München, Schwangau & andere bayerische Märchen

Malerisch schön wars im Allgäu

Friederike ist umgezogen und wir haben sie besucht. Sie hat uns ihre Arbeitswelt gezeigt und wir sind mit ihr nach Füssen, Opas Lieblingsort. Mit meinem Vater bin ich dort auch schon mal gewesen. Anläßlich eines Pfarrkonventes des Sprengels Süd sind wir mit der Tegelbergbahn auf die Berggipfel gefahren und haben von dort das Schloß Neuschwanstein bewundert. Dichter ran an die sagenhafte Kulisse für die Wagner Kompositionen kam ich damals nicht. Dieses Mal sind wir bei herrlichem Wetter mit “durchdringendem Regen” (Unser täglich Gebet!) in den Märchenschlössern von König Ludwig II gewesen und haben in der hübschen Kleinstadt am See übernachtet. Eindrücklich und sagenhaft diese schöne Bergwelt!

Aber zuerst zu der bayrischen Hauptstadt und Friederikes Domizil: Hier ists schön. Hier läßt sichs gut leben. Darum sicherlich die vielen, vielen Menschen und Touristen!

Aber die Berge rufen noch immer: Das schönste Lied ist das Heimatlied. Doch erstmal geht es ins Allgäu und Alpener Vorland – zur Wieskirchen und von dort nach Füssen am Forggensee.

Dann ging es endlich ins Schwanengau und in die Märchenschlosswelt des “verrückten Königs”, der seinem Land auf lange Sicht viele Schätze hinterlassen hat, die er von Wagners Werken  Tannhäuser und Lohengrin nachhaltig beeindruckt, geschaffen hat. Am 15. Mai 1868 teilte er dem befreundeten Komponisten in einem Brief mit: „Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen, im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen.“ Schade, dass sie ihn dann abgesetzt haben und er ins Wasser zu den Fischen ging… Wahrscheinlich war er ganz einfach zu teuer – und dazu auch noch exhorbitant & flamboyant – der Märchenprinz.

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Einmal mit dem Fahrrad nach Dresden – und zurück (Teil 2)

Bei strahlendem Sonnenschein: “Wenn Engel reisen”

Zusammen sind Angelika und ich mit dem Rad an der Elbe entlang gefahren. Zuerst bis nach Torgau (Reformationsstadt Europas) und dann von dort bis Meißen und schließlich noch das letzte Ende nach Dresden.

Der Elberadweg ist gut ausgebaut, obwohl es uns anfänglich doch erstaunte, dass wir so oft von der Elbe weg und übers Land geführt wurden. Das wurde zusehends weniger je näher wir an Dresden heran kamen. Der Radweg ist wesentlich länger als es die Bundesstraßen vermuten lassen. Das liegt wohl an dem sich schlängenden Kurs durch die vielen Wiesen und Felder – und nur zum geringen Teil an den Umleitungen. Je näher wir an die sächsische Hauptstadt kamen, desto mehr nahm die Zahl der Radfahrer zu – und davon waren eine staatliche Zahl Senioren auf E-Bikes, die ich ja schon im 1.Teil erwähnte. Wir sahen aber auch immer wieder Schafherden und einen Fischadler sah ich beim Tauchen zu. Gefährlich trocken war es alle mal – besonders beim Mais blutete mein Herz…

Riesa hatte ich zuletzt mit T.Bärbel besucht – und zwar in den achziger Jahren. Wir übernachteten damals bei unserer Verwandtschaft: O.Egon und T.Ruth. Die Stadt hat sich toll herausgemacht – und das dortige Kloster will ich gerne mal in Ruhe besuchen und nicht nur im Vorbeifahren – und nicht nur, weil es jetzt den Tiergarten der Stadt umfaßt. Beeindruckende Grünanlagen und viele freundliche Menschen sind uns aufgefallen.

Von Meißen wußten wir ja inzwischen, wie schön diese Töpfer- und Keramikstadt an der Elbe ist. Hier fangen ja dann auch bald die Weinberg an die Landschaft zu schmücken. Doch wir verweilten auch hier nur kurze Zeit und Übernacht. In unserer Herberge – ursprünglich einer Schmiede – entdeckten wir noch kl.Zwerge aus Breslau. Das war eine schöne Überraschung.

