personen gibt, da kann es nicht anders sein, als dass es nach dem Lauf der Welt zugeht): Man will niemand gern beleidigen, man heuchelt und redet nach Gunst, man verspricht sich dadurch späteren Vorteil und nimmt Rücksicht auf Freundschaft und Geld. Der arme Mann aber wird mit seiner Sache unterdrückt, er muss Unrecht haben und Strafe leiden. Und das ist ein allgemeines Übel in der Welt, dass im Gericht selten fromme und rechtschaffene Leute sitzen.

    Denn um Richter zu sein, muss jemand vor allen Dingen ein rechtschaffener Mann sein, und nicht allein ein rechtschaffener Mann, sondern auch ein weiser und gescheiter, ja auch ein kühner und mutiger Mann. Ebenso muss auch ein Zeuge ein mutiger, dazu vor allem auch ein rechtschaffener und frommer Mann sein. Denn wer alle Sachen gerecht entscheiden und mit dem Urteil einmal durchgreifen will, wird oftmals gute Freunde, Verwandte und Nachbarn, auch reiche und einflussreiche Menschen erzürnen, die ihm sehr von Nutzen sein oder ihm auch schaden können. Darum muss er sich blind stellen, Augen und Ohren schließen, nichts anderes sehen und hören als allein die Sache selbst, um die es geht, und dann sein Urteil fällen.

    Darauf nun bezieht sich dieses Gebot zuerst, dass ein jeder seinem Nächsten zu seinem Recht helfe und nicht zulasse, dass es gebeugt und ihm vorenthalten werde. Sondern man soll das Recht fordern und über dem Recht wachen, gleichviel, ob man Richter oder Zeuge ist und um welche Sache es auch immer gehen mag.

    Und insbesondere ist dies unsern Herren Juristen gesagt, sie sollen zusehen, dass sie recht und aufrichtig mit den Rechtssachen umgehen und, was Recht ist, auch Recht bleiben lassen und umgekehrt auch nichts verdrehen und bemänteln oder verschweigen und alles tun ohne Rücksicht auf Geld und Gut, Ansehen und Einfluss. Dies ist das Eine, wovon dieses Gebot handelt, und der eigentliche Sinn, der sich auf alles bezieht, was vor Gericht geschieht.

    Dann aber, zweitens, reicht sein Sinn noch viel weiter, wenn man es auf das „geistliche“ Gericht oder Regiment bezieht. Da geht es doch so zu, dass ein jeder gegen seinen Nächsten eine falsche Zeugenaussage macht. Denn wo es fromme Prediger und Christen gibt, gelten sie vor der Welt als Ketzer und Abtrünnige, ja als Revolutionäre und gefährliche Bösewichte. Außerdem muss sich Gottes Wort aufs Schändlichste und Giftigste verfolgen, lästern und als Lügner bezeichnen lassen. Man verdreht es und führt es falsch an und legt es falsch aus. Aber daran kann man nichts ändern; denn es ist der blinden Welt Art, dass sie die Wahrheit und die Kinder Gottes verurteilt und verfolgt
    und es doch für keine Sünde hält.

    Drittens – und das betrifft uns alle – ist in diesem Gebot alle Zungensünde verboten, durch die man dem Nächsten Schaden antut oder ihn kränkt. Denn „falsches Zeugnis reden“ geschieht ja mit dem Mund und mit der Zunge. Was man nun mit seinem Mundwerk dem Nächsten zum Schaden redet, das will Gott verhindert haben. Es seien falsche Prediger mit ihrer Lehre und ihrem Lästern, falsche Richter und Zeugen mit ihrem Urteilen oder sonst außerhalb des Gerichtes alles Lügen und jedes böse Gerede. Hierher gehört insbesondere das leidige, schändliche Laster der bösen Nachrede und des Verleumdens, mit dem uns der Teufel plagt und von dem viel zu reden wäre. Denn es ist ein allgemeines schändliches Übel, dass jedermann lieber Böses als Gutes über den Nächsten reden hört. Und obgleich wir selber böse sind und es nicht leiden können, wenn uns jemand etwas Böses nachsagt, sondern jeder gerne möchte, dass alle Welt das Beste von ihm redet, so können wir es doch nicht hören, wenn man das Beste von andern sagt.

    Dr. Martin Luther: Großer Katechismus (7. und 8. Gebot)

    + Der Herr sei mit Euch +

    Der Herr segne und behüte Dich.
    Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
    Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

    4. Mose 6,24-26

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    Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN (Exodus 15)

    Spencer Kunstmuseum (Lawrence, KS)

    Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt. Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name. Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. Fluten haben sie bedeckt, sie sanken in die Tiefe wie Steine. HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschlägt den Feind. Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt; denn als du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln. Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer. Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ziehen, und meine Hand soll sie verderben. Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser. HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig? Als du deine rechte Hand ausrecktest, verschlang sie die Erde. Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. Als das die Völker hörten, erbebten sie; Angst kam die Philister an. Da erschraken die Fürsten Edoms, Zittern kam die Gewaltigen Moabs an, alle Bewohner Kanaans wurden feig. Es fiel auf sie Erschrecken und Furcht; vor deinem mächtigen Arm erstarrten sie wie die Steine, bis dein Volk, HERR, hindurchzog, bis das Volk hindurchzog, das du erworben hast. Du brachtest sie hinein und pflanztest sie ein auf dem Berge deines Erbteils, den du, HERR, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat. Der HERR wird König sein immer und ewig. Denn der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Reitern. Und der HERR ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. 

    2. Mose 15,1-19 (Exodus) verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein
    mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.

    Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt’ mich besessen.

    Mein guten Werk, die galten nicht, es war mit ihn’ verdorben; der frei Will hasste Gotts Gericht, er war zum Gutn erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen musst ich sinken.

    Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ’s sein Bestes kosten.

    Er sprach zu seinem lieben Sohn: »Die Zeit ist hier zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und lass ihn mit dir leben.«

    Der Sohn dem Vater g’horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt, mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen G’stalt, den Teufel wollt er fangen.

    Er sprach zu mir: »Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.

    Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein, da bist du selig worden.

    Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübnis trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten.

    Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und hüt dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz: Das lass ich dir zur Letze.«

    Dr Martin Luther (1523) in LKG 226

    Fortlaufende Lese

    Da eiferte der HERR um sein Land und verschonte sein Volk. Und der HERR antwortete und sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Völkern zuschanden werden lassen.  20 Und ich will den Feind aus Norden von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer; er soll verfaulen und stinken, denn er hat Großes getan.  Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR hat Großes getan.  Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Felde; denn die Auen in der Steppe grünen, und die Bäume bringen ihre Früchte, und die Feigenbäume und Weinstöcke tragen reichlich. Und ihr, Kinder Zions, freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott, der euch den Lehrer zur Gerechtigkeit gibt und euch herabsendet Regen, Frühregen und Spätregen wie zuvor,  dass die Tennen voll Korn werden und die Keltern Überfluss an Wein und Öl haben.  Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die Heuschrecken, Larven, Geschmeiß und Raupen gefressen haben, mein großes Heer, das ich unter euch schickte. Ihr sollt genug zu essen haben und den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. Und ihr sollt’s erfahren, dass ich mitten unter Israel bin und dass ich, der HERR, euer Gott bin, und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. 

