Sterben mit dem ARD – Kommentar von Henryk M. Broder

And you thought, they only critique boring sermons? Now way! Read this and consider how “outsiders” hear your tunes, messages and twits. I find Broder amusing and provocative at the same time. Read here what he’s got to say:

“In der „Todesfuge“ von Paul Celan findet sich der Satz „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Wie Recht der Dichter mit dieser Feststellung hatte, kann man in diesen Tagen erleben, wenn man das „Erste“ anmacht.

Da läuft die Themenwoche „Leben mit dem Tod“, die sich an den typischen ARD-Zuschauer richtet: einen Mann oder eine Frau zwischen 60 und 65, kurz vor oder nach der Verrentung, der/die sich nun auf das Unvermeidliche innerlich einstimmt. Und so wie sein/ihr Leben geregelt verlief, muss auch das Finale geregelt werden.

„Wie will ich sterben? Welche Beerdigung wünsche ich mir? Wer sich offen mit dem Tod beschäftigt, erleichtert nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen in seinem Umfeld den Abschied.“

Nun trägt die ARD ohnehin dem Umstand Rechnung, dass viele ihrer Zuschauer sich bereits in der pre-mortalen Phase befinden. Die diversen „Feste der Volksmusik“ mit Florian Silbereisen zum Beispiel erträgt nur, wer mit dem Leben weitgehend abgeschlossen hat. Die allabendlichen Talkshows sind so aufregend wie eine Weihnachtsfeier in einem Bestattungsunternehmen.

Erschienen in der Weltwoche vom 22.11.12
Insofern passt die Themenwoche „Leben mit dem Tod“ gut ins Gesamtprogramm. Trotzdem muss man sich fragen, ob es denn noch irgendeinen Bereich gibt, in den das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht erzieherisch eingreifen würde. Es rührt die Trommel für Organspenden und Krebsvorsorge, es klärt über die Gefahren des Tabak-und Alkoholkonsums auf, es nimmt sich der allein erziehenden Mütter an, jetzt greift es ein Thema auf, das angeblich „tabubehaftet“ ist, um dazu beizutragen, „Sprachlosigkeit zu überwinden“: den Tod. Aber der ist so wenig ein Tabu wie das Liebesleben von Heidi Klum. Und was die „Sprachlosigkeit“ angeht: viele Deutsche lesen nur deswegen eine Tageszeitung, um über die Todesfälle in ihrem Bekanntenkreis auf dem Laufenden zu bleiben.

Was aber, wenn einer vom Tod überrascht werden möchte, so wie es vor der Erfindung des Fernsehens der Fall war? Ja, dann hat er eben Pech gehabt. Mit der Zwangsgebühr kommt auch der Todesengel ins Haus.”

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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