Frohe Weihnachten +

In diesem Jahr 2023 schreibe ich von Zuhause in Murrayfield, obwohl Angelika und ich ja jetzt schon länger in der Lutherstadt heimisch sind und zwar in der Alten Lateinschule am Kirchplatz von St.Marien. Dort gehen wir unserer Arbeit nach. Angelika fast täglich mit dem Rad zur Evangelischen Gesamtschule und ich ebenso regelmäßig gleich vor Ort im hauseigenen kl. Buchladen der Internationalen Lutheran Society of Wittenberg. Bei schönem Wetter steht da unten die große Tür weit offen und gibt’s immer was zu gucken. Sonst ist mein Blick halt durchs Fenster über die angrenzenden Häuser hinweg zum meist strahlend blauen Himmel. Es kommt gewiß bald der herrliche Jüngstetag, an dem unser lieber Herr und guter Heiland Jesus Christus von dort kommen wird in aller seiner Güte, Gnade und Freundlichkeit uns vergebend zu erlösen und endlich mit sich heimzuführen, just so wie er damals vor ihren Augen gen Himmel fuhr. Darum beten wir täglich: Komm, Herr Jesu, komme bald!

Der familiäre Höhepunkt unseres Jahres war die Hochzeit unserer Tochter mit Olly in Kruft im Rheinland. Leider ist das doch beinah eine ganze Tagesreise von uns im tiefen Osten Deutschlands entfernt, so daß wir das junge Paar viel zu selten besuchen. Zum Glück kommt Friederike ab und zu mal rüber, daß wir uns mal wieder sehen können – und nicht nur via Zoom. Angelika war inzwischen auch schon bei ihr in München. Detlev aus Seattle und Matzi aus Pretoria waren zur Hochzeit dabei. Christoph aus Wurzen und dessen alter Freund Daniel und dessen Frau Elle aus München natürlich auch. So waren wir alle mal wieder beieinander im Haus am Turm dort in Andernach. Außerdem waren Friederikes Paten meist da. Sogar Benekes aus Welbedacht, Niebuhrs aus Lynnwood, Wenzens aus Oberursel und meine Tante Bärbel aus Bickenbach. Margret Büttcher konnte leider nicht kommen. Sonst waren wir eine schöne Truppe dort am deutschen Rhein. Wir hoffen, dass Uenzens ihr Haus bald bezugsfertig einrichten und beziehen können. Die aktuellen Umstände verzögern vieles. Daran hat sich auch seit des Rückgangs von Corona nicht viel geändert. Es bleibt spannend.

Wir freuen uns am afrikanischen Sommer, der vom vielen Regen oft verhangen und herrlich erholsam ist mit all dem Grün, Vogelsang und Wolkengang. Das ist fast schon wie unser Sommer in Norwegen, den wir an der Westküste so genossen haben. Das war wirklich sagenhaft. Fast noch schöner und beeindruckender als unsere Schwedenreise im Vorjahr. In Rubida gibts ja kaum „load shedding“, was gut in unseren Kram paßt. So konnte ich mit Matthias die Fußballweltmeisterschaft verfolgen und sogar einige Rugby highlights genießen. Meist aber sitze ich draußen auf unserer Veranda und freue mich an Wind und Wetter, Garten und Piepmätzen. Bruder Gerhard hat mir seinen bakkie geliehen und so komme ich ohne große Umstände rum.

Heute gings wieder mal zum „boere markt“. Das war über Jahre mein Samstagsmorgenausflug auf dem Weg Katrina abzuholen. Inzwischen kommt sie unter der Woche und wir hatten vorher unsere Einkäufe erledigt. Heute wollte ich Tony Parreira (Cullinan) besuchen. Er ist der typisch katholische Portugiese, der Gemüse verkauft und auch dieses und jenes zu erzählen wußte. Nicht nur aus seiner Heimat Madera, sondern eben auch hier aus Land und Volk, das ja wie wir Deutsche immer so ein bisschen nebenbei wohnen. Damals als wir nach Pretoria kamen, lebten seine Eltern noch und hatten auch den Familienladen im Griff. Dann starb der Vater und die Mutter blieb zuhause, so daß ich nur noch mit Toni ins Gespräch kam. Heute erfuhr ich, dass er auch aufgehört hat. Es hatte sich nicht mehr gelohnt. Ich vermisse ihn. Als ich 2018 nach Deutschland gezogen war, hat er Angelika eine Kiste Weintrauben gebracht. Scheinbar vermisste er mich auch. Naja, ich habe für Matzi „Kudu Biltong“ gekauft. Angelika bekam „coffee creams“ und beim Inder habe ich ein frisches Curry-Mix abgeholt als Mitbringsel für unsere Freunde in der „alten Heimat“, die ja unsere neue ist. Ich habe mich an den vertrauten Gesichtern gefreut, aber auch an den Bäumen, die dort hoch gewachsen und tiefen Schatten spenden. Dann gibt es dort jetzt richtig viele Hühner, Ziegen, Schafe und sogar Schweine. Die angeleinten Hunde bleiben eine große Attraktion und sorgen auch immer noch für Aufregung mit großem Gekläff. Da kommt dann auch Radio Pretoria kaum gegen an mit ihrer stimmungsvollen „boere musiek“. Die „arm blankes“ sind auch noch die gleichen. Kein Wunder, wenn ich ihnen immer noch das gewohnte Trinkgeld gebe und nicht die Inflation, die gestiegenen Lebensunkosten und andere Widrigkeiten miteinkalkuliere.  

