Vater Wilhelms Rundbrief

Wenn man Glied einer großen Verwandtschaft ist und eine große Familie hat, hat man was zu erzählen. Heute feiern in Potsdam Ines und Thomas Pontow Hochzeit in einem poschen Hotel. Morgen feiern Schützes in Hamburg die Konfirmation ihrer Charlotte, ihrer Jüngsten. Deshalb hatten sie die Einladung zur heutigen Hochzeit nicht angenommen. 2011 konnten wir Benjamins Konfirmation in Farven noch miterleben. Renate ist die Patentante von Benjamin. Mit ihrem Hans nahmen sie uns damals mit nach Deutschland. Fünf Jahre sind das schon her.
Wilhelm freute sich heute, dass er sein Visum bekommen hat. Ich staune immer wieder, wie die Deutschstämmigen in Afrika in Deutschland wie alle anderen Südafrikaner behandelt werden und genau so wie andere überprüft werden und für Visa bezahlen müssen. Das gilt ebenso für die Englischstämmigen aus allen Afrikaländern in England, und die Belgischstämmigen in Belgien. Glücklicherweise haben wir weißen Afrikaner noch in allen europäischen “Heimatländern” meist noch gute verwandtschaftliche Beziehungen dorthin, dass die Verwandten ihre “Afrikaner” noch gern zu Besuch empfangen und gern in Afrika besuchen. Die Verwandten im europäischen Heimatland wissen es von Fotografien, dass ihre afrikanischen Verwandten nicht schwarz sind. Als wir vier Weberkinder 1939 mit unserer Mutter ihre Eltern besuchten, hat so mancher in der Nachbarschaft der Großeltern sich gewundert und sogar gesagt: “Dei sai jo gor nit schwotz.” Noch im Jahr 1957 hat sich mancher über die Haare von Vater Mokone, der als erster Motswana die Mutterkirche besuchte, gewundert.
Heute will ich noch von einem anderen Einsatz von Ruth berichten. Wöchentlich gibt sie auf einer Nachbarfarm Schülern Englischunterricht und nimmt einige Schüler der Arbeiter hier auf Welbedacht mit. Die Lehrerinnen in den Schulen hier in der Nachbarschaft können selber kaum richtig Englisch und dementsprechend leidet der Englischunterricht in den Schulen. Da muss Ruth ganz von vorn anfangen, dass für manche von den Schülern in 5. oder 6. Klasse sogar die Bücher für Anfänger schon zu schwer sind.
Als ich vom Einsatz von Missionarstöchtern das vorige Mal schrieb, habe ich den Einsatz von unserer Anne nicht erwähnt. Sie ist zur Rendantin der Bleckmarer Mission gewählt worden.
Nachdem ich vom Einsatz der Missiontöchter geschrieben hatte, bin ich gerade in meiner Übersetzungsarbeit daran erinnert worden, wie der Herr die falschen Propheten und falschen Christen beurteilt hat, die sich auf ihren Einsatz im Namen Jesu  oder ihre Beteiligung an der Gemeinschaft mit ihm beriefen. (Math. 7 und Lk 13) Die hat er nicht nur nicht gelobt. Er hat sie sogar mit dem Urteil aus Psalm 6 weggeschickt, dass er sie nicht kenne und dass sie Übertäter seien.
Als Karin und ich über dieses erschreckende Urteil sprachen, dachten wir daran, wie Lutheraner oft Sekten mit ihrem fleißigen Einsatz bewundern, die ihre “Erfolge” als “Lockaas” auswerfen, dass Leute ihre Gemeinden verlassen und sich ihnen anschließen. Der Herr hielt sie für Übeltäter.
Ein weitere Aussage unseres Herrn, wenn sogar seine Jünger sich freuten, dass ihnen die bösen Geister untertan waren. Der Herr sagte ihnen: “Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.” Der Herr spricht ein noch deutlicheres Urteil über das, was wir tun. Er sagt: “Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt. Was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan was wir zu tun schuldig waren.” Das Urteil gilt, wenn wir auch alles getan hätten, was uns befohlen ist. Es ist nicht alles getan, und Paulus sagt, dass wir es nicht einmal können, R 8:7. Trotzdem spricht Paulus von dem, was er getan hatte, sogar dass er “viel mehr gearbeitet hat, als sie alle.” Die viele Arbeit schreibt er nicht auf sein Konto. Er schreibt weiter: “nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist,” 1 K 15:10. Der Herr schenke uns allen, dass wir es ihm nachsprechen können: “Durch Gottes Gnade bin ich was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.” Vor allem bekennen und glauben wir, dass der Herr uns täglich mit aller Notdurft und Nahrung reichlich versorgt, und uns täglich mit allen Gläubigen reichlich alle unsere Sünden vergibt, uns durch den Glauben an ihn seine Gerechtigkeit aus Gnaden anrechnet und uns das ewige Leben verheißen hat.
Das wollte ich doch noch zu dem, was ich vom Einsatz der Missionarstöchter geschrieben hatte, erwähnen. Bei ihnen ging es um den unbezahlten Einsatz, wie auch bei einem Sohn und drei Schwiegersöhnen, die sich als Kirchenvorsteher in verschiedenen Gemeinden, als Aufseher bei der Arbeit auf der Gemeindefarm, oder als Bauunternehmer bei Reperaturen an Kirchen und anderen Gebäuden einsetzen. Zwei Schwiegersöhne und drei Söhne werden für ihren Einsatz, wie ihr Vater, bzw. Schwiegervater als Emeritus, von Kirche oder Mission versorgt.
Mit herzlichen Grüßen
Euer Wilhelm Weber aus Welbedacht

About Wilhelm Weber jr

Rector of the Lutheran Theological Seminary in Tshwane
This entry was posted in Family and friends, Rundbrief, Uncategorized, Vater Wihelms Rundbrief and tagged , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s