    Joel 2,18-27

    Morgenlese

    Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei. 19 Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen 20 und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. 21 Auch euch, die ihr einst Fremde wart und feindlich gesinnt in bösen Werken, 22 hat er nun versöhnt durch seinen sterblichen Leib, durch seinen Tod, auf dass er euch heilig und makellos und untadelig vor sein Angesicht stelle; 23 wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Sein Diener bin ich, Paulus, geworden.

    Kolosser 1,15-23

    Abendlese

    Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. 24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28 Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29 Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. 30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 33 So ging Paulus weg aus ihrer Mitte.

    Apostelgeschichte 17,22-33

    Bekenntnislese

    Weil sich nun dieses Gebot, wie eben erläutert, auf so viele Dinge bezieht, ist es nötig, es den Menschen gründlich vorzuhalten und zu erklären, damit man sie nicht so frei und sicher dahinleben lässt; man muss ihnen immer wieder Gottes Zorn vor Augen stellen und einprägen. Dieses müssen wir vor allem den Spitzbuben und Gaunern predigen, denen eigentlich die Richter, Gefängniswärter und Henker predigen müssten. Denn den Christen braucht das nicht gesagt zu werden.

    Darum soll jedermann wissen, dass er es bei Gottes Ungnade schuldig ist, seinem Nächsten keinen Schaden zuzufügen noch ihn um seinen Vorteil zu bringen oder beim Kauf oder irgendeinem Handel Untreue oder Hinterlist zu beweisen; er ist es darüber hinaus auch schuldig, Hab und Gut des Nächsten treu zu bewahren und dessen Nutzen zu fördern und zu mehren, insbesondere dann, wenn er Geld, Lohn oder Nahrung dafür nimmt. Wer nun dieses mutwillig verachtet, mag wohl hingehen und dem Henker entlaufen; er wird aber Gottes Zorn und Strafe nicht entgehen und, wenn er auch eine Zeitlang seinen Mutwillen treibt, schließlich doch ein Landstreicher und Bettler werden und noch dazu von allerlei Unglück geplagt werden.

    Jetzt lebst du deine Tage dahin und – statt Hab und Gut deines Vorgesetzten zu bewahren – stopfst du dir deinen Magen und Bauch voll und erhältst deinen Lohn wie ein Dieb und lässt dich dazu noch wie ein großer Herr feiern. Es sind ihrer viele, die den Willen ihrer Vorgesetzten missachten und sich höchst ungern dazu bereit finden, einen Schaden zu verhüten.

    Sieh aber zu, welchen Nutzen du davon hast. Es könnte sein, dass, wenn du selber dir Eigentum erwirbst und in deinem Hause sitzt, Gott allerlei Unglück über dich kommen und es dich vergelten lässt; wo du etwas gestohlen oder jemand Schaden zugefügt hast, dass du es 30-fältig bezahlen musst.

    Ebenso mag es Handwerkern und Tagelöhnern gehen, von welchen man jetzt auch unleidliche Dinge hört und ertragen muss. Sie tun so, als wären sie die großen Herren und könnten über alles verfügen und jedermann müsste ihnen geben, soviel sie wollten.

    Man lasse sie nur weiter die Leute schinden, solange sie können; aber Gott wird sein Gebot nicht vergessen und wird es ihnen lohnen, so wie sie es verdient haben. Sie werden schließlich am dürren Galgen hängen, nicht einmal am grünen Holze, sodass es mit ihrem Leben aus ist und sie nichts Gutes mehr zu erwarten haben. Wenn wir einen Staat hätten, in dem Ordnung herrschte, dann könnte man solcher Willkür bald Herr werden, so wie es bei den Römern gewesen ist; dort packte man den Betreffenden gleich beim Schopfe, damit auch die andern sich dadurch warnen ließen.

    So sollte es auch allen andern ergehen, die aus dem freien Markt nichts als eine Abdeckerei und eine Räuberhöhle machen. Täglich übervorteilt man die Armen, beschwert sie und verteuert alles, und jeder handelt auf dem Markt nach seiner Willkür. Und darauf besteht man auch noch, so als könne man mit Fug und Recht das Seine so teuer verkaufen, wie es einem gefällt, und niemand solle etwas dareinreden.

    Wir wollen ihnen wohl zuschauen (und sie gewähren lassen), wie sie andere schinden und quälen und mit allem geizen, aber wir vertrauen Gott. Wenn du dich lang genug geschunden und mühsam alles zusammengescharrt hast, dann wird er einen Segen darüber sprechen, sodass dir dein Kom auf dem Boden, dein Bier im Keller und dein Vieh im Stall verdirbt. Er wirds gewiss tun. Ja wo du jemand um ein Goldstück betrügst und übervorteilst, da soll dir dein ganzes Geld verrotten und verderben, sodass du dessen niemals mehr froh wirst.

    Wir sehen und erfahren es und haben es auch täglich vor Augen, dass gestohlenes und unrecht gewonnenes Gut nicht gedeiht. Wie viele gibt es doch, die Tag und Nacht zusammenscharren und -kratzen, aber doch um keinen Pfennig reicher werden. Und wenn sie auch viel sammeln, doch soviel Plage und Unglück haben, dass sie es weder mit Freude genießen noch auf ihre Kinder vererben können. Aber weil sich niemand daran kehrt und man dahinlebt, als ginge es uns nichts an, muss Gott uns auf andere Weise heimsuchen und Mores lehren. Ein Unglück über das andere lässt er über das Land kommen, oder er schickt uns plündernde Horden ins Haus, die uns in kürzester Frist Schränke und Vorratskammern ausräumen und die nicht eher aufhören, bis wir die letzte Mark herausgegeben haben. Und zum Dank werden sie uns noch Haus und Hof verbrennen und zerstören, Frau und Kinder schänden und umbringen.

    Kurz, wenn du viel stiehlst, so sei gewiss, dass dir selber noch viel mehr gestohlen wird. Wer mit Gewalt raubt und zu Unrecht Gewinne macht, muss es sich gefallen lassen, dass ihm ein anderer ebenso mitspielt. Denn diese Kunst beherrscht Gott meisterhaft, dass, weil jedermann den andem beraubt und bestiehlt, er einen Dieb mit dem andern bestraft. Wäre es nicht so, wo sollte man sonst genügend Galgen und Stricke hernehmen?

    Wer sich nun belehren lassen will, soll wissen, dass es Gottes Gebot ist. Er soll es für keinen Scherz halten. Denn wenn du uns verachtest, betrügst, bestiehlst und beraubst, so wollen wir uns noch darein finden und deinen Hochmut ertragen und erleiden, auch dir vergeben und mit dir Erbarmen haben, wie es das Vaterunser lehrt. Denn die Frommen werden doch immer genug zum Leben haben müssen. Du schadest dir selber mehr als irgendeinem andern.

