2. Er kommt zu uns geritten auf einem Eselein und stellt sich in die Mitten für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut, er will allein erwerben durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen tut.
3. Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht.
4. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt.
5. Ihr Armen und Elenden zu dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müsst haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut, lasst eure Lieder klingen, dem König Lob zu singen, der ist eu’r höchstes Gut.
6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eu’r Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud. Er ist’s, der helfen kann; halt’ eure Lampen fertig und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.
Evangelisches Gesangbuch 9 Matthäus 21,1-9 Text: Michael Schirmer 1640 Musik: Johann Crüger 1640 (vgl. LKG 75)
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt. 19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. 20 Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: 25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.
Lukas 1,18-25
Morgenlese
Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun? 11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen, ob Johannes vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber der, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. 18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm. 19 Herodes aber, der Landesfürst, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all des Bösen, das er getan hatte, 20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: Er warf Johannes ins Gefängnis.
Lukas 3,10-20
Abendlese
Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen[3]. 10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 14 Und das Wort ward Fleisch[4] und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 15 Johannes zeugt von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. 16 Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. 18 Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt.
Aus diesen Gründen dürfen kirchliche und weltliche Macht nicht miteinander vermischt werden. Das kirchliche Amt hat die Aufgabe, das Evangelium zu verkündigen und die Sakramente zu verwalten. 13 Es darf daher nicht in ein fremdes Amt greifen, Regierungsgewalt übertragen, Staatsgesetze außer Kraft setzen, von rechtmäßiger Gehorsamspflicht entbinden, Urteile über zivil-rechtliche Ordnungen und Verträge behindern oder Regierungen Gesetze zur Staatsform vorschreiben.
14Christus hat ja gesagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh. 18,36). 15Und ebenfalls: „Wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?“ (Lukas 12,14). 16Paulus sagt in Philipper 3: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel“ (Phil. 3,20). 17Und in 2. Korinther 10: „Die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Gedanken zu zerstören…“ (2. Kor. 10,4). 18Auf diese Weise unterscheiden wir beide Machtbereiche. Gleichzeitig gebieten wir, beide zu ehren und anzuerkennen, dass sie beide segensreiche Gaben Gottes sind.
19Wenn Bischöfe Staatsgewalt ausüben, dann tun sie das nicht in ihrer Eigenschaft als Bischöfe vom Auftrag des Evangeliums her, sondern aus menschlichem Recht, das ihnen Könige und Kaiser zur weltlichen Verwaltung ihrer Güter verliehen haben. Das ist dann eine ganz andere Funktion als der Dienst am Evangelium.
20Wenn man nun die Rechtsprechung der Bischöfe näher betrachtet, muss man ihr Regierungsamt von der kirchlichen Rechtsprechung unterscheiden. 21Demnach kommt den Bischöfen in ihrer Eigenschaft als Bischöfe die Rechtsprechung nach dem Evangelium bzw. nach sogenanntem göttlichen Recht zu – das heißt, ihnen ist der Dienst des Wortes und der Sakramente anvertraut: Sie sollen Sünden vergeben, unevangelische und gottlose Lehre abwehren sowie offensichtlich Gottlose aus der Gemeinschaft der Kirche ausschließen – aber ohne menschliche Gewaltmaßnahmen, nur durch das Wort. 22Hierin müssen die Gemeinden ihnen unbedingt und kraft göttlichen Rechts gehorchen, wie es heißt: „Wer euch hört, der hört mich“ (Lukas 10,16). 23Aber wenn die Bischöfe etwas lehren oder bestimmen, was dem Evangelium zuwider läuft, dann haben die Gemeinden die göttliche Pflicht, den Gehorsam zu verweigern. In Matthäus 7 steht: „Seht euch vor vor den falschen Propheten“ (Matth. 7,15). 24Und in Galater 1 steht: „Wenn ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würde, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht“ (Gal. 1,8). 25Und in 2. Korinther 13 steht: „Wir vermögen nichts wider die Wahrheit, sondern nur etwas für die Wahrheit“ (2. Kor. 13,8). 26Und ebenfalls: „Der Herr hat uns Vollmacht gegeben zu erbauen, nicht zu zerstören“ (2. Kor. 13,10). 27So schreibt es auch das kanonische Recht vor (2. Causa, Quaestio VII, die Kapitel „Sacerdotes“ und „Oves“). 28Und Augustinus sagt in seinem Brief gegen Petilianus: „Auch Bischöfen der allgemeinen Kirche darf man nicht zustimmen, wann immer sie sich irren oder Meinungen vertreten, die den kanonischen göttlichen Schriften widersprechen.“ 29Wenn die Bischöfe noch andere Macht oder Rechtsprechung für bestimmte Fälle innehaben, zum Beispiel in Ehe- oder Steuerangelegenheiten, dann haben sie die nur kraft menschlichen Rechts. Falls sie für diese Ämter ausfallen, müssen Fürsten einspringen – ob sie wollen oder nicht – , und den Untertanen Recht sprechen, damit der öffentliche Friede erhalten bleibt.
30Weiterhin wird darüber diskutiert, ob Bischöfe bzw. Hirten in der Kirche heilige Handlungen und Gesetze wie Speisevorschriften, Feiertagsregelungen, Amtshierarchien und Ordensregeln festlegen dürfen. 31Diejenigen, die den Bischöfen dieses Recht einräumen, argumentieren mit folgendem Schriftzeugnis: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“ (Joh. 16,12-13) 32Auch führen sie das Beispiel der Apostel an, die geboten haben, sich von Blut und Ersticktem zu enthalten (vgl. Apostelgesch. 15,20.29). 33Und man führt den Sabbat an, der scheinbar gegen den Wortlaut der Zehn Gebote durch den Sonntag ersetzt wurde. Kein Beispiel wird häufiger in die Debatte geworfen als die Veränderung beim Sabbat: Man behauptet, die Kirche müsse große Macht haben, weil sie doch sogar eines der Zehn Gebote aufheben konnte.
34Wir aber lehren in dieser Frage so: Die Bischöfe haben keinerlei Macht, etwas zu bestimmen, was dem Evangelium zuwider läuft. Das haben wir bereits oben dargelegt, und das kanonische Recht bestätigt uns darin (Distinctio 9, gesamter Abschnitt). 35Ferner widerspricht es der Heiligen Schrift, Traditionen zu begründen mit der Absicht, dass wir durch sie Sünden vergeben bekommen oder Rechtfertigung verdienen. 36Wer meint, auf diese Weise gerechtfertigt zu werden, der beschädigt die Ehre von Christi Verdienst. 37Es steht fest: Wegen solcher Überzeugung hat die Zahl der Traditionen uferlos zugenommen, während die Lehre vom Glauben und von der Glaubensgerechtigkeit unterdrückt wurde. So schuf man nach und nach zahlreiche Feiertage, setzte Fastenzeiten an und richtete neue heilige Handlungen[, die Verehrung von Heiligen] und Ordnungen ein – nur, weil die Urheber solcher Dinge davon überzeugt waren, dass sie sich mit diesen Werken Gnade verdienen können. 38Auf diese Weise ist auch früher die Zahl der Bußgesetze angewachsen; ihre Spuren sehen wir noch heute in den Werken der Genugtuung, die den Beichtenden auferlegt werden.
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
2. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.
3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.
5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.
6. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.
7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für; da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich.
Evangelisches Kirchengesangbuch 7 (LKG 74) Ö / Jesaja 64,1 / Jesaja 45,8 / Jesaja 11,1 Text: Friedrich Spee 1622 STR. 7 BEI DAVID GREGOR CORNER 1631 Musik: KÖLN 1638, AUGSBURG 1666
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Da es nun schon viele unternommen haben, Bericht zu geben von den Geschichten, die sich unter uns erfüllt haben, 2 wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Wortes gewesen sind, 3 habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, 4 auf dass du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist.
5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija mit Namen Zacharias, und seine Frau war von den Töchtern Aaron, die hieß Elisabeth. 6 Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt. 8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. 10 Und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde des Räucheropfers. 11 Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des Räucheraltars. 12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überfiel ihn. 13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. 14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. 16 Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.
Lukas 1, 1-17
Morgenlese
Bekehre dich, Israel, zu dem HERRN, deinem Gott; denn du bist gestrauchelt durch deine Schuld. 3 Nehmt diese Worte mit euch und bekehrt euch zum HERRN und sprecht zu ihm: Vergib uns alle Sünde und tu uns wohl, so wollen wir opfern die Frucht unserer Lippen. 4 Assur soll uns nicht helfen; wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu dem Werk unserer Hände: Du bist unser Gott. Sondern bei dir finden die Verwaisten Erbarmen. 5 Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen; gerne will ich sie lieben; denn mein Zorn hat sich von ihnen gewendet. 6 Ich will für Israel wie der Tau sein, dass es blüht wie eine Lilie und seine Wurzeln ausschlagen wie der Libanon 7 und seine Zweige sich ausbreiten, dass es so schön sei wie ein Ölbaum und so guten Geruch gebe wie der Libanon. 8 Und sie sollen wieder unter seinem Schatten sitzen; von Korn sollen sie sich nähren und sprossen wie der Weinstock, der berühmt ist wie der Wein vom Libanon. 9 Ephraim, was sollen ihm noch Götzen? Ich will ihn erhören und ihn anschauen. Ich will sein wie der üppige Wacholder. Von mir erhältst du deine Frucht. 10 Wer ist weise, dass er dies versteht, und klug, dass er dies einsieht? Die Wege des HERRN sind richtig und die Gerechten wandeln darauf; aber die Übertreter kommen auf ihnen zu Fall.
Hosea 14,2-10
Abendlese
Und er spricht: Machet Bahn, machet Bahn! Bereitet den Weg, räumt die Anstöße aus dem Weg meines Volks! 15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. 16 Denn ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen; sonst würde ihr Geist vor mir verschmachten und der Lebensodem, den ich geschaffen habe. 17 Ich war zornig über die Sünde ihrer Habgier und schlug sie, verbarg mich und zürnte. Aber sie gingen treulos die Wege ihres Herzens. 18 Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, 19 will ich Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen. 20 Aber die Gottlosen sind wie das ungestüme Meer, das nicht still sein kann und dessen Wellen Schlamm und Unrat auswerfen. 21 Die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht mein Gott.
Schon früher gab es großen Streit um die Macht der Bischöfe. Dabei haben einige die Macht des kirchlichen Amtes und die Staatsgewalt leider miteinander vermischt. 2Diese Verwirrung hat schlimme Kriege und Aufstände nach sich gezogen. So haben Päpste im Vertrauen auf ihre Schlüsselgewalt nicht bloß neue Formen der Gottesverehrung eingeführt und die Gewissen damit beschwert, dass sie sich in bestimmten Fällen die Sündenvergebung persönlich vorbehielten sowie Menschen mit Gewaltmaßnahmen aus der Kirche ausschlossen; nein, darüber hinaus maßten sie sich an, weltliche Regierungsmacht zu verleihen und Machthabern ihre Herrschaft dann auch wieder zu entziehen. Fromme und gelehrte Leute haben diese Fehlentwicklungen in der Kirche schon lange vor uns kritisiert. So drängte es uns, den Menschen ins Gewissen zu reden und den Unterschied zwischen der Macht des kirchlichen Amtes und der Staatsgewalt aufzuzeigen. Wir haben gelehrt, dass beides wegen Gottes Gebot geehrt und als außerordentlich große göttliche Wohltat auf Erden angesehen werden muss.
