The Rennaisance painting “The Massacre of the Innocents” painted by Peter Paul Rubens between 1609 and 1611. (AP Photo)
Introitus
Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erden, der Du Deinen Glanz über die Himmel legst! Aus dem Munde der Kindern und Säuglingen hast Du Dir eine Macht zugerichtet, um Deiner Feinde willen, den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen zu bringen. Wenn ich Deinen Himmel betrachte, das Werk Deiner Finger, den Mond und die Sterne, die Du gemacht hast: was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst? Du hast ihn ein wenig Gottes mangeln lassen; aber mit Ehre und Schmuck hast Du ihn gekrönt. Du lässest ihn herrschen über die Werke Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gelegt: Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, ja, was auf den Pfanden der Meere zieht. Jehova, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde.
Psalm 8
Alttestamentliche Lese
So spricht der HERR: Man hört Klagegeschrei und bittres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder; denn es ist aus mit ihnen. 16 Aber so spricht der HERR: Lass dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Mühe wird belohnt werden, spricht der HERR. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, 17 und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen.
Jeremia 31,15-17
Kollekte
Allmächtiger Gott, der Du in großen und gewaltigen Werken Deine Herrlichkeit offenbarest und durch die Unmündigen und Geringen noch in ihrem Sterben Wunder tust: mache uns bereit, uns Deinem Willen zu fügen und unser Leben für Deinen Sohn zu opfern. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.26
Epistolische Lektion
Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. 3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, 4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße. 5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron. 6 Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, dass sie dort ernährt werde tausendzweihundertsechzig Tage.
Offenbarung 12,1-6
Halleluja Vers
Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.
Psalm 98,3
Evangelium
Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«
Matthäus 2,13-18
Graduallied
2. zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.«
3. Des sollt Ehr alle fröhlich sein, dass Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eu’r Fleisch und Blut, Eu’r Bruder ist das ewig Gut.
4. Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; lasst zürnen Teufel und die Höll, Gotts Sohn ist worden Eu’r Gesell.
5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt Ihr auf ihn Eu’r Zuversicht; es mögen euch viel fechten an: dem sei Trotz, der’s nicht lassen kann.
6. Zuletzt müsst Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.
Martin Luther 1543
Bekenntnis der Christenheit
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis.
Bekenntnislese: Apologie 2,42-4,18
Von der Erbsünde (verf)
Und wenn die Widersacher werden vorgeben, daß fomes oder die böse Neigung weder gut noch böse sei, da werden nicht allein viele Sprüche der Schrift dawider sein, sondern auch die ganze Kirche und alle Väter. Denn alle erfahrenen, christlichen Herzen wissen, daß diese Stücke leider uns in der Haut stecken, angeboren sind, nämlich daß wir Geld, Gut und alle andern Sachen größer denn Gott achten, sicher dahingehen und leben; item, daß wir immer nach Art fleischlicher Sicherheit also gedenken, Gottes Zorn und Ernst sei nicht so groß über die Sünde, als er doch gewiß ist; item, daß wir den edlen, unaussprechlichen Schatz des Evangelii und Versöhnung Christi nicht herzlich so teuer und edel achten, als er ist; item, daß wir wider Gottes Werk und Willen murren, daß er in Trübsalen nicht bald hilft und macht’s, wie wir wollen.
Item, wir erfahren täglich, daß es uns wehe tut, wie auch David und alle Heiligen geklagt, daß es den Gottlosen in dieser Welt wohl geht. Darüber fühlen alle Menschen, wie leicht ihr Herz entbrennt, jetzund mit Ehrgeiz, dann mit Grimm und Zorn, dann mit Unzucht. So nun die Widersacher selbst bekennen müssen, daß solcher Unglaube, solcher Ungehorsam wider Gott im Herzen ist, wennschon nicht ganze Verwilligung (wie sie davon reden), sondern allein die Neigung und Lust da ist, wer will so kühn sein, daß er diese groben Stücke weder böse noch gut achte? Nun sind die klaren Psalmen und klaren Worte der Propheten da, daß die bekennen, daß sie sich also fühlen. Aber die Sophisten in Schulen haben zu dieser Sache wider die klare, öffentliche Schrift geredet und aus der Philosophie ihre eigenen Träume und Sprüche erdichtet, sagen, daß wir um der bösen Lüste willen weder böse noch gut, noch zu schelten noch zu loben sind; item, daß Lüste und Gedanken inwendig nicht Sünde sind, wenn ich nicht ganz drein verwillige. Dieselben Reden und Worte in der Philosophen Büchern sind zu verstehen von äußerlicher Ehrbarkeit vor der Welt und auch von äußerlicher Strafe vor der Welt. Denn da ist’s wahr, wie die Juristen sagen: L. cogitationis, „Gedanken sind zollfrei und straffrei“. Aber Gott erforscht die Herzen; mit Gottes Gericht und Urteil ist’s anders. Also flicken sie auch an diese Sache andere ungereimte Sprüche, nämlich: Gottes Geschöpf und die Natur könne an ihr selbst nicht böse sein. Das fechte ich nicht an, wenn es irgend geredet wird, da es statthat; aber dazu soll dieser Spruch nicht angezogen werden, die Erbsünde gering zu machen.
Und dieselben Sprüche der Sophisten haben viel unsäglichen Schaden getan, durch welche sie die Philosophie und die Lehre, welche äußerliches Leben vor der Welt belangen, vermischen mit dem Evangelio und haben doch solches nicht allein in der Schule gelehrt, sondern auch öffentlich unverschämt vor dem Volk gepredigt. Und die ungöttlichen, irrigen, gefährlichen, schädlichen Lehren hatten in aller Welt überhandgenommen; da ward nichts gepredigt denn unser Verdienst in aller Welt; dadurch ward die Erkenntnis Christi und das Evangelium ganz unterdrückt.
Derhalben hat D. Luther aus der Schrift lehren und erklären wollen, wie eine große Todesschuld die Erbsünde vor Gott sei, und wie in großem Elend wir geboren werden, und daß die übrige Erbsünde, so nach der Taufe bleibt, an ihr selbst nicht indifferens sei, sondern bedarf des Mittlers Christi, daß sie uns Gott nicht zurechne, und ohne Unterlaß des Lichtes und Wirkung des Heiligen Geistes, durch welchen sie ausgefegt und getötet werde.
Wiewohl nun die Sophisten und Scholastici anders lehren und beide von der Erbsünde und von derselben Strafe der Schrift ungemäß lehren, da sie sagen, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gottes Gebote zu halten, so wird doch die Strafe, so Gott auf Adams Kinder auf die Erbsünde gelegt, im ersten Buch Mosis viel anders beschrieben. Denn da wird die menschliche Natur verurteilt nicht allein zum Tod und zu anderem leiblichen Übel, sondern dem Reich des Teufels unterworfen. Denn da wird dieses schreckliche Urteil gefällt: „Ich will Feindschaft zwischen dir und dem Weibe, zwischen ihrem Samen und deinem Samen setzen“ usw.
Der Mangel erster Gerechtigkeit und die böse Lust sind Sünde und Strafe. Der Tod aber und die andern leiblichen übel, die Tyrannei und Herrschaft des Teufels sind eigentlich die Strafen und poenae der Erbsünde. Denn die menschliche Natur ist durch die Erbsünde unter des Teufels Gewalt dahingegeben und ist also gefangen unter des Teufels Reich, welcher manchen großen, weisen Menschen in der Welt mit schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer Blindheit betäubt und verführt und sonst die Menschen zu allerlei Lastern dahinreißt.
Wie es aber nicht möglich ist, den listigen und gewaltigen Geist, Satan, zu überwinden ohne die Hilfe Christi, also können wir uns aus eigenen Kräften aus dem Gefängnis auch nicht helfen. Es ist in allen Historien vom Anfang der Welt zu sehen und zu finden, wie eine unsäglich große Gewalt das Reich des Teufels sei. Man sieht, daß die Welt vom Höchsten bis zum Niedrigsten voll Gotteslästerung, voll großer Irrtümer, gottloser Lehre wider Gott und sein Wort ist. In den starken Fesseln und Ketten hält der Teufel jämmerlich gefangen viel weise Leute, viel Heuchler, die von der Welt heilig scheinen. Die andern führt er in andere grobe Laster: Geiz, Hoffart usw.
So uns nun Christus darum gegeben ist, daß er dieselben Sünden und schweren Strafen der Sünden wegnehme, die Sünde, den Tod, des Teufels Reich uns zugut überwinde, kann niemand herzlich sich freuen des großen Schatzes, niemand die überschwenglichen Reichtümer der Gnade erkennen, er fühle denn von erst dieselbe Last, unser angebornes großes Elend und Jammer. Darum haben unsere Prediger von dem nötigen Artikel mit allem höchsten Fleiße gelehrt und haben nichts Neues gelehrt, sondern eitel klare Worte der Heiligen Schrift und gewisse Sprüche der Väter, Augustini und der andern.
Dieses, achten wir, solle die kaiserliche Majestät ihr billig lassen genug sein wider das lose; kindische, ungegründete Vorbringen der Widersacher, durch welches sie der unsern Artikel ohne Ursache ganz unbillig anfechten. Denn sie singen, sagen, wieviel, was und wie lange sie wollen, so wissen wir eigentlich das und sind’s fürwahr gewiß, daß wir christlich und recht lehren und mit der gemeinen christlichen Kirche gleich stimmen und halten. Werden sie darüber weiter mutwilligen Zank einführen, so sollen sie sehen, es sollen hier, will’s Gott, Leute nicht fehlen, die ihnen antworten und die Wahrheit dennoch erhalten. Denn die Widersacher wissen das mehrere Teil nicht, was sie reden. Denn wie oft reden und schreiben sie ihnen selbst Widerwärtiges? Verstehen auch ihre eigene Dialektika nicht vom Formal der Erbsünde, das ist, was eigentlich an ihrem Wesen die Erbsünde sei oder nicht sei, was auch der Mangel der ersten Gerechtigkeit sei. An diesem Ort aber haben wir nicht wollen von ihrer zänkischen Disputation subtiler oder weiter reden, sondern allein die Sprüche und Meinung der heiligen Väter, welchen wir auch gleichförmig lehren, mit klaren, gemeinen verständlichen Worten erzählen wollen.
Artikel III. Von Christo
Den dritten Artikel lassen ihnen die Widersacher gefallen, da wir bekennen, daß in Christo zwei Naturen sind, nämlich, daß Gottes Sohn die menschliche Natur hat angenommen und also Gott und Mensch eine Person, ein Christus ist; und daß derselbe für uns hat gelitten und ist gestorben, uns dem Vater zu versöhnen; und daß er auferstanden ist, daß er ein ewig Reich besitze alle Gläubigen heilige und gerecht mache usw., wie das Credo der Apostel und Symbolum Nicänum lehrt.
Artikel IV. Wie man vor Gott fromm und gerecht wird
Im vierten, fünften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, daß wir lehren, daß die Gläubigen Vergebung der Sünden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides. Erstlich, daß wir nein dazu sagen, daß den Menschen durch ihre Verdienst sollten die Sünden vergeben werden. Zum andern, daß wir halten, lehren und bekennen, daß niemand Gott versöhnt wird, niemand Vergebung der Sünden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum.
Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also daß an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, beständigen, gewissen Trost haben oder die Reichtümer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majestät wolle von dieser großen, tapferen, hochwichtigen Sache nach Notdurft und gnädig uns hören.
Denn dieweil die Widersacher gar nicht verstehen noch wissen, was durch diese Worte in der Schrift zu verstehen, was Vergebung der Sünden sei, was Glaube, was Gnade, was Gerechtigkeit sei, so haben sie diesen edeln, hochnötigen, vornehmsten Artikel, ohne welchen niemand Christum erkennen würde, jämmerlich besudelt und den hohen, teuren Schatz der Erkenntnis Christi, oder was Christus und sein Reich und Gnade sei, gar unterdrückt und den armen Gewissen einen solchen, so edeln, großen Schatz und ewigen Trost, daran es gar gelegen, jämmerlich geraubt.
Daß wir aber unser Bekenntnis bekräftigen und was die Widersacher vorgebracht, widerlegen mögen, so wollen wir zuvor erst anzeigen Grund und Ursache beiderlei Lehre, damit jeder Teil klarer zu vernehmen sei.
Die ganze Schrift beide Alten und Neuen Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheißungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheißt den zukünftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Neuen Testament, wenn Christus, seitdem er gekommen ist auf Erden, im Evangelio verheißt Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.
Hier aber, an dem Orte, nennen wir das Gesetz die zehn Gebote Gottes, wo dieselben in der Schrift gelesen werden. Von den Zeremonien und den Gesetzen der Gerichtshändel wollen wir hier nicht reden.
Von diesen zwei Stücken nehmen nun die Widersacher das Gesetz vor sich. Denn dieweil das natürliche Gesetz, welches mit dem Gesetz Mosis oder den zehn Geboten übereinstimmt, in aller Menschen Herzen angeboren und geschrieben ist, und also die Vernunft etlichermaßen die zehn Gebote fassen und verstehen kann, will sie wähnen, sie habe genug am Gesetz, und durchs Gesetz könne man Vergebung der Sünden erlangen.
Die zehn Gebote aber erfordern nicht allein ein äußerlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft etlichermaßen vermag zu tun, sondern erfordern etwas viel Höheres. welches über alle menschlichen Kräfte, über alles Vermögen der Vernunft ist; nämlich will das Gesetz von uns haben, daß wir Gott sollen mit ganzem Ernst von Herzensgrund fürchten und lieben, ihn in allen Nöten allein anrufen und sonst auf nichts einigen Trost setzen. Item, das Gesetz will haben, daß wir nicht weichen noch wanken sollen, sondern aufs allergewisseste im Herzen schließen, daß Gott bei uns sei, unser Gebet erhört, und daß unser Seufzen und Bitten Ja sei; item, daß wir von Gott noch Leben und allerlei Trost erwarten sollen mitten im Tode, in allen Anfechtungen seinem Willen uns gänzlich anheimgeben, in Tod und Trübsal nicht von ihm fliehen, sondern ihm gehorsam sein, gerne alles tragen und leiden, wie es uns geht.
