Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN (Exodus 15)

Spencer Kunstmuseum (Lawrence, KS)

Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt. Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name. Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. Fluten haben sie bedeckt, sie sanken in die Tiefe wie Steine. HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschlägt den Feind. Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt; denn als du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln. Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer. Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ziehen, und meine Hand soll sie verderben. Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser. HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig? Als du deine rechte Hand ausrecktest, verschlang sie die Erde. Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. Als das die Völker hörten, erbebten sie; Angst kam die Philister an. Da erschraken die Fürsten Edoms, Zittern kam die Gewaltigen Moabs an, alle Bewohner Kanaans wurden feig. Es fiel auf sie Erschrecken und Furcht; vor deinem mächtigen Arm erstarrten sie wie die Steine, bis dein Volk, HERR, hindurchzog, bis das Volk hindurchzog, das du erworben hast. Du brachtest sie hinein und pflanztest sie ein auf dem Berge deines Erbteils, den du, HERR, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat. Der HERR wird König sein immer und ewig. Denn der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Reitern. Und der HERR ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. 

2. Mose 15,1-19 (Exodus) verdeutscht von Dr. Martin Luther (Revision 2017)

Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: 

Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen

Apostolische Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. 

Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. 

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

Vaterunser 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)

Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.

Kollekte für Jubilate.

Du Gott,
himmlischer Vater,
Deine Schöpfung singt Dir ihr Loblied –
die Vögel des Himmels,
die Tiere auf den Feldern und in den Wäldern.
Bäume, Sträucher und Blumen –
sie werfen Dir ihre Blütenpracht entgegen.
Dein Geist wecke unsere Sinne und unsere Seele,
damit wir dich loben und preisen.
Deinem Sohn, Jesus Christus,
auferstanden von den Toten,
gehört unsere Zukunft.
Amen.

Tagesgebet zu Jubilate.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

1.Korinther 5,17

Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch

Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein
mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.

Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt’ mich besessen.

Mein guten Werk, die galten nicht, es war mit ihn’ verdorben; der frei Will hasste Gotts Gericht, er war zum Gutn erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen musst ich sinken.

Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir das Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ’s sein Bestes kosten.

Er sprach zu seinem lieben Sohn: »Die Zeit ist hier zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und lass ihn mit dir leben.«

Der Sohn dem Vater g’horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt, mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen G’stalt, den Teufel wollt er fangen.

Er sprach zu mir: »Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.

Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein, da bist du selig worden.

Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübnis trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten.

Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und hüt dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz: Das lass ich dir zur Letze.«

Dr Martin Luther (1523) in LKG 226

Fortlaufende Lese

Da eiferte der HERR um sein Land und verschonte sein Volk. Und der HERR antwortete und sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Völkern zuschanden werden lassen.  20 Und ich will den Feind aus Norden von euch wegtreiben und ihn in ein dürres und wüstes Land verstoßen, seine Spitze in das östliche Meer und sein Ende in das westliche Meer; er soll verfaulen und stinken, denn er hat Großes getan.  Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR hat Großes getan.  Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Felde; denn die Auen in der Steppe grünen, und die Bäume bringen ihre Früchte, und die Feigenbäume und Weinstöcke tragen reichlich. Und ihr, Kinder Zions, freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott, der euch den Lehrer zur Gerechtigkeit gibt und euch herabsendet Regen, Frühregen und Spätregen wie zuvor,  dass die Tennen voll Korn werden und die Keltern Überfluss an Wein und Öl haben.  Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die Heuschrecken, Larven, Geschmeiß und Raupen gefressen haben, mein großes Heer, das ich unter euch schickte. Ihr sollt genug zu essen haben und den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen, der Wunder unter euch getan hat, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. Und ihr sollt’s erfahren, dass ich mitten unter Israel bin und dass ich, der HERR, euer Gott bin, und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. 

