Palmarum (6. Sonntag in den Fasten: Der Schmerzensmann)

Albrecht Dürer: Vorführung Christi: Ecce homo (1497/98)

Er soll die Starken zum Raube haben, darum daß seine Seele gearbeitet hat und hat sein Leben in den Tod gegeben und hat vieler Sünde getragen.

Jesaja 53,11-12

Introitus

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. 

Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande. Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter; denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen. 

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. 

Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine. Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst. 

Ich aber bin elend und voller Schmerzen. Gott, deine Hilfe schütze mich!

Psalm 68,2-4.8-10.14.21b-22.30 in Dr. Martin Luthers deutscher Übersetzung (Revision 2017)

Kollekte

Barmherziger, ewiger Gott, der Du Deines eigenen Sohnes nicht hast verschonet, sondern ihn für uns alle dahingegeben, daß er unsere Sünde am Kreuze tragen sollte: verleihe uns, daß unser Herz in solchem Glauben nimmermehr erschrecke noch verzage. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist ein wahrer Gott lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Orate fratres S.128f.

Alttestamentliche Lese

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. 

Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen. 

Jesaja 50,4-9

Meine Predigt:

Epistel

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. 

Philipper 2,5-11

Evangelium

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 

Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. 

Johannes 12,12-19

Der christliche Glaube

Ich glaube an den Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, all des, das sichtbar und unsichtbar ist.

Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, der vom Vater geboren ist vor aller Zeit und Welt, Gott von Gott, Licht vom Licht,wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaft geworden durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch geworden; auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben und am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; dessen Reich kein Ende haben wird.

Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat.

Und die Eine, heilige, christliche, apostolischeKirche. Ich bekenne die Eine Taufe zur Vergebung der Sünden Und warte auf die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Nizänum

Wochenlied

Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen,  Herr Jesu, Dir sei Dank für alle Deine Plagen: für Deine Seelenangst, für Deine Band und Not, für Deine Geißelung, für Deinen bittern Tod.

Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet, was Du an unsrer Statt, was Du für uns erduldet. Ach unsre Sünde bringt Dich an das Kreuz hinan; o unbeflecktes Lamm, was hast Du sonst getan?

Doch Deine Herzenslieb erweiset unserem Herzen, wie lieb wir Dir gewest; Dein Leiden, Tod und Schmerzen hat nun versöhnet Gott den Vater mit der Welt, uns seine Gnade bracht, zufrieden ihn gestellt.

Dein Kampf ist unser Sieg, Dein Tod ist unser Leben; in Deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, Dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.

O hilf, daß wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen; hilf tragen mit Geduld, durch Deine Dornenkron, wenns kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

Dein Schweiß komm uns zugut, wenn wir im Schweiße liegen; durch Deinen Todeskampf laß uns im Tode siegen; durch Deine Bande, Herr, bind uns, wie Dir’s gefällt; hilf, daß wir kreuzigen durch Dein Kreuz Fleisch und Welt.

Laß Deine Wunden ein Arznei unserer Sünden, laß uns auf Deinen Tod den Trost im Tode gründen. O Jesu, laß an uns durch Dein Kreuz Angst und Pein Dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.

Adam Thebesius 1663

Wochengebet

Barmherziger Gott, 

am Beginn dieser Heiligen Woche halten wir inne.
Wir wollen Christus willkommen heißen,
wie die Menge ihn in Jerusalem willkommen geheißen hat,
und ihm folgen auf seinem Weg.
Hilf uns, unser Herz zu öffnen für seine Liebe,
die sich im Leiden offenbart.

Wir bitten für alle, die du berufen hast,
dein Wort zu verkünden und mit den Müden zu reden.
Du siehst, dass sie oft selbst müde sind und keine Worte mehr haben.
Du siehst die Resignation und die Mutlosigkeit bei so vielen in der Kirche.
Wir bitten dich um deinen Geist, der lebendig macht,
dass sie neue Inspiration und neue Kräfte finden.
Mache deine Kirche immer wieder zu dem Ort, an dem du dich finden lässt.

Wir bitten dich für die, die geschlagen und misshandelt werden.
Für die, die in ihrem Zuhause Gewalt erleben;
für die missbrauchten Kinder, die vergewaltigten Frauen;
für alle, die sich in ihrer Familie nicht sicher fühlen.
Sei du an ihrer Seite.
Sieh auf alle, die sich selbst nicht wehren können,
und lass sie Hilfe und Schutz finden.

Wir bitten dich für alle, die unter Krieg und Terror leiden.
Wir denken an die Menschen in der Ukraine,
in Israel, in Gaza, in Syrien, im Kongo, im Sudan,
und auch an die, die gerade nicht in den Nachrichten vorkommen.
Wehre den Kriegstreibern.
Wende die Herzen aller, die ihre Interessen mit Gewalt durchsetzen wollen.
Lass Frieden und Gerechtigkeit siegen, überall.

Wir bitten dich für alle, die sich verlassen fühlen.
Die niemanden haben, der für sie kämpft.
Die allein sind und nicht weiterwissen.
Lass sie den Weg zum Kreuz deines Sohnes finden,
wo du allen Verlassenen nahe bist.
Hilf uns, mehr und besser aufeinander acht zu haben
und füreinander da zu sein. 

Wir bitten dich für die, die uns verbunden sind.
Für die Menschen, die wir lieben;
die, die wir vermissen;
alle, um die wir uns sorgen;
und besonders die, die deine Heilung brauchen.
In der Stille legen wir sie dir ans Herz.

Führe uns durch diese Tage, Gott.
Lass uns deine Liebe und deine Nähe erfahren.
Stärke unseren Glauben an dich
und unsere Hoffnung auf deinen Sieg über den Tod.

Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

VELKD

+ Der Herr sei mit Euch +

Der Herr segne und behüte Dich. Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe Sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden +

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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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