Dies ist unsere Überzeugung: Die Schlüsselgewalt bzw. die Macht der Bischöfe ist gemäß dem Evangelium die Vollmacht bzw. der Auftrag Gottes, das Evangelium zu predigen, Sünden zu vergeben und zu behalten sowie die Sakramente zu verwalten.
Christus hat die Apostel nämlich mit folgendem Auftrag ausgesandt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch… Nehmt hin den Heiligen Geist: Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ (Joh. 20,21-23)
Und bei Markus heißt es im 16. Kapitel: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur…“ (Markus 16,15). Diese Macht wird nur durch Lehren bzw. Predigen des Evangeliums und durch das Austeilen der Sakramente ausgeübt. Das geschieht je nach Berufung entweder für eine Gemeinschaft oder für Einzelne.
Es geht ja nicht um materielle, sondern um ewige Güter, nämlich um ewige Gerechtigkeit, Heiligen Geist und ewiges Leben. Die können durch nichts anderes als durch den Dienst von Wort und Sakrament empfangen werden, wie Paulus sagt: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben“ (Römer 1,16). Und im Psalm 119 steht: „Dein Wort erquickt mich“ (Psalm 119,50).
Weil also nun die Macht des kirchlichen Amtes an ewigen Gütern Anteil gibt und dies allein durch den Dienst der Wortverkündigung geschieht, kommt sie keinem politischen Amt in die Quere – ebensowenig, wie zum Beispiel die Sanges- kunst einem politischen Amt in die Quere kommt. Ein politisches Amt befasst sich nämlich mit anderen Dingen als mit dem Evangelium: Eine Regierung schützt ja nicht den menschlichen Geist, sondern den menschlichen Leib sowie materielle Güter gegen offenbares Unrecht; auch übt sie mit dem Schwert und mit leiblichen Strafen Gewalt über die Menschen aus. Das Evangelium dagegen schützt den menschlichen Geist gegen gottlose Meinun- gen, den Teufel und den ewigen Tod.
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Der Bräutigam wird bald rufen: “Kommt all, Ihr Hochzeitsgäst!” Hilf Gott, daß wir nicht schlafen, in Sünden schlummern fest, bald habn in unsern Händen die Lampen, Öl and Licht und dürfen uns nicht wenden von Deinem Angesicht.
Dann wird der Herr Christ führen, uns, die wir ihm vertraut, mit großem Jubilieren zum Vater, seine Braut; da werden wir Gott schauen von hellem Angesicht, leiblich mit unsern Augen das ewig wahre Licht.
Gott wird sich zu uns kehren, ein´m jedem setzen auf ein gülden Kron der Ehren, uns herzen freundlich drauf, wird uns an sein Brust drücken aus Lieb ganz väterlich, an Leib und Seel uns schmücken mit Gaben mildiglich.
Also wird Gott erlösen uns gar von aller Not, vom Teufel, allem Bösen, von Trübsal, Angst und Spott, von Trauern, Weh und Klagen, von Krankheit, Schmerz und Leid, von Schwermut, Sorg und Zagen, von aller bösen Zeit.
Johann Walter 1552 (LKG 73)
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Denn siehe, der HERR wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, dass er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen. 16 Denn der HERR wird durchs Feuer richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERRN Getöteten werden viele sein. 17 Die sich heiligen und reinigen bei den Gärten für den einen, der in der Mitte ist, und die Schweinefleisch essen, gräuliches Getier und Mäuse, die sollen miteinander weggerafft werden, spricht der HERR. 18 Ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken und komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen. 19 Und ich will ein Zeichen unter ihnen aufrichten und einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, nach Tarsis, nach Pul und Lud, nach Meschech, Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, wo man nichts von mir gehört hat und die meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen. 20 Und sie werden alle eure Brüder aus allen Völkern herbringen dem HERRN zum Weihgeschenk auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren nach Jerusalem zu meinem heiligen Berge, spricht der HERR, gleichwie die Israeliten die Opfergaben in reinem Gefäße zum Hause des HERRN bringen. 21 Und ich will auch aus ihnen Priester und Leviten nehmen, spricht der HERR. 22 Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir Bestand haben, spricht der HERR, so soll auch euer Geschlecht und Name Bestand haben. 23 Und alles Fleisch wird einen Neumond nach dem andern und einen Sabbat nach dem andern kommen, um vor mir anzubeten, spricht der HERR. 24 Und sie werden hinausgehen und schauen die Leichname derer, die von mir abtrünnig waren; denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allem Fleisch ein Gräuel sein.
Jesaja 66,15-24
Morgenlese
Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. 12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich. 13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; 14 und wenn ihr’s annehmen wollt: Er ist Elia, der da kommen soll. 15 Wer Ohren hat, der höre!
Matthäus 11,11-15
Abendlese
Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa 2 und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! 3 Denn dieser ist’s, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat: »Es ist eine Stimme eines Predigers[1] in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!« 4 Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig. 5 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und das ganze Land am Jordan 6 und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. 7 Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! 9 Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. 10 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 12 Er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird die Spreu vom Weizen trennen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
Zweitens: Warum schätzen denn unsere Gegner die verpflichtende Verbind- lichkeit von Gelübden so hoch ein, während sie gleichzeitig verschweigen, wie ein Gelübde beschaffen sein muss? Es muss nämlich einhaltbar sein; außerdem soll es freiwillig und aus eigenem Antrieb nach Beratung gegeben werden. 28Wie wenige Menschen zu dauerhafter Enthaltsamkeit fähig sind, ist kein Geheimnis. Und wie groß ist wohl der Anteil derer, die ihre Gelübde aus eigenem Antrieb nach Beratung abgelegt haben? 29Da werden Mädchen und junge Männer, die noch gar nicht urteilsfähig sind, zum Geloben gedrängt, ja manchmal sogar gezwungen. 30Deswegen ist es unangemessen, die Verbind- lichkeit so streng zu verteidigen. Es müssen doch alle zugeben, dass es dem Sinn eines Gelübdes widerspricht, wenn es unfreiwillig und ohne Beratung geleistet wird. 31Viele Kirchengesetze gebieten die Aufhebung von Gelübden, die vor dem 15. Lebensjahr gegeben worden sind. Es ist nämlich nicht zu erkennen, dass jemand schon vorher umfassend beurteilen kann, ob er zu so einer lebenslangen Bindung fähig ist. 32Ein anderes Kirchengesetz schätzt die menschliche Unmündigkeit noch höher ein und fügt ein paar Jahre hinzu: Es verbietet Klostergelübde vor dem 18. Lebensjahr. Aber welcher dieser beiden Richtlinien folgen wir? 33In jedem Fall könnten die meisten Ordensleute mit gutem Grund die Klöster verlassen, weil sie ihre Gelübde abgelegt haben, als sie jünger waren. 34Und schließlich: Auch wenn man die Verletzung eines Gelübdes kritisieren kann, so muss man daraus offensichtlich nicht gleich folgern, dass die (danach geschlossenen) Ehen der betreffenden Personen aufzulösen sind. 35In seiner
Causa (Quaestio I, Kapitel „Nuptiarum“) bestreitet Augustinus, dass sie aufgelöst werden müssen. Aufgrund seiner Autorität wiegt diese Meinung schwer, auch wenn andere später anders geurteilt haben. 36Gottes Gebot über die Ehe entbindet also offensichtlich die meisten Mönche und Nonnen von ihren Gelübden. Darüber hinaus führen wir aber noch einen weiteren Grund dafür an, dass Klostergelübde ungültig sind: Jeder Akt der Gottesverehrung, den man ohne Gottes Gebot eingeführt hat und mit dem man Rechtfertigung und Gnade erlangen will, ist gottlos. Hier trifft Christi Wort zu: „Vergeblich dienen sie mir mit Menschengeboten“ (Matth. 15,9). 37Und Paulus lehrt überall, dass wir nicht mit unserer Einhaltung erdachter Vor- schriften und mit religiösen Handlungen nach der Gerechtigkeit vor Gott trachten sollen; vielmehr wird sie denen zuteil, die glauben, dass man wegen Christus aus Gnade von Gott angenommen wird. 38Nun haben aber Mönche ganz gewiss gelehrt, dass religiöse Übungen Sünden sühnen sowie Gnade und Rechtfertigung verdienen. Was ist das anderes als Christus die Ehre nehmen sowie die Glaubensgerechtigkeit verdunkeln und verleugnen? 39Daraus folgt: Die üblichen Klostergelübde sind gottlose religiöse Handlungen und daher ungültig. 40Ein gottloses und gegen Gottes Gebote gegebenes Gelübde kann ja keine Gültigkeit haben. So heißt es auch im kanonischen Recht, dass ein Gelübde nicht zu etwas Unrechtem verpflichten darf. 41Paulus sagt: „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen“ (Gal. 5,4). 42Folglich verlieren die, die durch Gelübde gerechtfertigt werden wollen, ebenfalls Christus und fallen aus der Gnade. 43Denn diejenigen, die den Gelübden die Fähigkeit zur Rechtfertigung zu- schreiben, schreiben ihren eigenen Werken etwas zu, was nur Christus und seiner Herrlichkeit zusteht. 44Man kann es wirklich nicht abstreiten: Die Mönche haben tatsächlich gelehrt, dass sie durch die Gelübde und ihre Ein- haltung von Vorschriften gerechtfertigt werden und Vergebung der Sünden verdienen. Sie haben sogar etwas noch Absurderes hinzugefügt und sich ge- rühmt, dass andere am Verdienst ihrer Werke teilhaben können. 45Wenn jemand böswillig auf diesem Thema herumreiten wollte, wieviel könnte er da zusammentragen! Inzwischen schämen sich die Mönche schon selbst dafür. 46Obendrein machen sie den Leuten weis, der Stand der christlichen Voll- kommenheit bestünde aus religiösen Übungen. 47Bedeutet das etwa nicht, die Rechtfertigung von Werken abhängig zu machen? 48Das ist kein kleines Ärgernis in der Kirche: dem Kirchenvolk eine bestimmte religiöse Handlung vorzulegen, die ohne göttliche Weisung von Menschen erdacht wurde, und dann zu lehren, dass so eine Handlung die Menschen gerecht macht. Auf diese Weise wird die Glaubensgerechtigkeit verdunkelt, von der in der Kirche doch am meisten geredet werden sollte. Das kommt dabei heraus, wenn jene wun- derlichen „Engelstaten“, nämlich geheuchelte Armut, Demut und Enthaltsam- keit, den Leuten groß vor Augen geführt werden.