Joel 2,18-27

Morgenlese

Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allem der Erste sei. 19 Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen 20 und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. 21 Auch euch, die ihr einst Fremde wart und feindlich gesinnt in bösen Werken, 22 hat er nun versöhnt durch seinen sterblichen Leib, durch seinen Tod, auf dass er euch heilig und makellos und untadelig vor sein Angesicht stelle; 23 wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Sein Diener bin ich, Paulus, geworden.

Kolosser 1,15-23

Abendlese

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. 24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28 Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29 Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. 30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 33 So ging Paulus weg aus ihrer Mitte.

Apostelgeschichte 17,22-33

Bekenntnislese

Weil sich nun dieses Gebot, wie eben erläutert, auf so viele Dinge bezieht, ist es nötig, es den Menschen gründlich vorzuhalten und zu erklären, damit man sie nicht so frei und sicher dahinleben lässt; man muss ihnen immer wieder Gottes Zorn vor Augen stellen und einprägen. Dieses müssen wir vor allem den Spitzbuben und Gaunern predigen, denen eigentlich die Richter, Gefängniswärter und Henker predigen müssten. Denn den Christen braucht das nicht gesagt zu werden.

Darum soll jedermann wissen, dass er es bei Gottes Ungnade schuldig ist, seinem Nächsten keinen Schaden zuzufügen noch ihn um seinen Vorteil zu bringen oder beim Kauf oder irgendeinem Handel Untreue oder Hinterlist zu beweisen; er ist es darüber hinaus auch schuldig, Hab und Gut des Nächsten treu zu bewahren und dessen Nutzen zu fördern und zu mehren, insbesondere dann, wenn er Geld, Lohn oder Nahrung dafür nimmt. Wer nun dieses mutwillig verachtet, mag wohl hingehen und dem Henker entlaufen; er wird aber Gottes Zorn und Strafe nicht entgehen und, wenn er auch eine Zeitlang seinen Mutwillen treibt, schließlich doch ein Landstreicher und Bettler werden und noch dazu von allerlei Unglück geplagt werden.

Jetzt lebst du deine Tage dahin und – statt Hab und Gut deines Vorgesetzten zu bewahren – stopfst du dir deinen Magen und Bauch voll und erhältst deinen Lohn wie ein Dieb und lässt dich dazu noch wie ein großer Herr feiern. Es sind ihrer viele, die den Willen ihrer Vorgesetzten missachten und sich höchst ungern dazu bereit finden, einen Schaden zu verhüten.

Sieh aber zu, welchen Nutzen du davon hast. Es könnte sein, dass, wenn du selber dir Eigentum erwirbst und in deinem Hause sitzt, Gott allerlei Unglück über dich kommen und es dich vergelten lässt; wo du etwas gestohlen oder jemand Schaden zugefügt hast, dass du es 30-fältig bezahlen musst.

Ebenso mag es Handwerkern und Tagelöhnern gehen, von welchen man jetzt auch unleidliche Dinge hört und ertragen muss. Sie tun so, als wären sie die großen Herren und könnten über alles verfügen und jedermann müsste ihnen geben, soviel sie wollten.

Man lasse sie nur weiter die Leute schinden, solange sie können; aber Gott wird sein Gebot nicht vergessen und wird es ihnen lohnen, so wie sie es verdient haben. Sie werden schließlich am dürren Galgen hängen, nicht einmal am grünen Holze, sodass es mit ihrem Leben aus ist und sie nichts Gutes mehr zu erwarten haben. Wenn wir einen Staat hätten, in dem Ordnung herrschte, dann könnte man solcher Willkür bald Herr werden, so wie es bei den Römern gewesen ist; dort packte man den Betreffenden gleich beim Schopfe, damit auch die andern sich dadurch warnen ließen.

So sollte es auch allen andern ergehen, die aus dem freien Markt nichts als eine Abdeckerei und eine Räuberhöhle machen. Täglich übervorteilt man die Armen, beschwert sie und verteuert alles, und jeder handelt auf dem Markt nach seiner Willkür. Und darauf besteht man auch noch, so als könne man mit Fug und Recht das Seine so teuer verkaufen, wie es einem gefällt, und niemand solle etwas dareinreden.

