Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt! Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!
Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht. Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.
Ihr Völker, bringet dar dem HERRN, bringet dar dem HERRN Ehre und Macht! Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.
Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.
Psalm 96 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Sacharja 4,6b
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis.
Du wertes Licht, gib uns Deinen Schein, lehr uns Jesus Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis.
Du süße Lieb, schenk uns Deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis.
Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis.
Dr. Martin Luther 1524 (LKG 183)
Fortlaufende Lese
In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.
Apostelgeschichte 6,1-7
Morgenlese
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.
Apostelgeschichte 2,42-47
Abendlese
Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch hinfort nicht Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, auf dass, worum ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe. Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.
Johannes 15,9-17
Bekenntnislese
Darum folgt der alte Mensch ungehindert seiner Natur und lebt sich aus, wenn man nicht durch die Kraft der Taufe Einhalt gebietet und die Natur in ihre Schranken weist. Umge-kehrt gilt: Wenn jemand ein Christ geworden ist, nimmt der alte Mensch täglich ab, bis er endlich ganz und gar untergeht. Das ist die richtige Art und Weise, in die Taufe hinein-zugehen und täglich wieder herauszukommen.
So ist das äußerliche Zeichen der Taufe nicht allein dazu bestimmt, um kraftvoll zu wirken, sondern auch, um etwas abzubilden. Wo nun der Glaube mit seinen Früchten vorhanden ist, da ist die Taufe nicht nur ein Symbol, sondern zugleich wirkende Kraft.
Wo aber kein Glaube ist, bleibt sie allein ein wirkungsloses Zeichen.
Und hier siehst du, dass die Taufe mit ihrer Wirkung und sinnbildlichen Bedeutung auch das dritte Sakrament mit einschließt, das man die Buße genannt hat; denn sie ist eigentlich nichts anderes als die Taufe. Denn was bedeutet Buße anderes, als gegen den „alten“ Menschen ernstlich angehen und ein neues Leben zu beginnen. Wenn du darum in der Buße lebst, so lebst du in der Taufe. Sie versinnbildlicht ja nicht nur dieses neue Leben, sondern sie bewirkt es auch, lässt es beginnen und treibt es voran.
Denn in ihr wird Gnade und Kraft und der Heilige Geist gegeben, damit der „alte“ Mensch unterdrückt werde und der neue Mensch hervorkomme und stark werde.
Darum bleibt die Taufe immer in Kraft; auch wenn jemand von ihr abfällt und sündigt, können wir doch immer wieder zu ihr zurückkehren, um den „alten“ Menschen wieder zu unterwerfen. Aber mit Wasser braucht man uns nicht mehr zu begießen. Denn wenn man sich gleich hundertmal im Wasser untertauchen ließe, ist es doch nicht mehr als eine Taufe; ihre Wirkung aber und sinnbildhafte Bedeutung dauern an und bleiben in Kraft.
So ist also die Buße nichts anderes als eine Rückkehr und ein Wiederhinzutreten zur Taufe, damit man das wieder aufnimmt und tut, was man einmal angefangen und dann doch unterlassen hatte.
Das sage ich darum, dass man nicht meinen soll – wie wir es lange Zeit geglaubt haben – ‚ die Taufe wäre dahin und sei von keinem Nutzen mehr, wenn man wieder in Sünde gefallen sei; das würde bedeuten, dass man sie nur als etwas ansieht, was einmal geschehen ist und seine Wirkung gehabt hat.
Und diese Meinung kommt daher, dass St. Hieronymus geschrieben hat: „Die Buße ist das Brett, auf dem wir schwimmen und ans Ufer kommen müssen, nachdem das Schiff (der Taufe) zerbrochen ist.“ In dieses sind wir eingetreten und mit ihm sind wir losgefahren, als wir Glieder der Christenheit wurden.
Das heißt aber, dass damit die Taufe unbrauchbar geworden ist, sodass sie uns nichts mehr nützen kann. Darum soll man so nicht sprechen; denn das „Schiff“ (der Taufe) zerbricht nicht, weil es, wie gesagt, Gottes Ordnung und nicht unsere Sache ist. Aber das geschieht wohl, dass wir ausgleiten und herausfallen. Wenn aber jemand herausfällt, der sehe zu, dass er wieder herzuschwimmt und sich am Schiff festhält, bis er wieder hineinkommt und sich, so wie es vorher der Fall war, mit dem Schiff voranbewegt.
So sieht man, eine wie vortreffliche Sache es um die Taufe ist. Sie reißt uns dem Teufel aus dem Rachen, sie macht uns zu Gottes Eigentum und sie bekämpft die Sünde und nimmt sie fort; danach stärkt sie den neuen Menschen und bleibt immer in Kraft, bis wir aus diesem Elend zur ewigen Herrlichkeit kommen.
Darum soll jeder seine Taufe ansehen wie die Kleidung, die man täglich anlegt. In ihr soll man fortwährend leben und sich immer im Glauben finden lassen und seine Früchte bringen, damit man den alten Menschen überwindet und am neuen Menschen wächst.
Denn wenn wir Christen sein wollen, müssen wir in der Taufe leben, durch die wir Christen geworden sind. [86]Verleugnet aber jemand seine Taufe, so komme er wieder herzu. Denn ebenso wie Christus, der „Gnadenthron“, nicht von uns weicht und uns nicht hindert, wieder zu ihm zu kommen, auch wenn wir gesündigt haben, so bleiben auch alle seine Schätze und Gaben für uns erhalten. Die Vergebung der Sünden, die wir einmal in der Taufe empfangen haben, bleibt täglich in Kraft, solange wir leben und den alten Menschen mit uns herumschleppen.
V. Das Sakrament des Altars
So wie wir es bei der heiligen Taufe taten, müssen wir es auch bei diesem zweiten Sakrament tun, nämlich von drei Stücken reden: Was sein Wesen ist, was sein Nutzen ist und wer es empfangen soll. Die Antwort ist den Worten zu entnehmen, mit denen Christus das Sakrament eingesetzt hat; auf sie gründet sich alles, was wir sagen. Jeder, der ein Christ sein will und zum Sakrament gehen will, soll sie auch kennen. Denn wir sind nicht gewillt, jene zum Sakrament zuzulassen und es denen zu reichen, die nicht wissen, was sie dort empfangen oder warum sie kommen. Dies sind aber die Worte Christi: „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“
Erstens
Auch hier wollen wir nicht den Streit mit den Lästerern und Schändern dieses Sakramentes führen, sondern erstens lernen, worauf es auch bei diesem Sakrament (ebenso wie bei der Taufe) ankommt, nämlich auf Gottes Wort und Ordnung bzw. Befehl. Das ist das Wichtigste. Denn es ist von keinem Menschen erdacht oder eingeführt worden, sondern Christus hat es eingesetzt ohne jemandes Rat oder Veranlassung.
Und so wie die Zehn Gebote, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis in ihrem Wesen und ihrer Würde bestehen bleiben, auch wenn du nicht betest, nicht glaubst und die Gebote nicht hältst, so bleibt auch dies hochwürdige Sakrament unverändert bestehen, auch wenn wir in unwürdiger Weise mit ihm umgehen. Es kann ihm kein Abbruch getan und ihm nichts genommen werden.
Oder meinst du, dass Gott deswegen nach unserm Tun oder Glauben fragt, um von ihnen seine Ordnung abhängig zu machen? Auch in allen weltlichen Dingen bleibt doch alles, wie es Gott geschaffen und geordnet hat, unabhängig davon, wie wir die Dinge gebrauchen und mit ihnen umgehen. Dies muss man immer wieder betonen.
Denn damit kann man am besten das Geschwätz aller Sektierer zurückweisen; denn sie betrachten die Sakramente losgelöst vom Worte Gottes und sehen sie als etwas an, das wir tun.
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.
Sacharja 4,6b
Antiphon
Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen Deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer Deiner göttlichen Liebe, der Du in Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Einigkeit des Glaubens. Hallelujah, Hallelujah!
Die altkirchliche Antiphon “Veni Sancte Spiritus” verdeutscht Erfurt um 1527. (LKG 180)
Introitus
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen. Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN. Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Psalm 118,15-29
Alttestamentliche Lese
Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen.
Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss. Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich,so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.
Und zum Volk sollst du sagen: Heiligt euch für morgen, so sollt ihr Fleisch zu essen haben; denn euer Weinen ist vor die Ohren des HERRN gekommen, die ihr sprecht: »Wer gibt uns Fleisch zu essen? Denn es ging uns gut in Ägypten.« Darum wird euch der HERR Fleisch zu essen geben, nicht nur einen Tag, nicht zwei, nicht fünf, nicht zehn, nicht zwanzig Tage lang, sondern einen Monat lang, bis ihr’s nicht mehr riechen könnt und es euch zum Ekel wird, weil ihr den HERRN verworfen habt, der unter euch ist, und weil ihr vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir aus Ägypten gegangen? Und Mose sprach: Sechshunderttausend Mann Fußvolk sind es, mit denen ich lebe, und du sprichst: Ich will ihnen Fleisch geben, dass sie einen Monat lang zu essen haben. Kann man so viele Schafe und Rinder schlachten, dass es für sie genug sei? Oder kann man alle Fische des Meeres einfangen, dass es für sie genug sei? Der HERR aber sprach zu Mose: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Aber du sollst jetzt sehen, ob sich mein Wort an dir erfüllt oder nicht.
Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.
Es waren aber noch zwei Männer im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Und der Geist kam über sie, denn sie waren auch aufgeschrieben, jedoch nicht hinausgegangen zu der Stiftshütte, und sie gerieten in Verzückung im Lager. Da lief ein junger Mann hin und sagte es Mose und sprach: Eldad und Medad sind in Verzückung im Lager. Da antwortete Josua, der Sohn Nuns, der dem Mose diente von seiner Jugend an, und sprach: Mose, mein Herr, wehre ihnen! Aber Mose sprach zu ihm: Eiferst du um meinetwillen? Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe! Darauf kehrte Mose zum Lager zurück mit den Ältesten Israels
4. Mose (Numeri) 11,11-12.14-17.24-25 (26-30)
Epistel
Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist.Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.
1.Korinther 12,4-11
Evangelium
Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Johannes 20,19-23
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und ein ewige Leben.
Amen.
Apostolikum
Graduallied
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit Deiner Gnaden Gut Deiner Gläubgen Herz, Mut und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in ihn’. O Herr, durch Deines Lichtes Glast zum Glauben Du versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei Dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, Halleluja.
Du heiliges Licht, edler Hort, laß leuchten uns des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesus mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja.
Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost in Deim Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr, durch Dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu Dir dringen. Halleluja, Halleluja.
