Ei, nimm ihn heut mit Freuden an, bereit ihm Deines Herzens Bahn, auf daß er komm in Dein Gemüt, und Du genießest seiner Güt.
Unterwirf ihm Deine Vernunft in dieser gnadenreichen Zukunft, untergib seiner Heiligkeit die Werk Deiner Gerechtigkeit.
Wo Du dies tust, so ist er Dein, bewahrt Dich vor der Höllenpein; wo nicht, so sieh Dich eben für, denn er schleußt Dir des Himmels Tür.
Sein erste Zukunft in die Welt ist in sanftmütiger Gestalt, die ander wird erschrecklich sein, den Gottlosen zu großer Pein.
Die aber jetzt in Christo stehn, werden alsdann zur Freud eingehn, und besitzen der Engel Chor, daß sie kein Übel mehr berühr.
Dem Vater in dem höchsten Thron, sammt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist gleicherweis, in Ewigkeit sei Dank und Preis.
Michael Weiße 1531 (LKG 70,9-14)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! 2 Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; 3 nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, 4 sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen Schweinefleisch und haben Gräuelsuppen in ihren Töpfen 5 und sprechen: Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig. Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt. 6 Siehe, es steht vor mir geschrieben: Ich will nicht schweigen, sondern heimzahlen; ja, ich will es ihnen heimzahlen, 7 beides, ihre Missetaten und ihrer Väter Missetaten miteinander, spricht der HERR, die auf den Bergen geräuchert und mich auf den Hügeln geschändet haben. Ja, ich will ihnen heimzahlen ihr früheres Tun. 8 So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun, dass ich nicht alles verderbe. 9 Ich will aus Jakob Nachkommen wachsen lassen und aus Juda Erben, die meine Berge besitzen; meine Auserwählten sollen sie besitzen, und meine Knechte sollen dort wohnen. 10 Und meinem Volk, das nach mir fragt, soll Scharon eine Weide für die Herde werden und das Tal Achor ein Lagerplatz für das Vieh.
Jesaja 65,1-10
Morgenlese
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! 8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 9 Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jesaja 52,7-10
Abendlese
Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder und Schwestern, dass Gott euch als Erstlinge erwählt hat zur Seligkeit in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch auch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt. 15 So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns. 16 Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.
Weiter, ihr Brüder und Schwestern, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir gerettet werden vor falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. 3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. 5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.
2. Thessalonicher 2,13-3,5
Bekenntnislese
Die Beichte ist durch die Prediger dieses Teils (der Evangelischen) nicht abgetan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, die nicht zuvor verhört und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolution zu achten[sei]. Denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der die Sünde vergibt. Denn sie wird au Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt; dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, als wenn Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns der Absolution fröhlich zu trösten und zu wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünde erlangen. Von diesen nötigen Stöcken haben vorzeiten die Prediger, die von der Beichte viel lehrten, nicht ein Wörtlein berührt, sondern allein die Gewissen mit langer Erzählung der Sünden, mit Genugtun. mit Ablaß, mit Wallfahrten und dergleichen gemartert. Und viele unserer Widersacher bekennen selbst, daß dieses Teils (bei uns) von rechter christlicher Buße schicklicher als zuvor in langer Zeit geschrieben und gehandelt sei.
Und es wird von der Beichte also gelehrt, daß man niemanden drängen soll, die Sünden namhaftig zu erzählen (namentlich aufzuzählen). Denn solches ist unmöglich, wie der Psalm 19, 13 spricht: »Wer kennet die Missetat?« Und Jeremias 17,9 sagt: »Des Menschen Herz ist so arg, daß man‘s nicht auslernen kann«. Die elende menschliche Natur steckt also tief in Sünden, daß sie dieselben nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolviert werden, die wir zählen können, wäre uns wenig geholfen. Deshalb ist es nicht nötig, die Leute zu drängen, die Sünde namentlich aufzuzählen. Also haben es auch die Väter gehalten, wie man findet in Dist. I. De poenitentia, wo die Worte des Chrysostomus angezogen (angeführt) werden: »Ich sage nicht, daß du dich selbst öffentlich dargeben noch bei einem andern dich selbst verklagen oder schuldig geben sollst, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege. Deshalb beichte Gott, dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet. Nicht sage deine Sünden mit der Zunge, sondern in deinem Gewissen«. Hier sieht man klar, daß Chrysostomus nicht zwingt, die Sünden namentlich aufzuzählen. So lehrt auch die Glosse zu dem [genannten] Dekret De poenitentia Dist. 5,1, daß die Beichte nicht durch die Schrift geboten, sondern durch die Kirche eingesetzt sei. Doch wird durch die Prediger dieses Teils (bei uns) fleißig gelehrt, daß die Beichte wegen der Absolution, welche das Hauptstück und das Vornehmste darin ist, zum Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursache willen, beizubehalten sei.
Tagesgebet im Advent.
Allmächtiger ewiger Gott, wir danken Dir, daß Du Deinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, der Welt zum Heiland gesandt hast.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: hilf, daß wir seiner Ankunft im Fleisch uns allezeit getrösten und zuversichtlich glauben, daß er auch uns zugut gekommen ist.
Gib, Du getreuer Gott, daß er durch sein Wort und Sakrament beständig zu uns komme und durch den Glauben in unsern Herzen wohne. Hilf uns auch, daß wir seinem letzten Kommen zum Gericht allzeit mit Wachen und Beten entgegenharren und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit.
Das bitten wir durch ihn unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert ein Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 355f.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