49Und dann noch dies: Wenn die Leute hören, dass sich nur die Mönche im Stand der Vollkommenheit befinden, werden Gottes Weisungen und die rech- te Gottesverehrung verdunkelt. Christliche Vollkommenheit bedeutet nämlich etwas anderes: Gott ernsthaft fürchten; dabei großes Vertrauen haben; sich darauf verlassen, dass Gott durch Christus versöhnt ist; von Gott in allen Dingen und Lebensumständen Hilfe erbitten sowie fest mit dieser Hilfe rechnen; dabei im öffentlichen Leben fleißig gute Werke tun und so dienen, wie es dem jeweiligen Beruf entspricht. 50Aus eben solchem Verhalten besteht die christliche Vollkommenheit und rechte Gottesverehrung, nicht aus Ent- haltsamkeit, Bettelei[, schwarzen oder grauen Kappen] und schäbiger Klei- dung. 51Aber gerade aufgrund dieser falschen Lobeshymnen auf das Mönchs- leben entwickelt das Kirchenvolk viele schädliche Ansichten. 52Die Leute hören, dass Enthaltsamkeit maßlos gelobt wird, und haben deswegen beim Eheleben ein schlechtes Gewissen. 53Sie hören, dass nur Bettelmönche vollkommen sind, und haben deswegen beim Besitz von Eigentum und beim Handel ein schlechtes Gewissen. 54Auch hört man, dass es nur ein „Evange- lischer Rat“ sei, sich nicht zu rächen, und deshalb scheuen sich einige nicht, jemandem im Privatleben etwas heimzuzahlen – hören sie doch, dass das Rache-Verbot eben nur ein Ratschlag ist und kein Gebot. 55Auf der anderen Seite irrt man sich noch viel mehr, wenn man meint, dass alle Regierungen und öffentlichen Ämter der Christen unwürdig und nicht mit dem „Evange- lischen Rat“ vereinbar seien. [Etliche meinen, Rache gezieme Christen in keinem Fall, auch nicht der Regierung.] 56Man liest auch von Menschen, die ihre Ehen und öffentliche Ämter verließen und sich in Klöster zurückgezogen haben. 57Sie nannten das Weltflucht und Trachten nach geheiligtem Leben. Dabei erkannten sie nicht, dass man Gott nach den von ihm selbst gegebenen Geboten dienen muss, nicht nach von Menschen erdachten Geboten. 58Gut und vollkommen ist ein Leben nur dann, wenn es mit Gottes Gebot in Ein- klang steht. [Dagegen ist eine Lebensweise, die nicht Gottes Gebot auf ihrer Seite hat, schädlich.] 59Entsprechend müssen die Leute unterwiesen werden. 60Bereits in früherer Zeit tadelte Gerson den Irrtum der Mönche bezüglich ihrer Vollkommenheit. Er bezeugt, dass man erst in seiner Zeit begann, das Klosterleben als einen Stand der Vollkommenheit zu bezeichnen. 61So sind die Klostergelübde mit vielen gottlosen Ansichten behaftet: dass sie rechtfertigen; dass sie christliche Vollkommenheit bedeuten; dass die Mönche besondere „Räte“ und Gebote halten sollen; dass sie einen Überschuss an guten Werken bewirken. 62Weil das alles falsch und nutzlos ist, gelten Klostergelübde nicht.
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Ihr lieben Christen, freut Euch nun, bald wird erscheinen Gottes Sohn, der unser Bruder worden ist, das ist der lieb Herr Jesus Christ.
Der Jüngste Tag ist nun nicht fern. Komm, Jesu Christe, lieber Herr. Kein Tag vergeht, wir warten Dein und wollten gern bald bei Dir sein.
Du treuer Heiland Jesu Christ, dieweil die Zeit erfüllet ist, die uns verkündet Daniel, so komm, lieber Immanuel.
Der Teufel brächt uns gern zu Fall und wollt uns gern verschlingen all; er tracht nach Leib, Seel, Gut und Ehr. Herr Christ, dem alten Drachen wehr.
Eil lieber Herr, eil zum Gericht. Laß sehn Dein herrlich Angesicht, das Wesen der Dreifaltigkeit. Das helf uns Gott in Ewigkeit.
Erasmus Alber 1546 (LKG 72)
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Hört des HERRN Wort, die ihr erzittert vor seinem Wort: Es sprechen eure Brüder, die euch hassen und verstoßen um meines Namens willen: »Lasst doch den HERRN sich verherrlichen, dass wir eure Freude mit ansehen«, – doch sie sollen zuschanden werden. 6 Horch, Lärm aus der Stadt! Horch, vom Tempel her! Horch, der HERR vergilt seinen Feinden! 7 Ehe sie Wehen bekommt, hat sie geboren; ehe sie in Kindsnöte kommt, hat sie einen Knaben geboren. 8 Wer hat solches je gehört? Wer hat solches je gesehen? Ward ein Land an einem Tage geboren? Ist ein Volk auf einmal zur Welt gekommen? Kaum in Wehen, hat Zion schon ihre Kinder geboren. 9 Sollte ich das Kind den Mutterschoß durchbrechen und nicht auch geboren werden lassen?, spricht der HERR. Sollte ich, der gebären lässt, den Schoß verschließen?, spricht dein Gott. 10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.
Jesaja 66,5-14
Morgenlese
Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija mit Namen Zacharias, und seine Frau war von den Töchtern Aaron, die hieß Elisabeth. 6 Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt. 8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. 10 Und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde des Räucheropfers. 11 Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des Räucheraltars. 12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überfiel ihn. 13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. 14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. 16 Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. 18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt. 19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. 20 Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: 25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.
Lukas 1,5-255
Abendlese
Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. 59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen. 60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. 62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. 63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle. 64 Und sogleich wurde sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott. 65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas. 66 Und alle, die es hörten, nahmen’s zu Herzen und sprachen: Was wird aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. 67 Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk 69 und hat uns aufgerichtet ein Horn[4] des Heils im Hause seines Dieners David – 70 wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, 71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, 72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, 73 an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, 74 dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht 75 unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. 76 Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, 79 auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.
Von Klostergelübden zu reden, ist notwendig, erstlich, um zu bedenken, wie es bisher damit gehalten wurde, welches Wesen in Klöstern gewesen ist und daß darin täglich sehr viel nicht allein gegen Gottes Wort, sondern auch päpstlichen Rechten entgegen gehandelt worden ist.
Denn zu Sankt Augustins Zeiten sind die Klosterstände frei gewesen; danach, als die rechte Zucht und Lehre zerrüttet war, hat man Klostergelübde erdacht und damit eben als mit einem erdachten Gefängnis die Zucht wiederum aufrichten wollen. Dazu hat man neben den Klostergelübden viele andere Stücke hinzugefügt, und mit solchen Banden und Beschwernissen viele, auch bevor sie das nötige Alter erreicht hatten, beladen. So sind auch viele Personen aus Unwissenheit zu solchem Klosterleben gekommen, die, wiewohl sie sonst nicht zu jung gewesen sind, doch ihr Vermögen nicht genug ermessen noch verstanden haben. Dieselben alle, so verstrickt und verwickelt, sind gezwungen und gedrungen gewesen, in solchen Banden zu bleiben, ungeachtet dessen, daß auch das päpstliche Recht viele von ihnen freigibt. Das ist in Jungfrauenklöstern beschwerlicher gewesen als in Mönchsklostern, so es sich doch geziemt hätte, der Weibsbilder als der Schwachen zu verschonen. Dieselbe Strenge und Härte hat auch vielen frommen Leuten vorzeiten mißfallen, denn sie haben wohl gesehen, daß beide, Knaben und Mädchen, um des leiblichen Unterhalts willen in die Klöster gesteckt worden sind. Sie haben auch wohl gesehen, wie übel dasselbe Vornehmen geraten ist, welches Ärgernis und welche Beschwerung der Gewissen es gebracht hat, und viele Leute haben geklagt, daß man in solch gefährlicher Sache die Canones gar nicht geachtet hat. Zudem hat man eine solche Meinung von den Klostergelübden, die unverborgen auch vielen Mönchen mißfallen hat, die ein wenig Verstand hatten. Dann sie gaben vor, daß Klostergelübde der Taufe gleich wären, und daß man mit dem Klosterleben Vergebung der Sünde und Rechtfertigung vor Gott verdiente.
Ja sie setzten noch mehr hinzu, daß man mit dem Klosterleben nicht allein Gerechtigkeit verdiente, sondern auch, daß man damit die Gebote und Räte hielte, die im Evangelium verfaßt sind. Also wurden die Klostergelübde höher gepriesen als die Taufe; ebenso daß man mehr verdiene mit dem Klosterleben als mit allen anderen Ständen, die von Gott ge- ordnet sind, wie der Pfarrer- und Predigerstand, Obrigkeit-, Fürsten-, Herrenstand und dergleichen, die alle nach Gottes Gebot, Wort und Befehl ihrem Beruf ohne erdichtete Geistlichkeit dienen. Keines dieser Stücke kann geleugnet werden, denn man findet es in ihren eigenen Büchern.
Überdies, wer so gefangen und ins Kloster gekommen ist, lernt wenig von Christus. Frü- her hatte man in den Klöstern etwa Schulen der heiligen Schrift und anderer Künste, die der christlichen Kirche dienstlich sind, daß man aus den Klöstern Pfarrer und Bischöfe genommen hat. Jetzt aber hat es eine ganz andere Gestalt. Denn vorzeiten kamen sie im Klosterleben zusammen in der Meinung, daß man die Schrift lernt. Jetzt geben sie vor, das Klosterleben sei ein solches Wesen, daß man Gottes Gnade und Gerechtigkeit vor Gott damit verdiene, ja es sei ein Stand der Vollkommenheit; und ziehen es den anderen Ständen, die von Gott eingesetzt sind, weit vor. Das alles wird darum angeführt ohne alle Verunglimpfung, damit man besser vernehmen und verstehen möge, was und wie die Unseren lehren und predigen.
Erstlich lehren sie bei uns von denen, die zur Ehe greifen, so: daß alle die, so zum ledigen Stand nicht geschickt sind, Macht, Sieg und Recht haben, sich zu verehelichen. Denn die Gelübde vermögen nicht Gottes Ordnung und Gebot aufzuheben. Nun lautet Gottes Gebot also 1. Kor. 7: „Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann.“ Dazu dringt, zwingt und treibt nicht allein Gottes Gebot, sondern auch Gottes Schöpfung und Ordnung alle die zum Ehestand, die ohne besonderes Gotteswerk nicht mit der Gabe der Jungfrauschaft begnadet sind, laut dieses Spruches Gottes selbst, Gen. 2: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Herr, der Du bist vormals gnädig gewesen Deinem Land und hast die Gefangenen Israels erlöset, tröste uns, Gott unser Heiland, und laß ab von Deiner Ungnade über uns. Willst Du uns denn nicht wieder erquicken, daß sich Dein Volk über Dich freuen möge? Doch ist ja Gottes Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, daß in unserem Land seine Ehre wohne, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, daß Treue auf der Erde wache und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und in Ewigkeit. Amen.