Hier haben die Scholastici den Philosophis gefolgt, und wenn sie wollen sagen, wie man vor Gott fromm wird, lehren sie allein eine Gerechtigkeit und Frömmigkeit, da ein Mensch äußerlich vor er Welt ein ehrbar Leben führt und gute Werke tut, und erdichten diesen Traum dazu, daß die menschliche Vernunft ohne den Heiligen Geist vermöge Gott über alles zu lieben. Denn wohl ist’s wahr, wenn ein Menschenherz müßig ist und nicht in Anfechtungen, und dieweil es Gottes Zorn und Gericht nicht fühlt, so mag es einen solchen Traum ihm erdichten, als liebe es Gott über alles und tue viel Gutes, viele Werke um Gottes willen; aber es ist eitel Heuchelei. Und auf die Weise haben doch die Widersacher gelehrt, daß die Menschen Vergebung der Sünden verdienen, wenn sie so viel tun, als an ihnen ist, das ist, wenn die Vernunft ihr läßt die Sünde leid sein und erdichtet einen Willen dazu, Gott zu lieben.
Und diese Meinung und irrige Lehre, dieweil die Leute natürlich dazu geneigt sind, daß ihre Verdienste und Werke vor Gott etwas geachtet und verdienen möchten, hat unzählig viel mißbräuchliche Gottesdienste in der Kirche angerichtet und geursacht, als da sind die Klostergelübde, Mißbräuche der Messe, wie denn solches unzählig, immer ein Gottesdienst über den andern, aus diesem Irrtum erdacht ist.
Und daß nur solch Vertrauen auf unsere Verdienste und Werke immer weiter ausgebreitet worden, haben sie unverschämt dürfen sagen und schließen, Gott der Herr müsse von Not Gnade geben denjenigen, die also gute Werke tun, nicht daß er gezwungen wäre, sondern da dies die Ordnung also sei, die Gott nicht übergehe noch ändere.
Und in diesen Stücken, eben in dieser Lehre, sind viel andere große, ganz schädliche Irrtümer und schreckliche Lästerungen Gottes begriffen und verborgen, welche alle bei Namen zu erzählen jetzt zu lang wäre. Allein das wolle doch um Gottes willen ein jeglicher christlicher Leser bedenken: Können wir durch solche Werke vor Gott fromm und Christen werden, so wollte ich gerne hören (und versucht alle euer Bestes, hier zu antworten), was doch für Unterschied sein wollte zwischen der Philosophen und Christi Lehre. So wir Vergebung der Sünden erlangen mögen durch solche unsere Werke oder actus elicitos, was hilft und dann Christus? Können wir heilig und fromm vor Gott werden durch natürliche Vernunft und unsere eigenen guten Werke, was brauchen wir dann des Blutes und Todes Christi, oder daß wir durch ihn neugeboren werden, wie Petrus 1 Pet. 1, 18ff, sagt?
Und aus dem gefährlichen Irrtum (dieweil man solchen öffentlich in Schulen gelehrt und auf den Predigtstühlen getrieben), ist es leider dahin geraten, daß auch große Theologen zu Löwen, Paris usw. von keiner andern christlichen Frömmigkeit oder Gerechtigkeit gewußt haben (obwohl alle Buchstaben und Syllaben im Paulo anders lehren) denn von der Frömmigkeit, welche die Philosophie lehrt. Und so es uns billig fremd sein sollte, und wir billig sie verlachen sollten, verlachen sie uns, ja verspotten Paulum selbst.
Also gar ist der schändliche, greuliche Irrtum eingerissen. Ich habe selbst einen großen Prediger gehört, welcher Christi und des Evangeliums nicht gedacht und Aristotelis „Ethicorum“ predigte; heißt das nicht kindisch, närrisch unter Christen gepredigt? Aber ist der Widersacher Lehre wahr, so ist das „Ethicorum“ ein köstlich Predigtbuch und eine feine neue Bibel.
Denn von äußerlich ehrbarem Leben wird nicht leicht jemand besser schreiben denn Aristoteles. Wir sehen, daß etliche Hochgelehrte haben Bücher geschrieben, darin sie anzeigen, als stimmten die Worte Christi und die Sprüche Sokratis und Zenonis fein zusammen, gleich als sie Christus gekommen, daß er gute Gesetze und Gebote gebe, durch welche wir Vergebung der Sünden verdienen sollten, und nicht vielmehr Gnade und Frieden Gottes zu verkünden und den Heiligen Geist auszuteilen durch sein Verdienst und Blut.
Darum so wir der Widersacher Lehre annehmen, daß wir Vergebung der Sünden verdienen mögen aus Vermögen natürlicher Vernunft und durch unsere Werke, so sind wir schon aristotelisch und nicht christisch, und ist kein Unterschied zwischen ehrbarem, heidnischem, zwischen pharisäischem und christlichem Leben, zwischen der Philosophie und dem Evangelio.
Wiewohl nun die Widersacher, damit sie des Namens Christi nicht gar als die gottlosen, rohen Heiden schweigen, also vom Glauben reden, daß sie sagen, es sei eine Erkenntnis der Historie von Christo, und wiewohl sie von Christo auch dennoch etwas sagen, nämlich daß er uns verdient habe einen habitum oder, wie sie es nennen, primam gratiam, die erste Gnade, welche sei achten für eine Neigung, dadurch wir dennoch Gott leichter denn sonst lieben können: so ist es doch eine schwache, geringe, kleine, schlechte Wirkung, die Christus also hätte, oder die durch solchen habitus geschähe. Denn sie sagen nichtsdestoweniger, daß die Werke unserer Vernunft und Willens, ehe derselbe habitus da ist, und auch danach, wenn derselbe habitus da ist, eiusdem speciei, das ist, vor und nach einerlei und ein Ding sei. Denn sie sagen, daß unsere Vernunft und menschlicher Wille an ihm selbst vermöge, Gott zu lieben, allein der habitus bringe eine Neigung, daß die Vernunft dasselbe, das sie zuvor wohl vermag, desto lieber und leichter tue. Darum lehren sie auch, daß derselbe habitus müsse verdient werden durch unsere vorgehenden Werke, und daß wir durch die Werke des Gesetzes Vermehrung solcher guten Neigung und das ewige Leben verdienen.
Also verbergen uns die Leute Christum und begraben ihn aufs neue, daß wir ihn nicht für einen Mittler erkennen können. Denn sie schweigen gar, daß wir lauter aus Gnaden, ohne Verdienst Vergebung der Sünden durch ihn erlangen, sondern bringen ihre Träume aus, als könnten wir durch gute Werke und des Gesetzes Werke Vergebung der Sünden verdienen, so doch die ganze Schrift sagt, daß wir das Gesetz nicht vermögen zu erfüllen oder zu halten. Und so die Vernunft am Gesetz nichts ausrichtet, denn daß sie allein äußerliche Werke tut, im Herzen aber fürchtet sie Gott nicht, so glaubt sie auch nicht, daß Gott ihrer wahrnehme. Und wiewohl sie von dem habitus also reden, so ist es doch gewiß, daß ohne den Glauben an Christum rechte Gottesliebe in keinem Herzen sein kann; so kann auch niemand verstehen, was Gottes Liebe ist, ohne den Glauben.
Apologie 2,42-4,18
Schlußkollekte
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja.
Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
ebd. S.18.
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Christum wir sollen loben schon, der reinen Magd Marien Sohn, so weit die liebe Sonne leucht, und an aller Welt Ende reicht.
Der selig Schöpfer aller Ding zog an eins Knechtes Leib gering, daß er das Fleisch durchs Fleisch erwürb und sein Geschöpf nicht alls verdürb.
Die göttlich Gnad vom Himmel groß sich in die keusche Mutter goß; ein Mägdlein trug ein heimlich Pfand, das der Natur war unbekannt.
Das züchtig Haus des Herzens zart gar bald ein Tempel Gottes ward; die kein Mann rühret noch erkannt, von Gottes Wort sie man schwanger fand.
Die edle Mutter hat geboren den Gabriel verhieß zuvorn, den Sankt Johanns mit Springen zeigt, da er noch lag im Mutterleib.
Er lag im Heu mit Armut groß, die krippen hart ihn nicht verdroß; es ward ein’ kleine milch sein speis’, der nie kein vöglein hungern ließ.
Des himmels chör’ sich freuen drob und die engel singen Gott lob, en armen hirten wird vermeld’t der Hirt und Schöpfer aller welt.
Lob, Ehr’ und Dank sei Dir gesagt, Christ gboren von reiner Magd, mit Vater und dem Heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.
Hymnus des Bischofs Caelius Sedultius (5. Jhd: A solis ortus cordine), deutsch von Dr. Martin Luther 1524 (LKG 88)
Kollekte
Allmächtiger, barmherziger Vater, der Du das wahrhaftige Licht, unsern Herrn Jesum Christum, in der Welt hast aufgehen und durch Deine Apostel treulich bezeugen lassen: verleihe uns, daß wir durch dieses Licht erleuchtet werden im rechten Glauben zum ewigen Leben. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17
Introitus
Wohl dem, der stets mit Gottes Wort umgeht und dasselbe auslegt und lehrt. Der Herr tut ihm den Mund auf inmitten der Gemeinde.
Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen Deinem Namen, Du Höchster, des Morgens Deine Gnade und des Nachts Deine Wahrheit verkündigen. Denn, Herr, Du lassest mich fröhlich singen von Deinem Werken und ich rühme die Geschäfte Deiner Hände. Die gepflanzte sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, werden fruchtbar und frisch sein, daß sie verkündigen, daß der Herr so fromm ist, mein Hort, und ist kein Unrecht an ihm.
Psalm 92,2f.5.14ff
Alttestamenliche Lese
Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. 23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. 24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. 25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, 26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. 27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe, 28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, 29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, 30 da war ich beständig[1] bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; 31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. 32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! 33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! 34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! 35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. 36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.
Sprüche 8,22-36
Epistel
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.
5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
1. Johannes 1,1-10
Halleluja Vers
Halleluja. Freuet Euch des Herrn, Ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schön preisen. Halleluja.
Evangelium
Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! 20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? 21 Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Da kam unter den Brüdern die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? 24 Dies ist der Jünger, der das bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.
Johannes 21,19b-24
Bekenntnislese
Aber danach wollen wir mit mehr Worten anzeigen, daß wir von der Erbsünde, nämlich was dieselbe sei oder nicht, auch auf geübte, alte Weise der Scholastiker und nicht so ungewöhnlich geredet haben. Ich muß aber erst anzeigen, aus was Ursachen ich an dem Ort vornehmlich solcher und nicht anderer Worte habe brauchen wollen. Die Widersacher selbst reden also davon in ihren Schulen und bekennen, daß die Materie oder Materiale der Erbsünde, wie sie es nennen, sei böse Lust. Darum, so ich habe wollen sagen, was Erbsünde sei, ist das nicht zu übergehen gewesen, sonderlich dieser Zeit, da etliche von derselben angebornen bösen Lust mehr heidnisch aus der Philosophie denn nach dem göttlichen Wort oder nach der Heiligen Schrift reden.
Denn etliche reden also davon, daß die Erbsünde an der menschlichen Natur nicht sei eine angeborne böse Art, sondern allein ein Gebrechen und aufgelegte Last oder Bürde, die alle Adamskinder um fremder Sünde willen, nämlich Adams Sünde halben, tragen müssen, und darum alle sterblich seien, nicht daß sie selbst alle von Art und aus Mutterleibe Sünde ererbten. Darüber sagen sie dazu, daß kein Mensch ewig verdammt werde allein um der Erbsünde oder Erbjammers willen, sondern gleichwie von einer leibeigenen Magd leibeigene Leute und Erbknechte geboren werden, nicht ihrer eigenen Schuld halben, sondern daß sie der Mutter Unglücks und Elends entgelten und tragen müssen, so sie doch an ihnen selbst, wie andere Menschen, ohne Wandel geboren werden: so sei die Erbsünde auch nicht ein angebornes Übel, sondern allein ein Gebrechen und Last, die wir von Adam tragen, aber für uns selbst darum nicht in Sünden und Erbungnaden stecken.
Damit ich nun anzeigte, daß uns solche unchristliche Meinung nicht gefiele, habe ich dieser Worte gebraucht: „Alle Menschen von Mutterleibe an sind alle voll böser Lüste und Neigung“ und nenne die Erbsünde auch darum eine Seuche, anzuzeigen, daß nicht ein Stück, sondern der ganze Mensch mit seiner ganzen Natur mit einer Erbseuche von Art in Sünden geboren wird.
Darum nennen wir es auch nicht allein eine böse Lust, sondern sagen auch, daß alle Menschen in Sünden ohne Gottesfurcht, ohne Glauben geboren werden. Dasselbe setzen wir nicht ohne Ursache dazu. Die Schulzänker oder Scholastici, die reden von der Erbsünde, als sei es allein ein leichtes, geringes Gebrechen, und verstehen nicht, was die Erbsünde sei, oder wie es die andern heiligen Väter gemeint haben. Wenn die Sophisten schreiben, was Erbsünde sei, was der fomes oder böse Neigung sei, reden sie unter andern davon, als sei es ein Gebrechen am Leibe, wie sie denn wunderkindisch von Sachen zu reden pflegen, und geben Fragen vor: ob dasselbe Gebrechen aus Vergiftung des verbotenen Apfels im Paradies oder aus Anblasen der Schlange Adam erst angekommen sei; item, ob es mit dem Gebrechen die Arznei je länger, je ärger macht.
Mit solchen zänkischen Fragen haben sie diese ganze Hauptsache und die vornehmste Frage, was die Erbsünde doch sei, gar verwirrt und unterdrückt. Darum, wenn sie von der Erbsünde reden, lassen sie das Größte und Nötigste außen, und unsers rechten, größten Jammers gedenken sie gar nicht, nämlich daß wir Menschen alle also von Art geboren werden, daß wir Gott oder Gottes Werk nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Gott nicht ernstlich fürchten noch vertrauen, seinem Gericht oder Urteil feind sind; item, daß wir alle von Natur vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen zürnen und murren, item, uns auf Gottes Güte gar nicht verlassen noch wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde verlassen. Diese geschwinde Erbseuche, durch welche die ganze Natur verderbt, durch welche wir alle solch Herz, Sinn und Gedanken von Adam ererben, welches stracks wider Gott und das erste, höchste Gebot Gottes ist, übergehen die Scholastici und reden davon, als sei die menschliche Natur unverderbt, vermöge, Gott groß zu achten, zu lieben über alles, Gottes Gebote zu halten usw., und sehen nicht, daß sie wider sich selbst sind.