    Aber davor hüte dich, wenn die lieben Armen kommen, von denen es heutzutage viele gibt, die von der Hand in den Mund leben müssen, dass du sie nicht anfährst, so als müsste jedermann von deiner Gnade leben, und sie bis auf die Knochen schindest und sie mit Stolz und übermut abweist, obgleich du ihnen doch geben und schenken solltest. Sie werden dann elend und betrübt fortgehen und werden, weil niemand Anklage erhebt, gen Himmel rufen und schreien. Davor hüte dich, sage ich nochmals, wie vor dem Teufel selbst. Denn solch ein Seufzen und Rufen wird nicht vergeblich sein, sondern es wird eine Wirkung haben, die dir und aller Welt zu schwer werden wird. Denn es wird zu dem dringen, der sich der armen, betrübten Herzen annimmt und sie nicht ungerächt lassen will. Verachtest du dieses aber und trotzest du, dann sieh zu, mit wem du es zu tun bekommst. Wirst du unangefochten leben und wird es dir gut ergehen, dann sollst du Gott und mich vor aller Welt einen Lügner schelten.

    Dr. Martin Luther (1529): Große Katechismus 7. Gebot (I,232-247)

    Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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    Kantate: 4. Sonntag nach Ostern.

    Wochenspruch

    Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

    Psalm 98,1

    Introitus

    Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! 

    Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. 

    Psalm 98

    Alttestamentliche Lesung

    Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. 15 Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. 16 Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde. 17 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. 18 Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist mit ihm. 19 Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. 20 Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David. 21 So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. 22 Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen. 23 Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm. 

    1. Samuel 16,14-23

    Versikel

    Christus hat dem Tode die Macht genommen, Halleluja, und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Halleluja.

    2. Timotheus 1,10

    Epistel Lese

    So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. 15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. 

    Kolosser 3,12-17

    Hallelujavers

    Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja, Halleluja.

    Psalm 66,1-2; Lukas 24,6a.34

    Das heilige Evangelium

    Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. 

    Lukas 19,37-40

    Glaubensbekenntnis

    Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

    Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

    Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

    Und die eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

    Nizänisches Glaubensbekenntnis

    Wochenlied

    Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teur hat ers erworben.

    Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt’ mich besessen.

    Mein guten Werk, die galten nicht, es war mit ihn’ verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, er war zum Gutn erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen musst ich sinken.

    Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ’s sein Bestes kosten.

    Er sprach zu seinem lieben Sohn: »Die Zeit ist hier zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und lass ihn mit Dir leben.«

    Der Sohn dem Vater g’horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen Gstalt, den Teufel wollt er fangen.

    Er sprach zu mir: »Halt Dich an mich, es soll Dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für Dich, da will ich für Dich ringen; denn ich bin Dein und Du bist mein, und wo ich bleib, da sollst Du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.

    Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles Dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde Dein, da bist Du selig worden.

    Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister Dein, den Geist will ich Dir geben, der Dich in Trübnis trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten.

    Was ich getan hab und gelehrt, das sollst Du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und hüt Dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz: das lass ich Dir zur Letze.«

    Martin Luther 1523 (LKG 226)

    Gottes Wort zur Predigt

    Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. 

    Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier! Der aber forderte ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und führte sie in sein Haus und bereitete ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

    Apostelgeschichte 16,23-34 

    Predigt Dr. Martin Luther´s zu Kantate

    Dr. Martin Luther predigt am 4. Sonntag nach Ostern (Kantate) über das hl. Evangelium des hl. Apostels Johannes 16, 5-15(WA 52 S.289-298) eine “trost predigt” über des verheißenen Trösters Werk, des Heiligen Geistes, der uns predigt über die Sünde, die Gerechtigkeit und das Gericht zu Trost uns armen Sünder.

    Und hier zwei Predigten von mir zum Sonntag Kantate. Die erste (Längere) war im Taufgottesdienst um 8h00, die zweite im Hauptgottesdienst um 11h00.

    Wochengebet

    Wunderbarer Gott,
    in deiner Gegenwart 
    atmen wir auf,
    werden frei und 
    schöpfen neuen Mut.
    Für dich singen wir:
    Laudate omnes gentes (EG 181,6)

    Wunderbarer Gott,
    sieh auf die, die gefangen sind – 
    die entführten Kinder,
    die verschleppten Geiseln,
    die Kriegsgefangenen,
    die Menschen in den Abschiebelagern und -gefängnissen.
    Siehst du ihre Tränen? 
    Bringe sie zurück.
    Wir rufen zu dir:
    Erbarme dich.

    Wunderbarer Gott,
    höre die, die inmitten von Gewalt und Krieg leben–
    in Gaza,
    in Israel,
    in der Ukraine und 
    an den Orten, die uns fern sind. 
    Du kennst sie und sie sind deinem Herzen nahe.
    Hörst du das Weinen?
    Komm und rette.
    Wir rufen zu dir:
    Erbarme dich.

    Wunderbarer Gott,
    machen denen Mut, die sich fürchten –
    vor Feindschaft,
    vor Mobbing,
    vor der Macht der Lüge,
    davor, dass die Mächte der Zerstörung siegen könnten. 
    Hast du nicht Worte zum Leben?
    Sprich du das Wort, das tröstet und befreit.
    Wir rufen zu dir:
    Erbarme dich.

    Wunderbarer Gott,
    mahne die, die sich für die Herren der Welt halten –
    die Kriegstreiber,
    die Gierigen,
    die Gewalttäter und
    alle, die meinen, klüger als die anderen zu sein.
    Hast du nicht größere Macht?
    Bewahre deine Schöpfung.
    Wir rufen zu dir:
    Erbarme dich.

    Wunderbarer Gott,
    tröste die Leidenden  –
    die Kranken und alle, die mit ihnen mitleiden,
    die Trauernden,
    die Ratlosen und die in Dunkelheit Gefangenen.
    Warum zögerst du?
    Mach es hell und lass sie wieder aufleben.
    Wir rufen zu dir:
    Erbarme dich.

    Wunderbarer Gott,
    du segnest unsere Kinder,
    unsere neu Getauften, die Konfirmandinnen und Konfirmanden,
    du segnest die, die einander vertrauen.
    Segne deine weltweite Kirche,
    segne heute unsere römisch-katholischen Geschwister und Papst Leo.
    Segne uns und die Gemeinde an diesem Ort.
    In deiner Gegenwart atmen wir auf,
    werden wir frei und 
    schöpfen neuen Mut.
    Für dich singen wir:
    Laudate omnes gentes(EG 181,6).
    Amen.

    VELKD: Wochengebet

    + Der Herr sei mit Euch +

    Der Herr segne und behüte Dich.
    Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
    Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

    4. Mose 6,24-26

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    Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! (Psalm 146)

    “David bringt die Bundeslade nach Jerusalem” von Luca Giordano (1634-1705) Spencer Museum of Art (Lawrence, KS)

    Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin. Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

    Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset.