Wie früher beim Hitchhiken fiel mir wieder auf, wie groß Städte doch sind. Vom Rand bis zum Zentrum bleiben immer noch etliche Kilometer und noch viel zu entdecken. Das nächste Mal?

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Sonntagsausflug zum Kyffhäuser

Ein weites und schönes Land: Thüringen

Nach dem Sonntagsgottesdienst in St.Maria Magdalena fuhren wir in den südlichen Harz. Es war ja praktisch nur immer weiter gen Westen – an der anderen Lutherstadt Eisleben vorbei und auch an Sangershausen – bis nach Artern, wo wir im Landgasthaus “Zum Ring” zur Mittagspause einkehrten.

Ich hatte schon früher mal hier in der Gegend besucht – und zwar sowohl mit P. Manfred Griesheimer und seiner Jugendtruppe in 1991 als auch mit O.Ulf und T.Bärbel. Dieses Mal war dort Hochbetrieb, weil ein “Mittelalterfest” gefeiert wurde. Komisch, die Leute meinen die Kirche muß sich unbedingt modernisieren, aber ins Mittelalter wollen zig-tausende zurückkehren. Vielleicht war es auch nur eine “marketing” Idee – Eltern mit ihren Kindern, verliebte Paare und auch eine ganze Reihe verkleideter Akteure. Das Bauwerk erinnerte mich an das Voortrekkermonument in Pretoria. Es ist praktisch eine kl.Version dessen.

Hier gehts auch “nur” um die kaiserlichen Figuren Barbarossa (Rotbart) – Kaiser Friedrich II – und dann Wilhelm I, während in Pretoria nicht nur eine ganze Reihe Burenführer dargestellt werden, sondern auch die imposanten Frauen mit ihren Schützlingen. Auf dem Weg zurück führte uns der GPS auf der Autobahn gen Süden anstelle einfach gen Osten heimwärts zu fahren. Zum Glück sind die Straßen ja hier nicht so beschäftigt wie im Südwesten und gut Wetter hatten wir ja auch allemal.

Hier auch noch das Gedicht von Friedrich Rückert: “Barbarossa”

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterirdschen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Haupt ausruht.

Er nickt als wie im Traume
Sein Aug halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.

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Predigen in der Alten Lateinschule (Is.2,1-5)

Gestern predigte ich in der St. Maria Magdalena-Kapelle der SELK (Halle) auf der Moritzburg über Jesaja 2:1-5 (vgl. Micha 4:1-4). Hier der Überblick:

Und auch zum Zuhören:

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Einmal mit dem Fahrrad nach Dresden – und zurück (Teil 1)

Auf dem Elberadweg fährts sich gut – wenn er denn nicht repariert oder aus sonstigen Gründen umgeleitet wird. Nach Google wärs auf den Landstraßen kürzer und vielleicht sogar schneller gegangen. Die B187 mit LKWs und eiligen Flitzern zu teilen ist zwar spannend, aber nicht wirklich erholsam. Da sind die kl.Nebenstraße schon besser. Da gibts dann auch Rehe zu sehen, Reiher und Kraniche (über 60 haben wir gezählt!) oder lassige Spaziergänger und Hundeführer, manchmal auch den Tourist, der seinen Camper in den Bach entleert – Schreck, oh Schreck. Und ich dachte, das tut man nicht in Deutschland… Kirchen gibts viele. Meist evangelisch und sogar lutherisch. Kühle Orte – einladend und gut in Stand gehalten. Meistens waren wir froh, wenn wir von den befahrenen Wegen wieder alleine auf dem Elberadweg fuhren – und diesen nur mit freundlichen und eifrig grüßenden Radfahrern teilten. Das Grüßen ließ natürlich immer mit der Hitze nach und die Senioren, die auf ihren E-Bikes dahergesaust kamen, konnten sich auch kaum zum Grüßen hinreißen lassen. Es ging alles viel zu schnell. Wir haben es wiederholt erlebt, dass sie am Ziel vorbeischossen – die Abzweigungen des Radweges verpaßten und uns dann irgendwann wieder mit Karacho ein- und überholten. E-Roller haben wir aber erst in Dresden erlebt. Bis dahin ging alles gut.

