Auszug aus Vater Wilhelms Rundbrief

41fIUx68L1LÜber zwei kürzlich gelesene Warnungen habe ich mich sehr gefreut.
Da schrieb einer davon, dass das gut gemeinte Lob der “bedingungslosen” Gnade irreführend sei, dass sie weder charismatisch an bestimmte Forderungen angebunden noch antinomistisch ausgenutzt werden dürfe, als ob die bedingungslose Gnade, bzw. bedingungslose Liebe auch ein Freibrief sei für ein Leben und Lehren ohne Bindung an Gottes Gesetz und Evangelium. Dazu wurde betont, dass die Gnade und die Liebe Gottes und damit der Grund für die Vergebung aus Gnade und Liebe nicht ohne den Sühne- und Kreuzestod Christi und seine leibliche Auferstehung am dritten Tag und die Bindung ans geschriebene Wort Gottes zu denken und zu verstehen sei.
Die andere Warnung vor dem Missbrauch der Grundsätze von Nida, die Bibel so zu übersetzen, dass sie auch vom Menschen in einem ganz anderen Volk oder in der neuen Zeit verstanden werden kann. Diese Grundsätze dürften nicht dazu genutzt werden, dass durch die Übersetzung  die fragwürdigen Überzeugungen der Übersetzer gegen die urspüngliche Aussage in Griechisch bzw. Hebräisch untergebracht werden. Wörtlich heißt es zu dieser zweiten Warnung in einer Rezension zu dem Buch von Stefan Felmer: Kommunikative Bibelübersetzung: Eugen A. Nida … in der EM 3/14, p. 163: “… Somit reihen sich diese Bibelübersetzungen in eine ‘Tendenz zur Säkularisierung der Sprache’. Laut Felmer herrscht inzwischen ein großer Konsens, dass ‘zwischen Oberflächen und Tiefenstrukturen nicht sinnneutral transformiert werden kann … , d. h. ‘passive Konstruktionen sind nicht neutral auf aktive zurückführbar.’ Transformationen fügen Sinn hinzu, ändern, oder lassen Sinn weg.’” So konnte das schon beim ersten Erscheinen der “Good News for modern man” beobachtet werden, wenigstens bei denen, die die Bibelübersetzung Luthers liebten und von den Ursprachen her dachten.
Die erste Warnung las ich im ersten Band von Bernhard Rothen: “Die Klarheit der Schrift. Martin Luther: Die wiederentdeckten Grundlagen” auf Seite 238-9: “Luther hat die Gnade an das Wort gebunden gesehen, an das Wort allein: ‘Es will dich Christus nirgends anbinden denn an seinen Mund und sein Wort, er will  dich nicht lassen fladdern.’ Damit geht Luther in seiner Verkündigung den Weg zwischen einer ‘gesetzlich verteuerten’ und einer bedeutungslos ‘billigen’ Gnade hindruch. Es ist zumindest irreführend, von einer ‘bedingungslosen’ Gnade zu reden. Die Gnade ist äußerlich bedingt und begründet und nimmt den Menschen in diese ihre Bedingungen hinein: Das Wort, …, ist die Bedingung der Gnade (ohne das Wort wird sie ja nirgends deutlich faßbar), … Sonst könnte der Mensch … entsprechend leben, ohne von der wirklichen, irdisch im Opfer Christi begründeten Gnade gebunden und verändert zu werden. Die Gnade ist für Luther selbstverständlich bedingt durch Christi Werk und ist ohne Bindung an dieses Werk nicht zu haben. …”
Im zweiten Band in seiner Kritik an Karl Barth sagt Rothen deutliche Worte “zum wortreichen Plädoyer für ‘die frei erbarmende Liebensmacht’ des Geistes” Karl Barths ohne die Bindung an das geschriebene Wort und die Geschichte von Jesu Menschwerdung, Tod und leiblicher Auferstehung. Ihr könnt sicher meine Freude und Dankbarkeit nachempfinden für die Begegnung mit solchen Veröffentlichungen anlässslich von Besuchen bei Söhnen, bzw. Schwiegersöhnen im Amt der Kirche, oder auch durch E-Mailbotschaften, die interessante Veröffentlichungen anzeigen, z. B. die Übersetzung in Deutsch von dem Buch von John T. Pless: Handling the Word of Truth: Law and Gospel in the Church Today. CPH, 2004, von Christoph Barnbrock. Hoffentlich findet auch diese Übersetzung viele Leser, und manchen, der es für die eigene Arbeit in Predigt, Unterricht und Seelsorge in Kirche und Mission beherzigt. Es wäre Grund zur Freude und Dankbarkeit, wenn das Buch von C. F. W. Walther: Die rechte Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, nach so vielen Jahren wieder neu und effektiv in der heutigen theologischen Auseinandersetzung zum Tragen käme, echte lutherische Unterscheidungskunst zu lernen und anzuwenden.

About Wilhelm Weber jr

Rector of the Lutheran Theological Seminary in Tshwane
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