Nach der Antiphon „Veni Sancte Spiritus“ (11.Jhd) verdeutscht von Dr. Martin Luther, 1524. (LKG 182)
Predigt
Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.
Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.
Matthäus 16,13-19
Bekenntnislese
Weiterhin sagen wir, dass uns gar nicht so sehr viel daran liegt, ob der, der getauft wird, glaubt oder nicht glaubt. Denn deswegen wird die Taufe nicht ungültig; sondern ihre Gültigkeit hängt allein von dem Wort und Gebot Gottes ab. Das klingt nun zwar ein wenig überspitzt, aber es folgt aus dem Satz, den ich gesagt habe, dass zur Taufe nichts anderes gehört als das Wasser und das Wort Gottes, das bei und mit dem Wasser ist, d. h.: Wenn das Wort Gottes bei dem Wasser ist, so ist die Taufe gültig, auch wenn kein Glaube auf seiten des Täuflings vorhanden ist. Mein Glaube macht die Taufe nicht gültig, sondern er empfängt die Taufe. Nun wird die Taufe nicht deswegen schon ungültig, wenn sie nicht in rechter Weise empfangen oder gebraucht wird; denn ihre Gültigkeit hängt, wie gesagt, nicht von unserm Glauben ab, sondern von dem Wort Gottes.
Denn wenn heute jemand in heimtückischer Absicht herkäme, in seinem Herzen voller Bosheit, wir aber würden ihn in vollem Ernst taufen, dann müssten wir nichtsdesto-weniger sagen, dass die Taufe gültig ist – auch wenn er sie nicht empfangen hat, wie er soll; denn das Wasser und das Wort Gottes waren da. Es verhält sich hier ebenso wie bei denen, die unwürdig zum Sakrament gehen, aber dennoch das Sakrament wirklich empfangen, auch wenn sie nicht glauben.
So siehst du, dass die Einwürfe der Sektierer nichts taugen. Denn auch wenn die Kinder keinen Glauben hätten, was doch nicht zutrifft, wie oben gezeigt wurde, so wäre dennoch die Taufe gültig, und niemand sollte sie nochmals taufen. Auch dem Sakrament des Altars wird dadurch kein Abbruch getan, dass jemand mit bösem Vorsatz hinzugeht; und es wäre nicht zu erlauben, dass er wegen seines Missbrauchs das Sakrament zur gleichen Stunde nochmals nimmt, so als ob er zuvor das Sakrament nicht wirklich empfangen hätte. Denn das würde heißen, das Sakrament aufs Höchste zu lästern und zu schänden. Wie kämen wir dazu, Gottes Wort und Ordnung desweger außer Kraft zu setzen und nicht gelten zu lassen, nur weil wir sie nicht in rechter Weise gebraucht haben?
Darum sage ich: Wenn du nicht geglaubt hast, so glaube jetzt und sprich: Die Taufe ist wohl gültig gewesen, ich aber habe sie leider nicht so empfangen, wie ich sie hätte empfangen sollen. Denn auch ich selber und alle, die sich taufen lassen, müssen vor Gott sprechen: „Ich komme herzu mit meinem Glauben und auch im Vertrauen auf den der andern; doch darauf kann ich mich nicht verlassen, dass ich glaube und dass viele Leute Fürbitte für mich tun, sondern darauf verlasse ich mich, dass es dein Wort und Befehl ist“ – ‚ so wie ich auch zum Sakrament nicht im Vertrauen auf meinen Glauben gehe, sondern im Vertrauen auf das Wort Christi. Ob ich stark bin oder schwach – das befehle ich Gott an; das aber weiß ich, dass er mich auffordert hinzugehen, zu essen und zu trinken usf., und er mir seinen Leib und sein Blut schenkt – hier lügt er mich nicht an und betrügt mich nicht.
Ebenso handeln wir auch bei der Kindertaufe: Das Kind tragen wir herzu in der Meinung und Hoffnung, dass es glaube, und wir bitten, dass Gott ihm den Glauben geben möge. Aber wir taufen es nicht auf seinen Glauben, sondern allein deswegen, weil Gott es befohlen hat. Warum? Weil wir wissen, dass Gott nicht lügt; ich aber und mein Nächster und überhaupt alle Menschen können sich täuschen und sich betrügen, aber Gottes Wort kann nicht betrügen.
Darum sind es allerdings vermessene, törichte Geister, die folgern und schließen: Wenn der Glaube nicht vorhanden ist, dann kann auch die Taufe nicht gültig sein. Das ist gerade so, als wollte ich sagen: Wenn ich nicht glaube, so ist es mit Christus nichts; oder: Wenn ich nicht gehorsam bin, so haben Vater, Mutter und die Obrigkeit keine Bedeutung mehr. Ist das richtig gefolgert: Wenn jemand nicht tut, was er tun soll, dass darum die Sache als solche nichts mehr sein und gelten solle?
Mein Lieber, kehre das Ganze um und folgere vielmehr so: Eben darum ist die Taufe rechtens und gültig, denn man hat sie ja nur auf unrechte Weise empfangen. Denn wenn sie als solche schon nicht rechtens und nicht gültig wäre, könnte man sie nicht miss-brauchen und sich nicht an ihr versündigen. Denn so heißt es ja: „Der Missbrauch hebt das Wesen einer Sache nicht auf, sondern bestätigt es nur.“ Denn Gold bleibt dennoch Gold, auch wenn es eine Dime mit Sünde und Schande trägt.
Darum sei abschließend festgestellt, dass die Taufe immer gültig und in ihrem Wesen erhalten bleibt, auch wenn sich nur ein einziger Mensch taufen ließe, der noch nicht einmal rechtschaffen glaubte. Denn Gottes Ordnung und Wort lassen sich nicht von Menschen umwandeln und verändern.
Sie aber, jene schwärmerischen Geister, sind so verblendet, dass sie Gottes Wort und Gebot nicht sehen und darum die Taufe ansehen wie bloßes Wasser im Bach oder Wasser im Topf und auch die obrigkeitlichen Personen nicht mehr achten als andere Menschen. Weil sie bei der Kindertaufe keinen Glauben sehen und sie den obrigkeitlichen Personen keinen Gehorsam erweisen, deswegen sollen auch die Taufe und die Obrigkeit selbst nichts mehr gelten!
Da ist ein im Verborgenen wirkender, aufrührerischer Teufel am Werk, der gerne den obrigkeitlichen Personen Amt und Würde nehmen möchte, um sie danach mit Füßen zu treten; auch alle andern Werke und Ordnungen Gottes möchte er uns umstoßen und zunichte machen.
Darum müssen wir wachsam und gerüstet sein und uns vom Worte Gottes nicht abziehen und abwenden lassen, damit wir die Taufe nicht zu einem bloßen leeren Zeichen machen, wie jene Schwärmer träumen.
Fünftens
Schließlich muss man auch wissen, welches der zeichenhafte Sinn der Taufhandlung ist und warum Gott eben dieses äußerliche Zeichen und diese Zeremonie bei jenem Sakrament angeordnet hat, durch das wir zuerst in die Christenheit aufgenommen werden.
Die äußere Zeremonie und Handlung ist aber die, dass man uns in das Wasser senkt, das uns ganz bedeckt, und danach wieder herauszieht. Diese beiden Dinge – ins Wasser versenkt werden und wieder herauskommen – zeigen die Kraft und Wirkung der Taufe an. Sie besteht in nichts anderem als in der Tötung des alten Adam und außerdem in der Auferstehung des neuen Menschen. Dies beides muss unser Leben lang geschehen; ein christliches Leben ist darum nichts anderes als eine tägliche Taufe, die einmal angefangen hat und in der immer vorangeschritten wird. Denn dies muss fortwährend geschehen, dass man immer „ausfegt“, was zum alten Adam gehört, und dass hervorkommt, was zum neuen Menschen gehört.
Denn was ist der „alte“ Mensch? Das ist der, der uns von Adam her angeboren ist, der zornig ist, gehässig, neidisch, unkeusch, geizig, faul, hochmütig, ja ungläubig, voller Laster, und der von Natur nichts Gutes an sich hat.
Wenn wir aber in das Reich Christi kommen, soll der „alte“ Mensch täglich abnehmen, sodass wir je länger desto gütiger, geduldiger und sanftmütiger werden und dem Geiz und Hass, dem Hochmut und Neid immer mehr entsagen.
Darin besteht der rechte Gebrauch der Taufe, auf den die äußere Taufhandlung hinweist. Wo nun solches nicht geschieht, sondern stattdessen dem alten Menschen Raum gegeben wird, dass er immer stärker wird, da wird die Taufe nicht gebraucht, sondern da wird ihr zuwider gehandelt.
Denn die nicht in der Gemeinschaft mit Christus leben, können nicht anders als täglich schlimmer werden. So lautet auch das Sprichwort, und so ist es auch in Wahrheit: „Je länger, desto ärger und böser.“
Wenn jemand vor einem Jahr stolz und geizig war, dann ist ers heute noch viel mehr; das Böse wächst von Jugend an mit ihm auf und verstärkt sich. Ein junges Kind hat noch keine besonders ausgeprägten bösen Eigenschaften; wenn es aber heranwächst, wird es unzüchtig und unkeusch; hat es aber das volle Erwachsenenalter erreicht, da fangen erst die richtigen Laster an, je länger desto mehr.
Darum folgt der alte Mensch ungehindert seiner Natur und lebt sich aus, wenn man nicht durch die Kraft der Taufe Einhalt gebietet und die Natur in ihre Schranken weist. Umgekehrt gilt: Wenn jemand ein Christ geworden ist, nimmt der alte Mensch täglich ab, bis er endlich ganz und gar untergeht. Das ist die richtige Art und Weise, in die Taufe hineinzugehen und täglich wieder herauszukommen.
So ist das äußerliche Zeichen der Taufe nicht allein dazu bestimmt, um kraftvoll zu wirken, sondern auch, um etwas abzubilden.
Dr. Martin Luther: Großer Katechismus, Taufe (GK IV:52-70)
Tagesgebet zum 2. Pfingsttag
Allmächtiger Herr Gott, heiliger Geist, wir bitten Dich, lehre uns alles, was uns zu unserer Seligkeit zu wißen mütz und nötig ist. Leite uns in alle Wahrheit, behüte uns vor Lügen, vor Irrthum, vor falscher Lehre. Mache uns weise und verständig. Gib uns göttliche Weisheit und Erkenntnis, daß wir recht erkennen Gott, den Vater, und den Er uns gesandt hat, Jesum Christum, unsern Heiland.
