Geburtstag von Bischof Georg Schulz * 1928

GSchulz (2)Nachruf auf Bischof i. R. Georg Schulz
Ein Mittler im Dienst des einen Mittlers

Georg Schulz wurde am 24. September 1928 in Tilsit (Ostpreußen) geboren. Nach Flakhelfer-Einsatz, Kriegsgefangenschaft und Flucht wies ihn sein Pastor Werner Schwinge (inzwischen in Hamburg) an das Missionsseminar in Bleckmar (heute: Lutherische Kirchenmission). Dort begann er am 20. Mai 1948 seine siebenjährige Ausbildung zum Missionar, die auch Studienaufenthalte in Oberursel und Hamburg einschloss. Nachdem er am 3. August 1955 das Erste Theologische Examen bestanden hatte, wurde er am 23. Oktober in Bleckmar zum Missionsdienst in Südafrika abgeordnet. Am 20. Dezember traf er mit dem Schiff in Durban ein.

Während seiner Einarbeitungs- und Vikarszeit lernte er Zulu auf Salem bei Superintendent Christoph Johannes und in Pella bei Pastor Absalom Sibiya, begleitete Missionsinspektor Friedrich Wilhelm Hopf auf dessen erster Visitationsreise und ließ sich in Enhlanhleni durch Missionar Gottfried Stallmann in die Missionsarbeit einführen.
Seine Verlobte Elisabeth Heidt folgte ihm im Mai 1957 nach Südafrika; sie heirateten am
1. Oktober 1957 in Wittenberg (Transvaal). Dem Ehepaar wurden fünf Kinder geschenkt: Martin (1958), Ulrike (1960), Detlev (1962), Eckart (1964) und Angelika (1971). Nach seinem Amtsexamen wurde Georg Schulz am 20. April 1958 im südafrikanischen Wittenberg ordiniert und zunächst auf Salem im Gemeindedienst eingesetzt.
Schon 1961 wurde er als theologischer Lehrer an das Seminar in Enhlanhleni/Natal berufen, wo er vor allem die Fächer Neues Testament und Kirchengeschichte unterrichtete und dann eine ganze Generation heranwachsender afrikanischer Pastoren prägte. Zugleich baute er in den ersten Jahren eine Gemeinde im benachbarten Tholeni auf.
Noch im Jahr 1961 wurde er zusätzlich zum Missionssuperintendenten ernannt und in
dieses kirchenleitende Amt 1962 eingeführt; er verwaltete es, bis er 1986 davon entlastet
wurde. 1963 trat er mit seiner Familie seinen ersten Deutschlandaufenthalt an, dem 1972,
1980 und 1990 weitere folgten.  Als sich 1967 die „Lutherische Kirche im Südlichen Afrika“ konstituierte, wurde er am 2. April als deren Bischof berufen und zu weiteren Amtszeiten 1973 und 1985 erneut gewählt. Die neuen kirchlichen Strukturen mussten mit Leben erfüllt, Verwaltungsstrukturen neu aufgebaut werden. Äußeres Wachstum im angestammten Bereich und nach Botswana hinüber, Umsiedlungen von Gemeinden und tief greifende Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erforderten stets ein hohes Maß an umsichtigem Geschick und bedachter Kreativität. Seit 1980 entwickelte Georg Schulz eine Zusammenarbeit mit der Lutheran Church-Missouri Synod entscheidend mit. 1981 verlieh ihm das Concordia Theological Seminary in Fort Wayne den Ehrendoktor der Theologie (D. D.).

Anfang 1983 erlitt er einen Herzinfarkt, von dem er sich gut wieder erholte, aber doch
gezeichnet blieb von den Grenzen seiner Belastbarkeit. Am 2. Advent 1993 führte er dann im Rahmen einer Synode, die in Roodepoort tagte, seinen Nachfolger, Bischof David Tswaedi, in sein Amt ein und wurde selbst mit Verleihung eines Emeritenkreuzes in den Ruhestand verabschiedet. Den verlebte er in Hermannsburg, der Heimat seiner Frau. Von hier aus pflegten sie durch Besuchsreisen den Kontakt innerhalb ihrer inzwischen über die Kontinente verstreuten Familie. Am 1. April 2004 wurde Georg Schulz nach schwerer Krankheit heimgerufen.

Georg Schulz war ein Mittler im Dienst des einen Mittlers. Er stand an der Nahtstelle zwischen den die Mission tragenden Gemeinden und der Missionsleitung in Deutschland und der Mitarbeiterschaft und den Gemeinden in Afrika. Als Bischof hielt er die  Verbindung zwischen den unterschiedlichen Regionen seiner Kirche und förderte ihr Zusammenwachsen und ihre Gemeinschaft. Als theologischer Lehrer vermittelte er das biblische Fundament und die kirchliche Tradition an eine jüngere Generation in einer andern kulturellen und religiösen Umwelt.  Als weißer Bischof einer schwarzen Kirche
legte er ein Zeugnis für die alle menschlichen Unterschiede übergreifende Herrschaft
Christi ab, litt zu seinem Teil an der Apartheid mit und suchte in vielerlei Spannungen den
Ausgleich.  Als Bischof einer schwarzen lutherischen Kirche im südlichen Afrika bemühte er sich um einen gut nachbarlichen Ausgleich mit der weißen Freien Evangelisch-Lutherischen Synode in Südafrika und eine verständnisvolle Zusammenarbeit mit ihr. Als Seelsorger der Pastoren und der Mitarbeiter der Kirche setzte er sich auch in persönlichen Krisen als Mittler ein. Ebenso warb er um Verständnis für den eigenen kirchlichen Weg auch in Kontakten zu anderen Kirchen. Die zeitgeschichtlichen Entwicklungen verfolgte er mit großer Aufmerksamkeit und trug viel dazu bei, sie theologisch zu analysieren
und auf rechte christliche Weise darauf zu reagieren. All dies erforderte nicht nur Belesenheit, viel Arbeit am Schreibtisch, darunter ein reger und intensiver Briefwechsel mit dem jeweiligen Missionsdirektor, und Unterricht am Seminar, sondern auch ein ständiges Unterwegssein auf Reisen innerhalb des südlichen Afrikas und nach Europa und Amerika mit einer Unzahl von Vorträgen, Gesprächen und Predigten.

In einer Fülle von Beiträgen zum Missionsblatt leitete er zu einem vertieften Verständnis des sich wandelnden Missionsgeschehens und der an ihm beteiligten Personen an, wie auch durch seine Aufsätze in den Jubiläumsschriften der Bleckmarer Mission (1967: Der Weg zur Kirchwerdung; 1992: Das geistliche Amt nach lutherischem Verständnis in der missionarischen Situation). Diesen seinen vielfältigen Mittlerdienst verstand Georg Schulz nicht als seine eigene Lebensleistung, sondern ganz bewusst als das ihm von Christus durch die Kirche aufgetragene Amt.  Und so hat Christus selbst der  ekenntnisgebundenen lutherischen Kirche weit über das südliche Afrika hinaus durch das Lebenswerk dieses seines Dieners seine segensreiche Begleitung auf ihrem Weg durch diese Zeiten zugewandt.

Volker Stolle in “Gehet Hin”: Missionsblatt 3 (2004) 26-27

 

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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