Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. (Psalm 39)

St. Johannes (Topeka, KS)

Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Frevler vor mir sehen muss. Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muss mein Leid in mich fressen. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe; wenn ich seufze, brennt es wie Feuer.

So rede ich mit meiner Zunge: »HERR, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sela. 

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird.« Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Errette mich von aller meiner Sünde und lass mich nicht den Narren zum Spott werden. Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; denn du hast es getan. 

Wende deine Plage von mir; ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift. Wenn du den Menschen züchtigst um der Sünde willen, so verzehrst du seine Schönheit wie Motten ein Kleid. Ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen. Sela. 

Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin. 

Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. Verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’ gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Martin Rinckart 1636 (LKG 316)

Fortlaufende Lese

Und in diesen Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach:  16 Ihr Männer, liebe Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen;  17 denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.  18 Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor.  19 Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker.  20 Denn es steht geschrieben im Buch der Psalmen: »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.«  21 So muss nun einer von den Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist –  22 seit seiner Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.  23 Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias,  24 und beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden,  25 dass er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an seinen Ort zu gehen.  26 Und sie warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde hinzugezählt zu den elf Aposteln. 

Apostelgeschichte 1,15-26

Morgenlese

Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch[1] ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. 66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Johannes 6,60-69

Abendlese

Es geschah aber, als wir zum Gebet gingen, da begegnete uns eine Magd, die hatte einen Wahrsagegeist und brachte ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen. 17 Die folgte Paulus und uns überall hin und schrie: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen. 18 Das tat sie viele Tage lang. Paulus war darüber so aufgebracht, dass er sich umwandte und zu dem Geist sprach: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst. Und er fuhr aus zu derselben Stunde. 19 Als aber ihre Herren sahen, dass damit ihre Hoffnung auf Gewinn ausgefahren war, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Oberen 20 und führten sie den Stadtrichtern vor und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden 21 und verkünden Sitten, die wir weder annehmen noch einhalten dürfen, weil wir Römer sind. 22 Und das Volk wandte sich gegen sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider herunterreißen und befahlen, sie mit Stöcken zu schlagen.

23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen. 24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. 25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. 

Apostelgeschichte 16,16-25

Bekenntnislese

Denn die menschliche Natur ist so beschaffen, dass niemand dem andern mehr gönnt als man selber hat und jeder bringt soviel wie möglich an sich. Wo der andere bleibt, danach wird nicht gefragt. Und sie wollen dabei noch fromm und rechtschaffen sein; sie können uns aufs Feinste etwas vormachen und den Bösewicht vor uns verbergen. Sie suchen und ersinnen schlaue Kniffe und üble Tricks (wie das heute gang und gäbe ist), und bemühen noch das Recht dazu und wagen es, sich vor uns kühn darauf zu berufen und darauf zu pochen. Und sie wollen das alles nicht Bosheit, sondern Gescheitheit und Klugheit genannt haben. Dabei helfen auch die Juristen und die Anwälte mit, die das Recht verdrehen und dehnen, wie es der Sache am besten dient; sie pressen das Recht und nehmen es zum Vorwand und fragen nicht nach Billigkeit und dem, was dem Nächsten dient. Kurz: Wer in diesen Dingen der Geschickteste und Gescheiteste ist, dem hilft
das Recht am besten. So sprechen sie es auch aus: „Dem Wachsamen hilft das
Recht.“

Darum ist dieses letzte Gebot nicht für die Bösewichter in der Welt gegeben, sondern gerade für die Rechtschaffensten und Frömmsten, die gelobt sein wollen und die als redlich und aufrichtig gelten; die gegen die vorigen Gebote sich nichts zuschulden kommen lassen – so wie es insbesondere die Juden von sich sagten und es auch viele große Leute, Herren und Fürsten tun. Denn die meisten andern Menschen fallen erst einmal unter das 7. Gebot, denn sie fragen nicht viel danach, ob sie das Ihre auf ehrliche und rechtmäßige Weise gewinnen.

Die Übertreung dieses letzten Gebotes geschieht am häufigsten, wenn Streitsachen vor Gericht verhandelt werden, bei denen man sich vornimmt, den Nächsten zu übervorteilen und ihm etwas abzunehmen. So, um ein Beispiel zu nennen, wenn man um eine große Erbschaft, um Land und anderes streitet und verhandelt. Da führt man alles an und nimmt zu Hilfe, was den Anschein des Rechts hat. Man bauscht es auf und stellt es so dar, dass man schließlich recht bekommt und sein Gut behält und das Urteil dazu, dass niemand einen Anspruch darauf habe und Grund, deswegen zu klagen.

Oder, wenn jemand gern ein Schloss, eine Stadt, eine Grafschaft oder sonst etwas Großes hätte, dann wird soviel bestochen – durch Freunde und auf alle mögliche Weise, dass es einem andern schließlich abgesprochen und ihm zugesprochen wird; dazu wird noch mit Brief und Siegel bestätigt, dass er es rechtmäßig und auf Grund eines fürstlichen Rechtstitels erhalten habe. Ebenso geht es auch allgemein im Geschäftsleben zu. Mit List luchst einer dem andern etwas ab, sodass der andere das Nachsehen hat. Oder einer lässt dem andern keine Ruhe und bedrängt ihn, wenn er seinen Vorteil und Nutzen darin erkennt, dass der andere vielleicht aus Not oder Verschulden das Seine nicht behalten und nur mit Verlust verkaufen kann. Und so bekommt er es fast geschenkt, und es gilt doch nicht als mit Unrecht genommen oder entwendet, sondern als redlich gekauft. Da heißt es dann: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ und „Ein jeder sehe auf seinen Vorteil“; der andere muss zusehen, wo er bleibt.

Und wer wollte so klug sein, um alle Möglichkeiten aufzuzählen, wie man unter solchem schönen Schein Dinge an sich bringen kann, ohne dass es die Welt als Unrecht ansieht und ohne dass sie es sehen will, dass damit der Nächste benachteiligt wird, der abgeben muss, was er eigentlich nicht entbehren kann. Und niemand will dann zugeben, dass er so am Nächsten hat handeln wollen. Daran kann man sehr wohl sehen, dass alles falscher Vorwand und Schein ist.

So ist man auch früher mit den Frauen umgegangen. Da gebrauchten sie solche Kunstgriffe, dass, wenn einem die Frau eines andern gefiel, er es selber oder mit Hilfe anderer zuwege brachte (mancherlei Wege und Mittel lassen sich da denken), dass ihr Mann auf sie ärgerlich wurde oder sie sich ihm widersetzte und derart verhielt, dass er sich von ihr scheiden und jenem überlassen musste. Das ist in der Zeit des mosaischen Gesetzes zweifellos häufig vorgekommen. Man liest davon auch im Evangelium vom König Herodes, dass er die Frau seines eigenen Bruders noch zu dessen Lebzeiten freite. Und er wollte doch ein ehrbarer, frommer Mann sein. St. Markus stellt ihm dieses Zeugnis aus. Aber ein solches Beispiel, hoffe ich, soll bei uns keine Nachahmung finden, weil im Neuen Testament den Verehelichten verboten ist, sich voneinander zu trennen. Allenfalls könnte das bei uns vorkommen, dass einer dem andern dessen reiche Braut mit List wegnimmt. Das andere aber ist bei uns nicht selten, dass einer die Angestellten des
andern weglockt oder sonst mit schönen Worten abwirbt.

Es mag nun dies alles zugehen, wie es wolle; wir jedoch sollen wissen, dass Gott es nicht haben will, dass du den Nächsten um etwas bringst, was ihm gehört und was er dann entbehren muss, nur damit du deine Habgier stillst. Auch wenn du es vor der Welt unangefochten behalten darfst – Gott will es nicht. Es ist hinterhältige, heimtückische Bosheit und heimliches Ränkespiel, so zu handeln; denn niemand soll es ja merken. Auch wenn du deiner Wege gehst, als habest du niemand Unrecht getan – du bist doch deinem Nächsten zu nahe getreten. Und wenn man dieses auch nicht stehlen und betrügen nennt, so hast du doch des Nächsten Gut begehrt, und das heißt, du hast danach getrachtet und hast es gegen seinen Willen ihm abspenstig gemacht und hast ihm nicht gönnen wollen, was Gott ihm gegeben hat.

Und wenn dirs auch der Richter und jedermann lassen muss, so wird dirs Gott doch nicht lassen; denn er sieht das böse Herz und die Tücke der Welt sehr wohl; wenn man der einen Finger breit einräumt, nimmt sie gleich eine ganze Elle dazu, sodass bald auch offenbares Unrecht und offene Gewalt folgen. So lassen wir diese Gebote in ihrer allgemeinen Bedeutung stehen bleiben. Sie gebieten vor allem, dass man dem Nächsten keinen Schaden wünscht, auch nichts tut und keinen Anlass gibt, dass er Schaden erleidet. Sondern man soll ihm gönnen und lassen, was er hat, außerdem das fördern und erhalten, was ihm von Nutzen und Vorteil ist – ebenso wie wir auch wollten, dass man mit uns umgeht.

So richtet sich dieses Gebot besonders gegen die Missgunst und den leidigen Geiz; denn Gott will die Ursache und Wurzel aus dem Wege räumen, aus der alles entspringt, was dem Nächsten schadet. Darum fasst er es auch ausdrücklich in diese Worte: „Du sollst nicht begehren.“ Denn er will vor allem das Herz rein haben, auch wenn wir, solange wir hier leben, es soweit nicht bringen können. So bleibt dies auch ein Gebot wie alle andern; es beschuldigt uns ohne Unterlass und zeigt uns, wie rechtschaffen wir vor Gott sind.

Dr. Martin Luther: Großer Katechismus I,297-310

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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