Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte am Sonntag Sexagesimae (Viererlei Ackerfeld)
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dein Wort durch Deinen Sohn Jesus Christus unter uns reichlich aussäest; wir bitten Dich, bereite unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist, daß wir Dein Wort im Glauben aufnehmen, in einem feinen, guten Herzen behalten und in Geduld Frucht bringen, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Heute, so Ihr seine Stimme höret, so verstocket Euer Herz nicht.
Psalm 95,7f
Aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
O Christe, Morgensterne, leucht uns mit hellem Schein; schein uns vons Himmels Throne an diesem dunklen Ort mit Deinem reinen Wort.
O Jesu, Trost der Armen, mein Herz heb ich zu Dir; Du wirst Dich mein erbarmen, Dein Gnade schenken mir, das trau ich gänzlich Dir.
Ich kann und mag nicht schaffen, ich kann nicht fröhlich sein; mir ist verwandt mein Seele und fürcht der Höllen Pein, o Christe, erbarm Dich mein.
O Jesu, lieber Herre, Du einger Gottes Sohn, von Herzen ich begehre, Du wolllst mir Hilfe tun. Du bist der Gnaden Thron.
Du hast für mich vergossen Dein rosenfarbnes Blut; des laß mich, Herr, genießen, tröst mich durch Deine Güt; hilf mir, das ist mein Bitt.
“Ist Dir verwundt so sehre die arme Seele Dein, tu Du Dich zu mir kehren; ich will Dein Helfer sein, vergeben Schuld und Pein.
Laß Du von Sünden abe und sei ein frommer Christ; ich will Dich selber lieben und schenken meinen Geist, der Dich zum Himmel weist.
Ich will Dich selber speisen mit meinem Leib und Blut, mein Lieb an Dir beweisen, und will Dir teilen mit mein´ Schatz und höchstes Gut.”
O Jesu, Lob und Ehre sing ich Dir allezeit; den Glauben in mir mehre, daß ich nach dieser Zeit mit Dir eingeh zur Freud.
Leipzig 1579 (LKG 231)
Fortlaufende Lese
Unterdessen kamen viele Tausend Menschen zusammen, sodass sie einander fast niedertraten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei. 2 Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. 3 Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert in den Kammern, das wird man auf den Dächern verkündigen. 4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können. 5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der, nachdem er getötet hat, Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, den sollt ihr fürchten. 6 Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen. 7 Auch sind die Haare auf eurem Haupt alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid kostbarer als viele Sperlinge. 8 Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. 9 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes. 10 Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben werden. 11 Wenn sie euch aber führen werden in die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeiten, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; 12 denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt.
Lukas 12,1-12
Morgenlese
Ich lasse euch aber wissen, Brüder und Schwestern: Wie es um mich steht, das ist zur größeren Förderung des Evangeliums geschehen. 13 Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, 14 und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu. 15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: 16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; 17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. 18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; 19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, 20 wie ich sehnlich erwarte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. 21 Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.
Philipper 1,12-21
Abendlese
Darum, wie der Heilige Geist spricht: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 8 so verstockt eure Herzen nicht, wie es geschah bei der Verbitterung am Tag der Versuchung in der Wüste, 9 wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch meine Werke gesehen 10 vierzig Jahre lang. Darum zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht, 11 sodass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe.« 12 Seht zu, Brüder und Schwestern, dass niemand unter euch ein böses, ungläubiges Herz habe und abfalle von dem lebendigen Gott; 13 sondern ermahnt euch selbst alle Tage, solange es »heute« heißt, dass nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde. 14 Denn wir haben an Christus Anteil bekommen, wenn wir die erste Gewissheit[1] bis zum Ende festhalten,
Hebräer 3,7-14
Bekenntnislese
Wir aber sollen uns wider solch heuchlerische, gleißende Satzungen, dadurch viele verführt und jämmerlich die Gewissen ohne Ursache geplagt werden, rüsten und stärken mit Gottes Wort und sollen erstlich das für gewiß halten, daß Vergebung der Sünden nicht durch solche Satzungen verdient wird. Wir haben den Apostel droben angezogen zu den Kolossern: „Laßt euch niemand Gewissen machen über Speise, Trank, Neumonden, Sabbater.“ Und der Apostel will das ganze Gesetz Mosis und solche Traditionen zugleich begriffen haben, damit die Widersacher hier nicht entschlüpften, wie sie pflegen, als rede Paulus allein vom Gesetz Mosis. Er zeigt aber klar genug an, daß er von menschlichen Satzungen auch rede, wiewohl die Widersacher selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn so das Evangelium und Paulus klar melden, daß auch die Zeremonien und Werke der Gesetzes Mosis vor Gott nicht helfen, so werden’s viel weniger menschliche Satzungen tun.
Derhalben haben die Bischöfe nicht Macht noch Gewalt, eigenerwählte Gottesdienste aufzurichten, welche sollen die Leute vor Gott heilig und fromm machen. Denn es sagen auch die Apostel Act. 15: „Was versucht ihr Gott und legt eine Bürde auf die Jünger?“ usw. Da schilt es Petrus als eine große Sünde, damit man Gott verlästere und versuche. Darum ist es der Apostel Meinung, daß diese Freiheit in der Kirche bleiben soll, daß keine Zeremonien, weder das Gesetz Mosis noch andere Satzungen, sollen als nötige Gottesdienste geschätzt werden; wie etliche Zeremonien im Gesetz Mosis als nötig mußten im Alten Testament eine Zeitlang gehalten werden. Darum müssen wir auch wehren, daß die Predigt von der Gnade und von Christo, von Vergebung der Sünden aus lauter Gnade nicht unterdrückt werde, und der schädliche Irrtum nicht einreiße, als seien die Satzungen nötig, fromm vor Gott zu sein. Es habe Gerson und viel andere treue, fromme Leute, welche über die großen Gefahren der Gewissen Mitleid getragen, ejpieivkeian und Linderung gesucht, wie man doch darin den Gewissen helfen könnte, daß sie durch die Traditionen nicht in so mannigfaltige Wege gemartert würden, und haben nichts Gewisses finden können, den Gewissen aus den Banden zu helfen. Die Heilige Schrift und die Apostel aber sind kurz hindurchgegangen und haben schlecht mit einem Striche alles quittiert und klar dürr herausgesagt, daß wir in Christo frei, ledig seien von allen Traditionen, sonderlich wenn man dadurch Seligkeit und Vergebung der Sünden zu erlangen sucht. Darum lehren auch die Apostel, daß man der schädlichen pharisäischen Lehre soll widerstreben mit Lehren und mit dem Gegenexempel. Darum lehren wir, daß solche Satzungen nicht gerecht machen vor Gott, daß sie auch nicht not seien zur Seligkeit, daß auch niemand solche Satzungen machen oder annehmen soll der Meinung, daß er wolle vor Gott dadurch gerecht werden. Wer sie aber halten will, der halte sie, wie ich einen andern Stadtgebrauch möchte halten, da ich wohne, ohne alles Vertrauen, dadurch gerecht zu werden vor Gott. Als, daß ich bei den Deutschen deutsche Kleidung trage, bei den Walen welsche, halte ich als einen Landbrauch, nicht dadurch selig zu werden. Die Apostel, wie das Evangelium anzeigt, brechen frisch solche Satzungen und werden von Christo derhalben gelobt. Denn man muß es nicht allein mit Lehren, Predigen, sondern auch mit der Tat den Pharisäern anzeigen und beweisen, daß solche Gottesdienste nichts nütze sind zur Seligkeit. Und darum, ob die Unsern gleich etliche Traditionen und Zeremonien nachlassen, so sind sie doch genugsam entschuldigt. Denn die Bischöfe fordern solches als nötig zur Seligkeit; das ist ein Irrtum, der nicht zu leiden ist.
Weiter, die ältesten Satzungen aber in der Kirche, als die drei hohen Feste usw., die Sonntagsfeier und dergleichen, welche um guter Ordnung, Einigkeit und Friedens willen erfunden usw., die halten wir gerne. Auch so predigen die Unsern aufs glimpflichste vor dem Volk davon; allein, daneben sagen sie, daß sie vor Gott nicht gerecht machen. Darum reden die Widersacher ihre Gewalt und tun uns ganz vor Gott unrecht, wenn sie uns schuld geben, daß wir alle guten Zeremonien, alle Ordnungen in der Kirche abbringen und niederlegen. Denn wir mögen es mit der Wahrheit sagen, daß es christlicher, ehrlicher in unsern Kirchen mit rechten Gottesdiensten gehalten wird denn bei den Widersachern. Und wo gottesfürchtige, ehrbare, verständige, unparteiische Leute sind, die diese Sache recht genau wollen bedenken und ansehen, so halten wir die alten Canones und mentem legis mehr, reiner und fleißiger denn die Widersacher. Denn die Widersacher treten unverschämt die allerehrlichsten Canones mit Füßen, wie sie dann Christo und dem Evangelio auch tun. Die Pfaffen und Mönche in Stiften mißbrauchen der Messe aufs schrecklichste und greulichste, halten Messen täglich in großer Anzahl allein um der Abgaben willen, um der Geldes, um des schändlichen Bauchs willen. So singen sie die Psalmen in Stiften, nicht daß sie studieren oder ernstlich beten (denn das mehrere Teil versteht nicht einen Vers in den Psalmen), sondern halten ihre Metten und Vesper als einen gedingten Gottesdienst, der ihnen ihre Rente und Zinse trägt. Dieses alles können sie nicht leugnen. Es schämen sich auch selbst etliche Redliche unter ihnen desselben Jahrmarkts und sagen, clerus bedürfe einer Reformation. Bei uns aber braucht das Volk des heiligen Sakraments willig, ungedrungen, alle Sonntage, welche man erst verhört, ob sie in christlicher Lehre unterrichtet sind, im Vaterunser, im Glauben, in den zehn Geboten etwas wissen oder verstehen. Item, die Jugend und das Volk singt ordentlich lateinische und deutsche Psalmen, daß sie der Sprüche der Schrift gewöhnen und beten lernen. Bei den Widersachern ist kein Katechismus, da doch die Canones von reden. Bei uns werden die Canones gehalten, daß die Pfarrer und Kirchendiener öffentlich und daheim die Kinder und Jugend in Gottes Wort unterweisen. Und der Katechismus ist nicht ein Kinderwerk, wie Fahnen=, Kerzentragen, sondern eine sehr nützliche Unterrichtung. Bei den Widersachern wird in vielen Ländern, als in Italien und Hispanien usw., das ganze Jahr durch nicht gepredigt denn allein in der Fasten. Da sollten sie schreien und billig hoch klagen; denn das heißt auf einmal alle Gottesdienste recht umgestoßen. Denn der allergrößte, heiligste, nötigste, höchste Gottesdienst, welchen Gott im ersten und andern Gebot als das Größte hat gefordert, ist Gottes Wort predigen: denn das Predigtamt ist das höchste Amt in der Kirche. Wo nun der Gottesdienst ausgelassen wird, wie kann da Erkenntnis Gottes, die Lehre Christi oder das Evangelium sein? Darum, wenn sie gleich in der Fasten oder sonst zur andern Zeit predigen, lehren sie nichts denn von solchen Menschensatzungen, vom Anrufen der Heiligen, von Weihwasser und von solchen Narrenwerken und ist der Gebrauch, daß ihr Volk bald, wenn der Text des Evangelii gesagt ist, aus der Kirche laufe, welches sich vielleicht davon angefangen, daß sie nicht haben mögen die andern Lügen hören. Etliche wenige unter ihnen heben nun auch an, von guten Werken zu predigen. Von der Erkenntnis Christi aber, vom Glauben, vom Trost der Gewissen können sie nichts predigen, sondern dieselbe selige Lehre, das liebe, heilige Evangelium, nennen sie Lutherisch. In unserer Kirche aber werden von Predigern diese folgenden nötigen Stücke mit höchstem Fleiß gelehrt: von rechter Buße, von der Furcht Gottes, von dem Glauben, was der sei, von der Erkenntnis Christi, von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt; item, wie die Gewissen in Ängsten und Anfechtungen sollen Trost suchen, wie der Glaube durch allerlei Anfechtungen muß geübt werden, was ein recht Gebet sei, wie man beten soll; item, daß ein Christ gewiß sich trösten soll, daß sein Rufen und Bitten Gott werde erhören im Himmel; von dem heiligen Kreuz, vom Gehorsam gegen die Obrigkeit; item, wie ein jeder in seinem Stande christlich leben und fahren mag; vom Gehorsam der Herrengebote, aller weltlichen Ordnungen und Gesetze; item, wie zu unterscheiden seien das geistliche Reich Christi und die Regimente und Reiche in der Welt; von dem Ehestande, und wie der christlich zu führen sei; von Zucht der Kinder, von der Keuschheit, von allerlei Werken der Liebe gegen den Nächsten. Also ist unsere Kirche mit Lehre und Wandel bestellt, daraus unparteiische Leute wohl merken und abnehmen können, daß wir christliche, rechte Zeremonien nicht abtun, sondern mit Fleiß aufs treulichste erhalten.