Denn solches aus eigenen Kräften vermögen, nämlich Gott groß zu achten, herzlich zu lieben, seine Gebote zu halten, was wäre das anders, denn eine neue Kreatur im Paradies, gar rein und heilig sein?
So wir nun aus unsern Kräften so Großes vermöchten, Gott über alles zu lieben, seine Gebote zu halten, wie die Scholastici tapfer dürfen heraussagen, was wäre dann die Erbsünde? Und so wir aus eigenen Kräften gerecht würden, so ist die Gnade Christi vergeblich; was dürften wir auch des Heiligen Geistes, so wir aus menschlichen Kräften Gott über alles lieben und seine Gebote halten können?
Hier steht je jedermann, wie ungeschickt die Widersacher von diesem hohen Handel reden. Sie bekennen die kleinen Gebrechen an der sündlichen Natur, und des allergrößten Erbjammers und Elendes gedenken sie nicht, da doch die Apostel alle über klagen, das die ganze Schrift allenthalben meldet, da alle Propheten über schreien, wie der 14. Psalm und etliche andere Psalmen sagen: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer; da ist nicht, der nach Gott fraget; da ist nicht, der Gutes tut, auch nicht einer.“ „Ihr Schlund ist ein offenes Grab, Otterngift ist unter ihren Lippen. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen“, Ps. 5, 10. So doch auch die Schrift klar sagt, daß uns solches alles nicht angeflogen, sondern angeboren sei.
Dieweil aber die Scholastici unter die christliche Lehre viel Philosophie gemengt und viel von dem Licht der Vernunft und den actibus elicitis reden, halten sie zu viel vom freien Willen und unsern Werken. Darüber haben sie gelehrt, daß die Menschen durch ein äußerlich ehrbar Leben vor Gott, fromm werden, und haben nicht gesehen die angeborne Unreinigkeit inwendig der Herzen,
welche niemand gewahr wird denn allein durch das Wort Gottes, welches die Scholastici in ihren Büchern sehr spärlich und selten handeln. Wir sagen auch wohl, daß äußerlich ehrbar zu leben etlichermaßen in unserm Vermögen stehe, aber vor Gott fromm und heilig zu werden, ist nicht unsers Vermögens.
Das sind die Ursachen, warum ich des Orts, als ich habe wollen sagen, was die Erbsünde sei, der angebornen bösen Lust gedacht habe und gesagt, daß aus natürlichen Kräften kein Mensch vermag Gott zu fürchten oder ihm zu vertrauen. Denn ich habe wollen anzeigen, daß die Erbsünde auch diesen Jammer in sich begreife, nämlich, daß kein Mensch Gott kennt oder achtet, keiner ihn herzlich fürchten oder lieben oder ihm vertrauen kann. Das sind die größten Stücke der Erbsünde, durch welche wir alle aus Adam stracks wider Gott, wider die erste Tafel Mosis und das größte, höchste göttliche Gebot gesinnt und geartet sind.
Und wir haben da nichts Neues gesagt. Die alten Scholastici, so man sie recht versteht, haben auch gleich dasselbe gesagt; denn sie sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Reinigkeit und Gerechtigkeit im Paradies. Was ist aber justitia orginalis oder die erste Gerechtigkeit im Paradies?
Gerechtigkeit und Heiligkeit in der Schrift heißt je nicht allein, wenn ich die andere Tafel Mosis halte, gute Werke tue und dem Nächsten diene, sondern denjenigen nennt die Schrift fromm, heilig und gerecht, der die erste Tafel, der das erste Gebot hält, das ist, der Gott von Herzen fürchtet, ihn liebt und sich auf Gott verläßt.
Darum ist Adams Reinigkeit und unverrücktes Wesen nicht allein eine feine, vollkommene Gesundheit und allenthalben reines Geblüt, unverderbte Kräfte des Leibes gewesen, wie sie davon reden, sondern das Größte an solcher edlen ersten Kreatur ist gewesen ein helles Licht im Herzen, Gott und sein Werk zu erkennen, eine rechte Gottesfurcht, ein recht herzliches Vertrauen gegen Gott und allenthalben ein rechtschaffener, gewisser Verstand, ein feines, gutes, fröhliches Herz gegen Gott und alle göttlichen Sachen.
Und das bezeugt auch die Heilige Schrift, da sie sagt, daß der Mensch nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sei. Denn was ist das anders, denn daß göttliche Weisheit und Gerechtigkeit, die aus Gott ist, sich im Menschen bildet, dadurch wir Gott erkennen, durch welche Gottes Klarheit sich in uns spiegelt, das ist, daß dem Menschen erstlich, als er geschaffen, diese Gaben gegeben seien, recht, klare Erkenntnis Gottes, rechte Furcht, rechtes Vertrauen und dergleichen?
Denn also legt auch solches aus vom Bild und Gleichnis Gottes Irenäus; und Ambrosias, so er allerlei auf die Meinung redet, sagt unter anderem: „Die Seele ist nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen, in welcher Gott nicht allzeit ist.“
Und Paulus zu den Ephesern und Kolossern zeigt genug an, daß Gottes Bild in der Schrift nichts anderes heiße denn Erkenntnis Gottes und rechtschaffenes Wesen und Gerechtigkeit vor Gott.
Und Longobardus sagt frei heraus, daß „die erstgeschaffene Gerechtigkeit in Adam sei das Bild und Gleichnis Gottes, welches an dem Menschen von Gott gebildet ist“.
Ich erzähle die Meinung und Sprüche der Alten, welche an der Auslegung Augustini, wie derselbe vom Bilde Gottes redet, nichts hindern.
Darum die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, und sprechen, es sie ein Mangel der ersten angeschaffenen Gerechtigkeit, da ist ihre Meinung, daß der Mensch nicht allein am Leibe oder geringsten, niedersten Kräften verderbt sei, sondern daß er auch dadurch verloren habe diese Gaben: rechte Erkenntnis Gottes, recht Liebe und Vertrauen gegen Gott und die Kraft, das Licht im Herzen, so ihm zu dem allem Liebe und Lust macht. Denn die Scholastici oder Theologen selbst in Schulen lehren, daß dieselbe angeborne Gerechtigkeit uns nicht möglich wäre gewesen ohne sonderliche Gaben und ohne Hilfe der Gnade. Und dieselben Gaben nennen wir Gottesfurcht, Gotteserkenntnis und Vertrauen gegen Gott, damit man es verstehen möge. Aus diesem allem erscheint genugsam, daß die Alten, da sie sagen, was die Erbsünde sei, gleich mit uns stimmen, und auch ihre Meinung ist, daß wir durch die Erbsünde in den Jammer gekommen, geboren, daß wir kein gutes Herz, welches Gott recht liebt, gegen Gott haben, nicht allein kein reines, gutes Werk zu tun oder vollbringen vermögen.
Gleich dasselbe meint auch Augustinus, da er auch will sagen, was die Erbsünde sei, und pflegt die Erbsünde eine böse Lust zu nennen; denn er will anzeigen, daß nach Adams Fall anstatt der Gerechtigkeit böse Lust uns angeboren wird. Denn von dem Fall an, dieweil wir, als von Art sündlich geboren, Gott nicht fürchten, lieben noch ihm vertrauen, so tun wir nichts anderes, denn daß wir uns auf uns selbst verlassen, verachten Gott oder erschrecken und fliehen von Gott.
Und also ist in Augustinus’ Worten auch die Meinung gefaßt und begriffen derjenigen, die da sagen, die Erbsünde sei ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, das ist, die böse Lust, welche anstatt derselben Gerechtigkeit uns anhängt. Und ist die böse Lust nicht allein eine Verderbung oder Verrückung der ersten reinen Leibesgesundheit Adams im Paradies, sondern auch eine böse Lust und Neigung, da wir nach den allerbesten, höchsten Kräften und Licht der Vernunft dennoch fleischlich wider Gott geneigt und gesinnt sind. Und diejenigen wissen nicht, was sie sagen, die da lehren, der Mensch vermöge aus seinen Kräften Gott über alles zu lieben, und müssen doch zugleich bekennen, es bleibe solange dies Leben währt, noch böse Lust, sofern sie vom Heiligen Geist nicht gänzlich getötet ist.
Derhalben wir so eigentlich beides erwähnt und ausgedrückt, da wir haben lehren wollen, was die Erbsünde sei, beide die böse Lust und auch den Mangel der ersten Gerechtigkeit im Paradies, und sagen, derselbe Mangel sei, daß wir Adamskinder Gott von Herzen nicht vertrauen, ihn nicht fürchten noch lieben. Die böse Lust sei, daß natürlich wider Gottes Wort all unser Sinn, Herz und Mut steht, da wir nicht allein suchen allerlei Wollust des Liebes, sondern auch auf unsere Weisheit und Gerechtigkeit vertrauen und dagegen Gottes vergessen und wenig, ja gar nichts achten.
Und nicht allein die alten Väter, als Augustinus und dergleichen, sondern auch die neulichsten Lehrer und Scholastici, die etwas Verstand gehabt, lehren, daß diese zwei Stücke sämtlich die Erbsünde sind, nämlich der Mangel und die böse Lust. Denn also sagt St. Thomas, daß „Erbsünde ist nicht allein ein Mangel der ersten Gerechtigkeit, sondern auch eine unordentliche Begierde oder Lust in der Seele. Derhalben ist es“, sagt er, „nicht allein ein lauterer Mangel, sondern auch aliquid positivum“.
Und Bonaventura sagt auch klar: „Wenn man fragt, was die Erbsünde sei, ist dies die rechte Antwort, daß es eine ungewehrte böse Lust sei. Auch ist die rechte Antwort, das es ein Mangel sei der Gerechtigkeit, und eins gibt das andere.“
Gleich dasselbe meint auch Hugo, da er sagt: „Die Erbsünde ist Blindheit im Herzen und böse Lust im Fleische.“ Denn er will anzeigen, daß wir Adamskinder alle so geboren werden, daß wir Gott nicht kennen, Gott verachten, ihm nicht vertrauen, ja ihn auch fliehen und hassen. Denn das hat Hugo wollen kurz begreifen, da er gesagt: ignorantia in mente, Blindheit oder Unwissenheit im Herzen.
Und die Sprüche auch der neuesten Lehrer stimmen überein mit der Heiligen Schrift. Denn Paulus nennt die Erbsünde unter Zeiten mit klaren Worten einen Mangel göttlichen Lichtes usw. 1. Kor. 2, 14: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes.“ Und an andern Orten nennt er es böse Lust, als zu den Römern am 7, 23, da er sagt: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern“ usw., welche Lust allerlei böse Früchte gebiert.
Ich könnte hier wohl viel mehr Sprüche der Schrift vorbringen von beiden diesen Stücken; aber in dieser öffentlichen Wahrheit ist es nicht not. Ein jeder Verständiger wird leichtlich sehen und merken, daß also ohne Gottesfurcht, ohne Vertrauen im Herzen sein, sind nicht allein actus oder wirkliche Sünden, sondern ein angeborner Mangel des göttlichen Lichtes und alles Guten, welcher da bleibt, solange wir nicht durch den Heiligen Geist neugeboren und durch ihn erleuchtet werden.
Wie wir nun bisher von der Erbsünde geschrieben und gelehrt, so lehren wir nichts Neues, nichts anderes denn die Heilige Schrift, die gemeine heilige christliche Kirche; sondern solche nötige, tapfere, klare Sprüche der Heiligen Schrift und der Väter, welche durch ungeschicktes Gezänk der Sophisten unterdrückt gewesen, bringen wir wieder an Tag und wollten gerne die christliche Lehre rein haben.
Denn es ist je am Tage, daß die Sophisten und Schulzänker nicht verstanden haben, was die Väter mit dem Wort „Mangel der ersten Gerechtigkeit“ gemeint. Dies Stück aber eigentlich und richtig zu lehren, und was die Erbsünde sei oder nicht sei, ist gar hoch vonnöten, und kann niemand sich nach Christo, nach dem unaussprechlichen Schatz göttlicher Huld und Gnade, welche das Evangelium vorträgt, herzlich sehnen oder danach Verlangen haben, der nicht seinen Jammer und Seuche erkennt, wie Christus sagt Mat. 9, 12; Mark 2, 17: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht.“ Alles heilige ehrbare Leben, alle guten Werke, soviel immer ein Mensch auf Erden tun mag, sind vor Gott eitel Heuchelei und Greuel, wir erkennen denn erst, daß wir von Art elende Sünder sind, welche in Ungnade Gottes sind, Gott weder fürchten noch lieben.
Also sagt der Prophet Jeremias 31, 19: „Dieweil du mir es gezeiget hast, bin ich erschrocken.“ Und der 116. Psalm: „Alle Menschen sind Lügner“, das ist, sie sind nicht recht gesinnt von Gott.
Hier schreien nun die Widersacher heftig wider D. Luther, daß er geschrieben hat, die Erbsünde bleibe auch nach der Taufe, und sagen dazu, derselbe Artikel sei billig verdammt von Papst Leo X. Aber kaiserliche Majestät wird hier öffentlich finden, daß sie uns ganz unrecht tun; denn die Widersacher verstehen sehr wohl, auf was Meinung D. Luther das geredet will haben, da er sagt, die Erbsünde bleibe nach der Taufe. Er hat allzeit klar also geschrieben, daß die heilige Taufe die ganze Schuld und Erbpflicht der Erbsünde wegnimmt und austilgt, wiewohl das Material (wie sie es nennen) der Sünde, nämlich die böse Neigung und Lust, bleibt. Darüber in allen seinen Schriften setzt er noch dazu vom selben Material, daß der Heilige Geist, welcher gegeben wird durch die Taufe, anfängt, inwendig die übrigen bösen Lüste täglich zu töten und zu löschen, und bringt ins Herz ein neues Licht, einen neuen Sinn und Mut.