    Der HERR macht die Gefangenen frei. Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten. Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre. Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja! 

    Psalm 146 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, zu Deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

    Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja, die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

    Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

    Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

    Der Sonnenschein jetzt kommt herein, Halleluja, Halleluja, und gibt der Welt ein neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

    Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, zu Deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

    Köln 1623 (LKG 172)

    Fortlaufende Lese

    Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen!  Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es reut ihn bald die Strafe.  Wer weiß, ob er nicht umkehrt und es ihn reut und er Segen zurücklässt, sodass ihr opfern könnt Speisopfer und Trankopfer dem HERRN, eurem Gott.  Blast die Posaune zu Zion, sagt ein heiliges Fasten an, ruft einen Feiertag aus!  Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, sammelt die Ältesten, bringt zusammen die Kinder und die Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach!  Lasst die Priester, des HERRN Diener, weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden, dass Völker über sie herrschen! Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott? 

    Joel 2,12-17

    Morgen- und Abendlese

    Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung[1] für unsre Sünden. 11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 14 Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 

    Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. 

    1. Johannes 4,7-21

    Bekenntnislese

    Dies sage ich nun deswegen, damit man die Jugend dazu anhalte, Lust zur Ehe zu gewinnen. Sie soll wissen, dass die Ehe ein seliger und Gott wohlgefälliger Stand ist. Vielleicht gelingt es dann auch mit der Zeit, dass die Ehe wieder zu Ehren kommt und das wüste, unordentliche Wesen aufhört, das sich jetzt überall in der Welt breit macht, nämlich die öffentliche Hurerei und andere schändliche Laster, die aus der Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt sind.

    Darum sind Eltern und Staat es schuldig, auf die Jugend zu achten, dass man sie zur Zucht und Ehrbarkeit erziehe und, wenn sie erwachsen sind, in Ehren verheirate. Dazu würde Gott seinen Segen und seine Gnade geben, sodass man seine Lust und Freude daran hätte.

    Schließlich, um zum Ende zu kommen, sei dies gesagt: Dieses Gebot fordert nicht allein, dass ein jeder in seinem Stand und d. h. für die meisten in der Ehe in seinen Worten und Gedanken, in all seinem Tun, keusch leben soll, sondem er soll auch sein Gemahl, das ihm von Gott gegeben ist, von Herzen liebhaben. Denn wo eheliche Keuschheit gehalten werden soll, müssen Mann und Frau vor allen Dingen in Liebe und Eintracht beieinander wohnen. Einer muss den andern von Herzen und mit ganzer Treue lieben. Denn dies gehört zum Wichtigsten in der Ehe und ist die Voraussetzung dafür, dass Lust und Liebe zur Keuschheit entstehen. Wo Liebe und Treue in Übung sind, wird die Keuschheit (und das heißt der zuchtvolle Umgang mit dem eigenen Trieb) wohl von selbst folgen ohne alles Gebieten.

    Deshalb mahnt auch St. Paulus so fleißig die Eheleute, dass einer den andern lieben
    und ehren soll. So zeigt dir auch dieses Gebot in vielfacher Hinsicht und reichem Maße, was es bedeutet, Gutes zu tun, dessen du dich rühmen kannst gegenüber allen besonderen „geistlichen“ Ständen, die ohne Gottes Wort und Gebot erwählt sind.

    Das 7. Gebot: Du sollst nicht stehlen.

    Nach deiner Person und deinem ehelichen Gemahl ist das irdische Gut dir das Nächste. Das will Gott auch geschützt wissen. Darum hat er geboten, dass niemand dem Nächsten das Seine fortnehmen oder mindern soll. Denn stehlen bedeutet nichts anderes als das Gut eines andern auf unrechtmäßige Weise an sich bringen. Und dazu gehört auch, dass man in Handelsgeschäften den eigenen Vorteil auf Kosten des andern sucht. Das ist ein so weit verbreitetes allgemeines Laster, dass man es schon gar nicht mehr als Laster ansieht und beachtet, so sehr hat es überhand genommen. Wenn man sie alle an den Galgen hängen wollte, die in Wahrheit Diebe sind und doch keine sein wollen, würde die Welt bald menschenleer sein, und es würde an Henkern und Galgen fehlen. Denn, wie gesagt, stehlen wollen wir nicht alleine das nennen, wenn jemand Truhen ausräumt und Taschen leer macht, sondern wenn sich jemand Dinge zu Unrecht aneignet und betrügt – auf dem Markt, in den Kaufläden und Fleischerbuden, im Wein- und Bierkeller, in den Werkstätten, kurz, wo man Handel treibt und Geschäfte abschließt, wo man für Geld arbeitet oder Arbeit mit Geld bezahlt.

    So, um es für jedermann ein wenig deutlicher zu sagen: Wenn z. B. Angestellte nicht treu ihre Arbeit tun, sondern Schaden anrichten oder geschehen lassen, obgleich sie ihn hätten verhindern können; oder wenn sie aus Faulheit oder Bosheit das, was ihnen anvertraut ist, verwahrlosen lassen und sich nicht darum kümmern, zum Ärger und Verdruss ihrer Vorgesetzten, und dies alles auch noch absichtlich geschieht (denn ich
    rede nicht von dem, was versehentlich und unabsichtlich geschieht) – dann kann man auf diese Weise gut und gern pro Jahr 30 oder 40 Goldstücke oder noch mehr „entwenden“. Wenn ein anderer jedoch diese Summe heimlich genommen oder gestohlen hätte, dann hätte man ihn aufgehängt. So aber darfst du noch groß auftrumpfen, und niemand wagt es, dich einen Dieb zu nennen.

    Das gleiche sage ich auch von Handwerkern, Arbeitern und Tagelöhnern, die ganz nach Willkür die Leute übervorteilen und dazu noch nachlässig und untreu in ihrer Arbeit sind. Diese alle sind weit schlimmer als die Diebe, die heimlich stehlen, vor denen man sich durch Schloss und Riegel schützen kann oder mit denen man, wenn man sie erwischt, so umspringt, dass sie es nicht mehr tun. Vor diesen aber kann sich keiner schützen; niemand darf sie auch unfreundlich ansehen oder irgendeines Diebstahls bezichtigen. Zehnmal lieber wollte man es ertragen, das Geld einfach aus dem Geldbeutel zu verlieren; denn sie sind meine Nachbarn, sind gute Freunde, sind meine Angestellten, von denen ich doch Gutes erwarten kann, aber sie betrügen mich am allerersten.

    So geht es auch auf dem Markt zu und allgemein im Geschäfts- und Handelsleben. Ungeniert betrügt einer den andern mit falscher Ware, falschem Maß, Gewicht und Geld; und gar schnell übervorteilt man mit schlauer List und unlauteren Tricks, beim Kaufen und Verkaufen, und man schindet und plagt und beschwert die Leute ganz nach Willkür. Wer kann dies alles aufzählen und nennen? Jedenfalls ist Stehlen und Betrügen das am
    häufigsten geübte Handwerk, und die das tun, bilden die größte Zunft auf der Erde; und wenn man heutzutage die Welt durch alle Berufe hin ansieht, so ist sie nichts anderes als ein großer, geräumiger Stall voller Diebe.

