Mein Herz dichtet ein feines Lied, einem Könige will ich es singen (Psalm 45)

Hubert van Eyck

Mein Herz dichtet ein feines Lied, einem König will ich es singen; meine Zunge ist ein Griffel eines guten Schreibers: Du bist der Schönste unter den Menschenkindern,  holdselig sind deine Lippen; darum hat dich Gott gesegnet ewiglich. Gürte dein Schwert an die Seite, du Held, und schmücke dich herrlich! Es soll dir gelingen in deiner Herrlichkeit. Zieh einher für die Wahrheit in Sanftmut und Gerechtigkeit, so wird deine rechte Hand Wunder vollbringen. Scharf sind deine Pfeile, dass Völker vor dir fallen; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs. 

Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter. Du liebst Gerechtigkeit und hassest Frevel; darum hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten. Von Myrrhe, Aloe und Kassia duften deine Kleider; aus Elfenbeinpalästen erfreut dich Saitenspiel. In deinem Schmuck gehen Töchter von Königen; die Braut steht zu deiner Rechten in Goldschmuck aus Ofir. 

Höre, Tochter, sieh und neige dein Ohr: Vergiss dein Volk und dein Vaterhaus! Den König verlangt nach deiner Schönheit; denn er ist dein Herr, und du sollst ihm huldigen. Die Tochter Tyrus kommt mit Geschenken; die Reichen im Volk suchen deine Gunst. Des Königs Tochter ist herrlich geschmückt; mit goldenen Gewändern ist sie bekleidet. Man führt sie in gestickten Kleidern zum König; Jungfrauen folgen ihr, ihre Gespielinnen führt man zu dir. Man führt sie hin mit Freude und Jubel; sie ziehen ein in des Königs Palast. 

An deiner Väter statt werden deine Söhne sein; die wirst du zu Fürsten setzen in aller Welt. Ich will deinen Namen kundmachen von Kind zu Kindeskind; darum werden dir danken die Völker immer und ewig. 

Psalm 45. Eine Unterweisung der Korachiter, vorzusingen, nach der Weise »Lilien«, ein Brautlied. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10,16

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

124 – Nun bitten wir den Heiligen Geist

Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis.

Du wertes Licht, gib uns Deinen Schein, lehr uns Jesus Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis.

Du süße Lieb, schenk uns Deine Gunst, laß uns empfinden der Lieb Inbrunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis.

Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis.

Dr. Martin Luther 1524 (LKG 183)

Fortlaufende Lese

Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Kohorte, die die Italische genannt wurde.  2 Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott.  3 Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius!  4 Er aber sah ihn an, erschrak und fragte: Herr, was ist? Der sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind gekommen vor Gott, dass er ihrer gedenkt.  5 Und nun sende Männer nach Joppe und lass holen Simon mit dem Beinamen Petrus.  6 Der ist zu Gast bei einem Gerber Simon, dessen Haus am Meer liegt.  7 Und als der Engel, der mit ihm redete, hinweggegangen war, rief Kornelius zwei seiner Knechte und einen frommen Soldaten von denen, die ihm dienten,  8 und erzählte ihnen alles und sandte sie nach Joppe.  9 Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde.  10 Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn,  11 und er sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß herabkommen wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde.  12 Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels.  13 Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!  14 Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen.  15 Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein.  16 Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Gefäß wieder hinaufgenommen gen Himmel.  17 Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen schon an der Tür,  18 riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre.  19 Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich;  20 so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.  21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin’s, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier?  22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast.  23 Da rief er sie herein und beherbergte sie. Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 

Apostelgeschichte 10,1-23

Morgenlese

Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt niemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen 38 und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen; denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. 39 Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; 40 aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. 41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen an; 42 aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. 43 Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. 44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? 45 Meint nicht, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; der euch verklagt, ist Mose, auf den ihr hofft. 46 Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. 47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? 

Johannes 5,37-47

Abendlese

Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. 27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer[1] und Mächtiger am Hof der Kandake[2], der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. 28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! 30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? 31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. 33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.« 34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? 35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Schriftwort an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.

Apostelgeschichte 8,26-35

Bekenntnislese

Negativa

Gegenlehre, so verworfen

Demnach verwerfen wir und halten es vor unrecht und schädlich, wann gelehret wird, daß das Evangelium eigentlich eine Buß- oder eine Strafpredigt, und nicht allein eine Gnadenpredigt sei, dadurch das Evangelium wieder zu einer Gesetzlehre gemacht, der Verdienst Christi und heilige Schrift verdunkelt, die Christen des rechten Trosts beraubet und dem Pabstthum die Thür wiederum aufgethan wird.

VI. Vom dritten Brauch des Gesetzes

Status Controversiae

Die Hauptfrage von diesem Streit

Nachdem das Gesetz den Menschen um dreierlei Ursach willen gegeben, erstlich, daß dadurch äußerliche Zucht wider die wilden Ungehorsamen erhalten, zum andern, daß die Menschen dadurch zur Erkenntnis ihrer Sünden geführet, zum dritten, nachdem sie wiedergeboren, und gleichwol das Fleisch ihnen anhanget, daß sie um desselben willen eine gewisse Regel hätten, nach welcher sie ihr ganzes Leben anstellen und regieren sollen: hat sich ein Zwiespalt zwischen etzlichen wenigen Theologen über den dritten Brauch des Gesetzes zugetragen, ob nämlich auch bei den wiedergebornen Christen solches zu treiben sei oder nicht? Der eine Theil hat ja, der andere nein gesagt.

Affirmativa

Die rechte christliche Lehre von diesem Streit

1. Wir gläuben, lehren und bekennen, obwol die rechtgläubige und wahrhaftig zu Gott bekehrte Menschen vom Fluch und Zwang des Gesetzes durch Christum gefreiet und ledig gemacht, daß sie doch der Ursach nicht ohne Gesetz sein, sondern darum von dem Sohn Gottes erlöset werden, daß sie sich in demselben Tag und Nacht über sollen Psalm 119. Wie dann unser erste Aeltern auch vor dem Fall nicht ohne Gesetz gelebet, welchen das Gesetz Gottes auch in das Herz geschrieben, da sie zum Ebenbild Gottes erschaffen worden.

2. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß die Predig des Gesetzes nicht allei nbei den Ungläubigen und Unbußfertigen, sondern auch bei den Rechtgläubigen, wahrhaftig Bekehrten, Wiedergebornen und durch den Glauben Gerechtfertigten mit Fleiß zu treiben sei.

3. Dann ob sie wol wiedergeboren und in dem Geist ihres Gemüths verneuert, so ist doch solche Wiedergeburt und Erneuerung in dieser Welt nicht vollkommen, sondern nur angefangen, und stehen die Gläubigen mit dem Geist ihres Gemüths in einem stetigen Kampf wider das Fleisch, das ist wider die verderbte Natur und Art, so uns bis in Tod anhanget. Um welches alten Adams willen, so im Verstande, Willen und allen Kräften des Menschen noch stecket, damit sie nicht aus menschlicher Andacht eigenwillige und erwählte Gottesdienste vornehmen, ist vonnöthen, daß ihnen das Gesetz des Herrn immer vorleuchte, desgleichen, daß auch der alte Adam nicht sein eigen Willen gebrauche, sondern wider sein Willen nicht allein durch Vermahnung und Dräuung des Gesetzes, sondern auch mit den Strafen und Plagen gezwungen, daß er dem Geist folge und sich gefangen gebe.

4. Was dann den Unterscheid der Werken des Gesetzes und der Früchte des Geistes belanget, gläuben, lehren und bekennen wir, daß die Werk, so nach dem Gesetz geschehen, so lange Werk des Gesetzes sein und genennet werden, so lange sie allein durch Treiben der Strafen und Dräuung Gottes Zorns aus den Menschen erzwungen werden.

5. Früchte aber des Geistes seind die Werk, welche der Geist Gottes, so in den Gläubigen wohnet, wirket durch die Wiedergebornen, und von den Gläubigen geschehen, so viel sie wiedergeboren sind, als wann sie von keinem Gebot, Dräuen oder Belohnung wüßten; dergestalt dann die Kinder Gottes im Gesetz leben und nach dem Gesetz Gottes wandeln, welches S. Paulus in sein Episteln das Gesetz Christi und das Gesetz des Gemüths nennet.

6. Also ist und bleibt das Gesetz beides bei den Bußfertigen und Unbußfertigen, bei wiedergeborenen und nicht wiedergeborenen Menschen ein einziges Gesetz, nämlich der unwandelbare Wille Gottes, und ist der Unterscheid, so viel den Gehorsam belanget, allein an den Menschen, da einer, so noch nicht wiedergeboren, dem Gesetz aus Zwang und unwillig (wie auch die Wiedergeborenen nach dem Fleisch) thut, was von ihm erfordert; der Gläubige aber, ohne Zwang mit willigem Geist, so viel er neu geborn, thut, das keine Dräuung des Gesetzes aus ihm nimmermehr erzwingen können.

Negativa

Falsche Gegenlehre

Demnach verwerfen wir als ein schädliche, christlicher Zucht und wahrhaftiger Gottseligkeit widerwärtige Lehre und Irrthum, wann gelehret wird, daß das Gesetz abgemeldter Weise und Maß nicht bei den Christen und Rechtgläubigen, sondern allein bei den Ungläubigen, Unchristen und Unbußfertigen getrieben werden soll.

VII. Vom heiligen Abendmahl Christi

Wiewol die Zwinglische Lehre nicht unter die Augsburgische Confessionsverwandte Theologen zu rechnen, als von denen sie sich gleich damals, als solche Confession übergeben werden, abgesondert jedoch, weil sie sich mit einbringen und ihren Irrthum unter derselben christlichen Confession Namen auszubringen unterstehen, haben wir von dieser Zwiespalt auch nothdürftigen Bericht thun wollen.

Status Controversiae

Der Hauptstreit zwischen unser und der Sacramentirer Lehre in diesem Artikel:

Ob in dem heiligen Abendmahl der wahrhaftige Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi wahrhaftig und wesentlich gegenwärtig sei, mit Brot und Wein ausgetheilet und mit dem Munde empfangen werde von allen denen, so sich dieses Sacraments gebrauchen, sie sein würdig oder unwürdig, fromm oder unfromm, gläubig oder ungläubig, den Gläubigen zum Trost und Leben, den Ungläubigen zum Gericht? Die Sacramentierer sagen nein, wir sagen ja.

In Erklärung dieses Streits ist anfänglich zu merken, daß zweierlei Sacramentirer seien. Etzliche sein grobe Sacramentirer, welche mit deutschen klaren Worten vorgeben, wie sie im Herzen halten, daß im heiligen Abendmahl mehr nicht denn Brot und Wein gegenwärtig sei, ausgetheilet und mit dem Munde empfangen werde. Etzliche aber seind verschlagen und die allerschädlichste Sacramentirer, die zum Theil mit unsern Worten ganz scheinbar reden und vorgeben, sie gläuben auch eine wahrhaftige Gegenwärtigkeit des wahrhaftigen, wesentlichen, lebendigen Leibs und Bluts Christi im heiligen Abendmahl, doch solches geschehe geistlich, durch den Glauben. Welche doch unter diesem scheinbaren Worten eben die erste grobe Meinung behalten, daß nämlich nichts denn Brot und Wein im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei und mit dem Munde empfangen werde. Dann geistlich heißet ihnen anders nichts, denn der Geist Christi oder die Kraft des abwesenden Leibes Christi und sein Verdienst, welcher gegenwärtig sei; der Leib Christi aber sei auf keinerlei Weise und Wege gegenwärtig, sondern allein daroben im öbersten Himmel, zu dem wir mit den Gedanken unsers Glaubens im Himmel auf erheben und daselbstten, aber gar nicht bei Brod und Wein des Abendmahls, solchen Leib und Blut suchen sollen.

FC Epitome 5,11-7,5 (Gesetz und Evangelium; Vom 3. Brauch des Gesetzes; Vom heiligen Abendmahl Christi)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Wer ist es, der den HERRN fürchtet?

Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. Der wird im Guten wohnen, und seine Kinder werden das Land besitzen. Am Rat des HERRN haben teil, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen. Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 

Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! Sieh, wie meiner Feinde so viel sind und zu Unrecht mich hassen. 

Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich! Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten; denn ich harre auf dich. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not! 

Psalm 25,12-11. Von David. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10,16

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Die Seel bleibt unverloren, geführt in Abrams Schoß, der Leib wird neu geboren, von allen Sünden los, ganz heilig, rein und zart, ein Kind und Erb des Herren; daran muß uns nicht irren des Teufels listig Art.

Darum, ob ich schon dulde hier Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freuden voll, die ohne einig Ende, dieweil ich Christus kenne, mir widerfahren soll.

Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle erworben und Genad. Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis!

Ludwig Helmbold 1571 (LKG 334,7-9)

Fortlaufende Lese

Es geschah aber, als Petrus überall im Land umherzog, dass er auch zu den Heiligen kam, die in Lydda wohnten.  33 Dort fand er einen Mann mit Namen Äneas, der hatte acht Jahre auf dem Bett gelegen, er war gelähmt.  34 Und Petrus sprach zu ihm: Äneas, Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mach dir selber das Bett. Und sogleich stand er auf.  35 Da sahen ihn alle, die in Lydda und in Scharon wohnten, und bekehrten sich zu dem Herrn. 

