Losung und Lehrtext für Mittwoch, den 5. Dezember 2012
Der HERR wird meine Sache hinausführen. (Psalm 138,8)
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. (Römer 8,33)
Hildegard von Bingen und Martin Luther hörten den Heiligen Geist in der Musik am Werk. Beide waren kompositorisch tätig und setzten dabei eigene Akzente. Peter Bubmann, Professor für Praktische Theologie in Erlangen, erörtert Unterschiede und findet überraschende Gemeinsamkeiten.
Lehrer ihrer Kirche sind sie beide: die Seherin Hildegard von Bingen, die 2012 offiziell heilig gesprochen und in den Rang einer Kirchenlehrerin erhoben wurde, und Martin Luther, dessen Thesenanschlag sich 2017 zum 500. Mal jährt. Im Themenjahr 2012 geht es innerhalb der “Lutherdekade” um das Verhältnis von Musik und Reformation. Haben sich die Meisterin und der Meister der Theologie in Sachen Musik etwas zu sagen? Es fällt auf, dass beide sich auch komponierend betätigt haben und dabei durchaus eigene und neue Akzente setzten. Luther gelang mit seinen Liedern ein solch durchschlagender Erfolg, dass er noch heute zu den meistabgedruckten und -gesungenen Liedermachern im Gesangbuch zählt. Damals wie heute begegnen breitere Bevölkerungskreise der Theologie Luthers zunächst oder sogar ausschließlich über seine Lieder.
Eine solch jahrhundertelange Erfolgsgeschichte als Liedermacherin kann Hildegard von Bingen nicht aufweisen. Dazu eignen sich die musikalischen Formen, in denen sie komponierte, auch weniger: Antiphonen, Responsorien, Sequenzen und Hymnen, das heißt, eine meist einstimmige, frei schwingende Musik mit lateinischem Text zum gottesdienstlichen Gebrauch.
“Laus Trinitati, quae sonus et vita ac creatrix omnium in vita ipsorum est.” (“Lob sei der Dreieinigkeit! Sie ist Klang und Leben, Schöpferin des Alls, Lebensquell von allem”) An dieser Antiphon der Hildegard wird deutlich, dass Musik das Lob des Dreieinigen Gottes zum Klingen bringt. Zum anderen wird der Dreieinige Gott in dieser Antiphon als “Klang” und “Leben” bezeichnet.
Klingender Kosmos
Das ist eine Wendung, die für die Musikanschauung der Hildegard charakteristisch ist. Wo Protestanten das Wort erwarten würden, steht bei Hildegard oft der Klang und noch öfter die Schau der Visionen. Gott wird als Klang und als Licht wahrgenommen. Und die Schöpfung wird als tönende Schöpfung beschrieben. Hildegards schöpfungstheologische Musikanschauung steht in einer langen mittelalterlichen Tradition der Musikphilosophie und -theologie, die wiederum ihre Wurzeln in griechisch-antiken Vorstellungen vom klingenden Kosmos und von der Harmonie der Sphären hat. Den gedanklichen Hintergrund dieser Tradition bildet die Idee, dass Makro- wie Mikrokosmos, also die ganze Schöpfung im Großen wie im Kleinen, durch bestimmte Gesetzmäßigkeiten bestimmt ist, die mit den Gesetzen der Musik identisch sind. Die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos, die seelische Harmonie im Menschen und die menschliche Instrumental- und Vokalmusik hängen zusammen, sie alle sind auf eine übergeordnete Harmonie hin orientiert. Hildegard erinnert daran, dass die menschliche “Seele der himmlischen Harmonie entstammt”. Sie hört nicht nur im gesamten Kosmos den guten Klang der Schöpfung Gottes. Für sie ist Gott selbst der Urklang des Lebens, sein schöpferischer Lebensgeist klingt und tönt. Durch sein tönendes Wort hat Gott die Schöpfung zum Leben erweckt. Gott ist der Urklang des Lebens – und Hildegard öffnet sich ihm als prophetische Hörerin der göttlichen und geschöpflich-kosmischen Urharmonie. Hier wird deutlich: Hildegards harmonisch-symphonisches Weltbild zehrt noch vom unerschütterlichen Vertrauen in die theologische Schöpfungslehre des Mittelalters: Die Welt ist das Werk Gottes und Gott lässt sich in der Welt erfahren.
Die geistige Situation zur Zeit Luthers ist bereits eine andere: Die Einheit des Weltbildes mit seiner harmonischen Zuordnung von Gott, Mensch und Natur beginnt zu zerbrechen. Die Freiheit und Macht des Menschen rückt ins Zentrum der Überlegungen. Nicht mehr die Harmonie des Kosmos, sondern das Heil und die Erlösung der Menschen bestimmen das Denken der neuzeitlichen Theologen. Martin Luther steht im Übergang zwischen dem mittelalterlichen Weltbild und der neuzeitlich-modernen Entgöttlichung des Kosmos. In einem Vorwort zu einer von dem Buchdrucker Georg Rhau herausgegebenen Sammlung geistlicher Gesänge schreibt er im Jahre 1538 über die Kunst der Musik: “Erstlichen aber, wenn man die Sache recht betrachtet, so befindet man, dass diese Kunst von Anfang der Welt allen und jeglichen Kreaturen von Gott gegeben, und von Anfang mit allen geschaffen, denn da ist nichten nichts in der Welt, das nicht ein Schall und Laut von sich gebe.” Die Musik ist eine der köstlichsten Schöpfungsgaben, eine “köstliche, nützliche und fröhliche Kreatur Gottes”. Luther nimmt also den Gedanken der tönenden Schöpfung auf. Ihn interessieren jedoch nicht die spekulativen mittelalterlichen Theorien über eine Harmonie der Sphären und auch nicht die symphonische Harmonie des Menschen mit dem Kosmos, und vor allem wird Gott selbst nicht als “Urklang” beschrieben. Luthers Zielrichtung ist eher eine existentielle und ethische: Die Menschen sollen die Schöpfungsgabe Musik zum Lobe Gottes und zum eigenen Nutzen richtig gebrauchen, “zu Gottes Ehre und Recreation des Gemüths”, wie es Johann Sebastian Bach zwei Jahrhunderte später formuliert hat.
Luthers Protestsong
Martin Luther fand seinen Zugang zur Musik nicht durch eine prophetische Schau oder durch Meditation. Er erhielt in der Lateinschule eine musikalische Grundausbildung und war bereits als Schüler beim so genannten Currendesingen beteiligt, zog also singend von Haus zu Haus, ähnlich wie es heute noch die Sternsinger tun. Als Student der Jurisprudenz ließ er bei den Studentenfeiern gerne seinen hellen Tenor erklingen und griff zur Laute. Seine Begeisterung für die Musik verlor sich auch in den späteren Jahren als Professor der Theologie und als Reformator nicht. Bekannt ist Luthers Wort: “Ich gebe der Musik den ersten Platz nach der Theologie.” Ihm waren die Grundregeln der Kompositionskunst seiner Zeit geläufig, und er schrieb sogar selbst einen mehrstimmigen Motettensatz.
Der Impuls zu seinem kompositorischen Liedschaffen war jedoch kein innerer ästhetischer Drang zum künstlerischen Ausdruck, sondern ein äußerer kirchenpolitischer Anlass: Zwei junge Augustinermönche hatten sich im Jahre 1523 zur Sache Luthers bekannt. Daraufhin wurden sie zu Ketzern erklärt und öffentlich auf dem Marktplatz zu Brüssel verbrannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Schock über dieses Ereignis Luther zum Liedermacher werden lassen. Sicherlich spielte auch sein Gespür für die Nutzung der Medien zur Verbreitung seiner Sache eine wichtige Rolle. Flugblätter konnten seinen Protestsong über diesen ersten Märtyrertod der Reformation rasch und wirkungsvoll unter die Leute bringen.
Luther griff daher Anfang August 1523 zur Feder und dichtete sein “Lied von den zwei Märtyrern Christi, zu Brüssel von den Sophisten von Löwen verbrannt”. Dieses Lied war einerseits ein politischer Protestsong im heutigen Sinn; es agitierte gegen die Feinde des Evangeliums, benannte anklagend Unrechtszustände. Zum anderen war das Lied im ursprünglichen Sinn des Wortes ein Protest; ein Eintreten für eine Sache, von der man überzeugt ist, ein flammendes Zeugnis des Glaubens. In diesem Sinne könnte das gesamte Liedschaffen Luthers unter dem Titel “Protestsongs des Glaubens” zusammengefasst werden.
Musik als Medium
Sein Zugriff auf die Musik ist hier ein genuin neuzeitlicher: Musik wird als Medium der Kommunikation benutzt und gezielt eingesetzt. Alle Medien und Künste sollten zur Ausbreitung des Evangeliums herangezogen werden. Von der Wirksamkeit der Lieder im Dienst des Evangeliums überzeugt, versuchte Luther bereits 1523, Mitstreiter, Texter und Komponisten zu finden, die deutschsprachige Gemeindelieder – und zwar Psalmvertonungen – schreiben sollten. Der wahre Glaube drängte nach seiner Meinung zum Weitersagen und Weitersingen. Die Verbindung von “singen und sagen” war typisch für Luther. In seinem bekanntesten Weihnachtslied heißt es: “Vom Himmel hoch, da komm ich her/ich bring euch gute neue Mär/Der guten Mär bring ich so viel/davon ich singen und sagen will.” Luther wollte “dem Volk aufs Maul schauen”, ihm das Evangelium in den Kommunikationsformen des einfachen Mannes und der einfachen Frau zusagen. Deshalb die deutschen Texte, zu denen er auch durch das Vorpreschen des schwärmerischen Reformators Thomas Müntzer provoziert worden war, der bereits Anfang 1523 den bislang lateinischen Gottesdienst vollständig in deutsche Texte und Lieder übertragen hatte. Es gelang Luther, meisterliche sprachliche Ausdruckskraft mit Popularität zu verknüpfen und passende volkstümliche Melodien zu finden oder zu erfinden, die für die rasche Durchsetzung seiner Lieder sorgten. Die Hochschätzung der Musik war bei Luther keineswegs allein auf das gottesdienstliche Lied beschränkt. In einer Äußerung aus einer Tischrede lobte Luther die Musik des zeitgenössischen Komponisten Josquin Desprez: In ihr predige Gott das Evangelium durch die Musik. Wobei Luther nicht die vertonten Texte meinte, sondern die Kunst der Komposition.
Einige Äußerungen der Hildegard scheinen in eine ähnliche Richtung zu weisen. In einem Brief an die Mainzer Prälaten plädierte sie unter Berufung auf Psalmstellen für die Einbeziehung der Musikinstrumente ins Gotteslob. Das war ungewöhnlich, weil normalerweise zur Zeit Hildegards im Gottesdienst primär gesungen wurde und weltliche Instrumente wie Flöte oder Laute nicht zum Gottesdienst zugelassen waren. Wie es im 12. Jahrhundert nicht anders zu erwarten war, würdigte Hildegard die Instrumentalmusik lediglich in ihrer Funktion als Begleitung für den religiösen Gesang. Von einer eigenständigen theologischen Bedeutung künstlerischer Instrumentalmusik wusste sie noch nichts zu sagen.
Sieht man sich die Inhalte der Lieder und Gesänge an, fallen weitere erhebliche Unterschiede zwischen Luther und Hildegard auf: Die meisten der 77 Gesänge der Hildegard von Bingen, die in ihrem Buch der Lieder gesammelt vorliegen, widmeten sich der Jungfrau Maria, an zweiter Stelle folgten Gesänge über Heilige und Märtyrer, dann über Propheten, Patriarchen und Apostel. Einige der wertvollsten Texte besingen den Heiligen Geist und die göttliche Weisheit. Von Christus, von seiner Fleischwerdung und seinem Erlösungswerk handelt ausdrücklich hingegen nur ein einziger der Gesänge (O Vis Aeternitatis), daneben ist lediglich in den Liedern der Jungfrauen von Christus als Gemahl und Tröster die Rede. Für Luther hingegen stehen die Christuslieder zu den Festtagen Weihnachten und Ostern im Zentrum seines Schaffens: “Nun komm, der Heiden Heiland”, “Gelobet seist du, Jesu Christ”, “Christ lag in Todesbanden” und “Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand”, um nur einige zu nennen. Dazu kommen drei wichtige Lieder über den Heiligen Geist, viele Psalmlieder und einige Sakraments- und Katechismuslieder.
Geist am Werk
Hildegard wie Luther hörten den Heiligen Geist in der Musik am Werk. Klingend salbte und heilte der Geist Gottes die Wunden, tröstete und verhalf zum Leben. Martin Luther hat diese seelsorglich-heilende Kraft der Musik in vielerlei Situationen der Krankheit und Bedrängung in ganz besonderer Weise erfahren und beschrieben. Er rühmte die Musik, “weil sie die Seelen fröhlich macht” und vor den Anfechtungen des Teufels schützt. Mit dieser Zielrichtung hatte Martin Luther auch das Lied “Ein feste Burg ist unser Gott” geschrieben. Dieses Lied war eine sehr freie Übertragung von Psalm 46. Es erschien 1529 unter dem Titel “Ein Trostlied” und war also weniger das Trutzlied der Reformation mit antikatholischer Spitze, als das es heute oft verstanden wird. Es ging um den Trost, dass der eine Jesus Christus für die angefochtenen Christen und die bedrängte Christenheit streitet. Die Musik hatte für Luther wie bereits für Hildegard nicht nur eine psychisch wohltuende Wirkung für den Einzelnen. Sie war auch von Bedeutung für das soziale Miteinander der Menschen, sie hatte eine ethische und pädagogische Dimension. Weil die Musik die menschlichen Affekte beherrscht und steuert, konnte sie das Zusammenleben auch zum Guten hin wenden. Nicht zufällig handelte Hildegards einziges Musikspiel, das Stück “ordo virtutum”, vom Kampf der Kräfte und Tugenden um die Seele.
Charakteristisch für Hildegard wie für Luther ist, dass beide fast ausschließlich die positiven Kräfte der Musik beschreiben. Lediglich in Nebensätzen deutete Luther an, dass es auch verderbliche “Buhllieder und fleischliche Gesänge” gebe, schädliche Musik “wider die Natur”, von der man die Jugend durch das lockende Angebot guter Musik abhalten sollte.
Ob sich bei so viel Harmonie im musikalischen Dialog zwischen Hildegard von Bingen und Martin Luther neue Chancen für die Ökumene ergeben, bleibt abzuwarten. Die Musik in der Kirche hat schon immer beides geboten: Möglichkeiten zur konfessionellen Selbstprofilierung wie zur grenzüberschreitenden Artikulation des Gemeinsamen.
In fünf Jahren jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. Grund genug für die EKD-Synodalen bei ihrer Tagung in Timmendorfer Strand zu fragen, was es eigentlich zu feiern gibt und wer mit wem jubiliert.
Die Aufgabenstellung für die Landeskirchen und Kirchengemeinden ist klar: Die kommenden fünf Jahre sollen genutzt werden, um das Reformationsjubiläum 2017 vorzubereiten. Wenn danach jeder evangelische Christ, jede Christin, die Frage beantworten kann, warum der reformatorische Glaube heute noch wichtig ist und dieses auch noch kundtut, dann könnte vom Jubiläum ein missionarischer Aufbruch ausgehen.
Doch der Reihe nach: Die EKD-Synodalen trafen sich in Timmendorfer Strand zu ihrer jährlichen Tagung unter dem Motto “Am Anfang war das Wort – Perspektiven für das Reformationsjubiläum 2017” – letzteres ein Ereignis von Weltrang und ein Meilenstein der Kirchengeschichte, darin waren sich alle Synodalen, Ratsmitglieder, Mitglieder der Kirchenkonferenz, des Kirchenamts und die Gäste einig. Dass kein deutsches Lutherjubiläum gefeiert werden soll, sondern ein internationales Reformationsfest, das machte der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in seinem Bericht deutlich. Nebenbei erwähnt: Ein ökumenischer Kongress vom 6. bis zum 10. Oktober 2013 in Zürich, den die EKD gemeinsam mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) veranstaltet, soll die ökumenische Weite des Jubiläums zeigen.
Diese deutete schon die Auswahl der geladenen Gäste an, die zu Statements eingeladen worden waren, wie Walter Altmann vom örk-Zentralausschuss, Leslie Nathaniel von der Church of England und Peter Schmid, Vizepräsident des SEK. Doch so einfach lassen sich die anstehenden Fragen und Regularien nicht beantworten. Lediglich der Termin steht fest, denn das Jubiläumsjahr wird, wie schon die anderen Themenjahre der Reformationsdekade, am 31. Oktober 2016 eröffnet.
Zunächst: Wer hat Grund zu feiern? “Die Rechtfertigung des gottlosen Menschen allein aus dem Glauben, die für alle Menschen verständliche Verkündigung des Evangeliums, die Bibel in der Alltagssprache und die entstandenen Bildungsmöglichkeiten für alle – sie zeigen, dass alle Christen Grund haben zu feiern, weil alle von den Früchten der Reformation leben.” In seinem Grundsatzreferat zum Schwerpunktthema gab Thomas Wipf, ehemaliger Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, auch zu bedenken, dass die Reformation eine gesamteuropäische Bewegung war. Sie solle nicht in Wittenberg eingeschlossen, sondern im gesamteuropäischen Kontext eingebettet werden, forderte der Schweizer reformierte Theologe.
Das Reformationsjubiläum, also für alle Christen ein Grund zum Feiern? Das sieht die katholische Kirche anders. Sie möchte allenfalls von einem Reformationsgedenken sprechen, nicht von einem -jubiläum. Das wurde bei der Synodaltagung deutlich. “Jubiläum, Jubilare, jubeln – passt das?”, fragte Hamburgs Erzbischof Dr. Werner Thissen in seinem Grußwort vor der Synode. Er erwähnte in diesem Zusammenhang die Bemühungen der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD, eine Arbeitsgruppe zu berufen, die über die Gestaltung eines gemeinsamen Buß- oder Versöhnungsgottesdienstes nachdenken soll.
Und wie wird gefeiert? Fest steht, dass es am 31. Oktober 2017 einen Staatsakt in der Wittenberger Schlosskirche geben wird. Nach dem Wunsch des EKD-Ratsvorsitzenden Schneider soll dieser Tag auch bundesweit ein Feiertag werden. Wie das Jubiläumsjahr konkret ausgestaltet wird, ist noch nicht in allen Einzelheiten klar. Ein Stationenweg ist geplant, der in Wittenberg in eine Weltausstellung der Reformation münden soll, ein Jugendcamp und ein Großgottesdienst. Neu ist die Zusammenarbeit der EKD mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, der im Sommer 2017 einen Kirchentag in Berlin feiern wird. Zum Abschlussgottesdienst sollen sich alle auf den Weg nach Wittenberg machen. Diesen Gottesdienst bereiten EKD und Kirchentag schon jetzt gemeinsam vor, verkündete Ellen Ueberschär, GeneralSEKretärin des Kirchentages.
Der Informationsfluss und die Vorbereitungen zum Jubiläumsjahr stießen bei einigen Synodalen auf Vorbehalte. Sie forderten mehr Beteiligung ein. “Schließlich wollen wir als EKD-Synodale die Kirchengemeinden informieren”, sagte Irmgard Schwaetzer (Berlin). Und auch Hans-Peter Strenge (Hamburg) äußerte sein Gestaltungs- und Informationsbedürfnis.
Schwieriger gestaltete sich die Frage nach den theologischen Inhalten. Das machte die Diskussion um die Kundgebung (siehe Seite 47) deutlich, die der Vorbereitungsausschuss mit Propst Horst Gorski an der Spitze entwickelt und formuliert hatte. Das theologische Papier, mit dem sich die Synodalen diesmal explizit an die Landeskirchen und Kirchengemeinden wenden, war den einen zu weich formuliert – schließlich hatte es nach der Reformation eine Trennung und Spaltung in der Christenheit gegeben – den anderen fehlte ein nachdrücklicherer Hinweis auf die emanzipatorische Wirkung der Reformation. Manche wünschten sich einen stärkeren Gegenwartsbezug, wieder andere eine Schärfung und Profilierung des Papiers. So der bayerische Bischof Heinrich Bedford-Strohm: Er vermisste die politische Leidenschaft in dem Entwurf. Es gebe keine Frömmigkeit ohne politische Leidenschaft. Der Bezug zur Welt und die Frömmigkeit gehörten bei Luther zusammen.
Die kritischen Synodalstimmen reichten von: “komplett neu schreiben” bis hin zu marginalen Änderungsvorschlägen. Trotzdem: Am Ende entstand ein lesenswerter und diskussionswürdiger Text mit fünf Themenkreisen zu den menschlichen Spannungsfeldern damals und heute. Diese sind nach den drei essentiellen Fragen strukturiert: Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Was hoffen wir?
Horst Gorski hat darauf hingewiesen, dass die Kundgebung nur eines von vielen Medien sein wird, die zur theologischen Vorbereitung des Jubiläums dienen kann. Eine Ad-hoc-Kommission zum Beispiel soll Material für Kirchengemeinden erarbeiten.
Die Diskussionen der Synodalen machten deutlich, worum es bei der Vorbereitung des Jubiläums geht: Wie gestalten wir Erinnerung? Und was bedeutet die Rechtfertigung allein aus dem Glauben für uns heute? Wie können wir die reformatorische Botschaft weitergeben? Um diese Fragen glaubwürdig und in zeitgemäßer Sprache zu beantworten, bedarf es noch eines reformatorischen Nachhilfeunterricht. Die fünf Jahre müssen genutzt werden, damit 2017 ein großes Glaubensfest gefeiert werden kann – nicht museal rückwärts, sondern als Kraftquelle für die Zukunft. Schließlich soll die Hoffnung der Kundgebung in Erfüllung gehen, dass “sich mit dem Reformationsjubiläum ein Aufbruch verbindet, diese Botschaft kraftvoll und zugleich verständlich zu allen Menschen zu bringen”.

Sie wollte ihrer Adoptivtochter Marulla das Land ihrer Herkunft zeigen. Deshalb reiste die Schriftstellerin Tanja Jeschke gemeinsam mit ihrer Familie nach Südafrika. Sie traf auf Menschen, die die Welt noch immer in Schwarz und Weiß einteilen und doch versuchen, sich der veränderten Lage anzupassen.
Im 19. Jahrhundert wurden Missionare von verschiedenen Missionsgesellschaften in ferne Länder geschickt, damit sie den Menschen dort beibrachten, wie man seinen Gott wechselt und den Glauben austauscht: den falschen Gott des Heidentums gegen den wahren Gott der Bibel. Die Missionare selbst tauschten das seit Generationen eingeübte Leben in ihrer Heimat ein gegen ein neues Leben unter völlig fremden Bedingungen. Ein abenteuerlustiger und in tiefer Frömmigkeit gewagter Totalwechsel der Existenz war das, ein “Glaubenswagnis”, oft begleitet von starkem Heimweh, denn ihr Vaterland blieb unerreichbar, der Tausch war endgültig, es gab nur Briefe, ein paar Fotos.
Hermann Hesse, der große Lobpreiser der Wandlung, dessen 50. Todestag in diesem Jahr begangen wurde, ist Spross einer solchen Missionarsfamilie, sein Vater hatte Süddeutschland gegen Indien getauscht.
Mein eigener Vater entstammt der Familie eines Afrika-Missionars. Der norddeutsche Erweckungsprediger Louis Harms hatte ihn um 1860 dazu bekehrt, Beruf und Kontinent zu wechseln: Missionar statt Schneider, Zululand statt Lüneburger Heide.
Hermann Hesses Schwester hieß Marulla, ebenso wie unsere Tochter, die wir 2004 in Johannesburg adoptierten. Und weil wir Marulla ihr Geburtsland zeigen wollten, die afrikanischen Orte, an denen ihre Vorfahren gewirkt und gelebt haben – die einen als Missionare, die anderen als Missionierte – tauschten wir unser kostbarstes Hochzeitsgeschenk ein gegen Flugtickets nach Südafrika: Ein Original-Aquarell, das Hermann Hesse an Karfreitag 1945 gemalt und meinen Großeltern Elisabeth und Albrecht Goes geschenkt hatte. Es ließ sich in genug bare Münze verwandeln, so dass wir im August 2012 in Johannesburg auf dem Oliver R. Tambo International Airport landeten, dessen alter Name Jan Smuts dem politischen Wandel zum Opfer gefallen ist.
Die Farben der Haut
Was bleibt übrig von der alten Haut, wenn sie die Bedeutung ihrer Farbe verloren hat? Wie können Menschen aus ihrer Haut heraus? Schon bei unserer Ankunft wird eins klar: Noch immer sind es die Farben der Haut, die die Geschichten dieses Landes schreiben.
“Heute Nachmittag kommt Angelina”, erzählt uns meine Tante, als wir beim Infostand am Flughafen auf den Mann warten, der uns den Mietwagen liefern soll. “Angelina ist als Kind früher oft zu meiner Mutter gekommen. Meine Mutter hat ihr die Schulbücher bezahlt.” Jetzt ist klar, dass Angelina schwarz ist. “Ihre Eltern waren Trinker. Meine Mutter hat sich damals um sie gekümmert. Sie lebt jetzt hier in Pretoria und hat ein Pflegekind, dessen Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Das Pflegekind hat heute Geburtstag. Meine Töchter und ich richten für Angelina und das Mädchen immer die Geburtstage aus.”
Diese Geschichte handelt von der ehemaligen Apartheid und ihren Auswirkungen bis heute. Sie spielt auf dem Oliver Tambo Airport und zeigt, wie die weißen Geburtstagstischdeckerinnen bei der schwarzen Angelina etwas gut machen wollen.
Denn das Gewissen beißt zu, das Bewusstsein, für das Leben der Schwarzen auf eine bestimmte schuldhafte Weise verantwortlich zu sein. Hört zu, so löffeln wir unsere Suppe aus.
Kindliches Bevorzugtsein
Wir warten immer noch auf unseren Mietwagenmann. Irgendwie kommt meine Tante jetzt auf ihren Gärtner zu sprechen. “Er kriegt jedes Mal auch zu essen von mir”, sagt sie. Wir nicken. Es ist also wieder ein Schwarzer von dem sie erzählt. “Sie sind ja jetzt verwöhnt”, fügt sie dann hinzu. In einem beinahe liebevollen Ton. Verwöhnt wie ein Kind, um das man sich eben zu kümmern hat.
Sie – das sind immer die Schwarzen. Die früher nicht so verwöhnt waren, als sie nicht das hatten, was für die Weißen selbstverständlich war. Als die Weißen noch die Verwöhnten waren, mit Swimmingpool, billigen Arbeitskräften, großen Häusern.
Jetzt, wo auch die Schwarzen dran sind, vermissen viele Weiße das Gefühl kindlichen Bevorzugtseins. Sie müssen plötzlich teilen mit Geschwistern. Aber wer sind die Eltern?
“Er arbeitet. Und dann bleibt er solange sitzen, bis das Essen kommt. Eher geht er nicht.” Und nach einer kleinen bedeutsamen Pause sagt sie plötzlich: “Er ist ein guter Mann.”
Eine Art Rechtfertigung?
Vielleicht will sie sich beschwichtigen, ihren elterlichen Ärger über seinen Anspruch damit besänftigen, dass es sich immerhin um einen guten Mann handelt, der von ihr Essen will. Wir dürfen ihn nicht schlecht finden, denn er ist schwarz.
Jetzt kommt er endlich, unser Mann. Ziemlich zu spät. Ein Schwarzer. Über seinem Erscheinen schwebt ein Klischee: Schwarze haben eben ein anderes Zeitgefühl. Er kommt zu spät, denn er ist schwarz.
Er ist schmächtig, trägt eine Kappe. Ich mache meiner Tante gegenüber eine Bemerkung auf Deutsch, spreche von “dem Mann”, meine Tante korrigiert sofort: “Du meinst den Schwarzen.” Ich verstumme irritiert, dann sagt sie: “Er sieht freundlich aus.”
Eine Art Rechtfertigung? Wieder ist ein Tausch geschehen: Die Hautfarbe und das freundliche Aussehen haben die Plätze gewechselt. Früher sah der Mann vielleicht freundlich aus, war aber schwarz. Heute handelt es sich um einen Menschen, dessen Freundlichkeit seine “Hautfarbe wett macht”. Seine Freundlichkeit muss für wichtiger befunden werden. Etwas anderes zu denken ist abgeschafft worden. Die Tauschbemühung ist aufrichtig. Meine Tante ist bereit, den Mann ganz zu akzeptieren. Aber dafür muss sie ihn rechtfertigen. Wir fahren durch Johannesburg, über uns ein knallblauer Himmel, das Sonnenlicht brilliert wie tausend Diamanten. An der Ampel tanzt einer einen flotten Step, mitten auf der Kreuzung. Am Feldrand der Autobahn in Richtung Pretoria gehen Menschen entlang. Selbstverständlich sind sie schwarz, sie gehen geduldig und zügig zugleich. Vermutlich haben sie noch einen weiten Weg vor sich.
Verlassene Kammer
Meine Tante wohnt mit ihrer Familie in einem langgestreckten Bungalow in einem der Wohnviertel Pretorias, durch die abends die Autos der gut bewaffneten Security fahren. Eine prächtige Palme steht neben dem Swimmingpool im großen Garten. Hinter der Garage auf dem Hof befindet sich ein kleiner Anbau. Hier hat bis vor kurzem noch Franzina gewohnt, die fast dreißig Jahre im Haus geholfen hat. Sie ist jetzt zu ihren Kindern nach Mamelodi gezogen, in das Township im Osten Pretorias. Die Tür zu ihrer verlassenen Kammer steht offen. Ich werfe einen Blick hinein. Hier ist nur Platz für ein Bett. Das Waschbecken so groß wie ein Hochglanzmagazin, das Klo in einem winzigen Gang dahinter. Am Fenster verblasste Vorhänge, ein paar Kartons stehen herum. An der Wand lehnt eine alte Matratze.
Als ich vor zwanzig Jahren hier war, hat Franzina noch das Abendessen gemacht. Jetzt steht meine Tante selbst am Herd. Ein Rollenwechsel. Macht sie jetzt alles allein, frage ich mich, oder hat sie wie früher noch Hilfen außer dem Gärtner? Doch, ab und zu kommt Anna, eine freundliche Schwarze mit einem Kopftuch und einem langen Rock. Sie gibt mir die Hand und stellt sich vor: “I am Anna. Where is Traudl?”
Traudl ist der Vorname meiner Tante. Franzina hat sie nie beim Vornamen genannt, dreißig Jahre nicht.
Marullas Kinderheim liegt südlich von Johannesburg auf dem Land. Überall brennt das Gras nieder, um die Erde wieder fruchtbar zu machen. Kohlschwarze Flächen zwischen rotgelben Feldern, Eukalyptusbäume, Blechhütten. Unser Auto ruckelt über den steinigen Feldweg, an Stacheldrähten entlang, und da ist das Schild: tlc – The Love of Christ Ministries. Das Heim, das 1993 von Thea Jarvis gegründet wurde, ist ein “Glaubenswagnis”: Es lebt von Spenden. Der Staat gibt keinen Pfennig für diese Kinder, von denen die meisten aus dem Baragwanath Hospital, dem drittgrößten der Welt, hierher gebracht werden. Denn wohin sonst mit ihnen? Die meisten haben niemanden. Sie lagen einfach da, auf dem Feld, in öffentlichen Toiletten, Mülleimern. Oder wurden nach der Entbindung im Hospital zurückgelassen. Jetzt werden sie hier von jugendlichen Freiwilligen aus aller Welt versorgt und warten auf Adoptiveltern aus Dänemark, Holland und Österreich. Deutschland ist inzwischen nicht mehr dabei.
Thea Jarvis hat fünf leibliche Kinder und neunzehn adoptiert. Die beiden Söhne, die sie vor zwanzig Jahren als elende Würmchen aus einem Hospital einfach mit nach Hause genommen hat, sind inzwischen exzellente Studenten der Jura und Soziologie. Der Wechsel der Existenz – ihnen ist er gelungen.
“Nutze es”
An der Tür zu den Neugeborenen hängt ein Zettel: “Nimm, was immer Du brauchst und nutze es!” Und darunter eine Auswahl zum Abreißen und Mitnehmen: Geduld, Vergebung, Mitleid, Liebe, Gnade … Die guten Eigenschaften stehen jedem zur Verfügung, bitte schön, man muss sich ihrer nur bedienen.
Auch in den Gemeinschaftsräumen hängen Tafeln mit Bibelworten, Aufzählungen von christlichen Tugenden. Wie auf einem Schaubild für das Management einer Firma sind sie in Kästen und Kreisen einander zugeordnet – damit die Mitarbeiter vor Augen haben, worum es hier geht, und sich dabei immer wieder ihrer eigenen Motivation versichern können.
“Diese gewaltige Aufgabe”, erklärt uns Thea Jarvis, “lässt sich nur bewältigen durch die radikale Unterordnung unter christliche Werte in Bezug auf alles: auf Finanzen, persönlichen Besitz, Zeit, Beziehungen. Anders geht es immer auf Kosten der Kinder.” Ihr Ehemann hat sie vor Jahren wegen einer jungen Volontärin verlassen. Die Last der Verantwortung trägt sie jetzt gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Pippa und Joana. Auch Joanas Mann hat die Flucht ergriffen.
Omo und Zahnpasta
Denn nicht jeder macht den Wandel mit. Am deutlichsten wird das auf dem Land in der Provinz KwaZulu-Natal, rund um Paulpietersburg. Hier stehen noch die uralten Stores: dunkle, altmodische Läden des Landhandels, seit hundert Jahren unverändert. Im Geschäft von Braunschweig, einer kleinen deutschen Gemeinde, ragen sogar noch die Holzregale zur Decke, die mein Urgroßvater getischlert hat. Und noch immer gibt es zwei getrennte Eingänge zu zwei getrennten Ladenräumen: einen für die Weißen, einen für die Schwarzen. Das scheint hier niemanden zu stören, es wurde einfach nur nicht geändert. Die Waren sind in beiden dieselben: Omo-Waschmittel, Zahnpasta, Seife, Bonbons, Maismehl, Chips, Werkzeug. Und ganz wichtig draußen die einzige Zapfsäule, an der die Farmer der Gegend tanken. Sie steht dort seit siebzig Jahren.
Mitten in der Pampa bei Lüneburg stoßen wir auf eine deutsche Fleischerei. Das Geschäft boomt. Die Deutschen fahren meilenweit von überall her, um hier ihr Grillfleisch zu holen. Die Frau an der Kasse heißt Gudrun und duzt uns. Verwandt sind die Deutschen hier sowieso alle irgendwie.
Weißer und schwarzer Stein
Auf dem Friedhof von Elandskraal liegt sie begraben, die Familie des Missionars. “Umfundisi wetu” steht auf seinem Grabkreuz: Unser lieber Lehrer. Er predigte in zwei Kirchen, in einer für die Weißen und in einer für die Schwarzen. Die für die Weißen war aus weißem Stein, die für die Schwarzen aus schwarzem. Solcher Absurdität muss Marulla jetzt nicht mehr begegnen. Zu zeigen, wie scharf das Messer der Apartheid gewesen ist, vermag allein die Sprache. Eine Farmersfrau, bei der wir wegen einer Übernachtung anfragen, hat mitbekommen, dass Marulla adoptiert und schwarz ist. “Das macht nichts”, sagt sie, “sie kann trotzdem hier schlafen.”
Die Nachfahren des Umfundisi haben berufliche Häutungen vollzogen. Mein Onkel F. war vor der Wende in Südafrika 1994 wohlhabender Besitzer einer Bekleidungsfirma. Seither versucht er es mit dem Geigenbau, und samstags backt er Kuchen vor einem Shopping Center. Mein Onkel B. arbeitete als Deutschlehrer, fuhr dann aber zeitweise noch mit dem Lieferwagen über Land, um Hundefutter zu verkaufen, weil das Geld nicht langte.
Hochdynamisch ist dieses Südafrika und auf geradezu explosive Weise unkonventionell. Das mag auch daran liegen, dass Schwarze sich nicht uniformieren lassen. Natürlich tragen auch sie Uniformen, zum Beispiel als Sicherheits- oder Bankangestellte. Aber das hindert sie nicht daran, in ihrer Mittagspause ausgestreckt auf einem Grasstück an einer Kreuzung zu schlafen, mit weit geöffneten Armen, während um sie herum der Verkehr braust.
Pfannkuchen und Abendkleider
Wer zur Veränderung bereit ist, wird kreativ. Wie die Frau in Paulpietersburg, in deren Haus wir durch ein Schild am Gartenzaun gelockt werden: Pfannkuchen. Aber auch Abendkleider, Blusen, Seidenschals kann man bei ihr erstehen, selbstgeschneidert hängen sie neben unserem Tisch an den Ständern, von Fett-Schwaden durchzogen.
Als wir beim Abschied schon draußen beim Auto stehen, kommt meine Tante aufgebracht herausgelaufen. “Warum habt ihr eure Betten nicht abgezogen? Das macht die Anna nicht! Sie ist dafür nicht zuständig. Es ist hier nicht mehr so wie früher. Die Schwarzen machen nicht mehr alles.”
Da bricht es aus ihr heraus, das heiße Eisen dieses ständig gegenwärtigen Themas. “Und mein Bruder ist unmöglich”, faucht sie. “Er lässt seine Schwarze immer noch die Koffer zum Auto tragen!” Das ist es, was sie uns sagen will: Hier hat sich alles verändert. Habt ihr das gemerkt?
Tanja Jeschke: Ein Kind fliegt davon. Roman. Horlemann Verlag, Berlin 2011, 222 Seiten, Euro 19,80.
There’s a lot of preparation going on for 2017. Just look at the impressive itinerary from the EKD: perspectives_for_the_reformation_jubilee_2017__0
Bild-Zeitung und EKD präsentieren Jerusalem-Bibel
SELK-Bischof i.R. Dr. Schöne begleitete das Projekt
Wittenberg, 3.12.2012 – idea/inn/selk – Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), hat zum Studium der Lutherbibel ermutigt. Sie gehöre in jede Hand und sollte täglich gelesen werden. Wer aus der Bibel seine Kraft ziehe, sei im Alltag gut bewahrt, sagte der Katholik am 3. Dezember bei einer Feier in der Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg. Dazu eingeladen hatten die Bild-Zeitung und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Anlass war die Vorstellung der im Quadriga-Verlag (Berlin) erschienenen „Jerusalem-Bibel“ in der Übersetzung Martin Luthers (1483-1546). Die drei Kilo schwere Ausgabe mit Leinenband und geschnitztem Jerusalem-Kreuz ist illustriert mit Lithographien des englischen Zeichners David Roberts, der das Heilige Land im 19. Jahrhundert bereiste. Sie kostet 49,90 Euro. Seit 2004 hat die Bild-Zeitung bereits die Volksbibel, die Goldbibel, die Immendorf-Bibel und eine Benedikt-Bibel herausgegeben und damit etwa eine Million Exemplare verkauft. Der stellvertretende Chefredakteur, Alfred Draxler (Berlin), erklärte, mit den Veröffentlichungen wolle der Axel-Springer-Verlag keinen Gewinn erzielen, sondern zur Verbreitung christlicher Werte beitragen.
Der Vizepräsident des Kirchenamts der EKD, Dr. Thies Gundlach (Hannover), erinnerte daran, dass zahlreiche geflügelte Worte auf die Lutherbibel zurückgehen. Viele Menschen benutzten Redewendungen wie „auf Herz und Nieren prüfen“, „die Hände in Unschuld waschen“ oder „Perlen vor die Säue werfen“, ohne zu wissen, dass sie aus der Bibel stammen. Zwar freue er sich über neue Bibelübersetzungen, so Gundlach, „aber die Lutherbibel – das ist das Original!“ Sie sei ein einzigartiges Premiumprodukt, das an Sprachkraft und Bildreichtum kaum zu überbieten sei. Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib A. Younan (Jerusalem), rief dazu auf, die Bibel ins Zentrum von Kirche und Gesellschaft zu rücken. Sie trage zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung bei. Der Palästinenser Younan bat ferner darum, für Frieden im Nahen Osten zu beten.
Der emeritierte Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Dr. Jobst Schöne, D.D. (Berlin), der das Projekt fördernd begleitet hatte, erinnerte an das christliche Engagement des Verlegers Axel Springer. Im Laufe seines Lebens habe er sich zu einem überzeugten Christen und Bewunderer des Heiligen Landes entwickelt. Das größte Übel der Menschheit sei seine Entfremdung von Gott, habe er 1979 gesagt. Schöne wies darauf hin, dass die vollständige Bibelübersetzung Martin Luthers bei ihrem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1534 ein Vermögen gekostet habe. Sie habe damals „den Gegenwert eines zentnerschweren Schweines oder von 17 fetten Gänsen“ gehabt. Dagegen sei der Kauf einer Bibel heute zum Schnäppchen-Preis möglich. Luthers Übersetzung vereine unvergleichliche Sprachgewalt und Nähe zum Urtext. Er wünsche sich, dass die Luther-Übersetzung für alle deutschsprachigen Christen zum „einigenden Band“ werde – auch für Katholiken.
——————–
Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK – Gesamtkirche /
selk_news werden herausgegeben von der Kirchenleitung
der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK),
Schopenhauerstraße 7, 30625 Hannover,
Tel. +49-511-557808 – Fax +49-511-551588,
E-Mail selk@selk.de
—> Informationen aus Kirche und Gemeinden in Wort und Bild
auch unter „SELK-Aktuell“ auf http://www.selk.de
Luister na die huldeblyk wat Antjie Krog Donderdagoggend op Monitor (RSG) oor Prof. Jakes Gerwel gelewer het: Krog’s obituary for Gerwel
Losung und Lehrtext für Montag, den 3. Dezember 2012
Du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. (Psalm 25,5)
Christus spricht: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Lukas 11,9)