Auf die Meinung redet auch Augustinus, da er also sagt; „Die Erbsünde wird in der Taufe vergeben, nicht daß sie nicht mehr sei, sondern daß sie nicht zugerechnet werde.“ Da bekennt Augustinus öffentlich, daß die Sünde in uns bleibt, wiewohl sie uns nicht zugerechnet wird. Und dieser Spruch Augustini hat den Lehrern hernach so wohl gefallen, daß er auch im Dekret angezogen wird. Und wider Julianus sagt Augustinus: „Das Gesetz, das in unsern Gliedern ist, ist weggetan durch die geistliche Wiedergeburt und bleibt doch im Fleische, welches ist sterblich. Es ist hinweggetan, denn die Schuld ist ganz los durch das Sakrament, dadurch die Gläubigen neugeboren werden; und bleibt noch da, denn es wirkt böse Lüste, wider welche kämpfen die Gläubigen.“
Daß D. Luther so hält und lehrt, wissen die Widersacher fast wohl, und so sie es nicht können anfechten, sondern selbst bekennen müssen, verkehren sie ihm böslich die Worte und deuten ihm seine Meinung fälschlich, die Wahrheit zu unterdrücken und unschuldig zu verdammen.
Aber weiter disputieren die Widersacher, daß die böse Lust eine Last und aufgelegte Strafe sei und sei nicht eine solche Sünde, die des Todes und Verdammnis schuldig sei. Dawider sagt D. Luther, es sei eine solche verdammliche Sünde. Ich habe hier oben gesagt, daß Augustinus auch solches meldet, die Erbsünde sei die angeborne böse Lust. Soll dieses übel geredet sein, mögen sie es mit Augustino ausfechten.
Darüber sagt Paulus Röm. 7, 7. 23: „Die Sünde erkannte ich nicht ohne durch das Gesetz; denn ich wußte nichts von der Lust, wo das Gesetz nicht gesagt hätte: Laß dich nicht gelüsten.“ Da sagt je Paulus dürre heraus: Ich wußte nicht, daß die Lust Sünde war usw. Item: „Ich sehe ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.“
Dieses sind Pauli helle, gewisse Worte und klare Sprüche; da vermag keine Glosse, kein listiges Fündlein nichts wider; diese Sprüche werden alle Teufel, alle Menschen nicht umstoßen können. Da nennt er klar die böse Lust eine Sünde; doch sagt er, daß solche Sünde denjenigen, so an Christum glauben, nicht wird zugerechnet; doch an ihr selbst ist es gleichwohl wahrlich eine Sünde, des Todes und ewiger Verdammnis schuldig.
Und hat keinen Zweifel, daß auch solches der alten Väter Meinung gewesen. Denn Augustinus disputiert und ficht heftig wider diejenigen, die da hielten, daß die böse Neigung und Lust am Menschen nicht Sünde wäre und weder gut noch böse, wie schwarzen oder weißen Leib haben auch weder gut noch böse ist.
Apologie 2,4-41
Graduallied
Vom Himmel kam der Engel Schar, erschien den Hirten offenbar; sie sagten ihn’: “Ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart
zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat, es ist der Herre Jesus Christ, der Euer aller Heiland ist.”
Des sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit Euch ist worden ein. Er ist geborn Eur Fleisch und Blut, Eur Bruder ist das ewig Gut.
Was kann Euch tun die Sünd und Tod? Ihr habt mit Euch den wahren Gott; laßt zürnen Teufel und die Höll, Gottes Sohn ist worden Eur Gesell.
Er will und kann Euch lassen nicht, setzt Ehr auf ihn Eur Zuversicht; es mögen Euch viel fechten an: dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.
Zuletzt müßt Ihr doch haben recht, Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit.
Martin Luther 1543 (LKG 87)
Bekenntnis der Christenheit
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis.
Gebet am 3. Christtag
Wir stehen an Deiner Krippe, Jesus, Kind der Maria, Abbild der Liebe.
Du ruhst in Marias Schoß, wir bitten Dich um Rettung für die Ruhelosen, die Sehnsüchtigen, die Aufbrechenden.
Zu Dir kommen die Weisen. Wir bitten Dich um Menschenfreundlichkeit für die Mächtigen in dieser Welt, die Einflussreichen, die Starken.
Dich beten die Hirten an. Wir bitten Dich um neuen Lebensatem für die Müden und Erschöpften, die Schwachen und Kranken die, die unbemerkt anderen helfen.
Zu Deiner Geburt haben die Engel gesungen. Wir bitten Dich um Frieden für Bethlehem und den Nahen Osten, für die von Kriegen erschütterte Welt, für die Verwundeten und Traumatisierten, für unsere Kinder.
An Deiner Krippe stehen Ochs und Esel. Wir bitten Dich um Ehrfurcht vor dem Leben der Tiere und aller Arten, für die bedrohte Schöpfung, das Zusammenleben von Mensch und Natur.
Deine Geburt ist unsere große Freude. Wir bitten Dich um Hoffnung für die Hoffnungslosen, für die Trauernden und alle, die in Angst leben.
Jesus, Kind der Maria, Du Liebe und Lebenskraft. In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an mit allen, die zu Deiner Krippe kommen mit der ganzen Christenheit und mit der ganzen Schöpfung. Amen.
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja.
Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
ebd. S.18.
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Rudolf Schäfer (16.September 1878 – 25. Oktober 1961)
Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, und über die, die da wohnen im finstern Lande, scheinet es helle. Vor Dir wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilet. Der Herr ist König und herrlich geschmückt, der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist.
Jesaja 9,1-2; Psalm 93,1
Introitus
Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! 2Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 3Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!
Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht! 8Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! 9Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!
10Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. 11Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; 12das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde 13vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.
Psalm 96,1-3.7-13
Alttestamentliche Lesung
Und der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: 11Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den Herrn nicht versuche.
13Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrauist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.
Jesaja 7,10-14
Kollekte
Hilf, lieber Herre Gott: daß wir der neuen leiblichen Geburt Deines lieben Sohnes teilhaftig werden und bleiben und unsrer alten südlichen Geburt ledig werden. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17
Epistel
Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten,2hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welten gemacht hat. 3Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe 4und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.
5Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt Ps 2,7: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt«? Und wiederum 2. Sam 7,14: »Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein«? 6Und abermals, wenn er den Erstgeborenen einführt in die Welt, spricht er Ps 97,7: »Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.« 7Von den Engeln spricht er zwar Ps 104,4: »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«, 8aber von dem Sohn Ps 45,7-8: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches. 9Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.« 10Und Ps 102,26-28: »Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. 11Sie werden vergehen, du aber bleibst. Und sie werden alle veralten wie ein Gewand; 12und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.« 13Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt Ps 110,1: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege«? 14Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?
Hebräer 1
Halleluja Vers
Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.
Psalm 98,3
Das heilige Evangelium
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.
20Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.22Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht Jes 7,14: 23»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
Matthäus 1,18-25
Graduallied zum 2. Christtag
2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.
3. Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.
4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satan hat betrogen, zu besuchen aus der Höh.
5. Jakobs Stern ist aufgegangen, stillt das sehnliche Verlangen, bricht den Kopf der alten Schlangen und zerstört der Höllen Reich.
6. Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist entzwei, und wir sind frei.
7. O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken Dir, o Jesulein.
8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle Dich der Engel Heer erhöht.
Text: Paul Gerhardt 166 Musik: DEN DIE HIRTEN LOBETEN SEHRE (NR. 29, I. TEIL) EG 39 LKG 105
Bekenntnis der Christenheit
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis.
Gebet am 2. Christtag
Wir stehen an deiner Krippe, Jesus, Kind der Maria, Abbild der Liebe.
Du ruhst in Marias Schoß, wir bitten dich um Rettung für die Ruhelosen, die Sehnsüchtigen, die Aufbrechenden.
Zu dir kommen die Weisen. Wir bitten dich um Menschenfreundlichkeit für die Mächtigen in dieser Welt, die Einflussreichen, die Starken.
Dich beten die Hirten an. Wir bitten dich um neuen Lebensatem für die Müden und Erschöpften, die Schwachen und Kranken die, die unbemerkt anderen helfen.
Zu deiner Geburt haben die Engel gesungen. Wir bitten dich um Frieden für Bethlehem und den Nahen Osten, für die von Kriegen erschütterte Welt, für die Verwundeten und Traumatisierten, für unsere Kinder.
An deiner Krippe stehen Ochs und Esel. Wir bitten dich um Ehrfurcht vor dem Leben der Tiere und aller Arten, für die bedrohte Schöpfung, das Zusammenleben von Mensch und Natur.
Deine Geburt ist unsere große Freude. Wir bitten dich um Hoffnung für die Hoffnungslosen, für die Trauernden und alle, die in Angst leben.
Jesus, Kind der Maria, du Liebe und Lebenskraft. In diesen Weihnachtstagen beten wir Dich an mit allen, die zu Deiner Krippe kommen mit der ganzen Christenheit und mit der ganzen Schöpfung. Amen.
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja.
Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
ebd. S.18.
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit.
Johannes 1,14.
Rudolf Schäfer (16.8.1878-25.10.1961)
Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. Und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst. Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Er sieget mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arme. Der Herr läßt sein Heil verkündigen vor den Völkern läßt er seine Gerechtigkeit offenbaren. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Ende sehen das Heil unseres Gottes. Jauchzet dem Herrn alle Welt; singet, rühmet und lobet. Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und Psalmen. Mit Drommeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem Könige.
Das Meer brause und was drinnen ist, der Erdboden und die drauf wohnen. Die Wasserströme müssen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn. Denn er kommt das Erdreich zu richten. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht.
Psalm 98,1-3 (4-7) 8-9.
Kollekte
Herr, allmächtiger Gott, der Du Dein Wort hast Fleisch werden lassen und uns darin mit dem neuen Lichte Deiner Gnade überströmest: verleihe uns, daß dieses Licht unsre Herzen durch den Glauben erleuchte und widerstrahle in unsern Werken. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.17
Alttestamentliche Lesung
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.[1] 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
Jesaja 9,2-7
Epistel
Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, 5 machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, 6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, 7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben. 8 Das ist gewisslich wahr. Darum will ich, dass du festbleibst, damit alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich mit guten Werken hervorzutun. Das ist gut und nützlich für die Menschen.
Titus 3,4-8
Halleluja Vers
Halleluja. Er gedenket an seine Gnade und Wahrheit dem Hause Israel; aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Halleluja.
Psalm 98,3
Das heilige Evangelium
Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Lukas 2,15-20
Glaubensbekenntnis der christlichen Kirche
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis.
Graduallied
2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen find’t; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.
3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.
4. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein; es leucht’ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.
5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward und führt uns aus dem Jammertal, macht uns zu Erben in seim Saal. Kyrieleis.
6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.
7. Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.
Barmherziger Gott, lieber himmlischer Vater, wir preisen dich für die Geburt deines Sohnes. In ihm leuchtet deine Liebe. Durch ihn berührt uns deine Gnade. Von ihm kommt dein Heil zu uns.
Wir bitten dich für deine Kirche in der ganzen Welt, für alle, die heute die Geburt deines Sohnes feiern: Erfülle deine Kirche mit Freude und Glanz und Schönheit. Lass deine Wärme spürbar werden in allen Gemeinden, auch dort, wo es gerade kalt und dunkel ist.
Wir bitten dich besonders für die Christen im Heiligen Land, im Iran, im Irak, in Syrien, in China, in Nordkorea, und überall, wo es schwer ist, im Glauben an dich zu leben. Behüte unsere Schwestern und Brüder vor Gefahr und Verfolgung. Bewahre sie in Anfechtung. Stärke sie, wenn sie die Hoffnung verlieren, und zeige uns Wege, ihnen beizustehen.
Wir bitten dich um Frieden auf Erden, um guten Willen bei allen Machthabern, und um Achtung für alle Menschen. Schaue auf die Ukraine, auf Israel, auf Syrien, auf den Sudan, und lass Frieden werden. Wir bitten dich um Freiheit für die israelischen Geiseln, die noch immer in der Hand der Terroristen sind. Wir bitten um deinen Schutz für alle, die ihr Leben riskieren, um den Frieden zu sichern. Wir denken besonders an unsere Soldaten und Soldatinnen in den Einsatzgebieten. Wir bitten um Versöhnung zwischen Feinden und Gerechtigkeit für die Unterdrückten.
Wir bitten dich für die, für die diese Tage besonders schwer sind. Für die Kinder, denen niemand etwas schenkt. Für die Frauen, deren Männer im Krieg gefallen sind. Für die Kranken, die nach Hause wollen. Nimm dich aller an, die traurig sind, die geliebte Menschen vermissen, die sich einsam fühlen. Umfange sie mit deiner Nähe, und sende ihnen Menschen, die für sie da sind.
Wir bitten dich für alle, mit denen wir Weihnachten feiern. Segne unsere Familien und unsere Freundeskreise; alle, denen wir verbunden sind in Liebe und Verantwortung. Erfülle unsere Häuser mit deiner Freude. Bringe Heilung, wo es Verletzungen gegeben hat. Bringe Frieden, wo Streit war. Lass uns alle spüren, wie sehr du uns liebst, und hilf uns, einander unsere Liebe zu zeigen.
Wir danken dir, Gott, dass du in Jesus Christus bei uns bist, und wir deine Herrlichkeit sehen dürfen. Hilf uns, in deinem Licht zu leben. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Halleluja. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Halleluja.
Wir danken Dir, allmächtiger Herre Gott, daß Du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast und bitten Deine Barmherzigkeit bereite Du selbst durch diese himmlische Speise unsre Herzen, auf daß wir in der Gemeinschaft Deines Sohnes Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch unseren Herrn IX, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
ebd. S.18.
+ Der Herr sei mit Euch +
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Dr. Martin Luther brought back the Gospel to light. He let us hear, what the Gospel is about and what it meant for us. He changed our way of seeing things by showing us God, His person and work in a new light.
Jesus Christ, the Judge of the World: Sacristy of the city church in Wittenberg
Before his time people in Wittenberg – and for much of the Middle Ages – Christians of the Western Church envisioned the Lord Jesus Christ as the almighty and ever righteous judge of all at the final Judgment. That picture was imprinted on people´s minds. It was magnified before them in sermons and art. In the city church of Wittenberg, the big picture (2,15m) depicted Jesus Christ with the two-edged sword in his mouth. This is the imagery Dr. Martin Luther grew up with: Jesus Christ, the sword wielding Judge, who was to be trusted, feared and trusted above all. The great reformer feared Him alright, but always fell short on the loving and trusting part, which is demanded as much in the first commandment. This seemed much easier with dear mother Mary, holy Virgin and Mother of God. She was ever so sweet and endearing. No wonder the city church was named after her – like countless others in Europe: Unserer lieben Frauen! Her image of cradling baby Jesus on the front portal was even bigger than that of the fearsome Judge, which was rather hidden in the sacristy.