36 In Joppe war eine Jüngerin mit Namen Tabita, das heißt übersetzt: Gazelle. Die tat viele gute Werke und gab reichlich Almosen.  37 Es begab sich aber zu der Zeit, dass sie krank wurde und starb. Da wuschen sie sie und legten sie in das Obergemach.  38 Weil aber Lydda nahe bei Joppe ist, sandten die Jünger, als sie hörten, dass Petrus dort war, zwei Männer zu ihm und baten ihn: Säume nicht, zu uns zu kommen!  39 Petrus aber stand auf und ging mit ihnen. Und als er hingekommen war, führten sie ihn hinauf in das Obergemach und es traten alle Witwen zu ihm, weinten und zeigten ihm die Röcke und Kleider, die Tabita gemacht hatte, als sie noch bei ihnen war.  40 Und als Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabita, steh auf! Und sie schlug ihre Augen auf; und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf.  41 Er aber gab ihr die Hand und ließ sie aufstehen und rief die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebendig vor sie.  42 Und das wurde in ganz Joppe bekannt und viele kamen zum Glauben an den Herrn.  43 Und es geschah, dass Petrus einige Zeit in Joppe blieb bei einem Simon, der ein Gerber war. 

Apostelgeschichte 9,32-43

Morgenlese

Ach, HERR, du weißt es! Gedenke an mich und nimm dich meiner an und räche mich an meinen Verfolgern! Raffe mich nicht hinweg, indem du deinen Zorn über sie zurückhältst; erkenne, dass ich um deinetwillen geschmäht werde. 

Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth. Ich saß nicht im Kreis der Fröhlichen und freute mich, sondern saß einsam, gebeugt von deiner Hand; denn du hast mich erfüllt mit Grimm. 

Warum währt doch mein Leiden so lange und ist meine Wunde so schlimm, dass sie nicht heilen will? Du bist mir geworden wie ein trügerischer Born, der nicht verlässlich Wasser gibt. 

Darum, so spricht der HERR: Wenn du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten, und du sollst mein Prediger bleiben. Und wenn du recht redest und nicht leichtfertig, so sollst du mein Mund sein. Sie sollen sich zu dir kehren, doch du kehre dich nicht zu ihnen! 

Denn ich mache dich für dies Volk zur festen, ehernen Mauer. Wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben; denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der HERR, und ich will dich erretten aus der Hand der Bösen und erlösen aus der Hand der Tyrannen. 

Jeremia 15,15-21

Abendlese

Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden. Und als er so mit mir redete, kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte dem zu, der mit mir redete.

Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den abtrünnigen Israeliten und zu den Völkern, die von mir abtrünnig geworden sind. Sie und ihre Väter haben sich bis auf diesen heutigen Tag gegen mich aufgelehnt. Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: »So spricht Gott der HERR!« Sie gehorchen oder lassen es – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist. 

Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht nicht entsetzen – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs.

Hesekiel 2,1-7

Bekenntnislese

Negativa Falsche Gegenlehre

Demnach verwerfen und verdammen wir diese Weise zu reden, wann gelehret und geschrieben wird, daß gute Werk nöthig sein zur Seligkeit. Item, daß niemand jemals ohne gute Werk sei selig worden. Item, daß es unmüglich sei ohne gute Werk selig zu werden.

2. Wir verwerfen und verdammen diese bloße Rede als ärgerlich und christlicher Zucht nachtheilig, wann geredet wird: Gute Werk sind schädlich zur Seligkeit.

Dann besonders zu dieser letzten Zeiten nicht weniger vonnöthen, die Leute zu christlicher Zucht und guten Werken zu vermahnen und zu erinnern, wie nöthig es sei, daß sie zu Anzeigung ihres Glaubens und Dankbarkeit bei Gott sich in guten Werken üben: als daß die Werk in den Artikel der Rechtfertigung nicht eingemenget werden, weil durch ein epikurischen Wahn vom Glauben die Menschen so wol, als durch das papistisch und pharisäisch Vertrauen auf eigene Werk und Verdienst verdammet werden können.

3. Wir verwerfen und verdammen auch, wann gelehret wird, daß der Glaube und Einwohnung des heiligen Geistes nicht durch muthwillige Sünde verloren werden, sondern daß die Heiligen und Auserwählten den heiligen Geist behalten, wann sie gleich in Ehebruch und andere Sünde fallen und darinnen verharren.

V. Vom Gesetz und Evangelio

Status Controversiae

Die Hauptfrage in dieser Zwiespalt:

Ob die Predigt des heiligen Evangelii eigentlich sei nicht allein ein Gnadenpredigt, die Vergebung der Sünden verkündiget, sondern auch eine Buß- und Strafpredigt, welche den Unglauben strafet, der im Gesetz nicht gestrafet, sondern allein durch das Evangelium gestrafet werde.

Affirmative

Reine Lehre Gottes Worts.

1. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß der Unterscheid des Gesetzes und Evangelii als ein besonder herrlich Licht mit großem Fleiß in der Kirchen zu erhalten, dadurch das Wort Gottes nach der Vermahnung S. Pauli recht getheilet wird.

2. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß das Gesetz eigentlich sei eine göttliche Lehre, welche lehret, was recht und Gott gefällig, und strafet alles, was Sünde und Gottes Willen zuwider ist.

3. Darum dann alles, was Sünde strafet, ist und gehöret zur Predigt des Gesetzes.

4. Das Evangelium aber sei eigentlich eine solche Lehre, die da lehret, was der Mensch gläuben soll, der das Gesetz nicht gehalten und durch dasselbige verdammt, nämlich daß Christus alle Sünde gebüßet und bezahlet, und ihme ohn allen seinen Verdienst erlanget und erworben habe Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben.

5. Nachdem aber das Wort (Evangelium) nicht in einerlei Verstand in heiliger Schrift gebraucht, daher dann diese Zwiespalt ursprünglich entstanden, so gläuben, lehren und bekennen wir, wann durch das Wort (Evangelium) verstanden wird die ganze Lehre Christi, die er in seinem Lehramt, wie auch seine Aposteln geführet, (in welchem Verstande es dann Marci 1. Actor. 20 gebraucht) daß recht geredet und geschrieben, das Evangelium sei eine Predigt von der Buße und der Vergebung der Sünden.

6. Wann aber das Gesetz und Evangelium, wie auch Moses selbst ein Gesetzlehrer, und Christus als ein Prediger des Evangeliums gegen einander gehalten: gläuben, lehren und bekennen wir, daß das Evangelium nicht eine Buß- oder Strafpredigt, sondern eigentlich anders nichts, dann eine Trostpredigt und fröhliche Botschaft sei, die nicht strafet noch schrecket, sondern wider das Schrecken des Gesetzes die Gewißen tröstet, allein auf den Verdienst Christi weiset, und mit der lieblichen Predigt von der Gnade und Hulde gottes, durch Christus Verdienst erlanget, wieder aufrichtet.

7. Was dann die Offenbarung der Sünden belanget, weil die Decke Mosis allen Menschen vor den Augen hänget, so lange sie die bloße Predigt des Gesetzes und nichts von Christo hören, und also ihre sünde aus dem Gesetz nicht recht lernen erkennen, sondern entweder vermeßene Heuchler werden wie die Pharisäer, oder verzweifeln wie Judas: so nimmt Christus das Gesetz in seine Hände, und leget dasselbige geistlich aus. Matth. 5. Röm. 7. Und also wird Gottes Zorn vom Himmel herab geoffenbaret über alle Sünder, wie groß derselbe sei, dadurch sie in das Gesetz gewiesen werden, und alsdann aus demselben erst recht lernen ihre Sünde erkennen, welches Erkenntnis Mose nimmermehr aus ihnen hätte erzwingen können.

Demnach, obwol die Predigt vom Leiden und Sterben Christi, des Sohnes Gottes, eine ernstliche und schreckliche Predigt und Anzeigen Gottes Zorns ist, dadurch die Leute erst recht in das Gesetz geführet, nachdem ihnen die Decke Mosis hinweg gethan, daß sie erst recht erkennen, wie große Ding Gott im Gesetz von uns erfordert, deren wir keines halben können, und demnach alle unsere Gerechtigkeit in Christo suchen sollen:

8. Doch so lange dieses alles (nämlich Christus Leiden und Sterben) Gottes Zorn prediget und den Menschen schrecket, so ist es noch nicht des Evangelii eigentliche Predigt, sondern Moses und des Gesetzes Predigt, und demnach ein fremdes Werk Christi, dadurch er kömmt zu seinem eigenen Amt, das ist Gnade predigen, trösten und lebendig machen, welches eigentlich die Predigt des Evangelii ist.

FC Epitome Von guten Werken verf. und von Gesetz und Evangelium 4,16-5,11

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Ach dass die Hilfe aus Zion über Israel käme! (Psalm 14)

Bronzetaufbecken in der Wittenberger Stadtkirche St.Marien von Hermann Vischer (Nürnberg, 1457)

Die Toren sprechen in ihrem Herzen: »Es ist kein Gott.« Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gräuel; da ist keiner, der Gutes tut. Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.

Will denn das keiner der Übeltäter begreifen, die mein Volk fressen, dass sie sich nähren, aber den HERRN rufen sie nicht an? Da erschrecken sie sehr; denn Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten. Ihr lasst den Rat des Armen zuschanden werden; aber der HERR ist seine Zuversicht. 

Ach dass die Hilfe aus Zion über Israel käme! Wenn der HERR das Geschick seines Volkes wendet, freue sich Jakob und sei Israel fröhlich! 

Psalm 14. Von David, vorzusingen. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10,16

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land

Wenn sich der Menschen Hulde und Wohltat all verkehrt, so find’t sich Gott gar balde, sein Macht und Gnad bewährt. Er hilft aus aller Not, errett’ von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden und wenn’s auch wär der Tod.

Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’s, wie’s ihm gefällt!

Es tut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist. Er meint’s gut mit uns allen,
schenkt uns den Herren Christ, sein’ eingebornen Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret. Lobt Gott im Himmelsthron !

Lobt ihn mit Herz und Munde, welchs er uns beides schenkt; das ist ein sel’ge Stunde,
darin man sein gedenkt; denn sonst verdirbt all Zeit, die wir zubringn auf Erden. Wir sollen selig werden und bleibn in Ewigkeit.

Auch wenn die Welt vergehet mit ihrem Stolz und Pracht, nicht Ehr noch Gut bestehet, die wir so groß geacht’: Wir werden nach dem Tod tief in die Erd begraben; wenn wir geschlafen haben, will uns erwecken Gott.

Ludwig Helmbold 1571 (LKG 334,1-6)

Fortlaufende Lese

Saulus nahm Speise zu sich und stärkte sich. Er blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus.  Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.  Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hierher gekommen, dass er sie gefesselt zu den Hohenpriestern führe?  Saulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, dass dieser der Christus ist.  Und nach vielen Tagen hielten die Juden einen Rat, dass sie ihn töteten.  Ihr Plan aber wurde Saulus bekannt. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten.  Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab.  Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, dass er ein Jünger wäre.  Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und dass der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt habe.  Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen.  Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten.  Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter nach Tarsus.  So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes. 

Apostelgeschichte 9,19-31

Morgenlese

Du aber bleibe bei dem, was Du gelernt hast und was Dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem Du gelernt hast und dass Du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Dich unterweisen können zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 

2. Timotheus 3,14-17

Abendlese

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet. 

2. Petrus 1,16-21

Bekenntnislese

Antithesis oder Negativa

Gegenlehre verworfen

Demnach verwerfen und verdammen wir alle nachfolgende Irrthum:

1. Daß Christus unser Gerechtigkeit sei allein nach der göttlichen Natur.

2. Daß Christus unser Gerechtigkeit sei allein nach der menschlichen Natur.

3. Daß in den Sprüchen der Propheten und Aposteln, da von der Gerechtigkeit des Glaubens geredet wird, die Wort rechtfertigen und gerechtfertigt werden nicht sollen heißen von Sünden ledig sprechen oder gesprochen werden, und Vergebung der Sünden erlangen, sondern von wegen der durch den heiligen Geist eingegoßenen Liebe, Tugend und daraus folgender Werk mit der That vor Gott gerecht gemacht werden.

4. Daß der Glaube nicht allein ansehe den Gehorsam Christi, sondern seine göttliche Ntur, wie dieselbige in uns wohnet und wirket, und durch solche Einwohnung unser Sünde bedecket werden.

5. Daß der Glaub ein solch Vertrauen auf den Gehorsam Christi sei, welcher in einem Menschen sein und bleiben könne, der gleich keine wahrhaftige Buße habe, da auch keine Liebe folge, sondern wider sein Gewißen in Sünden verharret.

6. Daß nicht Gott selbst, sondern allein die Gaben Gottes in den Gläubigen wohnen.

7. Daß der Glaub darum selig mache, weil die Erneuerung, so in der Liebe gegen Gott und den Nähesten stehe, in uns durch den Glauben angefangen werde.