Überall war die Ernte voll im Gang – es herrschte ja Kaiserwetter – ideal zum Radfahren

Im Laufe des Vormittags gings in Wittenberg los und zwar auf bekannter Strecke. Wir wollten es langsam angehen und mal sehen, wohin der Weg uns führte. Wir hatten deswegen keine Buchungen gemacht, aber bis Pretzsch sollte es schon gehen. Naja, die Mittagspause haben wir dann dort im Schloßpark gehalten beim lustig plätschernden Springbrunnen. Die Kirche haben wir besucht und auch die Waschgelegenheiten im Hotel. Doch dann sind wir bei warmen Temperaturen weitergeradelt immer Richtung Torgau. Es hat so Spaß gemacht zu zweit.

Doch zuerst kam es nicht nach Bad Schmiedeberg, aber an der Elbe entlang über Dommitsch und Elsnig. Am Weg stand diese kl.Fischerkapelle, die bei der großen Flut von 2002 fast ganz unter Wasser war. Eindrückliches Altarbild und so schön aufgeräumt und einladend – sogar frische Blumen auf dem Altar…

Bis Torgau waren es mit dem Rad gut 70km. Ganz schön für den ersten Tag. Wir waren froh als wir uns dort in der Pension Gotthardt ausruhen konnten ehe wir in der Stadt einen Rundgang machten. Man versteht, warum Kurführst Johann Friedrich der Großmütige sagte: “Torgau ist immer meine Wonne gewesen!” Für uns wars eine willkommene Erholung nach dem ersten Tag. One down, 2 to go!

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Sommerferien 2019: Zurück von Masuren (Teil 8)

Den Rückweg nahmen wir quer durch Polen. Nicht über die nördliche Pommernroute. Nicht Stettin, Kösslin oder Kolberg an der Ostsee. Dahin kommen wir hoffentlich noch einmal. Auch nicht über die fast so schnelle Route über Warschau. Nicht dieses Mal. Sondern über die Landstraßen und neuen Autobahnen nach Turn (Torun) und dann nachdem wir uns mit Thorner Kathriner eingedeckt und das Schicksal des Deutschen Ritterordens bedacht hatten über Nacht nach Posen (Poznan)

Nach solch kurzem Urlaub in Masuren waren wir dennoch erfüllt mit Heim- und Fernweh. Es war eine schöne Zeit zusammen gewesen. Bald würden wir wieder in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Zwar wars nicht eine Folge des letzten Krieges, aber vielleicht doch wegen dem alten, uralten Krieg und Sündenfall – unstet und heimatlos sollst Du sein! Das geht nicht schmerzlos vorüber und läßt uns noch heute nicht kalt. Nicht nur sagt man lebwohl zu den Eltern und hängt an seinem Weibe…, sondern sagt sogar den Kindern adieu und Aufwiedersehn. Es war so und wird auch weiter so sein bis wir endlich dahin gelangen, wo uns endlich festes und bleibendes Heimat- und Bürgerrecht zugesagt und glaubhaft verbürgt ist. Gott sei dafür Lob und Dank um IX willen!

Unterwegs hörten wir Polnisches Radio – klassische Musik, Pop, aber auch Diskussionsrunden, um uns den Tonfall noch zum Schluß eingängig zu machen. Ein kurzweiliges, aber vergebliches Unterfangen… Geschichte ließ sich nicht einfach abschütteln. Tannenberg im hohen Mittelalter war da. Noch einmal im 1. Weltkrieg und so weiter bis tief in Torn. Natürlich hätten wir in dieser brummenden Stadt länger bleiben können und sollen, aber wir wollten noch weiter, weiter fort… Und so fuhren wir noch nach Posen. Hier wars modern. Viel im Umbau, aber doch eindrücklich. Am nächsten Morgen besuchten wir den neuen Zoo… Er hat uns nicht enttäuscht. Der Wald war so schön wie überall in Polen – auch die dunklen Seen. Die stolzen Adler waren sehenswert, auch die träumerischen Eulen – Braunbären, Raubkatzen (African Caracal), Meerkatte und Giraffen.

