Gedankensplitter: Hoch lebe der Unterschied

crucified IXDer Sonntag Judika ist der eigentliche Passions Sonntag in der Passionszeit. Da beherrscht das Thema „Passion“ den Gottesdienst, obwohl sonst an den weiteren 5 Sonntagen in der Passionszeit der Osterglanz hervorbricht und durchleuchtet. Darum ist es eine gute Praxis die Passionsandachten unter der Woche zu halten, um ganz betont die Passions- und Leidensgeschichte unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi zu betrachten, zu bedenken und in Gebet und Andacht zu begehen. Wann sonst sollte der tiefe Reichtum dieser zentralen Heilsgeschichte wenigstens ansatzweise dargelegt werden, wenn nicht in dieser man bloß 6 wöchigen Fastenzeit? Wann sonst könnten wir als Gemeinde den Segen der Breite und Tiefe der aussagekräftigen Passionsliedern ausschöpfen? Schließlich ist dieser Osterkreis mit Leiden- und folgender Freudenzeit der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens und der christlichen Hoffnung. Beides – Leiden & Auferstehn – gehört wesentlich dazu, ja ist Kern und Stern der Kirche und Christenheit. Wenn eins unterbelichtet wird oder gar wegfällt, erleidet das Bild Schlagseite und verliert Kurs. Es ist wie die alles entscheidende Unterscheidung und fein zu balancierende Handhabung von den beiden Sprechweisen Gottes in Forderung und Zusage, Gesetz und Evangelium. Wenn nur noch ein Wort übrig bleibt, fällt nicht nur der Zorn und Grimm, sondern auch Trost und Freude hin. Es wird ein Einheitsbrei dort wo jahrein jahraus Lob- und Dankfeiern gehalten werden (Praise services  & „Alle volke loof die Here“), dass im schlimmsten Fall am Karfreitag über Naboths Weinberg gepredigt oder an einer Beerdigung vom Haushalt der Kirche und den administrativen Aufgaben in Gemeinde und Mission. Da verliert der Gottesdienst nicht nur an Tiefe und Bandbreite, vielmehr kehrt da dann sehr schnell enthusiastische Hyperventilation ein oder einfach Langeweile. Grauer Alltag. Trübes Einerlei. Wie das generell beim Weichspülen mit politisch korrekter Rede geschieht – keine Kraftausdrücke, keine Unterscheidung von Gut und Böse, Mann und Frau, Schwarz und Weiss. Es wird Nacht und dann sind sowieso alle Katzen grau. Deswegen streichen dann die biederen Sittenwächter selbst biblische Verse wie den aus dem Lätare Introitus: „Freuet euch mit ihr alle, die Ihr über sie traurig gewesen seid, denn dafür sollt ihr saugen und satt werden von den Brüsten ihres Trostes…“  Noch dramatischer wird es wenn sakramentale Liedverse dieser wütigen Zensur zum Opfer fallen: „Du marterst ihn am Kreuzesstamm mit Nägeln und mit Spießen, du schlachtest ihn als wie ein Lamm, machst Herz und Adern fließen, das Herze mit der Seufzer Kraft, die Adern mit dem edlen Saft des purpurroten Blutes. O süßes Lamm, was soll ich Dir erweisen dafür, dass Du mir erweisest so viel Gutes?“ Kein Wunder hat man dann Probleme mit Isaaks Opferung und selbst Christi Kreuzestod.

About Wilhelm Weber jr

Rector of the Lutheran Theological Seminary in Tshwane
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