Psalm 85,2.5.7.10ff
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Alttestamentliche Lese
Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. 2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. 3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet. 6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. 9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. 11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Jesaja 40,1-11
Epistolische Lektion
Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. 2 Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. 3 Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. 4 Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet. 5 Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird auch einem jeden von Gott Lob zuteilwerden.
1. Korinther 4,1-5
Hallelujavers
Halleluja. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Halleluja.
Psalm 145,18
Graduallied
Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in Euch bestellt; bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.
Bereitet doch sein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Tal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlecht.
Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.
Das war Johannis Stimme, das war Johannis Lehr: Gott strafet den mit Grimme, der ihm nicht gibt Gehör. O Herr Gott, mach auch mich zu Deines Kindes Krippen, so sollen meine Lippen mit Ruhm erheben Dich.
Valentin Thilo 1642 (LKG 77)
Evangelium
Da aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger 3 und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; 6 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. 7 Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk über Johannes zu reden: Was wolltet ihr sehen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das vom Wind bewegt wird? 8 Oder was wolltet ihr sehen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Menschen in weichen Kleidern? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. 9 Oder was wolltet ihr sehen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet. 10 Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«
Matthäus 11,2-10
Glaubensbekenntnis der einen heiligen christlichen Kirche
Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.
Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.
Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.
Und die Eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.
Nizänische Glaubensbekenntnis
Wochengebet zum 3. Advent
Unruhig ist unsere Welt, unruhig ist unser Herz. Dass es stiller wird in uns, dass Friede herrscht in unserer Welt – danach sehnen wir uns, guter Gott. So bringen wir vor dich: uns selbst und all die Gehetzten und Zerstreuten.
Viel liegt im Argen, nicht alles wird heil werden. Dennoch hoffen wir darauf, dass Gerechtigkeit kommen wird und ein Ende der Gewalt. So bringen wir vor dich: uns selbst und all die Verletzten und Verstörten.
Sorgen werden groß, Krisen wachsen über den Kopf. Umso mehr brauchen wir das Vertrauen, dass du unsere Gedanken lenkst und unsere Schritte begleitest. So bringen wir vor dich: uns selbst und all die Verängstigten und Überforderten.
Macht und Geld regieren die Welt, wie immer schon. Aber wir wollen einander annehmen, wie du uns angekommen hast. So bringen vor dich: uns selbst und all die Sanftmütigen und Barmherzigen.
Weihnachten wird kommen, wie jedes Jahr. Wir freuen uns auf das Fest deiner Liebe. So bringen wir vor dich: uns selbst und alle, die das Licht Christi brauchen.
Wir stehen vor dir mit leeren Händen und offenem Sinn, mit unseren Gedanken und Gefühlen und jetzt – für einen Moment – mit unserem Schweigen.
Freude und Frieden im Glauben. Du Gott, kommst in unsere Welt. Du richtest uns auf. Wir sehen dir entgegen. Darauf vertrauen wir. Und bitten dich: Für die Müden und Enttäuschten, dass sie Mut fassen und vorangehen.
Du Gott, kommst in unsere Welt. Du richtest uns auf. Wir sehen dir entgegen. Darauf vertrauen wir. Und bitten dich: Für die Lahmen und Beladenen, dass sie Kraft finden und sich aufrichten.
Du Gott, kommst in unsere Welt. Du richtest uns auf. Wir sehen dir entgegen. Darauf vertrauen wir. Und bitten dich: Für die Wankenden und Verängstigten, dass sie Mut schöpfen und anpacken.
Du Gott, kommst in unsere Welt. Du richtest uns auf. Wir sehen dir entgegen. Darauf vertrauen wir. Und bitten dich: Für die Verstummten und Ungetrösteten, dass sie Zuversicht finden und ihre Stimme erheben.
Du Gott, kommst in unsere Welt. Du richtest uns auf. Wir sehen dir entgegen. Darauf vertrauen wir. Und bitten dich: Für uns und alle Menschen in der Stille…
Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.
Denn bald und behende kommt ihr letztes Ende; da wird er vom Bösen ihre Seel erlösen und sie mit sich führen zu der Engel Chören.
Wird von dannen kommen, wie dann wird vernommen, wenn die Toten werden erstehn von der Erden und zu seinen Füßen sich darstellen müssen.
Da wird er sie scheiden: seines Reiches Freuden erben dann die Frommen; doch die Bösen kommen dahin, wo sie müssen ihr Untugend büßen.
Ei nun, Herre Jesu, richte unsre Herzen zu, daß wir, alle Stunden recht gläubig erfunden, darinnen verscheiden zur ewigen Freuden.
Böhmische Brüder 1544 (LKG 71,6-9)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße! Was ist denn das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet, oder welches ist die Stätte, da ich ruhen sollte? 2 Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der HERR. Ich sehe aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert vor meinem Wort. 3 Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt; wer ein Schaf opfert, gleicht dem, der einem Hund das Genick bricht; wer ein Speisopfer bringt, gleicht dem, der Schweineblut spendet; wer Weihrauch anzündet, gleicht dem, der Götzen verehrt: Wahrlich, wie sie Lust haben an ihren eigenen Wegen und ihre Seele Gefallen hat an ihren Gräueln, 4 so will auch ich Lust daran haben, dass ich ihnen wehe tue, und ich will über sie kommen lassen, wovor ihnen graut. Denn ich rief und niemand antwortete, ich redete und sie hörten nicht und taten, was mir nicht gefiel, und hatten ihre Lust an dem, woran ich kein Wohlgefallen hatte.
Jesaja 66,1-4
Morgenlese
Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR! Du bist zornig gewesen über mich. Möge dein Zorn sich abkehren, dass du mich tröstest. 2 Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. 3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils. 4 Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! 5 Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! 6 Jauchze und rühme, die du wohnst auf Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!
Jesaja 12,1-6
Abendlese
Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold. 15 Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. 16 Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. 17 Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden. 18 Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten. 19 Der HERR hat die Erde mit Weisheit gegründet und nach seiner Einsicht die Himmel bereitet. 20 Durch seine Erkenntnis quellen die Wasser der Tiefe hervor und triefen die Wolken von Tau. 21 Mein Sohn, lass sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre Umsicht und Klugheit! 22 Das wird Leben sein für dein Herz und ein Schmuck für deinen Hals.
Sprüche 3,14-22
Bekenntnislese
Darum haben die Unsern nicht aus Frevel oder Verachtung geistlicher Gewalt von diesen Sachen gelehrt, sondern es hat die hohe Not gefordert, von den obangezeigten Irrtümern zu unterrichten, welche aus dem Mißverstand der Tradition erwachsen sind. Denn das Evangelium erzwingt, daß man die Lehre vom Glauben in der Kirche treiben soll und muß, welche doch nicht verstanden werden mag, wenn man vermeint, durch eigene gewählte Werke Gnade zu verdienen. Und davon ist also gelehret, daß man durch das Halten erdachter menschlicher Traditionen nicht Gnade verdienen oder Gott versöhnen oder fur die Sünde genugtun kann. Deshalb soll kein notwendiger Gottesdienst daraus gemacht werden.
Dazu werden Zeugnisse aus der Schrift angeführt. Christus entschuldigt in Matth. 15 die Apostel, da sie gewöhnliche Traditionen nicht gehalten haben, und spricht dabei: „Sie ehren mich vergeblich mit Menschengeboten.“ So er nun dies einen vergeblichen Dienst nennt, muß er nicht nötig sein. Und bald hernach: „Was zum Munde eingehet, verunreinigt den Menschen nicht.“
Ebenso spricht Paulus in Röm. 14: „Das Himmelreich steht nicht in Speise oder Trank.“ Kol. 2: „Niemand soll euch richten in Speise, Trank, Sabbat etc.“ Apg. 15 spricht Petrus: „Warum versucht ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hälse, welches weder unsere Väter noch wir haben tragen mögen? Sondern wir glauben durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig zu werden, gleicherweise wie auch sie.“ Da verbietet Petrus, daß man die Gewissen beschweren soll mit mehr äußerlichen Zeremonien, es sei von Moses oder anderen. Und 1. Timoth. 4 werden solche Verbote, wie Speise verbieten, Ehe verbieten etc. Teufelslehre genannt. Denn dies ist stracks dem Evangelium entgegen, solche Werke einzusetzen oder zu tun, daß man damit Vergebung der Sünde verdiene, oder als möge niemand Christ sein ohne solchen Dienst. Daß man aber den Unsern die Schuld gibt, sie verböten Kasteiung und Zucht, wie Jovinianus, wird sich ganz anders aus deren Schriften entnehmen lassen. Denn sie haben allzeit gelehret vom heiligen Kreuz, daß Christen zu leiden schuldig sind, und dieses ist rechte, ernstliche und nicht erdichte Kasteiung.
Daneben wird auch gelehret, daß ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher Übung, wie Fasten und anderer Arbeit, so zu halten, daß er nicht Ursache zu Sündigen gebe, nicht, daß er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stets getrieben werden. Davon redet Christus in Luk. 21: „Hütet euch, daß euer Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei.“ Ebenso: „Die Teufel werden nicht ausgeworfen dann durch Fasten und Gebet.“ Und Paulus spricht, er kasteie seinen Leib und bringe ihn zu Gehorsam; damit zeigt er an, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit gnad zu verdienen, sonder den Leib geschickt zu halten, daß er nicht verhindere, was einem iglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist. Und wird also nicht das Fasten verworfen, sondern daß man ein notigen Dienst daraus auf bestimmte Tage und Speisen, zu Verwirrung der Gewissen, gemacht hat. Auch werden dieses Teils viele Zeremonien und Traditionen gehalten, als Ordnung der Messe und andere Gesänge, Feste etc., welche dazu dienen, daß in der Kirche Ordnung gehalten werde. Daneben aber wird das Volk unterrichtet, daß solcher äußerlicher Gottesdienst nicht fromm mache vor Gott, und daß man ohne Beschwerung des Gewissens halten soll, so daß, wenn man es läßt ohne Ärgernis, nicht daran gesündigt wird. Diese Freiheit in äußerlichen Zeremonien haben auch die alten Väter gehalten. Denn im Orient hat man das Osterfest zu einer anderen Zeit als in Rom gehalten. Und da etliche diese Ungleichheit für eine Trennung in der Kirche halten wollten, sind sie von anderen vermahnt worden, daß es nicht not sei, in solchen Gewohnheiten Gleichheit zu halten. Und Irenaeus spricht: „Ungleichheit im Fasten trennet nicht die Einigkeit des Glaubens“, wie auch Dist. 12. von solcher Ungleichheit in menschlichen Ordnungen geschrieben ist, daß sie der Einigkeit der Christenheit nicht zuwider sei. Und Tripartita Hist. lib. 9, zieht viele ungleiche Kirchengewohnheiten zusammen und setzt einen nützlichen christlichen Spruch: „Der Apostel Meinung ist nicht gewesen, Feiertage einzusetzen, sondern Glaube und Liebe zu lehren.“
Allmächtiger ewiger Gott, wir danken Dir, daß Du Deinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, der Welt zum Heiland gesandt hast.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: hilf, daß wir seiner Ankunft im Fleisch uns allezeit getrösten und zuversichtlich glauben, daß er auch uns zugut gekommen ist.