Aus Posen führt eine neue Autobahn nach Deutschland – geradlienig und einwandfrei. Wir waren bald auf deutschem Boden – jenseits der Oder und an Potsdam und Berlin vorbei auf dem Weg nach Wittenberg und in unser jetziges Domizil. Hier trafen wir nach unserer tagelangen Rundreise durch Polen von etwas mehr als 2k Kilometern auf die Gemeindetruppe aus St.Petri (SELK-Hannover) zusammen mit Hans-Dieter & Doris Heicke mit denen wir noch schöne Stunden verbrachten. Angelika hat das Bild vor St.Marien gemacht und wir sind Gott sei Dank wohlbehalten und ohne Unglück oder negative Zwischenfälle zurück bei unserem Ausgangspunkt. Google gibt nur 10 Stationen auf der Strecke. Darum habe ich mich auf diese beschränkt. 😉

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Sommerferien 2019: Einmal Masuren und zurück (Teil 7)

Wunderschönes Masuren!

Schöne Zeiten fliehen im Nu dahin und gerade erfüllte Tage scheinen zu kurz. Wir hätten noch vieles machen können, aber wie schon wiederholt festgestellt und Heino immer noch singt: “Der Wagen, der rollt…” Königsberg war hoch auf unserer Liste, weil wir ja als Südafrikaner sogar ohne Visum nach Russland rein kommen, ebenso ein Abstecher zum Dönhoff Vermächtnis oder dem Ernst Wiechert Museum – schließlich war Wiechert der meist gelesenste Deutsche in jenen Jahrzehnten vor und nach dem letzten Weltkrieg. Wir hätten wohl auch noch einige Tage auf Kajaks rudern und noch mehr Vögel suchen und fotografieren wollen. Die Kurische Nehrung haben wir auch nicht besucht. Das ist keine Klage, eher eine nüchterne Feststellung. Als ich damals in Hluhluwe den Postkartenständer durchforstete und alle Tiere hervorhob, die wir auf der Durchfahrt nicht gesehen hatten, war mein Patenonkel Karl ungehalten. Ich sollte doch dankbar sein für das, was wir gesehen hätten und nicht so auf das Ungesehene achten… Recht hat er gehabt. Wir sind dann von Wegorzewo (Angerburg) nach Wolisko zum Wisente bestaunen gefahren. Das war auf einer Forschungsstation und die wilden Viecher waren zahm wie Milchvieh – oder Büffel im Krügerpark. Hinter dem Zaum kriegt man das nicht so genau mit! Auf dem Heimweg schauten wir noch im Zoo von Posen (Pozan) rein – und sahen noch mal von diesen Gnu-ähnlichen Zotteltieren Europas.

Natürlich ist in Masuren nicht nur Naturlandschaft zu bewundern. Wisente gibts. Das haben wir gesehen. Wölfe, Bären, Luchse und andere scheuen Waldtiere nicht in freier Wildbahn. Das haben wir dann im Zoo nachgeholt. Wunderschöne Landschaften aber gab es zuhauf und zum satt sehen. Das haben wir ausgiebig genossen.

Anschließend – und weil es von der Zeitplannung so gut paßte – fuhren wir auch noch zur Wolfschanze: Der kriegerischen Machtzentrale des 3.Reiches im Angriff auf Russland und dem Schauplatz des mißlungenen Attentats am 20. Juli. Die riesigen Betonbrocken dieser Bunker zeigen die tiefe Angst dieser Machtmenschen. Letztlich war das alles nichts wert. Der Wurm war drin. Ihr eigenes Gift hat sie umgebracht. Die Schutzburg wird zur Rattenfalle. Es war wohl so das Beste, damit keine “Dolchstoßlegende” wiederholt wurde. Sie haben sich an Rußland verhoben – kein Zweifel. Der Bissen war zu groß, selbst für ihren bestialischen Heißhunger: “Just see and behold, how the mighty have fallen!” Heute hausen dort Fledermäuse und ähnliches lichtscheues Gesindel. Der Herr im Himmel lachet ihrer. Die größten Betonklötzer sind immer noch kleiner als die Felsen, die von den Drakensbergen und Golden Gate absplittern und ins Tal purzeln. General Major Jodl beschrieb die gifte Atmosphäre der Hitlerschen Anlage: “Halb Kloser, halb KZ”.

Es ist als ob diese Steine erst langsam gelichtet werden, wenn überhaupt. Die Natur ist kräftig am übernehmen und zurückdrängen, was ihr damals so selbstherrlich genommen wurde. Doch wenn man es bedenkt, lasten diese Klötzer stets tonnenschwer auf unserer Geschichte und Vergangenheit. Es gibt noch viel zu erkennen und noch mehr zu verstehen – gerade auch im Hinblick auf die komplizierten Prozesse und Geschichtsverläufe, die sich auch in Masuren kreuzten…

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Sommerferien 2019: Bootsfahrt in Masuren (Teil 6)

Also. Auf diesem Gebiet bin ich Novize. Vielleicht nach einer Woche Novize mit wochenlanger Erfahrung auf dem Wasser. Außerdem kenne ich Freunde, die haben Boote. Mit einigen bin ich sogar verwandt. Doch das ist wie weit meine Erfahrung auf dem Wasser geht. Wir können alle mehr oder weniger schwimmen – wenigstens im Schwimmbecken. 50m würde ich wohl schaffen. Versucht habe ich es allerdings länger nicht mehr. Wir haben auch nicht geschwommen. Wir sind mit dem Boot unterwegs gewesen. Kein Segelboot. Kein Ruderboot. Ein Hausboot. Das lag an unseren Vorstellungen und Vorurteilen – und an dem Angebot. Das letztere gab an, dass wir keine Vorkenntnis bräuchten und nach einer kurzen (!) Einführung würden wir schon klar kommen. Das wohl dichteste Vergleichsmoment aus meiner Erfahrung war ein Pkw auf einer Modderpiste… Dabei gab der Ausbilder nur den Hinweis: Nicht zu langsam! Nach einer Woche würde ich dagegen halten: Immer langsam voran!

Das Wasser war angenehme 18-20 Grad. Das Wetter hielt sich vorzüglich – und wir konnten es gut auf dem Boot aushalten bei 22-25 Grad. In der Woche vorher hatte es angeblich anhaltend wie aus vollen Kübeln gegossen. Neue Freunde auf dem Grillplatz in Steingut wußten ein Lied davon zu singen. Wir haben das nicht erlebt. Wir haben nur die tiefgrünen Wälder bewundert, die keiner Spuren von Borkenkäfern aufwiesen – und auch sonst keine Dürrespuren zeigten. Wir sind einen Tag in Lötzen Spazieren gegangen, da der Himmel verhangen und der Wind am Aufkommen war. Doch es war außer einer willkommenen Abwechslung nichts bedrohliches. Tagsüber haben wir die Fenster auf weit offen und Durchzug gestellt. Nachts war es kühl genug zum allgemeinene Schotten dicht machen. Mücken haben uns nur in der vorletzten Nacht besucht, aber auch dann nur zaghaft und als einzelene Vorhuten – der Schwarmangriff blieb aus. Zum Glück, denn die über Amazon bestellten Netze warteten erst bei unserer Rückkehr auf uns. Sie waren nicht zeitgerecht aus China geliefert worden 🙂

Tagsüber fuhren wir von einem Hafen zum anderen. Angekommen dockten wir an einem der vielen freien Plätze am Bootssteg an. Waschgelegenheiten gabs an Land: Praktisch, sauber und bezahlbar. Ebenso wie Einkaufsmöglichkeiten. Grillplätze. Bänke zum Ausruhen und Innehalten. Nur in der letzten Nacht waren unsere Nachbarn bis in die frühen Morgenstunden mit ausgelassenem Singen so laut, dass Angelika schließlich um 3h00 um Ruhe bat. Was auch sofort zugestanden wurde. Mit meinem Tiefschlaf habe ich davon nichts mehr mitgekriegt. Ich machte mich dann kurz nach 5h00 auf die Socken und staunte über die friendliche Hafenlandschaft… Viele Schulkinder machten offensichtlich Segelkurse mit – immer in Gruppen von 5-6 pro Boot wiederholten sie die verschiedenen Manöver von An- und Abdocken. Alte Männer fischten schweigsam durch die Nacht. Manche fuhren mit ihren kl. Kähnen aufs offene Wasser und ihre beliebten Fischstellen. Andere schmissen die Linie vom Bootsteg aus ins Wasser. Immer wieder hörte man den Jubel beim “Petri Heil.” Viele Familien waren gemeinsam unterwegs. Die saßen dann auf den verschiedenen Booten und unterhielten sich angeregt, aßen gemeinsam und genossen die sommerliche Ferienzeit. So war in jedem Hafen lustiges Treiben zu beobachten auch wenn wir uns bewußt an die abgelegenen Plätze im Norden hielten und den frequentierten Süden gewissenhaft vermieden.

Wir sahen viele Störche, Enten, Blesshühner, Säger, Möwen, Gänse, Reiher, Kraniche und auch einen Seeadler. Wenn wir mit einem Paddelboot in den Seitenkanälen gekommen wären, hätten wir wohl noch mehr im Schilf entdeckt. So, fuhren wir meist über die Seenplatten und dann ab und zu durch mehr oder weniger enge Kanäle und Passagen.

Wir hatten überlegt, ob wir zelten wollten. Doch aus Platzmangel beschlossen wir dagegen. Es war auch nicht nötig. Das Boot bot bequem Platz für 6 – und da waren 4 gut aufgehoben. Nach einer guten Woche hatten wir uns dann auch an das beständige Schaukeln gewöhnt. Wenn wir auf Land die Augen schlossen, fing gleich alles an zu kreisen und sich im Wellenrythmus zu wiegen. Lesen und schreiben ging deswegen auch nicht so ganz ohne Folgen für die Landratten ab. Das haben wir aber schnell gelernt. Am Ende waren wir schon fast Seebären, aber nur fast.

Am schönsten war es natürlich auf den dunklen Seen – bei abgeschaltetem Motor (125ps). Dann gluckste es schön gegen die Planken. Die kühle Brise vertrieb alle dunklen Gedanken, die Wälder waren so schön wie schon immer and trockenen waren wir sowieso.

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Sommerferien 2019: Fahrt nach Masuren und zurück (5.Teil)

Als Matt in Lesotho hörte, dass unsere Einleitung bereits vier Teile hat und wir noch immer nicht in Masuren angelangt sind, fand er das typisch. Lustig auch. Nun ja, ich verspreche, dass es nicht mehr lange dauert und wir bald vor Ort in Mazury sein werden. Nur noch einmal Schlafen – und zwar in Warschau. Wir sind ja bereits auf der Straße gen Norden – wiederum gut ausgebaute Autobahn, aber auch das soll sich bald ändern. Landstraße – meist zwischen hohen Laubbäumen in tiefstem Sommergrün – und beide Straßenseiten dicht mit Autos. Viele Umleitungen – besonders in Städten und Dörfern – daß die 3 Stunden Autofahrt, die Google Maps von Warshau nach Wegorzewo (ehemals Angerburg, O.Preußen) in Aussicht stellte, sich gut verdoppelten. Wie gut, dass wir nicht gleich von Czestochowa durchgefahren sind…

Von Czestochowa gings dann erstmal nach Warschau

Warschau erreichten wir Abends. Kaum etwas hatte mich auf diese Weltstadt vorbereitet. Bisher hatten wir halt meist kulturelle Altstädte besucht. Jetzt waren wir in der pulsierenden Hauptstadt dieses selbstbewußten Nationalstaates am östlichen Rand der EU gelandet: Polska – mit den schönsten Briefmarken. Wenigstens galt das damals als ich noch sammelte…

Wir übernachteten in einem Appartment im gefühlten 27.Stock. Vielleicht war es man gerade die Hälfte! Unser Auto war in der Tiefgarage mit eletronischen Sicherheitstoren gut aufbewahrt und unsere Chipkarte war das sprichwörtliche “Sesam-öffne-dich”. Die meisten Supermärkte wie Biedronka, Lewiatan (hört sich apokalyptisch an, oder?), Stokrotka etc hatten bereits geschlossen, aber ein kl. Tante Emmaladen hatte noch auf. Frisches Brot, Wurst in Mengen, Gemüse, Obst – wie in einem guten alten südafrikanischen Tee-Room. Nur, dass dieser auch Alkoholika verkauft – sogar scharfe Sachen und nicht nur Bier. Wir hätten bestimmt auch Disperins und Pflaster bekommen, wenn wir es denn gewollt hätten. Das gemeinsame Abendbrot mit toller Aussicht war einmalig – echt!

Warschau ist kein Dorf, sondern eine boomende Millionenstadt – auch wenn es noch kl.Tante Emma-Läden mit eingemachten Gurken und gedörrtem Fisch gibt. Sie wächst, pulsiert und brummt durch die Nacht. Und wir waren mitten drin bzw guckten uns das ganze von oben an. Am nächsten Morgen sind wir bereits weitergefahren. Haben also nur Eindrücke im Vorbeifahren gesammelt…

Wir sollten um 15h00 in Wegorzewo sein. Darum dachten wir nach Goggle Maps, wir würden zeitig sein, wenn wir um 10h00 loskämen und hätten bestimmt noch Zeit für Mittagessen unterwegs und gemütliches Auspacken. Keineswegs. Die vielen Bauarbeiten unterwegs mit Staus usw verdoppelte die Reisezeit. Eine Stunde später als gedacht und nachdem Angelika uns pünktlich per Telefon entschuldigt hatte, kamen wir wohlbehalten auf dem Bootsanlegeplatz an. Die Übergabe erfolgte professionell und ohne irgendwelche Komplikationen sofort, aber der Fahrkurs sollte dann doch erst am nächsten Tag stattfinden. Die Vermieter waren fließend in English und/oder Deutsch. Darum ging es völlig entspannt und wohlgemut als neu eingeführte Bootsleute im Schaukeltempo auf die masurischen Seenplatte. Endlich: Herrliche Ferien in Masuren!

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Sommerferien 2019: Fahrt nach Masuren und zurück (4.Teil)

In Krakau machten wir dann eine radikale Kurskorrektur Richtung Norden. Schließlich wollten wir ja nach Masuren und nicht in die Ukraine oder Slovakei. Wenigstens dieses Mal. Also, ging es jetzt ins Herz Polens und zwar nach Częstochowa zur schwarzen Madonna, um uns von dort nach Warschau und Richtung Masuren zu begeben. Es war ja praktisch alles auf dem Weg… Es dauerte bis wir die rechte Kirche fanden. Zuerst hielten wir uns noch in der Stadt auf, zuletzt sind wir dann auf den hl. Hügel und polnischen Zion gestiegen…

In Częstochowa haben uns wieder zahllose Menschenmengen begleitet. Viele auf den Knien, viele im Gebet versunken, einige lasen stille vor sich hin, viele waren Schaulustig wie wir. Am auffälligsten waren die Radler, die in bunten Gruppen von 50+ den Berg hinauffuhren, bewimpelt, bemüht und doch wie beflügelt – jung, alt und auch ganz alte. Am Ziel angelangt, stiegen sie vom Rad, knieten nieder und beteten den Rosenkranz auf den riesigen Treppen. Aus allen Richtungen kamen sie an gefahren. Vielleicht war es ja eine gemeinsame Pilgerfahrt. Auf den Jacobsweg wurde wiederholt mit Stickern hingewiesen. Das ganze Areal wurde von einem riesigen Kreuzgang umfriedet. In den Gemäuern gab es für einen Lutheraner viel zu staunen. Viele Messen wurden gefeiert. Noch mehr Bilder, Statuen und Ikonen förderten die Andacht oder lenkten wieder ab… Die schwarze Madonna war nicht ganz so unscheinbar wie die Mona Lisa, aber hatte ja bisher auch viel größere Wirkung erzielt u.a. die Kanonenkugeln der Schweden aufgefangen und auf diese zurückgelenkt. So weit war Mona Lisa noch lange nicht. Schließlich hatte die auch nicht das liebe Jesulein auf dem Arm… Vor dem großen Herrscher Christus bin ich dann erstmal zu Kreuze gezogen. Was bin ich dankbar, dass er mich kennt und bei meinem Namen nennt…

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