
Dr. Martin Luther, der große Streiter und Streitschlichter, war in den Wintertagen des Januar 1546, trotz seines leidenden Zustandes, dem Ruf der Grafen von Mansfeld gefolgt, um die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Linien des Mansfeldischen Hauses in Eisleben, seiner Geburtsstadt, zu schlichten.
Auf dieser seiner letzten Reise sind manche Briefe an seine Frau Käthe zu Wittenberg und seinem Kollegen Philip Melanchthon überliefert und hier nachzulesen.
Luthers letzte Tage. Briefe und Dokumente. Münchener Lesebogen. Nr. 61. Hg.v. Walter Schmidkunz im Münchner Buchverlag. Ohne Datum. S.1-15.
Hier vorgelesen:

Luthers letztes Testament bei Schmidkunz nicht abgedruckt:
Die Hirtengedichte Vergils kann niemand verstehen, er sei denn fünf Jahre Hirte gewesen.
Die Vergilschen Dichtungen über die Landwirtschaft kann niemand verstehen, er sei denn fünf Jahre Ackermann gewesen.
Die Briefe Ciceros kann niemand verstehen, er habe denn 25 Jahre in einem großen Gemeinwesen sich bewegt.
Die Heilige Schrift meine niemand genügsam geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elias und Elisa, Johannes dem Täufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert. Versuche nicht diese göttliche Aeneis, sondern neige Dich tief anbetend vor ihren Spuren!
Wir sind Bettler. Das ist wahr.
WA 48, S. 421
Luthers Grabmahl in der Wittenberger Schloßkirche. Die Bronzegrabplatte ist ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert, aber seit 1892 auf “kniehohen Sandsteinsockeln” (Bernhard Gruhl, S.54)