Gib, Du getreuer Gott, daß er durch sein Wort und Sakrament beständig zu uns komme und durch den Glauben in unsern Herzen wohne. Hilf uns auch, daß wir seinem letzten Kommen zum Gericht allzeit mit Wachen und Beten entgegenharren und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit.
Das bitten wir durch ihn unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert ein Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 355f.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Gottes Sohn ist kommen uns allen zu Frommen hier auf diese Erden in armen Gebärden, daß er uns von Sünde freiet und entbinde.
Er kommt auch noch heute und lehret die Leute, wie sie sich von Sünden zur Buß sollen wenden, von Irrtum und Torheit treten zu der Wahrheit.
Die sich sein nicht schämen und sein’ Dienst annehmen durch ein’ rechten Glauben mit ganzem Vertrauen, denen wird er eben ihre Sünd vergeben.
Denn er tut ihn’ schenken in den Sakramenten sich selber zur Speisen, sein Lieb zu beweisen, daß sie sein genießen in ihrem Gewissen.
Die also fest glauben und beständig bleiben, dem Herren in allem trachten zu gefallen, die werden mit Freuden auch von hinnen scheiden.
Böhmische Brüder 1544 (LKG 71,1-5)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.
Jesaja 65,17-25
Morgenlese
Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch. 22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. 25 Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 26 Und wie es geschah in den Tagen Noahs, so wird’s auch sein in den Tagen des Menschensohns: 27 Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. 28 Ebenso, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. 30 Auf diese Weise wird’s auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.
Lukas 17,20-30
Abendlese
Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, da waren vier Hörner. 2 Und ich sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Wer sind diese? Er sprach zu mir: Es sind die Hörner, die Juda samt Israel und Jerusalem zerstreut haben. 3 Und der HERR zeigte mir vier Schmiede. 4 Da sprach ich: Was wollen die machen? Er sprach: Jene sind die Hörner, die Juda so zerstreut haben, dass niemand mehr sein Haupt erhob; diese aber sind gekommen, jene abzuschrecken und die Hörner der Völker abzuschlagen, die ihr Horn gegen das Land Juda erhoben haben, um es zu zerstreuen. 5 Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Mann hatte eine Messschnur in der Hand. 6 Und ich sprach: Wo gehst du hin? Er sprach zu mir: Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie lang und breit es werden soll. 7 Und siehe, der Engel, der mit mir redete, ging hinaus, und ein anderer Engel kam ihm entgegen 8 und sprach zu ihm: Lauf hin und sage diesem jungen Mann: Jerusalem soll ohne Mauern bleiben wegen der Menge der Menschen und des Viehs, die darin sein werden. 9 Und ich selbst will, spricht der HERR, eine feurige Mauer rings um sie her sein und will mich herrlich darin erweisen. 10 Wehe, wehe! Flieht aus dem Lande des Nordens!, spricht der HERR; denn ich habe euch in die vier Winde unter dem Himmel zerstreut, spricht der HERR. 11 Wehe! Nach Zion rette dich, die du wohnst bei der Tochter Babel! 12 Denn so spricht der HERR Zebaoth, nachdem seine Herrlichkeit mich gesandt hat zu den Völkern, die euch berauben: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an. 13 Denn siehe, ich schwinge meine Hand über sie, dass sie ein Raub derer werden, die ihnen dienen. – Und ihr sollt erkennen, dass mich der HERR Zebaoth gesandt hat.
Vor Zeiten hat man so gelehrt, gepredigt und geschrieben, daß der Unterschied der Speisen und dergleichen Tradition, von Menschen eingesetzt, dazu diene, daß man dadurch Gnade verdiene und für die Sünde genugtue. Aus diesem Grund hat man täglich neue Fasten, neue Zermonien, neue Orden und dergleichen erdacht und auf solches heftig und hart getrieben, als seien solche Dinge nötige Gottesdienste, dadurch man Gnade verdiene, so man es halte, und große Sunde geschehe, so man es nicht halte. Daraus sind viele schädliche Irrtümer in der Kirche gefolgt.
Erstlich ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit großem Ernst vorhält, und treibt hart dahin, daß man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, daß Glauben an Christus hoch und weit über alle Werke zu setzen sei. Deshalb hat Sankt Paulus heftig gegen das Gesetz des Mose und menschliche Traditionen gefochten, daß wir lernen sollen, daß wir vor Gott nicht fromm werden aus unseren Werken, sondern allein durch den Glauben an Christus, daß wir um Christi willen Gnade erlangen. Solche Lehre ist schier ganz verloschen, dadurch, daß man gelehrt hat, Gnade zu verdienen mit gesetzten Fasten, Unterschied der Speise, Kleidern etc.
Zum anderen haben auch solche Traditionen Gottes Gebot verdunkelt, denn man setzt diese Traditionen weit über Gottes Gebot. Dies hielt man allein für christliches Leben: Wer die Feier so hielte, so betete, so fastete, so gekleidet wäre, das nannte man geistliches, christliches Leben.
Daneben hielt man andere nötige gute Werke für ein weltliches, ungeistliches Wesen, nämlich diese, die jeder nach seinem Beruf zu tun schuldig ist, nämlich daß der Hausvater arbeite, um Weib und Kind zu ernähren und zu Gottesfurcht aufzuziehen, die Hausmutter Kinder gebäre und sie pflege, ein Fürst und Obrigkeit Land und Leute regiere etc. Solche Werke, von Gott geboten, mußten ein weltliches und unvollkommenes Wesen sein; aber die Traditionen mußten den prächtigen Namen haben, daß sie allein heilige, vollkommene Werke hießen. Deshalb war kein Maß noch Ziel, solche Traditionen zu machen.
Zum dritten, solche Traditionen sind zu großer Beschwerung der Gewissen geraten. Denn es war nicht möglich, alle Traditionen zu halten; und doch waren die Leute der Meinung, als wäre solches ein nötiger Gottesdienst. Gerson schreibt, daß viele hiermit in Verzweiflung gefallen seien, etlich haben sich auch selbst umgebracht, weil sie keinen Trost von der Gnade Christi gehört haben. Dann sieht man bei den Summisten und Theologen, welche sich unterstanden haben, die Traditionen zusammenzuziehen und die freie Erfüllung zu suchen, daß sie den Gewissen hülfen, wie sie den Gewissen Fallstricke hingeworfen haben. Sie haben so viel damit zu tun gehabt, daß alle heilsame christliche Lehre von nötigen Sachen, als vom Glauben, vom Trost in hohen Anfechtungen und dergleichen darnieder gelegen ist. Darüber haben auch viele fromme, gelehrte Leute vor dieser Zeit sehr geklagt, daß solche Traditionen viel Zank in der Kirche anrichten, und daß fromme Leute damit verhindert und zur rechten Erkenntnis Christi nicht kommen mochten. Gerson und etliche mehr haben heftig darüber geklagt. Ja, es hat auch Augustin mißfallen, daß man die Gewissen mit so vielen Traditionen beschwert. Deshalb gibt er dabei Unterricht, daß man es nicht für ein nötig Ding halten soll.
Darum haben die Unsern nicht aus Frevel oder Verachtung geistlicher Gewalt von diesen Sachen gelehrt, sondern es hat die hohe Not gefordert, von den obangezeigten Irrtümern zu unterrichten, welche aus dem Mißverstand der Tradition erwachsen sind. Denn das Evangelium erzwingt, daß man die Lehre vom Glauben in der Kirche treiben soll und muß, welche doch nicht verstanden werden mag, wenn man vermeint, durch eigene gewählte Werke Gnade zu verdienen. Und davon ist also gelehret, daß man durch das Halten erdachter menschlicher Traditionen nicht Gnade verdienen oder Gott versöhnen oder fur die Sünde genugtun kann. Deshalb soll kein notwendiger Gottesdienst daraus gemacht werden.
Dazu werden Zeugnisse aus der Schrift angeführt. Christus entschuldigt in Matth. 15 die Apostel, da sie gewöhnliche Traditionen nicht gehalten haben, und spricht dabei: „Sie ehren mich vergeblich mit Menschengeboten.“ So er nun dies einen vergeblichen Dienst nennt, muß er nicht nötig sein. Und bald hernach: „Was zum Munde eingehet, verunreinigt den Menschen nicht.“
Ebenso spricht Paulus in Röm. 14: „Das Himmelreich steht nicht in Speise oder Trank.“ Kol. 2: „Niemand soll euch richten in Speise, Trank, Sabbat etc.“ Apg. 15 spricht Petrus: „Warum versucht ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hälse, welches weder unsere Väter noch wir haben tragen mögen? Sondern wir glauben durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig zu werden, gleicherweise wie auch sie.“ Da verbietet Petrus, daß man die Gewissen beschweren soll mit mehr äußerlichen Zeremonien, es sei von Moses oder anderen. Und 1. Timoth. 4 werden solche Verbote, wie Speise verbieten, Ehe verbieten etc. Teufelslehre genannt. Denn dies ist stracks dem Evangelium entgegen, solche Werke einzusetzen oder zu tun, daß man damit Vergebung der Sünde verdiene, oder als möge niemand Christ sein ohne solchen Dienst. Daß man aber den Unsern die Schuld gibt, sie verböten Kasteiung und Zucht, wie Jovinianus, wird sich ganz anders aus deren Schriften entnehmen lassen. Denn sie haben allzeit gelehret vom heiligen Kreuz, daß Christen zu leiden schuldig sind, und dieses ist rechte, ernstliche und nicht erdichte Kasteiung.