Gib uns wahren, kräftigen Trost in aller Anfechtung und Noth. Tröste alle elenden, traurigen, betrübten Christen. Stärke uns in unserer Schwachheit. Mache unsre Herzen der Gnaden gewis, die uns Christus erworben hat. Gib Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Erwecke uns ein herzlich und ernstlich Gebet, daß wir schreien: “Abba, lieber Vater!”
Heilge uns durch das göttliche, heilige Wort und die heiligen Sakramente. Regiere uns, daß wir der von Dir geschenkten Gaben reichlich brauchen zu Deinem Lobe und zu Nutz des Nächsten. Schaffe und erhalte uns die wahre Furcht Gottes.
Sei Du unsere Salbung, unsre kräftige Stärke, Freudenöl und Balsam, auf daß wir nach unserm Namen, den wir von Christo führen, rechte Christen seien, geistliche, gesalbte Priester und Könige, und haben Kraft und Stärke, ritterlich zu ringen und wider unsre Feinde zu streiten.
Weil auch der böse Geist und die gottlose Welt heftig wider die christliche Kirche jederzeit stürmen und wider die Lehre der Wahrheit gräulich wüten, so bitten wir Dich, o heiliger Geist, steure und wehre ihrer Grausamkeit, zerbrich ihre Macht, ihre Stärke, ihre Bande.
Beschütze und beschirme Deine kleine Herde, daß sie Dich ewig mit Gott dem Vater und Sohne lobe und Dir danke! Amen.
Agende für christliche Gemeinden des lutherischen Bekenntnisses. Hg.v. Wilhelm Löhe (Nördlingen, 1844) S. 124f
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich.
Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen Deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer Deiner göttlichen Liebe, der Du in Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Einigkeit des Glaubens. Hallelujah, Hallelujah!
Die altkirchliche Antiphon “Veni Sancte Spiritus” verdeutscht Erfurt um 1527. (LKG 180)
Introitus
Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Psalm 118,24-29. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Alttestamentliche Lese
Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde. Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.
1. Mose (Genesis) 11,1-9
Epistel
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«
Apostelgeschichte 2,1-21
Evangelium
Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.
Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Johannes 14,15-19. 23b-27
Graduallied
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit Deiner Gnaden Gut Deiner Gläubgen Herz, Mut und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in ihn’. O Herr, durch Deines Lichtes Glast zum Glauben Du versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei Dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, Halleluja.
Du heiliges Licht, edler Hort, laß leuchten uns des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesus mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja.
Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost in Deim Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr, durch Dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu Dir dringen. Halleluja, Halleluja.
Nach der Antiphon „Veni Sancte Spiritus“ (11.Jhd) verdeutscht von Dr. Martin Luther 1524. (LKG 182)
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
O Gott, heiliger Geist, Du Geist der Weisheit, des Verstandes, des Raths, der Stärke, der Erkenntnis und Furcht des Herrn! Du Tröster aller Betrübten, Du Führer und Leiter aller Irrenden, Du Lehrer aller Unwissenden, Du Stärke der schwachen, furchtsamen und blöden Herzen!
Wir ehren, loben und preisen Dich an diesem Freudenfeste als wahrhaftigen Gott mit dem Vater und dem Sohn, und danken Dir, daß Du Deine lieben Kirche und Gemeinde mit Deiner himmlischen Gnade auch in in dieser letzten Zeit erleuchtest, und durch Dein heiliges Wort und die hochwürdigen Sacramente in uns kräftig wirkest. Du hast uns ja bisher in mancherlei Trübsal gewaltig wider alle menschliche Vernunft erhalten.
Wir bitten Deine Güte, erwärme und wecke doch auf unsre kalten, schläfrigen Herzen, erleuchte unsern Verstand und Sinn, leite uns in aller Wahrheit, heilige unsre Leiber und Seelen, gib uns rechte inbrünstige Andacht zum Gebet, tröste uns in allem unsern Elend. Wie sich Gras und Blumen erquicken nach einem fruchtbaren Regen, so werden sich unsre matten Seelen laben an Deinem Trost und göttlichen Segen.
Erhalte uns, daß unser Glaube nicht sinke, unsre Liebe nicht erkalte, unsre Hoffnung nicht zergehe, unsre Geduld nicht verlösche, unser Herz in keiner Betrübnis und Anfechtung verzage, sondern alles Übel mit Geduld und beständiger Hoffnung des ewigen Lebens ertrage. Sonderlich aber, weil uns der leidige böse Geist ohn Unterlaß stark zusetzt und uns von Gott durch Sünde und Anfechtung reißen will; so vereinige uns mit Gott durch Dein heiliges Wort, daß wir nimmermehr von ihm geschieden werden.
Schütze uns wider diesen argen Feind und reiche uns das Schwert des Geistes, auf daß wir ritterlich kämpfen und alle böse Lust und Begierde durch Deine Kraft dämpfen. Stehe uns auch bei an unserm letzten Ende, stärke unsere matten Seelen, und vertritt uns mit unausprechlichem Seufzen, daß wir getrost aus diesem Jammertal in das ewige Vaterland abscheiden. Amen.
Agende für christliche Gemeinden des lutherischen Bekenntnisses. Hg.v. Wilhelm Löhe (Nördlingen, 1844) S. 123f
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich.
Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils! Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein. Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet. Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet: »Verstocket euer Herz nicht, wie zu Meriba geschah, wie zu Massa in der Wüste, wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch mein Werk gesehen. Vierzig Jahre war dies Volk mir zuwider, dass ich sprach: Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen, sodass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.«
Psalm 95 verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Amen, Gott Vatr und Sohne sei Lob ins Himmels Throne. Sein Geist stärk uns im Glauben im Glauben, im Glauben und mach uns selig, Amen, uns mach uns selig. Amen.
Amen, es wird geschehen, wir werden Christum sehen in den Wolken herkommen, herkommen, herkommen, uns mitzunehmen, Amen, uns mitzunehmen. Amen.
Amen, Gott sei gepreiset, der Geist auf Christum weiset, der helf uns alln zusammen, zusammen, zusammen ins ewge Leben, Amen, ins ewge Leben. Amen.
Ludwig Helmbold, 1611 (LKG 17)
Fortlaufende Lese
Da stand aber im Hohen Rat ein Pharisäer auf mit Namen Gamaliel, ein Lehrer des Gesetzes, vom ganzen Volk in Ehren gehalten, und ließ die Männer für kurze Zeit hinausführen. Und er sprach zu ihnen: Ihr Männer von Israel, seht genau zu, was ihr mit diesen Menschen tun wollt. Denn vor einiger Zeit stand Theudas auf und gab vor, er wäre etwas, und ihm hing eine Anzahl Männer an, etwa vierhundert. Der wurde erschlagen und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut und zunichte. Danach stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der Volkszählung und brachte eine Menge Volk hinter sich zum Aufruhr; und der ist auch umgekommen und alle, die ihm folgten, sind zerstreut. Und nun sage ich euch: Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie gehen! Ist dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wird’s untergehen; ist’s aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten – damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen Gott streiten wollen. Da stimmten sie ihm zu und riefen die Apostel herein, schlugen sie und geboten ihnen, sie sollten nicht mehr im Namen Jesu reden, und ließen sie gehen. Sie gingen aber fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden, und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.
Apostelgeschichte 5,34-42
Morgenlese
Die Elenden und Armen suchen Wasser und es ist nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der HERR, will sie erhören; ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen inmitten der Täler und will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen. Ich will in der Wüste wachsen lassen Zedern, Akazien, Myrten und Ölbäume; ich will in der Steppe pflanzen miteinander Zypressen, Buchsbaum und Kiefern, damit man zugleich sehe und erkenne und merke und verstehe: Des HERRN Hand hat dies getan, und der Heilige Israels hat es geschaffen.
Jesaja 41,17-20
Abendlese
Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der HERR: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Völkern, wohin ihr auch gekommen seid. Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Völkern entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen. Und die Völker sollen erfahren, dass ich der HERR bin, spricht Gott der HERR, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin. Denn ich will euch aus den Völkern herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.
Hesekiel 36,22-27
Bekenntnislese
Sagen sie aber, wie sie es zu tun pflegen: Die Taufe ist doch selbst ein Tun des Menschen; nun behauptest du, dass das Tun des Menschen nichts zur Seligkeit bewirkt – was bleibt nun noch vom Glauben übrig? Antwort: Ja, unser Tun bewirkt allerdings nichts zur Seligkeit; aber die Taufe ist nicht ein Tun des Menschen, sondern Gott handelt in ihr. Denn du musst, wie gesagt, einen großen Unterschied zwischen der von Christus eingesetzten Taufe und allen andern Taufen machen. Das Handeln Gottes aber ist heilbringend und nötig zur Seligkeit; es schließt den Glauben nicht aus, sondern fordert den Glauben, weil man ohne Glauben Gottes Tun nicht erfassen kann.
Denn dadurch, dass du dich allein vom Taufwasser begießen lässt, hast du die Taufe noch nicht zu deinem Segen empfangen oder erhalten. Aber dann bringt sie dir Nutzen, wenn du dich im Namen Gottes in der Absicht taufen lässt, um Gottes Ordnung und Befehl nachzukommen und um in dem Wasser die zugesagte Seligkeit zu empfangen. Nun können weder die Faust noch der Leib glauben, sondern glauben ist Sache des Herzens.
So erkennst du deutlich, dass die Taufe kein von uns getanes Werk ist, sondern sie ist ein Schatz, den Gott uns gibt und den der Glaube ergreift. Ebenso ist auch der Christus am Kreuz nicht eine menschliche Erfindung und ein Werk von Menschen, sondern ein göttlicher Schatz, der in Worte gefasst ist und der uns angeboten und durch den Glauben empfangen wird. Darum tun sie uns Unrecht, wenn sie gegen uns eifern, als predigten wir gegen den Glauben; vielmehr betonen wir, wie nötig der Glaube ist; denn ohne ihn können wir nichts empfangen noch bekommen.
Dies sind nun die drei Dinge, die man von diesem Sakrament wissen muss; insbesondere, dass es Gottes Ordnung und darum in Ehren zu halten ist. Dass es Gottes Ordnung ist, ist allein schon Grund genug, es zu ehren, obgleich die Ordnung doch etwas ganz Äußerliches ist. Es verhält sich ähnlich wie beim Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“; das bezieht sich allein auf die Eltern, die aber nicht bloß deswegen zu ehren sind, weil sie Eltern sind, sondern weil es Gottes Gebot so will. So ist es auch hier: Wenn wir nicht mehr als nur diese Worte hätten „Gehet hin und taufet…“, so müssten wir die Taufe doch als Gottes Ordnung annehmen und sie vollziehen.