    Darum heißen sie auch „Stuhlräuber“, Land- und Straßendiebe – nicht heimliche Diebe, die einbrechen und heimlich Geld stehlen – ‚ sondern sie sitzen auf dem Stuhl hinter ihrem Schreibtisch und gelten als große Herren und ehrbare, rechtschaffene Bürger, rauben und stehlen aber unter dem Schein des Rechts.

    Ja man könnte noch schweigen, wo es um kleine einzelne Diebe geht, aber die großen, gewaltigen Erzdiebe, die sollte man anprangern, mit denen die Herren und Fürsten gemeinsame Sache machen; sie stehlen nicht nur eine oder zwei Städte leer, sondern bestehlen täglich ganz Deutschland.

    Kurz, so geht’s in der Welt zu, dass, wer mächtig genug ist, öffentlich zu stehlen und zu rauben, sicher und frei dahinlebt, von niemand bestraft wird und dazu noch geehrt sein will. Die kleinen heimlichen Diebe jedoch, die sich einmal vergriffen haben, müssen die Schande und Strafe ertragen und jene andern noch rechtschaffen und ehrenvoll erscheinen lassen. Doch sollen sie wissen, dass sie vor Gott die größten Diebe sind, der sie auch, wie sie es wert sind und verdienen, strafen wird.

    Dr. Martin Luther, Großer Katechismus (1529): 6. und 7. Gebot

    Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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    Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. (Jesaja 38,10-20)

    Im Schatten des allerhöchsten auch in Frankentrost

    Ich sprach: In der Mitte meines Lebens muss ich dahinfahren, zu des Totenreichs Pforten bin ich befohlen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN, ja, den HERRN im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich preis. Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein!

    Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat’s getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. Herr, davon lebt man, und allein darin liegt meines Lebens Kraft: Du lässt mich genesen und am Leben bleiben. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!

    Jesaja 38,10-20 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu umfangen, der heute durch des Todes Tür gebrochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne.

    Steh aus dem Grab der Sünden auf und such ein neues Leben, vollführe deinen Glaubenslauf und lass dein Herz sich heben gen Himmel, da dein Jesus ist, und such, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden.

    Vergiss nun, was dahinten ist, und tracht nach dem, was droben, damit dein Herz zu jeder Frist zu Jesus sei erhoben. Tritt unter dich die böse Welt und strebe nach des Himmels Zelt, wo Jesus ist zu finden.

    Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden.

    Geh mit Maria Magdalen und Salome zum Grabe, die früh dahin aus Liebe gehn
    mit ihrer Salbungsgabe, so wirst du sehn, dass Jesus Christ vom Tod heut auferstanden ist und nicht im Grab zu finden.

    Es hat der Löw aus Judas Stamm heut siegreich überwunden, und das erwürgte Gotteslamm hat uns zum Heil erfunden das Leben und Gerechtigkeit, weil er nach überwundnem Streit den Feind zur Schau getragen.

    Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Jesus überwunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, dass du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glauben dienest.

    Scheu weder Teufel, Welt noch Tod noch gar der Hölle Rachen. Dein Jesus lebt, es hat kein Not, er ist noch bei den Schwachen und den Geringen in der Welt als ein gekrönter Siegesheld; drum wirst du überwinden.

    Ach mein Herr Jesu, der du bist vom Tode auferstanden, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, dass wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben.

    Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern und ewig in der Herrlichkeit
    von allen Überwindern, die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Mut, dass wir auch überwinden.

    Lorenz Lorenzen 1700 (LKG 171)

    Fortlaufende Lese

    Blast die Posaune zu Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berge! Erzittert, alle Bewohner des Landes! Denn der Tag des HERRN kommt und ist nahe,  2 ein finsterer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! Gleichwie die Morgenröte sich ausbreitet über die Berge, so kommt ein großes und mächtiges Volk, desgleichen vormals nicht gewesen ist und hinfort nicht sein wird auf ewige Zeiten für und für.  3 Vor ihm her geht ein verzehrendes Feuer und hinter ihm eine brennende Flamme. Das Land ist vor ihm wie der Garten Eden, aber nach ihm wie eine wüste Einöde, und niemand wird ihm entgehen.  4 Sie sind gestaltet wie Pferde und rennen wie die Rosse.  5 Sie sprengen daher über die Höhen der Berge, wie die Wagen rasseln und wie eine Flamme prasselt im Stroh, wie ein mächtiges Volk, das zum Kampf gerüstet ist.  6 Völker entsetzen sich vor ihm, und jedes Angesicht erbleicht.  7 Sie laufen wie Helden und ersteigen die Mauern wie Krieger; ein jeder geht stracks seinen Weg, weicht nicht von seinen Pfaden.  8 Keiner drängt den andern, sondern ein jeder zieht auf seinem Weg daher; sie durchbrechen die feindlichen Waffen und dabei reißt ihr Zug nicht ab.  9 Sie stürzen sich auf die Stadt, laufen auf der Mauer, in die Häuser steigen sie ein, wie ein Dieb kommen sie durch die Fenster.  10 Vor ihm erzittert das Land und bebt der Himmel, Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück.  11 Und der HERR lässt seinen Donner vor seinem Heer erschallen. Denn sein Heer ist sehr groß; denn es ist mächtig und richtet seinen Befehl aus. Ja, der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? 

    Joel 2,1-11

    Morgenlese

    Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen 27 und gebt nicht Raum dem Teufel. 28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. 30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. 

    Epheser 4,25-32

    Abendlese

    Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.

    Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. 

    Römer 8,18-23

    Bekenntnislese

    Das 6. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.

    Dieses und die folgenden Gebote sind leicht zu verstehen, wenn man das vorige verstanden hat. Denn sie laufen alle darauf hinaus, dass man sich davor hüten soll, dem Nächsten allerlei Schaden zuzufügen. Sie folgen aber in guter Ordnung: das Erste bezieht sich auf die Person des Nächsten selbst, das Folgende auf die ihm nächststehende Person bzw. auf das Gut, das ihm nach seinem eigenen Leben am nächsten steht, nämlich sein eheliches Gemahl, das mit ihm ein Fleisch und Blut ist. An keinem andern Gut kann man ihm größeren Schaden zufügen. Darum wird hier auch klar zum Ausdruck gebracht, dass man dem Nächsten keine Schande bereiten soll, indem man sich an seiner Ehefrau vergeht.

    Und dieses Gebot bezieht sich dem Wortlaut nach allein auf den Ehebruch, und zwar deswegen, weil es im jüdischen Volk so geordnet und geboten war, dass jeder ehelich werden musste. Darum sollten die Jugendlichen auch möglichst zeitig heiraten. Ledig zu sein galt nichts. Es gab auch keine öffentliche Prostitution, wie sie jetzt bei uns gestattet ist. Darum ist der Ehebruch die verbreitetste Unkeuschheit bei ihnen gewesen.