Über die Weihnachtszeit werden wir wohl in Arcadia und Randburg zur Kirche fahren. Anschließend geht es zu Scharlachs in den Nataler Midlands. Matzi und ich wollen in die Berge. Im neuen Jahr sind wir mit Niebuhrs in Lesotho ehe Angelika wieder zurückfliegt und ich hier noch die Hochzeit von meinem Patenjungen Robert mit Sandra Hillermann erleben will. Matzi wird mich hoffentlich zum Flugplatz bringen ehe ich dann auch zurückfliege.

Mal sehen, ob wir im kommenden Jahr wieder eine Reise durch’s Lutherland anbieten. Wenn Gott will und wir leben, wird’s wahrscheinlich spätestens in 2024 wieder soweit. Die Reise im heurigen Oktober und zum vergangenen Reformationsfest mit President Matthew Harrison (LCMS) war tief beeindruckend und unvergeßlich. Wir haben nicht nur die vielen Lutherstätte wie Worms, Heidelberg, Marburg, Nürnberg, Wartburg, Eisenach, Erfurt, Mansfeld, Eisleben, Leipzig, Jena, Torgau und Wittenberg bestaunt, sondern auch die lutherische Reisegruppe aus Missouri hoch schätzen gelernt. Gemeinsame Andachten, Gottesdienste, Vorträge, Ausflüge, Filme und Feiern haben diese Fahrt geprägt. Das Reformationsfest in Wittenberg in unserer Kapelle war von bekenntnisfreudiger Predigt, vertrauensvollen Klagen und Lobgesängen, Gebeten und Gottes Wort geprägt. Ich habe wieder mal neue lutherischen Glaubensgeschwister aus den Staaten kennen- und wertschätzen lernen dürfen. Sie sind ein besonderer Schlag und eine große Bereicherung für uns armen Christen in der Diaspora und weltweiten Zerstreuung. Ich danke unserem Gott und Heiland täglich für diese Glaubensgeschwister, die sich unserer so freundlich annehmen, dass wir auch in der Fremde gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen haben – ohn all mein eigen Verdienst und Würdigkeit ganz allein aus seiner göttlichen Güte und Barmherzigkeit. Das alles ich Ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Das ist praktisch der Grund auf dem auch die Alte Lateinschule in Wittenberg gegründet ist und weswegen wir ukrainischen Flüchtlingen eine Herberge anbieten können, wo sie in Frieden den Kriegesverlauf in ihrer Heimat aushalten können – einigermaßen unbehelligt und ohne weitere Existenzängste. Vorerst war ihnen dieser sichere Ort für ein Jahr zugestanden worden. Inzwischen gilt es ein weiteres Jahr. Hoffentlich kommt bald Friede zurück in ihr Land und werden die kriegslustigen Russen zurückgetrieben, dorthin, wohin sie gehören – und noch ein bisschen weiter „for good measure“. Wer diese Arbeit unterstützen will, kann das gut und gerne tun. Die Bankverbindung ist in unserem monatlichen Rundbrief zu finden.

Wir sind dankbar, dass wir immer wieder zu Euch Freunden und Verwandten Kontakt knüpfen können. Zu manchen auch nur durch dieses kurze briefliche Lebenszeichen einmal im langen Jahr. Meistens würden wir uns noch mehr Zeit und Muße wünschen, Euch länger aufzusuchen und ausführlich besuchen zu können. Darum sind wir so dankbar, dass wir unsere Mütter in Welbedacht und Wartburg (KZN) in diesem Jahr gleich zweimal besuchen konnten. O.Gerhard in Vryheid und T.Maisa in Piet Retief, aber auch meinen alten Freund Matthias und seine Christa in Panbult, Ralf und Rosel in Lynnwoodrif, Schnackenbergs in Randburg und Straeulis in Silverton konnten wir alle schon wenigstens stundenweise besuchen. Wie schön und wie groß das Vorrecht, aber bei den anderen gilt: Hoffentlich im nächsten Jahr – und wenn nicht in Wittenberg, dann im himmlischen Jerusalem, der hoch gebauten Stadt: „Wollt Gott, ich wäre in Dir!“

Wir wünschen Euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes, friedliches neues Jahr 2023. Bleibt unserem lieben Gott befohlen + Adieu + Tschüss und lebt wohl +

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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