Front portal of Dr. Martin Luther´s preaching church – today’s city church in Wittenberg – depicting St. Mary.
The Lutheran Reformation did a lot to correct wrong perceptions. Luther´s hymns laud and praise the “glad tidings of great joy” brought to us by heavenly hosts:
To you this night is born a child of Mary, chosen virgin mild; This little child of lowly birth shall be the joy of all the Earth. This is the Christ, our God most high who hears your sad and bitter cry; He will Himself your Salvior be from all your sin to set you free. He will on you the gifts bestow prepared by God for all below, That in His kindgom, bright and fair, you may with us His glory share.
Dr. Martin Luther 1535 translated by Catherine Winkworth 1827-1878 LSB 358,2-4
Our good Lord, who himself is the very font and source of our joy, peace and salvation. He, not only to be feared, but far more loved and trusted above all else, because He was not out to get us by force, but rather seek, forgive and heal us – bringing us home to the Father.
All Dr. Martin Luther´s life and work circled around these good tidings for all the world:
My heart for very joy must leap; my lips no more can silence keep. I, too, must sing with joyful tongue that sweetest, ancient cradle song; Glory to God in highest heav’n, who unto us His Son has giv’n! While angels sing with pious mirth a glad new song to all the earth.
ibd. Stanzas 14-15.
Whereas the Germans celebrated the legendary St. Nicolas as the true giver of good gifts, Dr. Martin Luther wanted his children and all people to trust, that it was our good Lord Jesus Christ himself – “das liebe Christkind” – who brought us all good from the Father and made us true heirs of heaven and God´s very own children. So, he shifted the previous emphasis on the Saints of the church to the fount and source of all goodness, yes, to our very good God himself: Jesus Christ.
Birth of our Saviour, Lord and God Jesus Christ (Lucas Cranach, 1520)
That is why Luther brought in the imagery of the wonderful and miraculous Christmas tree of light and colors bearing many gifts, sweets, fruits and nuts in the middle of winter reflecting the biblical tree of Psalm 1 and that of Revelation 22, but also of course the tree of life in Genesis 2,9ff. These direct us on to Nehushtan in Numbers 21,8f and ultimately to the most precious cross of our Lord on Golgotha, where He bore the ancient curse for us and brought about our salvation by being our propitiation with the Father, yes, He became sin for us, to save, forgive and free us. Thus, He changed the accursed beams to become for us the most beloved and dearest of all trees – the very tree of life: “For I determined not to know any thing among you, save Jesus Christ, and Him crucified.” (1. Corinthians 2,2). That is why we celebrate Christmas even today. We erect big Christmas trees and we light up a lot of lights and celebrate all the good that our gracious God has in His overwhelming goodness so richly and freely bestowed on us and our children and all of His children far and wide.
Oh, this is not just Dr. Martin Luther´s story. It is God´s very own story and all the world celebrates it. There will come a time, when all knees will bow before him like those ragtag shepherds, but also the rich and wise kings from the East did in Bethlehem. Yes, all tongues will confess, that Jesus Christ is Lord indeed. He, the very own Son of our heavenly Father, who became our brother, so that we would be God´s own children – back at home in heaven forever.
Today, many people see the old pictures and stone relics of the city church. Even more celebrate the many lights on the Christmas market on the public square. There is lots of music, good food and drink, many happy faces. The impressive Christmas tree is something to behold, but sadly like in those old days, when people relied more on the Saints, that on our only Saviour, too many are satisfied with the leftovers falling from the Lord´s table – and neglect the only saving truth of the Gospel and its most precious content Jesus Christ himself. Therefore, Luther’s message focussing us on the core and nitty gritty of the Gospel remains our focus and top priority.
Just like that Lutheran pastor, who grew up close to Wittenberg in Gräfenhainichen and studied in Wittenberg wrote down for all of us:
Come, then, banish all your sadness! One and all, great and small, come with songs of gladness. We shall live with Him forever there on high in that joy which will vanish never.
Paul Gerhard, 1653 translated by Catherine Winkworth 1827-1878: LSB 360,6
Liebe Freunde und Verwandte, Euch wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr 2025, ganz so wie es uns Dr. Martin Luther ins Herz gesungen hat:
Des laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehen hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt.
LKG 86,6
Rudolf Schäfer (1878-1961)
Das Jahr 2024 ging für uns wunderbar los und zwar mit der Geburt unserer Enkelin Isabel Charlotte Uenzen im Marienhaus St. Elisabeth Klinikum (Neuwied) am 19. Januar um 3h03. Gott sei Dank haben Mutter und Kind das gut überstanden.
Inzwischen ist unsere Kleine getauft und wir haben uns schon beinah dran gewöhnt Großeltern von einer kl. Prinzessin zu sein. Inzwischen sitzt und krabbelt sie, die selbst für ein Weberlein ein bemerkenswert flottes Mundwerk und ein beachtliches Repertoire an Tönen und Höhenlagen gemeistert hat.
Sie ist besonders gesegnet mit ihren zwei herzlichen Cousins Max und Louis nebenan. Die sind mächtig stolz auf ihre Cousine und passen sie rührig auf. Gerade wie es sich gehört. Oh, ja wir sind tief beglückt von den Kindern in der Eifel und habe allen Grund zutiefst dankbar zu sein wie der Psalmist uns ermahnt:
Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.
Psalm 127,3
Winter in unserer Lutherstadt
Bruder Gerhard und seine Carmela feierten nach Ostern Silberhochzeit in München. Das war noch so ein Höhepunkt des Jahres dieses schöne Familienfest in der dortigen Trinitatis Gemeinde (Lustheimstraße).
Die Hellbergs, Prigges, Drewes, Stallmanns usw haben zusammen mit uns Webers, Scharlachs, Schützes und Nietzkes ein fröhliches Wiedersehn dort in der bayrischen Hauptstadt gefeiert. Mein Schwiegervater hätte sich gefreut. Er bevorzugte dieses malerische Alpenvorland weit über dem norddeutschen Flachland. Aussichtsweise hat er nicht unrecht.
Das denke ich jedes Mal, wenn ich vom hohen Kloster Andechs zu den malerischen Alpen rüber schau. So passiert beim ersten Stopp der „Lutherland-Tour“ mit Präsident Harrison (LCMS). Da könnt man denken, man sähe das gelobte Land vor sich ausgebreitet
ein gutes und weites Land, ein Land, darin Milch und Honig fließt.
2. Mose 3,8
Kein Wunder zieht es unsere Familie und Freunde dorthin. Unser Sohn Christoph ist dort gerne zu Besuch bei “unserem” Daniel mit seiner Ele und der kl.Esther, die ihn aber auch in Wurzen gerne besuchen. Olly arbeitet weiterhin in München. Berno und Karin haben dort in der bayrischen Hauptstadt ja so was wie ihre zweite Heimat mit ihren Kindern. Irgendwann werde ich es auch zum Oktoberfest schaffen – und vielleicht auch zu einem Spiel in der Allianz Arena. Dieses Mal haben wir einen Abstecher dorthin gemacht als wir auf dem Wege zu unserer Tochter im Westen waren. So konnten wir auch bei Jörn und Susanne in Kirchheim unter Teck vorbeischauen. Einmal sind wir mit Friederike und der Kleinen dann auch bis in die Normandie vorgedrungen. Super wars und schmeckte definitiv nach mehr.
Ganz anders ist die Aussicht jetzt hier, wenn man nordwärts über die Magaliesberge fährt und ins dürre Buschveld Richtung meines Geburtsorts in W.Transvaal fährt. Obwohl die Bäume grün ausgeschlagen sind, wächst kein frisches Gras. Noch nicht. Kein Regen. Rote, verbrannte Erde. Nur da, wo Platinminen neue Haufen aufstapeln, türmt es sich schwarz und steinig in der ausgetrockneten Landschaft auf. T. Lieselotte sprach von einer “grünen Dürre”. Aber auch hier haben wir Freunde und Verwandte. Sie wohnen auf gut halber Strecke nach Ventersdorp in Phokeng (Rustenburg).
Die Oase „Buffelsbrew“ von Hartmut und Cousine Margie Albers war so was von willkommen. Mit Schwester Renate und ihrem Hans haben wir besucht. Buschveldbäume wie „Buffels- und soetdoring“ schirmen die Sonne ab. Unten wächst üppig LM-Rasen da ausdauernd bewässert: ´n luilekker kuierplek – auf den Tisch kommt es so schmackhaft wie ich es von Albers schon immer in bester Erinnerung habe.
In Angelikas Schulferien sind wir zu unserer Botschaft in Berlin geradelt. Ich sollte bestätigen, daß ich meine südafrikanische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben wollte auch wenn ich die deutsche dank mütterlicher Abstammung rechtlich zugeteilt bekomme. Das ist jetzt angeblich nur noch eine Frage der Zeit. Aus Stadt Allendorf kam die Bestätigung, daß meine Mutter dort in frühen Jahren gemeldet war und auch eingeschult wurde. Damit ist die Geschichte wahrscheinlich gelaufen.
Es war eine tolle Radstrecke durch Feld und Wald, über versteckte Dörfer und weite Landstriche in der Mark Brandenburg. Ich habe sogar einen kl. Wolf überrascht – und zwar in der Nähe von der Burg Rabenstein. Es gab auch sonst viel Wild und Vögel zu bewundern. Die mehr als hundert Kilometer waren eindrücklich – nicht nur am Gesäß. Übernachtet haben wir in Werder an der Havel ehe wir über die Glienicker Brücke nach Potsdam und dann ins Herz der Hauptstadt geradelt sind. In Berlin haben wir uns nach dem kurzen Termin noch auf der Spree auf einer Bootsfahrt ausgeruht, ehe wir mit dem Zug heimwärts sind.
T. Bärbel mit ihrer Freundin Gertrud machten bei uns Pause als sie auf ihrer Luther-Pilgertour durch das reformatorische Kernland zogen. Das hat uns ermuntert ebenfalls auf Luthers Fußspuren durch den Fläming von Roßlau nach Zerbst und dann über Aken bei Merkels; Mosigkau und Reppichau (Sachsenspiegel) bis nach Köthen (Bach) zu wandern. Diese Pilgertour zu Fuß mit Gesangbuchkirche (Luso), schönem Kirchplatz (Steckby) bis zu den Wildschweinen an der Mittelelbe schafften wir in täglich fast 25km weiten Etappen. Bei bewölktem Himmel und regnerischem Wetter ließ es sich gut angehen. Wir hatten top Quartiere bei interessanten Wirtsleuten. So wollen wir gerne den Luther-Weg weiter entdecken – Schritt für Schritt und alle Jahre wieder – so Gott will und wir leben.
Schließlich sind wir zu den Kindern in Montenegro gefahren. Sobald sie mit ihrem Quartal in Seattle fertig waren, war das Treffen in Biljanas Heimat angesagt. Eine wunderbare Entdeckungsfahrt führte uns in die Schweiz des Balkans über die Tschechei, ins rumänische Banat der katholischen Donauschwaben, wo wir in Timisoara und Nitçhidorf, die Heimat von Herta Müller aufsuchten. Unterwegs hörten wir ihre düsteren Erinnerungen wie „Die Atemschaukel“, „Die Nacht ist aus Tinte gemacht“, „Herztier“, „Niederungen“ usw. Das geht unter die Haut. Wie ganz anders war doch unsere Geschichte im südlichen Afrika. Da waren wir nicht auf der verfolgten und verdächtigten Seite.
Im heißen Sommer, über schier unendliche Weiten, die einstmalig so Deutsch waren wie Herta Müller das beschreibt und wie bei uns z.B. Lüneburg (Dumbe) und Wartburg (Umgeni), erschloß sich uns eine vielfältige und völlig unbekannte Landschaft, wo inzwischen kaum noch einer Deutsch redet. Ihre alte Dorfschule, wo es noch einige Hefte von Herta Müller gab, sah es aus wie in einer verwahrlosten Schule in einem der vielen vergessenen Bantustane. Wir haben gestaunt und bewundert und so viel wie möglich aufgenommen. Auch in Brno, Bratislava und Timisoara, Dubrovnik, Split, Ljubljana und Regensburg. Dazu gehörte der entspannte Picknick auf einer Wolldecke überm Gras unter Pflaumenbäumen neben trockener Erdstraße, die an Herta Müllers Elternhaus vorbeiführte. Oben auf dem Elektromast klapperten die Störche wie eh und je. Unten wirtschafteten fleißige Rumänen in der Mittagshitze mit Hacke, Schaufel und Schubkarre. Es sah aus wie in Dirkiesdorp damals oder eben Ventersdorp in schon lang vergessener Zeit.
Am schönsten war es dann aber bei Konatars im montenegrinischen Nordosten – kurz vor der serbischen Grenze. Oben in den Bergen, wo es Hirsche, Bären und Wölfe geben soll, haben wir in einem malerischen Holzhaus der Familie im prachtvollen Blumengarten, der von Bienen summte und Vögeln nur so zwitscherte, inmitten von Obstplantagen und im wohl ausgedachten Dreieck klösterlicher Prachtbauten der serbisch orthodoxen Kirche logiert. Die Gastfreundschaft von Detlevs Schwiegerfamilie war sprichwörtlich und überwältigend. Da haben wir manches dazugelernt, obwohl wir doch bereits überaus bemerkens- und dankenswerte Gastfreundschaft genossen. Diese war sagenhaft. Biljanas Mutter hat uns so liebevoll aufgenommen und mit ihrer Großfamilie aufs fürstlichste bewirtet und alles dran gewendet, daß wir uns aufs Beste aufgenommen und nach Noten verwöhnt fühlten.