8. Daß der Glaub den Vorzug habe in der Rechtfertigung, gleichwol gehöre auch die Erneuerung und die Liebe zu unser Gerechtigkeit vor Gott, dergestalt daß sie wol nicht die vornehmste Ursach unser Gerechtigkeit vor Gott ohne solche Liebe und Erneuerung nicht ganz oder vollkommen sei.

9. Daß die Gläubigen vor Gott gerechtfertigt werden und selig sein zugleich durch die zugerechnete Gerechtigkeit Christi und durc h den empfangenen neuen Gehorsam, oder zum Theil durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi, zum Theil aber durch den angefangenen neuen Gehorsam.

10. Daß uns die Verheißung der Gnaden zugeeignet werde durch den Glauben im Herzen, und durch die Bekenntnis, so mit dem Munde geschicht, und durch andere Tugend.

11. Daß der Glaube nicht rechtfertigt ohne die gute Werk, also daß die guten Werk nothwendig zur Gerechtigkeit erfordert, ohne derselben Gegenwärtigkeit der Mensc h nicht gerechtfertiget werden könne.

IV. Von guten Werken

Status Controversiaee

Die Hauptfrage im Streit von den guten Werken

Ueber der Lehre von guten Werken sind zeierlei Spaltungen in etlichen Kirchen enthalten:

1. Erstlich haben sich etzliche Theologen über nachfolgenden Reden getrennet, da der eine Theil geschrieben: Gute Werk sind nöthig zur Seligkeit, es ist unmöglich ohne gute Werk selig zu werden. Item: Es ist niemals jemand ohne gute Werk selig worden. Der andere aber dagegen geschrieben: Gute Werk sind schädlich zur Seligkeit.

2. Darnach hat sich auch zwischen etzlichen Theologen über den beiden Worten nöthig und frei eine Trennung erhoben, da der eine Theil gestritten, man soll das Wort nöthig nicht brauchen von dem neuen Gehorsam, der nicht aus Noth und Zwang, sondern aus freiwilligem Geist herfließe. Der andere Theil hat über dem Wort nöthig gehalten, weil solcher Gehorsam nicht in unser Willkühr stehe, sondern die wiedergebornen Menschen schuldig sein solchen Gehorsam zu leisten.

Aus welcher Disputation über den Worten nochmals ein Streit von der Sach an ihr selbst sich zugetragen, daß der eine Theil gestritten, man sollte ganz und gar unter den Christen das Gesetz nicht treiben, sondern allein aus dem heiligen Evangelii die Leute zu guten Werken vermahnen; der andere hat es widersprochen.

Affirmativa

Reine Lehre der christlichen Kirchen von diesem Streit

In gründlicher Erklärung und Hinlegung dieser Zwiespalt ist unser Lehre, Glauben und Bekenntnis:

1. Das gute Werke dem wahrhaftigen Glauben, wann derselbige nicht ein toter, sondern ein lebendiger Glaube ist, gewislich und ungezweifelt folgen als Früchte eines guten Baums.

2. Wir gläuben, lehren und bekennen auch, daß die gute Werke gleich so wol, wann von der Seligkeit gefraget wird, als im Artikel der Rechtfertigung vor Gott gänzlichen ausgeschlossen werden sollen, wie der Apostel mit klaren Worten bezeuget, da er also geschrieben: Nach welcher Weise auch David sagt, daß die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit, ohne Zuthun der Werke, do er spricht: Selig sind die, welchen ihre Ungerechtigkeit nicht zugerechnet wird. Röm. 4. Und abermal: Aus Gnaden seid ihr selig worden; Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemands rühme. Ephes. 2.

3. Wir gläuben, lehren und bekennen auch, daß alle Menschen, sonderlich aber die durch den heiligen Geist wiedergeboren und erneuert, schuldig sein gute Werk zu thun.

4. In welchem Verstande die Werke nöthig, sollen und müßen recht und christlich auch von den Wiedergebornen gebraucht werden, und keineswegs dem Vorbilde gesunder Worte und Reden zuwider sein.

5. Doch soll durch errmeldte Wort necessitas, necessarium, Noth und nothwendig, wann von den Wiedergebornen geredet, nicht ein Zwang, sondern allein der schuldige Gehorsam verstanden werden, welchen die Rechtgläubigen, so viel sie wiedergeboren, nicht aus Zwang oder Treiben des Gesetzes, sondern aus freiwilligem Geiste leisten: weil sie nicht mehr unter dem Gesetze, sondern unter der Gnade sein.

6. Demnach gläuben, lehren und bekennen wir auch, wann gesagt wird: Die Wiedergebornen thun gute Werk aus einem freien Geist, daß solches nicht verstanden werden soll, als ob es in des wiedergebornen Menschen Willkühr stehe Gutes zu thun oder zu laßen, wann er wölle, und gleichweol den Glauben behalten müge, wann er in Sünden vorsätzlich verharret.

7. Welches doch anderst nicht verstanden werden soll, dann wie es der Herr Christus und seine Apostel selbst erkläret, nämlich von dem freigemachten Geist, daß er solches nicht thue aus Furcht der Strafe wie ein Knecht, sondern aus Lieb der Gerechtigkeit, wie die Kinder Röm. 8.

8. Wiewol diese Freiwilligkeit in den auserwählten Kindern Gottes nicht vollkommen, sondern mit großer Schwachheit beladen ist, wie S. Paulus über sich selbst klaget. Röm. 7. Gal. 5.

9. Welche Schwachheit doch der Herr seinen Auserwählten nicht zurechnet um des Herrn Christi willen, wie geschrieben stehet: Es ist nun nichts Verdammliches in denen, so in Christo Jesu sind, Röm. 8.

10. Wir gläuben, lehren und bekennen auch, daß den Glauben und die Seligkeit in uns nicht die Werk, sondern allein der Geist Gottes durch den Glauben enthalte, des Gegenwärtigkeit und Inwohnung die guten Werke Zeugen sein.

Konkordienformel Epitome III verf. Von der Gerechtigkeit des Glaubens bis IV. Von guten Werken (FC Epit III,12-IV,15

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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1. Sonntag nach Trinitatis (Apostel & Propheten)

Die vier Apostel (1526) von Albrecht Dürer (1471-1528) zu sehen in der Alten Pinakothek (München)

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.

Lukas 10,16

Introitus

Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! 

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. 

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! 

Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Psalm 34,2-11

Kollekte

Herr, unser Gott, Du bist die Kraft aller, die auf Dich hoffen: und weil wir sündigen, sterblichen Menschen ohne Dich nichts vermögen so hilf uns, daß wir Deine Gebote halten und dir unser Wollen und Tun gefalle. Durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelisch-Lutherische Kirchenagende (SELK) Bd.1. Herder: Freiburg u.a. 1996. S.123

Alttestamentliche Lese

Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und Du sollst den HERRN, Deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft. 

Und diese Worte, die ich Dir heute gebiete, sollst Du zu Herzen nehmen und sollst sie Deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn Du in Deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn Du Dich niederlegst oder aufstehst. 

Und Du sollst sie binden zum Zeichen auf Deine Hand, und sie sollen Dir ein Merkzeichen zwischen Deinen Augen sein, und Du sollst sie schreiben auf die Pfosten Deines Hauses und an die Tore.  

5. Mose (Deuteronomium) 6,4-9

Epistolische Lese

(Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe;) und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 

Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. 

1.Johannes 4, (13-16a) 16b-21

Hallelujavers

Deine Zeugnisse, Herr, sind gerecht in Ewigkeit; unterweise mich, so lebe ich. Halleluja!

Psalm 119,144

Evangelium

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seiner Tür, der war voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tisch fiel, doch kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. 

Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Kind, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. Und in all dem besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. 

Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham aber sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde. 

Lukas 16,19-31

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolischeKirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänum

Graduallied

Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende.  Kyrieleis.

Du wertes Licht, gib uns Deinen Schein, lehr uns Jesus Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis.

Du süße Lieb, schenk uns Deine Gunst, laß uns empfinden der Lieb Inbrunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis.

Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis.

Martin Luther 1524 (LKG 183)

Predigttext

Ihr sucht in den Schriften, denn Ihr meint, Ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber Ihr wollt nicht zu mir kommen, dass Ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen an; aber ich kenne Euch, dass Ihr nicht Gottes Liebe in Euch habt. 

Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und Ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet Ihr annehmen. Wie könnt Ihr glauben, die Ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht Ihr nicht? 

Meint nicht, dass ich Euch vor dem Vater verklagen werde; der Euch verklagt, ist Mose, auf den Ihr hofft. Wenn Ihr Mose glaubtet, so glaubtet Ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.  Wenn Ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet Ihr meinen Worten glauben? 

Johannes 5,39-47

Meine Predigt dazu:

Wochengebet

Du Gott des Friedens, wir kommen zu dir mit unserer Sorge, mit unserer Hilflosigkeit, mit unserer Furcht.

Wir danken dir für dein Wort. Dein Wort tröstet. Es lässt uns atmen. Es gibt uns Hoffnung. Vor dir denken wir an die Menschen in Israel, Palästina, Gaza, im Iran. Vor dir denken wir an die Menschenin der Ukraine. Wir bitten dich für sie in ihrer Angst, für die Kinder, die die Angst der Erwachsenen erleben, deren Zuhause von Drohnen und Bomben zerstört wird, die sich in Bunker flüchten, die hungern, die zu überleben versuchen und niemand hilft. Du Gott des Friedens,ihre Angst macht unsere Herzen schwer. Hülle sie ein in deinen Frieden. Erbarme dich.

Wir danken dir für dein Wort. Dein Wort schärft das Gewissen.Es fordert Gerechtigkeit. Es verklagt die Gewalttäter. Vor dir denken wir an die Mächtigen dieser Welt. Vor dir denken wir an die, deren tödlicher Hass die Welt vergiftet, die Blut vergießen und Orte des guten Lebens in Ruinen verwandeln. Wir bitten dich für die, die mit ihren Waffen töten, für die Hartherzigen, die Bedenkenlosen und Korrupten. Wir bitten dich für die, die Brücken bauen, die helfen, die Wunden verbinden, die Worte der Versöhnung einüben. Du Gott des Friedens, ihre Beharrlichkeit macht uns dankbar. Hülle sie ein in deinen Frieden. Erbarme dich.

Wir danken dir für dein Wort. Dein Wort macht Mut. Es gibt Orientierung. Er hilft den Ratlosen. Vor dir denken wir an die jungen Menschen, die in diesen Tagen Prüfungen ablegen. Wir bitten dich für die, die Altes verlassen müssen und zu Neuem aufbrechen, die eine Wohnung suchen. Wir bitten dich für die Kranken und alle, die sie pflegen, für die, die auf Hilfe angewiesen sind und alle, die ihnen zur Seite stehen. Du Gott des Friedens, ihre Treue macht diese Welt zu einem besseren Ort. Hülle sie ein in deinen Frieden. Erbarme dich.

Wir danken dir für dein Wort. Dein Wort ist wahr. Du bist in unserer Mitte und machst uns frei. Wir bitten dich für deine weltweite Kirche. Verbinde uns im Glauben an dich, im Vertrauen zueinander und in der Liebe zu unseren Nächsten. Wir bitten dich für deine Gemeinde hier und in unserer Nachbarschaft. Du Gott des Friedens, wir und alle, die wir lieben, gehören zu dir. Hülle sie ein in deinen Frieden. Das bitten wir durch Jesus Christus, er ist unser Friede. Heute und alle Tage. Amen.

VELKD: Wochengebet für den 1. Sonntag nach Trinitatis

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Seinen Friede

4. Mose (Numeri) 6,24-26

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Höre, Gott, meine Stimme in meiner Klage, behüte mein Leben vor dem schrecklichen Feinde. (Psalm 64)

Ezekiels Berufung (Armänisches Patriarchat, Jerusalem)

Höre, Gott, meine Stimme in meiner Klage, behüte mein Leben vor dem schrecklichen Feinde. 

Verbirg mich vor den Anschlägen der Bösen, vor dem Toben der Übeltäter, die ihre Zunge schärfen wie ein Schwert, mit ihren giftigen Worten zielen wie mit Pfeilen, dass sie heimlich schießen auf den Frommen; plötzlich schießen sie auf ihn ohne alle Scheu. Sie sind kühn mit ihren bösen Anschlägen und reden davon, wie sie Stricke legen wollen, und sprechen: Wer kann sie sehen? Sie haben Böses im Sinn und sprechen: Wir haben einen hinterhältigen Plan gefasst. Unergründlich sind Herz und Sinn. 

Da trifft sie Gott mit dem Pfeil, plötzlich sind sie zu Boden geschlagen. Ihre eigene Zunge bringt sie zu Fall, dass ihrer spotten wird, wer sie sieht. Und alle Menschen werden sich fürchten / und sagen: Das hat Gott getan!, und erkennen, dass es sein Werk ist. Der Gerechte wird sich des HERRN freuen und auf ihn trauen, und alle frommen Herzen werden sich seiner rühmen. 