Wir wollen ihnen wohl zuschauen (und sie gewähren lassen), wie sie andere schinden und quälen und mit allem geizen, aber wir vertrauen Gott. Wenn du dich lang genug geschunden und mühsam alles zusammengescharrt hast, dann wird er einen Segen darüber sprechen, sodass dir dein Kom auf dem Boden, dein Bier im Keller und dein Vieh im Stall verdirbt. Er wirds gewiss tun. Ja wo du jemand um ein Goldstück betrügst und übervorteilst, da soll dir dein ganzes Geld verrotten und verderben, sodass du dessen niemals mehr froh wirst.

Wir sehen und erfahren es und haben es auch täglich vor Augen, dass gestohlenes und unrecht gewonnenes Gut nicht gedeiht. Wie viele gibt es doch, die Tag und Nacht zusammenscharren und -kratzen, aber doch um keinen Pfennig reicher werden. Und wenn sie auch viel sammeln, doch soviel Plage und Unglück haben, dass sie es weder mit Freude genießen noch auf ihre Kinder vererben können. Aber weil sich niemand daran kehrt und man dahinlebt, als ginge es uns nichts an, muss Gott uns auf andere Weise heimsuchen und Mores lehren. Ein Unglück über das andere lässt er über das Land kommen, oder er schickt uns plündernde Horden ins Haus, die uns in kürzester Frist Schränke und Vorratskammern ausräumen und die nicht eher aufhören, bis wir die letzte Mark herausgegeben haben. Und zum Dank werden sie uns noch Haus und Hof verbrennen und zerstören, Frau und Kinder schänden und umbringen.

Kurz, wenn du viel stiehlst, so sei gewiss, dass dir selber noch viel mehr gestohlen wird. Wer mit Gewalt raubt und zu Unrecht Gewinne macht, muss es sich gefallen lassen, dass ihm ein anderer ebenso mitspielt. Denn diese Kunst beherrscht Gott meisterhaft, dass, weil jedermann den andem beraubt und bestiehlt, er einen Dieb mit dem andern bestraft. Wäre es nicht so, wo sollte man sonst genügend Galgen und Stricke hernehmen?

Wer sich nun belehren lassen will, soll wissen, dass es Gottes Gebot ist. Er soll es für keinen Scherz halten. Denn wenn du uns verachtest, betrügst, bestiehlst und beraubst, so wollen wir uns noch darein finden und deinen Hochmut ertragen und erleiden, auch dir vergeben und mit dir Erbarmen haben, wie es das Vaterunser lehrt. Denn die Frommen werden doch immer genug zum Leben haben müssen. Du schadest dir selber mehr als irgendeinem andern.

Aber davor hüte dich, wenn die lieben Armen kommen, von denen es heutzutage viele gibt, die von der Hand in den Mund leben müssen, dass du sie nicht anfährst, so als müsste jedermann von deiner Gnade leben, und sie bis auf die Knochen schindest und sie mit Stolz und übermut abweist, obgleich du ihnen doch geben und schenken solltest. Sie werden dann elend und betrübt fortgehen und werden, weil niemand Anklage erhebt, gen Himmel rufen und schreien. Davor hüte dich, sage ich nochmals, wie vor dem Teufel selbst. Denn solch ein Seufzen und Rufen wird nicht vergeblich sein, sondern es wird eine Wirkung haben, die dir und aller Welt zu schwer werden wird. Denn es wird zu dem dringen, der sich der armen, betrübten Herzen annimmt und sie nicht ungerächt lassen will. Verachtest du dieses aber und trotzest du, dann sieh zu, mit wem du es zu tun bekommst. Wirst du unangefochten leben und wird es dir gut ergehen, dann sollst du Gott und mich vor aller Welt einen Lügner schelten.

Dr. Martin Luther (1529): Große Katechismus 7. Gebot (I,232-247)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist  + Friede sei mit Euch + 

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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