    Weil aber bei uns eine solche schändliche Anhäufung aller Untugenden und Laster zu finden ist, richtet sich dieses Gebot gegen alle Arten von Unkeuschheit, welche es auch immer sein mögen. Es verbietet auch nicht allein das unkeusche Tun, sondern auch alles, was zur Unkeuschheit reizt und verführt. So sollen Herz, Mund und der ganze Leib keusch sein. Und kein Anlass und keine Verführung zur Unkeuschheit sollen gegeben werden. Schließlich soll man auch aller Unkeuschheit wehren und, wo jemand in Gefahr und Versuchung gerät, gegen das 6. Gebot zu sündigen oder dazu verführt zu werden, ihn beschützen und ihm helfen, damit die Ehre des Nächsten nicht angetastet werde. Denn wenn du Hilfeleistung unterlässt, wo du Schaden verhüten könntest, oder darüber hinweg siehst, als ginge es dich nichts an, bist du ebenso schuldig wie der Täter selbst. So wird, um es kurz zu sagen, in diesem Gebot gefordert, dass ein jeder selbst keusch leben und auch dem Nächsten dazu behilflich sein soll. So will Gott durch dieses Gebot eines jeden Ehegemahl schützen und bewahren, damit sich niemand an ihm vergreife.

    Weil sich dieses Gebot aber vor allem auf den Ehestand bezieht und Anlass gibt, von ihm zu reden, sollst du Folgendes bedenken und zu Herzen nehmen: Erstens wie sehr Gott diesen Stand dadurch ehrt und hervorhebt, dass er ihn durch sein Gebot bestätigt und schützt. Bestätigt hat er ihn im 4. Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ Hier – mit dem 6. Gebot – bewahrt und schützt er ihn. Darum will er auch, dass wir ihn als einen göttlichen und seligen Stand ehren, ansehen und führen. Denn er hat ihn vor allen andern Ständen eingesetzt. Er hat Mann und Frau unterschiedlich geschaffen, wie das vor Augen ist, aber nicht, damit sie miteinander Unzucht treiben, sondern dass Mann und Frau in der Ehe zusammenhalten, fruchtbar sind, Kinder zeugen, ernähren und zu Gottes Ehre aufziehen.

    Darum hat Gott den Ehestand auch vor allen andern Ständen auf’s reichlichste gesegnet. Alles, was es in der Welt gibt, hat Gott dem Ehestand zugedacht und soll ihm zugute kommen, sodass er mit allem reichlich versorgt ist. So ist die Ehe kein Kinderspiel und keine vorwitzige Sache, sondern eine vortreffliche Ordnung, um die es Gott sehr ernst ist. Denn es kommt ihm alles darauf an, dass man Leute erzieht, die der Welt dienen und ihr helfen, Gott zu erkennen, ein seliges und an guten Taten reiches Leben zu führen und gegen alles Böse und den Teufel zu kämpfen.

    Darum habe ich immer gelehrt, dass man die Ehe nicht verachten oder geringschätzen soll, wie es die blinde Welt und unsere falschen Geistlichen tun. Man soll die Ehe vielmehr ansehen, wie Gottes Wort sie sieht, denn Gott heiligt den Ehestand und zeichnet ihn vor allen andern Ständen aus. Er ist allen andern Ständen nicht nur gleich – ob es sich nun um Kaiser, Fürsten und Bischöfe handelt – ‚ sondern ist höher als sie alle. Ob nun jemand im geistlichen oder weltlichen Stande lebt – alle müssen diesem Stand Ehre bezeugen und sich in ihn hineinfinden, wie wir noch hören werden. Darum ist der Ehestand nicht ein besonderer Stand, sondern der verbreitetste und doch edelste Stand, der sich in der ganzen Christenheit, ja in der ganzen Welt findet.

    Zweitens sollst du auch wissen, dass der Ehestand nicht allein ein ehrenhafter, sondern auch ein notwendiger Stand ist. Es ist ernstlich von Gott geboten, dass in allen Ständen und Gesellschaftsschichten Mann und Frau die Ehe eingehen sollen, zu der sie doch geschaffen sind. Ausgenommen sind einige wenige, welche Gott davon ausgenommen hat, sei es, dass sie zur Ehe nicht tüchtig sind, oder sei es, dass er sie durch eine hohe, übernatürliche Gabe von ihr befreit hat, eine Gabe, die sie befähigt, auch außerhalb der Ehe in Keuschheit zu leben. Denn wo es nach der Natur geht, wie sie Gott dem Menschen eingepflanzt hat, ist es nicht möglich, ohne Ehe keusch zu bleiben, denn Fleisch und Blut bleiben Fleisch und Blut. Und die natürliche Neigung und der geschlechtliche Trieb lassen sich nicht unterdrücken, wie jeder sieht und fühlt. Darum hat auch Gott den Ehestand befohlen, damit es desto leichter fällt, die Unkeuschheit einigermaßen zu meiden. In der Ehe hat ein jeder sein zugewiesenes Teil und soll sich daran genügen lassen – obgleich noch Gottes Gnade hinzukommen muss, damit auch das Herz keusch sei.

    Daraus kannst du nun erkennen, wie sehr der Papst, die Priester, die Mönche und Nonnen Gottes Gebot und Ordnung widerstreben. Denn sie verachten und verbieten den Ehestand, und sie sind so vermessen, das Gelübde abzulegen, ewige Keuschheit zu halten. Dazu betrügen sie auch noch die einfachen Leute mit lügnerischen Worten und heuchlerischem Schein. Denn niemand hat so wenig Lust und Liebe zur Keuschheit als gerade sie, die den Ehestand aus Gründen der Heiligkeit meiden, und entweder öffentlich und schamlos in Hurerei liegen oder es heimlich noch ärger treiben. Man, wagt es gar nicht zu sagen; allzuviel hat man leider erfahren. Kurz, auch wenn sie sich der Hurerei selbst enthalten, so steckt doch ihr Herz voll unkeuscher Gedanken und böser Lust. Es ist ein ewiges Brennen und heimliches Leiden, das man im ehelichen Leben vermeiden kann.

    Darum sind durch dieses Gebot alle der Ehe entgegenstehenden Keuschheitsgelübde verdammt und außer Kraft gesetzt. Ja, es ist sogar all den armen, gefangenen Gewissen, die durch ihre Klostergelübde betrogen worden sind, geboten, dass sie aus dem unkeuschen Stand in das eheliche Leben treten. Auch wenn sonst das klösterliche Leben Gott wohlgefällig wäre, würde es doch nicht in ihrer Kraft stehen, Keuschheit zu bewahren. Wenn sie im Kloster bleiben, werden sie nur immer mehr und weiter gegen dieses Gebot sündigen müssen.

    Dr. Martin Luther, Großer Katechismus (1529): 6. Gebot. I,199-216

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    + Friede sei mit Euch + 

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    Lobet den HERRN, alle Heiden! (Psalm 117)

    Immanuel (Frankentrost, MI)

    Lobet den HERRN, alle Heiden! Preiset ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja! 