Psalm 64. Ein Psalm Davids, vorzusingen. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Der Tag bricht an und zeiget sich. O Herre Gott, wir loben Dich, wir danken Dir, Du höchstes Gut, daß Du uns die Nacht hast behüt.

Bitten Dich auch: Behüt uns heut, denn wir allhier sind Pilgerleut; steh uns bei, tu Hilf und bewahr, daß uns kein Übel widerfahr.

Regier Du uns mit starker Hand, auf daß Dein Werk in uns erkannt, Dein Name durch glaubreich Gebärd in uns heilig erweiset werd.

Hilf, daß der Geist Zuchtmeister bleib, das arge Fleisch so zwing und treib, daß es sich nicht gar ungestüm erheb und fordre Deinen Grimm.

Versorg uns auch, o Herre Gott, auf diesen Tag, wie’s uns ist Not, teil uns Dein milden Segen aus, denn unser Sorg richtet nichts aus.

Gib Deinen Segen unserm Tun und unsrer Arbeit Deinen Lohn durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herren vor Deinem Thron.

Michael Weiße 1531 (LKG 268)

Fortlaufende Lese

Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr.  Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet  und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und ihm die Hände auflegte, dass er wieder sehend werde.  

Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat;  und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen.  Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel.  Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.  

Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest.  Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus. 

Apostelgeschichte 9,10-19

Morgenlese

Zuletzt, Brüder, freut Euch, laßt Euch zurechtbringen, laßt Euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit Euch sein. 

Grüßt Euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! 

2. Korinther 13,11-13

Abendlese

Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. Und mitten darin war etwas wie vier Wesen; die waren anzusehen wie Menschen. Und jedes von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Hufe von Stieren und glänzten wie blinkende, glatte Bronze. Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. Immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter; wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. Und in der Mitte zwischen den Wesen sah es aus, wie wenn feurige Kohlen brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Wesen hin und her fuhren. Das Feuer leuchtete, und aus dem Feuer kamen Blitze. Und die Wesen liefen hin und her, dass es aussah wie Blitze. Als ich die Wesen sah, siehe, da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Wesen, bei ihren vier Angesichtern. Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle vier gleich, und sie waren so gemacht, dass ein Rad im andern war. Nach allen vier Seiten konnten sie gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. Und ihre Felgen waren hoch und furchterregend, ihre Felgen waren voller Augen ringsum bei allen vier Rädern. Und wenn die Wesen gingen, so gingen auch die Räder mit, und wenn die Wesen sich von der Erde emporhoben, so hoben die Räder sich auch empor. Wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie, und die Räder hoben sich mit ihnen empor; denn es war der Geist der Wesen in den Rädern. Wenn sie gingen, so gingen diese auch; wenn sie standen, so standen diese auch; und wenn sie sich emporhoben von der Erde, so hoben sich auch die Räder mit ihnen empor; denn es war der Geist der Wesen in den Rädern. Aber über den Häuptern der Wesen war es wie eine Himmelsfeste, wie ein Kristall, unheimlich anzusehen, oben über ihren Häuptern ausgespannt, dass unter der Feste ihre Flügel gerade ausgestreckt waren, einer an dem andern; und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. Und ich hörte ihre Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, wenn sie gingen, ein Getöse wie in einem Heerlager. Wenn sie aber stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen, und es donnerte im Himmel über ihnen. Wenn sie stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen. Und über der Feste, die über ihrem Haupt war, sah es aus wie ein Saphir, einem Thron gleich, und auf dem Thron saß einer, der aussah wie ein Mensch. Und ich sah, und es war wie blinkendes Kupfer aufwärts von dem, was aussah wie seine Hüften; und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, erblickte ich etwas wie Feuer und Glanz ringsumher. Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden. 

Hesekiel 1,4-28

Bekenntnislese

Was dann die Reden der alten und neuen Kirchenlehrer belanget, als da gesagt wird: Deus trabit, sed volentem trabit, das ist, Gott zeugt, zeucht aber, die da wöllen. Item: Hominis voluntas in eonversione non est otiosa, sed agit aliquid, das ist, des Menschen Wille ist nicht müßig in der Bekehrung, sondern wirket auch etwas. Weil solche Reden zu Bestätigung des natürlichen freien Willens in der Bekehrung des Menschen wider die Lehre von der Gnade Gottes eingeführt, halten wir, daß sie der Form der gesunden Lehre nicht ähnlich, und demnach, wann von der Bekehrung zu Gott geredet wird, billig zu meiden seien.

Dagegen aber wird recht geredet, daß Gott in der Belehrung durch das Ziehen des heiligen Geistes aus widerspänstigen, unwilligen willige Menschen mache, und daß nach solcher Bekehrung in täglicher Uebung der Buße des Menschen wiedergeborner Wille nicht müßig gehe, sondern in allem Wirken des heiligen Geistes, die er durch uns thut, auch mitwirke.

9. Item, das Doctor Luther geschrieben, daß des Menschen Wille in seiner Bekehrung sich halte pure passive, das ist, daß er ganz und gar nichts thue, daß solches zu verstehen sei respecta divinae gratia in accendendis novis motibus, das ist, wann der Geist Gottes durch das gehörte Wort oder durch den Brauch der heiligen Sacramenten des Menschen Willen angreift und wirket die neue Geburt und Bekehrung. Dann so der heilige Geist solches gewirket und ausgerichtet, und des Menschen Wille allein durch sein göttliche Kraft und Wirkung geändert und erneuert: alsdann ist der neue Wille des Menschen ein Instrument und Werkzeug Gottes des heiligen Geistes, daß er nicht allein die Gnade annimmt, sondern auch in folgenden Werken des heiligen Geistes mitwirket.

Daß also vor der Bekehrung des Menschen nur zwo wirklich Ursachen sich finden, nämlich der heilige Geist und das Wort Gottes, als das Instrument des heiligen Geistes, dadurch er die Bekehrung wirket, welches der Mensch hören soll, aber demselbigen nicht aus eignen Kräften, sondern allein durch die Gnade und Wirkung Gottes des heiligen Geistes Glauben geben und annehmen kann.

III. Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott

Status Controversiae

Die Hauptfrage in dieser Zwiespalt

Weil einhellig vermöge Gottes Worts und nach Inhalt der Augsburgischen Confession in unsern Kirchen bekannt, daß wir arme Sünder allein durch den Glauben an Christum vor Gott gerecht und selig werden, und also Christus allein unser Gerechtigkeit sei, welcher wahrhaftiger Gott und Mensch ist, weil in ihm die göttliche und menschliche Natur mit einander persönlich vereiniget Jer. 23. 1.Kor. 1. 2.Kor. 5: ist eine Frage entstanden, nach welcher Natur Christus unsere Gerechtigkeit sei? und also zweene widerwärtige Irrthum in etlichen Kirchen eingefallen.

Dann der eine Theil hat gehalten, daß Christus allein nach der Gottheit unser Gerechtigkeit sei, wenn er durch den Glauben in uns wohnet, gegen welcher durch den Glauben einwohnender Gottheit aller Menschen Sünde wie ein Tropfen Wasser gegen dem großen Meer geachtet sei. Dargegen haben andere gehalten, Christus sei unser Gerechtigkeit vor Gott allein nach der menschlichen Natur.

Affirmativa

Reine Lehre der christlichen Kirchen wider beide jetzt gesetzte Irrthum.

1. Wider beide jetzt erzählte Irrthum gläuben, lehren und bekennen wir einhelliglich, daß Christus unser Gerechtigkeit weder nach der göttlichen Natur allein, noch auch nach der menschlichen Natur allein, sondern der ganze Christus nach beiden Naturen allein in seinem Gehorsam sei, den er als Gott und Mensch dem Vater bis in Tod geleistet und uns damit Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdienet habe, wie geschrieben stehet: Gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viel Sünder worden: also durch eines Menschen Gehorsam werden viel gerecht. Röm. 5.

2. Demnach gläuben, lehren und bekennen wir, daß unsere Gerechtigkeit vor Gott sei, daß uns Gott die Sünde vergiebt aus lauter Gnaden ohne all unsere Vorhergehende, gegenwärtige oder nachfolgende Werk, Verdienst oder Würdigkeit, schenket und rechnet uns zu die Gerechtigkeit des Gehorsams Christi, um welcher Gerechtigkeit willen wir bei Gott zu Gnaden angenommen und für gerecht gehalten werden.

3. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß allein der Glaube das Mittel und der Werkzeug sei, damit wir Christum und also in Christo solche Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ergreifen, um welches willen uns solcher Glauben zur Gerechtigkeit zugerechnet wird. Röm. 4.

4. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß dieser Glaube nicht sei eine bloße Erkenntnis der Historien von Christo, sondern eine solche Gabe Gottes, dadurch wir Christum, unsern Erlöser, im Wort des Evangelii recht erkennen und auf ihn vertrauen, daß wir allein um seines Gehorsams willen aus Gnaden Vergebung der Sünden haben, vor fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten und ewig selig werden.

5. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß nach Art heiliger Schrift das Wort rechtfertigen in diesem Artikel heißt absolviren, daß ist von Sünden frei sprechen. Wer den Gottlosen recht spricht und den Gerechten verdammet, der ist dem Herrn ein Gräuel. Item: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht machet.

Und da an desselben Statt die Worte regeneratio und vivificatio, das ist Lebendigmachung und Wiedergeburt, gebraucht, wie in der Apologia geschehe, , daß es auchin gleichem Verstand geschehe, dadurch sonst die Erneuerung des Menschen verstanden und von der Rechtfertigung des Glaubens unterscheiden wird.

6. Wir gläuben, lehren und bekennen auch, unangesehen daß den Rechtgläubigen und wahrhaftig Wiedergebornen auch noch viel Schwachheit und Gebrechen anhangen bis in die Gruben, do sie doch der Ursach halben weder an ihrer Gerechtigkeit, so ihnen durch den Glauben zugerechnet, noch an ihrer Seelen Seligkeit zweifeln, sondern vor gewis halten sollen, daß sie um Christus willen vermöge der Verheißung und Wort des heiligen Evangelii einen gnädigen Gott haben.

7. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß zu Erhaltung reiner Lehre von der Gerechtigkeit des Glaubens für Gott über den particulis exclusivis, das ist über nachfolgende Wort des heiligen Apostels Pauli, dadurch der Verdienst Christi von unsern Werken gänzlich abgesondert und Christo die Ehre allein gegeben, mit besonderm Fleiß zu halten sei, da der heilige Apostel Paulus schreibt: Aus Gnaden, ohne Verdienst, ohne Gesetz, ohne Werk, nicht aus den Werken, welche Wort alle zugleich so viel heißen als allein durch den Glauben an Christum werden wir gerecht und selig.

8. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß, obwol vorgehende Reu und nachfolgende gute Werk nicht in den Artikel der Rechtfertigung vor Gott gehören, jedoch soll nicht ein solcher Glaub gedichtet werden, der bei und neben einem bösen Vorsatz zu sündigen, und wider das Gesißen zu handeln, sein und bleiben könnte. Sondern nachdem der Mensch durch den Glauben gerechtfertiget werden, alsdann ist ein wahrhaftiger lebendiger Glaube durch die Liebe thätig Gal. 5. Also, daß die gute Werk dem gerechtmachenden Glauben allzeit folgen und bei demselben, da er rechtschaffen und lebendig, gewislich erfunden werden; wie er dann nimmer allein ist, sondern allzeit Liebe und Hoffnung bei sich hat.

FC Epitome: Vom freien Willen (verf) und der Gerechtigkeit des Glaubens (2:16-3:11)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Psalm 22)

Steinerner Kreuzgangsgruppe aus dem 15. Jhd an der Südseite von St.Marien (Lutherstadt Wittenberg)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:  »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.« Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an. 

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. 

Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! Errette mein Leben vom Schwert, mein einziges Gut von den Hunden! 

Psalm 22. Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh der Morgenröte«. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Die helle Sonn leucht’ jetzt herfür, fröhlich vom Schlaf aufstehen wir, Gott Lob, der uns heut diese Nacht behüt’ hat vor des Teufels Macht.

Herr Christ, den Tag uns auch behüt vor Sünd und Schand durch Deine Güt. Lass Deine lieben Engelein unsre Hüter und Wächter sein,

daß unser Herz in G’horsam leb, Deim Wort und Willn nicht widerstreb, daß wir Dich stets vor Augen han in allem, das wir heben an.

Laß unser Werk geraten wohl, was ein jeder ausrichten soll, daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß gereich zu Deim Lob, Ehr und Preis.

Nikolaus Herman 1560 (LKG 274)

Fortlaufende Lese

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester  und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, dass er Anhänger dieses Weges, Männer und Frauen, wenn er sie fände, gefesselt nach Jerusalem führe.  Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel;  und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?  Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.  Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.  Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.  Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus;  und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. 

Apostelgeschichte 9,1-9

Morgenlese

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 

Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. 

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Rat-schluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn. 

In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. 

In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. 

Epheser 1,3-14

Abendlese

Dieser ist’s, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blut; und der Geist ist’s, der das bezeugt, denn der Geist ist die Wahrheit. 

Denn drei sind, die das bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein. Wenn wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn das ist Gottes Zeugnis, dass er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohn. 

Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von seinem Sohn. Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.

Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

1. Johannes 5,6-13

Bekenntnislese

II. Vom freien Willen

Status Controversiae Die Hauptfrage in dieser Zwiespalt

Nachdem der Menschen Wille in vier gleichen Ständen gefunden, nämlich 1. vor dem Fall, 2. nach dem Fall, 3. nach der Wiedergeburt, 4. nach der Auferstehung des Fleisches: ist die Hauptfrage allein von dem Willen und Vermögen des Menschen in andern Stande, was derselbige nach dem Fall unser ersten Aeltern vor seiner Wiedergeburt aus ihm selbst in geistlichen Sachen vor Kräfte habe, und ob er vermöge aus seinen eigenen Kräften, zuvor und ehe er durch den Geist Gottes wiedergeboren, sich zur Gnade Gottes schicken und bereiten, und die durch den heiligen Geist im Wort und heiligen Sacramenten angebotene Gnade annehmen oder nicht?

Affirmativa: Reine Lehre vermöge Gottes Worts von diesem Artikel

1. Hiervon ist unser Lehre, Glaub und Bekenntnis, daß des Menschen Verstand und Vernunft in geistlichen Sachen blind, nichts verstehe aus seinen eigenen Kräften, wie geschrieben stehet: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Thorheit und kann es nicht begreifen, wann er wird von geistlichen Sachen gefraget.

2. Desgleichen gläuben, lehren und bekennen wir, daß des Menschen unwiedergeborner Wille nicht allein von Gott abgewendet, sondern auch ein Feind Gottes worden, daß er nur Lust und Willen hat zum Bösen und was Gott zuwider ist, wie geschrieben stehet: Das Dichten des Menschen Herzen ist bös von Jugend auf. Item: Fleischlich gesinnet sein ist eine Feindschaft wider Gotte, sintemal es dem Gesetz nicht unterthan ist, denn es vermag es auch nicht. Ja so wenig ein todter Leib sich selbst lebendig machen kann zum leiblichen irdischen Leben, so wenig mag der Mensch, so durch die Sünde geistlich todt ist, sich selbst zum geistlichen Leben aufrichten, wie geschrieben stehet: Da wir todt waren in Sünden, hat er uns sammt Christo lebendig gemacht. Darum wir auch aus uns selbst, als aus uns, nicht tüchtig seind etwas Guts zu gedenken, sondern daß wir tüchtig sind, das ist von Gott. 2. Kor. 3

3. Die Bekehrung aber wirket Gott der heilige Geist nicht ohne Mittel, sondern gebraucht dazu die Predigt und das Gehör Gottes Worts, wie geschrieben stehet: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes selig zu machen. Item: Der Glaube kommt aus dem Gehör Gottes Worts. Und ist Gottes Wille, daß man sein Wort hören, und nicht die Ohren verstopfen solle. Bei solchem Wort ist der heilige Geist gegenwärtig und thut auf die Herzen, daß sie, wie die Lydia in der Apostelgeschichte am 16. Kap., darauf merken und also bekehret werden allein durch die Gnade und Kraft des heiligen Geistes, dessen Werk allein ist die Bekehrung des Menschen. Dann ohne seine Gnade ist unser Wollen und Laufen, unser Pflanzen, Säen und Begießen alles nichts, wenn er nicht das Gedeihen darzu verleihet, wie Christus sagt: Ohne mich vermüget ihr nichtes. Mit welchen kurzen Worten er dem freien Willen seine Kräfte abspricht, und alles der Gnaden Gottes zuschreibet, damit sich nicht jemands vor Gott rühmen möchte. 1.Kor. 1

Negativ: Widerwärtige falsche Lehre

Demnach verwerfen und verdammen wir alle nachfolgende Irrthum als der Richtschnur Gottes Worts zuwider:

1. Den Schwarm der Philosophen, so man Stoices genennet hat, wie auch die Manichäer, die gelehret haben, daß alles, was geschähe, müße also geschehen und könne nicht anders geschehen, und daß der Mensch alles aus Zwang thue, was er auch in äußerlichen Dingen handele, und zu bösen Werken und Thaten, als Unzucht, Raub, Mord, Diebstahl und dergleichen, gezwungen werde.

2. Wir verwerfen auch der groben Pelagianer Irrthum, die gelehret haben, daß der Mensch aus eigenen Kräften ohne die Gnade des heiligen Geistes sich selbst zu Gott bekehren, dem Evangelio gläuben, dem Gesetz Gottes mit Herzen gehorsamen, und also Vergebung der Sünden und ewiges Leben verdienen könne.

3. Wir verwerfen auch der Halbpelagianer Irrthum, welche lehren, daß der Mensch aus eigenen Kräften den Anfang seiner Bekehrung machen, aber ohne die Gnad des heiligen Geistes nicht vollbringen möge.

4. Item, da gelehret wird, obwol der Mensch mit seinem freien Willen vor seiner Wiedergeburt zu schwach, den Anfang zu machen und sich selbst aus eigenen Kräften zu Gott zu bekehren und Gottes Gesetz von Herzen gehorsam zu sein: jedoch, wann der heilige Geist mit der Predigt des Worts den Anfang gemacht und seine Gnade darinne angeboten, daß alsdann der Wille des Menschen aus seinem eignen natürlichen Kräften etlichermaßen etwas, wiewol wenig und schwächlich, darzu thun, helfen und mitwirken, sich selbst zur Gnade schicken, bereiten, dieselbige ergreifen, annehmen und dem Evangelio gläuben könne.

5. Item, daß der Mensch, nachdem er wiedergeboren, das Gesetz Gottes vollkommen halten und gänzlich erfüllen könne, und daß solche Erfüllung unser Gerechtigkeit vor Gott sei, mit welcher wir das ewige Leben verdienen.

6. Item, wir verwerfen und verdammen auch den Irrthum der Enthusiasten, welche dichten, daß Gott ohne Mittel, ohne Gehör Gottes Worts, auch ohne Gebrauch der heiligen Sacramenten die Menschen zu sich ziehe, erleuchte, gerecht und selig mache. Enthusiasten heißen, die ohne die Predig Gottes Worts auf himmlische Erleuchtung warten.

7. Item, daß Gott in der Bekehrung und Widergeburt des alten Adams Substanz und Wesen und sonderlich die vernünftige Seele ganz vertilge, und ein neues Wesen der Seele aus Nichts in der Bekehrung un Wiedergeburt erschaffe.

8. Item, wann diese Reden ohne Erklärung gebraucht, daß des Menschen Wille vor, in und nach der Bekehrung dem heiligen Geist widerstrebe, und daß der heilige Geist gegeben werde denen, so ihm vorsätzlich und beharrlich widerstreben, dann Gott in der Bekehrung aus den Unwilligen Willige machet, und in den Willigen wohnet, wie Augustinus redet.

Konkordienformel Epitome 2,1-15

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +


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Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23)

“Schafe mit Hirten beim Wasser” von Willem Steelink jr (1900)

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

Psalm 23. Ein Psalm Davids. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Gott Vater, Herr, wir danke Dir, daß Du uns bhütest für und für, ernährest uns so mildiglich: bewahr uns ferner gnädiglich.

Herr Jesu Christ, wahr´ Mensch und Gott, hast uns erlöst vom ewgen Tod und uns verdient das Himmelreich: mach uns Dein’ lieben Engeln gleich.

Gott heilger Geist, Du Tröster gut, der Du gibst rechten Sinne und Mut: den Glauben, Lieb und Hoffnung mehr´ und uns von Sünden zu Dir kehr.

Du heilige Dreifaltigkeit, Du seist gelobt in Ewigkeit. O treuer Gott, am letzten End nimm unser Seel in Deine Händ.

Württemberg 1583. (LKG 193)

Fortlaufende Lese

Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.  27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.  28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.  29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!  30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?  31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.  32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.  33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«  34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?  35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Schriftwort an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.  36-37 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?  38 Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.  39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.  40 Philippus aber fand sich in Aschdod wieder und zog umher und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam. 

Apostelgeschichte 8,26-40

Morgenlese

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt Ihr sagen zu den Israeliten, wenn Ihr sie segnet: Der HERR segne Dich und behüte Dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, daß ich sie segne. 

4. Mose (Numeri) 6,22-27

Abendlese

Dies schreibe ich dir und hoffe, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber erst später komme, sollst du wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. 

1. Timotheus 3,14-16

Bekenntnislese

Von der Erbsünde verf.

Negativa Verwerfung der falschen Gegenlehre

1. Demnach verwerfen und verdammen wir, wann gelehret wird, daß die Erbsünde allein ein reatus oder Schuld von wegen fremder Verwirkung, ohn einige unserer Natur Verderbung sei.

2. Item, daß die bösen Lüste nicht Sünde, sondern angeschaffene wesentliche Eigenschaften der Natur seien, oder als wäre der obgemeldte Mangel oder Schade nicht wahrhaftig Sünde, darum derMensch außerhalb Christo ein Kind des Zorns sein sollte.

3. Desgleichen verwerfven wir auch den Pelagianischen Irrthum, da vorgegeben wird, daß der Natur des Menschen auch nach dem Fall unverderbet und sonderlich in geistlichen Sachen ganz gut und rein in ihrem naturalibus, das ist in ihren natürlichen Kräften, geblieben sei.

4. Item, daß die Erbsünde nur von außen ein schlechter,ringschätziger, eingesprengter Fleck oder anfliegende Makel sei, darunter die Natur ihre gute Kräfte auch in geistlichen Sachen behalten habe.

5. Item, daß die Erbsünde sei nur ein äußerlich Hindernis der guten geistlichen Kräften und nicht eine Beraubung oder Mangel derselben, als wann ein Magnet mit Knoblochsaft bestrichen wird, dadurch seine natürliche Kraft nicht weggenommen, sondern allein gehindert wird; aber daß dieselbe Makel wie ein Fleck vom Angesicht oder Farbe von der Wand leichthin abgewischt werden könnte.

6. Item, daß im Menschen nicht gar verderbet sei menschlich Natur und Wesen, sondern der Mensch habe noch etwas Guts an ihm, auch in geistlichen Sachen, als nämlich Fähigkeit, Geschicklichkeit, Tüchtigkeit oder Vermögen in geistlichen Sachen etwas anzufahen, zu wirken oder mitzuwirken.

7. Dagegen verwerfen wir auch die falsche Lehre der Manichäer, wann gelehret wird, daß die Erbsünde als etwas Wesentliches und Selbständigs durch den Satan in die Natur eingegossen und mit derselben vermenget, wie Gift und Wein gemenget werden.

8. Item, daß nicht der natürliche Mensch, sondern etwas Anders und Fremdes im Menschen sündige, deswegen nicht die Natur, sondern allein die Erbsünde in der Natur angeklaget werde.

9. Wir verwerfen und verdammen auch als ein Manichöischen Irrthum, wenn gelehret wird, daß die Erbsünde sei eigentlich und ohne allen Unterscheid des verderbten Menschen Substanz, Natur und Wesen selbst, also daß kein Unterscheid zwischen der verderbten Natur nach dem Fall an ihr selbst und der Erbsünde sollte auch nicht gedacht, noch mit Gedanken von einander unterschieden werden können.

10. Es wird aber solche Erbsünde von Luthero Natursünde, Personensünde, wesentliche Sünde genennet, nicht daß die Natur, Person oder das Wesen des Menschen selbst ohne allen Unterscheid die Erbsünde sei, sondern daß mit solchen Worten der Unterscheid zwischen der Erbsünde, so in der menschlichen Natur stecket, und den andern Sünden, so man wirkliche Sünden nennet, angezeigt würde.

11. Denn die Erbsünde ist nicht eine Sünde, die man thut, sondern sie stecket in der Natur, Substanz und Wesen des Menschen, also. wenn gleich kein böser Gedank nimmer im Herzen des verderbte Menschen aufstiege, kein unnütz Wort geredet, noch böse That geschähe; so ist die Natur verderbet durch die Erbsünde, die uns im sündlichen Samen angeboren wird und ein Brunnquell ist aller anderer wirklichen Sünden, als böser Gedanken, Wort und Werke, wie geschrieben stehet: Aus dem Herzen kommen arge Gedanken. Item: Das Dichten des menschlichen Herzens ist bös von Jugend auf.

12. Es ist auch wol zu merken der ungleiche Verstand des Wortes Natur, dadurch die Manichäer ihren Irrthum bedecken und viel einfältiger Leute irre machen. Dann zu Zeiten heißet es des Menschen Wesen, als wann gesagt wird: Gott hat die menschliche Natur geschaffen. Zu Zeiten aber heißet es die Art und Unart eines Dinges, die in der Natur oder Wesen steckt, als wenn gesagt wird: Der Schlangen Natur ist stechen und des Menschen Natur und Art ist sündigen und Sünde; da das Wort Natur nicht die Substanz des Menschen, sondern etwas heißet, das in der Natur oder Substanz stecket.