Und die Kasteiung des Fleisches oder alten Adams lehren wir also, wie unsere Konfession meldet, daß die rechte Kasteiung dann geschieht, wenn uns Gott den Willen bricht, Kreuz und Trübsal zuschickt, daß wir lernen seinem Willen gehorsam sein, wie Paulus zu den Römern am 12. sagt: „Begebet eure eigenen Leiber zu einem heiligen Opfer.“ Und das sind rechte heilige Kasteiungen, also in Anfechtungen lernen Gott kennen, ihn fürchten, lieben usw. Über dieselben Trübsale, welche nicht in unserm Willen stehen, sind auch noch die leiblichen Übungen, da Christus von sagt: „Hütet euch, daß eure Leiber nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen!“ und Paulus zu den Korinthern: „Ich zähme meinen Leib“ usw. Die Übungen sollen darum geschehen, nicht daß es nötige Gottesdienste seien, dadurch man vor Gott fromm werde, sondern daß wir unser Fleisch im Zaum halten, damit wir durch Völlerei und Beschwerung des Leibes nicht sicher und müßig werden, des Teufels Reizungen und des Fleisches Lüsten folgen. Dasselbe Fasten und Kasteien sollte nicht allein auf gewisse Zeit, sondern allezeit geschehen. Denn Gott will, daß wir allezeit mäßig und nüchtern leben, und wie die Erfahrung gibt, so helfen dazu nicht viel bestimmte Fastentage. Denn man hat mit Fischen und allerlei Fastenspeise mehr Unkost und Schwelgerei getrieben denn außer der Fasten; Und die Widersacher selbst haben die Fasten nie gehalten dergestalt, wie sie in canonibus angezeigt ist.
Apologie XV,29-48 (Vom weltlichen Regiment)
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte am Sonntag Sexagesimae (Viererlei Ackerfeld)
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dein Wort durch Deinen Sohn Jesus Christus unter uns reichlich aussäest; wir bitten Dich, bereite unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist, daß wir Dein Wort im Glauben aufnehmen, in einem feinen, guten Herzen behalten und in Geduld Frucht bringen, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Heute, so Ihr seine Stimme höret, so verstocket Euer Herz nicht.
Psalm 95,7f
Aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Wärn meiner Sünd auch noch so viel, dennoch ich nicht verzagen will, Christ will ich lassen walten; der alle Sünd wegnimmt und trägt, der wird mich auch erhalten.
Sein tröstlich Wort hab ich gehört, damit hat er mein Herz gerührt: wer glaubet Gottes Sohne, der wird verloren werden nicht, soll habn der Freuden Krone.
Es traure, wer da trauern will, mein Herz aufspringt vor Freuden viel, kein Leid kann mich nicht rühren; kein Unfall mich abwenden soll von Christo, meinem Herren.
O Jesu Christ, mein Herr und Gott, Dein Treue hilft allein aus Not, hilf meinem schwachen Glauben, so kann mich auch der bittre Tod aus Deiner Hand nicht rauben.
Frisch und fröhlich, mein liebe Seel, Dir ist beschert das ewig Heil, Dein Feind sind all gedämpfet. Den Streit der nicht verlieren kann, der in dem Glauben kämpfet.
Dank sei Dir, Gott, in Ewigkeit, o Vater der Barmherzigkeit, samt Christo, meinem Herren. Dein Lob ich allzeit preisen will, stets deinen Namen ehren.
Hermann Wepse 1571 (LKG 230)
Fortlaufende Lese
Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. 38 Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, dass er sich nicht vor dem Essen gewaschen hatte. 39 Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit. 40 Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das Innere geschaffen? 41 Doch gebt als Almosen von dem, was da ist; siehe, dann ist euch alles rein. 42 Aber weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und allem Kraut und geht vorbei am Recht und an der Liebe Gottes. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. 43 Weh euch Pharisäern! Denn ihr sitzt gern obenan in den Synagogen und wollt gegrüßt sein auf dem Markt. 44 Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten Gräber, die Leute laufen darüber und wissen es nicht. 45 Da antwortete einer von den Lehrern des Gesetzes und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch. 46 Er aber sprach: Weh auch euch Lehrern des Gesetzes! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an. 47 Weh euch! Denn ihr baut den Propheten Grabmäler; eure Väter aber haben sie getötet. 48 So seid ihr Zeugen für die Taten eurer Väter und billigt sie; denn sie haben sie getötet, und ihr baut ihnen Grabmäler! 49 Darum spricht auch die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt ist, 51 von Abels Blut an bis zum Blut Secharjas, der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht. 52 Weh euch Lehrern des Gesetzes! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hineinwollten. 53 Und als er von dort hinausging, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, heftig auf ihn einzudringen und ihm mit vielerlei Fragen zuzusetzen, 54 und belauerten ihn, ob sie etwas aus seinem Mund erjagen könnten.
Lukas 11,37-54
Morgenlese
So fürchtet nun den HERRN und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms und in Ägypten, und dient dem HERRN. 15 Gefällt es euch aber nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen. 16 Da antwortete das Volk und sprach: Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und andern Göttern dienen!
22 Da sprach Josua zum Volk: Ihr seid Zeugen gegen euch selbst, dass ihr euch den HERRN erwählt habt, um ihm zu dienen. Und sie sprachen: Ja! – 23 So tut nun von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und neigt euer Herz zu dem HERRN, dem Gott Israels. 24 Und das Volk sprach zu Josua: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und seiner Stimme gehorchen. 25 So schloss Josua an diesem Tag einen Bund für das Volk und legte ihm Gesetze und Rechte vor in Sichem. 26 Und Josua schrieb dies alles in das Buch des Gesetzes Gottes und nahm einen großen Stein und richtete ihn dort auf unter einer Eiche, die bei dem Heiligtum des HERRN war. 27 Und Josua sprach zum ganzen Volk: Siehe, dieser Stein soll Zeuge sein unter uns, denn er hat gehört alle Worte des HERRN, die er mit uns geredet hat, und soll ein Zeuge unter euch sein, dass ihr euren Gott nicht verleugnet. 28 So entließ Josua das Volk, einen jeden in sein Erbteil.
Josua 24,14-16.22-28
Abendlese
Was ist nun Apollos? Was ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: 6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. 7 So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. 9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
1.Korinther 3,5-10
Bekenntnislese
Und was bedarf diese öffentliche Sache vieler Worte? Wenn die Widersacher diese Gottesdienste also verteidigen, als seien es Werke, dadurch man Vergebung der Sünden und Seligkeit verdient, so richten sie öffentliche antichristliche Lehre und Reich an. Denn das Reich Antichristi ist eigentlich ein solch neuer Gottesdienst, durch Menschen erdichtet, dadurch Christus verworfen wird, wie Mahomets Reich selbsterwählte Gottesdienste hat, eigenen Werke, dadurch sie vor Gott vermeinen heilig und fromm zu werden, und halten nicht, daß man allein durch den Glauben an Christum gerecht werde. Also wird das Papsttum auch ein Stück vom Reich Antichristi, so es lehrt, durch Menschengebote Vergebung der Sünden zu erlangen und Gott zu versöhnen. Denn da wird Christo seine Ehre genommen, wenn sie lehren, daß wir nicht durch Christum, ohne Verdienst gerecht werden, durch den Glauben, sondern durch solche Gottesdienste, sonderlich wenn sie lehren, daß solch selbsterwählter Gottesdienst nicht allein nütze sei, sondern auch nötig. Wie sie denn oben im achten Artikel halten, da sie das verdammen, daß wir gesagt, zu rechter Einigkeit der Kirche sei nicht not, daß allenthalben gleichförmige Menschensatzungen seien. Daniel, im 11. Kapitel, malt das Reich Antichristi also ab, daß er anzeigt, daß solche neue Gottesdienste, von Menschen erfunden, werden die Politia und das rechte Wesen des antichristlichen Reichs sein. Denn also sagt er: „Den Gott Maosim wird er ehren, und dem Gott, den seine Väter nicht erkannt haben, wird er mit Gold, Silber und Edelgestein dienen.“ Da beschreibt er solche neue Gottesdienste. Denn er sagt von einem solchen Gott, davon die Väter nichts gewußt haben. Denn die heiligen Väter, wiewohl sie auch Zeremonien und Satzungen gehabt, so haben sie doch nicht dafürgehalten, daß solche Zeremonien nütz und nötig wären zur Seligkeit, so haben sie doch damit Christum nicht unterdrückt, sondern haben gelehrt, daß uns Gott um Christus’ willen gnädig sei, nicht um solcher Gottesdienste willen. Aber dieselben Satzungen haben sie gehalten von wegen leiblicher Übung, als die Feste, daß das Volk wüßte, wann es sollte zusammenkommen, daß in den Kirchen alles ordentlich und züchtiglich um guter Exempel willen zuginge, daß auch das gemeine, grobe Volk in einer feinen Kinderzucht gehalten würde. Denn solche Unterschiede der Zeit und solche mancherlei Gottesdienste dienen, das Volk in Zucht zu behalten und zu erinnern der Historien. Diese Ursachen haben die Väter gehabt, menschliche Ordnung zu erhalten. Und auf die Weise fechten wir’s auch nicht an, daß man gute Gewohnheit halte. Und wir können uns nicht genugsam wundern, daß die Widersacher wider alle Schrift der Apostel, wider das Alte und Neue Testament lehren dürfen, daß wir durch solche Gottesdienste sollen ewiges Heil und Vergebung der Sünden erlangen. Denn was ist das anders, denn wie Daniel sagt, „Gott ehren mit Gold, Silber und Edelgestein“, das ist, halten, daß Gott uns gnädig werde durch mancherlei Kirchenschmuck, durch Fahnen, Kerzen, wie denn unzählig sind bei solchen Menschensatzungen.
Paulus zu den Kolossern schreibt, daß solche Satzungen haben einen Schein der Weisheit. Und es hat auch einen großen Schein, als sei es fast heilig; denn Unordnung steht übel, und solche ordentliche Kinderzucht ist nützlich in der Kirche usw. Dieweil aber menschliche Vernunft nicht versteht, was Glauben ist, so fallen diejenigen, so nach der Vernunft richten, von Stund’ an darauf und machen ein solch Werk daraus, das uns gen Himmel helfen solle und Gott versöhnen. Also sind die Irrtümer und schädliche Abgötterei eingerissen bei den Israeliten. Darum machten sie auch einen Gottesdienst über den andern, wie bei unserer Zeit ein Altar über den andern, eine Kirche über die andere gestiftet ist. Also richtet auch die menschliche Vernunft von andern leiblichen Übungen, als von Fasten usw. Denn Fasten dient dazu, den alten Adam zu zähmen; da fällt bald die Vernunft drauf und macht ein Werk daraus, das Gott versöhne; wie Thomas schreibt, „Fasten sei ein Werk, das da tauge, Schuld gegen Gott auszulöschen und ferner zu verhüten“. Das sind die klaren Worte Thomä. Also dieselben Gottesdienste, welche sehr gleißen, haben einen großen Schein und ein groß Ansehen der Heiligkeit vor den Leuten. Und dazu helfen nun die Exempel der Heiligen, da sie sprechen, St. Franziskus hat eine Kappe getragen und dergleichen. Hier sehen sie allein die äußerliche Übung an, nicht das Herz und Glauben.