Daneben wird auch gelehret, daß ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher Übung, wie Fasten und anderer Arbeit, so zu halten, daß er nicht Ursache zu Sündigen gebe, nicht, daß er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stets getrieben werden. Davon redet Christus in Luk. 21: „Hütet euch, daß euer Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei.“ Ebenso: „Die Teufel werden nicht ausgeworfen dann durch Fasten und Gebet.“ Und Paulus spricht, er kasteie seinen Leib und bringe ihn zu Gehorsam; damit zeigt er an, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit gnad zu verdienen, sonder den Leib geschickt zu halten, daß er nicht verhindere, was einem iglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist. Und wird also nicht das Fasten verworfen, sondern daß man ein notigen Dienst daraus auf bestimmte Tage und Speisen, zu Verwirrung der Gewissen, gemacht hat. Auch werden dieses Teils viele Zeremonien und Traditionen gehalten, als Ordnung der Messe und andere Gesänge, Feste etc., welche dazu dienen, daß in der Kirche Ordnung gehalten werde. Daneben aber wird das Volk unterrichtet, daß solcher äußerlicher Gottesdienst nicht fromm mache vor Gott, und daß man ohne Beschwerung des Gewissens halten soll, so daß, wenn man es läßt ohne Ärgernis, nicht daran gesündigt wird. Diese Freiheit in äußerlichen Zeremonien haben auch die alten Väter gehalten. Denn im Orient hat man das Osterfest zu einer anderen Zeit als in Rom gehalten. Und da etliche diese Ungleichheit für eine Trennung in der Kirche halten wollten, sind sie von anderen vermahnt worden, daß es nicht not sei, in solchen Gewohnheiten Gleichheit zu halten. Und Irenaeus spricht: „Ungleichheit im Fasten trennet nicht die Einigkeit des Glaubens“, wie auch Dist. 12. von solcher Ungleichheit in menschlichen Ordnungen geschrieben ist, daß sie der Einigkeit der Christenheit nicht zuwider sei. Und Tripartita Hist. lib. 9, zieht viele ungleiche Kirchengewohnheiten zusammen und setzt einen nützlichen christlichen Spruch: „Der Apostel Meinung ist nicht gewesen, Feiertage einzusetzen, sondern Glaube und Liebe zu lehren.“
Tagesgebet im Advent.
Allmächtiger ewiger Gott, wir danken Dir, daß Du Deinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, der Welt zum Heiland gesandt hast.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: hilf, daß wir seiner Ankunft im Fleisch uns allezeit getrösten und zuversichtlich glauben, daß er auch uns zugut gekommen ist.
Gib, Du getreuer Gott, daß er durch sein Wort und Sakrament beständig zu uns komme und durch den Glauben in unsern Herzen wohne. Hilf uns auch, daß wir seinem letzten Kommen zum Gericht allzeit mit Wachen und Beten entgegenharren und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit.
Das bitten wir durch ihn unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert ein Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 355f.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Ei, nimm ihn heut mit Freuden an, bereit ihm Deines Herzens Bahn, auf daß er komm in Dein Gemüt, und Du genießest seiner Güt.
Unterwirf ihm Deine Vernunft in dieser gnadenreichen Zukunft, untergib seiner Heiligkeit die Werk Deiner Gerechtigkeit.
Wo Du dies tust, so ist er Dein, bewahrt Dich vor der Höllenpein; wo nicht, so sieh Dich eben für, denn er schleußt Dir des Himmels Tür.
Sein erste Zukunft in die Welt ist in sanftmütiger Gestalt, die ander wird erschrecklich sein, den Gottlosen zu großer Pein.
Die aber jetzt in Christo stehn, werden alsdann zur Freud eingehn, und besitzen der Engel Chor, daß sie kein Übel mehr berühr.
Dem Vater in dem höchsten Thron, sammt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist gleicherweis, in Ewigkeit sei Dank und Preis.
Michael Weiße 1531 (LKG 70,9-14)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! 2 Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; 3 nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, 4 sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen Schweinefleisch und haben Gräuelsuppen in ihren Töpfen 5 und sprechen: Bleib weg und rühr mich nicht an, denn ich bin für dich heilig. Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt. 6 Siehe, es steht vor mir geschrieben: Ich will nicht schweigen, sondern heimzahlen; ja, ich will es ihnen heimzahlen, 7 beides, ihre Missetaten und ihrer Väter Missetaten miteinander, spricht der HERR, die auf den Bergen geräuchert und mich auf den Hügeln geschändet haben. Ja, ich will ihnen heimzahlen ihr früheres Tun. 8 So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun, dass ich nicht alles verderbe. 9 Ich will aus Jakob Nachkommen wachsen lassen und aus Juda Erben, die meine Berge besitzen; meine Auserwählten sollen sie besitzen, und meine Knechte sollen dort wohnen. 10 Und meinem Volk, das nach mir fragt, soll Scharon eine Weide für die Herde werden und das Tal Achor ein Lagerplatz für das Vieh.
Jesaja 65,1-10
Morgenlese
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! 8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 9 Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jesaja 52,7-10
Abendlese
Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder und Schwestern, dass Gott euch als Erstlinge erwählt hat zur Seligkeit in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch auch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt. 15 So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns. 16 Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.
Weiter, ihr Brüder und Schwestern, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir gerettet werden vor falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. 3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. 5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.
2. Thessalonicher 2,13-3,5
Bekenntnislese
Die Beichte ist durch die Prediger dieses Teils (der Evangelischen) nicht abgetan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, die nicht zuvor verhört und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolution zu achten[sei]. Denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der die Sünde vergibt. Denn sie wird au Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt; dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, als wenn Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns der Absolution fröhlich zu trösten und zu wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünde erlangen. Von diesen nötigen Stöcken haben vorzeiten die Prediger, die von der Beichte viel lehrten, nicht ein Wörtlein berührt, sondern allein die Gewissen mit langer Erzählung der Sünden, mit Genugtun. mit Ablaß, mit Wallfahrten und dergleichen gemartert. Und viele unserer Widersacher bekennen selbst, daß dieses Teils (bei uns) von rechter christlicher Buße schicklicher als zuvor in langer Zeit geschrieben und gehandelt sei.
Und es wird von der Beichte also gelehrt, daß man niemanden drängen soll, die Sünden namhaftig zu erzählen (namentlich aufzuzählen). Denn solches ist unmöglich, wie der Psalm 19, 13 spricht: »Wer kennet die Missetat?« Und Jeremias 17,9 sagt: »Des Menschen Herz ist so arg, daß man‘s nicht auslernen kann«. Die elende menschliche Natur steckt also tief in Sünden, daß sie dieselben nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolviert werden, die wir zählen können, wäre uns wenig geholfen. Deshalb ist es nicht nötig, die Leute zu drängen, die Sünde namentlich aufzuzählen. Also haben es auch die Väter gehalten, wie man findet in Dist. I. De poenitentia, wo die Worte des Chrysostomus angezogen (angeführt) werden: »Ich sage nicht, daß du dich selbst öffentlich dargeben noch bei einem andern dich selbst verklagen oder schuldig geben sollst, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege. Deshalb beichte Gott, dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet. Nicht sage deine Sünden mit der Zunge, sondern in deinem Gewissen«. Hier sieht man klar, daß Chrysostomus nicht zwingt, die Sünden namentlich aufzuzählen. So lehrt auch die Glosse zu dem [genannten] Dekret De poenitentia Dist. 5,1, daß die Beichte nicht durch die Schrift geboten, sondern durch die Kirche eingesetzt sei. Doch wird durch die Prediger dieses Teils (bei uns) fleißig gelehrt, daß die Beichte wegen der Absolution, welche das Hauptstück und das Vornehmste darin ist, zum Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursache willen, beizubehalten sei.
Allmächtiger ewiger Gott, wir danken Dir, daß Du Deinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, der Welt zum Heiland gesandt hast.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: hilf, daß wir seiner Ankunft im Fleisch uns allezeit getrösten und zuversichtlich glauben, daß er auch uns zugut gekommen ist.
Gib, Du getreuer Gott, daß er durch sein Wort und Sakrament beständig zu uns komme und durch den Glauben in unsern Herzen wohne. Hilf uns auch, daß wir seinem letzten Kommen zum Gericht allzeit mit Wachen und Beten entgegenharren und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit.
Das bitten wir durch ihn unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert ein Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 355f.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Lob sei dem allmächtigen Gott, der sich unser erbarmet hat, gesandt sein allerliebsten Sohn aus ihm geborn im höchsten Thron.
Auf daß er unser Heiland würd, uns freiet von der Sündenbürd, und durch sein Gnade und Wahrheit, führet zur ewigen Klarheit.
O große Gnad und Gütigkeit, o tiefe Lieb und Mildigkeit! Gott tut ein Werk, des ihm kein Mann, auch kein Engel verdanken kann.
Gott nimmt an sich unsre Natur, der Schöpfer eine Kreatur. Er veracht nicht ein armes Weib, Mensch zu werden in ihrem Leib.
Des Vaters Wort von Ewigkeit wird Fleisch in aller Reinigkeit. Das A und O, Anfang und End, gibt sich für uns in groß Elend.
Was ist der Mensch, was ist sein Tun, daß Gott für ihn gibt seinen Sohn? Was darf unser das höchste Gut, daß es so unserthalben tut?
O weh dem Volk, welchs Dich veracht, der Gnad sich nicht theilhaftig macht, nicht hören will des Sohnes Stimm, denn auf ihm bleibet Gottes Grimm.
O Mensch, wie, daß Du nicht verstehst und dem König entgegen gehst, der Dir so ganz demütig kömmt und sich Dein so treulich annimmt?
Michael Weiße 1531 (LKG 70,1-8)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
Aber nun, HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk. 8 HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! 9 Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden, Zion ist zur Wüste geworden, Jerusalem liegt zerstört. 10 Das Haus unsrer Heiligkeit und Herrlichkeit, in dem dich unsre Väter gelobt haben, ist mit Feuer verbrannt, und alles, was wir Schönes hatten, ist zuschanden gemacht. 11 HERR, willst du bei alledem noch zögern und schweigen und uns so sehr niederschlagen?
Jesaja 64,7-11
Morgenlese
Und der Herr sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzt, dass er ihnen zur rechten Zeit gebe, was ihnen an Getreide zusteht? 43 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, solches tun sieht. 44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. 45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit zu kommen, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, 46 dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er’s nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen. 47 Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt und hat nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden. 48 Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
Lukas 12,42-48
Abendlese
Es begab sich zur Zeit des Ahas, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda, da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, herauf nach Jerusalem, um es zu bekämpfen; sie konnten es aber nicht erobern.[1] 2 Da wurde dem Hause David angesagt: Die Aramäer haben sich gelagert in Ephraim. Da bebte ihm das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde. 3 Aber der HERR sprach zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub[2], an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße beim Acker des Walkers, 4 und sprich zu ihm: Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden Brandscheiten, die nur noch rauchen, dem glühenden Zorn Rezins und der Aramäer und des Sohnes Remaljas. 5 Weil die Aramäer gegen dich Böses ersonnen haben samt Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen: 6 »Wir wollen hinaufziehen nach Juda und es in Schrecken versetzen und für uns erobern und zum König darin machen den Sohn Tabeals«, – 7 so spricht Gott der HERR: Das soll nicht bestehen und wird nicht geschehen. 8 Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und das Haupt von Damaskus ist Rezin – und in fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien. 9 Und das Haupt von Ephraim ist Samaria, und das Haupt von Samaria ist der Sohn Remaljas. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. 10 Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach: 11 Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12 Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche. 13 Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14 Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau[3] ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel[4]. 15 Butter und Honig wird er essen, bis er weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. 16 Denn ehe der Knabe weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut. 17 Der HERR wird über dich, über dein Volk und über deines Vaters Haus Tage kommen lassen, wie sie nicht gekommen sind seit der Zeit, da Ephraim sich von Juda schied, nämlich durch den König von Assyrien.
