Auszug aus Papa Webers Rundbrief zu Ostern:

Rev. Ernst Alfred Wilhelm Weber DDZunächst einmal, wie ein Missionar i. R. Gründonnerstag und Karfreitag erlebte. Nach dem Gottesdienst am Gründonnerstag und dem anschließenden Abenbrot bei Benekes mit der Freude an der Verlobung im Beisein einiger Freunde von Eckart  aus der Nachbarschaft, habe ich mir, wie in vergangenen Jahren seit es ihn gibt, den Film von Gibson angeschaut. Das hat der Heiland alles für uns durchgemacht! Und es war noch viel schlimmer, als Menschen sich die Qual und Pein vorstellen und abbilden können. “O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt!” “Wie heftig unsre Sünden den frommen Gott entzünden, wie Rach und Eifer gehn, wie grausam seine Ruten, wie zornig seine Fluten, will ich aus diesem Leiden sehn.” ”Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit.” Die Johannespassion von J. S. Bach erlebten wir Karfreitag Nachmittag, und jetzt am Karsamstag schreibe ich diesen Brief.

Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, das ganze Kirchenjahr reicht ja nicht aus, all das, was der Heiland für uns getan hat, zu erzählen. Es muss sonntäglich, zu Hause täglich davon die Rede sein. Dann muss man beobachten, dass die gute Zeit so oft gar nicht genutzt wird, die Heilstaten unseres Heilandes zu nennen, nicht einmal es den Propheten nachzumachen, die alle mit einander es bezeugten und aufgeschrieben haben, dass alle, die an Jesus Christus glauben, Vergebung der Sünden haben durch den Glauben an ihn, dadurch, dass sie im Namen des dreieinigen Gottes getauft sind, seinen Leib essen und sein Blut trinken, das vergossen ist zur Vergebung der Sünden. Da hält man die Aufforderung zur Nachfolge als getaufte Kinder Gottes aufgrund der vierten Tauffrage im Katechismus für wichtiger und nötiger als die ständige  Erinnerung daran, was die Taufe ist und welchen Nutzen sie bringt und warum das Taufwasser solch große Dinge tut. Auch werden viele Worte darum gemacht, was wir alles bedenken und unternehmen sollen zur Vorbereitung auf den Abendmahlsgang, ohne auch nur ein Wort zu verlieren, dass der Herr uns mit dem Empfang seines Leibes und Blutes unsere Sünden vergibt. Sein Nutzen ist und bleibt auch nach empfangener Absolution in der Beichte die durch Leib und Blut Christi geschenkte und zugesagte Vergebung unserer Sünde. Wer meint, rein zu sein und sich nur an der Gemeinschaft mit dem Heiland und den anderen Kommunikanten zu freuen, bleibe lieber davon.  Auch dieses Geheimnis des Reiches Gottes ist uns im Evangelium offenbart, dass man sich das Abendmahl zum Gericht nehmen kann. Das Geheimnis des Reiches Gottes ist uns gegeben. Mit dem Erscheinen des Sohnes Gottes in dieser Welt ist sein Reich herbeigekommen. Der Menschensohn kam zu dienen und sein Leben als Lösegeld für die vielen Völker in Leiden und Tod dahinzugeben, gerade auch im Abendmahl bindet er die Schürze vor und reinigt uns mit seinem Blut von unseren Sünden.  Sein Evangelium soll aller Kreatur verkündigt werden. Wer es glaubt und getauft wird, wird gerettet. Er gibt seinen Leib im Brot und sein Blut im Wein zur Vergebung der Sünden. Er stirbt am Kreuz zur Bezahlung all unserer Schuld. Unterm Kreuz bekennt der Hauptmann: Wahrlich dieser Mensch ist Gottes Sohn.  Am dritten Tag wird er vom Tod erweckt um unserer Gerechtigkeit willen, und viele Zeugen sehen den leibhaftig Auferstandenen. Und so viele glauben diese Heilstatsachen nicht. Sie deuten sie in Gleichnisse um. Sie machen sie zu einer bloßen Aufforderung, nun auch in einem neuen Leben zu wandeln, oder gern auch einmal unschuldig Leiden, Spott, Hohn  hinzunehmen, lieb und freundlich dabei zu bleiben. Das ist ja alles gut und schön, aber das trifft nicht den wahren Kern und die wahre Bedeutung von Christi Tod und Auferstehung, die Gott der Herr uns im Evangelium, in der heiligen Schrift offenbart hat. Ebenso erschreckend ist, dass gerade auch die Sakramente, Taufe und Abendmahl zu symbolischen Handlungen umgedeutet werden. Der die im Evangelium offenbarten Heilstaten zu Gleichnissen umdeutet, sollte immer auch bedenken, wem Dinge in Gleichnissen gesagt werden. Es sind die draußen.

In diesen Tagen habe ich die Festeburgandachten für zwei Tage am Ende des Kirchenjahres 2013 konzipiert. Da ist mir dieser Zusammenhang noch einmal so richtig klar geworden aufgrund von Markus 4, 11-12, also schon gleich am Anfang der irdischen Tätigkeit unseres Heilandes heißt es: Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen, damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen. Schrecklich ist mir der Gedanke: Wer die Heilstaten in Gleichnisse umdeutet, bleibt draußen.  Der Herr schenke uns allen immer wieder zu erkennen, wie nötig wir die uns offenbarten Geheimnisse des Reiches Gottes haben, die Heilstaten, die Wahrheit, die er uns zu unserer Rettung durch die Vergebung unserer Sünden um Christi willen  im Evangelium offenbart und zusagt und in den Sakramenten persönlich schenkt. Dazu schenke er uns auch die offenen Ohren für sein Gesetz und seine Gebote, die uns diese Notwendigkeit immer wieder groß machen. Als Zeichen, dass wir Lutheraner die im Evangelium offenbarten Heilstaten auch heute noch ganz ernst nehmen und mit großer Freudigkeit verkündigen, hänge ich als Datei eine Gründonnerstagspredigt eines Amtsbruders an, die mir ganz besondere Freude gemacht hat. Mit den dort angesprochenen Nöten und Anfechtungen können sich alle Diener des Herrn identifizieren, gerade auch die, die gerne in seinem Dienst stehen und nach seinem Willen leben wollen.

Nun schreibe ich nach einem schönen Ostergottesdienst, in dem die Vergebung aufgrund des Ostersieges unseres Heilandes über Sünde, Tod und Teufel zum Tragen kam noch einige Beobachtungen, die ich nicht unerwähnt lassen will und womöglich nach der Reise unerwähnt bleiben würden aufgrund all dessen, was wir in den paar Wochen in Deutschland und Amerika erleben werden. Ich freue mich auf den zweiten Teil des Jesus Buches von Josef Ratzinger. Es wurde von einem deutschen Bischof sehr interessant kommentiert in der Tagespost. Es ist auch erfreulich, wie er zur Überwindung der Krise in der Kirche das Studium der heiligen Schrift und vor allem der Evangelien empfiehlt. Aus einigen seiner Ansprachen über Heilige in der Tagespost musste ich an Prof. Oeschs: “Rom bleibt Rom” denken, und an die Antwort eines Theologen, der seinen katholischen Fürsten zum Augsburger Reichtag begleitete. Leider erinnere ich mich nicht, wer dieser Fürst und sein Theologe waren. Der Fürst habe seinen Theologen nach der Verlesung der CA gefragt, ob er das lutherische Bekenntnis widerlegen könne. Seine Antwort: Nicht aus der Schrift, aber aus den Vätern. Darauf der Fürst: Dann sitzen die Lutherischen in der Schrift und wir daneben.

Der Papst lobt  den heiligen Laurentius von Brindisi wie folgt: “Als in der Heiligen Schrift und in den Kirchenvätern versierter Theologe vermochte er die katholische Lehre auf beispielhafte Weise auch den Christen zu erläutern, die sich – vor allem in Deutschland – der Reformatoren angeschlossen hatten. Mit seiner ruhigen und klaren Darlegung zeigte er die biblische und patristische Grundlage aller Glaubensartikel auf, die Martin Luther in Frage gestellt hatte. Unter ihnen der Primat des heiligen Petrus und seiner Nachfolger, der göttliche Ursprung des Episkopats, die Rechfertigung als innere Verwandlung des Menschen, die Notwendigkeit guter Werke für das Heil. … Außerdem stellt er als bedeutender Mariologe und Verfasser einer Predigtsammlung über die Muttergottes mit dem Titel ‘Mariale’ die einzigartige Rolle der Jungfrau Maria hervor, deren unbefleckte Empfängnis und deren Mitwirken am Heilswerk Christi er klar hervorhebt.” (Tagespost, 26. 3. 2011, p. 6). Von Alfons Maria von Liguori sagt er: “Als großer Verehrer Marias zeigt er ihre Rolle in der Heilsgeschichte auf: Mitarbeiterin am Erlösungswerk, Vermittlerin der Gnade, Mutter, Fürsprecherin und Königin. Zudem erklärt der heilige Alfons, dass die Marienverehrung uns im Moment unseres Todes großen Trost spenden wird.”  (Tagespost, 2. 4. 2011; p. 6). Was haben wir Lutheraner es gut, dass wir es mit Worten der AS bekennen: “Es heißt, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.”

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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