    Psalm 117

    Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

    Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

    Apostolische Glaubensbekenntnis 

    Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

    Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

    Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

    Vaterunser 

    Vater unser im Himmel
    Geheiligt werde Dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

    Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

    Kollekte für Jubilate.

    Du Gott,
    himmlischer Vater,
    Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
    die Vögel des Himmels,
    die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
    Bäume, Sträucher und Blumen –
    sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
    Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
    damit wir dich loben und preisen.
    Deinem Sohn, Jesus Christus,
    auferstanden von den Toten,
    gehört unsere Zukunft.
    Amen.

    Tagesgebet zu Jubilate.

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    1.Korinther 5,17

    Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

    O Tod, wo ist Dein Stachel nun? Wo ist Dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat nach diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

    Wie sträubte sich die alte Schlang, da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang jedennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Ferse sticht, so sieget sie doch darum nicht, der Kopf ist ihr zertreten.

    Lebendig Christus kommt herfür, die Feind nimmt er gefangen, zerbricht der Hölle Schloss und Tür, trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Siegeslauf den starken Held kann halten auf, alls liegt da überwunden.

    Des Todes Gift, der Höllen Pest ist unser Heiland worden; Wenn Satan auch noch ungern läßt von Wüten und von Morden und, da er sonst nichts schaffen kann, nur Tag und Nacht uns klage an, so ist er doch verworfen.

    Des Herren Rechte, die behält den Sieg und ist erhöhet; des Herren Rechte mächtig fällt,
    was ihr entgegenstehet. Tod, Teufel, Höll und alle Feind durch Christi Sieg bezwungen seind, ihr Zorn ist krattlos worden.

    Es war getötet Jesus Christ und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist,
    stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten glaubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet.

    Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christus auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen.

    Das ist die reiche Osterbeut, der wir teilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe.

    Der alte Drach mit seiner Rott hingegen wird zuschaden; erlegt ist er mit Schimpf und Spott, da Christus ist erstanden. Des Hauptes Sieg der Glieder ist, drum kann mit aller Macht und List uns Satan nicht mehr schaden.

    0 Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

    Nach Georg Weissel 1590-1635, Hannoversches Gesangbuch 1657 (LKG 170)

    Fortlaufende Lese

    Dies ist das Wort des HERRN, das geschehen ist zu Joel, dem Sohn Petuëls.  2 Hört dies, ihr Ältesten, und merkt auf, alle Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten!  3 Sagt euren Kindern davon, und lasst’s eure Kinder ihren Kindern sagen und diese wiederum ihren Nachkommen:  4 Was die Raupen übrig ließen, das fraßen die Heuschrecken, und was die Heuschrecken übrig ließen, das fraßen die Larven, und was die Larven übrig ließen, das fraß das Geschmeiß.  5 Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint, und heult, alle Weinsäufer, um den Most; denn er ist euch vor eurem Munde weggenommen!  6 Denn es zog herauf gegen mein Land ein Volk, mächtig und ohne Zahl; das hatte Zähne wie die Löwen und Backenzähne wie die Löwinnen.  7 Es verwüstete meinen Weinstock und fraß meinen Feigenbaum kahl, schälte ihn ab und warf ihn hin, dass seine Zweige weiß dastehen.  8 Heule wie eine Jungfrau, die Trauer anlegt um ihres Bräutigams willen!  9 Denn Speisopfer und Trankopfer sind vom Hause des HERRN weggenommen, und die Priester, des HERRN Diener, trauern.  10 Das Feld ist verwüstet und der Acker ausgedörrt; das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Öl kläglich.  11 Steht beschämt, ihr Ackerleute, heult, ihr Weingärtner, um den Weizen und um die Gerste, weil aus der Ernte auf dem Felde nichts werden kann!  12 Der Weinstock steht jämmerlich und der Feigenbaum kläglich, auch die Granatbäume, Palmbäume und Apfelbäume, ja, alle Bäume auf dem Felde sind verdorrt. So ist die Freude der Menschen zum Jammer geworden.  13 Umgürtet euch und klagt, ihr Priester, heult, ihr Diener des Altars! Kommt, schlaft im Trauergewand, ihr Diener meines Gottes! Denn Speisopfer und Trankopfer sind vom Hause eures Gottes weggenommen.  14 Sagt ein heiliges Fasten an, ruft einen Feiertag aus! Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes zum Hause des HERRN, eures Gottes, und schreit zum HERRN:  15 O weh des Tages! Denn der Tag des HERRN ist nahe und kommt wie ein Verderben vom Allmächtigen.  16 Ist nicht die Speise vor unsern Augen weggenommen und vom Hause unseres Gottes Freude und Wonne?  17 Der Same ist unter der Erde verdorrt, die Kornhäuser stehen wüst, die Scheunen zerfallen; denn das Getreide ist verdorben.  18 O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläglich drein, denn sie haben keine Weide, und die Schafe verschmachten.  19 HERR, dich rufe ich an; denn das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt, und die Flamme hat alle Bäume auf dem Felde angezündet.  20 Es schreien auch die wilden Tiere zu dir; denn die Wasserbäche sind ausgetrocknet und das Feuer hat die Auen in der Steppe verbrannt. 

    Joel 1,1-20

    Morgenlese

    So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. 18 Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. 19 Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier. 20 Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; 21 ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist: 22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

    Epheser 4,17-24

    Abendlese

    Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR. 

    Jesaja 65,17-25

    Großer Katechismus

    Der Grund aber und die Notwendigkeit dafür, dass Gott dieses Gebot gegeben hat, ist, dass Gott sehr wohl weiß, wie böse die Welt ist und wieviel Unglück es im Leben gibt. Darum hat er dieses und andere Gebote gegeben, um das Gute zu schützen und das Böse zu verhindern. Wie es nun im Blick auf alle Gebote Anfechtungen gibt, sie zu übertreten, so auch bei diesem Gebot. Wir müssen z. B. mit vielen Leuten zusammenleben, die uns Leid antun, sodass wir alle Ursache haben, ihnen feind zu sein. So, wenn dein Nachbar sieht, dass dein Haus und Hof schöner und besser ist, dass du mehr Gut und Glück von Gott empfangen hast als er, so verdrießt ihn das, und er wird neidisch und redet nichts Gutes von dir. So bekommst du viele Feinde durch des Teufels Eingebung, die dir nichts Gutes an Leib und Seele gönnen. Wenn man sie dann trifft, fängt das Herz an zu wüten und zu grollen und will sich rächen. Und so kommt es zum Fluchen und Schlagen und schließlich zu Mord und Totschlag. Da tritt nun Gott wie ein freundlicher Vater dazwischen; er will den Hader und Streit beenden, sodass kein Unglück daraus entsteht und einer den andern umbringt. Und so will er einen jeden vor Frevel und Gewalttat beschirmen, ihn vor Verfolgung beschützen und in Sicherheit leben lassen. Dieses Gebot aber hat er wie eine Ringmauer, eine Festung und einen Zufluchtsort um den Nächsten aufgestellt, damit man ihm kein Leid antun und keinen Schaden an Leib und Leben zufügen soll. So ist der Sinn dieses Gebotes nun der, dass man niemand ein Leid antun soll um irgendeiner bösen Sache willen, auch wenn er es wirklich verdient hat; denn weil Totschlag verboten ist, ist auch alles verboten, woraus Totschlag entspringen mag. Denn mancher, auch wenn er nicht tötet, flucht doch und wünscht demjenigen alles Unglück, an den er Hand anzulegen sich scheut. Weil nun dieses einem jeden Menschen von Natur anhängt und es allgemeiner Brauch ist, dass keiner das Unrecht ertragen will, das ihm ein anderer zufügt, so will Gott die Wurzel und Ursache aller Bitterkeit beseitigen, die unser Herz dem Nächsten gegenüber empfindet. Er will uns daran gewöhnen, dass wir dieses Gebot immer vor Augen haben und wie einen Spiegel uns vorhalten: Seinen Willen sollen wir ansehen und das Unrecht, das wir erleiden, im herzlichen Vertrauen und unter Anrufung seines Namens ihm anbefehlen. Jene aber, die uns feindlich gesinnt sind, sollen wir toben, zürnen und tun lassen, was sie wollen. So soll ein Mensch lernen, seinen Zorn zu dämpfen und von Herzen geduldig und sanft zu sein, insbesondere gegen jene, die ihm Grund geben zu zürnen, nämlich gegen seine Feinde.

    Darum ist der ganze Inhalt dieses Gebotes, der den schlichten Christen aufs Deutlichste einzuprägen ist, erstens der, dass man niemand ein Leid antun soll, weder durch Wort noch Tat. Unsere Zunge sollen wir nicht dazu gebrauchen, irgendetwas zu tun oder zu reden, zu raten oder in etwas einzuwilligen, wodurch jemand beleidigt werden könnte. Schließlich soll unser Herz niemand feind sein und nicht aus Zorn oder Hass ihm Böses wünschen. So sollen Leib und Seele an niemand schuldig werden, vor allem nicht an
    dem, der dir Böses wünscht oder zufügt; denn demjenigen Böses tun, der dir Gutes gönnt und tut, das ist nicht menschlich, sondern teuflisch.

    Zweitens übertritt nicht allein derjenige dieses Gebot, der Böses tut, sondern auch der, der dem Nächsten Gutes tun kann und es nicht tut; der es verhindern könnte, dass dem Nächsten Schaden an Leib und Leben widerfähr – und es nicht verhindert und den Nächsten vor Leid nicht schützt und rettet. Wenn du nun einen Nackten gehen lässt und hättest ihn kleiden können, dann hast du ihn erfrieren lassen. Siehst du jemand Hunger leiden und speist ihn nicht, dann lässt du ihn verhungern. Ebenso wenn du siehst, dass jemand zum Tode verurteilt ist oder in Todesnot ist und du ihn nicht rettest, obgleich
    du Mittel und Wege dazu wüsstest, dann hast du ihn getötet. Und es wird dir nichts helfen, wenn du dich damit entschuldigst, dass du an seinem Tode unbeteiligt warst und du weder mit Rat noch Tat beteiligt warst; denn du hast ihm die Liebe entzogen und die Hilfe versagt, durch die er am Leben geblieben wäre.

    Darum nennt Gott mit Recht auch alle diejenigen Mörder, die in Not und Gefahr des Leibes und Lebens dem Nächsten nicht mit Rat und Tat helfen, und Gott wird am Jüngsten Tage ein schreckliches Urteil über sie ergehen lassen, wie Christus selbst verkündigt und spricht (Math. 25, 42-43): „Ich bin hungrig und durstig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist und getränkt; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.“ Das heißt, ihr hättet mich und die Meinen wohl an Hunger, Durst und Frost sterben lassen, von wilden Tieren zerreißen und im Gefängnis verfaulen und im Elend umkommen lassen. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie Mörder und Bluthunde genannt werden! Und wenn du auch dieses nicht mit der Tat begangen hast, so hast du ihn doch, was dich betrifft, im Unglück stecken und umkommen lassen. Und das ist ebenso viel, als ob ich jemand auf hoher See fahren und sich abmühen sehe oder als ob jemand in das Feuer gefallen wäre und ich könnte ihm die Hand reichen, ihn herausziehen und retten – und es doch nicht täte! Würde ich anders vor der Welt dastehen als ein Mörder und Bösewicht?

    Darum ist das der tiefste Sinn, den Gott mit diesem Gebot verbindet, dass wir keinem Menschen Leid widerfahren lassen, sondern ihm alles Gute tun und ihm alle Liebe erweisen, insbesondere, wie oben gesagt, denen gegenüber, die unsere Feinde sind. Denn nur Freunden Gutes zu tun, das ist eine ganz gewöhnliche heidnische Tugend, wie Christus Matthäus 5 sagt. Da haben wir nun nochmals Gottes Wort, durch das er uns zu einem rechten und edlen Tun bewegen will – zu Sanftmütigkeit und Geduld und vor
    allem zu Liebe und allem Guten unsern Feinden gegenüber. Er will uns immer wieder daran erinnern, an das 1. Gebot zurückzudenken, dass er nämlich unser Gott ist, und das heißt, dass er uns helfen, beistehen und schützen wolle; dadurch will er unsere Lust dämpfen, uns selber zu rächen. Dies sollte man nun gründlich einprägen, dann würden wir alle Hände voll zu tun haben, Gutes zu tun. Aber dann würden wir nicht für Mönche predigen, dann würden wir dem geistlichen Stande Abbruch tun und der Heiligkeit der Karthäuser zu nahe treten! Und dann könnten wir gleich die „guten Werke“ verbieten und die Klöster räumen lassen! Denn auf diese Weise würden die Laienchristen ebensoviel, ja noch viel mehr gelten als die „Geistlichen“; und jeder würde sehen, wie sie die Welt mit einem falschen heuchlerischen Schein der Heiligkeit blenden und verführen, weil sie dieses und andere Gebote in den Wind geschlagen haben, als seien sie nicht nötig und wären es nicht Gebote, sondern bloße Ratschläge. Und dabei haben sie ihr heuchlerisches Wesen und Tun als das vollkommenste Leben gerühmt und haben damit geprahlt, damit sie nur ja ein gutes und sanftes Leben führen möchten ohne Kreuz und Leid. Darum sind sie auch in die Klöster gelaufen, damit sie von niemand etwas zu erleiden und niemand etwas Gutes zu tun brauchten. Du aber wisse, dass dieses das rechte, heilige und göttliche Tun ist, an welchem Gott sich mit allen Engeln freut. Dagegen ist alle menschliche Heiligkeit Gestank und Unrat und verdient nichts anderes als Zorn und Verdammnis.

    Dr. Martin Luther, Großer Katechimsus (1529): 5. Gebot (verf)

    Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist 
    + Friede sei mit Euch + 

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