Reformationsfest (31.Oktober)

Julius Hübner (1806–1882): Luther schlägt die 95 Thesen an (1878) zu sehen im Lutherhaus (Wittenberg)

Tagesspruch aus dem 1. Korintherbrief 3,11

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Introitus Psalm 46. Ein Lied der Korachiter, vorzusingen, nach der Weise »Junge Frauen«. 

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. 

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören lässt. Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela.

Kommt her und schauet die Werke des HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin! Ich will mich erheben unter den Völkern, ich will mich erheben auf Erden. Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela. 

Kollekte

Herr, unser Gott, wir danken Dir, daß Du Dich Deiner Kirche erbarmt und Dein lauteres Evangelium wieder ans Licht gebracht hast.

Wir bitten Dich, Du wollest unsere Herzen durch Deinen Heiligen Geist regieren, daß wir allein nach Deinem Willen fragen, Deiner Gnade trauen und auf den Trost des Evangeliums leben und sterben.

Durch unsern Herrn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Orate fratres 3.Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1970. S.158

Alttestamentliche Lesung aus dem Buch Jesaja 62,6-7.10-12

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die Ihr den HERRN erinnern sollt, ohne Euch Ruhe zu gönnen, laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden! 

Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! 

Siehe, der HERR läßt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, Dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her! 

Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«, und Dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«. 

Epistolische Lektion aus dem Römerbrief im 3. Kapitel, die Verse 21-28

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.

Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 

Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf daß er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. 

Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Hallelujavers aus Psalm 84,12

Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. 

Das heilige Evangelium bei Johannes im 2. Kapitel die Verse 13-22

Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 

Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. 

Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! 

Seine Jünger aber dachten daran, daß geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.« 

Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: Was zeigst Du uns für ein Zeichen, daß Du dies tun darfst? 

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und Du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 

Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte. 

Das nizänische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Graduallied aus dem Lutherischen Kirchengesangbuch 227 von Paul Speratus, 1524

Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte; die Werk, die helfen nimmermehr, sie können nicht behüten. Der Glaub sieht Jesus Christus an, der hat für uns genug getan, er ist der Mittler worden.

Was Gott im G’setz geboten hat, da man es nicht konnt halten, erhob sich Zorn und große Not vor Gott so mannigfalten; vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, vom G’setz erfordert allermeist; es war mit uns verloren.

Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt sein G’setz drum geben, als ob wir möchten selber frei nach seinem Willen leben; so ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die sünd’ge Art, in unserm Fleisch verborgen.

Nicht möglich war es, diese Art aus eignen Kräften laßen. Wiewohl es oft versuchet ward, doch mehrt sich Sünd ohn Maßen; denn Gleisnerswerk Gott hoch verdammt, und je dem Fleisch der Sünde Schand allzeit war angeboren.

Doch mußt’ das G’setz erfüllet sein, sonst wärn wir all verdorben. Drum schickt’ Gott seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganz Gesetz hat er erfüllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle.

Und wenn es nun erfüllet ist durch den, der es konnt halten, so lerne jetzt ein frommer Christ des Glaubens recht Gestalte. Nicht mehr denn: „Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben sein, Du hast für mich bezahlet!“

Daran ich keinen Zweifel trag, Dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst Du, daß kein Mensch verzag, das wirst Du nimmer lügen –: „Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himmel erkauft, daß er nicht werd verloren.“

Es ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub gibt einen hellen Schein, wenn er die Werk nicht lasset; mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb Guts tun, bist Du aus Gott geboren.

Es wird die Sünd durchs G’setz erkannt und schlägt das G’wissen nieder, das Evangelium kommt zuhand und stärkt den Sünder wieder und spricht: „Nur kreuch zum Kreuz herzu, Im G’setz ist weder Rast noch Ruh Mit allen seinen Werken!“

Die Werk, die kommen g’wißlich her aus einem rechten Glauben; denn das nicht rechter Glaube wär, wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht, die Werke sind des Nächsten Knecht, dran wir den Glauben merken.

Die Hoffnung wart’ der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage; wann das geschehen soll zur Freud, setzt Gott kein gwisse Tage. Er weiß wohl, wanns am besten ist, und braucht an uns kein arge List; des solln wir ihm vertrauen.

Ob sichs anließ, als wollt er nicht, laß Dich es nicht erschrecken, denn wo er ist am besten mit, da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß Dir gewisser sein, und ob Dein Fleisch spräch lauter Nein, so laß doch Dir nicht grauen.

Sei Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Gutheit willen Gott Vater, Sohn, und Heilgem Geist. Der woll mit Gnad erfüllen, was er in uns ang’fangen hat zu Ehren seiner Majestät, daß heilig werd sein Name;

sein Reich zukomm; sein Will auf Erd g’scheh wie im Himmelsthrone; das täglich Brot noch heut uns werd; woll unsrer Schuld verschonen, wie wir auch unsern Schuldnern tun; laß uns nicht in Versuchung stehn; lös uns vom Übel. Amen.

Predigttext aus Matthäus 26b-33

Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich Euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was Euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern. 

Und fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 

Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne Euren Vater. Bei Euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet Euch nicht; Ihr seid kostbarer als viele Sperlinge. 

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel. 

Gebet zum Reformationsfest

Allmächtiger, barmherziger Gott, wir danken Dir, daß Du durch treue Zeugen und Bekenner unsern Vätern Dein Evangelium wieder lauter und rein geschenkt hast und uns heute auch heute noch Deine seligmachende Wahrheit verkündigen läßt.

Wir bitten Dich: erhalte uns und unseren Nachkommen die unverfälschte Predigt Deines Wortes und den rechten Gebrauch der heilige Sakramente und hilf, daß allezeit Dein Reich unter uns gebaut werde.

Herr, wir bitten Dich für die ganze Christenheit: erneuere Deine Kirche; heile, was krank; belebe, was tot ist. Segne unser Volk und alle, die uns regieren, und erwecke Dir treue Nachfolger in allen Lebensbereichen. Gib Kraft und Gelingen zum täglichen Werk, gib uns Geduld und Treue; hilf, daß wir uns bewähren als Deine Kinder und als Zeugen Deiner unvergänglichen Wahrheit, damit wir Dich mit Freuden preisen und allezeit Deinen Namen bekennen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Evangelische-Lutherische Kirchenagende, Bd. 1 hg.v. d. SELK (Herder: Freiburg u.a., 1997). S. 452 und 461.

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +  Amen. Amen

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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