Und wenn nun die Leute also durch so großen und prächtigen Schein der Heiligkeit betrogen werden, so folgt dann unzählige Gefahr und Unrat daraus, nämlich daß Christi Erkenntnis und das Evangelium vergessen wird, und daß man alles Vertrauen auf solche Werke setzt. Darüber so werden durch solche heuchlerische Werke die rechten guten Werke, die Gott in den zehn Geboten fordert, ganz unterdrückt (welches schrecklich ist zu hören). Denn die Werke müssen allein geistlich, heilig, vollkommen Leben heißen und werden dann weit vorgezogen den rechten, heiligen guten Werken, da ein jeder nach Gottes Gebot in seinem Beruf zu wandeln, die Obrigkeit fleißig, treulich zu regieren, die Hausväter, die ehelichen Leute, Weib und Kind, Gesinde in christlicher Zucht zu halten schuldig sind; item, da eine Magd, ein Knecht seinem Herrn treulich zu dienen pflichtig ist. Dieselben Werke hält man nicht für göttlich, sondern für weltlich Wesen, also daß viele Leute darüber sich ein schwer Gewissen gemacht. Denn man weiß je, daß etliche ihren Fürstenstand verlassen, etliche den Ehestand, und sind in Klöster gegangen, heilig und geistlich zu werden.
Und ist außer dem Irrtum noch der Jammer dabei, daß, wenn die Leute in dem Wahn sind, daß solche Satzungen nötig seien zur Seligkeit, die Gewissen ohne Unterlaß in Unruhe und Qual sind, daß sie ihren Orden, ihre Möncherei, ihre aufgelegten Werke nicht so gestrenge gehalten haben. Denn wer könnte die Satzungen alle erzählen? Es sind unzählig viel Bücher, in welchen nicht ein Tüttel, nicht eine Silbe von Christo, vom Glauben geschrieben oder von den rechten guten Werken, die Gott gebietet, welche jeder nach seinem Beruf zu tun schuldig ist; sondern allein von solchen Satzungen schreiben sie, als von den vierzig Tagen zu fasten, von Messehören, von vier Gezeiten beten usw.; da ist des Deutens und Dispensierens kein Ende. Wie jämmerlich martert sich, wie ringt und windet sich über den Dingen der gute, fromme Mann Gerson, da er gern den Gewissen mit dem rechten Trost helfen wollte, da er gradus und latitudines sucht praeceptorum, wiefern dieselben Gebote binden, und kann doch nicht finden einen gewissen Grad, da er darf dem Herzen Sicherheit und Frieden gewiß zusagen. Darum klagt er auch ganz heftig, wie in großer Gefahr die Gewissen und Konszienzen dadurch stehen, daß man solche Satzungen also bei einer Todsünde fordert und will gehalten haben.
Apologie XV,18-28 (Von den menschlichen Satzungen)
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist
A vision appeared to Paul during the night: A Macedonian man was standing there urging him, “Come over to Macedonia and help us!” After Paul saw the vision, we attempted immediately to go over to Macedonia, concluding that God had called us to proclaim the good news to them. We put out to sea from Troas and sailed a straight course to Samothrace, the next day to Neapolis, and from there to Philippi, which is a leading city of that district of Macedonia, a Roman colony. We stayed in this city for some days. On the Sabbath day we went outside the city gate to the side of the river, where we thought there would be a place of prayer, and we sat down and began to speak to the women who had assembled there. A woman named Lydia, a dealer in purple cloth from the city of Thyatira, a God-fearing woman, listened to us. The Lord opened her heart to respond to what Paul was saying. After she and her household were baptized, she urged us, “If you consider me to be a believer in the Lord, come and stay in my house.” And she persuaded us.
Acts 16,9-15
God´s word is a wonderful treasure for sure. Here in this short story of St. Paul´s first visit to Europe, we find beautiful gemstones – jewels of God´s sweet truth, precious gems of his dear love and caring, his forgiving grace and most holy mercy – and the holy apostle hands out the treasures of his Lord in Word and Sacrament as is expected of him as faithful servant and steward of our good Lord.
Who then is the faithful and wise manager, whom the master puts in charge of his household servants, to give them their allowance of food at the proper time?
Luke 12,42
St. Paul – together with the holy men St. Barnabas and St. Timothy – meets these god-fearing women next to some river outside the city gate. He speaks words of wisdom of God´s truth and love, mentions our heavenly Father’s grace and forgiveness for Jews and gentiles, preaches the one and only saviour Jesus Christ – and him crucified – and the triune God and Lord opens Lydia´s heart. It is him working faith and trust in this woman. He who does great miracles and wonders.
It is He, who speaks through his faithful servant and holy apostle. God´s holy Word of Law and Gospel is active, creative, effective, clear and sufficient and does absolutely all he wants and aims for. She gets to know herself and God reveals himself to her – as her Lord and savior – as the one, who forgives sins and heals all our diseases. Here and always.
Did He not give that task and mission mandate to his apostles? Even to St. Paul as the untimely birth amongst the holy apostles – him finally to the gentiles, the others as from the beginning to the Jews.
Therefore go and make disciples of all nations, baptizing them in the name of the Father and the Son and the Holy Spirit,teaching them to obey everything I have commanded you.
Matthews 28,19
That is because it is good and salutary will from the very foundation of the world:
He truly wants all people to be saved and to come to a knowledge of the truth.
1. Timothy 2,4
So, in the end, Lydia and her household are baptized. Way to go. God´s Word does not come back empty. It produces much fruit. It is sweeter than honey – and a lamp to walk by day by day – a light to illumine our path – from one treasure to the next. As our confessions puts it:
For the ministry of the Word has the command of God and has magnificent promises like Romans 1 (16): the gospel “is the power of God for salvation to everyone who has faith.” Likewise, Isaiah 55 (11), “… so shall my word be that goes out from my mouth; it shall not return to my empty, but it shall accomplish that which I purpose…
Apology XIII,11
Taufstein in der SchloßkircheAltar in St.MarienTaufstein in der Stadtkirche
How can water do such great things?
Certainly not just water, but the word of God in and with the water does these things, along with the faith which trusts this word of God in the water. For without God’s word the water is plain water and no Baptism. But with the word of God it is a Baptism, that is, a life-giving water, rich in grace, and a washing of the new birth in the Holy Spirit,
as St. Paul says in Titus, chapter three: “He saved us through the washing of rebirth and renewal by the Holy Spirit, whom He poured out on us generously through Jesus Christ our Savior, so that, having been justified by His grace, we might become heirs having the hope of eternal life. This is a trustworthy saying.” (Titus 3:5–8)
Excerpt from Luther´s Small Catechism IV,4
Thank God for his holy Word and most precious Sacraments. These are no longer hidden, but out in the open and readily available as long as God gives grace and before he calls it a day.
Therefore, come and eat for free from God´s rich banquet. It´s is yours for the taking. The treasure house of God is open. No treasure hunt necessary. It is yours for keeps. God is dispensing best medication for sinners – forgiveness of all sins for IX sake – grants true life and eternal salvation.
Come, see and taste, how friendly our good God is. Every day anew. Not just once or seven times, but seventy times seven times – and more. Praise the Lord for he is good and his mercy endures forever. Amen.
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte am Sonntag Sexagesimae (Viererlei Ackerfeld)
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dein Wort durch Deinen Sohn Jesus Christus unter uns reichlich aussäest; wir bitten Dich, bereite unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist, daß wir Dein Wort im Glauben aufnehmen, in einem feinen, guten Herzen behalten und in Geduld Frucht bringen, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Heute, so Ihr seine Stimme höret, so verstocket Euer Herz nicht.
Psalm 95,7f
Aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Herzlich lieb hab ich Dich, o Herr. Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit Deiner Güt und Gnaden. Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd und Himmel frag ich nicht, wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist doch Du meine Zuversicht, mein Teil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr.
Es ist ja, Herr, dein G’schenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben. Damit ich’s brauch zum Lobe Dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir Dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr; in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ich’s trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein Herz in Todesnot.
Ach Herr, laß Dein lieb’ Engelein an meinem End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen. Der Leib in seim Schlafkämmerlein gar sanft ohn alle Qual und Pein ruh bis am Jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen sehen Dich in aller Freud, o Gottes Sohn, mein Heiland und mein Gnadenthron. Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich. Ich will Dich preisen ewiglich.
Martin Schalling 1571 (LKG 229)
Fortlaufende Lese
Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe. 34 Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. 35 So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei. 36 Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und kein Teil an ihm finster, dann wird er ganz licht sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit hellem Schein.
Lukas 11,33-36
Morgenlese
Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. 2 Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände? 3 Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm. 4 Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland[1] und bei seinen Verwandten und in seinem Hause. 5 Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte. 6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog rings umher in die Dörfer und lehrte.
Markus 6,1-6
Abendlese
Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.
Lukas 10,38-42
Bekenntnislese
Im fünfzehnten Artikel lassen sie ihnen gefallen, da wir sagen, die Zeremonien und Satzungen soll man halten in der Kirche, die man mit gutem Gewissen ohne Sünde halten kann und die zu guter Ordnung und Frieden dienen. Das andere Stück verdammen sie, da wir sagen, daß die Satzungen, welche aufgerichtet sind, Gott zu versöhnen und Vergebung der Sünden zu erlangen, stracks wider das Evangelium sind. Wiewohl wir in der Konfession vom Unterschied der Speisen und von Satzungen viel gesagt haben, so müssen wir es doch kurz hier wiederholen.
Wiewohl wir gedacht, daß die Widersacher andere Ursachen suchen würden, die menschlichen Satzungen zu schützen, so hätten wir doch nicht gemeint, daß sie diesen Artikel, nämlich: durch Menschentraditionen verdient niemand Vergebung der Sünden, verdammen sollten. Dieweil aber derselbe ganze Artikel unverschämt verdammt ist, so haben wir eine leichte, schlechte Sache. Denn das ist öffentlich jüdisch, das heißt öffentlich mit des Teufels Lehren das Evangelium unterdrücken. Denn die Heilige Schrift und Paulus nennen solche Satzungen dann erst rechte Teufelslehre, wenn man sie dafür rühmt, daß sie sollen dienen, dadurch Vergebung der Sünden zu erlangen. Denn da sind sie stracks wider Christum, wider das Evangelium, wie Feuer und Wasser widereinander sind. Das Evangelium lehrt, daß wir durch den Glauben an Christum ohne Verdienst Vergebung der Sünden erlangen und Gott versöhnt werden. Die Widersacher aber setzen einen andern Mittler, nämlich Menschengesetze, durch die wollen sie Vergebung der Sünden erlangen, durch die wollen sie den Zorn Gottes versöhnen. Aber Christus sagt klar: „Sie dienen mir vergeblich durch Menschengebote.“
Droben haben wir reichlich angezeigt, daß wir durch den Glauben vor Gott gerecht werden, wenn wir glauben, daß wir einen gnädigen Gott haben, nicht durch unsere Werke, sondern durch Christum. Nun ist’s gar gewiß, daß solches das reine Evangelium sei. Denn Paulus sagt klar zu den Ephesern am 2. Kapitel: „ohne Verdienst seid ihr selig worden, und das nicht aus euch, denn Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken.“ Nun sagen die Widersacher, die Leute verdienen Vergebung der Sünden durch solche menschliche Satzungen und Werke. Was ist das anders, denn über Christum einen andern Mittler, einen andern Versöhner stellen und setzen? Paulus sagt zu den Galatern: „Ihr seid von Christo abgefallen, so ihr durchs Gesetz wollt gerecht werden“, das ist, so ihr haltet, daß ihr durchs Gesetz vor Gott gerecht werdet, so ist euch Christus nichts nütze. Denn was bedürfen diejenigen des Mittlers Christi, die durch die Werke des Gesetzes vertrauen, Gott zu versöhnen? Gott hat Christum dargestellt, daß er um desselben willen, nicht um unserer Gerechtigkeit willen, uns will gnädig sein. Aber sie halten, daß Gott um ihrer Werke willen und um solcher Traditionen willen uns gnädig sei. So nehmen sie nun und rauben Christo seine Ehre, und ist kein Unterschied zwischen den Zeremonien des Gesetzes Mosis und solchen Satzungen, soviel es diese Sache belangt. Paulus verwirft Mosis Zeremonien eben darum, darum er auch Menschengebote verwirft, nämlich daß es die Juden für solche Werke hielten, dadurch man Vergebung der Sünden verdiente. Denn dadurch ward Christus untergedrückt. Darum verwirft er die Werke des Gesetzes und Menschengebote zugleich und streitet dieses, daß noch um unserer Werke, sondern um Christus’ willen, ohne Verdienst, verheißen sei Vergebung der Sünden, doch also, daß wir sie durch den Glauben fassen. Denn die Verheißung kann man nicht anders denn durch den Glauben fassen. So wir nun durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen, so wir durch den Glauben einen gnädigen Gott haben um Christus’ willen, so ist es ein großer Irrtum und Gotteslästerung, daß wir durch solche Satzungen sollten Vergebung der Sünden erlangen. Wenn sie hier nun sagen wollten, daß wir nicht durch solche Werke Vergebung der Sünden erlangen, sondern wenn wir durch den Glauben jetzund Vergebung haben, so sollen wir danach durch solche Werke verdienen, daß uns Gott gnädig sei; da streitet aber Paulus wider zu den Galatern am 23. Kapitel, da er sagt: „Sollten wir aber, die da sich durch Christum gerecht zu werden, auch noch selber Sünder erfunden werden, so wäre Christus ein Sündendiener“; item: „Zu eines Menschen Testament soll niemand einen Zusatz machen.“ Darum soll man auch zu dem Testament Gottes, da er uns verheißt, er will uns gnädig sein um Christus’ willen, nichts zutun oder dieses anflicken, als verdienten wir erst, daß uns Gott um solcher Werke willen gnädig sein müsse.
Und wenngleich noch jemand wollte solche Werke aufrichten oder erwählen, damit Gott zu versöhnen, Vergebung der Sünden zu verdienen, wie wollte der gewiß werden, daß die Werke Gott gefielen, so er keinen Gottesbefehl noch Wort davon hat? Wie wollte er die Gewissen und Herzen versichern, wie sie mit Gott stehen; item,. daß die Werke Gott gefallen, wenn kein Gotteswort noch =Befehl da ist? Es verbieten die Propheten allenthalben, eigenerwählte, sonderliche Gottesdienste anzurichten ohne Gottes Wort und Befehl, Hes. am 20.: „Wandelt nicht in Geboten eurer Väter und haltet ihre Sitten nicht und werdet nicht unrein von ihren Götzen. Ich bin der Her, euer Gott. In meinen Geboten wandelt und haltet meine Rechte und Sitten und tut dieselbigen.“: So die Menschen Macht haben, Gottesdienste anzurichten, daß wir dadurch Sünden bezahlen und fromm werden vor Gott, so müssen aller Heiden Gottesdienste, alle Abgötterei aller gottlosen Könige in Israel, Jerobeams und anderer, auch gut sein; denn es ist kein Unterschied. Steht bei Menschen die Macht, Gottesdienste aufzurichten, dadurch man möge Seligkeit verdienen, warum sollten der Heiden und Israeliten selbsterwählte Gottesdienste unrecht sein? Denn darum sind der Heiden und Israeliten Dienste verworfen, daß sie wähnen wollten, solche Dienste gefielen Gott, und wußten nichts vom höchsten Gottesdienst, der da heißt Glaube. Item, woher sind wir gewiß daß solche Gottesdienste und Werke ohne Gottes Wort vor Gott gerecht machen, so kein Mensch Gottes Willen anders erfahren oder wissen kann denn allein durch die Wort? Wie, wenn solche Gottesdienste Gott der Herr nicht allein verachtet, sondern auch für einen Greuel hält? Wie dürfen denn die Widersacher sagen, daß sie vor Gott gerecht machen? Ohne Gottes Wort kann je niemand das sagen. Paulus sagt zu den Römern: „Alles, was nicht aus dem Glauben geschieht, das ist Sünde.“ So nun dieselben Gottesdienste keinen göttlichen Befehl haben, so müssen die Herzen im Zweifel stehen, ob sie Gott gefallen.
Apologie XV,1-17 Von den menschlichen Satzungen in der Kirche.
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist
Reformationsaltar von Lucas Cranach d.J (1546) in St.Marien, Lutherstadt Wittenberg (1. Korinther 3,11)
The 62nd thesis of Luther´s famous listing claims: “Der wahre Schatz der Kirche ist das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ (Verus thesaurus ecclesie est sacrosanctum euangelium glorie et gratie dei.) i.e. the true treasure of the church is the holy gospel of God´s glory and grace.
See, that is the most precious treasure which Dr. Martin Luther put high on a pedestal in the Reformation. That is the real treasure of Wittenberg and all the world. Everybody ought to be proud of that more than anything else as the prophet Jeremia reminds us (9,29 cf. 1.Cor.1,31). That is the light that shines brightly even in darkness. It lights up old walls. Breaths new life into dead bones. Grants hope of life and eternal salvation even to those most downtrodden. Without this our public squares remain dungeons and people in chains and throughs of death.
“A particle of the holy cross” relic of the elector Frederick the Wise.
By God´s Grace the Gospel has returned to these barren places – more than once. It´s the good summer rains, Dr. Luther praises.
Since 2015 witnesses in the Old Latin School proclaim the glories and graces of God in its own chapel. Here the message of apostles and prophets of the holy Christian Church, the large cloud of faithful confessors and many Lutheran hymn writes join to voice God´s holy demands and faithful promises. They regularly invite us to join in thankful praises and adoration. The last in the row are Dr. Wilhelm Torgerson (Canada), Professor Armin Wenz (LTH in Oberursel) and Pastor Markus Fischer (Erfurt). They took visitors to this remarkable place and shared with them the very real treasures of God´s good favor.
Take this last Sunday for example. The 2nd Sunday before Ash Wednesday. We call it Sexagesimae. Again the lectionary proves to be the true treasure-trove from which a faithful steward guarding the door of the Lord´s house can pick and choose to share whatever is right, meet and salutary to serve God´s people with what they need most. It´s all about God´s holy Word. This is preached, taught and believed in great unanimity – just as the good Lord Jesus Christ taught and entrusted his holy apostles.
The watchword puts it all into context. It is our first stop and very costly jewel from God´s treasure-trove:
Oh, that today you would listen as he speaks. Do not harden your hearts.
Hebrews 3,15 cf. Psalm 95,7f
The Introit is another trinket from God´s treasury, which whets our appetite for more of the treasures spread out before us It sharpens our ears and catches our attention:
O LORD, your instructions endure; they stand secure in heaven. You demonstrate your faithfulness to all generations. You established the earth and it stood firm. Today they stand firm by your decrees, for all things are your servants. If I had not found encouragement in your law, I would have died in my sorrow…
Your words are sweeter in my mouth than honey!
Your precepts give me discernment. Therefore I hate all deceitful actions. Your word is a lamp to walk by, and a light to illumine my path.Sustain me as you promised, so that I will live. Do not disappoint me.
Psalm 119,89-92
The Old Testament lesson – 3rd rich prize from God´s valued treasure for this Sunday:
Indeed, my plans are not like your plans, and my deeds are not like your deeds,” says the LORD, “for just as the sky is higher than the earth, so my deeds are superior to your deeds and my plans superior to your plans.The rain and snow fall from the sky and do not return, but instead water the earth and make it produce and yield crops, and provide seed for the planter and food for those who must eat.
In the same way, the promise that I make does not return to me, having accomplished nothing. No, it is realized as I desire and is fulfilled as I intend.”
Indeed, you will go out with joy; you will be led along in peace; the mountains and hills will give a joyful shout before you, and all the trees in the field will clap their hands.
Isaiah 55,8-12a
The epistle is our fourth station in God´s precious word-bank. This living valuable points out:
For the word of God is living and active and sharper than any double-edged sword, piercing even to the point of dividing soul from spirit, and joints from marrow; it is able to judge the desires and thoughts of the heart.
And no creature is hidden from God, but everything is naked and exposed to the eyes of him to whom we must render an account.
Hebrews 4,12-13
Part of the most precious Holy Gospel goes like this:
While a large crowd was gathering and people were coming to Jesus from one town after another, he spoke to them in a parable:
“A sower went out to sow his seed. And as he sowed, some fell along the path and was trampled on, and the wild birds devoured it. Other seed fell on rock, and when it came up, it withered because it had no moisture. Other seed fell among the thorns, and they grew up with it and choked it. But other seed fell on good soil and grew, and it produced a hundred times as much grain.”
As he said this, he called out, “The one who has ears to hear had better listen!”
Luke 8,4-8
One jewel after the other is brought up from the rich treasure trove of our good Lord´s safe box and held up for the people to see, hear and taste, how friendly he is towards us. This godly favor towards man is the main line of the gospel. That is what we read, hear and share Sunday for Sunday. Day after day until he comes again in glory to judge heaven and earth. We pray: “Come Lord Jesus, come soon.” Until then, we are happy to live of the sweetness of our Lord.
My friend Michael Schicketanz (who poses as Philipp Melanchthon) announced a guided tour of hidden treasures in the old city of Wittenberg (Wittenberger Altstadt).
This treasure hunt was scheduled for the official holiday for tour guides (Weltgästeführertag). So Michael and six other local tour guides took us to seven hidden treasures. We started off at the thesis door of the castle church. First photos, then the bronze doors opened. We walked in. The treasure hunt was on.
First off was Helmut Schade He took us to the oldest masonry of the original fortress: A capstone of the first chapel (1340). This treasure was only found five years ago amongst rubble in the cellars. It depicts the victorious lamb of God, who bears the sins of the world – and is a remnant of the very first castle church in Wittenberg. A good start for a tour of hidden treasures.
Second was Gerd Thiele. He bought a 2nd hand book in Leipzig to show us a black-and-white sketch of some monument. He had not found it, but is looking. I recognized the sketch. President Matthew Harrison (LCMS) had shared more than a year ago. He had looked for this memorial. It marked the place, where elector Johann Friedrich I, called the Constant, was captured on 24th April 1547 after he had lost the battle of Mühlberg and had fled from the Lochauer Heide – out in the Saxon wilderness north-east of Falkenberg. Looking for this pillar was like looking for a needle in a haystack, yet Angelika and I found it. Here the google coordinates: https://maps.app.goo.gl/MKgDK6XPWvcZejRg7 That was the 2nd hidden treasure on this tour.
Margot Rentzsch introduced the midwife Olga Gebauer (1858-1922), who started the midwife association of Germany. By the way: The first caesarean birth in Germany was conducted in this town in 1610. Christian Neichel told us about drama queen Caroline Friederike Neuber. Against considerable opposition she promoted art with an educational goal. Dr.Monika Kaiser outlined artist and essayist Thea Schleusner (1879-1964, who lost most of her works during bombings of Berlin in 1945. Some of her paintings are still to be seen in Wittenberg, because she donated them to the city before the war. Frank Beyer told us about the alchemist Johann Faust (1480-1540) from Goethe´s famous novel. Finally Michael Schicketanz took us to Philipp Melanchthon junior´s (1525 – 1605) grave site. It is next to the Old Latin School chapel. The 21st February is Philipp´s birthday. So we sang the canon: “Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen.”
All in all, a nice tour of Wittenberg´s hidden treasures. But surely there is more to Wittenberg than that, you might ask. This was not really a feature in the category of: “Was uns unbedingt angeht!” (Schleiermacher) i.e. things of ultimate concern. Fair enough. I don´t believe that either. You could at least mention Dr. Martin Luther and the holy gospel once – although one of the guides (Mathias Tietke) promotes Wittenberg with a book subtitled: “Alles außer Luther!” – “Everything but Luther!” Well, I beg to differ.
“Adam und Eva” (1512) von Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und seiner Werkstatt
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte am Sonntag Sexagesimae (Viererlei Ackerfeld)
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dein Wort durch Deinen Sohn Jesus Christus unter uns reichlich aussäest; wir bitten Dich, bereite unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist, daß wir Dein Wort im Glauben aufnehmen, in einem feinen, guten Herzen behalten und in Geduld Frucht bringen, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Heute, so Ihr seine Stimme höret, so verstocket Euer Herz nicht.
Psalm 95,7f
Aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Durch Adams Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen, dasselb Gift ist auf uns geerbt, daß wir nicht mochten g´nesen ohn Gottes Trost, der uns erlöst hat von dem großen Schaden, darein die Schlang Evan bezwang, Gotts Zorn auf sich zu laden.
Weil denn die Schlang Evam hat bracht, daß sie ist abgefallen von Gottes Wort, welche sie veracht´, dadurch sie in uns allen bracht hat den Tod, so war je Not, daß uns auch Gott sollt geben sein´ lieben Sohn, der Gnaden Thron, in dem wir möchten leben.
Wie uns nun hat ein fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christo all versöhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewgen Tods gestorben, also hat Gott durch Christi Tod verneut, das war verdorben.
So er uns denn sein´ Sohn hat gschenkt, da wir sein Feind noch waren, der für uns ist ans Kreuz gehenkt, getöt’, gen Himmel gfahren, dadurch wir sein von Tod und Pein erlöst, so wir vertrauen in diesen Hort, des Vaters Wort: wem wollt vorm Sterben grauen?
Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewig Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schutz, daß wir mit Trutz an ihn fest sollen glauben; darum uns bald kein Macht noch Gwalt aus seiner Hand wird rauben.
Der Mensch ist gottlos und verrucht, sein Heil ist auch noch ferren, der Trost bei einem Menschen sucht und nicht bei Gott dem Herren; denn wer ihm will ein ander Ziel ohn diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Teufels Gwalt mit seiner List erschrecken.
Wer hofft in Gott und dem vertraut, der wird nimmer zu Schanden; denn wer auf diesen Felsen baut, ob ihm gleich geht zuhanden viel Unfall hie, hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Gottes Trost; er hilft sein Gläubgen allen.
Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heilg Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld; denn in Dein Huld setz ich all mein Vertrauen; wer sich nun fest darauf verlässt, der wird den Tod nicht schauen.
9. Mein’ Füßen ist Dein heilig Wort ein brennende Luzerne, ein Licht, das mir den Weg weist fort; so dieser Morgensterne in uns aufgeht, so bald versteht der Mensch die hohen Gaben, die Gottes Geist den´ gwiß verheißt, die Hoffnung darein haben.
Lazarus Spengler 1524 (LKG 228)
Fortlaufende Lese
Und es begab sich, als er solches redete, da erhob eine Frau aus dem Volk ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast. 28 Er aber sprach: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
29 Die Menge aber drängte herzu. Da fing er an und sagte: Dies Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Jona. 30 Denn wie Jona zum Zeichen geworden ist für die Leute von Ninive, so wird es auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht. 31 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, zu hören die Weisheit Salomos; und siehe, hier ist mehr als Salomo. 32 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
Lukas 11,27-32
Morgenlese
Nehmt zu Ohren und hört meine Stimme, merkt auf und hört meine Rede: 24 Pflügt oder gräbt oder eggt denn ein Ackermann immerfort seinen Acker zur Saat? 25 Ist’s nicht so: Wenn er ihn geebnet hat, dann streut er Dill und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, ein jedes, wohin er’s haben will, und Dinkel an den Rand? 26 So unterweist ihn sein Gott und lehrt ihn, wie es recht sei. 27 Auch drischt man den Dill nicht mit Dreschschlitten und lässt auch nicht die Walze über den Kümmel gehen, sondern den Dill schlägt man aus mit einem Stabe und den Kümmel mit einem Stecken. 28 Zermalmt man etwa das Getreide? Nein, endlos drischt man’s nicht. Man lässt seine Dreschwalze und seine Pferde darüber gehen, aber zermalmt es nicht. 29 Auch das kommt her vom HERRN Zebaoth; sein Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus.
Jesaja 28,23-29
Abendlese
Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an, hinauszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um 16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trüge. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. 18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. 19 Und am Abend gingen sie hinaus vor die Stadt.
Und sie kamen wieder nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, kamen zu ihm die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten 28 und sprachen zu ihm: Aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Macht gegeben, dass du das tust? 29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch eine Sache fragen; antwortet mir, so will ich euch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue. 30 Die Taufe des Johannes – war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir! 31 Und sie bedachten es bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32 Oder sollen wir sagen, sie war von Menschen? Doch sie fürchteten sich vor dem Volk; denn sie meinten alle, dass Johannes wirklich ein Prophet sei. 33 Und sie antworteten und sprachen zu Jesus: Wir wissen’s nicht. Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.
Markus 11,15-19.27-33
Bekenntnislese
Und endlich, so man alle Dinge wollte mit so herrlichem Titel Sakramente nennen, darum daß sie Gottes Wort und Befehl haben, so sollte man billig vor allen andern das Gebet ein Sakrament nennen. Denn da ist ein starker Gottesbefehl und viel herrliche göttliche Zusage. Es hätte auch wohl Ursache. Denn wenn man dem Gebet so großen Titel gäbe, würden die Leute zum Gebet gereizt. Auch könnte man die Almosen unter die Sakrament rechnen; item das Kreuz und die Trübsale der Christen, denn die haben auch Gottes Zusage. Doch wird kein verständiger Mann großen Zank darüber machen, ob sieben oder mehr Sakramente gezählt werden, doch so fern, daß Gottes Wort und Befehl nicht abgebrochen werde.
Das ist aber mehr vonnöten zu disputieren und zu wissen, was der rechte Gebrauch der Sakramente sei. Da müssen wir frei verdammen den ganzen Haufen der scholasticorum und ihren Irrtum strafen, da sie lehren, daß diejenigen, so die Sakramente schlechthin gebrauchen, wenn sie nicht obicem setzen, ex opere operato Gottes Gnade erlangen, wennschon das Herz alsdann keinen guten Gedanken hat. Das ist aber stracks ein jüdischer Irrtum, so sie halten, daß wir sollten durch ein Werk und äußerliche Zeremonie gerecht und heilig werden ohne Glauben, und wenn das Herz schon nicht dabei ist; und diese schädliche Lehre wird doch gepredigt und gelehrt weit und breit, durchaus und überall im ganzen Papstreich und in des Papsts Kirchen. Paulus schreit dawider und sagt, daß Abraham sei vor Gott gerecht geworden nicht durch die Beschneidung, sondern die Beschneidung sei ein Zeichen gewesen, den Glauben to üben und zu stärken. Darum sagen wir auch, daß zum rechten Gebrauch der Sakramente der Glaube gehöre, der da glaube der göttlichen Zusage und zugesagte Gnade empfange, welche durch Sakramente und Wort wird angeboten. Und dies ist ein gewisser, rechter Gebrauch der heiligen Sakramente, da sich ein Herz und ein Gewissen auf wagen und verlassen mag. Denn die göttliche Zusage kann niemand fassen denn allein durch den Glauben. Und die Sakramente sind äußerliche Zeichen und Siegel der Verheißung. Darum zum rechten Gebrauch derselben gehört Glaube. Als wenn ich das Sakrament des Leibes und Blutes Christi empfange, sagt Christus klar: „Das ist das Neue Testament.“ Da soll ich gewiß glauben, daß mir Gnade und Vergebung der Sünden, welche in Neuen Testament verheißen ist, widerfahre. Und solches soll ich empfangen im Glauben und damit trösten mein erschrocken, blöd Gewissen und stehen darauf gewiß, daß Gottes Wort und Zusagen nicht fehlen, sondern so gewiß uns noch gewisser seien, als ob Gott mir eine neue Stimme oder neu Wunderzeichen vom Himmel ließe geben, dadurch mir würde Gnade zugesagt. Was hülfen aber Wunderzeichen, wenn nicht Glaube da wäre? Und wir reden hier vom Glauben, da ich selbst gewiß für mich glaube, daß mir die Sünden vergeben sind; nicht allein vom fide generali, da ich glaube, daß ein Gott sei. Derselbe rechte Gebrauch der Sakramente tröstet recht und erquickt die Gewissen.
Was aber die häßliche, schändliche, ungöttliche Lehre vom opere operato, da sie gelehrt, daß, wenn ich der Sakramente gebrauche, so macht das getane Werk mich vor Gott fromm und erlangt mir Gnade, obgleich das Herz keinen guten Gedanken dazu hat, für Mißbrauch und Irrtum eingeführt, kann niemand genug nachdenken, schreiben noch sagen. Denn daher ist auch der unsägliche, unzählige, greuliche Mißbrauch der Messe gekommen. Und sie können keinen Tüttel noch Buchstaben aus den alten Vätern anzeigen, dadurch der Scholaster Opinion bewiesen werde. Ja, Augustinus sagt stracks dawider, daß der Glaube im Gebrauch des Sakraments, nicht das Sakrament vor Gott uns fromm mache.
Artikel XIV. Vom Kirchenregiment.
Im vierzehnten Artikel, da wir sagen, daß man niemand gestatte zu predigen oder die Sakramente zu reichen in der Kirche denn allein denjenigen, so recht gebührlich berufen sind, das nehmen sie an, wenn wir den Beruf also verstehen von Priestern, welche nach Inhalt der Canones ordiniert oder geweiht sind. Von der Sache haben wir uns etlichemal auf diesem Reichstage hören lassen, daß wir zum höchsten geneigt sind, alte Kirchenordnungen und der Bischöfe Regiment, das man nennt canonicam politiam, helfen zu erhalten, so die Bischöfe unsere Lehre dulden und unsere Priester annehmen wollten. Nun haben die Bischöfe bisanher die unsern verfolgt und wider ihre eigenen Rechte ermordet. So können wir auch noch nicht erlangen, daß sie von solcher Tyrannei ablassen. Derhalben ist die Schuld unsers Gegenteils, daß den Bischöfen der Gehorsam entzogen wird, und sind wir vor Gott und allen frommen Leuten entschuldigt. Denn dieweil die Bischöfe die unsern nicht dulden wollen, sie verlassen denn diese Lehre, so wir bekannt haben, und doch wir vor Gott schuldig sind, diese Lehre zu bekennen und zu erhalten, müssen wir die Bischöfe fahren lassen und Gott mehr gehorsam sein und wissen, daß die christliche Kirche da ist, da Gottes Wort recht gelehrt wird. Die Bischöfe mögen zusehen, wie sie es verantworten wollen, daß sie durch solche Tyrannei die Kirche zerreißen und wüste machen.
Apologie XIII,16 (Von den Sakramenten und ihrem rechten Brauch) – XIV,5 (Vom Kirchenregiment)
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist
St. Marien (Krakauer Hochaltar) von Veit Stoß, 1489.
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte am Sonntag Sexagesimae (Viererlei Ackerfeld)
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken Dir, daß Du Dein Wort durch Deinen Sohn Jesus Christus unter uns reichlich aussäest; wir bitten Dich, bereite unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist, daß wir Dein Wort im Glauben aufnehmen, in einem feinen, guten Herzen behalten und in Geduld Frucht bringen, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Heute, so Ihr seine Stimme höret, so verstocket Euer Herz nicht.
Psalm 95,7f
Nun freut Euch, lieben Christen g’mein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.
Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt’ mich besessen.
Mein guten Werk, die galten nicht, es war mit ihn’ verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, er war zum Gutn erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen mußt ich sinken.
Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ’s sein Bestes kosten.
Er sprach zu seinem lieben Sohn: »Die Zeit ist hier zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit Dir leben.«
Der Sohn dem Vater g’horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt, mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen G’stalt, den Teufel wollt er fangen.
Er sprach zu mir: »Halt Dich an mich, es soll Dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für Dich, da will ich für Dich ringen; denn ich bin Dein und Du bist mein, und wo ich bleib, da sollst Du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.
Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles Dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde Dein, da bist Du selig worden.
Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister Dein, den Geist will ich Dir geben, der Dich in Trübnis trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten.
Was ich getan hab und gelehrt, das sollst Du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und hüt Dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz: Das lass ich Dir zur Letze.«
Martin Luther 1523 (LKG 226)
Fortlaufende Lese
Und er trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Stumme, und die Menge verwunderte sich. 15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 17 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. 18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die Dämonen aus durch Beelzebul. 19 Wenn aber ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 21 Wenn ein gewappneter Starker seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. 22 Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. 23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. 24 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. 25 Und wenn er kommt, so findet er’s gekehrt und geschmückt. 26 Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie dort, und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger als zuvor.
Lukas 11,14-26
Morgenlese
Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Himmelreichs, diesen aber ist’s nicht gegeben. 12 Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. 13 Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. 14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt: »Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet nicht erkennen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist verfettet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlossen, auf dass sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, dass ich sie heile[1].« 16 Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören. 17 Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr seht, und haben’s nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben’s nicht gehört.
Matthäus 13,10-17
Abendlese
Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. 23 Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; 24 denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. 25 Wer aber sich vertieft in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seinem Tun. 26 Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig. 27 Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.
Jakobus 1,22-27
Bekenntnislese
Im dreizehnten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, daß wir sagen, die Sakramente sind nicht schlechte Zeichen, dabei die Leute untereinander sich kennen, wie Losung im Krieg und Hoffarbe usw., sondern sind kräftige Zeichen und gewisse Zeugnisse göttlicher Gnade und Willens gegen uns, dadurch Gott unsere Herzen erinnert und stärkt, desto gewisser und fröhlicher zu glauben. Aber hier wollen sie haben, wir sollen auch bekennen, daß an der Zahl sieben Sakramente seien, nicht mehr noch weniger. Darauf sprechen wir, daß not sei, diese Zeremonien und Sakramente, die Gott eingesetzt hat durch sein Wort, wie viele und in was Zahl die sind, zu erhalten. Aber von dieser Zahl der sieben Sakramente befindet man, daß die Väter selbst nicht gleich gezählt haben; so sind auch diese sieben Zeremonien nicht alle gleich nötig.
So wir Sakramente nennen die äußerlichen Zeichen und Zeremonien, die da haben Gottes Befehl und haben eine angeheftete göttliche Zusage der Gnade, so kann man bald schließen, was Sakramente seien. Denn Zeremonien und andere äußerliche Dinge, von Menschen eingesetzt, sind auf die Weise nicht Sakramente. Denn Menschen ohne Befehl haben nicht Gottes Gnade zu verheißen. Darum Zeichen, so ohne Gottes Befehl sind eingesetzt, die sind nicht Zeichen der Gnade, wiewohl sie den Kindern und groben Leuten sonst mögen eine Erinnerung bringen, als ein gemalt Kreuz. So sind nun rechte Sakramente die Taufe und das Nachtmahl des Herrn, die Absolution. Denn diese haben Gottes Befehl, haben auch Verheißung der Gnade, welche denn eigentlich gehört zum Neuen Testament und ist das Neue Testament. Denn dazu sind die äußerlichen Zeichen eingesetzt, daß dadurch bewegt werden die Herzen, nämlich durchs Wort und äußerliche Zeichen zugleich, daß sie glauben, wenn wir getauft werden, wenn wir des Herrn Leib empfangen, daß Gott uns wahrlich gnädig sein will durch Christum; wie Paulus sagt: „Der Glaube ist aus dem Gehör.“ Wie aber das Wort in die Ohren geht, also ist das äußerliche Zeichen vor die Augen gestellt, um inwendig das Herz zu reizen und zu bewegen zum Glauben. Denn das Wort und äußerliche Zeichen wirken einerlei im Herzen, wie Augustinus ein fein Wort geredet hat. „Das Sakrament“, sagt er, „ist ein sichtlich Wort.“ Denn das äußerliche Zeichen ist das durchs Wort gepredigt wird; darum richtet beides einerlei aus.
Aber die confirmatio und die letzte Ölung sind Zeremonien, welche von den alter Vätern hergekommen, welche auch die Kirche nie als für nötig zur Seligkeit geachtet hat. Denn sie haben nicht Gottes Befehl noch Gebot. Darum ist’s wohl gut, dieselben zu unterscheiden von den obangezeigten, welche durch Gottes Wort eingesetzt und befohlen sind und eine angeheftete Zusage Gottes haben.
Durch das Sakrament des Ordens oder Priesterschaft verstehen die Widersacher nicht das Predigtamt und das Amt, die Sakramente zu reichen und auszuteilen, sondern verstehen es von Priestern, die zu opfern geordnet seien. Gleich als müsse im Neuen Testament ein Priestertum sein, wie das levitische Priestertum gewesen, da die Priester für das Volk opfern und den andern Vergebung der Sünden erlangen. Wir aber lehren, daß das einige Opfer Christi am Kreuze genuggetan hat für aller Welt Sünden, und daß wir nicht eines andern Opfers für die Sünden bedürfen. Denn wir haben im Neuen Testament nicht ein solch Priestertum, wie das levitische Priestertum war, wie die Epistel zu den Hebräern lehrt. Wo man aber das Sakrament des Ordens wollte nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so hätte es keine Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten und hat herrliche Zusage Gottes, Röm. 1: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen denjenigen, so daran glauben“ usw., Jes. 55: „Das Wort, das aus meinem Munde gehet, soll nicht wieder leer zu mir kommen, sondern tun, was mir gefällt.“ Wenn man das Sakrament des Ordens also verstehen wollte, so möchte man auch das Auflegen der Hände ein Sakrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, daß sie soll Prediger und Diakonos bestellen. Dieweil nun solches sehr tröstlich ist, so wir wissen, daß Gott durch Menschen und diejenigen, so von Menschen gewählt sind, predigen und wirken will, so ist’s gut, daß man solche Wahl hoch rühme und ehre, sonderlich wider die teuflischen Anabaptisten, welche solche Wahl samt dem Predigtamt und leiblichen Wort verachten und lästern.
Aber der eheliche Stand ist nicht erst eingesetzt im Neuen Testament, sondern bald als das menschliche Geschlecht erst geschaffen ist. Und er ist auch durch Gott befohlen und geboten. Er hat auch göttliche Zusagungen, welche wohl nicht eigentlich zum Neuen Testament gehören, sondern mehr das leibliche Leben angehen. Darum so es jemand will ein Sakrament nennen, fechten wir dies nicht hoch an. Es soll aber gleichwohl abgesondert werden von den vorigen zwei, welche eigentlich Zeichen und Siegel sind des Neuen Testaments. Denn so der Ehestand allein darum sollte ein Sakrament heißen, daß Gott denselben eingesetzt und befohlen hat, so müßten die andern Ämter und Stände auch Sakramente genannt werden, die auch in Gottes Wort und Befehl gehen, als Obrigkeit oder Magistrat usw.
Apologie XIII,1-15
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist
TWO FAMOUS REFORMATION WOODCUTS depict Luther as the “German Hercules” and as a “Wild Man.” The former depicts Luther larger than life, the pope hanging from his nose, laying waste with a huge club the personifications of monasticism and scholasticism. The “Wild Man” depiction is what contemporary scholars refer to as the iconography of “the reversible world,” the world turned upside-down. The Reformation overturned the late medieval world, including its views of money.
Luther was a “Wild Man” with respect to money because he attacked every contemporary expression of the counterfeit gospel that a person’s worth depends on his or her accomplishments. His club was the good news that human worth is totally independent of success, be it measured in terms of renunciation or acquisition of the world. Thus Luther fought a two—sided battle against both monastic asceticism and emerging capitalism (“usury”). The first battle is well-known, but the second has frequently been obscured by the common association of the “Protestant ethic” with the “spirit of capitalism.” But to Luther both sides really belonged to the same coin, salvation by works.
Luther’s Attack on Monastic Asceticism
Medieval monasticism narrowed the spiritual asceticism of the early church to renunciation of the world. Poverty was idealized into a kind of spiritual capitalism for poor and rich alike. The poor were on the preferred path of salvation, and the rich earned merit for salvation by almsgiving. The foremost figure in the medieval poverty movement was certainly Francis of Assisi, whose rejection of money served to radicalize discipleship and to alleviate anxiety about the corrupting effect of money and business.
Luther’s response was unequivocal: “Many people, of both low and high estate, yes, all the world, were deceived by this pretense. They were taken in by it, thinking: ‘Ah, this is something extraordinary! The dear fathers lead such an ascetic life; . . . ’ Indeed, if you want to dupe people, you must play the eccentric” (“Sermons on the Gospel of St. John”).
On Francis, Luther commented: “I do not think that Francis was an evil man; but the facts prove that he was naive or, to state it more truthfully, foolish.” His foolishness was in supposing that money was evil in itself, and in displacing the free forgiveness of sins through Christ by a new law of renunciation. “If silver and gold are things evil in themselves, then those who keep away from them deserve to be praised. But if they are good creatures of God, which we can use both for the needs of our neighbor and for the glory of God, is not a person silly, yes, even unthankful to God, if he refrains from them as though they were evil? For they are not evil, even though they have been subjected to vanity and evil. . . . If God has given you wealth, give thanks to God, and see that you make right use of it . . . ” (“Lectures on Genesis”). The problem is not money but its use. The greedy misuse the world by striving to acquire it; the monastics, by struggling to renounce it. The end result for both is personal insecurity because trust is placed in self-achievement rather than in God. Meanwhile, the neighbor is neglected.
Luther’s Attack on Early Capitalism
The medieval ideology of poverty had been entrenched for centuries, but the acceptance of the idea that money can make money was relatively new in Luther’s day. This usury was condemned by the medieval church as late as the Fifth Lateran Council in 1515. But by all accounts, the entrepreneur was well-established by this time.
Luther found the calculating entrepreneur extremely distasteful. He was convinced that the capitalist spirit divorced money from use for human needs and necessitated an economy of acquisition. From his brief “Sermon on Usury” (1519) to his “Admonition to the Clergy that they Preach against Usury” (1540), Luther consistently preached and wrote against the expanding money and credit economy as a great sin. “After the devil there is no greater human enemy on earth than a miser and usurer, for he desires to be above everyone. Turks, soldiers, and tyrants are also evil men, yet they must allow the people to live . . . ; indeed, they must now and then be somewhat merciful. But a usurer and miser—belly desires that the entire world be ruined in order that there be hunger, thirst, misery, and need so that he can have everything and so that everyone must depend upon him and be his slave as if he were God.” “Daily the poor are defrauded. New burdens and high prices are imposed. Everyone misuses the market in his own willful, conceited, arrogant way, as if it were his right and privilege to sell his goods as dearly as he pleases without a word of criticism.”
This “lust for profits,” Luther observed, had many clever expressions: selling on time and credit, manipulating the market by withholding or dumping goods, developing cartels and monopolies, falsifying bankruptcies, trading in futures, and just plain misrepresenting goods. Such usury, Luther argued, affects everyone. “The usury which occurs in Leipzig, Augsburg, Frankfurt, and other comparable cities is felt in our market and our kitchen. The usurers are eating our food and drinking our drink.” Even worse, however, is that by manipulating prices “usury lives off the bodies of the poor.” In his own inimitable style, Luther exploded, “The world is one big whorehouse, completely submerged in greed,” where the “big thieves hang the little thieves.” Thus he exhorted pastors to condemn usury as stealing and murder, and to refuse absolution and the sacrament to usurers unless they repent.
It is important to note that Luther’s concern was not merely about an individual’s use of money, but also the structural social damage inherent in the idolatry of the “laws” of the market. Ideas of an “impersonal market” and “autonomous laws of economics” were abhorrent to Luther because he saw them as both idolatrous and socially destructive. He saw the entire community endangered by the financial power of a few great economic centers. The rising world economy was already beginning to suck up urban and local economics, and to threaten an as yet unheard of opposition between rich and poor. He saw an economic coercion immune to normal jurisdiction which would destroy the ethos of the community. This is why Luther considered early capitalism to constitute a status confessionis for the church, in spite of the fact that many of his contemporaries thought he was tilting at windmills.
Luther believed that not only was the church called to publicly and unequivocally reject these economic developments, but also to develop a constructive social ethic in response to them. This social ethic developed social welfare policies and legislation, and called for public accountability of large business through government regulation.
Social Welfare Policies and Legislation
The widespread poverty, vagrancy, and underemployment of the late medieval period was legitimated by the church’s ideology of poverty and exacerbated by the new economic developments. The schema of salvation which presented poverty as the ideal Christian life and anchored it in society through the promises of earthly and heavenly rewards due the almsgiver kept people from recognizing and alleviating the social distress of poverty.
Luther’s doctrine of justification cut the nerve of this medieval ideology of poverty. Since salvation is purely a gift of God apart from human works, both poverty and almsgiving lose saving significance. By de-spiritualizing poverty, the Reformers could recognize poverty in every form as a personal and social evil to be combatted. Under the rubrics of justice and love to the neighbor, Luther and his colleagues quickly moved in alliance with local governments to establish new social welfare policies and legislation.
The first major effort was the Wittenberg Church Order of 1522 which established a “common chest” for welfare work. Initially funded by medieval ecclesiastical endowments and later supplemented by taxes, the Wittenberg Order prohibited begging; provided interest-free loans to artisans, who were to repay them whenever possible; provided for poor orphans, the children of poor people, and poor maidens who needed an appropriate dowry for marriage; provided refinancing of high-interest loans at 4% annual interest for burdened citizens; and supported the education or vocational training of poor children. To the objection that this was open to abuse, Luther replied, “He who has nothing to live should be aided. If he deceives us, what then? He must be aided again.” Other communities quickly picked up these ideas. By 1523 there were common chest provisions for social welfare in the church orders of Leisnig, Augsburg, Nuremberg, Altenburg, Kitzingen, Strasbourg, Breslau, and Regensburg.
These ordinances for poor relief were efforts to implement Luther’s conviction that social welfare policies designed to prevent as well as remedy poverty are a Christian social responsibility. Under the motto “there should be no beggars among Christians,” the early Reformation movement set about implementing concern for personal dignity and public alleviation of suffering.
Civic Control of Capitalism
While Luther’s efforts to develop welfare legislation were well-received in the cities and territories which accepted the Reformation, his efforts to encourage civic control of capitalism gained little support. Of course, it is hardly surprising that, when interest rates could soar to 50%, bankers turned a deaf ear to his call for a 5% ceiling on interest. Also, Luther’s criticism of capitalism included far more than exorbitant interest rates. Social need always stood above personal gain. “ . . . In a well-arranged commonwealth the debts of the poor who are in need ought to be cancelled, and they ought to be helped; hence the action of collecting has its place only against the lazy and the ne’er-do-well” (“Lectures on Deuteronomy”).
Luther found that it is easier to motivate assistance to individuals than it is to curb the economic practices which create their poverty. Poverty’s squalor calls out for redress, whereas the attractive trappings of business muffle criticism. Yet the effects of early capitalism could be felt. In Wittenberg between 1520 and 1538, prices doubled but wages remained the same. Luther called this murder and robbery in disguise. “ . . . How skillfully Sir Greed can dress up to look like a pious man if that seems to be what the occasion requires, while he is actually a double scoundrel and a liar” (“Commentary on the Sermon on the Mount”). “God opposes usury and greed, yet no one realizes this because it is not simple murder and robbery. Rather usury is a more diverse, insatiable murder and robbery. . . . Thus everyone should see to his worldly and spiritual office as commanded to punish the wicked and protect the pious” (An die Pfarrherrn).
In his 1525 advice to the Town Council of Danzig, Luther stated that government regulation of interest should be according to the principle of equity. For example, a mortgage of 5% would be equitable, but it should be reduced if it does not yield this return. At the same time, one should consider persons. The well-to-do could be induced to waive a part of his interest, whereas an old person without means should retain it. But these views were of minimal influence. Legislation was introduced in Dresden in 1529 which prohibited 15–20% interest in favor of a 5% rate. This in turn influenced the reform of the Zwickau city laws in 1539. Yet it was also noted then how often the Dresden legislation was violated.
That these examples may indicate more failure than success is confirmed by the 1564–1565 controversy in Rudolfstadt. The Lutheran pastor there refused to commune two parishioners who lived by “usury.” The theological faculties of Wittenberg, Leipzig, and Jena were requested to give their opinions. They concluded against the pastor, who then had to leave town; and they did not recognize Luther as an authority on this issue.
After this, there was never again a serious effort to acknowledge Luther’s position on usury. Luther’s followers first ignored and then forgot his position against early capitalism. On the question of money, even Luther’s followers thought he was too wild to follow.
Conclusion
Luther’s efforts to turn the early capitalist world upside—down by insisting on government regulation of business and the remission of burdensome debts was countered by the powerful of his day. But it was not only Luther who was powerless. When Emperor Charles V made motions in the direction of stricter business controls, the Fugger banking house reminded him of his outstanding debts to them, and the mining monopolies claimed the right to act as they pleased. Luther was not utopian in these matters. He commented that the world cannot be without usury anymore than it can be without sin, but woe to the person by whom it comes.
Nevertheless, throughout his career, Luther fought against what he saw as the two-sided coin of mammonism: ascetic flight from money and the acquisitive drive for it. His foundation for this battle was the great reversal of the gospel that a person’s worth is not determined by what he or she does or does not possess, but rather by God’s promise in Christ. Thus money is not the lord of life, but the gift of God for serving the neighbor and building up the community. CH
Zum ersten, ist zu wissen, daß unser Herr Jesus Christus, Matth. 5. da er sein Volk lehrt, wie sie sich sollten halten gegen einander in den zeitlichen Gütern, zu geben und zu leihen, setzt drei unterschiedliche Grade. Der erste ist: So jemand uns etwas mit Gewalt nimmt, sollen wirs nicht allein fahren lassen, sondern auch bereit seyn, so er mehr nehmen wollte, dasselbe auch zu lassen, und spricht also: wer mit dir hadern will am Gerichte, daß er dir den Rock nehme, so laß ihm den Mantel, d. i., sollst nicht widerstreben noch wehren, daß er den Mantel nicht auch nehme. Und dies ist der höchste Grad in diesem Werke.
Der andre ist, daß man geben soll jedermann, der sein bedarf und begehrt; davon sagt er also: wer von dir bitter, dem gib.
Der dritte Grad ist, daß man williglich und gern leihe oder borge, ohn allen Aufsatz der Zinse, davon sagt er: Und wer von dir borgen oder entleihen will, von dem kehre dich nicht, d. i., versags ihm nicht.
Dieser dritte letzte Grad ist der geringste, auch so gering, daß er im A. T. geboten ist dem schlechten unvollkommnen Volk der Juden; ja, auch der andre Grad, wie 5 Mos. 15, 7. 8. geschrieben steht: So jemand aus deinen Brüdern in deiner Stadt arm wird, sollst du dein Herz nicht gegen ihm verhärten, noch deine Hand zuhalten, sondern sollst sie aufthun, und ihm leihen was er bedarf. Item, der andre Grad im selben Capitel V. 11: Es werden allzeit arme Leute seyn in deinem Lande, darum gebiete ich dir, daß du deine Hand aufthust deinem Bruder, dem Armen, und der es bedarf und gebest ihm.
So nun GOtt die zween Grade im A. T. hat geboten, und gewollt, daß ein jeglicher des andern Bruder geachtet würde, und daß man niemand unter ihnen sollte betteln und darben lassen, als er spricht 5 Mos. 15, 4: Es soll je kein Bettler noch Darbloser unter euch seyn; wie vielmehr soll das christliche Volk dazu und noch höher verbunden seyn, daß sie sich unter einander mit leihen und geben halten, als Brüder, darüber auch bereit seyn fahren zu lassen, was man mit Gewalt nehmen will; und sollte billig keine Bettelei unter den Christen seyn, viel weniger denn unter den Juden.
Wenn man aber das halten will, so müßte man auch dafür seyn, daß man nicht in einer Stadt allen Fremden, Auswohnenden gebe. Darum setzt er in seinem Gebot das Wörtlein, in deiner Stadt, daß in einer jeglichen Stadt die Dürftigen von derselben Stadt Einwohner sollen versorgt werden. Nun ist des Bettelns so viel, und der Walfahrt zu S. Jacob hie und da alles nur auf den Bettelsack verlassen, daß Wunder ist, wie sichs ertragen mag. Das wüßte man alles aufheben. Und wollte GOtt, daß es die Obrigkeit erkennte und angriffe.
Etliche meinen, der erste Grad sei ein Rath, nicht geboten, und achtens für billig, daß ein jeglicher das seine wieder fordere, und vor Gewalt beschütze, wie er mag; den Vollkommnen aber sei es ein Gebot. Sprechen: So das wahr wäre, würde den Böswilligen Urlaub gegeben zu nehmen und stehlen, zuletzt würde niemand nichts behalten. Diese Ausrede hilft nicht, es ist schlecht ein Gebot, um böser Menschen willen nicht nachzulassen.
Doch hat GOtt das weltliche Schwert dafür eingesetzt, und der Obrigkeit befohlen, daß sie dieselben Böswilligen strafe und wehre, daß sie nicht öffentlich Urlaub haben zu nehmen was sie wollen, wiewohl der Apostel 1 Cor. 6, 1-8 den Unvollkommnen zuläst, das ihre mit Recht wieder zu fordern; doch straft er sie, daß sie nicht lieber Schaden und Betrug leiden, denn rechten und hadern. Und so es nicht geboten wäre, so wäre der Christenstand nichts höher, denn des Alten Testaments.
Dazu ists klar ausgedruckt Luc. 6, 30. ff. da der Herr sagt: Einem jeglichen gib, der dich darum bittet ff. Aus welchen Worten klar wird, daß Christenmenschen nichts anders zugebührt, denn geben und leihen umsonst, dazu den Feinden wohlthun, und nicht mit ihnen hadern, noch sie beschädigen.
Nu seht zu, wo die bleiben, die Wein, Korn, Geld, und was des ist, ihrem Nächsten also leihen, daß sie über das Jahr aus dieselben zu Zinsen verpflichten, oder beschweren und überladen, daß sie mehr, oder ein anders, das besser ist, wiedergeben müssen, denn sie geborgt haben. Das sind jüdische Stücklein und Tücklein, und ist ein unchristlich Fürnehmen wider das h. Evangelium Christi, ja wider das natürliche Gesetz und Recht, das der Herr anzeigt Luc. 6, 31. da er sagt: was du willst, das dir die Menschen thun und lassen sollen, das thu und laß du auch ihnen. Es ist niemand, der nicht gern wollte, daß man ihm ohn Aufsatz leihe; warum thut er denn nicht wieder dasselbe einem andern? Und gehen doch hin als fromme Christen, beten, fasten, geben zuweilen ein Almosen, stiften dies und das; aber dies christliche Werk will man nicht achten, da es ganz und gar anliegt.
So sprichst du denn: Ist es also gethan um das leihen und Borgen, so will ich niemand leihen; denn so verlör ich mein Interesse? Antwort: Du magst thun wie du willst, so wirst du das Gebot Christi nicht umstoßen, da er dir gebeut, du sollst leihen ohn allen Aufsatz deinem Nächsten. Dazu, so ers bedarf, auch geben ganz umsonst. Thust du es nicht, so bist du auch kein Christenmensch, und wirst deinen Himmel hie aus Erden empfangen haben. Denn nicht dein Wille, sondern GOttes Gebot und das natürliche Recht muß vorgehen, sollst du selig werden.
So sprichst du aber: Wenn das wahr wäre, so wären gar wenig Christen itzt in der Welt, ist es doch allenthalben Sitte worden, daß man auf Gewinst nur leiht? Antwort ich: Es sei Sitte oder Unsitte, so ist es nicht christlich, noch göttlich, noch natürlich. Darum, so man die rechten Werke ansieht, so wird man gewahr, wie wenig guter Bäume sind, die rechte christliche, evangelische Früchte tragen; die doch sonst viel andre Werke thun, die sie vor gut haben, ob sie ihnen wohl nicht geboten sind, betrügen und blenden sich selbst mit denselben eignen Werken, daß sie dieser göttlichen Werke noch gedenken noch erkennen.
Sprichst du aber: Thun doch die Priester, Gelehrten, Geistlichen und etliche Kirchen auch also, die nur auf Gewinst leihen, sonderlich dieweil dasselbe zur Besserung der Kirchen und geistlichen Güter gelangt? Diese Entschuldigung ist würdig, daß sie dem bösen Geist zugeschrieben werde, darum, daß sie mit der Kirchen und geistlicher Güter Besserung rechtfertigt den Wucher, unrecht Gut, des Nächsten Schaden und Verdrückung, und will auflösen GOttes Gebot; gerad als hätten der Kirchen und Geistlichen Güter Freiheit, GOttes Gebot zu reissen, den Nächsten berauben, Wucher treiben, und Unrecht üben. O heb dich, du verfluchte Bosheit! Soll die unschuldige Kirche und Geistlichkeit deine Untugend versechten? Wenn die ganze Welt mit solchem Aufsatz zu leihen einen Brauch hätte, so sollten doch die Kirchen und Geistlichen dawider handeln; und je geistlicher ihre Güter wären, je christlicher nach dem Gebot Christi geben, leihen und fahren lassen. Und wer anders thut, so thut ers nicht der Kirchen noch dem geistlichen Gut, sondern seinem jüdischen, wuchersüchtigen Geiz zur Besserung, er sei gelehrt oder ungelehrt, geistlich oder weltlich.
Unter diesen dreien Graden sind nun andre Grade, die zeitlichen Güter zu wandeln, als mit kaufen, erben, bescheiden und dergleichen; die mit geistlichen und weltlichen Gesetzen verfasset sind, in welchen niemand besser noch ärger wird für GOtt. Denn christlicher Handel und Wohlthun mit zeitlichem Gut steht in den dreien: geben umsonst, leihen ohn Aufsatz, und mit Liebe fahren lassen; wie gesagt ist. Denn das ist kein Verdienst, so du etwas kaufst, erblich besitzest, oder sonst redlicher Weise überkommst, sintemal auch die Heiden und Türken mögen nach der Weise fromm seyn.
Itzt lassen wir anstehen alle andre Grade, und nehmen für uns den Kauf, nämlich den Zinskauf, worin auch der Wucher ein gewaltiger Herr ist.
Derselbe Zinskauf geschieht etwan, daß man denen abkauft, die wohl dürften, daß man ihnen leihte oder gäbe; so taugt er doch zu grund gar nichts: denn GOttes Gebot steht im Weg, und will, daß den Dürftigen geholfen werde mit leihen und geben. Zum andernmal geschieht er, daß Käufer und Verkäufer, beider Theil des ihren bedürfen, derhalben noch leihen noch geben vermögen, sondern sich mit des Kaufs Wechsel behelfen müssen. Wenn nun das geschieht ohn Uebertretung des geistlichen Gesetzes, daß man aufs Hundert vier, fünf, sechs Gülden gibt, läßt sichs tragen; doch soll allzeit die Gottesfurcht sorgfältig seyn, daß sie mehr fürchte, sie nehme zu viel, denn zu wenig, daß der Geiz nicht neben der Sicherheit des ziemlichen Kaufs einreisse; je weniger aufs Hundert, je göttlicher und christlicher der Kauf ist.
Es ist aber meines Werks nicht, anzuzeigen, wo man fünf, vier oder sechs aufs Hundert geben soll. Ich laß es bleiben bei dem Urtheil der Rechten. Wo der Grund so gut und reich ist, daß man da sechs nehmen möge. Aber meines Dünkens acht ichs, so man Christus Gebot halten wollt, in den ersten dreien Graden, sollte der Zinskauf nicht so gemein oder noch seyn, es wäre denn in großen merklichen Summen und tapfern Gütern. Er reißt aber ein in die Groschen und Pfennige, und übt sich hienieden, in gar geringen Summen, die man leichtlich mit Geben oder Leihen ausrichtet, nach Christus Gebot, und will doch nicht Geiz genennt seyn.
Nun findet man etliche, die nicht allein in geringen Gütern, sondern auch zuviel nehmen, sieben, acht, neun, zehen aufs Hundert. Da sollten die Gewaltigen einsehen, hie wird das arm gemein Volk heimlich ausgesogen, und schwerlich unterdrückt. Darum geschieht auch, daß solche Räuber und Wucherer (wie die Tyrannen und Räuber würdig sind,) vielmals unnatürlich sterben, und des jähen Todes verfallen, oder sonst schrecklich umkommen; denn GOtt ist ein Richter für die Armen und Dürftigen, als er vielmal im alten Gesetz sagt.
Hie fahren sie denn aber daher und sagen: Die Kirchen und Geistlichen thun das, und habens Macht, dieweil solches Geld zu Gottesdienst gelangt. Fürwahr hat man keine andre Sache, den Wucher zu rechtfertigen, so ist er nie übler gescholten; denn er will je die unschuldige Kirche und Geistlichkeit mit ihm zum Teufel führen, und in die Sünde ziehen. Thu den Namen der Kirche ab, und sprich: Es thuts der wuchersüchtige Geiz, oder der Faulenzer alter Adam, der nicht gern arbeitet um sein Brod zu erwerben, daß er seinem Müßiggang unter der Kirchen Namen einen Deckel mache.
Was gottesdienest du mir? Das heißt GOtt gedient, sein Gebot gehalten, daß man niemand stehle, nehme, übersetze desgleichen, sondern gebe und leihe den Dürftigen. Solche wahrhaftige Gottesdienste willst du zureissen, auf daß du Kirchen bauest, Altar stiftest, und lesen und singen läßt, der dir GOtt keines geboten hat; und also mit deinem Gottesdienst den rechten Gottesdienst zunichte machest, laß den Gottesdienst vorgehen, den er geboten hat, und komm denn hernach mit dem, den du erwählt hast. Und wie ich droben gesagt: wenn alle Welt zehen aufs Hundert nähme, so sollten doch die geistlichen Stifte das gestrengste Recht halten, und mit Furchten vier oder fünf nehmen; denn sie sollen leuchten und gut Exempel geben den Weltlichen. So kehren sie es um, wollen Freiheit haben, GOttes Gebot und Dienst zu lassen, Uebel zu thun, und Wucher zu treiben. Willst du GOtt dienen nach deiner Weise, so dien ihm ohne Schaden deines Nächsten, und mit GOttes Geboten Erfüllung. Denn er spricht Esaia 61, 8: Ich bin ein Herr, der das Gericht lieb hat, und bin feind dem Opfer, das da geraubet ist; auch spricht der weise Mann Sprüchw. 3, 9: Gib ein Almosen von dem, das dein ist. Solche Uebersätze sind gestohlen deinem Nächsten, wider GOttes Gebot.
Fürchtet man aber, daß der Kirchen und Stiften abgehe, so die Meinung soll für sich gehen; sag ich: Es ist besser, aus zehen Stiftungen eine göttliche gemacht, denn viel behalten wider GOttes Gebot. Was hilft dich der Gottesdienst, den du hörest, er sei wider GOtt, sein Gebot und seinen Dienst? Du wirst einem GOtt nicht mit zweien widerspenstigen Diensten dienen, auch nicht zweien Herren dienen. Auch sind etliche so schlecht einfältige, daß sie solchen Zins ohne Grund und Unterpfand verkaufen, oder je mehr verkaufen, denn der Grund trägt; da merklich Verderben herkommt, und ist die Materie fast gefährlich und weitläufig, daß schwerlich davon gnugsam mag gesagt werden. Das beste wäre, daß man sich zu dem Evangelio wendete, nahete, und sich übete in christlichen Händeln mit den Gütern; wie gesagt ist.
Auch ist ein gefährlich Gesuche in diesem Kauf, des, wie ich besorge, niemand oder fast wenig Käufer ohne sind; der ist, daß sie wollen ihrer Zins und Guts gewiß und sicher seyn, und darum Geld von sich thun, daß bei ihnen nicht in der Gefahr bleibe; und viel lieber ihnen ist, daß andre Leute damit arbeiten, und in der Gefahr stehen, daß sie dieweil müßig und faul seyn mögen, und doch also reich bleiben oder werden. Ist das nicht Wucher, so ist er ihm fast ähnlich. Kürzlich, es ist wider GOtt. Denn wo du Vortheil an deinem Nächsten suchst, den du nicht auch wolltest an dir ihm lassen, da ist die Lieb aus, und das natürliche Gesetz zurissen. Nu sorg ich, daß man in Zinskaufen gar wenig achte, wie es dem Nächsten gedeihe, wenn nur unser Zins und Gut sicher ist, das man doch in keinem Wege nicht suchen soll; und ist gewiß ein Anzeigen des Geizes oder Faulheit, wiewohl der Kauf daraus nicht ärger wird, so ist es doch Sünde vor GOtt.
Denn das ist eines jeglichen Kaufs Natur und Art, daß der Käufer mit der Waar soll in der Gefahr stehn, und nicht der Verkäufer, der seiner Waar los worden ist. Wo aber das dazu schlägt, daß der Käufer seinen Zins will für voll haben, unangesehen daß der Verkäufer auf dem Grunde oder Unterpfand hat Schaden erlitten, wie das oft geschieht, ohne Verwirkung desselben, so ist der Käufer ein Räuber vor GOtt und der Welt, nimmt jenem seinen Schweiß und sein Blut. Denn des Grundes Gefährlichkeit soll stehen auf des Käufers Seiten, daß er seiner Zinse so unsicher sei, als jener seines Hauptgeldes, beide in GOttes Hand ihres Guts wegen.
Summa, ich achte, der Zinskauf sei nicht Wucher; mich bedünkt aber seine Art sei, daß ihm leid ist, daß er nicht muß ein Wucher seyn: es gebricht am Willen nicht, und muß leider fromm seyn.