Trotz der Sprachschwierigkeiten haben wir uns hier bald ganz zuhause gefühlt – hier wo die tapferen Montenegriner die muslimische Fremdherrschaft nach jahrzehntelanger Unterdrückung wieder abgeschüttelt haben, daß die Europäer sie immer wieder als Vorbild mutigen Aufbegehrens preisen. Die Landschaft ist malerisch. Klöster allgegenwärtig. Essen exotisch. Kein Wunder ist uns der Abschied schwergefallen, doch zuhause hatten unsere Geschwister Straeuli sich angemeldet. Außerdem wartete Dr. Robert Kolb mit Frau Pauline, unsere Sommervertretung in der Alten Lateinschule, auf Ablösung.
Ehe wir uns auf den Weg machten, hörten unsere beiden Kinder, daß ihnen jeweils eine Stelle in Lawrence (Kansas) offen stand. Das erleichterte die fällige Entscheidung von der Küste zurück in den mittleren Westen zu ziehen. Dieser Link ist zu einem Interview. Da gibt unser Detlev einen Einblick in seine Welt. und erinnert uns wie so vieles in unserem Leben an Luther´s Erklärung:
Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat … alles gegeben hat und noch erhält… mit aller Notdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens mich reichlich und täglich versorget, wider aller Fährlichkeit beschirmet und vor allem Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit ohne all mein Verdienst und Würdigkeit; des alles ich ihm zu danken und zu loben, dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr.
Von dieser göttlichen Fürsorge getragen und von seiner verläßlichen Verheißung, daß unser gütiger, barmherziger, dreieiniger Herr und Heiland derselbe ist gestern wie heute und allezeit, ermutigt, nimmt Paul Gerhardt (1653) uns mit vertrauensvoll mitzusingen:
Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann.
Lutherisches Kirchengesangbuch 339
Unser Christoph hat sich in Wurzen gut eingelebt. Bei einer IT-Firma in Bennewitz ist er angestellt. Von dort kommt Luther-Käse, gesalzene Butter und frischer Quark zu uns auf den Tisch in Wittenberg. Wir sind dankbar, daß er in unserer Nähe wohnt und wir ihn dort in unserem Nachbarland Sachsen so leicht besuchen können. Er hat Angelika von einem Klavierhändler in Leipzig erzählt. Dort haben wir dann kurz entschlossen auch eines dieser Instrumente erstanden. Darauf übt Angelika ausdauernd, damit sie mit unserem Ältesten und Familienmusikus immer mal zur allgemeinen Beglückung aufspielen kann.
Unser Matthias hat sich nach einem Jahrzehnt als Vertreter bei ALMI verselbständigt. Das bringt ihm allerlei Veränderungen mit. Zusammen mit seinem Paten Gerhard teilt er inzwischen Arbeitsfläche in Silverton. Wir freuen uns an ihrem anhaltenden Elan und wünschen gutes Gelingen und erfolgreiche Geschäfte. Wir sind dankbar, daß er uns Haus und Hof in Murryfield in Schuß hält und wir dort jederzeit willkommen sind. Es ermöglicht das Pendeln zwischen den Kontinenten. So erleben wir hier und da das Beste unserer zweier Welten. Es ist ein großes Glück unter eigenem Dach zu wohnen und ein Zuhause zu haben. Das geht vielen ganz anders. Zusammen mit Matthias war ich in der Adventszeit wieder einmal im Krügerpark. Manche nennen das ihren “happy place”. Naja, wir haben eine Reihe davon. Gott sei Lob und Dank.
Das ist in der Wildnis auch dieses Mal sehr schön gewesen. Leider ist mein Vermögen viel zu gering, das angemessen in Worte zu fassen. Wie sagt der Liederdichter so schön und treffend:
Ach, denke ich, bist Du hier so schön und läßt Du´s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?
O wär ich da! O stand ich schon, ach süßer Gott, vor Deinem Thron und trüge meine Palmen: so wollt ich nach der Engel Weis´ erhöhen Deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen.
Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu Deinem Lobe neigen.
Paul Gerhardt 1656 (LKG 329,9.11f)
Natürlich hatten Angelika und ich beide noch dies und das beruflich zu tun. Für mich waren die Highlights die Besuche von Matt mit seinen unterschiedlichen Truppen aus Missouri. Die Lutherlandtour 2024 war besonders, auch die Treffen mit Seminar- und Universitätsleitern Anfang des Jahres bzw mit seinen Vizepräsidenten und seinem Musikspezi Rob Bourassa, die im Oktober fast zwei Wochen bei uns waren. Angelika unterrichtet inzwischen “nur” noch Deutsch – und zwar Muttersprachenunterricht, was vor allem Literatur beinhaltet. Das gefällt ihr gut und ist inzwischen auch nicht mehr nur neu. Nachmittags gibt sie den Ukrainern noch immer freiwillig Nachhilfe beim Sprachenlernen. Das hält sie schon drei Jahre so durch, obwohl es ganz schön zeitaufwendig ist. Die Ukrainer sind ihr sehr dankbar und das ermuntert sie immer wieder. Zu ihrem Vergnügen hat sie manche Opern bzw Musikveranstaltungen in Wittenberg, Leipzig, Dessau und Berlin besucht. Das sind ihre Glücksmomente. Ich begnüge mich mit dem ausgiebigen Radioprogramm – und komme auch damit manchmal nicht mehr nach. Morgens starten wir beide mit dem FAZ-Frühdenker bzw Gabor Steingarts Pioneer Briefing. Angelika folgt dem ÖRR im Fernsehen, während ich mich vor allem auf X über die Ukraine, Israel und die USA orientiere. Zusammen sind wir zum berühmten Birnbaum in Riebbeck gefahren, aber auch gen Osten an die Oder in die Gärten von Graf Pückler. Renovierte Klöster haben wir dabei aufgesucht in Lehnin, Helfta, Doberlug usw. Es gibt noch viel zu sehen und mehr zu erleben im wunderschönen Deutschland – und wir haben noch immer großen Nachholbedarf.
So geht das Jahr schnell vorbei. Schon wieder liegt ein Jahr hinter uns. 2024 ist bisher ein gutes und schönes Jahr gewesen. Ende November hat mein Patenjunge Martin Rencken, Lisas Ältester, Meghan in Kirchdorf geheiratet. So Gott will und wir leben, heiratet Heinz Scharlach, Werners Jüngster, Anfang Januar. Angelika fliegt unter denselben Bedingungen des hl. Apostels Jakobi am nächsten Tag zurück zur Lutherstadt. Ob ich dann zur Bischofseinführung am 23. Februar und zur Hochzeit meines Patenjungen Christian am Vortrag wieder hier sein kann, wage ich noch nicht zu behaupten, aber sie sagen doch, man muß die Feste feiern wie sie fallen. Anders als Melanchthon werde ich das aber nicht aus den Sternen versuchen abzulesen, sondern eher nach Zeit und Geld. Naja, inzwischen wollen wir hier noch möglichst viel Sonnenschein tanken, unsere beiden Mütter in Natal besuchen und noch mehr Freunde und Verwandte. Immer dringlicher mahnt die alte Volksweise uns, die wir schon auf dem Sprung sind:
Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen der rollt.
Inzwischen bitten wir unseren Herrn und Heiland mit Worten des inzwischen oft oben zitierten Liederdichters aus Gräfenhainichen und singen weiterhin frohgemut und erhörungsgewiß mit ihm und der ganzen Christenheit:
Eins aber, hoffe ich, wirst Du mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich Dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch Dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein Dich und all Deine Freuden.
Paul Gerhardt 1653 (LKG 102,10)
Das wünschen wir Euch, unseren lieben Freunde und Verwandte zusammen mit unseren Kindern und unserer Enkelin und verbleiben gerne auch weiterhin
Eure Webers, die südafrikanischen Deutschen bzw deutschen Südafrikaner,
Berliner Weihnachtsbaum 1856: Aquarell mit Scherenschnitten. Frankfurter Goethe-Haus. Nach einem von Herman Grimm (Sohn von Wilhelm Grimm) gezeichnet und mit Scherenschnitten aus Goldfolie und schwarzem Papier geschmückt.
So lauft mit schnellen Schritten, den König zu besehn, dieweil er kommt geritten, stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, den Heiland zu begrüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann.
Der König will bedenken die, welch er herzlich liebt, mit köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad und Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen loben. Dich freudig hier und dort.
Nun, Herr, Du giebst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Du jagst den Sündern nach. Drum wollen wir all in ein die Stimmen hoch erschwingen, Dir Hosianna singen und ewig dankbar sein.
Johann Rist 1651 (LKG 78,7-9)
Halleluja. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe. Halleluja. Es ist der Herr mächtig im Streite. Halleluja. Halleluja.
Psalm 24:7
Kollekte
O Gott, der Du uns durch das Gedächtnis unserer Erlösung alljährlich aufs neue erfreust: gib, daß wir Deinen eingeborenen Sohn, den wir freudenvoll als unseren Erlöser empfangen auch bei seinem Kommen zum Gericht getrost und im Frieden schauen. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.10
Fortlaufende Lese
Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – 70 wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, 71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, 72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, 73 an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, 74 dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht 75 unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. 76 Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.
Lukas 1,67-80 (Lobgesang des Zacharias)
Morgenlese
Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern wir reden, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.
1. Korinther 2,6-10
Abendlese
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden[1] in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. 2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten. 3 Er aber wird auftreten und sie weiden in der Kraft des HERRN und in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. 4 Und er wird der Friede sein. Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen.
Den ersten Artikel unsers Bekenntnisses lassen ihnen die Widersacher gefallen, in welchem angezeigt wird, wie wir glauben und lehren, daß da sei ein ewiges, einiges, unzerteiltes göttliches Wesen und doch drei unterschiedene Personen in einem göttlichen Wesen, gleich mächtig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist.
Diesen Artikel haben wir allzeit also rein gelehrt und verfochten, halten auch und sind gewiß, daß derselbe so starken, guten, gewissen Grund in der Heiligen Schrift hat, daß es niemand möglich sei, den zu tadeln oder umzustoßen. Darum schließen wir frei, daß alle diejenigen abgöttisch, Gotteslästerer und außerhalb der Kirche Christi seien, die da anders halten oder lehren.
Artikel II. Von der Erbsünde
Den andern Artikel, von der Erbsünde, lassen ihnen auch die Widersacher gefallen, doch fechten sie an, als haben wir’s nicht recht getroffen, da wir gesagt, was die Erbsünde sei, so wir doch zufällig allein des Orts davon geredet. Da wird alsbald im Eingang die kaiserliche Majestät befinden, daß unsere Widerwärtigen in dieser hochwichtigen Sache oft gar nichts merken noch verstehen, wiederum auch oft unsere Worte böslich und mit Fleiß uns verkehren oder je zu Mißverstand deuten. Denn so wir aufs allereinfältigste und klärste davon geredet, was die Erbsünde sei oder nicht sei, so haben sie aus eitel Gift und Bitterkeit die Worte, so an ihnen selbst recht und schlecht geredet, mit Fleiß übel und unrecht gedeutet, Denn also sagen sie: „Ihr sprecht, die Erbsünde sei dieses, daß uns ein solcher Sinn und Herz angeboren ist, darin keine Furcht Gottes, kein Vertrauen gegen Gott ist, das ist je eine wirkliche Schuld und selbst ein Werk oder actualis culpa; darum ist’s nicht Erbsünde.“
Es ist leichtlich zu merken und abzunehmen, daß solche cavillatio von Theologen, nicht von des Kaisers Rat herkommt. Wiewohl wir nun solche neidische, gefährliche, mutwillige Deutungen wohl wissen zu widerlegen, doch, daß alle redlichen und ehrbaren Leute verstehen mögen, daß wir in dieser Sache nichts Ungeschicktes lehren, so bitten wir, sie wollen unsere vorige deutsche Konfession, so zu Augsburg überantwortet, ansehen; die wird genug anzeigen, daß wir nichts Neues oder Ungehörtes lehren. Denn in derselben ist also geschrieben: „Weiter wird gelehrt, daß nach dem Fall Adams alle Menschen, so natürlich geboten werden, in Sünden empfangen und geboren werden, das ist, daß sie alle von Mutterleibe an voll böser Lüste und Neigung sind, keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott von Natur haben können.“
In diesem erscheint genug, daß wir von allen, so aus Fleisch geboren sind, sagen, daß sie untüchtig sind zu allen Gottessachen, Gott nicht herzlich fürchten, ihm nicht glauben noch vertrauen können. Da reden wir von angeborner böser Art des Herzens, nicht allein von actuali culpa oder von wirklicher Schuld und Sünde. Denn wir sagen, daß in allen Adamskindern eine böse Neigung und Lust sei, und daß niemand ihm selbst ein Herz könne oder vermöge zu machen, das Gott erkenne oder Gott herzlich vertraue, herzlich fürchte. Ich wollte doch gerne hören, was sie da schelten wollen oder möchten. Denn fromme, redliche Leute, denen die Wahrheit lieb, sehen ohne allen Zweifel, daß dieses recht und wahr ist. Denn auf die Meinung sagen wir in unserm lateinischen Bekenntnis, daß in einem natürlichen Menschen nicht potentia, das ist, nicht so viel Könnens, Vermögens sei auch nicht an unschuldigen Kindlein, welche auch aus Adam untüchtig sind, immer herzlich Gott zu fürchten und herzlich Gott zu lieben. In den Alten aber und Erwachsenen sind noch über die angeborne böse Art des Herzens auch noch actus und wirkliche Sünden. Darum wenn wir angeborne böse Lust nennen, meinen wir nicht allein die actus, böse Werke oder Früchte, sondern inwendig die böse Neigung, welche nicht aufhört, solange wir nicht neugeboren werden durch Geist und Glauben.
Aber danach wollen wir mit mehr Worten anzeigen, daß wir von der Erbsünde, nämlich was dieselbe sei oder nicht, auch auf geübte, alte Weise der Scholastiker und nicht so ungewöhnlich geredet haben. Ich muß aber erst anzeigen, aus was Ursachen ich an dem Ort vornehmlich solcher und nicht anderer Worte habe brauchen wollen. Die Widersacher selbst reden also davon in ihren Schulen und bekennen, daß die Materie oder Materiale der Erbsünde, wie sie es nennen, sei böse Lust. Darum, so ich habe wollen sagen, was Erbsünde sei, ist das nicht zu übergehen gewesen, sonderlich dieser Zeit, da etliche von derselben angebornen bösen Lust mehr heidnisch aus der Philosophie denn nach dem göttlichen Wort oder nach der Heiligen Schrift reden.
Denn etliche reden also davon, daß die Erbsünde an der menschlichen Natur nicht sei eine angeborne böse Art, sondern allein ein Gebrechen und aufgelegte Last oder Bürde, die alle Adamskinder um fremder Sünde willen, nämlich Adams Sünde halben, tragen müssen, und darum alle sterblich seien, nicht daß sie selbst alle von Art und aus Mutterleibe Sünde ererbten. Darüber sagen sie dazu, daß kein Mensch ewig verdammt werde allein um der Erbsünde oder Erbjammers willen, sondern gleichwie von einer leibeigenen Magd leibeigene Leute und Erbknechte geboren werden, nicht ihrer eigenen Schuld halben, sondern daß sie der Mutter Unglücks und Elends entgelten und tragen müssen, so sie doch an ihnen selbst, wie andere Menschen, ohne Wandel geboren werden: so sei die Erbsünde auch nicht ein angebornes Übel, sondern allein ein Gebrechen und Last, die wir von Adam tragen, aber für uns selbst darum nicht in Sünden und Erbungnaden stecken.
Damit ich nun anzeigte, daß uns solche unchristliche Meinung nicht gefiele, habe ich dieser Worte gebraucht: „Alle Menschen von Mutterleibe an sind alle voll böser Lüste und Neigung“ und nenne die Erbsünde auch darum eine Seuche, anzuzeigen, daß nicht ein Stück, sondern der ganze Mensch mit seiner ganzen Natur mit einer Erbseuche von Art in Sünden geboren wird.
Darum nennen wir es auch nicht allein eine böse Lust, sondern sagen auch, daß alle Menschen in Sünden ohne Gottesfurcht, ohne Glauben geboren werden. Dasselbe setzen wir nicht ohne Ursache dazu. Die Schulzänker oder Scholastici, die reden von der Erbsünde, als sei es allein ein leichtes, geringes Gebrechen, und verstehen nicht, was die Erbsünde sei, oder wie es die andern heiligen Väter gemeint haben. Wenn die Sophisten schreiben, was Erbsünde sei, was der fomes oder böse Neigung sei, reden sie unter andern davon, als sei es ein Gebrechen am Leibe, wie sie denn wunderkindisch von Sachen zu reden pflegen, und geben Fragen vor: ob dasselbe Gebrechen aus Vergiftung des verbotenen Apfels im Paradies oder aus Anblasen der Schlange Adam erst angekommen sei; item, ob es mit dem Gebrechen die Arznei je länger, je ärger macht.
Mit solchen zänkischen Fragen haben sie diese ganze Hauptsache und die vornehmste Frage, was die Erbsünde doch sei, gar verwirrt und unterdrückt. Darum, wenn sie von der Erbsünde reden, lassen sie das Größte und Nötigste außen, und unsers rechten, größten Jammers gedenken sie gar nicht, nämlich daß wir Menschen alle also von Art geboren werden, daß wir Gott oder Gottes Werk nicht kennen, nicht sehen noch merken, Gott verachten, Gott nicht ernstlich fürchten noch vertrauen, seinem Gericht oder Urteil feind sind; item, daß wir alle von Natur vor Gott als einem Tyrannen fliehen, wider seinen Willen zürnen und murren, item, uns auf Gottes Güte gar nicht verlassen noch wagen, sondern allzeit mehr auf Geld, Gut, Freunde verlassen. Diese geschwinde Erbseuche, durch welche die ganze Natur verderbt, durch welche wir alle solch Herz, Sinn und Gedanken von Adam ererben, welches stracks wider Gott und das erste, höchste Gebot Gottes ist, übergehen die Scholastici und reden davon, als sei die menschliche Natur unverderbt, vermöge, Gott groß zu achten, zu lieben über alles, Gottes Gebote zu halten usw., und sehen nicht, daß sie wider sich selbst sind.
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Auf, auf, ihr Reichsgenossen, Eur König kommt heran! Empfahet unverdrossen den großen Wundermann. Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Hosianna singen mit heiliger Begier.
Auf, Ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da. Seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf und Wort.
Auf, auf, Ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern. Seid fröhlich, Ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Not mit reichem Trost Euch speisen, er will Euch Hilf erweisen, ja dämpfen gar den Tod.
Und wenn gleich Krieg und Flammen uns alles rauben hin, Geduld! – weil ihm zusammen gehört doch der Gewinn. Wenn gleich ein früher Tod die Kinder uns genommen, wohlan, so sind sie kommen ins Leben aus der Not.
Frischauf in Gott, Ihr Armen, der König sorgt für Euch; er will durch sein Erbarmen Euch machen groß und reich. Der an das Tier gedacht, der wird auch Euch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht.
Frisch auf, Ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht, an uns, sein´ Herzgeliebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein, noch Zorn hinfort uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder sein.
Johann Rist 1651 (LKG 78,1-6)
Halleluja. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe. Halleluja. Es ist der Herr mächtig im Streite. Halleluja. Halleluja.
Psalm 24:7
Kollekte
O Gott, der Du uns durch das Gedächtnis unserer Erlösung alljährlich aufs neue erfreust: gib, daß wir Deinen eingeborenen Sohn, den wir freudenvoll als unseren Erlöser empfangen auch bei seinem Kommen zum Gericht getrost und im Frieden schauen. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.10
Fortlaufende Lese
Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. 59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen. 60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. 62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. 63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle. 64 Und sogleich wurde sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott. 65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas. 66 Und alle, die es hörten, nahmen’s zu Herzen und sprachen: Was wird aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
Lukas 1,57-66
Morgenlese
Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden zu ihm sandten aus Jerusalem Priester und Leviten, dass sie ihn fragten: Wer bist du? 20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 21 Und sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin’s nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. 22 Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du dann?, dass wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 23 Er sprach: »Ich bin die Stimme eines Predigers[5] in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!«, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 24 Und sie waren abgesandt von den Pharisäern, 25 und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet? 26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. 27 Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse. 28 Dies geschah in Betanien jenseits des Jordans, wo Johannes taufte.
Johannes 1,19-28
Abendlese
Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, 2 das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, 3 von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, 4 der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn. 5 Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, den Gehorsam des Glaubens um seines Namens willen aufzurichten unter allen Heiden, 6 zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus. 7 An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Römer 1,1-7
Bekenntnislese: Vorrede der Apologie
Aus dem Latein verdeutscht durch Justus Jonas
Philippus Melanchthon dem Leser.
Als das Bekenntnis unserer gnädigsten und gnädigen Herren, des Kurfürsten zu Sachsen und der Fürsten diese Teils, zu Augsburg öffentlich vor kaiserlicher Majestät und den Ständen des Reichs ist verlesen worden, haben etliche Theologi und Mönche wider dasselbe Bekenntnis und Konfession eine Antwort und Widerlegung gestellt, welche dann kaiserliche Majestät hernach vor Ihrer Majestät, den Kurfürsten, Fürsten und Ständen des Reichs verlesen lassen, und hat begehrt, daß unsere Fürsten aus solche Meinung forthin wollten zu glauben, auch zu lehren und zu halten willigen.
Dieweil aber die unsern angehört, daß in solcher Antwort der Theologen viele Artikel verworfen, welche sie ohne Beschwerung der Gewissen und mit Gott nicht könnten lassen verwerfen, haben sie der Antwort oder der Konfutation Abschrift gebeten, damit sie eigentlich sehen und erwägen möchten, was die Widersacher zu verdammen sich unterstünden, und desto richtiger aus ihre Ursache und vorgebrachten Gründe wieder antworten möchten.
Und in dieser großen, hochwichtigsten Sache, welche nicht Zeitliches, sondern eine gemeine Religion, aller Heil und Wohlfahrt der Gewissen und wiederum auch große Fährlichkeit und Beschwerung derselben belangt, haben es die unsern gewiß dafürgehalten, daß die Widersacher solche Abschrift ohne alle Beschwerung ganz willig und gern überreichen oder auch uns anbieten würden.
Aber die unsern haben solches gar nicht anders erlangen mögen denn mit fast sehr beschwerlichen angehefteten Verpflichtungen und Konditionen, welche sie in keinem Weg haben willigen mögen.
Danach ist eine Unterhandlung und etliche Wege der Güte oder Sühne vorgenommen, da sich denn die unsern aufs höchste erboten, alles gern zu tragen, zu dulden und zu tun, was ohne Beschwerung der Gewissen geschehen könnte.
Aber die Widersacher haben darauf allein hart gestanden, daß wir in etliche öffentliche Mißbräuche und Irrtümer haben willigen sollen, und so wir das nicht tun könnten noch wollten, hat die kaiserliche Majestät wider begehrt, daß unsere Herren und Fürsten willigen sollten, so zu glauben, so zu halten, wie der Theologen Konfutation lautet, welches unsere Fürsten ganz und gar abgeschlagen haben.
Denn wie sollten Ihre Kur= und Fürstlichen Gnaden in so hoher, allerwichtigsten Sache, vieler und ihre eigene Seele und Gewissen belangend, in eine Schrift willigen, die man ihnen nicht übergeben noch zu überlesen vergönnen oder überreichen wollte, sonderlich so sie in der Verlesung angehört, daß solche Artikel verworfen waren, die sie nicht möchten noch könnten nachgeben, sie wollten denn öffentlich wider Gott und Ehrbarkeit handeln?
Derhalben Ihre Kur- und Fürstlichen Gnaden mir und andern befohlen, eine Schutzrede oder Apologie unsers ersten Bekenntnisses zu stellen, in welcher der kaiserlichen Majestät Ursachen angezeigt würden, warum wir die Konfutation nicht annehmen, und warum dieselbe nicht gegründet wäre. 6
Denn ob man uns wohl Abschrift und Kopie über unser Flehen, Bitten und höchstes Ansuchen versagt, so hatten die unsern doch in Verlesung der Konfutation die Summa der Argumente fast in Eile und als im Fluge gefangen und aufgezeichnet, darauf wir die Apologie dasmal, so uns Kopie endlich versagt, stellen mußten.
Dieselbe Apologie haben die unsern zuletzt, als sie von Augsburg Abschied genommen, der kaiserlichen Majestät überantwortet, damit Ihre Majestät verstehen möchte, daß es ganz große, hochwichtige Ursache hätte, warum wir die Konfutation nicht hätten mögen willigen. Aber die kaiserliche Majestät hat die überantwortete Apologie geweigert anzunehmen.
Danach ist gleichwohl ein Dekret ausgegangen, darin die Widersacher sich mit Ungrund rühmen, daß sie unser Bekenntnis aus der Heiligen Schrift widerlegt haben.
Dagegen aber hat jedermann unsere Apologie und Schutzrede, daraus er wird sehen, wie und was die Widersacher geurteilt haben. Denn wir haben es hier eigentlich erzählt, wie es ergangen, und nicht anders, weiß Gott! So haben wir auch hier klar angezeigt, wie sie etliche Artikel wider die öffentliche, helle Schrift und klare Worte des Heiligen Geistes verdammt haben, und dürfen nimmermehr mit der Wahrheit sagen, daß sie einen Tüttel aus der Heiligen Schrift wider uns verantwortet hätten.
Wiewohl ich nun anfänglich zu Augsburg diese Apologie hatte angefangen mit Rat und Bedenken etlicher anderer, so habe ich doch jetzund, so dieselbe in Druck ausgehen sollte, etwas dazugetan. Darum schreibe ich auch hier meinen Namen dran, damit niemand klagen möge, das Buch sei ohne Namen ausgegangen.
Ich habe mich bisher, soviel mir möglich gewesen, geflissen, von christlicher Lehre nach gewöhnlicher Weise zu reden und zu handeln, damit man mit der Zeit desto leichtlicher zusammenrücken und sich vergleichen könnte, wiewohl ich diese Sache mit Fug weiter von ihrer gewöhnlichen Weise hätte führen mögen.
Die Widersacher handeln aber diese Sache dagegen also unfreundlich, daß sie sich genug merken lassen, daß sie weder Wahrheit noch Einigkeit suchen, sondern allein unser Blut zu saufen.
Nun habe ich auf diesmal auch noch aufs gelindeste geschrieben; wo aber etwas Geschwindes in diesem Buche ist, will ich solches nicht wider kaiserliche Majestät oder die Fürsten, welchen ich gebührliche Ehre gern erzeige, sondern wider die Mönche und Theologen geredet haben. Denn ich habe erst neulich die Konfutation bekommen recht zu lesen und merke, daß viel darin so gefährlich, so giftig und neidisch geschrieben, daß es auch an etlichen Orten fromme Leute betrügen möchte.
Ich habe aber nicht alle zänkischen, mutwilligen Ränke der Widersacher gehandelt; denn da wären unzählige Bücher von zu schreiben. Ihre besten, höchsten Gründe habe ich gefaßt, daß bei hohen und niedern Ständen, bei den jetzigen und unsern Nachkommen, bei allen eingebornen Deutschen, auch sonst aller Welt, allen fremden Nationen ein klar Zeugnis vor Augen sei und ewig stehen bleibe, daß wir rein, göttlich, recht von dem Evangelio Christi gelehrt haben.
Wir haben wahrlich nicht Lust oder Freude an Uneinigkeit; auch sind wir nicht so gar stock= oder steinhart, daß wir unsere Gefahr nicht bedenken. Denn wir sehen und merken, wie die Widersacher in dieser Sache uns so mit großem Gift und Bitterkeit suchen und bis hierher gesucht haben an Leib, Leben und allem, was wir haben. Aber wir wissen die öffentliche göttliche Wahrheit, ohne welche die Kirche Christi nicht kann sein oder bleiben, und das ewige heilige Wort des Evangelii nicht zu verleugnen oder zu verwerfen.
Derhalben, so wir um des Herrn Christi und um dieser allerhöchsten, wichtigsten Sache willen, an welcher der ganze heilige christliche Glaube, die ganze christliche Kirche gelegen ist, noch größeren Widerstand, Fahr oder Verfolgung warten oder ausstehen sollen, wollen wir in so ganz göttlicher, rechter Sache gern leiden und vertrösten uns des gänzlich, sind’s auch gewiß, daß der heiligen, göttlichen Majestät im Himmel und unserm lieben Heiland Jesu Christo dieses wohlgefällt, und nach dieser Zeit werden Leute sein und unsere Nachkommen, die gar viel anders und mit mehr Trauen von diesen Sachen urteilen werden.