13. Was aber die lateinische Wort substantia und accidens belangt, weil es nicht heiliger Schrift Wort sind, dazu dem gemeinen Mann unbekannt, sollen dieselbigen in den Predigten vor dem gemeinen unverständigen Volk nicht gebraucht, sondern des einfältigen Volks damit verschont werden.

Aber in der Schule bei den Gelehrten, weil sie wol bekannt und ohne allen Misverstand gebraucht, dadurch das Wesen eines jeden Dings, und was ihm zufälliger Weise anhanget, eigentlich unterschieden, werden solche Wort auch billig in der Disputation von der Erbsünde behalten.

Denn der Unterschied zwischen Gottes und des Teufels Werk auf das deutlichste dardurch angezeigt, weil der Teufel keine Substanz schaffen, sondern allein zufälliger Weise aus Gottes Verhängnis die von Gott erschaffene Substanz verderben kann.

FC Epitome I: Von der Erbsünde (FC I:11-25)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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HERR, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig! (Psalm 26)

“Die Dreifaltigkeit” von Lucas Cranach d.Ä. im Museum der bildenden Künste (Leipzig)

HERR, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig! Ich hoffe auf den HERRN, darum werde ich nicht fallen. Prüfe mich, HERR, und erprobe mich, läutere meine Nieren und mein Herz! Denn deine Güte ist mir vor Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit. 

Ich sitze nicht bei falschen Menschen und habe nicht Gemeinschaft mit den Heuchlern. Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen. Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite, HERR, deinen Altar, dir zu danken mit lauter Stimme und zu verkünden alle deine Wunder. 

HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern noch mein Leben mit den Blutdürstigen, an deren Händen Schandtat klebt und die gern Geschenke nehmen. Ich aber gehe meinen Weg in Unschuld. Erlöse mich und sei mir gnädig! Mein Fuß steht fest auf rechtem Grund. Ich will den HERRN loben in den Versammlungen. 

Psalm 26. Von David. Verdeutscht von Dr. Martin Luther.

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Erhebe Dich, steig zu ihm zu, und lern ihn recht erkennen, denn solch Erkenntnis bringt die Ruh und macht die Seele brennen in reiner Liebe, die uns nährt zum ewgen Freuden-leben, da, was allhier kein Ohr gehört, Gott wird zu schauen geben den Augen seiner kinder.

Weh aber dem verstockten Heer, das sich hier selbst verblendet, Gott von sich stößt, und seine Ehr auf Kreaturen wendet: dem wird gewiß des Himmels Tür einmal verschlossen bleiben; denn wer Gott von sich treibt allhier, den wird er dort auch treiben von seinem heilgen Throne.

Ei nun, so gib, Du großer Held, Gott Himmels und der Erden, daß alle Menschen in der Welt zu Dir bekehret werden. Erleuchte, was verblendet geht; bring wieder, was verirret; reiß aus, was uns im Wege steht und freventlich verwirret die Schwachen in dem Glauben.

Auf daß wir also allzugleich zur Himmelspforten dringen und dermaleinst in Deinem Reich ohn alles Ende singen, daß Du alleine König seist, hoch über alle Götter, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, der Frommen Schutz und Retter: Ein Wesen, drei Personen.

Paul Gerhardt 1653 (LKG 194,5-8)

Fortlaufende Lese

Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort.  5 Philippus aber kam hinab in die Stadt Samariens und verkündigte ihnen Christus.  6 Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat.  7 Denn die unreinen Geister fuhren aus vielen Besessenen aus mit großem Geschrei, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht;  8 und es kam große Freude auf in jener Stadt.  9 Es war aber ein Mann mit Namen Simon, der zuvor in der Stadt Zauberei trieb und das Volk von Samarien in seinen Bann zog, weil er vorgab, er wäre etwas Großes.  10 Und alle hingen ihm an, Klein und Groß, und sprachen: Dieser ist die Kraft Gottes, die die Große genannt wird.  11 Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei in seinen Bann gezogen hatte.  12 Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen.  13 Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und mächtigen Taten sah, die geschahen, geriet er außer sich vor Staunen.  14 Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes.  15 Die kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen.  16 Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.  17 Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist.  18 Als aber Simon sah, dass der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an  19 und sprach: Gebt auch mir diese Macht, dass jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange.  20 Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt.  21 Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott.  22 Darum tu Buße für diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir vergeben werden möge das Trachten deines Herzens.  23 Denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle bist und verstrickt in Ungerechtigkeit.  24 Da antwortete Simon und sprach: Bittet ihr den Herrn für mich, dass nichts von dem über mich komme, was ihr gesagt habt.  25 Als sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie wieder um nach Jerusalem und predigten das Evangelium in vielen Dörfern Samarias. 

Apostelgeschichte 8,4-25

Morgenlese

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. 

Matthäus 11,25-30

Abendlese

 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Epheser 4,1-6

Bekenntnislese

Formula Concordiae – (Erster Theil)

Summarischer Begriff der streitigen Artikel zwischen den Theologen Augsburgischer Confession in nachfolgender Wiederholung nach Anleitung Gottes Worts christlich erkläret und verglichen.

Von dem summarischen Begriff, Regel und Richtschnur, nach welcher alle Lehre geurtheilet, und die eingefallene Irrungen christlich entscheiden und erkläret werden sollen.

1. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß die einige Regel und Richtschnur, nach welcher zugleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurtheilet werden sollen, seind allein die prophetischen und apostolischen Schriften altes und neues Testament, wie geschrieben stehet: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege Ps. 119. Und St. Paulus: Wenn ein Engel vom Himmel käme, und predigte anders, der soll verflucht sein. Gal. 1.

Andere Schriften aber der alter oder neuen Lehrer, wie sie Namen haben, sollen der heiligen Schrift nicht gleich gehalten, sondern alle zumal mit einander derselben unterworfen, und anders oder weiter nicht angenommen werden, denn als Zeugen, welcher Gestalt nach der Apostel Zeit und an welchen Orten solche Lehre der Propheten und Apostel erhalten werde.

2. Und nachdem gleich nach der Apostel Zeit, auch noch bei ihrem Leben, falsche Lehrer und Ketzer eingreifen, und wider dieselbige in der ersten Kirchen Symbola, das ist kurze, runde Bekenntnisse, gestellet, welche für den einhelligen, allgemeinen christlichen Glauben und Bekenntnis der rechtgläubigen und wahrhaftigen Kirchen gehalten, als nämlich das Symbolum Apostolicum, Symbolum Nicaenum und Symbolum Athanasii:; bekennen wir uns zu denselben, und verwerfen hiemit alle Ketzereien und Lehre, so denselben zuwider in die Kirche Gottes eingeführet worden sind.

3. So viel aber die Trennung in Glaubenssachen belanget, zu unsern Zeiten eingefallen, halten wir vor den einhelligen Consens und Erklärung unsers christlichen Glaubens und Bekenntnis, besonders wider das Pabstthums und dessen falschen Gottesdienst, Abgötterei, Aberglauben, und andere Secten, als dieser Zeit unserm Symbolo, die erste, ungeänderte Augsburgische Confession, Kaiser Karolo V. zu Augsburg Anno 30 in der großen Reichsversammlung übergeben, sammt derselben Apologie und Artikeln zu Schmalkalden Anno 37 gestellet und von den vornehmsten Theologen damals unterschrieben worden.

Und weil solche Sachen auch den gemeinen Laien und derselben Seelen Seligkeit betreffen, bekennen wir uns auch zu dem kleinen und großen Katechismus Dr. Luthers, wie solche beide Katechismi in den tomis Lutheri verfaßet, als zu der Laienbibel, darin alles begriffen, was in heiliger Schrift weitläufig gehandelt, und einem Christenmenschen zu seiner Seligkeit zu wißen vonnöthen ist.

Nach dieser Anleitung, wie oben vermeldet, sollen alle Lehren angestellet, und was derselben zuwider, als unsers Glaubens einhelliger Erklärung entgegen, verworfen und verdammet werden.

Solcher Gestalt wird der Unterschied zwischen der heiligen Schrift altes und neues Testaments und allen anderen Schriften erhalten, und bleibt allein die heilige Schrift der einige Richter, Regel und Richtschnur, nach welcher als dem einigen Probierstein sollen und müßen alle Lehren erkannt und geurtheilet werden, ob sie gut oder bös, recht oder unrecht sein.

Die andere Symbola aber und angezogene Schriften sind nicht Richter wie die heilige Schrift, sondern allein Zeugnis und Erklärung des Glaubens, wie jederzeiit die heilige Schrift in streitigen Artikeln in der Kirchen Gottes von den damals Lebenden verstanden und ausgelegt, und derselben widerwärtige Lehre verworfen und verdammet werden.

I. Von der Erbsünde

Status Controversiae

Die Hauptfrage in dieser Zwiespalt

Ob die Erbsünde sei eigentlich und ohn allen Unterschied des Menschen verderbte Natur, Substanz und Wesen, oder ja das fürnehmste und beste Theil seines Wesens, als die vernünftige Seele selbst in ihrem höchsten Grad und Kräften? Oder ob zwischen des Menschen Substanz, Natur, Wesen, Leib, seele auch nach dem Fall und der Erbsünde ein Unterschied sei, also daß ein anders die Natur, und ein anders die Erbsünde sei, welche in der verderbten Natur steckt und die Natur verderbet?

Affirmativa

Reine Lehre, Glaub und Bekenntnis, vermöge vorgesetzter Richtschnur und summarischer Erklärung

1. Wir gläuben, lehren und bekennen, daß ein Unterschied sei zwischen der Natur des Menschen, nicht allein wie er Anfangs von Gott rein und heilig ohne Sünde erschaffen, sondern auch wie wir sie jetzunder nach dem Fall haben, nämlich zwischen der Natur, so auch nach dem Fall noch eine Kreatur Gottes ist und bleibet, und der Erbsünde, und daß solcher Unterschied zwischen Gottes und des Teufels Werk sei.

2. Wir gläuben, lehren und bekennen auch, daß über solchem Unterschied mit höchstem Fleiß zu halten, weil diese Lehre, daß zwischen unserer verderbten Menschennatur und der Erbsünde kein Unterschied sein sollte, wider die Hauptartikel unsers christlichen Glaubens von der Erschaffung, Erlösung, Heiligung und Auferstehung unsers Fleisches streitet und neben denselben nicht bestehen kann.

Dann nicht allein Adams und Eva Leib und Seel vor dem Fall, sondern auch unser Leib und Seel nach dem Fall, unangesehen daß sie verderbet, Gott geschaffen, welche auch Gott noch für sein Werk erkennet, wie geschrieben stehet Hiob 10: Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und um bin.

Es hat auch der Sohn Gottes in Einigkeit seiner Person solche menschliche Natur, doch ohne Sünde, und also nicht ein fremd, sondern unser Fleisch an sich genommen, und nach demselben unser wahrhaftiger Bruder worden, Hebr.2: Nachdem die Kinder Fleisch und Bluut haben, ist ers gleichermaß theilhaftig worden. Item: Er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abraham nimmt er an sich; daher muß er allerdings seinen Brüdern, ausgenommen die Sünde, gleich werden. Also hat es auch Christus erlöset als sein Werk, heiliget es als sein Werk, erwecket es von den Todten und zieret es herrlich als sein Werk. Aber die Erbsünde hat er nicht erschaffen, nicht angenommen, nicht erlöset, nicht geheiliget, wird sie auch nicht erwecken, an den Auserwählten weder zieren noch selig machen, sondern in der Auferstehung gar vertilget sein wird.

Daraus der Unterschied zwischen der verderbten Natur und der Verderbung, so in der Natur stecket und die Natur dadurch verderbet werden, leichtlich zu erkennen.

3. Wir gläuben, lehren und bekennen aber hinwiederum, daß die Erbsünde nicht sein eine schlechte, sondern so tiefe Verderbung menschlicher Natur, daß nichts Gesundes oder unverderbet an Leib und Seele des Menschen, seinen innerlichen und äußerlichen Kräften geblieben, sondern wie die Kirche singet: Durch Adams Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen. Welcher Schade unaussprechlich, nicht mit der Vernunft, sondern allein aus Gottes Wort erkennet werden mag, und daß die Natur und solch Verderbung der Natur niemand von einander scheiden könne denn allein Gott, welches durch den Tod in der Auferstehung gänzlich geschehen, da unser Natur, die wir itzt tragen, ohne die Erbsünde und von derselben abgesondert und abgescheiden, auferstehen und ewig leben wird, wie geschrieben stehet Hiob 19: Ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen, denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen.

Negativa Verwerfung der falschen Gegenlehre

1. Demnach verwerfen und verdammen wir, wann gelehret wird, daß die Erbsünde allein ein reatus oder Schuld von wegen fremder Verwirkung, ohn einige unserer Natur Verderbung sei.

2. Item, daß die bösen Lüste nicht Sünde, sondern angeschaffene wesentliche Eigenschaften der Natur seien, oder als wäre der obgemeldte Mangel oder Schade nicht wahrhaftig Sünde, darum derMensch außerhalb Christo ein Kind des Zorns sein sollte.

3. Desgleichen verwerfven wir auch den Pelagianischen Irrthum, da vorgegeben wird, daß der Natur des Menschen auch nach dem Fall unverderbet und sonderlich in geistlichen Sachen ganz gut und rein in ihrem naturalibus, das ist in ihren natürlichen Kräften, geblieben sei.

4. Item, daß die Erbsünde nur von außen ein schlechter,ringschätziger, eingesprengter Fleck oder anfliegende Makel sei, darunter die Natur ihre gute Kräfte auch in geistlichen Sachen behalten habe.

5. Item, daß die Erbsünde sei nur ein äußerlich Hindernis der guten geistlichen Kräften und nicht eine Beraubung oder Mangel derselben, als wann ein Magnet mit Knoblochsaft bestrichen wird, dadurch seine natürliche Kraft nicht weggenommen, sondern allein gehindert wird; aber daß dieselbe Makel wie ein Fleck vom Angesicht oder Farbe von der Wand leichthin abgewischt werden könnte.

6. Item, daß im Menschen nicht gar verderbet sei menschlich Natur und Wesen, sondern der Mensch habe noch etwas Guts an ihm, auch in geistlichen Sachen, als nämlich Fähigkeit, Geschicklichkeit, Tüchtigkeit oder Vermögen in geistlichen Sachen etwas anzufahen, zu wirken oder mitzuwirken.

7. Dagegen verwerfen wir auch die falsche Lehre der Manichäer, wann gelehret wird, daß die Erbsünde als etwas Wesentliches und Selbständigs durch den Satan in die Natur eingegossen und mit derselben vermenget, wie Gift und Wein gemenget werden.

8. Item, daß nicht der natürliche Mensch, sondern etwas Anders und Fremdes im Menschen sündige, deswegen nicht die Natur, sondern allein die Erbsünde in der Natur angeklaget werde.

9. Wir verwerfen und verdammen auch als ein Manichöischen Irrthum, wenn gelehret wird, daß die Erbsünde sei eigentlich und ohne allen Unterscheid des verderbten Menschen Substanz, Natur und Wesen selbst, also daß kein Unterscheid zwischen der verderbten Natur nach dem Fall an ihr selbst und der Erbsünde sollte auch nicht gedacht, noch mit Gedanken von einander unterschieden werden können.

10. Es wird aber solche Erbsünde von Luthero Natursünde, Personensünde, wesentliche Sünde genennet, nicht daß die Natur, Person oder das Wesen des Menschen selbst ohne allen Unterscheid die Erbsünde sei, sondern daß mit solchen Worten der Unterscheid zwischen der Erbsünde, so in der menschlichen Natur stecket, und den andern Sünden, so man wirkliche Sünden nennet, angezeigt würde.

FC Epitome 1-1:10

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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Nach Dir, HERR, verlangt mich. (Psalm 25)

Nach Dir, HERR, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf Dich; laß mich nicht zuschanden werden, daß meine Feinde nicht frohlocken über mich. Denn keiner wird zuschanden, der auf Dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. HERR, zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine Steige! Leite mich in Deiner Wahrheit und lehre mich! Denn Du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf Dich. Gedenke, HERR, an Deine Barmherzigkeit und an Deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach Deiner Barmherzigkeit, HERR, um Deiner Güte willen! Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten. Um Deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, die da groß ist! Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. Der wird im Guten wohnen, und seine Kinder werden das Land besitzen. Am Rat des HERRN haben teil, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen. Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 

Wende Dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! Sieh, wie meiner Feinde so viel sind und zu Unrecht mich hassen. Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf Dich! Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten; denn ich harre auf Dich. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not! 

Psalm 25. Von David. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Was alle weisheit in der Welt bei uns hier kaum kann lallen, das läßt Gott aus dem Himmelszelt in alle Welt erschallen, daß er alleine König sei, hoch über alle Götter, groß, mächtig, freundlich, fromm und treu, der Frommen Schutz und Retter, ein Wesen, drei Personen.

Gott Vater, Sohn und heil’ger Geist, heißt sein hochheil’ger Name: so kennt, so nennt, so rühmt und preis’t in der gerechte Same, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag uns alle Gaben giebet, und Wunder tut alleine.

Der Vater hat von Ewigkeit den Sohn, sein Bild, erzeuget; der Sohn hat in der Füll der Zeit im Fleische sich gezeiget; der Geist geht ohne Zeit herfür vom Vater und vom Sohne,
mit beiden gleicher Ehr und Zier, gleich ewig, gleicher Krone, und ungeteilter Stärke.

Sich hier, mein Herz, das ist Dein Gut, Dein Schatz, dem keiner gleichet; das ist Dein Freund, der alles tut, was Dir zum Heil gereichet, der Dich gebaut nach seinem Bild, für Deine Schuld gebüßet, der Dich mit wahrem Glauben füllt und all Dein Kreuz durchsüßet
mit seinen heilgen Worten.

Paul Gerhardt 1653 (LKG 194,1-4)

Fortlaufende Lese

Als sie das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie knirschten mit den Zähnen über ihn.  55 Er aber, voll Heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes  56 und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.  57 Sie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein,  58 stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes, der hieß Saulus,  59 und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!  60 Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Und als er das gesagt hatte, verschied er. 

Apostelgeschichte 7,54-60

Morgenlese

Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich für euch und für die in Laodizea und für alle führe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, auf dass ihre Herzen gestärkt und verbunden werden in der Liebe und zu allem Reichtum an der Fülle der Einsicht, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist. In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Ich sage das, damit euch niemand betrüge mit verführerischen Reden. Denn obwohl ich leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch und freue mich, wenn ich eure Ordnung und euren festen Glauben an Christus sehe.

Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit. Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 

Kolosser 2,1-9

Abendlese

Da sprach Salomo: Die Sonne hat der HERR an den Himmel gestellt. Er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen. So habe ich nun ein erhabenes Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest. Und der König wandte sein Angesicht und segnete die ganze Gemeinde Israel, und die ganze Gemeinde Israel stand. Und er sprach: Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, der durch seinen Mund meinem Vater David zugesagt und es durch seine Hand erfüllt hat und gesagt: Von dem Tage an, als ich mein Volk Israel aus Ägypten führte, hab ich keine Stadt erwählt unter irgendeinem Stamm Israels, dass mir ein Haus gebaut würde, damit mein Name da wäre. David aber habe ich erwählt, dass er über mein Volk Israel Herr sein sollte. Mein Vater David hatte es zwar im Sinn, dem Namen des HERRN, des Gottes Israels, ein Haus zu bauen, aber der HERR sprach zu meinem Vater David: Dass du im Sinn hast, meinem Namen ein Haus zu bauen, daran hast du wohlgetan, dass du dir das vornahmst. Doch nicht du sollst das Haus bauen, sondern dein Sohn, der dir geboren wird, der soll meinem Namen ein Haus bauen. Und der HERR hat sein Wort wahr gemacht, das er gegeben hat; denn ich bin zur Macht gekommen an meines Vaters David statt und sitze auf dem Thron Israels, wie der HERR zugesagt hat, und habe gebaut ein Haus dem Namen des HERRN, des Gottes Israels, und habe dort eine Stätte zugerichtet der Lade, in der die Tafeln des Bundes sind, den der HERR geschlossen hat mit unsern Vätern, als er sie aus Ägyptenland führte. Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. Nun, HERR, Gott Israels, halt deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast: Es soll dir nicht fehlen an einem Mann, der vor mir steht, der da sitzt auf dem Thron Israels, wenn nur deine Söhne auf ihren Weg achthaben, dass sie vor mir wandeln, wie du vor mir gewandelt bist. Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, auf dass du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir: Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet, und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

1. Könige 8,12-30

Bekenntnislese

Darum sollen wir die Beichte so ansehen, dass wir die beiden Stücke klar unterscheiden und auseinanderhalten. Unser Tun sollen wir für gering ansehen, Gottes Wort aber sollen wir überaus hoch achten; wir sollen nicht zur Beichte gehen, als wollten wir selber etwas Großes und Gutes tun, um es Gott vorzuhalten, sondern wir sollen hingehen, um allein von ihm etwas zu empfangen und zu nehmen. Du sollst nicht zur Beichte kommen, um zu sagen, wie rechtschaffen oder böse du bist.

Bist du ein Christ, so weiß ich es ohnehin schon; bist du keiner, so weiß ich es noch viel mehr. Aber darauf kommt es an, dass du deine Not klagst und dir helfen und ein fröhliches Herz und Gewissen schenken lässt.

Zur Beichte sollte dich nun niemand mit Geboten drängen müssen, sondern wir sagen so: Wer ein Christ ist oder es gern sein möchte, der lasse sich diesen guten Rat geben, dass er hingehe und den kostbaren Schatz hole. (Bist du aber kein Christ oder hast du kein Verlangen nach solchem Trost, dann lassen wir dich von einem andern zwingen.)

Damit heben wir nun die ganze Tyrannei des Papstes, sein Gebot und Zwang auf; wir bedürfen dessen nicht mehr; denn wir lehren, wie gesagt, so: Wer nicht willig und um
der Absolution willen zur Beichte geht, der lasse es nur bleiben. Ja, auch wer im Vertrauen darauf hingeht, dass er eine vollständige und vollkommene Beichte abgelegt hat, der bleibe nur fort.

Wir ermahnen aber, dass du beichten und deine Not klagen sollst, aber nicht deswegen, als würdest du damit ein gutes Werk tun, sondern damit du hörst, was dir Gott sagen lässt. Auf das Wort, sage ich, bzw. auf die Absolution musst du schauen und sie für etwas Großes und Teures halten, für einen vortrefflichen, großen Schatz, der mit aller Ehrerbietung und mit Dank anzunehmen ist.

Wenn man dies ausführlich darlegen würde und außerdem die Not aufzeigte, die uns zur Beichte bewegen und veranlassen soll, dann brauchte man keinen Druck und Zwang zur Beichte mehr ausüben. Jeder würde vom eigenen Gewissen zur Beichte getrieben werden; denn das würde ihn in eine solche Angst und Unruhe versetzen, dass er sich über die Beichte nur freuen könnte. Er würde wie ein armer, elender Bettler handeln, der hörte, dass man an einem bestimmten Ort eine reiche Spende, Geld oder Kleidung, austeilen würde. Es wäre kein Knüppel nötig, um ihn mit Schlägen dorthin zu treiben; er würde wohl von selber laufen, so schnell er nur laufen könnte, um nichts zu versäumen.

Wenn man aber ein Gebot daraus machte, dass alle Bettler dorthin laufen sollten, ohne einen Grund anzugeben, und würde verschweigen, was man dort suchen und finden könnte, dann würde das bedeuten, dass man mit Unlust hingehen würde. Denn man käme ja nicht, um etwas zu holen, sondern um sich bloß als Bettler in seiner Armut und seinem Elend sehen zu lassen. Daraus würde man nicht viel Freude und Trost schöpfen! Man würde dem Gebot nur feind werden!

So haben bisher die Prediger des Papstes dieses vortrefflich reiche „Almosen“ und diesen unaussprechlich großen Schatz verschwiegen. Sie haben lediglich die Leute in Scharen zur Beichte getrieben, allein deswegen, damit wir erkennen sollten, was für unvollkommene und sündige Leute wir sind. Wer hat da gern zur Beichte gehen können!

Wir aber sagen nicht, dass das der Sinn der Beichte ist, dass man sehen soll, wie voller Sünde man ist und dass man wie in einem Spiegel sich in seiner Sünde betrachten soll. Sondern wir geben den Rat und sagen: Bist du arm und elend, dann gehe hin zur Beichte und mache von der heilsamen Arznei Gebrauch.

Wer nun sein Elend und seine Not fühlt, wird wohl ein solches Verlangen danach bekommen, dass er mit Freude hineilt. Wer aber dies alles gering achtet, auch nicht von selbst kommt, den lassen wir seiner Wege gehen. Das sollen sie aber wissen, dass wir sie nicht für Christen halten.

So lehren wir nun, wie vortrefflich, wunderbar und tröstlich die Beichte ist. Wir mahnen auch, dass man, in Anbetracht unserer großen Not, ein so hohes Gut nicht verachten soll. Bist du nun ein Christ, so ist es überhaupt nicht nötig, dass ich dich zur Beichte zwinge oder dass der Papst sie dir gebietet, sondern du wirst dich wohl selber zwingen und mich um die Beichte bitten, damit du Anteil an ihrem Segen haben mögest.

Verachtest du aber die Beichte und willst du stolz, ohne zu beichten, dein Leben führen, so fällen wir das Urteil, dass du kein Christ bist und dass du auch das Sakrament nicht empfangen sollst. Denn du verachtest, was kein Christ verachten soll, und bewirkst dadurch, dass du keine Vergebung der Sünde empfangen kannst. Und dies ist ein sicheres Zeichen, dass du auch das Evangelium verachtest.

Kurz, wir wollen von keinem Zwang wissen. Wer aber unsere Predigt und Ermahnung nicht hört und ihr folgt, mit dem haben wir nichts zu schaffen. Er soll auch keinen Anteil am Evangelium haben. Wenn du ein Christ wärest, würdest du froh sein, dass es die Beichte gibt, und du würdest, um sie zu empfangen, mehr als hundert Meilen laufen. Du würdest dich nicht nötigen lassen, sondern kommen und uns zwingen.

Da muss dann der Zwang umgekehrt werden: Uns muss geboten werden, die Beichte zu halten, du aber hast die Freiheit zu kommen; wir drängen niemand zur Beichte, sondern lassen es uns gefallen, dass man uns bedrängt, ebenso wie man uns zwingt, zu predigen und die Sakramente zu reichen.

Wenn ich darum ermahne, zur Beichte zu kommen, tue ich nichts anderes, als dass ich ermahne, ein Christ zu sein. Wenn ich dich dahin bringe, ein Christ zu sein, so habe ich dich wohl auch zur Beichte gebracht. Denn jene, die danach verlangen, rechtschaffene und treue Christen zu sein und ihre Sünde loszuwerden und ein fröhliches Gewissen zu haben, die haben schon den rechten Hunger und Durst, dass sie nach dem Brote des Lebens greifen – ebenso wie ein gejagter Hirsch, der vor Hitze und Durst entbrannt ist, so wie es der 42. Psalm sagt:

„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir“; d. h. so wie jener nach einem frischen Quell Verlangen hat, so habe ich aus ängstlichem und bangem Herzen ein sehnsüchtiges Verlangen nach Gottes Wort bzw. der Absolution und dem Sakrament. Sieh, so würde man richtig von der Beichte lehren; so könnte man auch Lust und Liebe zu ihr wecken, sodass die Leute, mehr als wir es wünschten, herzukämen und uns nachliefen. Die Anhänger des Papstes mögen sich und andere Leute, die diesen Schatz nicht achten und sich selber von ihm ausschließen, plagen und martern.

Wir aber wollen die Hände erheben, Gott loben und danken, dass wir zu solcher Erkenntnis und Gnade gekommen sind.

Dr. Martin Luther, Großer Katechismus: Beichte 18-35

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! (Psalm 5)

Trinität gepostet in FB von Michael Kumm.

HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. 

Denn du bist nicht ein Gott, dem Frevel gefällt; wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Die Ruhmredigen bestehen nicht vor deinen Augen; du bist feind allen Übeltätern. Du vernichtest die Lügner; dem HERRN sind ein Gräuel die Blutgierigen und Falschen. Ich aber darf in dein Haus gehen durch deine große Güte und anbeten vor deinem heiligen Tempel in deiner Furcht. 

HERR, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg! Denn in ihrem Munde ist nichts Verlässliches; ihr Inneres ist Bosheit. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen heucheln sie. Sprich sie schuldig, Gott, dass sie zu Fall kommen durch ihr Vorhaben. Stoße sie aus um ihrer vielen Übertretungen willen; denn sie sind widerspenstig gegen dich. 

Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmest sie. Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben! Denn du, HERR, segnest die Gerechten, du deckest sie mit Gnade wie mit einem Schilde. 

Psalm 5. Ein Psalm Davids, vorzusingen, zum Flötenspiel. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

2. Korinther 13,13

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Gott der Vater steh uns bei und laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei
und hilf uns selig sterben. “Vor dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben und auf Dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehen Teufels Listen, mit Gottes Kraft uns rüsten.” Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Halleluja.

Jesus Christus steh uns bei und laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und hilf uns selig sterben. “Vor dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben und auf Dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehen Teufels Listen, mit Gottes Kraft uns rüsten.” Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Halleluja.

Heilig Geist steh uns bei laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und hilf uns selig sterben. “Vor dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben und auf Dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehen Teufels Listen, mit Gottes Kraft uns rüsten.” Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Halleluja.

Nach einer Bittfahrtlitanei (15.Jhd), Dr. Martin Luther 1524. (LKG 192)

Fortlaufende Lese

Es hatten unsre Väter die Stiftshütte in der Wüste, wie der es angeordnet hatte, der zu Mose redete, dass er sie machen sollte nach dem Vorbild, das er gesehen hatte.  45 Diese übernahmen unsre Väter und brachten sie mit, als sie unter Josua das Land der Völker in Besitz nahmen, die Gott vertrieb vor dem Angesicht unsrer Väter, bis zur Zeit Davids.  46 Der fand Gnade bei Gott und bat darum, dass er eine heilige Stätte finden möge für das Haus Jakob.  47 Salomo aber baute ihm ein Haus.  48 Aber der Höchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht:  49 »Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen«, spricht der Herr, »oder was ist die Stätte meiner Ruhe?  50 Hat nicht meine Hand das alles gemacht?«  51 Ihr, halsstarrig und unbeschnitten an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.  52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.  53 Ihr habt das Gesetz empfangen durch Weisung von Engeln und habt’s nicht gehalten. 

Apostelgeschichte 7,44-53

Morgenlese

Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore. Wenn dich nun der HERR, dein Gott, in das Land bringen wird, von dem er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, es dir zu geben – große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser voller Güter, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast –, und wenn du nun isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den HERRN vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, sondern du sollst den HERRN, deinen Gott, fürchten und ihm dienen und bei seinem Namen schwören.

5. Mose (Deuteronomium) 6,4-13

Abendlese

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Und ihr seid in der Liebe eingewurzelt und gegründet, damit ihr mit allen Heiligen begreifen könnt, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 

Epheser 3,14-21

Bekenntnislese

Eine kurze Ermahnung zur Beichte
Von der Beichte haben wir immer gelehrt, dass sie frei sein soll. Wir haben die Tyrannei des Papstes beseitigt, sodass wir alle von der unerträglichen Bürde und Last befreit und von dem Zwang los sind, der der Christenheit auferlegt worden war. Denn nichts war, wie wir es alle erfahren haben, so schwer und erdrückend als der Zwang, dass jeder beichten musste. Nicht zu beichten war die größte Todsünde.

Außerdem hatte man die Beichte so schwer gemacht und die Gewissen dadurch gemartert, dass man die Sünden alle aufzählen sollte. Man hat darum nie genug beichten können!

Und das Schlimmste dabei war, dass niemand gelehrt und gewusst hat, was die Beichte
eigentlich ist oder wie nützlich und tröstlich sie ist. Sondern man hat uns aus ihr eine reine Angst- und Marterhölle gemacht, weil jeder hat beichten müssen. Keiner andern Sache ist man so feind gewesen wie gerade der Beichte.

Diese drei Dinge sind uns nun abgenommen und erlassen: Dass wir ohne Zwang und Furcht beichten dürfen, dass auch die Quälerei aufgehört hat, alle Sünden genau nennen zu müssen; außerdem haben wir noch den Vorteil, dass wir wissen, wie man die Beichte zur Tröstung und Stärkung unsers Gewissens zu unserm Heile gebrauchen kann.

Aber das weiß nun jeder; und sie haben es leider nur allzugut gelernt; denn jetzt tun sie, was sie wollen, und gebrauchen die Freiheit so, als brauchten sie überhaupt nicht mehr zu beichten. Denn das hat man schnell abgenommen, was einem angenehm ist und über die Maßen bequem ist, nämlich wo das Evangelium sanft ist und uns nicht weh tut. Solche Säue aber, so habe ich gesagt, sollten besser nichts vom Evangelium hören und haben, sondern sie sollten unter dem Papst bleiben und sich treiben und damit plagen lassen, dass sie beichten, fasten und anderes tun müssen, mehr als je zuvor. Denn wer dem Evangelium nicht glauben und nach ihm leben will, auch nicht tun will, was ein Christ tun soll, der soll auch keinen Anteil am Evangelium haben.

Nur den Nutzen haben wollen, aber nichts dafür tun und einsetzen wollen – was ist das?! Darum wollen wir jenen nichts gepredigt haben, wollen ihnen auch mit unserer Einwilligung nichts von unserer evangelischen Freiheit einräumen und zugestehen, sondern wollen wieder den Papst oder seinesgleichen über sie herrschen lassen, der sie wie ein rechter Tyrann unterdrücken möge. Denn solch ein Volk, das dem Evangelium nicht gehorchen will, hat den Stockmeister verdient, der Gottes Teufel und Henker ist.

Den andern aber, die sich gerne etwas sagen lassen, müssen wir immer wieder predigen, sie einladen und dazu anhalten und bewegen, dass sie diesen teuren und tröstlichen Schatz, der ihnen im Evangelium angeboten wird, nicht umsonst an sich vorübergehen lassen. Darum wollen wir auch von der Beichte etwas sagen, um die weniger Unterrichteten zu unterweisen und zu ermahnen.

Erstens, so habe ich oft gesagt, gibt es außer der Beichte, von der wir hier reden, noch zwei andere Arten der Beichte; man mag beide richtiger als eine Art (Sünden-) Bekenntnis bezeichnen, das allen Christen gemeinsam ist, nämlich jenes Bekenntnis, in dem man Gott selbst allein beichtet oder dem Nächsten allein beichtet und um Vergebung bittet. Beides ist ja auch im Vaterunser enthalten, wenn wir sprechen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigem“ usf.

Ja, das ganze Vaterunser ist nichts anderes als eine solche Beichte. Denn unser ganzes Gebet ist doch nichts anderes, als dass wir bekennen, was wir nicht haben und nicht tun, obgleich wir es zu tun schuldig sind, und dass wir um Gnade bitten und um ein fröhliches Gewissen. Solch eine Beichte muss immer wieder aufs Neue geschehen, solange wir leben. Denn darin besteht eigentlich christliches Leben, dass wir uns als Sünder erkennen und um Gnade bitten.

Ebenso ist auch jene andere Beichte, die jeder seinem Nächsten gegenüber ablegt, im Vaterunser mit enthalten, dass wir uns nämlich untereinander unsere Schuld bekennen und vergeben, ehe wir vor Gott kommen und ihn um Vergebung bitten. Nun sind wir insgesamt alle aneinander schuldig. Darum sollen und mögen wir wohl öffentlich vor allen unsere Schuld bekennen, und keiner soll sich vor dem andern schämen. Denn es ist so, wie das Sprichwort sagt: „Ist einer fromm, so sind sie es alle“ (und das heißt: Ist einer ein Sünder, so sind sie es alle). Es lebt doch keiner Gott und dem Nächsten gegenüber so, wie er soll. Doch es gibt außer diesem allgemeinen Bekenntnis der Schuld auch ein besonderes Schuldbekenntnis, wenn einer z. B. einen andern erzürnt hat und ihm Abbitte leistet. [12]So haben wir im Vaterunser zwei Formen der Absolution, nämlich dass uns vergeben wird, was wir Gott und dem Nächsten gegenüber verschuldet haben, und dass wir dem Nächsten vergeben und uns mit ihm versöhnen.

Außer dieser öffentlichen, täglichen und notwendigen Beichte gibt es nun auch jene „heimliche“ Beichte, die vor einem Bruder allein geschieht. Sie soll dazu dienen, dass wir unsere Not, alles, was uns besonders zu schaffen macht und anficht, womit wir uns herumschlagen, ohne dass wir Frieden finden können, weil unser Glaube nicht stark genug ist – ‚ dass wir all dies einem Bruder klagen und Rat, Tröstung und Stärkung holen, wann und wie oft wir wollen. Aber diese Beichte ist nicht geboten, wie jene zwei, sondern sie ist jedem freigestellt. Wer ihrer bedarf, soll sie in Anspruch nehmen. Sie geht
darauf zurück, dass Christus selbst seiner Christenheit die Absolution in den Mund gelegt und ihr befohlen hat, uns von Sünden freizusprechen. Wo nun ein Mensch seine Sünde fühlt und Trost begehrt, hat er hier eine feste Zuflucht; hier findet er Gottes Wort und hier hört er, dass Gott ihn durch einen Menschen von Sünden losspricht.

So präge dir nun ein, dass die Beichte, wie oft ich gesagt habe, aus zwei Stücken besteht. Das erste ist unser Werk und Tun, dass ich meine Sünde beklage und Tröstung und Stärkung meiner Seele begehre. Das andere ist Gottes Werk, das Gott tut: Er spricht mich durch das Wort, das einem Menschen in den Mund gelegt ist, von meinen Sünden los. Dies ist das Wichtigste und Beste an der Beichte, und das macht sie so tröstlich und wunderbar.

Nun hat man bisher allein unser Tun betont und auf nichts weiter geachtet, als dass wir ja vorschriftsmäßig beichteten. Das viel wichtigere andere Stück aber hat man unbeachtet gelassen und nichts darüber gesagt, gerade als wäre die Beichte allein ein gutes Werk, mit der wir Gott unsere Schuld bezahlen könnten. Wenn die Beichte nicht vollständig und genau nach Vorschrift erfolgen würde, sollte die Absolution nicht gelten und die Sünde nicht vergeben sein. Damit hat man die Leute so weit getrieben, dass
jeder hat verzweifeln müssen, weil es nicht möglich gewesen ist, so vollständig zu beichten. Kein Gewissen kam zur Ruhe und konnte sich auf die Absolution verlassen. So haben sie uns die liebe Beichte nicht allein nutzlos, sondern auch schwer und sauer gemacht – nicht ohne den Seelen damit sehr zu schaden.

Dr. Martin Luther, Großer Katechismus: Beichte 1-17

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch +

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