Nun ist aber nicht allein das Gebot und der Befehl gegeben, sondern auch die Zusage. Darum ist die Taufe um vieles herrlicher als alles andere, was Gott sonst geboten und geordnet hat. Kurz, sie ist so voller Trost und Gnade, dass Himmel und Erde dies nicht begreifen können.
Es ist schon eine hohe Kunst, dies zu glauben; denn der Schatz ist da, aber daran fehlt’s, dass man ihn erfasst und festhält.
Darum hat jeder Christ sein Leben lang genug an der Taufe zu lernen und sich in sie einzuüben; denn er hat immer damit zu tun, fest zu glauben, was sie zusagt und schenkt: Überwindung des Teufels und des Todes, Vergebung der Sünde, Gottes Gnade, den ganzen Christus und den Heiligen Geist mit seinen Gaben.
Kurz, dies ist so überschwänglich viel, dass, wenn es die zaghafte Natur des Menschen bedenkt, er allen Grund zum Zweifel hat, ob es wahr sein kann. Denn stelle dir vor, es gäbe einen Arzt, der die Kunst beherrschte, dass die Leute nicht zu sterben brauchten oder, wenn sie schon sterben müssten, dass sie danach ewig leben würden – : Wie würde die Welt all ihre Reichtümer zusammensuchen, sodass außer den Reichen niemand herzukommen könnte! Nun aber wird hier in der Taufe einem jeden ganz umsonst ein solcher Schatz und solch eine Arznei vor die Füße gelegt, die den Tod verschlingt und alle Menschen am Leben erhält.
So und nicht anders muss man die Taufe ansehen und sich zunutze machen. Ihrer sollten wir uns trösten und durch sie uns stark machen lassen, wenn uns unsere Sünde oder unser Gewissen beschwert. Wir sollen dann sagen: Ich bin dennoch getauft; bin ich aber getauft, so ist mir zugesagt, dass ich selig werden und das ewige Leben an Leib und Seele erlangen soll.
Denn darum geschieht dies beides in der Taufe, dass der Leib mit Wasser begossen wird – denn etwas anderes kann er nicht aufnehmen – und dazu das Wort Gottes gesprochen wird, das die Seele aufnehmen kann.
Weil nun beides, Wasser und Wort, die eine Taufe sind, so müssen auch beide, Leib und Seele, selig werden und ewig leben, die Seele durch das Wort, an das sie glaubt, der Leib aber, weil er mit der Seele vereinigt ist und auch auf seine Weise die Taufe empfangen hat. Darum ist die Taufe für unsern Leib und für unsere Seele das größte Kleinod. Denn durch sie werden wir heilig und selig; niemand vermag es von sich aus zu werden. Kein menschliches Bemühen reicht dazu aus. Das mag nun in diesem Zusammenhang genügen über das Wesen, den Nutzen und den Gebrauch der Taufe.
Viertens Es gehört nun aber auch die folgende Frage hierher, mit der der Teufel durch seine Sektierer die Welt verwirrt, nämlich die Frage der Kindertaufe, ob die Kinder auch glauben können bzw. ob sie überhaupt mit Recht getauft werden. Dazu sagen wir in aller Kürze: Wer ein schlichter Christ ist, der weise die Frage ab und überlasse sie den Gelehrten.
Willst du aber die Frage beantworten können, so antworte wie folgt: Dass Christus an der Kindertaufe Gefallen hat, wird schon allein daraus bewiesen, dass Gott viele von denen heilig gemacht und ihnen den heiligen Geist gegeben hat, die als Kinder getauft worden sind. Auch heutigentages gibt es viele, denen man das abspürt, sei es an ihrem Leben oder an ihrer Lehre, dass sie den Heiligen Geist haben; auch uns ist es durch Gottes Gnade gegeben, die Schrift auszulegen und Christus zu erkennen, was ohne den Heiligen Geist nicht geschehen könnte.
Wenn aber Gott die Kindertaufe nicht gelten ließe, würde er keinem von ihnen den Heiligen Geist oder auch nur etwas von seinem Geist gegeben haben, d. h. es hätte seit so langer Zeit bis auf diesen Tag kein Mensch auf der Erde Christ sein können. Weil nun Gott die Taufe durch die Gabe seines Heiligen Geistes bestätigt hat, wie man es bei einigen Vätern wie St. Bernhard, Gerson, Johannes Hus und andern deutlich spürt, und die heilige christliche Kirche bis an das Ende der Tage nicht untergeht, so muss man zugeben, dass die Kindertaufe Gott gefällt. Denn Gott kann ja nicht gegen sich selbst sein; er kann weder die Unwahrheit noch den Irrtum bekräftigen noch kann er dazu seine Gnade und seinen Geist geben.
Dies ist eigentlich der beste und stärkste Beweis für die schlichten und ungelehrten Christen. Denn man wird uns diesen Glaubenssatz „Ich glaube an eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen“ nicht nehmen und umstoßen können.
Zusammen mit Michael Schicketanz vor Thomas Schmidts Collage in unserem Foyer (Alte Lateinschule, Wittenberg)
Ein lieber Kollege guckt zurück auf seinen vorläufig letzten Tag als “Führer” in der alten Lutherstadt. Hier sein Rückblick.
Fast alle reagierten erstaunt auf diese Einladung. In den 20 Stunden kamen insgesamt nur 5 echte Gäste. Die waren 1 bis 9 Stunden dabei. Nur zu 3 Stunden kam kein Gast: um 6, 7 und 19 Uhr. Die Stunden am Morgen verbrachte ich vor dem Stadtlabor, weil mir der Schlüssel dafür samt Codenummer in der Nacht auf dem Marktplatz (auf dem Foto vorn rechts) gestohlen wurde. Die Stunde am Abend brauchte ich fürs Umpacken und eine Trinkpause.
Die Wegeplanung war ganz ok. Allermeistens war ich pünktlich. Aber warum lade ich Kinder am Sonntagmorgen um 5 Uhr zu „Liberi & Libri’ ein? Von 8 bis 19 Uhr half mir Valentin. Zum einen brachte er nötige Assesoires bzw. nahm sie mit. Zweimal fuhr er vor, um kurz vor dem Termin Wartende zu begrüßen. Eigentlich hatte ich ihn gebeten das Kassieren der Eintritte und Führungsgebühr zu ernehmen.
Einige Führungen waren für mich neu: Die „Vigil plus“ empfanden wir beide als sehr angenehm. Eine Stunde auf dem Marktplatz geht wirklich. Im Bugenhagenhaus wars ganz ok. In der Klosterkirche hatte ich das meiste vergessen, was gut für den Zeitplan war. Die „Friedrich-der-Weise-Führung“ kann ich gut genauso anbieten.
Etwas erstaunt war ich selber, daß einige mir sonst wichtige Orte nicht dabei waren: der Cranachhof Schloßstr.1, die Alte Lateinschule, Luthereiche, Luthergarten. Für den späteren Nachmittag sollte ich noch ein Getränk ins Programm einbauen …
Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Sie machen listige Anschläge wider dein Volk und halten Rat wider die, die bei dir sich bergen. »Wohlan!«, sprechen sie. »Lasst uns sie ausrotten, dass sie kein Volk mehr seien und des Namens Israel nicht mehr gedacht werde!« Ja, sie haben einmütig beraten und haben einen Bund wider dich gemacht: die Zelte Edoms und die Ismaeliter, Moab und die Hagariter, Gebal, Ammon und Amalek, die Philister mit denen von Tyrus; auch Assur hat sich zu ihnen geschlagen, sie helfen den Söhnen Lot. Sela.
Mach’s mit ihnen wie mit Midian, wie mit Sisera, mit Jabin am Bach Kischon, die vertilgt wurden bei En-Dor und wurden zu Mist auf dem Acker. Mache ihre Fürsten wie Oreb und Seeb, alle ihre Edlen wie Sebach und Zalmunna, die auch einmal sagten: Wir wollen Gottes Auen einnehmen. Mein Gott, mache sie wie verwehende Blätter, wie Spreu vor dem Winde. Wie ein Feuer den Wald verbrennt und wie eine Flamme die Berge versengt, so verfolge sie mit deinem Sturm und erschrecke sie mit deinem Ungewitter. Bedecke ihr Angesicht mit Schande, dass sie, HERR, nach deinem Namen fragen müssen. Schämen sollen sie sich und erschrecken für immer und zuschanden werden und umkommen. So werden sie erkennen, dass du allein der Höchste bist über die ganze Erde, HERR ist dein Name.
Psalm 83. Ein Psalm Asafs verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Amen wir fröhlich sprechen, weil Christus, unser Trost, uns hat aus Teufels Rachen vom ewgen Tod erlöst; er ist am Kreuz gestorben für unser Sünde schwer, den Himmel uns erworben: Gott sei Lob, Preis und Ehr!
Johann Walter 1571 (LKG 16)
Fortlaufende Lese
Es erhoben sich aber der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, nämlich die Gruppe der Sadduzäer, von Eifer erfüllt, und legten Hand an die Apostel und warfen sie in das öffentliche Gefängnis. Aber der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach: Geht hin und tretet im Tempel auf und redet zum Volk alle Worte dieses Lebens. Als sie das gehört hatten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und lehrten. Der Hohepriester aber und die mit ihm waren, kamen und riefen den Hohen Rat und alle Ältesten in Israel zusammen und sandten hin zum Gefängnis, sie zu holen. Die Diener gingen hin und fanden sie nicht im Gefängnis, kamen zurück und berichteten: Das Gefängnis fanden wir sicher verschlossen und die Wächter vor den Türen stehen; aber als wir öffneten, fanden wir niemanden darin. Als der Hauptmann des Tempels und die Hohenpriester diese Worte hörten, wurden sie ratlos und wussten nicht, was das noch werden sollte. Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk. Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden. Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. Und wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen. Als sie das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie wollten sie töten.
Apostelgeschichte 5,17-33
Morgenlese
Und was soll ich noch mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzählen sollte von Gideon und Barak und Simson und Jeftah und David und Samuel und den Propheten. Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, des Feuers Kraft gelöscht, sind der Schärfe des Schwerts entronnen, aus der Schwachheit zu Kräften gekommen, sind stark geworden im Kampf und haben fremde Heere in die Flucht geschlagen. Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen. Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, auf dass sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten. Wieder andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erlitten. Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Klüften der Erde. Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.
Hebräer 11,32-40
Abendlese
Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens, mir zum Ruhm an dem Tage Christi, sodass ich nicht vergeblich gelaufen bin noch vergeblich gearbeitet habe. Und wenn ich auch geopfert werde bei dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit euch allen. Ebenso sollt auch ihr euch freuen und sollt euch mit mir freuen.
Philipper 2,12-18
Bekenntnislese
Darum lehren wir immer, man solle die Sakramente und alle äußerlichen Dinge, die Gott ordnet und einsetzt, nicht ihrer bloßen äußerlichen Erscheinung nach ansehen, so wie man die bloße Schale einer Nuss ansieht ohne diese selbst, sondern man soll erkennen, wie Gottes Wort darin eingeschlossen ist.
In gleicher Weise sprechen wir auch vom Vater- und Mutterstand und von weltlicher Obrigkeit; wenn man diese daraufhin ansehen wollte, was für Nasen und Augen, Haut und Haar, Fleisch und Gebein sie haben, so müsste man urteilen, dass sie den Türken und Heiden gleich sind, und jemand könnte kommen und sagen: „Warum sollte ich mehr von diesen halten als von andern?“ Weil aber das Gebot hinzukommt: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, sehe ich einen andern Menschen vor mir, einen, der mit der Majestät und Herrlichkeit Gottes ausgezeichnet ist. Das Gebot, sage ich, ist die goldene Amtskette, die er um den Hals trägt, ja die Krone auf seinem Haupt, die mir anzeigt, wie und warum ich gerade diesen Menschen ehren soll.
So und noch viel mehr sollst du die Taufe ehren und sie um des Wortes Gottes willen für etwas Herrliches halten; denn Gott selbst hat sie durch sein Wort und sein Handeln geehrt, außerdem noch mit einem Wunder vom Himmel her bestätigt. Denn meinst du, es ist zum Spaß geschehen, dass Christus sich taufen ließ, der Himmel sich auftat, der Heilige Geist sichtbar herabfuhr und die Majestät und Herrlichkeit Gottes dort gegenwärtig war?
Deswegen ermahne ich nochmals, ja nicht beides, Wort und Wasser, voneinander zu scheiden und zu trennen. Denn wenn man das Wort fortnimmt, ist das Taufwasser kein anderes Wasser als das, womit die Magd kocht, und die Taufe ist nichts anderes als eine äußerliche Waschung; aber wenn das Wort dabei ist, wie es Gott angeordnet hat, dann ist die Taufe ein Sakrament und sie heißt Christus-Taufe. Soweit zum ersten Punkt – zu Wesen und zur Würde des heiligen Sakramentes.
Zweitens
Da wir nun wissen, was die Taufe ist und was von ihr zu halten ist, müssen wir zweitens auch lernen, warum und wozu sie eingesetzt ist, d. h. welches ihr Nutzen ist, was sie bewirkt und vermittelt. Auch dies kann man nicht besser erkennen als aus den oben angeführten Worten Christi: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.“
Und verstehe es ganz einfach so, dass die Kraft, die Wirkung, der Nutzen, die Frucht und das Ziel der Taufe ist, selig zu machen. Denn man tauft niemand deswegen, damit er ein Fürst werde, sondern, wie die Worte lauten, damit er „selig werde“.
Selig werden aber heißt, wie man weiß, nichts anderes als von Sünde, Tod und Teufel erlöst sein, in das Reich Christi kommen und mit ihm ewig leben. Da siehst du wieder, wie teuer und wert die Taufe zu halten ist, denn durch sie erlangen wir solch einen unaussprechlich großen Schatz. Das ist auch ein Hinweis darauf, dass sie nicht bloß gewöhnliches Wasser ist. Denn bloßes Wasser könnte dies nicht bewirken, aber das Wort tut es und der Name Gottes, der, wie oben gesagt, in der Taufe wirksam ist.
Wo aber Gottes Name ist, da muss auch Leben und Seligkeit sein. Darum heißt das Taufwasser mit Recht ein göttliches, seliges, wirkungskräftiges und gnadenreiches Wasser. Denn durch das Wort erhält die Taufe die Wirkung, dass sie zum „Bad der Wiedergeburt“ wird; so nennt sie auch Paulus im Brief an Titus im dritten Kapitel.
Dass aber unsere neunmalklugen Geister vorgeben, allein der Glaube mache selig, die Werke aber und alles Äußerliche vermögen nichts, darauf antworten wir: Freilich wirkt nichts anderes als der Glaube in uns das Heil, wie wir noch weiter unten hören werden.
Das aber wollen jene blinden Führer nicht wahrhaben, dass der Glaube etwas haben muss, an das er glauben und woran er sich halten und worauf er stehen und fußen kann. So richtet sich der Glaube fest auf das Wasser und glaubt, dass in der Taufe Seligkeit und Leben beschlossen liegen – nicht wegen des bloßen Wassers allein, sondern, wie schon mehrfach gesagt, weil es mit Gottes Wort und Ordnung vereinigt ist und sich Gottes Name daran geheftet hat. Wenn ich nun dieses glaube, was glaube ich anderes als an eben den Gott, der sein Wort in die Taufe hineingegeben und – gepflanzt hat und uns diese äußerliche Handlung, die Taufe, anbietet, damit wir in ihr diesen Schatz ergreifen können?
Nun sind jene so töricht, dass sie den Glauben und die Sache, auf die sich der Glaube richtet und an der er haftet, nämlich die Taufe, voneinander scheiden, weil sie etwas Äußerliches ist. Ja, aber es muss etwas Äußerliches da sein, damit man es mit den Sinnen wahrnehmen und begreifen und dadurch ins Herz hineinbringen kann. Das ganze Evangelium ist ja auch eine äußerliche, mündliche Predigt. Kurz, was Gott in uns wirkt und tut, will er durch solche äußerlichen Dinge und Ordnungen wirken. Wo Gott nun redet, ja wohin oder wodurch er redet – dorthin soll der Glaube hinsehen, und daran soll er sich halten.
Nun haben wir hier die Worte: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.“ Auf nichts anderes beziehen sich diese Worte als auf die Taufe, d. h. auf das in Gottes Ordnung gefasste Wasser. Daraus folgt, dass, wer die Taufe verwirft, der verwirft Gottes Wort, den Glauben und Christus, der uns an die Taufe weist und an sie bindet.
Drittens Nachdem wir von der großen Wirkung und der Kraft der Taufe gesprochen haben, wollen wir nun drittens sehen, welches die Personen sind, die empfangen, was die Taufe gibt und bewirkt.
Das ist gleichfalls aufs Beste und Klarste in jenen Worten ausgedrückt: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig“; d. h. der Glaube allein macht die Person würdig, das heilbringende, göttliche Wasser der Taufe wirkungs kräftig zu empfangen. Denn weil der Segen der Taufe in den Worten, die bei der Taufe gesprochen werden, zum Ausdruck gebracht und zugesprochen wird, kann er nicht anders empfangen werden als dadurch, dass wir von Herzen jenen Worten glauben.
Ohne Glauben nützt die Taufe nichts, auch wenn sie als solche ein göttlicher, über- schwänglich großer Schatz ist. Darum schließt dieses eine Wort „Wer da glaubet…“ alles eigene Tun aus, das in der Absicht geschieht, dadurch die Seligkeit zu erlangen und zu verdienen. Denn das steht fest: Wo kein Glaube ist, wird zum Heil des Menschen nichts bewirkt, und er empfängt auch nichts.
Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer? Sie denken nur, wie sie ihn von seiner Höhe stürzen, sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. Sela.
Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, / schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht. Sela.
Aber Menschen sind ja nichts, große Leute täuschen auch; sie wiegen weniger als nichts, so viel ihrer sind. Verlasst euch nicht auf Gewalt und setzt auf Raub nicht eitle Hoffnung; fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Eines hat Gott geredet, ein Zweifaches habe ich gehört: Gott allein ist mächtig, und du, Herr, bist gnädig; denn du vergiltst einem jeden, wie er’s verdient hat.
Psalm 62. Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, hilf, dass mein Glaub Dich preise. Mein Fleisch dem Geist Gehorsam leist, des Glaubens Frucht beweise. Hilf, Herr, Christ, aus aller Not, wenn ich von hinnen scheide, und führe mich auch aus dem Tod zur Seligkeit und Freude.
Johann Walter 1566 (LKG 15)
Fortlaufende Lese
Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel; und sie waren alle in der Halle Salomos einmütig beieinander. Von den andern aber wagte keiner, sich zu ihnen zu halten; doch das Volk schätzte sie hoch. Immer mehr aber wuchs die Zahl derer, die an den Herrn glaubten – eine Menge Männer und Frauen –, sodass sie die Kranken sogar auf die Straßen hinaustrugen und sie auf Betten und Bahren legten, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten auf einige von ihnen fiele. Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren; und alle wurden geheilt.
Apostelgeschichte 5,12-16
Morgenlese
Da sprach Jesus: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, dass wir ihn nicht finden könnten? Will er etwa zu denen gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die Griechen lehren? Was ist das für ein Wort, das er sagte: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hin-kommen? Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
Johannes 7,33-39
Abendlese
Und die Gemeinde hatte kein Wasser, und sie versammelten sich gegen Mose und Aaron. 3 Und das Volk haderte mit Mose und sprach: Ach dass wir umgekommen wären, als unsere Brüder umkamen vor dem HERRN! 4 Warum habt ihr die Gemeinde des HERRN in diese Wüste gebracht, dass wir hier sterben mit unserm Vieh? 5 Und warum habt ihr uns aus Ägypten geführt an diesen bösen Ort, wo man nicht säen kann, wo weder Feigen noch Weinstöcke noch Granatäpfel sind und auch kein Wasser zum Trinken ist? 6 Da gingen Mose und Aaron von der Gemeinde hinweg zum Eingang der Stiftshütte und fielen auf ihr Angesicht, und die Herrlichkeit des HERRN erschien ihnen. 7 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 8 Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet zu dem Felsen vor ihren Augen; der wird sein Wasser geben. So sollst du ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und die Gemeinde tränken und ihr Vieh. 9 Da nahm Mose den Stab, der vor dem HERRN lag, wie er ihm geboten hatte. 10 Und Mose und Aaron versammelten die Gemeinde vor dem Felsen, und er sprach zu ihnen: Höret, ihr Ungehorsamen, werden wir euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen? 11 Und Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit dem Stab zweimal. Da kam viel Wasser heraus, sodass die Gemeinde trinken konnte und ihr Vieh. 12 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron: Weil ihr nicht an mich geglaubt habt und mich nicht geheiligt habt vor den Israeliten, darum sollt ihr diese Gemeinde nicht ins Land bringen, das ich ihnen geben werde.
Numeri (4. Mose) 20,2-12
Bekenntnislese
IV. Die Taufe
Bisher haben wir die drei Hauptstücke der allgemein geltenden christlichen Lehre behandelt. Darüber hinaus ist noch etwas über die zwei Sakramente zu sagen, die Christus eingesetzt hat. Obgleich man bisher leider nichts über sie gelehrt hat, sollte doch jeder Christ zumindest in knapper allgemeiner Weise über sie unterrichtet sein, weil man ohne die Sakramente kein Christ sein kann.
Als erstes aber nehmen wir uns die Taufe vor, durch die wir zuallererst in die Christenheit aufgenommen werden. Um jedoch alles gut verstehen zu können, wollen wir’s der Reihe nach behandeln und uns allein auf das beschränken, was uns zu wissen nötig ist. Denn wie man die Tauflehre erhalten und gegen die Irrlehrer und Sektierer verteidigen muss, das wollen wir den Gelehrten überlassen.
Erstens: Vor allen Dingen muss man zuerst die Worte genau kennen, auf die sich die Taufe gründet und in denen alles enthalten ist, was von ihr zu sagen ist, nämlich die Worte, die der Herr Christus bei Matthäus im letzten Kapitel spricht: „Gehet hin in alle Welt, lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Desgleichen auch bei Markus im letzten Kapitel: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt.“ Bei diesen Worten sollst du erstens darauf achten, dass hier von Gottes Gebot und Einsetzung die Rede ist. Daran soll man nicht zweifeln, dass die Taufe etwas Göttliches ist, denn sie ist nicht von Menschen erdacht und erfunden. Denn ebenso wie ich sagen kann, dass die Zehn Gebote, der Glaube und das Vaterunser von keinem Menschen ersonnen sind, sondern von Gott offenbart und gegeben sind, so kann auch von der Taufe gerühmt werden, dass sie nicht eine menschliche Erfindung ist, sondern dass sie von Gott selbst eingesetzt worden ist. Er hat überdies auch ernstlich und streng befohlen, dass wir uns taufen lassen sollen, sonst können wir nicht selig werden; denn niemand soll denken, die Taufe sei eine gleich- gültige Sache, die man tun oder lassen könne, so wie das Anziehen eines neuen Kleidungsstückes.
Denn darauf kommt es vor allem an, dass man die Taufe achtet und sie für etwas Vortreffliches und Herrliches hält; denn um diese Sache streiten und kämpfen wir am allermeisten, weil die Welt heutzutage so voller Sektierer ist, die sagen, die Taufe sei nur etwas Äußerliches und etwas Äußerliches sei ohne Nutzen.
Aber lass sie nur so äußerlich sein wie sie wolle, da ist Gottes Wort und Gebot, der sie einsetzt, sie begründet und bestätigt. Was aber Gott einsetzt und gebietet, kann nicht nutzlos sein, sondern es muss etwas sehr Kostbares sein, auch wenn es dem Aussehen nach geringer als ein Strohhalm ist.
Hat man bisher große Stücke davon gehalten, wenn der Papst durch Brief oder Bulle Ablass erteilt, einen Altar oder eine Kirche bestätigt – und das allein um seiner Briefe und Siegel willen – ‚ so sollen wir die Taufe viel höher halten und als etwas viel Kostbareres ansehen, weil Gott sie befohlen hat und sie in seinem Namen vollzogen wird. Denn so lauten die Worte: „Gehet hin, taufet“, aber nicht „in eurem“, sondern „in Gottes Namen“.
Denn – „in Gottes Namen“ getauft werden, das heißt: Nicht von Menschen, sondern von Gott selbst getauft werden. Auch wenn die Taufe durch die Hand eines Menschen voll-zogen wird, so ist sie doch in Wahrheit Gottes eigenes Werk; daraus kann jeder selber den Schluss ziehen, dass sie etwas viel Höheres ist als alles, was Menschen oder gar „Heilige“ tun können. Aber hier ist der Teufel wieder fleißig am Werk, uns mit falschem Schein zu blenden, dass wir Gottes Tun vergessen und auf unser eigenes Tun schauen. Denn das sieht nach außen hin viel großartiger aus, wenn ein Karthäuser viele schwere und große Werke der Frömmigkeit verrichtet; denn wir Menschen halten alle viel mehr von dem, was wir selbst tun und leisten!
Aber die Schrift lehrt anders: Auch wenn man die Werke aller Menschen auf einen Haufen tun würde und sie noch so schön glänzen würden, sie wären doch nicht so edel und gut, als wenn Gott einen bloßen Strohhalm aufhöbe. Warum? Weil die Person – Gott – edler und besser ist. Nun muss man hier nicht die Person nach ihrem Tun, sondern das Tun nach der Person beurteilen; denn die Person adelt das Tun und nicht umgekehrt.
Aber hier urteilt unsere verderbte Vernunft anders: Wenn das, was wir tun, nach außen hin nicht schön und glänzend ist, so gilt es nichts. Aus dem Gesagten lerne nun, die richtige Bedeutung der Taufe zu erfassen und die Frage beantworten zu können, was die Taufe sei, nämlich: Sie ist nicht bloß gewöhnliches Wasser, sondern ein Wasser, das von Gottes Wort und Gebet umschlossen und dadurch geheiligt ist. So ist sie nichts anderes als ein „Gotteswasser“ – nicht dass das Wasser als solches edler als anderes Wasser ist, sondern Gottes Wort und Gebot ist hinzugekommen.
Darum ist es ein richtiges Bubenstück und eine Gerede des Teufels, wenn jetzt unsere neuen Sektierer die Taufe lästern, Gottes Wort und Ordnung außer acht lassen und auf nichts anderes sehen als auf das Wasser, das man aus dem Brunnen schöpft; und dann ereifern sie sich noch zu sagen: „Wie sollte eine Handvoll Wasser der menschlichen Seele helfen?“
Ja, mein Lieber, wer weiß das nicht, dass Wasser Wasser ist, wenn man vom Wort Gottes und Gebot absieht? Wie kannst du es aber wagen, so in Gottes Ordnung einzugreifen und das beste Kleinod fortzunehmen, mit dem Gott das Wasser der Taufe verbunden und eingefasst hat und nicht abgetrennt haben will? Denn das ist die Hauptsache beim Taufwasser: Gottes Wort oder Gebot und Gottes Name; dieser Schatz ist größer und edler als Himmel und Erde.
So begreife nun den Unterschied, dass es sich bei der Taufe um etwas ganz anderes handelt als um bloß gewöhnliches Wasser, nicht weil das Wasser seiner Natur nach anders wäre, sondern weil hier etwas Edleres dazukommt. Denn Gott selbst ehrt die Taufe mit seinem Namen und legt seine Kraft und sein Vermögen in sie hinein. Darum ist es nicht allein gewöhnliches Wasser, sondern ein göttliches, himmlisches, heiliges und seliges Wasser und wie immer man es sonst noch rühmen mag – alles um des Wortes Gottes willen, das ein himmlisches und heiliges Wort ist, das niemand genug preisen kann. Denn es hat alles in sich und vermag alles, was Gott ist und vermag.
Darum ist das Wesen der Taufe auch von solcher Art, dass man sie ein Sakrament nennt. So hat es auch St. Augustin gelehrt: „Wenn das Wort zum Element bzw. zum natürlichen Wesen einer Sache kommt, so wird ein Sakrament daraus“, d. h. eine heilige, göttliche Sache, ein heiliges, göttliches Zeichen.
Gott, man lobt dich in der Stille zu Zion, und dir hält man Gelübde. Du erhörst Gebet; darum kommt alles Fleisch zu dir. Unsre Missetat drückt uns hart; du wollest unsre Sünde vergeben. Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen; der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel.
Erhöre uns nach der wunderbaren Gerechtigkeit, Gott, unser Heil, der du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer; der du die Berge gründest in deiner Kraft und gerüstet bist mit Macht; der du stillst das Brausen des Meeres, das Brausen seiner Wellen und das Toben der Völker, dass sich entsetzen, die an den Enden wohnen, vor deinen Zeichen. Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.
Du suchst das Land heim und bewässerst es / und machst es sehr reich; Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Du lässt ihr Getreide gut geraten; denn so baust du das Land. Du tränkst seine Furchen und feuchtest seine Schollen; mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs. Du krönst das Jahr mit deinem Gut, und deine Spuren triefen von Segen. Es triefen auch die Auen in der Steppe, und die Hügel gürten sich mit Jubel. Die Anger sind voller Schafe, und die Auen stehen dick mit Korn, dass man jauchzet und singet.
Psalm 65. Ein Psalm Davids, ein Lied, vorzusingen. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Verley uns frieden gnediglich Herr Got zu unsern zeyten, es ist doch ya keyn ander nicht, der für uns künde streitten, denn Du unser Godt allaine.
Gib vnserm Fürsten und aller Oberkeit fried vnd gut Regiment, das wir vnter jnen ein gerüglich vnd stilles leben führen mögen in aller Gottseligkeit vnd erbarkeit. Amen.
Nach der altkirchlichen Antiphon “Da pacem Domine” (Martin Luther 1531 und Johann Walter 1566) LKG 14.
Fortlaufende Lese
Ein Mann aber mit Namen Hananias und seine Frau Saphira verkauften einen Acker, 2 doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. 3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast? 4 Hättest du den Acker nicht behalten können, als du ihn hattest? Und konntest du nicht auch, als er verkauft war, noch tun, was du wolltest? Warum hast du dir dies in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. 5 Als Hananias diese Worte hörte, fiel er zu Boden und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten. 6 Da standen die jungen Männer auf und hüllten ihn ein, trugen ihn hinaus und begruben ihn. 7 Es begab sich aber, etwa nach drei Stunden, da kam seine Frau herein und wusste nicht, was geschehen war. 8 Aber Petrus sprach zu ihr: Sag mir, habt ihr den Acker für diesen Preis verkauft? Sie sprach: Ja, für diesen Preis. 9 Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr euch denn einig geworden, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Tür und werden auch dich hinaustragen. 10 Und sogleich fiel sie zu Boden, ihm vor die Füße, und gab den Geist auf. Da kamen die jungen Männer und fanden sie tot, trugen sie hinaus und begruben sie neben ihrem Mann. 11 Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die das hörten.
Apostelgeschichte 5,1-11
Morgenlese
Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, sind jetzt viele Widersacher Christi[3] aufgetreten; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist. 19 Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber es sollte offenbar werden, dass sie nicht alle von uns sind. 20 Doch ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und habt alle das Wissen. 21 Ich habe euch nicht geschrieben, als wüsstet ihr die Wahrheit nicht, sondern ihr wisst sie und wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt. 22 Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. 23 Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. 24 Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben. 25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 26 Dies habe ich euch geschrieben von denen, die euch verführen. 27 Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand belehre; sondern wie euch seine Salbung alles lehrt, so ist’s wahr und ist keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm. 28 Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart wird, freimütig reden und nicht zuschanden werden vor ihm, wenn er kommt. 29 Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, so erkennt ihr: Wer die Gerechtigkeit tut, der ist von ihm geboren.
1. Johannes 2,18-29
Abendlese
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen[1], und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
1. Korinther 13,1-13
Bekenntnislese
Die 6. Bitte: Und führe uns nicht in Versuchung.
Wir haben nun zur Genüge gehört, was für Mühe und Arbeit es kostet, um all das, worum man bittet, auch zu erhalten und nicht wieder zu verlieren, obgleich es nicht ohne Gebrechen und Straucheln abgeht. Hinzu kommt noch: Auch wenn wir Vergebung der Sünde und dadurch ein gutes Gewissen erhalten haben, so verhält es sich mit unserm Leben doch so, dass einer heute steht und morgen schon fällt. Darum müssen wir weiterhin Gott bitten, auch wenn wir rechtschaffen sind und ein gutes Gewissen gegen Gott haben können, dass er uns nicht in Unglauben und Sünde zurückfallen und der Anfechtung oder Versuchung erliegen lasse.
Es gibt aber eine dreifache Versuchung: Die des Fleisches, der Welt und des Teufels. Denn wir wohnen „im Fleisch“ und schleppen den alten Adam mit uns herum. Der regt sich in uns und reizt uns täglich zu Unzucht und Faulheit, zum Fressen und Saufen, zu Geiz und Betrug und will, dass wir den Nächsten betrügen und übervorteilen – ‚ kurz, er weckt in uns alle möglichen bösen Begierden, die uns von Natur anhängen und die durch anderer Leute Gesellschaft, durch böse Beispiele, durch das, was wir sehen und hören, in uns erregt werden. Oft verwunden und entzünden sie sogar die Herzen ganz unschuldiger Menschen.
Dann gibt es „die Welt“: Sie, d. h. die Menschen in der Welt beleidigen uns mit Worten und Taten und treiben uns zu Zorn und Ungeduld; kurz, da gibt es nichts als Hass und Neid, Feindschaft, Gewalt, Unrecht, Untreue, Rachsucht, Fluchen, Schimpfen, Verleumden, Hochmut und Stolz. Jeder spielt sich auf; er will geehrt und gerühmt werden und Macht und Einfluss haben. Niemand will der Geringste sein, sondern jeder will obenan sitzen und von jedermann gesehen werden.
Hinzu kommt noch der Teufel: überall hetzt und stachelt er auf; vor allem aber ist er dort am Werk, wo es um das Gewissen und um geistliche Dinge geht; er will, dass man Gottes Wort und Wirken in den Wind schlägt und verachtet; er will uns Glauben, Hoffnung und Liebe wegnehmen und uns in Unglauben stürzen, in falsche Vermessenheit und in Verstockung; oder umgekehrt, dass wir in Verzweiflung geraten, Gott verleugnen und lästern und in unzählige andere furchtbaren Dinge hineingeraten. Das sind nun die Stricke und Netze, ja die richtigen „feurigen Pfeile“, die nicht Fleisch und Blut uns ins Herz schießen, sondern der Teufel auf die allergiftigste Weise.
Dies sind allerdings große und schwere Gefährdungen und Anfechtungen, die jeder Christ bestehen muss. Schon jede für sich allein ist derart, dass wir dazu getrieben werden, Gott alle Stunden anzurufen und um Hilfe zu bitten, dass er uns nicht matt und müde werden und wieder in Sünde, Schande und Unglauben zurückfallen lasse. Denn sonst ist es unmöglich, auch nur die allergeringste Anfechtung zu überwinden; denn solange wir dieses elende Leben führen, setzt man uns von allen Seiten zu, jagt und treibt uns.
So bedeutet nun „nicht in Versuchung führen“ dies, dass Gott uns Kraft und Stärke gibt, um der Anfechtung widerstehen zu können, doch ohne dass sie weggenommen oder aufgehoben wird. Denn der Versuchung und Verlockung zur Sünde kann niemand entgehen, denn wir leben im Fleisch und haben den Teufel um uns. Es geht nicht anders, wir müssen Anfechtungen erleiden, ja wir stecken mitten in ihnen drin. Aber darum bitten wir, dass wir nicht hineinfallen und darin umkommen.
Denn es ist ein großer Unterschied, ob man die Anfechtung nur fühlt oder in sie einwilligt und ja zu ihr sagt. Wir fühlen sie alle, obwohl nicht alle in gleicher Weise, sondern einige mehr und stärker als andere. So wird die Jugend vor allem vom „Fleisch“ angefochten, die Erwachsenen und Alten von der „Welt“; jene aber, die mit geistlichen Dingen umgehen, d. h. die im Glauben starken Christen, vom Teufel.
Aber solch ein Fühlen der Anfechtung, solange unser Wille dagegen ist und wir sie am liebsten los sein möchten, kann niemand schaden. Denn wenn man sie nicht fühlte, könnte man sie auch nicht als Anfechtung bezeichnen. Einwilligen aber heißt, wenn man ihr nachgibt, ihr nicht widersteht noch Gott um Hilfe bittet.
Deshalb müssen wir Christen gegen sie gerüstet sein und täglich damit rechnen, dass wir ständig angefochten werden. Niemand wiege sich in Sicherheit und niemand gehe so unachtsam dahin, als sei der Teufel weit von uns weg! Sondern man rechne stets mit seinen Schlägen und pariere sie. Denn auch wenn ich jetzt keusch, geduldig und freundlich bin und in festem Glauben stehe, kann doch der Teufel noch in dieser Stunde einen solchen Pfeil in mein Herz schießen, dass ich mich nur mit Mühe behaupten kann. Denn er ist ein Feind, der niemals aufhört und müde wird. Wo die eine Anfechtung aufhört, kommen immer wieder neue und andere.
Darum gibt es keinen andern Rat und Trost als den, dass man herbeieile, das Vaterunser zur Hand nehme und von Herzen mit Gott rede und sage: „Lieber Vater, du hast mir geboten zu beten; so lass mich durch die Versuchung nicht dahin geführt werden, dass ich von dir abfalle.“ Du wirst sehen, die Versuchung hört auf und muss sich schließlich für besiegt erklären. Andernfalls, wenn du mit deinen eigenen Gedanken und Ratschlägen versuchst, dir zu helfen, wirst du es nur schlimmer machen und dem Teufel noch mehr Raum geben. Denn er hat den Kopf einer Schlange; wenn er eine Lücke findet, in die er hineinschlüpfen kann, zieht er auch den ganzen Leib hinterher; das Gebet aber kann ihn abwehren und zurücktreiben.
Die 7. Bitte: Sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.
Im Griechischen lautet diese Bitte wie folgt: „Erlöse oder behüte uns vor dem Argen oder Bösen“, und es sieht fast so aus, als rede Christus hier vom Teufel, so als wollte er den ganzen Inhalt dieses Gebetes darin zusammenfassen, dass es gegen diesen unsern Hauptfeind gerichtet sei. Denn er ist es, der dies alles, worum wir bitten, unter uns zu verhindern sucht – Gottes Namen bzw. Ehre, Gottes Reich und Willen, das tägliche Brot, ein fröhliches, gutes Gewissen usf.
Darum fassen wir dies alles schließlich zusammen und sprechen: „Lieber Vater, hilf doch, dass wir von allem Unglück frei werden.“ In dieser Bitte ist gleichfalls auch das mit eingeschlossen, was uns an Bösem unter der Herrschaft des Teufels widerfahren mag – Armut, Schande, Tod und überhaupt alles unselige Elend und Herzeleid, das es auf dieser Erde so reichlich gibt. Denn der Teufel ist nicht allein ein Lügner, sondern auch ein Totschläger; er trachtet unablässig auch nach unserm Leben und will sein Mütlein an uns kühlen, wenn er unserm Leibe Schaden zufügt und einen Unfall zustoßen lässt. Das ist der Grund dafür, dass er manchem den Hals bricht oder um den Verstand bringt, dass er etliche im Wasser ertrinken lässt und viele dahin treibt, dass sie sich selber umbringen; und dass er viele andere schreckliche Unglücksfälle verursacht.
Darum haben wir auf Erden nichts anderes zu tun als unablässig mit unserm Gebet gegen diesen Hauptfeind anzugehen. Denn wenn uns Gott nicht erhalten würde, wären wir keine Stunde vor dem Teufel sicher.
Daraus kannst du erkennen, dass Gott um alles, auch um die Dinge des leiblichen Lebens, gebeten sein will. Nirgends anderswo soll man Hilfe suchen als bei ihm allein. Diese Bitte des Vaterunsers aber hat er an den Schluss gestellt. Denn wenn wir vor allem Übel bewahrt und von allem Bösen erlöst werden sollen, muss zuerst sein Name in uns geheiligt werden, sein Reich zu uns kommen und sein Wille geschehen. Danach will er uns schließlich auch von Sünde und Schande bewahren, auch vor allem, was uns weh tun und schaden kann.
So hat uns Gott im Vaterunser aufs Kürzeste alle Not vor Augen gestellt, die uns immer wieder bedrängt, sodass wir keine Entschuldigung haben, wenn wir nicht beten. Aber nun kommt es darauf an, dass wir auch lernen, das Amen dazu zusprechen, d. h. nicht daran zu zweifeln, dass unser Beten ganz gewiss erhört wird und dass geschehen wird, worum wir bitten. Denn das Wort „amen“ ist das Wort eines nicht zweifelnden Glaubens, der nicht auf gut Glück betet, sondern weiß, dass Gott nicht lügt; denn er hat zugesagt, zu geben, worum wir bitten.
Wo nun solcher Glaube nicht ist, kann auch das Beten nicht richtig sein. Darum ist es ein schädlicher Irrtum zu meinen, man dürfe beim Beten nicht von Herzen ja dazu sagen und man dürfe nicht gewiss sein, dass Gott das Gebet erhört, sondern man müsse im Zweifel bleiben und sagen: „Wie sollte ich so kühn sein und mich dessen rühmen, dass Gott mein Gebet erhört? Bin ich doch ein armer Sünder“ usf.
Diese Einstellung zum Gebet kommt daher, dass jene nicht auf Gottes Zusage, sondern auf ihr Tun und ihre Würdigkeit sehen; aber damit verachten sie Gott und strafen ihn Lügen. Deswegen bekommen sie auch nichts, wie St. Jakobus sagt: „Wer da betet, der bete im Glauben und zweifle nicht. Denn wer da zweifelt, ist wie eine Woge des Meeres, die vom Winde getrieben und bewegt wird; ein solcher Mensch denke nur ja nicht, dass er etwas von Gott empfangen werde.“ Sieh, so viel ist Gott daran gelegen, dass wir in der Gewissheit beten, nicht umsonst zu bitten, und wir sollen keineswegs unsere Gebete gering achten.
Nieuwoudtville (Namakwaland, Kap der guten Hoffnung)
Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten, – Sela – dass man auf Erden erkenne deinen Weg, unter allen Heiden dein Heil. Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker. Die Völker freuen sich und jauchzen, dass du die Menschen recht richtest und regierst die Völker auf Erden. Sela.
Es danken dir, Gott, die Völker, es danken dir alle Völker. Das Land gibt sein Gewächs; es segne uns Gott, unser Gott!
Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!
Psalm 67. Ein Psalmlied, vorzusingen, beim Saitenspiel. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du gen Himmel g’fahren bist: o starker Gott Immanuel, stärk uns an Leib, stärk uns an Seel. Halleluja, Halleluja.
Nun freu sich alle Christenheit und singt und springt ohn alles Leid: Gott Lob und Dank im höchsten Thron, unser Bruder ist Gottes Sohn. Halleluja.
Gen Himmel ist er gfahren hoch, und ist doch allzeit bei uns noch, sein Macht und Gwalt unendlich ist, wahr Gott und Mensch zu aller Frist. Halleluja.
Über all Himmel hoch erhöht, über all Engel mächtig schwebt, über all Menschen er regiert und alle Kreaturen führt. Halleluja.
Zur Rechten Gott des Vaters groß hat er all Macht ohn alle Maß, all Ding sind ihm ganz untertan, Gottes und der Marien Sohn. Halleluja.
All Teufel, Welt, Sünd, Höll und Tod, er alles überwunden hat. Trotz, wer da will, es liegt nichts dran, den Sieg muß er doch allzeit haben. Halleluja.
Wohl dem, der ihm vertrauen tut und hat in ihm nur frischen Mut. Welt, wie du willst, wer fragt nach dir? Nach Christus steht unser Begier. Halleluja.
Er ist der Herr und unser Trost, der uns durch sein Blut hat erlöst. Das Gefängnis er gefangen hat, daß uns nicht schad der bittere Tod. Halleluja.
Wir freuen uns aus Herzensgrund und singen fröhlich mit dem Mund: Unser Bruder, Fleisch, Bein und Blut ist unser allerhöchstes Gut. Halleluja.
Durch ihn der Himmel unser ist. Hilf uns, o Bruder Jesus Christ, dass wir nur fest vertrauen auf dich und durch dich leben ewiglich. Halleluja.
Amen, Amen, Herr Jesus Christ, der du gen Himmel gefahren bist: Behüt uns, Herr, bei rechter Lehr, des Teufels Trug und Listen wehr. Halleluja.
Komm, lieber Herr, komm, es ist Zeit zum letzten Gericht in Herrlichkeit. Führ uns aus diesem Jammertal in den ewigen Himmelssaal. Halleluja.
Amen, singen wir noch einmal, wir sehnen uns zum Himmelssaal, da wir mit deinen Engelein das Amen wollen singen fein. Halleluja.
Musae Sioniae 1607 (LKG 176)
Fortlaufende Lese
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Apostelgeschichte 4,32-37
Morgenlese
Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen nicht gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorbringen, um ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und doch hassen sie mich und meinen Vater. Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Grund«
Johannes 15,18-25
Abendlese
Und Mose stieg aus den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der HERR zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan und das ganze Naftali und das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der HERR sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen.
So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. Und Mose war hundertzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. Und die Israeliten beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war.
5. Mose 34,1-8 (Deuteronomium)
Bekenntnislese
Sieh, so will Gott uns zeigen, wie er sich aller unserer Not annimmt und so treu für unser zeitliches Wohl sorgt. Obgleich er das alles reichlich gibt und erhält, auch den gottlosen und bösen Menschen, will er dennoch, dass wir darum bitten; denn wir sollen erkennen, dass wir es aus seiner Hand empfangen, und wir sollen darin seine väterliche Güte spüren, die er uns gegenüber erweist. Denn wenn er seine Hand abzieht, kann nichts auf Dauer gedeihen und erhalten werden; das kann man täglich sehen und beobachten.
Was ist das jetzt für eine Plage in der Welt mit dem Falschgeld, mit täglicher Verteuerung und mit Wucher – in Handel und Gewerbe, in den Geschäften, bei den Dienstleistungen und den Arbeiten der Handwerker! Nach ihrer Willkür bedrücken sie die Armen und entziehen ihnen das tägliche Brot. Wir müssen das zwar alles erleiden, sie aber mögen sich vorsehen, dass sie nicht die öffentliche Achtung verlieren; und sie sollen achtgeben, dass diese Bitte des Vaterunsers sich nicht gegen sie wendet.
Die 5. Bitte: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Diese Bitte betrifft nun unser armes, elendes Leben, in dem es doch ohne Sünde nicht abgeht. Auch wenn wir Gottes Wort haben, glauben, seinen Willen tun und an uns geschehen lassen und wir uns von Gottes Gaben und seinem Segen ernähren – wir straucheln noch täglich und halten nicht Maß; denn wir leben mitten in der Welt unter Leuten, die uns viel zuleide tun und uns Anlass zur Ungeduld geben, zum Zorn, zur Rache usf.
Außerdem haben wir den Teufel im Nacken, der uns auf allen Seiten zusetzt und, wie gesagt, gegen alle vorigen Bitten angeht, sodass es nicht möglich ist, in diesem ständigen Kampf immer standhaft zu bleiben. Darum ist es hier wiederum sehr nötig zu bitten und zu rufen: „Lieber Vater, vergib uns unsere Schuld.“ Nicht dass er nicht auch ohne unser Bitten und vor unserm Bitten uns die Sünde vergeben würde! Denn er hat uns ja das Evangelium gegeben, das voller Vergebung ist, und zwar ehe wir darum gebeten oder je daran gedacht haben; es geht aber darum, dass wir die Vergebung unserer Schuld erkennen und annehmen. Denn unser „Fleisch“, das wir an uns haben, ist von solcher Art, dass es Gott nicht vertraut und glaubt; immer regen sich in ihm böse Begierden und Bosheiten, sodass wir täglich mit Worten und Taten, mit unserm Tun und Lassen sündigen; dadurch kommt Unfriede in unser Gewissen; es fürchtet sich vor Gottes Zorn und Ungnade und kann darum keinen Trost, keine Zuversicht mehr aus dem Evangelium schöpfen. Deswegen ist es unaufhörlich nötig, dass man mit dieser Bitte herzukomme und Trost hole, um das Gewissen wieder aufzurichten.
Dies aber soll nun dazu dienen, dass Gott uns den Stolz zerbricht und in der Demut hält; denn das Vorrecht, dies zu tun, hat Gott sich vorbehalten. Wenn nun jemand auf seine Frömmigkeit pocht und andere verachtet, soll er sich selber ansehen und diese Bitte vor Augen halten; er wird dann merken, dass er nicht frommer ist als die andern; wir alle müssen uns vor Gott beugen und können nur froh sein, dass wir Vergebung empfangen können.
Niemand meine, solange wir hier leben, es dahin bringen zu können, dass er der Vergebung nicht mehr bedürfe. Mit andern Worten: Wenn Gott nicht unaufhörlich vergibt, sind wir verloren.
So ist nun der Sinn dieser Bitte der, Gott möge unsere Sünde nicht ansehen und uns nicht vorhalten, was wir täglich verdienen; sondern er möge gnädig mit uns umgehen und uns vergeben, wie er es zugesagt hat, und uns so ein fröhliches und unverzagtes Gewissen geben, um vor ihm stehen und ihn bitten zu können. Denn wenn das Herz des Menschen mit Gott nicht im Reinen ist und es solche Zuversicht nicht gewinnen kann, wird der Mensch es nimmermehr wagen, zu Gott zu beten. Solche Zuversicht aber und solch ein fröhliches Herz kann niemand bekommen, es sei denn, er weiß, dass ihm die Sünde vergeben ist.
Es ist aber an diese Bitte noch ein notwendiger und tröstlicher Zusatz angefügt: „Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Gott hat uns zugesagt, dass wir die Gewissheit haben können, alles sei uns vergeben und geschenkt – sofern wir auch unserm Nächsten vergeben. Denn so wie wir uns an Gott täglich oft versündigen und er uns doch aus Gnade alles vergibt, so müssen auch wir unserm Nächsten, der uns Schaden und Unrecht zufügt und grob und gemein zu uns ist, immer wieder vergeben.
Vergibst du nicht, so meine auch nicht, dass Gott dir vergibt. Vergibst du aber, dann hast du den Trost und die Gewissheit, dass dir im Himmel vergeben wird, nicht weil du vergibst – denn er vergibt ganz umsonst, aus lauter Gnade, weil er es zugesagt hat, wie es das Evangelium lehrt – ‚ sondern weil er uns damit ein Zeichen der Vergewisserung gegeben hat (an dem wir erkennen können, dass auch Gott uns vergeben hat). Dieses Zeichen der Vergewisserung hat er uns noch zusätzlich zu seiner Zusage, uns zu vergeben, gegeben; seine Zusage aber stimmt mit dem Wort aus Lukas 6 überein: „Vergebet, so wird euch vergeben.“ Darum wiederholt sie auch Christus gleich nach dem Vaterunser und sagt in Matthäus 6: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.“
Darum ist nun dieses „Zeichen“ an diese Bitte angefügt, damit, wenn wir die fünfte Bitte sprechen, wir uns der Zusage erinnern und denken: „Lieber Vater, darum komme ich zu dir, um dich zu bitten, dass du mir vergeben möchtest, nicht als ob ich mit meinem Tun Genugtuung leisten oder die Vergebung verdienen könnte, sondern weil du es zugesagt und dieses Siegel daran gehängt hast, damit ich der Vergebung ganz gewiss wäre, so als hättest du mir selbst die Vergebung zugesprochen. Denn was die Taufe und das Abend- mahl vermögen, die auch als äußerliches Zeichen gegeben sind, vermag auch dieses Zeichen, nämlich unser Gewissen aufzurichten und fröhlich zu machen; und es ist uns außer den andern eben darum gegeben, damit wir es zu jeder Zeit gebrauchen könnten; denn wir haben es immer bei uns.