Jesaja 7,1-17
Bekenntnislese
Man legt den Unsern mit Unrecht auf (wirft. . . vor), daß sie die Messe abgetan haben sollen. Denn das ist offensichtlich, daß die Messe, ohne Ruhm zu reden, bei uns mit größerer Andacht und Ernst gehalten wird als bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit höchstem Fleiß zum öfteren Mal unterrichtet vorn heiligen Sakrament, wozu es eingesetzt und wie es zu gebrauchen sei, nämlich die erschrockenen Gewissen damit zu trösten, wodurch das Volk zur Kommunion und Messe gezogen wird. Dabei geschieht auch Unterricht wider andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den öffentlichen Zeremonien der Messe keine merkliche Änderung geschehen, außer daß an etlichen Orten deutsche Gesänge, um das Volk damit zu lehren und zu üben, neben lateinischem Gesang gesungen werden, zumal alle Zeremonien vornehmlich dazu dienen sollen, daß das Volk daran lerne, was ihm von Christus zu wissen notwendig ist. Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit mißbraucht [wurde], wie am Tage ist, so daß ein Jahrmarkt daraus gemacht [worden ist], daß man sie gekauft und verkauft hat und den größeren Teil in allen Kirchen um Geldes willen gehalten [hat], ist solcher Mißbrauch zu mehreren Malen, auch vor dieser Zeit, von gelehrten und frommen Leuten gestraft worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt [haben] und die Priester an die schreckliche Bedrohung erinnert [worden] sind, die denn billig einen jeden Christen bewegen soll, daß, wer das Sakrament unwürdig gebraucht, der sei schuldig an Leib und Blut Christi, darauf sind solche Kaufmessen und Winkelmessen, welche bisher aus Zwang um Geldes und der Präbenden (Stiftungen) willen gehalten worden [sind], in unsern Kirchen gefallen. Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestraft, daß man gelehrt hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein für die Erbsünde genuggetan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer für die anderen Sünden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht für die Lebendigen und Toten, dadurch Sünden wegzunehmen und Gott zu versöhnen. Daraus ist weiter gefolgt, daß man disputiert hat ob eine Messe, für viele gehalten, ebensoviel verdiene (Verdienste schaffe), als wenn man für einen jeglichen eine besondere hielte. Daher ist die große unzählige Menge der Messen gekommen, daß man mit diesem Werk bei Gott hat alles erlangen wollen, dessen man bedurft hat, und daneben ist der Glaube an Christus und der rechte Gottesdienst vergessen worden.
Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert [hat], daß man wüßte, wie das Sakrament recht zu gebrauchen wäre. Und erstens: daß kein Opfer für Erbsünde und andere Sünde da sei als der alleinige Tod Christi, zeigt die Schrift an vielen Orten an. Denn also steht geschri5ben Hebräer 9,26, daß sich Christus e i n m a 1 geopfert und dadurch für alle Sünde genuggetan hat. Es ist gar eine unerhörte Neuigkeit in der Kirchenlehre, daß Christi Tod allein für die Erbsünde, und nicht auch für andere Sünde sonst, genuggetan haben sollte. Deshalb [ist] zu hoffen, daß männiglich (jedermann) verstehe, daß solcher Irrtum nicht unbillig gestraft sei. Zum andern, so lehrt St. Paul, daß wir vor Gott Gnade erlangen durch Glauben und nicht durch Werke. Dawider ist öffentlich (richtet sich offensichtlich) dieser Mißbrauch der Messe, wenn man vermeint, durch dieses Werk Gnade zu erlangen, wie man denn weiß, daß man die Messe dazu gebraucht, dadurch Sünde abzulegen und Gnade und alle Güter bei Gott zu erlangen; nicht allein der Priester für sich, sondern auch für die ganze Welt und für andere, Lebendige und Tote. Zum dritten, so ist das heilige Sakrament eingesetzt, nicht um damit für die Sünde ein Opfer anzurichten — denn das Opfer ist zuvor (durch Christus) geschehen —‚ sondern daß unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getröstet werden, welche durchs Sakrament vernehmen, daß ihnen Gnade und Vergebung der Sünde von Christus zugesagt ist. Deshalb fordert dies Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht. Weil nun die Messe nicht ein Opfer ist für andere, Lebendige oder Tote, ihre Sünde wegzunehmen, sondern eine Kommunion sein soll, da der Priester und andere das Sakrament für sich empfangen, so wird diese Weise bei uns gehalten, daß man an Feiertagen, auch sonst, wenn Kommunikanten da sind, Messe hält und etliche, die das begehren, kommuniziert. Also bleibt bei uns die Messe in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehalten [wurde], wie man beweisen kann aus St. Paul 1 Kor 11, dazu auch aus vieler Väter Schriften. Denn Chrysostomus (gest. 407) spricht davon, wie der Priester täglich stehe und fordere etliche zur Kommunion auf, etlichen verbiete er hinzuzutreten. Auch zeigen die alten Canones an, daß einer das Amt gehalten und die anderen Priester und Diakonen kommuniziert hat. Denn also lauten die Worte im Kanon (18) des Nicänums: Die Diakonen sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfangen vom Bischof oder Priester. Wenn man nun hierin keine Neuerung, die in der Kirche vor alters nicht gewesen [ist], vorgenommen hat, auch in den öffentlichen Zeremonien der Messen keine merkliche Änderung geschehen [ist], allein daß die anderen unnötigen Messen, etwa durch einen Mißbrauch neben der Pfarrmesse gehalten weggefallen sind, soll billig diese Weise, Messe zu halten, nicht als ketzerisch und unchristlich verdammt werden. Denn man hat vorzeiten auch in den großen Kirchen, wo viel Volks gewesen ist, auch auf die Tage, wo das Volk zusammenkam, nicht täglich Messe gehalten, wie die »Tripartita historiae« Buch 9 anzeigt, daß man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt und sonst alle Gottesdienste gehalten habe ohne die Messe.
Allmächtiger ewiger Gott, wir danken Dir, daß Du Deinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, der Welt zum Heiland gesandt hast.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: hilf, daß wir seiner Ankunft im Fleisch uns allezeit getrösten und zuversichtlich glauben, daß er auch uns zugut gekommen ist.
Gib, Du getreuer Gott, daß er durch sein Wort und Sakrament beständig zu uns komme und durch den Glauben in unsern Herzen wohne. Hilf uns auch, daß wir seinem letzten Kommen zum Gericht allzeit mit Wachen und Beten entgegenharren und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit.
Das bitten wir durch ihn unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert ein Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 355f.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen
Hymnus des Bischofs Ambrosius von Mailand (+397): “Veni redemptor genitum” deutsch von Martin Luther 1524. (LKG 69)
Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9
Kollekte für den 2. Advent
Lieber Herre Gott, wecke uns auf: daß wir bereit seien, wenn Dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und ri mit reinem Herzen zu dienen. Durch unseren Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955.
Fortlaufende Lese
So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich. 16 Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name. 17 Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten? Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind! 18 Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten. 19 Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde. Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen,
wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten, 2 wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten, und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen! 3 Von alters her hat man es nicht vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren. 4 Du begegnest denen, die Gerechtigkeit üben und auf deinen Wegen deiner gedenken. Siehe, du zürntest, und wir sündigten; als du dich verbargst, gingen wir in die Irre. 5 So wurden wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind. 6 Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf, dass er sich an dich halte; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und lässt uns vergehen unter der Gewalt unsrer Schuld.
Jesaja 63:15-19; 64:1-6
Morgenlese
Darum ist das Recht ferne von uns, und die Gerechtigkeit kommt nicht zu uns. Wir harren auf Licht, siehe, so ist’s finster, auf Helligkeit, siehe, so wandeln wir im Dunkeln. 10 Wir tasten an der Wand entlang wie die Blinden und tappen wie die, die keine Augen haben. Wir stoßen uns am Mittag wie in der Dämmerung, wir sind im Düstern wie die Toten. 11 Wir brummen alle wie die Bären und gurren wie die Tauben; denn wir harren auf Recht, so ist’s nicht da, auf Heil, so ist’s ferne von uns. 12 Denn wir sind zu oft von dir abgefallen, und unsre Sünden zeugen gegen uns. Unsre Abtrünnigkeit steht uns vor Augen, und wir kennen unsre Sünden: 13 abtrünnig sein und den HERRN verleugnen und abfallen von unserm Gott, Frevel reden und Ungehorsam, Lügenworte ausbrüten und bedenkenlos daherreden. 14 Und das Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang. 15 Und die Wahrheit ist dahin, und wer vom Bösen weicht, muss sich ausplündern lassen. Das alles sah der HERR und es missfiel ihm sehr, dass kein Recht war. 16 Und er sah, dass niemand auf dem Plan war, und war bestürzt, dass niemand einschritt. Da half er sich selbst mit seinem Arm, und seine Gerechtigkeit stand ihm bei.
Jesaja 59,9-16
Abendlese +
Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. 4 Durch sie sind uns die kostbaren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch sie Anteil bekommt an der göttlichen Natur, wenn ihr der Vergänglichkeit entflieht, die durch Begierde in der Welt ist. 5 So wendet allen Fleiß daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis 6 und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit 7 und in der Frömmigkeit Brüderlichkeit und in der Brüderlichkeit die Liebe. 8 Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. 9 Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden. 10 Darum, Brüder und Schwestern, bemüht euch umso eifriger, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr niemals straucheln, 11 und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus.