Denn es können die Widersacher selbst nicht verneinen noch leugnen, daß viele und die höchsten, nötigsten Artikel der christlichen Lehre, ohne welche die christliche Kirche samt der ganzen christlichen Lehre und Namen würde vergessen und untergehen, durch die unsern wieder an Tag gebracht seien. Denn mit was zänkischen, vergeblichen, unnützen, kindischen Lehren viele nötige Stücke vor wenig Jahren bei Mönchen, Theologen, Kanonisten und Sophisten unterdrückt gewesen, will ich hier diesmal nicht erzählen; es soll noch wohl kommen.
Wir haben, Gott Lob! Zeugnis von vielen hohen, ehrlichen, redlichen, gottesfürchtigen Leuten, welche Gott von Herzen danken für die unaussprechlichen Gaben und Gnaden, daß sie in den allernötigsten Stücken der ganzen Schrift von uns viel klarere, gewissere, eigentlichere, richtigere Lehre und Trost der Gewissen haben, denn in allen Büchern der Widersacher immer gefunden ist.
Darum wollen wir, so die erkannte helle Wahrheit je mit Füssen getreten wird, diese Sache hier Christo und Gott im Himmel befehlen, der der Waisen und Witwen Vater und aller Verlassenen Richter ist; der wird (das wissen wir je fürwahr) diese Sache urteilen und recht richten. Und du, Herr Jesu Christ, dein heiliges Evangelium, deine Sache ist es; wollest ansehen so manch betrübt Herz und Gewissen und deine Kirchen und Häuflein, die vom Teufel Angst und Not leiden, erhalten und stärken deine Wahrheit! Mache zuschanden alle Heuchelei und Lügen und gib also Frieden und Einigkeit, daß deine Ehre vorgehe und dein Reich wider alle Pforten der Hölle kräftig ohne Unterlaß wachse und zunehme!
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Tauet, Ihr Himmel, von oben und Ihr Wolken, regnet den Gerechten; die Erde tue sich auf und bringe den Heiland. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündiget seiner Hände Werk. Ein Tag sagts dem anderen, und eine Nacht tuts kund der andern. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende. Er hat der Sonne eine Hütte am Himmel gemacht und dieselbe geht heraus, sie gehet wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freuet sich wie ein Held, zu laufen den Weg. Sie gehet auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende und bleibt nichts von ihrer Glut verborgen. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang, ist jetzt und bleibt immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Psalm 19:2f.5ff
Alttestamentliche Lese
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, 2 dass die Völker sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. 3 Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. 4 Man soll dich nicht mehr nennen »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Einsame«, sondern du sollst heißen »Meine Lust« und dein Land »Liebe Frau«; denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Mann. 5 Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.
Jesaja 62,1-5
Kollekte
O Gott, der Du uns durch das Gedächtnis unserer Erlösung alljährlich aufs neue erfreust: gib, daß wir Deinen eingeborenen Sohn, den wir freudenvoll als unseren Erlöser empfangen auch bei seinem Kommen zum Gericht getrost und im Frieden schauen. Durch unseren Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.10
Epistolische Lektion
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Philipper 4,4-7
Hallelujavers
Halleluja. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe. Halleluja. Es ist der Herr mächtig im Streite. Halleluja. Halleluja.
Psalm 24:7
Evangelium
Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut[1] war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete[2]! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; 48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. 50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. 51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. 54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,[3] 55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. 56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
Lukas 1,26-56 (Predigttext)
Gradualien für den 4. Advent
2. Er kommt zu uns geritten auf einem Eselein und stellt sich in die Mitten für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut, er will allein erwerben durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen tut.
3. Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht.
4. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt.
5. Ihr Armen und Elenden zu dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müsst haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut, lasst eure Lieder klingen, dem König Lob zu singen, der ist eu’r höchstes Gut.
6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eu’r Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud. Er ist’s, der helfen kann; halt’ eure Lampen fertig und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.
EG 9 (LKG 75) Matthäus 21,1-9 Text: Michael Schirmer 1640 Musik: Johann Crüger 1640
Glaubensbekenntnis der einen heiligen christlichen Kirche
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis.
Wochengebet
Du bist der Trost der ganzen Welt, du bist das Licht, das im Dunkeln Hoffnung gibt, Jesus Christus. Komm mit deinem Trost. Komm nach Magdeburg, zu den vielen Verletzten und ihren Angehörigen, den Gästen auf dem Weihnachtsmarkt, die körperlich unversehrt blieben. Komm zu den Trauernden in ihrem verzweifelten Klagen. Zu den Feuerwehrleuten und Rettungskräften, die geholfen und getröstet haben. Stille die Flut der Tränen. Du bist nahe und wir warten schon. Komm!
Du bist der Grund unserer Freude, du bist das Licht, dem wir uns entgegenstrecken, Jesus Christus. Komm mit deinem Licht, Komm zu den Kindern, die sich ungeduldig auf dein Fest freuen. Und komm auch zu den Kindern, auf die niemand achtet. Du bist nahe und wir warten schon. Komm!
Du bist die Gerechtigkeit, die die Welt heilt. Jesus Christus. Komm mit deiner Gerechtigkeit. Komm zu denen, die voller Sorge sind, die um ihre Arbeit bangen. Und komm auch zu denen, die überarbeitet und erschöpft sind. Du bist nahe und wir warten schon. Komm!
Du bist der Frieden für die Welt, Jesus Christus. Komm mit deinem Frieden. Komm zu den Menschen, die in Angst und Kälte leben, deren Häuser zerstört werden und die Brot für ihre Kinder suchen. Und komm auch zu denen, die mit Waffen und Gewalt ihre Macht durchsetzen. Du bist nahe und wir warten schon. Komm!
Du bist die Hoffnung, die uns atmen lässt. Jesus Christus. Komm mache groß die Hoffnung. Komm zu den Weinenden, die Schmerzen haben, krank sind und sich nach Heilung sehnen. Komm auch zu denen, die trauern und sich vor der Einsamkeit in den kommen Tagen fürchten. Du bist nahe und wir warten schon. Komm!
Du bist die Liebe, nach der wir uns sehnen. Jesus Christus. Mit allen, die an dich glauben, bringen wir dir unsere Liebe und freuen uns auf dein Kommen. Komm, wir warten. Komm. Amen.
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Tal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlecht.
3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.
4. Ach mache Du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein.
EG 10 (LKG 77) Ö / Jesaja 40,3-4 Text: Valentin Thilo 1642 STR. 4 LÜNEBURG 1657 Musik: VON GOTT WILL ICH NICHT LASSEN (NR. 365)
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; 48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. 50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. 51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. 54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. 56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
Lukas 1,39-56
Morgenlese
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, 2 dass die Völker sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. 3 Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. 4 Man soll dich nicht mehr nennen »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Einsame«, sondern du sollst heißen »Meine Lust« und dein Land »Liebe Frau«; denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Mann. 5 Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen. 6 O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, 7 lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden! 8 Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, 9 sondern die es einsammeln, sollen’s auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums. 10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! 11 Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her! 12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.
Jesaja 12
Abendlese
Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes. 30 Aber die Pharisäer und die Lehrer des Gesetzes verwarfen für sich Gottes Ratschluss und ließen sich nicht von ihm taufen. 31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? 32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot und trank keinen Wein; und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. 34 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; und ihr sagt: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! 35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
61Merkwürdige Debatten werden geführt über die Veränderung des Gesetzes, über neutestamentliche Handlungen der Gottesverehrung, über die Verlegung des Sabbats… Sie alle entspringen der falschen Meinung, es müsse in der Kirche eine Art levitischen Kult geben, und ebenso der falschen Meinung, als habe Christus von den Aposteln und Bischöfen erwartet, sich neue heilsnotwendige Formen der Gottesverehrung auszudenken. 62Diese Irrtümer haben sich nur deswegen in der Kirche eingeschlichen, weil die Glaubensgerechtigkeit nicht genügend klar gelehrt wurde. 63Manche argumentieren, die Sonntagsheiligung sei zwar nicht eigentlich göttlichen Rechts, aber doch praktisch dem göttlichen Recht gleichgestellt, und machen Vorschriften, wieviel an Feiertagen gearbeitet werden darf. 64Was aber sind solcherart Debatten anderes als Gewissensfallen? Auch wenn man versucht, die Traditionen abzumildern, so kann doch niemals ein rechtes Maß gefunden werden, solange man an ihrer Heilsnotwendigkeit festhält. Die Meinung über die Heilsnotwendigkeit aber wird sich nicht ändern, wo man die Glaubensgerechtigkeit und die christliche Freiheit ignoriert. 65Einst geboten die Apostel, sich von Blut [und Ersticktem] zu enthalten (Apostelgesch. 15,20.29). Wer hält sich heute noch daran? Aber es sündigt niemand, der sich nicht daran hält. Die Apostel selbst wollten nämlich keineswegs die Gewissen mit so einem Knechtsdienst belasten, sondern erließen nur ein zeitgebundenes Verbot, um Ärgernis zu vermeiden. 66Der Geist des Evangeliums muss ja bei so einer Verfügung stets mitbedacht werden.[Man muss in dieser Satzung Acht haben auf das Hauptstück der christlichen Lehre, das durch dieses Dekret nicht aufgehoben wird.]
67Kaum irgendwelche kanonischen Gesetze werden genau befolgt, und täglich fallen viele weg – auch bei denen, die die Traditionen hochhalten. 68Aber die Gewissen können nur dann guten Rat finden, wenn die Traditionen mit dem rechten Augenmaß befolgt werden – nämlich im Wissen darum, dass man sie nicht für heilsnotwendig halten darf und dass es gewissensmäßig unbedenklich ist, wenn Menschen sie abgewandelt befolgen. 69Die Bischöfe könnten leicht einen legitimen Gehorsam aufrechterhalten, wenn sie nicht auf der Befolgung von solchen Traditionen bestünden, die nur mit schlechtem Gewissen eingehalten werden können. 70Nun aber [verbieten sie beiderlei Gestalt des heiligen Sakraments,] fordern sie den Zölibat und nehmen auch nur solche in den Priesterstand auf, die schwören, dass sie nicht die reine Lehre des Evangeliums verkündigen wollen. 71Wir verlangen ja gar nicht, dass die Bischöfe ihre Ehre verlieren sollen, wenn sie die Einheit wiederherstellen – obgleich das guten Hirten [im Notfall] durchaus gut zu Gesicht stünde. 72Wir verlangen lediglich, dass sie die ungerechtfertigten Belastungen aufheben, die neu sind und ohne Rücksicht auf die Tradition der allgemeinen Kirche eingeführt wurden. 73Möglicherweise gab es ursprünglich akzeptable Gründe für solche Satzungen, aber sie passen nicht in die späteren Zeiten. 74Bei einigen ist auch offensichtlich, dass ihre Einführung ein Irrtum war. Aus diesem Grund sollten die Bischöfe sich jetzt nachgiebig zeigen und solche Satzungen abmildern; so eine Reform belastet keineswegs die Einheit der Kirche. Viele menschliche Traditionen sind ja im Lauf der Zeit geändert worden, wie selbst das kanonische Recht beweist. 75Falls aber Vorschriften, die nur mit Sünde befolgt werden können, nicht gelockert werden, müssen wir der apostolischen Richtlinie folgen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgesch. 5,29). 76Petrus verbietet den Bischöfen zu herrschen und auf die Gemeinden Druck auszuüben (vgl. 1. Petrus 5,3). 77Nun betreiben wir keineswegs die Entmachtung der Bischöfe, sondern verlangen lediglich dies Eine, dass sie die reine Evangeliumsverkündigung dulden und die Einhaltung der wenigen Vorschriften lockern, die man nicht ohne Sünde befolgen kann. 78Falls sie das aber nicht tun, dann sollen sie sehen, wie sie es vor Gott verantworten können, dass sie durch ihre Sturheit eine Kirchenspaltung verursacht haben[, die sie doch eigentlich verhüten helfen sollten].
Bechluß: 1Wir haben hier die wichtigsten der Artikel betrachtet, die offensichtlich strittig sind. Man könnte durchaus noch mehr Missstände nennen, aber um Weitschweifigkeit zu vermeiden, haben wir uns auf das Wichtigste beschränkt. 2Es hat nämlich auch viel Streit gegeben um Ablässe, Wallfahrten und ungerechtfertigten Ausschluss. Die Pfarrbezirke hatten sehr unter Wanderpredigern zu leiden. Nicht enden wollende Spannungen bestanden zwischen Pastoren und Mönchen über pfarramtliches Recht, Beichte-Hören, Beerdigungen und unzählige andere Dinge. 3Dies alles haben wir hier aber nicht behandelt, damit das, was wirklich wichtig ist, in aller Kürze leicht erfasst werden kann.
4Was wir hier gesagt und zusammengetragen haben, will auch niemanden in irgendeiner Weise beleidigen. 5Lediglich das haben wir vorgebracht, was uns nötig erschien, damit verständlich wird: Es gibt bei unserem Lehren und Handeln nichts, was der Heiligen Schrift oder der allgemeinen Kirche widerspricht. Es ist ganz offensichtlich: Wir haben uns sehr sorgsam davor gehütet, dass sich keine neuen gottlosen Lehren in unseren Gemeinden einschleichen. 6Die voranstehenden Artikel wollten wir entsprechend des Erlasses eurer kaiserlichen Majestät vorstellen. Mit ihnen haben wir unser Bekenntnis dargelegt. Auch kann man aus ihnen die grundlegende Lehre derer ersehen, die bei uns verkündigen. 7Sollte etwas in diesem Bekenntnis zu wünschen übrig bleiben, sind wir bereit, nach Gottes Willen weitere schriftgemäße Informationen darzulegen.
Eurer kaiserlichen Majestät treu und ergeben: Johann, Herzog zu Sachsen, Kurfürst Georg, Markgraf zu Brandenburg Ernst [Herzog zu Lüneburg] mit eigener Hand Philipp, Landgraf zu Hessen Johann Friedrich, Herzog zu Sachsen Franz, Herzog zu Lüneburg Wolfgang, Fürst zu Anhalt Bürgermeister und Rat zu Nürnberg [Bürgermeister und] Rat zu Reutlingen
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen