Gott, sei mir gnädig nach Deiner Güte (Psalm 51)

Nieu-Bethesda (Kap der guten Hoffnung)

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. 4 Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; 5 denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. 6 An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest. 7 Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen. 8 Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund. 9 Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich weißer werde als Schnee. 10 Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. 11 Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat. 12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. 13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. 15 Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren. 16 Errette mich von Blutschuld, / Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. 17 Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. 18 Denn Schlachtopfer willst du nicht, / ich wollte sie dir sonst geben, und Brandopfer gefallen dir nicht. 19 Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. 20 Tue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem. 21 Dann werden dir gefallen rechte Opfer, / Brandopfer und Ganzopfer; dann wird man Stiere auf deinem Altar opfern. 

Psalm 51. Ein Psalm Davids, vorzusingen, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. 

Psalm 66,20

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit, groß ist Dein Barmherzigkeit, aller Ding ein Schöpfer und Regierer, eleison. Christe, aller Welt Trost, uns Sünder allein Du hast erlöst. O Jesu, Gottes Sohn, unser Mittler bist in dem höchsten Thron, zu Dir schreien wir aus Herzensbegier: eleison. Kyrie, Gott Heiliger Geist, tröst, stärk uns im Glauben allermeist, daß wir am letzten End fröhlich abscheiden aus diesem Elend, eleison.

Das Kyrie fons bonitatis, deutsch Naumburg 1537. (LKG 1)

Fortlaufende Lese

Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk bei ihnen zusammen in der Halle, die nach Salomo genannt ist, und sie wunderten sich sehr.  12 Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?  13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als dieser ihn freisprechen wollte.  14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke,  15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen.  16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.  17 Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr’s aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen.  18 So aber hat Gott erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte.  19 Tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden,  20 auf dass Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn und er den sende, den er für euch zum Christus bestimmt hat: Jesus.  21 Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten, in denen alles wiederhergestellt wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.  22 Mose hat gesagt: »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird.  23 Und es wird geschehen: Wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem Volk.«  24 Und alle Propheten von Samuel an und danach, wie viele auch geredet haben, die haben diese Tage verkündet.  25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott geschlossen hat mit euren Vätern, als er zu Abraham sprach: »Durch deine Nachkommen sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden.«  26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und hat ihn gesandt, euch zu segnen, dass sich ein jeder abwende von seinen bösen Taten. 

Apostelgeschichte 3,11-26

Morgenlese

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle, als Zeugnis zur rechten Zeit. Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel – ich sage die Wahrheit und lüge nicht –, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.

So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel.

1. Timotheus 2,1-8

Abendlese

Solches redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche; 2 so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. 5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. 9 Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. 10 Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. 11 Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir. 12 Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren außer dem Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde. 13 Nun aber komme ich zu dir, und dies rede ich in der Welt, auf dass meine Freude in ihnen vollkommen sei. 14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. 16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. 18 Wie du mich gesandt hast in die Welt, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. 19 Ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. 20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, 21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. 

Johannes 17

Bekenntnislese

III. Das Vaterunser


Wir haben bisher gehört, was man tun soll (erstes Hauptstück) und was man glauben soll (zweites Hauptstück). Wer danach lebt, hat das beste und seligste Leben. Es folgt nun das dritte Hauptstück, das zeigt, wie man beten soll.

Denn mit uns Menschen verhält es sich ja so: Keiner kann die Zehn Gebote vollkommen halten, auch wenn er angefangen hat, an Christus zu glauben; außerdem wehrt sich dagegen auch der Teufel mit aller Macht, ebenso die Welt und unser eigenes Fleisch. Darum ist nichts so nötig, als Gott immerfort in den Ohren zu liegen, ihn anzurufen und zu bitten, dass er uns den Glauben und ein Leben, in dem die Zehn Gebote erfüllt werden, gebe, erhalte und mehre und dass er alles hinwegräume, was uns im Wege liegt und uns hindert, die Zehn Gebote zu halten.

Damit wir aber wissen, was und wie wir beten sollen, hat uns unser Herr Christus, wie wir noch sehen werden, selbst die Worte und die Weise gelehrt.

Ehe wir aber die Bitten des Vaterunsers der Reihe nach erklären, ist es wohl dringend nötig, die Leute überhaupt zuerst zum Beten zu ermahnen und zu ermuntern, wie es auch Christus und die Apostel getan haben.

Als Erstes muss man wissen, warum wir verpflichtet sind zu beten, nämlich um des Gebotes Gottes willen. Denn dies haben wir bei der Erklärung des zweiten Gebotes gehört (Du sollst den Namen Gottes nicht unnützlich führen), dass darin gefordert wird, den heiligen Namen Gottes zu preisen, ihn in aller Not anzurufen und zu Gott zu beten. Denn Anrufen ist nichts anderes als Beten.

So ist das Beten ebenso streng und ernstlich geboten wie alle andern Gebote – keinen andern Gott zu haben, nicht zu töten, nicht zu stehlen usf. Niemand soll denken, es komme nicht darauf an, ob ich bete oder nicht bete. Unwissende Leute leben wohl in dem Wahn dahin und denken: Warum soll ich beten? Wer weiß, ob Gott auf mein Gebet achtet oder es hören will? Bete ich nicht, so betet ein anderer. Und so gewöhnen sie es sich an, gar nicht mehr zu beten. Und als Ausrede führen sie an, dass wir doch die verkehrten und heuchlerischen Gebete verwerfen – so als ob wir lehrten, man solle oder brauche überhaupt nicht zu beten.

Das ist allerdings wahr: Was man bisher in der Kirche für Gebete gesprochen, geplärrt und hergeleiert hat, sind freilich keine Gebete gewesen. Denn solch ein äußerliches Beten mag zwar, wenn es in rechter Weise geschieht, eine Übung für die jungen Kinder, die Schüler und die einfachen Leute sein; man mag es als eine Übung im Lesen oder Singen bezeichnen, aber ein Beten ist es eigentlich nicht.

Das aber heißt beten, nämlich Gott in allen Nöten anrufen, so wie es das zweite Gebot lehrt. Das will er von uns haben und das soll nicht in unserm Belieben stehen, sondern wenn wir Christen sein wollen, sollen und müssen wir beten, ebenso wie wir Vater und Mutter und der Obrigkeit gehorsam sein sollen und müssen. Denn durch das Anrufen und Beten wird der Name Gottes geehrt und nutzbringend gebraucht. Das sollst du dir nun vor allen Dingen merken, dass man solche Gedanken, die uns vom Beten abhalten und zurückhalten wollen, abweisen und zum Schweigen bringen muss.

Denn es geht nicht an, dass ein Sohn zum Vater sagt: „Was liegt dir an meinem Gehorsam? Ich will hingehen und tun, wozu ich Lust habe, das ist ebenso gut.“ Denn da ist das Gebot; darum soll und muss er gehorchen. So soll es auch nicht in meinem Belieben stehen, zu beten oder es zu unterlassen, sondern es soll und muss gebetet sein. Weil nun das Beten so ernstlich geboten ist, sollst du daraus den Schluss ziehen und folgern, dass beileibe niemand sein Gebet gering achten soll, sondern jeder soll große Stücke davon halten. Und denke immer an das Beispiel der Gebote. Ein Kind soll beileibe nicht den Gehorsam Vater und Mutter gegenüber gering achten, sondern immer daran denken: Was ich tue, tue ich aus Gehorsam, und ich tue es allein deswegen, weil es Gottes Gebot ist. Auf dieses Gebot kann ich mich stützen und berufen (nicht aber auf meine Würdigkeit), und darum will ich gehorsam sein – eben um des Gebotes willen. So auch hier: Was und worum wir bitten, das ist etwas, was von Gott gefordert ist und womit wir ihm gehorsam sind. Und wir sollen wie folgt denken: Meine Person vermag dem Gebet keine Kraft und Geltung zu verschaffen, sondern es liegt alles an Gottes Gebot. So soll jeder im Gehorsam gegen dieses Gebot vor Gott kommen, was immer er auch an Bitten vorzubringen hat.

Darum bitten und ermahnen wir jedermann aufs Ernsteste, dies zu Herzen zu nehmen und keinesfalls das Beten zu verachten. Denn bisher hat man in Teufels Namen so über das Beten gelehrt, dass niemand auf das oben Gesagte geachtet hat; jeder hat gemeint, es wäre genug, lediglich die Gebete zu verrichten, gleich ob sie Gott erhört oder nicht. Das heißt aber, auf gut Glück zu beten und aufs Geratewohl Gebete herzuleiern; darum sind es nutzlose Gebete.

Denn wir lassen uns vom Beten abhalten und abschrecken, wenn wir solche Gedanken haben: „Ich bin nicht heilig und würdig genug; wenn ich so fromm und heilig wäre wie St. Petrus und Paulus, dann wollte ich beten.“ Aber nur weit weg mit solchen Gedanken! Denn eben das gleiche Gebot, das St. Paulus gilt, gilt auch mir; und das zweite Gebot (mit der Aufforderung zum Beten) ist ebenso meinetwegen gegeben wie auch seinetwegen; er kann sich keines besseren und heiligeren Gebotes rühmen.

Darum sollst du so sagen: „Mein Gebet, das ich spreche, ist ebenso wertvoll, heilig und Gott angenehm wie das von St. Paulus und der allerheiligsten Personen. Der Grund
dafür ist: Ich will ihn gerne heiliger sein lassen, soweit es seine Person betrifft, aber nicht soweit es das Gebot betrifft; denn Gott sieht auf unsere Gebete nicht um unserer Person willen, sondern um seines Wortes und unsers Gehorsams willen. Auf dieses Gebot Gottes, auf das alle Heiligen ihr Gebet gründen, gründe ich auch mein Gebet; ebenso bete ich auch um eben das Gleiche, worum sie alle bitten oder gebeten haben.“

Dr. Martin Luther, Großer Katechismus (1529): Vater unser GK III,1-16

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! (Psalm 43)

Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. 

Psalm 43. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. 

Psalm 66,20

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst Euch stellt, kommt mit Frohlocken, säumet nicht, kommt vor sein heilig Angesicht.

Erkennt, daß Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.

Er hat uns ferner wohl bedacht und uns zu seinem Volk gemacht; zu Schafen, die er ist bereit, zu führen stets auf gute Weid.

Die Ihr nun wollet bei ihm sein, kommt, geht zu seinen Toren ein mit Loben durch der Psalmen Klang, zu seinem Vorhof mit Gesang.

Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, rühmt seinen Namen mit lauter Stimm; lobsingt und danket allesamt! Gott loben, das ist unser Amt.

Er ist voll Güt und Freundlichkeit, voll Lieb und Treu zu jeder Zeit; sein Gnad währt immer dort und hier und seine Wahrheit für und für.

Gott Vater in dem höchsten Thron und Jesus Christus, sein einger Sohn, samt Gott, dem werten Heilgen Geist, sei nun und immerdar gepreist.

Nach Kornelius Becker (1561-1604) von David Denicke 1646 (LKG 10)

Fortlaufende Lese

 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit.  Und es wurde ein Mann herbeigetragen, der war gelähmt von Mutterleibe an; den setzte man täglich vor das Tor des Tempels, das da heißt das Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen.  Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen.  Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!  Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge.  Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!  Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest,  er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben.  Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor dem Schönen Tor des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war. 

Apostelgeschichte 3,1-10

Morgenlese

Leidet jemand unter Euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter Euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass Ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht.

Meine Brüder und Schwestern, wenn jemand unter Euch abirrt von der Wahrheit und jemand bekehrte ihn, der soll wissen: Wer den Sünder bekehrt hat von seinem Irrweg, der wird seine Seele vom Tode erretten und wird bedecken die Menge der Sünden. 

Jakobus 5,13-20

Abendlese

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, auf dass ich es so offenbar mache, wie ich es soll. Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. 

Kolosser 4,2-6

Bekenntnislese

Darum ist alles in der Christenheit dahin ausgerichtet, dass wir in ihrer Mitte täglich, durch Wort und Zeichen, Vergebung der Sünde empfangen, um unser Gewissen zu trösten und aufzurichten, solange wir hier leben. So macht es der heilige Geist, dass uns die Sünde, obgleich wir sie noch an uns haben, doch nicht schaden kann; denn wir sind Glieder der Christenheit, in deren Mitte es lauter Vergebung der Sünde gibt; Gott vergibt uns, und wir vergeben uns einander, ertragen einander und helfen uns gegenseitig auf.

Außerhalb der Christenheit aber, wo das Evangelium nicht ist, gibt es auch keine Vergebung, so wie es auch keine Heiligkeit geben kann. Darum haben sich alle selber aus der Christenheit ausgeschlossen und abgesondert, die nicht durch das Evangelium und die Vergebung der Sünde, sondern durch ihr eigenes Tun die Heiligkeit suchen und verdienen wollen.

Unterdessen aber, nachdem die Heiligkeit in uns angefangen hat und täglich zunimmt, warten wir, dass unser Fleisch getötet und mit allem Bösen begraben werde, aber zu ganzer und vollkommener Heiligkeit in einem neuen, ewigen Leben herrlich hervor-komme und auferstehe.

Denn in diesem Leben sind und bleiben wir nur zum Teil rein und heilig, sodass der heilige Geist mit dem Worte Gottes immer an uns arbeiten und er uns täglich die Vergebung gewähren muss – bis hin zu jenem Leben, in dem es keine Vergebung mehr geben wird, weil wir ganz und gar heilige Menschen sein werden, rein und ganz vollkommen. Wir werden in einem neuen unsterblichen und verherrlichten Leibe frei und los sein von Sünde, Tod und allem Unglück.

Siehe, das alles ist das Amt und Werk des Heiligen Geistes, dass er hier auf der Erde die Heiligkeit anfängt und täglich mehrt durch diese zwei Stücke – die christliche Kirche und die Vergebung der Sünde. Wenn wir aber verwesen, wird er es in einem Augenblick ganz zu Ende führen und uns auf ewig dabei erhalten durch jene letzten beiden Stücke – die „Auferstehung des Fleisches“ und das „ewige Leben“.

Dass es aber hier heißt „Auferstehung des Fleisches“, ist auch kein gutes Deutsch. Denn wenn wir „Fleisch“ hören, denken wir an Fleischerläden. Auf gut Deutsch müsste es heißen „Auferstehung des Leibes oder Leichnams“. Doch es liegt nicht viel daran, wenn man nur die Worte richtig versteht.

Dies ist derjenige Artikel, der immerfort in Kraft und Geltung bleiben muss. Denn die Schöpfung ist geschehen, die Erlösung auch, aber der heilige Geist ist unablässig am Werk bis zum Jüngsten Tag. Aus diesem Grund hat er seine Gemeinde auf der Erde, damit er durch sie alles verkünden und wirken kann.

Denn er hat seine Christenheit noch nicht vollzählig beieinander, und die Vergebung ist noch nicht an alle ausgeteilt. Darum glauben wir an den, der uns täglich durch sein Wort herbeiholt und der uns den Glauben gibt und ihn durch eben dies Wort und die Vergebung der Sünde mehrt und stärkt. Wenn das alles ausgerichtet ist und wir dabei verbleiben und der Welt und allem Bösen absterben, dann will er uns endlich auf ewig heilig machen. Darauf richtet sich jetzt unser Glaube auf Grund seines Wortes.

Siehe, da hast du in kurzen, aber doch inhaltsreichen Worten auf das Allergenaueste beschrieben, was Wesen, Wille und Werk Gottes ist. Darin besteht alle unsere Weisheit, die über alle Weisheit und Vernunft und alles Denken der Menschen weit hinausgeht. Denn obgleich die ganze Welt mit allem Eifer danach getrachtet hat, zu erkennen, wer Gott ist und was er im Sinn hat und tut, so hat sie doch nichts von alledem herausfinden können.

Hier aber hast du es auf das Allerreichste. Denn in allen drei Artikeln hat er selbst den tiefsten Abgrund seines väterlichen Herzens und seine ganz unaussprechliche Liebe offenbart und kundgetan. Denn er hat uns eben dazu erschaffen, um uns zu erlösen und zu heiligen, und er hat uns außerdem – nachdem er uns alles gegeben und geschenkt hat, was im Himmel und auf Erden ist – noch seinen Sohn und den Heiligen Geist gegeben, durch die er uns zu sich bringt.

Denn wir selbst könnten, wie oben erklärt, ohne den Herrn Christus niemals dahin kommen, die Huld und Gnade des Vaters zu erkennen; er aber ist ein Spiegel des väterlichen Herzens; ohne Christus können wir Gott nur als zornigen und schrecklichen Richter wahrnehmen. Von Christus aber könnten wir auch nichts wissen, wenn es nicht durch den Heiligen Geist offenbart wäre.

Darum lassen diese Artikel des Glaubens uns Christen von allen andern Menschen auf der Erde unterschieden und abgesondert sein. Denn außerhalb der Christenheit, ob es sich nun um Heiden, Muslime, Juden oder falsche Christen und Heuchler handelt, weiß man nicht, wie Gott dem Menschen gegenüber gesonnen ist – auch wenn sie glauben, dass nur ein wahrer Gott ist und sie ihn anbeten. Sie vermögen es auch nicht, Liebe und alles Gute von ihm zu erwarten. Darum stehen sie unter dem Zorn Gottes und bleiben in ewiger Verdammnis. Denn sie haben den Herrn Christus nicht; und sie sind auch nicht durch den Heiligen Geist erleuchtet und mit seinen Gaben begnadet.

Aus alledem siehst du nun, dass der Glaube eine ganz andere Lehre ist als die Zehn Gebote. Denn die Zehn Gebote lehren, was wir tun sollen, der Glaube aber sagt uns, was Gott uns gibt und an uns tut. Die Zehn Gebote sind auch in die Herzen der Menschen geschrieben, den Glauben aber kann keine menschliche Klugheit begreifen. Er muss allein vom Heiligen Geist gelehrt werden.

Darum machen die Zehn Gebote noch keinen Christen; denn es bleibt immer noch Gottes Zorn und Ungnade über uns, weil wir nicht halten können, was Gott von uns fordert. Aber der Glaube bringt lauter Gnade; er macht uns fromm und Gott findet an uns Gefallen.

Denn durch diese Erkenntnis, die der Glaube wirkt, bekommen wir Lust und Liebe zu allen Geboten Gottes, weil wir hier sehen, wie Gott selbst ganz und gar mit allem, was er hat und vermag, uns zu Hilfe kommt, damit wir die Zehn Gebote halten können. Der Vater kommt uns zu Hilfe mit allem, was er geschaffen hat, Christus schenkt sich uns mit seinem ganzen Erlösungswerk, der heilige Geist hilft uns mit allen seinen Gaben.

Das sei nun genug vom Glauben; für die Laien ist damit der Grund gelegt; man überlade sie nicht. Wenn sie den Hauptinhalt verstanden haben, mögen sie selber weiter forschen und, was sie aus der Schrift lernen, auf diese Dinge beziehen, und so zu immer reicherer Erkenntnis kommen und daran wachsen. Denn wir haben, solange wir leben, täglich davon zu predigen und daran zu lernen.

Dr. Martin Luther, Der Große Katechismus: 3.Artikel verf. (II,55-70)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! (Psalm 5)

HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. Denn du bist nicht ein Gott, dem Frevel gefällt; wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Die Ruhmredigen bestehen nicht vor deinen Augen; du bist feind allen Übeltätern. Du vernichtest die Lügner; dem HERRN sind ein Gräuel die Blutgierigen und Falschen. 

Ich aber darf in dein Haus gehen durch deine große Güte und anbeten vor deinem heiligen Tempel in deiner Furcht. HERR, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg! Denn in ihrem Munde ist nichts Verlässliches; ihr Inneres ist Bosheit. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen heucheln sie. Sprich sie schuldig, Gott, dass sie zu Fall kommen durch ihr Vorhaben. Stoße sie aus um ihrer vielen Übertretungen willen; denn sie sind widerspenstig gegen dich. 

Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie. Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben! Denn du, HERR, segnest die Gerechten, du deckest sie mit Gnade wie mit einem Schilde. 

Psalm 5. Ein Psalm Davids, vorzusingen, zum Flötenspiel. Verdeutscht von Dr. Martin Luther. (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. 

Psalm 66,20

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Zeuch ein zu Deinen Toren, sei meines Herzens Gast, der Du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist.

Zeuch ein, lass mich empfinden und schmecken Deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste
Dir Ehr und Dienste leiste, die ich Dir schuldig bin.

Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Leben, Du hast ihn umgebracht und in der Tauf erstickt als wie in einer Flute mit dessen Tod und Blute, der uns im Tod erquickt.

Du bist das heilig Öle, dadurch gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesus Christ zum wahren Eigentum, zum Priester und Propheten, zum König, den in Nöten Gott schützt vom Heiligtum.

Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; Dein Beten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl, es steigt zum Himmel an, es lässt nicht ab und dringet, bis der die Hilfe bringet, der allen helfen kann.

Du bist ein Geist der Freuden, von Trauern hältst Du nichts, erleuchtest uns im Leiden mit Deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches Mal hast Du mit süßen Worten mir aufgetan die Pforten zum güldnen Freudensaal.

Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit. Der Feindschaft bist Du Feind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht seind.

Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie Dir es wohlgefällt; so gib doch Deine Gnad zu Fried und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat.

Erhebe Dich und steure dem Herzleid auf der Erd, bring wieder und erneure die Wohlfahrt deiner Herd. Laß blühen wie zuvor die Länder, so verheeret, die Kirchen, so zerstöret durch Krieg und Feuerszorn.

Beschirm die Obrigkeiten, richt auf des Rechtes Thron, steh treulich uns zur Seiten; schmück wie mit einer Kron die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land.

Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, der Dir sich widersetzet und, was Dein Herz ergötzet, aus unsern Herzen reißt.

Gib Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, den Satans Reich und Werke uns täglich anerbeut. Hilf kämpfen ritterlich, damit wir überwinden und ja zum Dienst der Sünden kein Christ ergebe sich.

Richt unser ganzes Leben allzeit nach Deinem Sinn; und wenn wir’s sollen geben ins Todes Rachen hin, wenn’s mit uns hier wird aus, so hilf uns tröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus.

Paul Gerhardt 1653 (LKG 189)

Fortlaufende Lese

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.  Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.  Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.  Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen  und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden. 

Apostelgeschichte 2,42-47

Morgenlese

Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! 

Lukas 11,1-13

Abendlese

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 

Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen würde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. 

Darum sage ich euch: Alles, was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen. 

Markus 11:22-26

Bekenntnislese

Denn weder du noch ich könnten jemals etwas von Christus wissen noch an ihn glauben und ihn zum Herrn bekommen, wenn der heilige Geist uns nicht Christus durch die Predigt des Evangeliums bekannt machen und in Herz und Gewissen predigen würde. Das Werk der Erlösung ist geschehen und ausgerichtet; denn Christus hat uns den Schatz der Erlösung erworben und gewonnen durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen usf. Aber wenn das Werk der Erlösung verborgen bliebe, sodass niemand davon wüsste, es wäre umsonst geschehen und wäre verlorene Mühe gewesen. Damit aber der Schatz der Erlösung nicht vergraben bliebe, sondern gebraucht und genutzt würde, hat Gott das Wort ausgehen und verkünden lassen, durch das er den Heiligen Geist gibt, um uns diesen Schatz, die Erlösung, nahezubringen und zuzueignen.

Darum heißt „heiligen“ nichts anderes als zu dem Herrn Christus bringen und jenes Gut der Erlösung zu empfangen, an das wir selbst nicht herankommen konnten.

So lerne nun diesen Artikel ganz genau zu verstehen. Wenn man dich fragt: „Was meinst du mit den Worten: „Ich glaube an den Heiligen Geist“?“, dass du antworten kannst: „Ich glaube, dass mich der heilige Geist heiligmacht, so wie es sein Name sagt.“

Wodurch aber bewirkt er das oder auf welche Art und Weise tut er das?

Antwort: „Durch die christliche Kirche, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben.“

Denn, dies ist das erste, er hat eine ausgesonderte Gemeinde in der Welt; sie ist die Mutter, die einen jeden Christen zeugt und trägt – und zwar durch das Wort Gottes, das der heilige Geist offenbart und verkünden lässt; er erleuchtet und entzündet auch die Herzen, dass sie es erfassen, sich zu eigen machen, annehmen, daran hängen und an ihm bleiben.

Denn wenn der heilige Geist das Wort Gottes nicht predigen und nicht im Herzen lebendig werden lässt, sodass man es annimmt, ist alles vergeblich. So war es unter dem Papsttum; der Glaube war ganz vernachlässigt; niemand hat Christus als den Herrn erkannt noch den Heiligen Geist als den, der heilig macht. Das heißt, niemand hat geglaubt, dass Christus so unser Herr geworden ist, dass er uns ohne unser Zutun und Verdienst jenen Schatz der Erlösung gewonnen und uns mit dem Vater wieder versöhnt hat.

Woran hat es denn gemangelt? Daran, dass der heilige Geist nicht dagewesen ist, um dieses zu offenbaren und predigen zu lassen; sondern Menschen waren da und böse Geister, die uns gelehrt haben, durch unsere Werke selig zu werden und Gnade zu erlangen.

Darum war es auch keine rechte christliche Kirche. Denn wo nicht von Christus gepredigt wird, da ist kein Heiliger Geist, der allein die christliche Kirche schafft und Menschen beruft und zusammenbringt. Ohne die christliche Kirche aber kann niemand zu dem Herrn Christus kommen.

Das sei genug von dem Hauptstück dieses Artikels. Weil aber die Stücke, die darin aufgezählt werden, für manche nicht ganz klar sind, wollen wir auch sie kurz besprechen.

Das apostolische Glaubensbekenntnis nennt die heilige christliche Kirche eine „communio sanctorum“, eine „Gemeinschaft der Heiligen“. Denn beide Bezeichnungen „christliche Kirche“ und „Gemeinschaft der Heiligen“ bedeuten das Gleiche; früher jedoch fehlte die zweite Bezeichnung. Sie ist auch mit „Gemeinschaft der Heiligen“ schlecht und unverständlich verdeutscht. Wenn man sie verständlich wiedergeben wollte, müsste man sie anders ins Deutsche übersetzen. Denn das Wort „ecclesia“ bedeutet im
Deutschen eigentlich „Versammlung“.

Wir sind aber an das Wort „Kirche“ gewöhnt; darunter verstehen jedoch viele nicht eine Versammlung von Menschen, sondern ein geweihtes Haus oder ein Gebäude; obgleich man ein solches Haus nicht Kirche nennen sollte, es sei denn, dass Christen in ihm zusammenkommen. Denn wir, die wir zusammenkommen, richten uns einen besonderen Raum her und geben dem Haus unsern Namen. So bedeutet das Wort „Kirche“ eigentlich nichts anderes als eine Versammlung. Es ist der Herkunft nach kein deutsches Wort, sondern kommt aus dem Griechischen (wie auch das Wort ecclesia). Sie nennen es in ihrer Sprache „kyria“, auf Lateinisch „curia“. Darum sollte man auf gut Deutsch und in unserer Muttersprache statt Kirche „christliche Gemeinde“ oder „Versammlung“ sagen, oder am allerbesten und klarsten „eine heilige Christenheit“.

So sollte man auch das Wort „communio“, das angefügt ist, nicht mit „Gemeinschaft“, sondern mit „Gemeinde“ übersetzen. Es ist nichts anderes als eine Hinzufügung oder Auslegung, mit der jemand hat erklären wollen, was die christliche Kirche ist. Daraus haben die Unsern, die weder Lateinisch noch Deutsch gekonnt haben, „Gemeinschaft der Heiligen“ gemacht, obgleich dies kein gutes Deutsch ist. Auf gut Deutsch sollte es heißen „eine Gemeinde der Heiligen“, d. h. eine Gemeinde, in der lauter Heilige sind, oder noch besser „eine heilige Gemeinde“.

Das sage ich deswegen, damit man die Worte versteht; denn die Gewohnheit (statt „Gemeinde“ „Gemeinschaft“ zu sagen) ist so eingerissen, dass sie schwerlich wieder herauszubringen ist; und es gilt gleich als Ketzerei, wenn man ein Wort ändert.

Das ist aber der Sinn und der Hauptinhalt dieses Zusatzes, nämlich: Ich glaube, dass es auf dieser Erde eine heilige Schar gibt, eine Gemeinde von lauter Heiligen unter einem Haupt Christus, durch den Heiligen Geist zusammengerufen, eines Glaubens, eines Sinnes und einer Meinung, mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Sekten und Spaltung.

Dazu gehöre auch ich als ein Teil und Glied; und habe Anteil an allen Gütern, die sie hat; durch den Heiligen Geist bin ich herzugebracht und dadurch einverleibt, dass ich Gottes Wort gehört habe und noch höre; denn das ist der Anfang des Hineinkommens. Denn vorher, eher wir herzugekommen sind, waren wir des Teufels; wir wussten ja nichts von Gott und von Christus.

So bleibt der heilige Geist bei der heiligen Gemeinde oder Christenheit bis zum Jüngsten Tag. Durch sie ruft er uns herbei, und sie gebraucht er, um das Wort predigen und lehren zu lassen. Dadurch bewirkt und mehrt er die Heiligung, sodass wir täglich zunehmen und im Glauben stark werden und seine Früchte hervorbringen, die er wirkt.

Weiterhin glauben wir, dass wir in der Christenheit Vergebung der Sünde haben – durch die heiligen Sakramente und die Absolution, außerdem durch viele Trostsprüche des ganzen Evangeliums. Darum gehört das, was von den Sakramenten zu lehren ist, hierher, und im Grunde das ganze Evangelium und alle Ämter der Christenheit. Und es ist nötig, dass dies alles beständig in Kraft und Geltung ist. Denn obgleich die Gnade Gottes durch Christus erworben und die „Heiligkeit“ durch den Heiligen Geist durch das Wort Gottes in der einigen, heiligen christlichen Kirche hergestellt ist, so sind wir doch, unsers Fleisches wegen, das wir noch an uns tragen, niemals ohne Sünde.

Dr. Martin Luther, Großer Katechismus (1529): 3. Artikel verf. (2:38-54)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Rogate (5. Sonntag nach Ostern)

Albrecht Dürer 1508

Wochenspruch

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. 

Psalm 66,20

Introitus

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils! Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein. Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet. Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. 

Psalm 95,1-7a

Alttestamentliche Lesung

Der HERR sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. 8 Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Dies sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben. 9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe dies Volk gesehen. Und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. 10 Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie verzehre; dafür will ich dich zum großen Volk machen. 11 Mose wollte den HERRN, seinen Gott, besänftigen und sprach: Ach, HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? 12 Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. 13 Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. 14 Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte. 

2.Mose 32,7-14

Versikel 

Christus hat dem Tode die Macht genommen, Halleluja, und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Halleluja.

2. Timotheus 1,10

Epistolische Lektion

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle. 

1. Timotheus 2,1-6a

Hallelujavers

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja, Halleluja.

Psalm 66,20; Lukas 24,6a.34

Das heilige Evangelium

Und der Herr Jesus Christus sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! 

Lukas 11,5-13

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänische Glaubensbekenntnis

Wochenlied

Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han: gib, dass nicht bet allein der Mund, hilf, dass es geh von Herzensgrund.

Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, dass auch wir leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr.

Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der Heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid; wehr und steu’r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.

Gib uns heut unser täglich Brot und was man b’darf zur Leibesnot; behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizens müßig gehn.

All unsre Schuld vergib uns, Herr, dass sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.

Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand im Glauben fest und wohlgerüst’ und durch des Heilgen Geistes Trost.

Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

Amen, das ist: es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar, auf dass wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

Dr. Martin Luther 1539 (LKG 226)

Predigt Dr. Martin Luther´s zu Rogate

Dr. Martin Luther predigt am 5. Sonntag nach Ostern (Rogate) über das hl. Evangelium des hl. Apostels Johannes 16, 23-30 (WA 52 S.298-305) über das tägliche Gebet, weil Gott der Vater uns lieb hat und uns um seines lieben Sohnes Jesu Christi willen gerne erhören will.

Heutiger Predigttext

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn Ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s Euch geben. Bisher habt Ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet Ihr empfangen, auf dass Eure Freude vollkommen sei. Das habe ich Euch in Bildern gesagt. Es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern mit Euch reden werde, sondern Euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An jenem Tage werdet Ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage Euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn er selbst, der Vater, hat Euch lieb, weil Ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 

Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest Du frei heraus und nicht in einem Bild. Nun wissen wir, dass Du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass Dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass Du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt Ihr? Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass Ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 

Dies habe ich mit Euch geredet, damit Ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt Ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. 

Johannes 16,23b-28 (29-32) 33

Meine Predigt dazu:

Wochengebet

Gebet treten wir vor Dich,
aber was sollen wir beten?

Wir sagen dir Dank
für das Leben, das uns umgibt und erfüllt,
für das Schöne, das wir schauen und hören,
für die Liebe, die wir erfahren und anderen schenken,
für den Geist, der uns ermuntert und verbindet.

Im Gebet treten wir vor dich,
aber was sollen wir beten?

Wir sagen dir unsere Klage
um die Verwüstung der Schöpfung,
um die Verheerung der Krieges,
um die Beschädigung der Wahrheit,
um die Verletzung der Gerechtigkeit.

Im Gebet treten wir vor dich,
aber was sollen wir beten?

Wir sagen dir unsere Bitte
für die bedrohten Pflanzen und Tiere,
für die Menschen ohne Hoffnung,
für unser verunsichertes Land,
für unsere verzagte Kirche.

Im Gebet treten wir vor dich,
aber was sollen wir beten?

Wir singen dir unseren Lobgesang
für deine Güte, die nicht zu Ende ist,
für deine Gerechtigkeit, die ihren Weg findet,
für deine Wahrheit, die uns erleuchtet,
für deine Großzügigkeit, aus der wir leben.
Zu dir und nur zur dir beten wir, denn du bist unser Gott und keiner sonst,
Vater, Sohn und Heiliger Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Wochengebet von der VELKD

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Frieden.

4. Mose 6,24-26

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Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingefallen (Psalm 79)

Titusbogen (Via sacra, Rom)

Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingefallen; die haben deinen heiligen Tempel entweiht und aus Jerusalem einen Steinhaufen gemacht. Sie haben die Leichname deiner Knechte den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben und das Fleisch deiner Heiligen den Tieren im Lande. Sie haben ihr Blut vergossen um Jerusalem her wie Wasser, und da war niemand, der sie begrub. Wir sind bei unsern Nachbarn zur Schmach geworden, zu Spott und Hohn bei denen, die um uns her sind. 

Wie lange, HERR, willst du immerfort zürnen? Wie lange wird dein Eifer brennen wie Feuer? Schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen. Denn sie haben Jakob gefressen und seine Stätte verwüstet. Rechne uns die Schuld der Väter nicht an, erbarme dich unser bald, denn wir sind sehr elend. Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen!  

Warum lässt du die Heiden sagen: »Wo ist nun ihr Gott?« Lass unter den Heiden vor unsern Augen kundwerden die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist. Lass vor dich kommen das Seufzen der Gefangenen; durch deinen starken Arm erhalte die Kinder des Todes und vergilt unsern Nachbarn siebenfach ihr Schmähen, mit dem sie dich, Herr, geschmäht haben. Wir aber, dein Volk, die Schafe deiner Weide, danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für. 

Psalm 79. Ein Psalm Asafs. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein’. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt, also bald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein, er gibt ihn für mich hin, dass er mich vom ewgen Feuer durch sein teures Blut gewinn. O du unergründ’ter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Seinen Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, dass er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort; dass er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not entstehen, nimmt er’s gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide; in den Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, dass ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Wie so manche schwere Plage wird vom Satan umgeführt; Gottes Engel, den er sendet, hat das Böse, was der Feind anzurichten war gemeint, in die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde tut und aus den Bahnen weicht, also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zugut, will mein Fehlen mit der Rut und nicht mit dem Schwert und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Seine Strafen, seine Schläge, ob sie mir gleich bitter seind, dennoch, wenn ich’s recht erwäge, sind es Zeichen, dass mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Das weiß ich fürwahr und lasse mir’s nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße und muss endlich stillestehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein; also wird auch nach der Pein, wer’s erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find’t, ei so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit.

Paul Gerhardt 1653 (LKG 319)

Fortlaufende Lese

Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?  38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.  39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.  40 Noch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht!  41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. 

Apostelgeschichte 2,37-41

Morgenlese

Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer. 3 Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und der Sarder; und ein Regenbogen war[1] um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd. 4 Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. 5 Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes. 6 Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und in der Mitte am Thron und um den Thron vier Wesen[2], voller Augen vorn und hinten. 7 Und das erste Wesen war gleich einem Löwen, und das zweite Wesen war gleich einem Stier, und das dritte Wesen hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Wesen war gleich einem fliegenden Adler. 8 Und ein jedes der vier Wesen hatte sechs Flügel, und sie waren rundum und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. 9 Und wenn die Wesen Preis und Ehre und Dank geben dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 10 fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und beten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legen ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprechen: 11 Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. 

Offenbarung 4,2-11

Abendlese

Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern wir reden, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes. 11 Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes. 

1. Korinther 2,6-11

Bekenntnislese: Der christliche Glaube

Der 2. Artikel: Und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unsern HERRN, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Hier lernen wir die zweite Person der Gottheit kennen, und wir sehen, was wir über die obengenannten zeitlichen Güter hinaus noch von Gott haben. Er hat sich nämlich ganz und gar für uns dahingegeben und hat nichts behalten, was er uns nicht geschenkt hätte. Dieser Artikel ist nun sehr inhaltsreich und umfassend; um ihn jedoch gleichfalls kurz und leicht fasslich zu behandeln, wollen wir ein Wort herausgreifen und seinen ganzen Inhalt darin zusammenfassen, um daraus zu lernen, wie wir erlöst worden sind. Und dieses Wort soll sein: „Ich glaube an Jesus Christus, unsern Herrn.“

Wenn jemand nun fragt: „Was glaubst du nach den Worten des zweiten Artikels von Jesus Christus?“, so antworte aufs Kürzeste: „Ich glaube, dass Jesus Christus, der wahrhaftige Gottessohn, mein Herr geworden ist.“ Was aber heißt das, „ein Herr werden“? Das heißt, dass er mich von der Sünde, vom Teufel, vom Tode und allem Unglück erlöst hat. Denn vorher habe ich keinen Herrn und König gehabt, sondern ich war gefangen in des Teufels Gewalt, war zum Tode verdammt und in Sünde und Blindheit verstrickt.

Denn nachdem wir erschaffen waren und viel Gutes von Gott, dem Vater empfangen hatten, kam der Teufel und verführte uns zu Ungehorsam und Sünde und brachte uns den Tod und alles Unglück, sodass wir dem Zorn Gottes und seiner Ungnade verfielen. Zur ewigen Verdammnis wurden wir verurteilt, wie wir es verdient hatten.

Da gab es keine Hilfe, keinen Rat und Trost, bis sich dieser eine und ewige Sohn Gottes unsers Jammers und Elends aus grundloser Güte erbarmte und vom Himmel kam, uns zu helfen.

So sind nun jene Tyrannen und Zwingherren alle vertrieben. An ihre Stelle ist Jesus Christus getreten, der Herr des Lebens und der Gerechtigkeit, der Herr über alles Gute und alle Seligkeit. Er hat uns arme, verlorene Menschen aus dem Rachen der Hölle gerissen und befreit und hat uns die Huld und Gnade des Vaters wieder zurückgebracht. Er hat uns als sein Eigentum unter seinen Schutz und Schirm genommen, um uns durch seine Gerechtigkeit, Weisheit, Macht, Leben und Seligkeit zu regieren.

Das ist nun der Hauptinhalt dieses Artikels, dass das Wort „Herr“ soviel wie „Erlöser“ bedeutet, der uns vom Teufel zu Gott, vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Gerechtigkeit gebracht hat und uns dabei erhält. Die Stücke aber, die nacheinander in diesem Artikel folgen, haben nichts anderes zum Inhalt, als dass sie erklären und beschreiben, wie und wodurch diese Erlösung geschehen ist. Und das heißt, was es ihn gekostet und was er gewagt und darauf verwandt hat, um uns zu gewinnen und unter seine Herrschaft zu bringen, nämlich dass er Mensch geworden ist, dass er von dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria ohne alle Sünde empfangen und geboren ist, um der Sünde Herr zu werden; dass er gelitten hat, starb und begraben wurde, um für das Genugtuung zu leisten und das zu bezahlen, was ich verschuldet habe – und das nicht mit Silber und Gold, sondern mit seinem eigenen teuren Blut.

Und dies alles tat er, um mein Herr zu werden. Denn für sich selbst hat er dies alles nicht getan und nötig gehabt. Danach ist er wieder auferstanden, hat den Tod verschlungen und „gefressen“ und ist endlich gen Himmel gefahren und hat zur Rechten des Vaters die Macht übernommen, sodass der Teufel und alle Mächtigen untertan sein müssen und ihm zu Füßen liegen – solange, bis er uns endlich am Jüngsten Tag von der bösen Welt, vom Teufel, Tod und Sünde usw. ganz und gar absondert und scheidet.

Aber alle diese einzelnen Stücke allein für sich auszulegen, das gehört nicht in eine kurze
„Kinderpredigt“ hinein. Das soll in den Predigten geschehen, die im Verlauf des Jahres gehalten werden, besonders zu jenen Zeiten, die dazu bestimmt sind, diese Artikel – die Geburt, das Leiden und die Auferstehung Christi, seine Himmelfahrt usf. – ausführlich zu behandeln.

Das ganze Evangelium, das wir predigen, gründet sich darauf, dass man diesen Artikel klar erfasst. Unser ganzes Heil und die Seligkeit hängt von ihm ab. Und er ist so inhaltsreich und umfassend, dass wir nie aufhören werden, an ihm zu lernen.

Der 3. Artikel: Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die
Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches
und ein ewiges Leben. Amen.

Diesen Artikel kann ich, wie oben gesagt, nicht besser überschreiben als mit den Worten „Von der Heiligung“. Denn in ihm wird der heilige Geist mit seinem Amt, nämlich heilig zu machen, beschrieben und dargestellt. Darum müssen wir dieses Wort „Heiliger Geist“ in den Mittelpunkt stellen; in ihm ist alles so kurz zusammengefasst, dass man kein besseres Wort finden kann.

Denn die Schrift spricht von mancherlei Arten von Geist – vom menschlichen Geist, von himmlischen Geistern und vom bösen Geist. Aber Gottes Geist allein wird Heiliger Geist genannt; das ist der, der uns geheiligt hat und noch heiligt. Denn so wie der Vater Schöpfer heißt und der Sohn Erlöser, so soll auch der heilige Geist auf Grund seines Wirkens ein Heiliger oder Heiligmacher heißen.

Wie geschieht aber solch ein Heiligen?

Antwort: So wie der Sohn durch seine Geburt, sein Sterben und Auferstehen usf. die Herrschaft über uns gewonnen hat, so richtet der heilige Geist die Heiligung durch folgende Stücke aus: Durch die Gemeinde der Heiligen bzw. die christliche Kirche, durch die Vergebung der Sünden, die Auferstehung des Fleisches .und das ewige Leben. Das bedeutet, dass er uns zuerst in seine heilige Gemeinde hineinführt und in den Schoß der Kirche legt, durch die er uns das Evangelium predigen lässt und zu Christus bringt.

Dr. Martin Luther, Großer Katechismus (Der Glaube: 2. und 3. Artikel): II:25-37.

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + 

+ Friede sei mit Euch +

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Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der wilden Stiere – du hast mich erhört! (Psalm 22,22-31)

Guernica von Pablo Picasso, 1937

Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der wilden Stiere – du hast mich erhört! Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen: Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er’s. Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten. Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker. Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern. Ihn allein werden anbeten alle Großen auf Erden; vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten. Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind. Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan. 

Psalm 22. Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh der Morgenröte«. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Nun danket all und bringet Ehr, Ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt.

Ermuntert Euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut;

der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält und, wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt;

der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet guten Muts, die Straf erläßt, die Schuld vergibt und tut uns alles Guts.

Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

Er lasse seinen Frieden ruhn in Israelis Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand.

Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn.

Solange dieses Leben währt, sei er stets unser Heil, und wenn wir scheiden von der Erd, verbleib er unser Teil.

Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen zu und zeig uns draut sein Angesicht dort in der ewgen Ruh.

Paul Gerhardt 1647 (LKG 318)

Fortlaufende Lese

Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –  23 diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Ungerechten ans Kreuz geschlagen und umgebracht.  24 Den hat Gott auferweckt und hat ihn befreit aus den Wehen des Todes, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.  25 Denn David spricht von ihm: »Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.  26 Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung.  27 Denn du wirst meine Seele nicht dem Reich des Todes überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.  28 Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.«  29 Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag.  30 Da er nun ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott geschworen hatte mit einem Eid, dass ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte,  31 hat er vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Reich des Todes überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen.  32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen.  33 Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr seht und hört.  34 Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst: »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,  35 bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.«  36 So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. 

Apostelgeschichte 2,22-36

Morgenlese

Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser Geist vom HERRN verstörte ihn. 15 Da sprachen die Knechte Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört dich. 16 Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf spiele, und es besser mit dir werde. 17 Da sprach Saul zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. 18 Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der HERR ist mit ihm. 19 Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist. 20 Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn David. 21 So kam David zu Saul und diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger. 22 Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen. 23 Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm. 

1. Samuel 16,14-23

Abendlese

Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Geschlecht Davids, nach meinem Evangelium, 9 für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. 10 Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, auf dass auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit. 11 Das ist gewisslich wahr: Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; 12 dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 13 sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. 

2. Timotheus 2,8-13

Bekenntnislese: Der christliche Glaube

Der 1. Artikel: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels
und der Erde.


Hier wird auf kürzeste Weise beschrieben und eingeprägt, was Wesen und Wille, Tun und Werk Gottes des Vaters ist. Denn nachdem die Zehn Gebote vor Augen gehalten haben, dass man nicht mehr als einen Gott haben soll, möchte man nun fragen: „Wer ist denn nun Gott? Was tut er? Wie kann man ihn preisen oder abbilden und beschreiben, damit er erkannt werde?“ Dieser und die folgenden Artikel lehren das nun. So ist der Glaube nichts anderes als ein Bekenntnis der Christen und ihre Antwort auf das 1. Gebot.

So als wenn man ein kleines Kind fragte: „Was hast du für einen Gott, was weißt du von ihm?“ – dass es sagen könnte: „Das ist mein Gott: Er ist zuallererst der Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat. Außer diesem einen Gott halte ich nichts für Gott, denn es gibt sonst keinen, der Himmel und Erde schaffen könnte.“

Für die Gelehrten aber und jene, die in diesen Dingen mehr bewandert sind, kann man alle drei Artikel weitläufig behandeln und in ebenso viele Stücke teilen als es Worte sind. Aber für die jungen Schüler genügt es jetzt, das Nötigste anzuzeigen, nämlich, wie gesagt, dass dieser Artikel die Schöpfung betrifft und dass es auf die Worte ankommt: „Schöpfer des Himmels und der Erde.“

Was bedeutet oder was meinst du nun mit dem Wort: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer usw.“?

Antwort: Das meine und glaube ich, dass ich Gottes Geschöpf bin, d. h., dass er mir Leib, Seele und Leben, die kleinen und großen Gliedmaßen, alle Sinne, Vernunft und Verstand usf. gegeben hat und fortwährend erhält, ebenso Essen und Trinken, Kleidung und Nahrung, Frau und Kind, Haus und Hof usf.

Außerdem lässt er mir alles Geschaffene zur Erhaltung des Lebens und zu meinem Nutzen dienen – Sonne, Mond und Sterne am Himmel, Tag und Nacht, Luft, Feuer, Wasser und die Erde mit allem, was sie hat und hervorbringt – wie Vögel, Fische,
Tiere, Getreide und Pflanzen aller Art, ebenso jene mehr leiblichen und zeitlichen Güter wie eine gute Regierung, Frieden und Sicherheit.

So sollen wir aus diesem Artikel lernen, dass niemand von uns das Leben und alles, was hier aufgezählt worden ist und noch aufgezählt werden kann, von sich selber hat und erhalten kann, wie klein und gering es auch sein mag. Denn alles ist in dem Wort „Schöpfer“ zusammengefasst.

Darüber hinaus bekennen wir auch, dass Gott der Vater uns nicht allein dies alles, was wir haben und vor Augen sehen, gegeben hat; sondern er behütet und beschützt uns auch täglich vor allem Übel und Unglück; er wendet allerlei Gefahren und Unfall ab; und das alles tut er aus lauter Liebe und Güte. Wie ein freundlicher Vater sorgt er für uns, damit uns kein Leid widerfährt. Wir haben das alles nicht verdient.

Aber davon weiter zu reden, das gehört zu den andern zwei Stücken dieses Artikels, die lauten: Ich glaube an den „Vater, den Allmächtigen“

Hieraus ist nun folgender Schluss zu ziehen: Weil uns das alles, was wir besitzen und was im Himmel und auf Erden ist, täglich von Gott gegeben, erhalten und bewahrt wird, so sind wir es wahrlich schuldig, ihn dafür ohne Aufhören zu lieben und zu loben, ihm zu danken und mit all dem zu dienen, was er uns gegeben hat, so wie er es in den Zehn Geboten fordert und befohlen hat.

Hierzu wäre nun viel zu sagen, wenn man es ausführlich behandeln wollte, denn es gibt nur wenige, die diesen Artikel glauben. Denn wir gehen alle darüber hinweg, hören und bekennen es wohl auch, aber sehen und bedenken nicht, was die Worte wirklich meinen.

Denn wenn wir ihnen von Herzen glauben würden, würden wir auch entsprechend handeln und nicht so stolz dahinleben, uns brüsten und so tun, als hätten wir Leben,
Reichtum, Macht und Ehre usw. von uns selber, so als ob man uns fürchten und dienen müsste! So lebt die unselige Welt dahin, die in ihrer Blindheit ertrunken ist und die in Hoffart und Geiz und bloßer Vergnügungssucht alle Güter und Gaben Gottes missbraucht. Sie fragt nicht nach Gott, dankt ihm nicht und erkennt ihn nicht als Herrn und Schöpfer an.

Darum sollte dieser Artikel uns alle demütigen und aufrütteln, sofern wir ihm glauben. Denn wir sündigen täglich mit Augen, Ohren, Händen, Leib und Seele, Geld und Gut und mit allem, was wir haben; ganz besonders aber sündigen jene, die auch noch dem Worte Gottes widersprechen. Die Christen jedoch haben jenen das voraus, dass sie jedenfalls erkennen, dass sie es Gott schuldig sind, um all des Guten willen ihm zu dienen und gehorsam zu sein.

Deswegen sollen wir diesen Artikel täglich üben, einprägen und uns an ihn erinnern lassen bei allem, was uns begegnet und Gutes widerfährt; auch wenn wir Nöten oder Gefahren entkommen sind, sollen wir es Gott zuschreiben, der uns all das Gute gibt und erweist, und wir sollen in alledem sein väterliches Herz und seine überschwängliche Liebe uns gegenüber spüren und wahrnehmen. Dadurch würde unser Herz entzündet werden, dankbar zu sein, und wir würden alle solche Güter zur Ehre und zum Lobe
Gottes gebrauchen.

Dies ist aufs Kürzeste der Sinn dieses Artikels, so wie ihn die Laien lernen sollen. Was wir von Gott haben und empfangen und was wir ihm dafür schuldig sind – um dies beides geht es. Dies zu erkennen, ist eine tiefe vortreffliche Erkenntnis, ja viel mehr noch: Es ist ein großer Schatz. Denn daraus ersehen wir, wie sich der Vater mit allem, was er geschaffen hat, uns gegeben hat und wie er uns auf das Allerreichlichste in diesem Leben versorgt – abgesehen davon, dass er uns außerdem noch mit unaussprechlichen ewigen Gütern durch seinen Sohn und den Heiligen Geist überschüttet, wie wir noch hören werden.

Dr. Martin Luther (Großer Katechismus, 1529): 2. Hauptteil Der Glaube. 1. Artikel: Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge. GK II:9-24

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + 

+ Friede sei mit Euch +

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Der HERR ist der rechte Kriegsmann. (Exodus 15,3)


Luca Giordano – Bergamo, Basilica di Santa Maria Maggiore (1681)

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

Psalm 23. Ein Psalm Davids. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch:

Mein Mund soll fröhlich preisen, mein Herz soll früh und spat dem Herren Ehr beweisen, der uns erschaffen hat; denn billig jederzeit sein Lob und Ruhm bei allen ganz herrlich soll erschallen in aller Christenheit.

Sein Nam an jedem Orte ist heilig und bekannt, mit seinem Geist und Worte erleucht er Stadt und Land, erneuert uns im Geist, und reinigt uns von Sünden, macht uns zu Gottes Kindern, den Weg zum Himmel weist.

Kein Mensch das Leben hätte, könnt auch nicht selig sein, wenns seine Kraft nicht täte, sein ist die Ehr allein. Wer nicht aus seiner Gnad von neuem wird geboren, muß ewig sein verloren, kein Teil am Himmel hat.

Erhalt mich, Herr, im Glauben, daß ich an Deinem Leib, wie am Weinstock die Trauben, fruchtbar und fest verbleib. Mein Herz, Sinn und Gemüt erneure und regiere, mein Zunge selbst auch führe, also zu singen mit:

Ehr sei dem Vater oben im allerhöchsten Thron, Ehr sei mit Dank und Loben seim allerliebsten Sohn, Ehr sei zu aller Zeit dem Heilgen Geist gesungen in allem Volk und Zungen heut und in Ewigkeit.

Georg Weißel 1644 (LKG 317)

Fortlaufende Lese

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!  15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;  16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:  17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;  18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.  19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;  20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.  21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.« 

Apostelgeschichte 2,14-21

Morgenlese

Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb hinaus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. 

Und es kamen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen: »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«? 

Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht. 

Matthäus 21,12-17

Abendlese

 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. 

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

Und der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, dass die Israeliten hineingehen, mitten durch das Meer auf dem Trockenen. Siehe, ich will das Herz der Ägypter verstocken, dass sie hinter ihnen herziehen, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, an seinen Wagen und Reitern. Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin, wenn ich meine Herrlichkeit erweise an dem Pharao und an seinen Wagen und Reitern. 

Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. 

Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der HERR auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärtskamen. Da sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen vor Israel; der HERR streitet für sie wider Ägypten. Aber der HERR sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Reiter. 

Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen. So sah Israel die mächtige Hand, mit der der HERR an den Ägyptern gehandelt hatte. Und das Volk fürchtete den HERRN, und sie glaubten ihm und seinem Knecht Mose. 

Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt. Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name. 

Exodus (2. Mose) 14,10-15,3

Bekenntnislese

Das genau ist auch der Sinn und die richtige Auslegung des 1. und vornehmsten Gebotes, aus dem alle andern Gebote quellen und gehen sollen. Denn dieses Wort „Du sollst nicht andere Götter haben“ will in einfachen Worten nichts anderes gesagt haben als das, was hier gefordert wird: Du sollst mich als den einen, wahren Gott fürchten und lieben und sollst mir vertrauen. Denn wo das Herz des Menschen so zu Gott steht, wird dieses und werden alle andern Gebote erfüllt. Wer dagegen etwas anderes im Himmel und auf Erden fürchtet und liebt, der wird weder das erste noch irgend ein anderes Gebot halten.

So predigt und treibt die ganze Schrift überall dieses Gebot; alles wird auf diese bei den Stücke, Gottes Furcht und Gottvertrauen, gerichtet; insbesondere tut dies auch der Prophet David im Psalter, so wenn er spricht: „Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und auf seine Güte hoffen“ – so als wäre das ganze Gebot mit diesem einen Vers ausgelegt, der Gleiches bedeutet wie: „Der Herr hat Gefallen an denen, die keine andern
Götter haben.“

So soll nun das 1. Gebot leuchten und seinen Glanz in alle andern Gebote geben. Darum musst du auch dieses Stück durch alle Gebote gehen lassen, so wie einen Reifen, um den ein Kranz gebunden ist und der ihn zusammenhält, oder wie den Verschluss einer Kette, der Anfang und Ende zusammenschließt – damit man es immer wiederhole und nicht vergesse. So z. B. im 2. Gebot, dass man Gott fürchten soll und darum seinen Namen nicht zum Fluchen, Lügen, Betrügen und anderen Verführungen und Lastern missbraucht, sondern ihn recht gebraucht zum Anrufen, Beten, Loben und Danken – und zwar aus Liebe und Vertrauen zu Gott, die aus dem 1. Gebot geschöpft sind. Ebenso sollen uns auch Furcht, Liebe und Vertrauen zu Gott dazu bewegen, dass man sein Wort nicht verachtet, sondern lernt, gerne hört, heilig hält und ehrt.

Und so auch weiter durch die folgenden Gebote, die sich auf den Nächsten beziehen, alles aus der Kraft des 1. Gebotes: Dass man Vater und Mutter, Vorgesetzte und Regierende ehre, sich ihnen unterordne und ihnen gehorsam sei, nicht um ihretwillen, sondern um Gottes willen. Denn du darfst weder auf Vater und Mutter sehen noch sie fürchten und ihnen zuliebe etwas tun oder unterlassen; achte aber darauf, was Gott von dir haben will und ganz gewiss von dir fordern wird; unterlässt du es, so hast du einen zornigen Richter oder, im andern Fall, einen gnädigen Vater.

Weiter, dass du deinem Nächsten keinen Schaden und kein Leid zufügst; noch ihm Gewalt
antust oder in irgendeiner Weise zu nahe trittst, es betreffe seinen Leib (5. Gebot), seinen Ehegemahl (6. Gebot), sein Hab und Gut (7. Gebot), seine Ehre (8. Gebot) oder sein Recht (9. und 10. Gebot), so wie es nacheinander geboten ist, auch wenn du die Möglichkeit dazu hättest und einen Grund dazu und dich kein Mensch deswegen strafen würde, sondern dass du einem jeden Gutes tust, hilfst und beistehst, wie und wo du kannst, und dies allein Gott zuliebe und zuGefallen und im Vertrauen, dass er dir alles reichlich wiedervergelten will.

So siehst du nun, wie das 1. Gebot das Hauptgebot und die Quelle ist; es geht durch alle andern Gebote hindurch, und wiederum beziehen sich alle andern auf das 1. Gebot und hängen mit ihm zusammen, sodass Anfang und Ende ganz und gar miteinander verknüpft und zusammengebunden sind.

Es ist nützlich und notwendig, so sage ich, dieses der Jugend immer vor Augen zu halten, dazu zu ermahnen und daran zu erinnern, damit sie nicht allein wie das Vieh mit Schlägen und Zwang erzogen werden, sondern in der Furcht und Erkenntnis Gottes. Denn wo man dieses bedenkt und zu Herzen nimmt, dass die Gebote nicht menschliche Erfindungen sind, sondern Gebote der hohen Majestät Gottes, der mit solchem Ernst über ihnen wacht, der zürnt und jene straft, die sie verachten, und der wiederum so überreichlich denen vergilt, die sie halten – da kann es nicht anders sein, dass man gerne den Willen Gottes tut.

Darum ist es im Alten Testament nicht umsonst geboten, dass man die Zehn Gebote an alle Wände und Ecken schreiben soll, ja sogar an die Kleider, nicht dass man sie allein dort geschrieben stehenlässt und zur Schau trägt, wie es die Juden taten, sondern dass man sie beständig vor Augen und in stetem Gedächtnis hat und wir sie in all unserm Tun und Treiben halten.

Ein jeder lasse die Gebote seine tägliche Übung sein in allem, was wir tun und treiben und handeln, so als stünden sie überall geschrieben, wo immer wir hinsehen und wo immer wir gehen und stehen. Dann würde man daheim in seinem Hause und im Umgang mit den Nachbarn Gelegenheiten genug finden, sich in den Zehn Geboten zu üben; niemand brauchte nach ihnen weit zu laufen.

Hieraus sieht man abermals, wie sehr diese Zehn Gebote hochzuhalten und zu preisen sind, mehr als alle Stände, Gebote und Werke, die man sonst lehrt und fordert. Denn hier können wir ganz zuversichtlich sagen: Lass alle Weisen und Heiligen auftreten, ob sie auch nur ein einziges Werk nennen können, vergleichbar diesen Geboten, die Gott mit solchem Ernst gebietet und unter Androhung seines höchsten Zornes und seiner Strafe befiehlt und denen er so herrliche Zusagen hinzufügt, dass er uns mit allen Gütern und mit allem Segen überschütten will. Darum soll man sie für den höchsten Schatz halten, den Gott gegeben hat, und sie mehr als andere Lehren achten und ehren.

II. Der Glaube

Bisher haben wir das erste Stück der christlichen Lehre behandelt – die Zehn Gebote. In ihnen ist alles enthalten, was Gott von uns getan und gelassen haben will. Darauf folgt nun in guter Ordnung das apostolische Glaubensbekenntnis – der Glaube. In ihm wird uns vor Augen gehalten, was wir von Gott erwarten und empfangen können. Er lehrt uns, kurz gesagt, Gott ganz und gar zu erkennen.

Und diese Erkenntnis soll eben dazu dienen, dass wir in den Stand versetzt werden, das zu tun, was wir nach den Zehn Geboten tun sollen. Denn die Gebote fordern, wie oben gesagt, mehr von uns, als unser geringes und schwaches menschliches Vermögen zu tun imstande ist; denn wir können sie nicht halten. Darum ist es ebenso nötig, dieses Stück zu lernen wie jenes, damit man weiß, woher und wie man die Kraft nehmen soll, die Gebote zu halten.

Denn wenn wir aus eigenen Kräften die Zehn Gebote halten könnten, so wie sie gehalten werden sollen, brauchten wir weder den Glauben noch das Vaterunser.

Aber ehe man den Nutzen und die Notwendigkeit des Glaubens betont, mag es für die Laien zunächst genügen, wenn sie den Glauben als solchen erfassen und verstehen lernen. Bisher hat man das apostolische Glaubensbekenntnis in zwölf Artikel geteilt, obgleich es viel mehr Artikel wären, wenn man alle Stücke, die in der Schrift stehen und zum Glauben gehören, einzeln aufführen würde. Manche von ihnen könnte man auch gar nicht in so wenigen Worten zum Ausdruck bringen.

Aber um es leicht und verständlich zu machen, so wie man es auch die Kinder lehren muss, wollen wir den ganzen christlichen Glauben in drei Hauptartikel zusammenfassen – und zwar nach den drei Personen der Gottheit. Auf sie ist alles bezogen, was wir glauben. So erklärt der erste Artikel, der von Gott dem Vater handelt, die Schöpfung, der zweite Artikel, der von dem Sohn handelt, die Erlösung, der dritte Artikel, der von dem
Heiligen Geist redet, die Heiligung.

So als wäre der Glaube auf das Allerkürzeste in diesen Worten zusammengefasst: „Ich glaube an Gott den Vater, der mich geschaffen hat; ich glaube an Gott den Sohn, der mich erlöst hat; ich glaube an den Heiligen Geist, der mich heilig macht.“ Ein Gott und
Glaube ist es, aber drei Personen sind es, darum sind es auch drei Artikel bzw. ist es ein dreifaches Bekenntnis.

So wollen wir nun die Worte des Glaubens kurz besprechen.

Dr. Martin Luther: Der große Katechismus (1529) I:324-II:8

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN (1. Samuel 2)

Nahender Regen (Timisoara, Rumänien)

Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Horn ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. 3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin. 6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt ins Totenreich und wieder herauf. 7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt. 9 Er wird behüten die Füße seiner Heiligen, aber die Frevler sollen zunichtewerden in Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand. 10 Die mit dem HERRN hadern, müssen zugrunde gehen. Über ihnen wird er donnern im Himmel. Der HERR wird richten der Welt Enden. Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Horn seines Gesalbten.

1. Samuel 2,1-10

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch: Um gut Wetter und durchdringenden Regen, genug Wasser für Menschen und Vieh…

Herr Gott, Du Herrscher aller Welt, gut Wetter Du bescherest, Du machst mit Früchten reich das Feld, dadurch Du uns ernährest; Du gibst uns Obst, Getreid und Wein, dazu Tier, Fisch und Vögelein, erhältst uns Leib und Leben.

Schau, wie jetzt bei der dürren Zeit die Frücht im Feld vergehen, all Kreatur um Regen schreit, die Menschen jammernd stehen. Es lechzt das Vieh, dürr ist das Land. Drum tu auf Deine Gnadenhand; gib Guts, wend allen Schaden.

Send uns herab von’s Himmels Saal ein’ warmen, fruchtbarn Regen, behüt vor Schloß’ und Wetterstrahl, gib zum Gewächs Dein’ Segen, bescher uns unser täglich Brot, gib, was für Leib und Seel ist not, hilf, daß wir selig werden

Martin Behm 1608 (LKG 312)

Fortlaufende Lese

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.  Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.  Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,  und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.  Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.  Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.  Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?  Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?  Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,  Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,  Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.  Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?  Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 

Apostelgeschichte 2,1-13

Morgenlese

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie sich’s gebührt in dem Herrn. Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist wohlgefällig in dem Herrn. Ihr Väter, kränkt eure Kinder nicht, auf dass sie nicht verzagen. Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen Herren; dient nicht allein vor ihren Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn. Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus!

Kolosser 3,16-24

Abendlese

Und es begab sich, als er nahe von Betfage und Betanien an den Berg kam, der Ölberg heißt, da sandte er zwei Jünger und sprach: Geht hin in das Dorf, das gegenüberliegt. Und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt’s her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sagt so: Der Herr bedarf seiner. Und die er gesandt hatte, gingen hin und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte. Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los? Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner. 

Und sie brachten’s zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf. Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19,29-40

Bekenntnislese

So haben wir nun die Zehn Gebote als einzigartige Zusammenfassung der göttlichen Lehre; sie sagen uns, was wir tun sollen, damit unser ganzes Leben Gott gefällt. Sie sind die Quelle und der Brunnen, aus der alles kommen und in den hinein alles fließen muss, was ein gutes Werk genannt werden soll, sodass außerhalb der Zehn Gebote nichts gut ist und Gott gefallen kann, es sei so groß und glänzend vor der Welt, wie es wolle.

Lasst nun sehen, wessen sich unsere großen Heiligen rühmen können! Sie rühmen sich ihrer geistlichen Orden und ihrer großen und schweren Werke, die sie erdacht und erfunden haben, aber die Zehn Gebote haben sie fahren lassen, gerade als wären sie viel zu gering oder schon längst getan. Ich meine jedoch, man hätte hier alle Hände voll zu tun, um zu halten, was sie gebieten: Sanftmut, Geduld, Liebe den Feinden gegenüber, Keuschheit, Wohltätigkeit usf. und was damit zusammenhängt. Aber solche Werke gelten in den Augen der Welt nichts, denn sie sind nicht außergewöhnlich und auffallend. Sie sind nicht an eine besondere Zeit, einen besonderen Ort, eine besondere Weise der
Ausführung gebunden, sondern sind ganz gewöhnliche, alltägliche Verhaltensweisen, mit denen einer dem andern begegnet. Darum haben sie kein Ansehen.

Jene großen Heiligen aber haben die Augen und Ohren der Menschen auf sich gerichtet. Sie tragen selber dazu bei mit ihrem großen Gepränge, dem Aufwand und den herrlichen Bauten. Und sie schmücken sie aus, dass alles glänzt und leuchtet; man räuchert, singt und klingt; man zündet Kerzen und Lichter an, sodass man außer diesem allem nichts anderes mehr hören und sehen kann. Denn dass da ein Priester in einem goldenen Messgewand steht oder ein Laie den ganzen Tag in der Kirche auf den Knien liegt, das nennt man ein christliches Werk, das niemand genug loben kann.

Aber dass da ein armes Mädchen ein kleines Kind pflegt und treu tut, was ihr anbefohlen ist, das gilt nichts. Was sollten sonst auch Mönche und Nonnen in ihren Klöstern suchen?

Sieh aber, ist es nicht eine verfluchte Vermessenheit der heillosen Heiligen, wenn sie vorgeben, in einem höheren Stand zu leben und ein besseres Leben zu führen als es die Zehn Gebote lehren? Und wenn sie, wie gesagt, vorgeben, dass zu unterscheiden sei zwischen dem gewöhnlichen Leben des einfachen Mannes und dem der Heiligen und Vollkommenen? Und sie sehen nicht, diese elenden blinden Leute, dass kein Mensch es so weit bringen kann, auch nur eines von den Zehn Geboten so zu halten, wie es gehalten werden soll; sondern Glaube und Gebet müssen zur Hilfe kommen (wie wir noch hören werden), um zu erbitten und ständig aufs Neue zu empfangen, was zum Halten der Gebote nötig ist. Darum ist ihr Rühmen gerade soviel, als wenn ich mich rühmen und sagen würde: Ich habe nicht einmal einen Groschen, um etwas zu bezahlen, aber zehn Gulden könnte ich wohl bezahlen.

Dies sage und betone ich deswegen so sehr, damit das leidige Missverständnis endlich aufhört, das so tief eingewurzelt ist und an dem jedermann noch hängt, und damit alle sich daran gewöhnen, allein auf die Gebote zu sehen und um ihre Erfüllung bemüht zu sein. Denn man wird niemals eine Lehre aufbringen und zu einer Lebensweise finden, die den Zehn Geboten gleichkommt und ihnen entspricht. Sie gehen weit über alles hinaus, was Menschen je vermögen, sodass niemand aus eigener Kraft sie halten kann; und wer sie halten würde, der wäre ein himmlischer, den Engeln gleicher Mensch und hoch erhaben über alle Heiligkeit der Welt.

Nimm sie dir nur vor und versuche dich an ihnen; setze alle Kraft und alles Vermögen daran, du wirst so viel zu tun bekommen, dass du keine andern Werke und keine andere Heiligkeit suchen und achten wirst.

Dies sei genug an Lehre und Mahnung vom ersten Hauptstück. Doch müssen wir zum Schluss noch einmal den Text wiederholen, den wir oben beim 1. Gebot behandelt haben, damit man lerne, wieviel Gott daran liegt, dass man die Zehn Gebote hält und sich in ihnen übt.

Ich, der Herr dein Gott, bin ein eifernder Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl in tausend Glied.

Obgleich dieser Zusatz, wie oben gesagt, insbesondere dem 1. Gebot beigefügt ist, so ist er doch um aller Gebote willen beigefügt; denn alle Gebote lassen sich auf ihn beziehen und sollen auf ihn bezogen werden. Darum habe ich gesagt, dass man diesen Zusatz auch der Jugend vor Augen halten und einprägen soll, damit sie ihn lernen und behalten und dadurch erkennen, was uns dazu bewegen soll, diese Zehn Gebote zu halten. Und man soll diesen Zusatz nicht anders ansehen, als sei er jedem einzelnen Gebot beigefügt und durchdringe sie alle.

Nun ist, wie schon zuvor ausgeführt, in diesen Worten dies beides zusammengefasst: Ein zorniges Drohwort, um uns zu erschrecken und zu warnen, und eine freundliche Zusage, um uns zu locken und zu bewegen, damit man sein Wort in göttlichem Ernst annimmt und achtet. Denn er selbst drückt darin aus, wie sehr ihm an den Geboten gelegen ist und wie sehr er über ihnen wachen will; denn er will alle grausam und schrecklich strafen, die seine Gebote verachten und übertreten. Und er will andererseits jene reichlich belohnen und denen alles Gute erweisen, die sie achten und gern nach ihnen handeln und leben. Damit fordert er, dass alles aus einem Herzen geschehen soll, das allein Gott fürchtet und vor Augen hat und aus solcher Furcht alles unterlässt, was gegen seinen Willen ist, um ihn nicht zu erzürnen. Und zugleich soll alles aus einem Herzen geschehen, das Gott allein vertraut und aus Liebe zu ihm tut, was er haben will, weil er sich so freundlich als ein Vater zu erkennen gibt und uns alles Gute und alle Gnade anbietet.

Dr. Martin Luther: Der Große Katechismus (1529). Der Beschluß. GK I,311-323

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Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. (Psalm 39)

St. Johannes (Topeka, KS)

Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muss mein Leid in mich fressen. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe; wenn ich seufze, brennt es wie Feuer.

So rede ich mit meiner Zunge: »HERR, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sela. 

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird.« Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Errette mich von aller meiner Sünde und lass mich nicht den Narren zum Spott werden. Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; denn du hast es getan. 

Wende deine Plage von mir; ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift. Wenn du den Menschen züchtigst um der Sünde willen, so verzehrst du seine Schönheit wie Motten ein Kleid. Ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen. Sela. 

Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin. 

Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’ gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Martin Rinckart 1636 (LKG 316)

Fortlaufende Lese

Und in diesen Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach:  16 Ihr Männer, liebe Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen;  17 denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.  18 Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor.  19 Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker.  20 Denn es steht geschrieben im Buch der Psalmen: »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.«  21 So muss nun einer von den Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist –  22 seit seiner Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.  23 Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias,  24 und beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden,  25 dass er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an seinen Ort zu gehen.  26 Und sie warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde hinzugezählt zu den elf Aposteln. 

Apostelgeschichte 1,15-26

Morgenlese

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch[1] ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. 66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Johannes 6,60-69

Abendlese

Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen. 17 Die folgte Paulus und uns überall hin und schrie: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen. 18 Das tat sie viele Tage lang. Paulus war darüber so aufgebracht, dass er sich umwandte und zu dem Geist sprach: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst. Und er fuhr aus zu derselben Stunde. 19 Als aber ihre Herren sahen, dass damit ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Oberen 20 und führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden 21 und verkünden Sitten, die wir weder annehmen noch einhalten dürfen, weil wir Römer sind. 22 Und das Volk wandte sich gegen sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herunterreißen und befahlen, sie mit Stöcken zu schlagen.

23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. 24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. 25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. 

Apostelgeschichte 16,16-25

Bekenntnislese

Denn die menschliche Natur ist so beschaffen, dass niemand dem andern mehr gönnt als man selber hat und jeder bringt soviel wie möglich an sich. Wo der andere bleibt, danach wird nicht gefragt. Und sie wollen dabei noch fromm und rechtschaffen sein; sie können uns aufs Feinste etwas vormachen und den Bösewicht vor uns verbergen. Sie suchen und ersinnen schlaue Kniffe und üble Tricks (wie das heute gang und gäbe ist), und bemühen noch das Recht dazu und wagen es, sich vor uns kühn darauf zu berufen und darauf zu pochen. Und sie wollen das alles nicht Bosheit, sondern Gescheitheit und Klugheit genannt haben. Dabei helfen auch die Juristen und die Anwälte mit, die das Recht verdrehen und dehnen, wie es der Sache am besten dient; sie pressen das Recht und nehmen es zum Vorwand und fragen nicht nach Billigkeit und dem, was dem Nächsten dient. Kurz: Wer in diesen Dingen der Geschickteste und Gescheiteste ist, dem hilft
das Recht am besten. So sprechen sie es auch aus: „Dem Wachsamen hilft das
Recht.“

Darum ist dieses letzte Gebot nicht für die Bösewichter in der Welt gegeben, sondern gerade für die Rechtschaffensten und Frömmsten, die gelobt sein wollen und die als redlich und aufrichtig gelten; die gegen die vorigen Gebote sich nichts zuschulden kommen lassen – so wie es insbesondere die Juden von sich sagten und es auch viele große Leute, Herren und Fürsten tun. Denn die meisten andern Menschen fallen erst einmal unter das 7. Gebot, denn sie fragen nicht viel danach, ob sie das Ihre auf ehrliche und rechtmäßige Weise gewinnen.

Die Übertreung dieses letzten Gebotes geschieht am häufigsten, wenn Streitsachen vor Gericht verhandelt werden, bei denen man sich vornimmt, den Nächsten zu übervorteilen und ihm etwas abzunehmen. So, um ein Beispiel zu nennen, wenn man um eine große Erbschaft, um Land und anderes streitet und verhandelt. Da führt man alles an und nimmt zu Hilfe, was den Anschein des Rechts hat. Man bauscht es auf und stellt es so dar, dass man schließlich recht bekommt und sein Gut behält und das Urteil dazu, dass niemand einen Anspruch darauf habe und Grund, deswegen zu klagen.

Oder, wenn jemand gern ein Schloss, eine Stadt, eine Grafschaft oder sonst etwas Großes hätte, dann wird soviel bestochen – durch Freunde und auf alle mögliche Weise, dass es einem andern schließlich abgesprochen und ihm zugesprochen wird; dazu wird noch mit Brief und Siegel bestätigt, dass er es rechtmäßig und auf Grund eines fürstlichen Rechtstitels erhalten habe. Ebenso geht es auch allgemein im Geschäftsleben zu. Mit List luchst einer dem andern etwas ab, sodass der andere das Nachsehen hat. Oder einer lässt dem andern keine Ruhe und bedrängt ihn, wenn er seinen Vorteil und Nutzen darin erkennt, dass der andere vielleicht aus Not oder Verschulden das Seine nicht behalten und nur mit Verlust verkaufen kann. Und so bekommt er es fast geschenkt, und es gilt doch nicht als mit Unrecht genommen oder entwendet, sondern als redlich gekauft. Da heißt es dann: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ und „Ein jeder sehe auf seinen Vorteil“; der andere muss zusehen, wo er bleibt.

Und wer wollte so klug sein, um alle Möglichkeiten aufzuzählen, wie man unter solchem schönen Schein Dinge an sich bringen kann, ohne dass es die Welt als Unrecht ansieht und ohne dass sie es sehen will, dass damit der Nächste benachteiligt wird, der abgeben muss, was er eigentlich nicht entbehren kann. Und niemand will dann zugeben, dass er so am Nächsten hat handeln wollen. Daran kann man sehr wohl sehen, dass alles falscher Vorwand und Schein ist.

So ist man auch früher mit den Frauen umgegangen. Da gebrauchten sie solche Kunstgriffe, dass, wenn einem die Frau eines andern gefiel, er es selber oder mit Hilfe anderer zuwege brachte (mancherlei Wege und Mittel lassen sich da denken), dass ihr Mann auf sie ärgerlich wurde oder sie sich ihm widersetzte und derart verhielt, dass er sich von ihr scheiden und jenem überlassen musste. Das ist in der Zeit des mosaischen Gesetzes zweifellos häufig vorgekommen. Man liest davon auch im Evangelium vom König Herodes, dass er die Frau seines eigenen Bruders noch zu dessen Lebzeiten freite. Und er wollte doch ein ehrbarer, frommer Mann sein. St. Markus stellt ihm dieses Zeugnis aus. Aber ein solches Beispiel, hoffe ich, soll bei uns keine Nachahmung finden, weil im Neuen Testament den Verehelichten verboten ist, sich voneinander zu trennen. Allenfalls könnte das bei uns vorkommen, dass einer dem andern dessen reiche Braut mit List wegnimmt. Das andere aber ist bei uns nicht selten, dass einer die Angestellten des
andern weglockt oder sonst mit schönen Worten abwirbt.

Es mag nun dies alles zugehen, wie es wolle; wir jedoch sollen wissen, dass Gott es nicht haben will, dass du den Nächsten um etwas bringst, was ihm gehört und was er dann entbehren muss, nur damit du deine Habgier stillst. Auch wenn du es vor der Welt unangefochten behalten darfst – Gott will es nicht. Es ist hinterhältige, heimtückische Bosheit und heimliches Ränkespiel, so zu handeln; denn niemand soll es ja merken. Auch wenn du deiner Wege gehst, als habest du niemand Unrecht getan – du bist doch deinem Nächsten zu nahe getreten. Und wenn man dieses auch nicht stehlen und betrügen nennt, so hast du doch des Nächsten Gut begehrt, und das heißt, du hast danach getrachtet und hast es gegen seinen Willen ihm abspenstig gemacht und hast ihm nicht gönnen wollen, was Gott ihm gegeben hat.

Und wenn dirs auch der Richter und jedermann lassen muss, so wird dirs Gott doch nicht lassen; denn er sieht das böse Herz und die Tücke der Welt sehr wohl; wenn man der einen Finger breit einräumt, nimmt sie gleich eine ganze Elle dazu, sodass bald auch offenbares Unrecht und offene Gewalt folgen. So lassen wir diese Gebote in ihrer allgemeinen Bedeutung stehen bleiben. Sie gebieten vor allem, dass man dem Nächsten keinen Schaden wünscht, auch nichts tut und keinen Anlass gibt, dass er Schaden erleidet. Sondern man soll ihm gönnen und lassen, was er hat, außerdem das fördern und erhalten, was ihm von Nutzen und Vorteil ist – ebenso wie wir auch wollten, dass man mit uns umgeht.

So richtet sich dieses Gebot besonders gegen die Missgunst und den leidigen Geiz; denn Gott will die Ursache und Wurzel aus dem Wege räumen, aus der alles entspringt, was dem Nächsten schadet. Darum fasst er es auch ausdrücklich in diese Worte: „Du sollst nicht begehren.“ Denn er will vor allem das Herz rein haben, auch wenn wir, solange wir hier leben, es soweit nicht bringen können. So bleibt dies auch ein Gebot wie alle andern; es beschuldigt uns ohne Unterlass und zeigt uns, wie rechtschaffen wir vor Gott sind.

Dr. Martin Luther: Großer Katechismus I,297-310

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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Ich danke dir, HERR! (Jesaja 12)

St. Johannes Lutherische Kirche (Topeka, KS)

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR! Du bist zornig gewesen über mich. Möge dein Zorn sich abkehren, dass du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, die du wohnst auf Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir! 

Jesaja 12

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett’ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein’ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold; sein Güt ist hoch erhaben ob den’, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.

Wie sich ein Mann erbarmet ob seiner jungen Kindlein klein, so tut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein. Er kennt das arm Gemächte und weiß, wir sind nur Staub, ein bald verwelkt Geschlechte ein Blum und fallend Laub: Der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da, also der Mensch vergehet, sein End, das ist ihm nah.

Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner lieben G’meine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heiligs Wort! Mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort.

Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist! Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheilst, dass wir ihm test vertrauen, uns gründen ganz auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden’s erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.

Johann Gramann um 1540 (Strophe 5. Königsberg 1559) LKG 315

Fortlaufende Lese

Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte  2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.  3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.  4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;  5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.  6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?  7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;  8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.  9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.  10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.  11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.  12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt.  13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.  14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. 

Apostelgeschichte 1,1-14

Morgenlese

Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Epheser 5,8-14

Abendlese

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, daß Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

1. Timotheus 3,16

Großer Katechismus

Weiter lehrt Christus (Matth. 18,16): „Will er dich aber nicht hören, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jegliche Sache stehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund“, damit man ja mit dem Betreffenden selber handelt, um den es geht, und man nicht ohne sein Wissen hinter seinem Rücken redet.

Will aber dieses nichts helfen, so bringe es dann öffentlich vor die Gemeinde, vor die weltliche oder die geistliche Gerichtsbarkeit. Denn hier stehst du nicht allein da, sondern hast jene Zeugen bei dir, durch die du den Schuldigen überführen kannst, worauf der Richter dann ein Urteil gründen und die Strafe verhängen kann. So kann es auf ordentliche und rechte Weise dazu kommen, dass man den Bösen wehrt oder sie bessert.

Wenn man jedoch einen andern bis in alle Winkel ins Gerede bringt und im Schmutze
wühlt, wird niemand gebessert; und hinterher, wenn man Rede stehen und als Zeuge auftreten soll, dann will mans nicht gesagt haben. Darum würde es solchen Mäulern recht geschehen, wenn man ihnen die Lust daran gründlich verleidete, sodass sich andere dadurch warnen ließen. Wenn du es wirklich aus Liebe zur Wahrheit tust oder um deinen Nächsten zu bessern, dann würdest du nicht heimlich herumschleichen und den Tag und das Licht scheuen.

Das alles bezieht sich nun auf die verborgenen Sünden. Wo aber die Sünde in der Öffentlichkeit bekannt ist, sodass die Richter und jedermann davon wissen, kannst du den Betreffenden, ohne zu sündigen, meiden und fahren lassen als einen, der sich selbst in Schande gebracht hat, und kannst auch öffentlich über ihn reden. Denn wenn etwas offenbar zutage liegt, kann es keine böse Nachrede und kein falsches Richten und falsches Zeugnis geben. So, wenn wir jetzt z. B. den Papst mit seiner Lehre verurteilen, die in öffentlichen Büchern zutage liegt und in alle Welt hinausposaunt ist. Denn wo die Sünde in der Offentlichkeit bekannt ist, soll auch die Verurteilung und Strafe billigerweise öffentlich erfolgen, damit ein jeder sich davor hüten moge.

Dies ist also der Hauptsinn und die weitergefasste Bedeutung dieses Gebotes, dass niemand mit der Zunge seinem Nächsten, ob Freund oder Feind, schaden und Böses von ihm reden soll, gleich ob es wahr oder erlogen ist – es sei denn, er habe einen Auftrag dazu oder es geschieht zur Besserung des Nächsten. Sondern jeder soll seine Zunge dazu gebrauchen und dienen lassen, um von jedermann das Beste zu reden, die Sünde und die Schwachheiten der andern zuzudecken, zu entschuldigen, und mit der eigenen Ehre für den andern eintreten.

Der Grund für solches Verhalten soll vor allem der sein, den Christus im Evangelium (Matth. 7,12) nennt und mit dem er alle Gebote, sofern sie den Nächsten betreffen, zusammenfasst: „Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“

Das lehrt uns auch die Natur an unserm eigenen Leibe, wie St. Paulus in 1. Korinther 12,22-23 sagt: „Die Glieder des Leibes, die uns dünken die schwächsten zu sein, sind die nötigsten; und die uns dünken am wenigsten ehrbar zu sein, die umkleiden wir mit besonderer Ehre, und die uns übel anstehen, die schmückt man am meisten.“ Gesicht, Augen, Nase und Mund deckt niemand zu; denn sie haben es nicht nötig, weil sie die ehrbarsten Teile des Körpers sind. Aber die allergebrechlichsten, deren wir uns schämen, deckt man fleißig zu; da müssen die Hände, die Augen und der ganze Leib noch nachhelfen, sie zu bedecken und zu verhüllen.

So sollen auch wir alle miteinander das, was an unserm Nächsten fehlerhaft und unvollkommen ist, verhüllen, und soviel in unserm Vermögen steht, seine Ehre und sein Ansehen zu erhalten und zu fördern suchen. Und wir sollen allem entgegentreten, was seinem Ruf zum Schaden gereichen mag.

Und dies ist eine besonders gute und edle Tugend, wer alles, was er über den Nächsten Schlechtes reden hört (wenn es nicht allgemein bekannt ist), zu seinem Besten auslegt und deutet und ihm zugute hält – jenen giftigen Mäulern gegenüber, die eifrig darauf bedacht sind, den Nächsten zu tadeln und ihm alles zum Schlechten auszulegen und zu verdrehen, wo sie an ihm etwas finden und entdecken können. Das geschieht jetzt besonders häufig im Blick auf das liebe Gotteswort und seine Prediger.

Darum ist in diesem Gebot auch über die Maßen viel enthalten, was wir Gutes tun sollen, woran Gott sein größtes Wohlgefallen hat und was reichlichen Segen und Gutes mit sich bringt. Möchten die falschen Heiligen und die blinde Welt das nur erkennen!

Denn es gibt nichts am ganzen Menschen und in ihm, das mehr Gutes schaffen und zugleich Schaden wirken kann als die Zunge, sowohl in geistlichen als auch in weltlichen Dingen, obgleich doch die Zunge das kleinste und schwächste Glied ist.

Das 9. und 10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.

Diese zwei Gebote sind, genau genommen, nur den Juden gegeben, obgleich sie auch uns zum Teil betreffen. Denn die Juden beziehen sie nicht auf die Unkeuschheit oder den Diebstahl, weil beides schon oben (im 5. und 7, Gebot) zur Genüge verboten ist. Sie waren außerdem auch der Ansicht, sie hätten jene Gebote alle gehalten, wenn sie äußerlich nach ihnen gelebt hätten.

Darum hat Gott diese beiden Gebote hinzugefügt, damit man es auch für Sünde halte und für etwas Verbotenes, wenn man des Nächsten Frau oder Gut begehrt und auf irgendeine Weise nach ihnen trachtet. Vor allem deswegen sind sie hinzugefügt, weil bei den Juden Knechte und Mägde nicht, wie es jetzt der Fall ist, frei waren, um Lohn zu dienen, solange sie wollten, sondern sie waren Eigentum ihrer Herren mit Leib und Leben und allem, was sie hatten, so wie das Vieh und anderes Gut.

Außerdem hatte auch ein jeder über seine Frau die Verfügungsgewalt; er konnte sie durch einen Scheidungsbrief öffentlich entlassen und eine andere nehmen. Da mussten sie nun untereinander darauf gefasst sein, dass, wenn jemand eines andem Frau gern gehabt hätte, er irgendeinen Grund hersuchte, um sich von seiner Frau zu trennen und um die andere von ihrem Mann zu entfremden, um sie dann selber mit gutem Recht an sich zu bringen. Das war nun bei ihnen keine Sünde und Schande, ebensowenig als wenn jetzt ein Dienstherr seine Angestellten entlässt oder einer sie dem andern abspenstig macht.

Darum haben sie nun, sage ich, diese Gebote so gedeutet, wie es ja auch richtig ist (obgleich ihr Sinn noch weiter und umfassender ist), dass niemand darauf bedacht sein und sich vornehmen soll, das, was dem andem gehört, an sich zu bringen (wie Frau und Dienstboten, Haus und Hof, Acker, Wiesen oder Vieh), auch nicht, wenn es mit gutem Schein oder unter einem1 Vorwand geschieht; denn es geschieht doch immer zum Schaden des Nächsten.

Denn oben im 7. Gebot ist das Unrecht verboten, dass man fremdes Gut an sich reißt oder dem Nächsten vorenthält, wozu man kein Recht hat. Hier aber wird dem gewehrt, dass man dem Nächsten etwas ablockt, auch wenn man vor der Welt nichts Ehrenrühriges dabei tut, sodass niemand dich zu beschuldigen und zu tadeln wagt, als habest du es unrechtmäßig gewonnen

Dr. Martin Luther: Der Große Katechismus (1529)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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