2. Petrus 1,3-11
Bekenntnislese
Es ist bei jedermann, hohen und niederen Standes, eine große, mächtige Klage in der Welt gewesen von großer Unzucht und wildem Wesen und Leben der Priester, die nicht vermochten, Keuschheit zu halten, und es war auch je mit solchen greulichen Lastern aufs höchste gekommen. Soviel häßliches, großes Ärgernis, Ehebruch und andere Unzucht zu vermeiden, haben sich etliche Priester bei uns in den ehelichen Stand begeben. Dieselben zeigen diese Ursache an, daß sie dahin gedrängt und bewegt [worden] seien aus hoher Not ihrer Gewissen, nachdem die Schrift klar meldet, der eheliche Stand sei von Gott dem Herrn eingesetzt, Unzucht zu vermeiden, wie Paulus sagt: »Die Unzucht zu vermeiden habe ein jeglicher sein eigenes Eheweib«, ferner: »Es ist besser, ehelich werden als brennen« (1 Kor 7,2 u. 9). Und nachdem Christus sagt Mt 19,11: »Sie fassen nicht alle das Wort«, da zeigt Christus an, welcher wohl gewußt [hat], was am Menschen sei, daß wenige Leute die Gabe, keusch zu leben, haben. »Denn Gott hat den Menschen, Männlein und Fräulein, geschaffen« 1 Mose 1, 27. Ob es nun in menschlicher Macht oder Vermögen sei, ohne besondere Gabe und Gnade Gottes, durch eigenes Vornehmen oder Gelübde, Gottes, der hohen Majestät, Geschöpf besser zu machen oder zu ändern, hat die Erfahrung allzu klar gegeben. Denn was an Gutem, was an ehrbarem, züchtigem Leben, was an christlichem, ehrlichem oder redlichem Wandel hei vielen daraus folgt, wie greuliche, schreckliche Unruhe und Qual ihrer Gewissen viele an ihrem letzten Ende deshalb gehabt [haben], ist am Tage, und ihrer viele haben es selbst bekannt. Wenn denn Gottes Wort und Gebot durch kein menschliches Gelübde oder Gesetz geändert werden kann, haben aus diesen und anderen Ursachen und Gründen die Priester und andere Geistliche Eheweiber genommen. So ist es auch aus den Historien und der Väter Schriften zu beweisen, daß in der christlichen Kirche vor alters der Brauch gewesen [ist], daß die Priester und Diakone Eheweiber gehabt [haben]. Darum sagt Paulus 11 Tim 3,2: »Es soll ein Bischof unsträflich sein, e i n e s Weibes Mann«. Es sind auch in deutschen Landen erst vor vierhundert Jahren die Priester vom Ehhestand mit Gewalt zum Gelübde der Keuschheit abgedrungen (gezwungen worden), welche sich auch sämtlich so ganz ernstlich und hart widersetzt haben, daß ein Erzbischof zu Mainz, welcher das päpstliche neue Edikt deshalb verkündigte, beinahe in einer Empörung der ganzen Priesterschaft in einem Gedränge umgebracht [worden] wäre (Siegfried von Mainz 1075). Und dasselbe Verbot ist bald im Anfang so geschwind und unschicklich vorgenommen [worden], daß der Papst zu der Zeit nicht allein die künftige Ehe den Priestern verboten hat], sondern auch diejenigen Ehe, die schon in dem Stande lange gewesen [waren], zerrissen, welches doch nicht allein wider alle göttlichen, natürlichen und weltlichen Rechte, sondern auch den Canones (Rechtssätzen), die die Päpste selbst gemacht [hatten], und den berühmtesten Konzilien ganz entgegen und zuwider ist. Auch ist bei vielen hohen, gottesfürchtigen, verständigen Leuten der gleichen Rede und Bedenken oft gehört [worden], daß solch gedrungener (erzwungener) Zölibat und Beraubung des Ehestandes, welchen Gott selbst eingesetzt und freigelassen hat], nie etwas Gutes, sondern viele große, böse Laster und viel Arges eingeführt habe. Es hat auch einer von den Päpsten, Pius II. (gest. 1464) selbst, wie seine Historie anzeigt, diese Worte oft geredet und von sich schreiben lassen: Es möge wohl etliche Ursachen haben, warum den Geistlichen die Ehe verboten sei; es habe aber viel höhere, größere und wichtigere Ursache, warum man ihnen die Ehe wieder frei lassen sollte. Unzweifelhaft, es hat Papst Pius als ein verständiger, weiser Mann dies Wort aus großem Bedenken geredet. Deshalb wollen wir uns in Untertänigkeit zu Kaiserlicher Majestät vertrösten, daß Ihre Majestät als ein christlicher, hochlöblicher Kaiser gnädig beherzigen werden, daß jetzt in den letzten Zeiten und Tagen, von welchen die Schrift meldet, die Welt immer ärger und die Menschen gebrechlicher und schwächer werden. Deshalb ist es wohl hochnötig, nützlich und christlich, diese fleißige Einsehung zu tun (einsichtig zu sein), damit, wenn der Ehestand verboten [ist], nicht ärgere und schändlichere Unzucht und Laster in deutschen Landen einreißen möchten. Denn es wird diese Sache niemand je weiser oder besser ändern oder machen können als Gott selbst, welcher den Ehestand, menschlicher Gebrechlichkeit zu helfen und Unzucht zu wehren, eingesetzt hat. So sagen die alten Canones (Rechtssätze) auch, man müsse zuzeiten die Schärfe und rigorem (Starrheit) lindern und nachlassen, um menschlicher Schwachheit willen und um Ärgeres zu verhüten und zu meiden. Nun wäre das in diesem Falle auch wohl christlich und ganz hoch vonnöten. Was kann auch der Priester und der Geistlichen Ehestand der allgemeinen christlichen Kirche nachteilig sein, besonders der Pfarrer und anderer, die der Kirche dienen sollen? Es wird wohl künftig an Priestern und Pfarrern mangeln, wenn dies harte Verbot des Ehestandes länger währen sollte.
Da nun dieses, nämlich daß die Priester und Geistlichen ehelich werden können, gegründet ist auf das göttliche Wort und Gebot, dazu die Historien beweisen, daß die Priester ehelich gewesen [sind], da auch das Gelübde der Keuschheit so viel häßliches, unchristliches Ärgernis, so viel Ehebruch, schreckliche, unerhörte Unzucht und greuliche Laster angerichtet hat, daß auch etliche redliche unter den Domherrn, auch etliche Kurtisane zu Rom solches oft selbst bekannt und kläglich angezogen (dargelegt haben), wie solches Laster im Klerus zu greulich und übermächtig [sei und] Gottes Zorn würde erregt werden: so ist es je erbärmlich, daß man den christlichen Ehestand nicht allein verboten, sondern ihn an etlichen Orten aufs geschwindeste, wie um großer Übeltat willen, zu strafen sich unterstanden hat, wo doch Gott in der Heiligen Schrift den Ehestand in allen Ehren zu haben (halten) geboten hat. So ist auch der Ehestand in kaiserlichen Rechten und in allen Monarchien, wo je Gesetz und Recht gewesen [sind], hoch gelobt. Allein zu dieser Zeit beginnt man die Leute unschuldig, allein um der Ehe willen, zu mattem, und noch dazu Priester, die man vor anderen schonen sollte; und [dies] geschieht nicht allein wider göttliches Recht, sondern auch wider die Canones. Paulus, der Apostel, nennt 1 Tim 4,1 u. 3 die Lehren, die die Ehe verbieten, Teufelslehren. So sagt Christus selbst Joh 8,44, der Teufel sei ein Mörder von Anbeginn, welches denn wohl damit zusammenstimmt daß es freilich Teufelslehren sein müssen, die die Ehe verbieten und sich unterstehen solche Lehre mit Blutvergießen zu erhalten. Wie aber kein menschliches Gesetz Gottes Gebot wegtun oder ändern kann, also kann auch kein Gelübde Gottes Gebot ändern. Darum gibt auch St. Cyprianus den Rat, daß die Weiber, die die gelobte Keuschheit nicht halten, ehelich werden sollen, und sagt Epist 11 also: »Wenn sie aber Keuschheit nicht halten wollen oder nicht vermögen, so ist‘s besser, daß sie ehelich werden, als daß sie durch ihre Lust ins Feuer fallen, und sollen sich wohl vorsehen, daß sie den Brüdern und Schwestern kein Ärgernis anrichten«. Zudem, so brauchen auch alle Canones große Gelindigkeit und Äquität (Billigkeit) gegen diejenigen, die in der Jugend Gelübde getan [haben], wie denn Priester und Mönche meistenteils in der Jugend in solchen Stand aus Unwissenheit gekommen sind.
Wir bitten Dich, lieber Herre Gott: bereite in dieser Gnadenzeit unsere Herzen durch Dein Wort zu einer Wohnung Deines Sohnes, auf daß wir in seiner heiligen Gemeinschaft Dich allezeit mit fröhlichem Munde rühmen und preisen. Durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen.
Wochengebet im Advent.
Allmächtigher, ewiger Gott: wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum in die Welt gesandt und durch eine ewige Erlösung vollbracht hast. Hilf uns, daß wir uns seiner Ankunft zuversichtlich getrösten und auf sein Kommen zum Gericht bereiten.
Erhalte uns und unseren Nachkommen die reine Predigt Deines Wortes und den rechten Brauch der heiligen Sakramente. Segne unseren Bischof und alle, die zur Leitung der Kirche berufen sind, gib uns Hirten und Lehrer nach Deinem Herzen. Stärke und schütze die Sendboten des Evangeliums unter den Völkern und laß gedeihen die Werke barmherziger Liebe in der Christenheit.
Siehe an die Zerstreuung Deiner Kirche, die Verwirrung Deiner Gläubigen durch Irrtum und falsche Lehre, die Bedrängnis und Verfolgung durch Deine Widersacher, und erbarme Dich unser, auf daß wir auf dem Wege der Wahrheit bleiben, an Deinen Verheißungen uns aufrichten und in aller Versuchung bewahret werden. Gib Du den verwaisten Gemeinden, Deiner Kinder in der Diaspora und dem armen verlorenen Volk in aller Welt rechte Pfarrer, christliche Lehrer und treue Hirten, die Deine Christenheit leiten auf Deinem Wege zum ewigen Heil. Laß alle Welt Deinen heiligen Namen erkennen und preisen.
Beschirme unser Vaterland und verleihe aller Obrigkeit Weisheit und Gerechtigkeit, daß wir unter ihnen Regierung nach Deinem Willen und Gebot in Frieden leben mögen.
Lenke die Herzen derer, denen Du Macht gegeben hast über die Völker, daß sie den Frieden fördern und erhalten und wende die Schrecken des anhaltenden Krieges in der Ukraine und im heiligen Land aus Gnaden.
Siehe an die Not unseres Landes, das mit schlechter Regierung, korrupten Machthabern und selbstherrlichen Tyrannen böse heimgesucht wird, auch von Dürre geplagt und unter der zunehmenden Hitze leidet, in Gnaden an und schaffe Du Hilfe und Rettung.
Walte mit Deinem Frieden in unseren Häusern, heilige die Ehen, gib Gnade zur Erziehung der Jugend, fördere alle ehrliche Arbeit in Haus und Beruf. Schenke die nötigen Mittel, die Kraft und die Freudigkeit, daß die Arbeit, die getan werden muß, getan werden kann in Haus, Gemeinde und Mission, Kirche.
Gib gute Witterung für die Saat auf den Feldern und laß die Früchte der Erde wohl geraten, auf daß ein jeder sein Teil an täglicher Nahrung empfange.
Schicke, o Herr, nach Deiner Barmherzigkeit unseren Feldern milden und durchdringenden Regen, daß wir durch Deine Güte unser täglich haben und Dich als unsern gnädigen Gott erkennen und preisen.
Tröste alle Witwen und Waisen, alle Armen, Kranken und Angefochtenen. Hilf einem jeden in seiner Not.
Gib, daß wir leben in Deiner Furcht, sterben in Deiner Gnade, ruhen in Deinem Frieden, auferstehen durch Deine Kraft und darauf ererben das ewige Leben. Um Deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi willen, welchem mit Dir und dem Heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende s.o. S. 315
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen