Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. 3 Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. 4 Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. 5 Die mich ohne Grund hassen, sind mehr, als ich Haare auf dem Haupt habe. Die mir ohne Ursache feind sind / und mich verderben wollen, sind mächtig. Ich soll zurückgeben, was ich nicht geraubt habe. 6 Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen. 7 Lass nicht zuschanden werden an mir, die deiner harren, Herr, HERR Zebaoth! Lass nicht schamrot werden an mir, die dich suchen, Gott Israels! 8 Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande. 9 Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter; 10 denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen. 11 Ich weine bitterlich und faste, und man spottet meiner dazu. 12 Ich habe einen Sack angezogen, aber sie treiben ihren Spott mit mir. 13 Die im Tor sitzen, schwatzen von mir, und beim Zechen singt man von mir. 14 Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. 15 Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke, dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen, und aus den tiefen Wassern…
Psalm 69,1-15. Von David, vorzusingen, nach der Weise »Lilien«. Dr. Martin Luthers Übersetzung (Revision 2017)
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte an Lätare (Das Brot des Lebens)
Du hast, reicher Gott, Dein hungerndes Volk in der Wüste gesättigt: Laß auch uns keine Mangel haben an Nahrung für Leib und Seele. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist gerühmt wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin, 1999: S.303
Das Weizenkorn muß in die Erde fallen und ersterben, sonst bleibt´s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.
Johannes 12,24
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Herr Jesu Christ, Dein teures Blut ist meiner Seele höchstes Gut, das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein.
Dein Glut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Unschuld und Gerechtigkeit macht, daß ich kann vor Gott bestehn und zu der Himmelsfreud eingehn.
O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, Dein teures Blut, Dein Lebenssaft gibt mir stets neue Lebenskraft.
Herr Jesu, in der letzten Not, wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein.
Johann Olearius 1671 (LKG 146)
Fortlaufende Lese
Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht hinein. 22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist. 23 Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, 24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.
25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21,20-28
Morgenlese
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Johannes 6,47-58
Abendlese
Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 11 Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, auf dass auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch. 12 So ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. 13 Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht: »Ich glaube, darum rede ich«, so glauben wir auch, darum reden wir auch; 14 denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.
2. Korinther 4,7-14
Bekenntnislese
Die Widersacher machen hier ein groß Geschrei von den Freiheiten und Privilegien der Geistlichen (wie sie es nennen) und setzen danach einen solchen Beschluß: „Es ist“, sagen sie, „alles nichts und untüchtig, was in diesem Artikel wider die Freiheit und Privilegien der Kirchen und Priester wird vorgebracht.“ Hier handeln die Meister der Konfutation aber als Buben, uns zu verunglimpfen. Denn in unserer Konfession ist nichts geredet wider der Kirchen oder Priester Freiheiten, damit sie von weltlicher Obrigkeit, Kaisern, Königen und Fürsten begnadet sind. Denn wir lehren ja, man soll weltliche Ordnungen und Rechte halten.
Aber wollte Gott, daß die Widersacher doch auch einmal hörten die unsägliche, erbärmliche, große Klage aller Kirchen, das große Schreien und Seufzen so viel frommer Herzen und Gewissen! Der Kirchen Freiheit, und was Geld und Gut belangt, vergessen die Widersacher nicht, aber wie die nötigsten, nützlichsten Ämter in der Kirche bestellt sind, da sorgen sie nichts. Sie fragen gar nichts danach, wie man lehre oder predige; sie fragen nicht danach, wie christlicher Gebrauch der Sakramente erhalten werde; sie ordinieren grobe Esel. Damit ist die christliche Lehre untergegangen, daß die Kirchen nicht mit tüchtigen Predigern bestellt sind. Sie machen Traditiones und unerträgliche Bürden, die Seelen zu verderben, und ob solchen ihren Traditionen halten sie viel fester denn ob Gottes Geboten. Viel arme Seelen stecken jetzund im Zweifel, wissen nicht, was sie halten sollen. Da gebührt den Prälaten, zu hören, was recht, was unrecht wäre, und die Mißbräuche zu ändern, den armen Leuten aus dem Zweifel zu helfen und die Last von den beschwerten Gewissen zu nehmen. Was sie aber tun, ist am Tage. Sie machen Edikte wider die öffentliche Wahrheit, zeigen unerhörte Tyrannei wider fromme Leute zur Erhaltung etlicher ihrer Traditionen, die öffentlich wider Gott sind. So sie nun ihre Privilegia rühmen, sollten sie billig auch ihr Amt bedenken und vieler frommen Christen Seufzen und Klagen hören, die ohne Zweifel Gott hört, und er wird einmal Rechenschaft von den Prälaten fordern.
Auch antwortet die Konfutation nicht auf unsere Gründe, sondern stellt sich recht päpstlich: sagt von großer Gewalt der Bischöfe und beweist sie nicht, spricht also, daß die Bischöfe Gewalt haben zu herrschen, zu richten, zu strafen, zu zwingen, Gesetze zu machen, dienlich zum ewigen Leben. Also rühmt die Konfutatio der Bischöfe Gewalt und beweist sie doch nicht. Von diesem Artikel ist nun der Streit: ob die Bischöfe Macht haben, Gesetze zu machen außer dem Evangelio und zu gebieten, dieselben zu halten als Gottesdienste, dadurch ewiges Leben zu verdienen.
Darauf tun wir diesen Bericht: Man muß in der Kirche diese Lehre behalten, daß wir ohne Verdienst, um Christus’ willen, durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen; so muß man auch die Lehre behalten, daß alle Menschensatzungen nicht nütze sind, Gott zu versöhnen. Darum in Speise, Trank, Kleidern und dergleichen ist weder Sünde noch Gerechtigkeit zu setzen. Denn Paulus spricht: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken.“ Darum haben die Bischöfe nicht Macht, Satzungen zu machen außer dem Evangelio, also daß man dadurch Vergebung der Sünden erlangen wollte, oder daß es sollten Gottesdienste sein, um welcher willen uns Gott gerecht schätze, und zu welchen sie die Gewissen verpflichten bei einer Todsünde. Das alles lehrt der einige Spruch in Geschichten der Apostel am 15. Kapitel, da Petrus sagt, „das die Herzen werden durch den Glauben gereinigt“. Und danach verbieten sie, ein Joch oder Bürde auf die Jünger zu legen, und sagen, wie gefährlich das sei. Auch geben sie zu verstehen, das die schrecklich sündigen und wider Gott handeln und Gott versuchen, die also die Kirche beschweren. Denn sie sagen: „Was versucht ihr Gott?“ Dies harte, ernste Wort der Apostel, welches sie billig als ein Donnerschlag schrecken sollte, lassen ihnen die Widersacher gar nicht zu Herzen gehen, sondern wollen noch mit aller Tyrannei und Gewalt ihre erdichteten Gottesdienste verteidigen.
Denn den XV. Artikel, darin wir gesetzt haben, daß wir durch Menschensatzungen nicht verdienen Vergebung der Sünden, verdammen sie und sagen hier: Die Menschensatzungen sind nütz und dienstlich, das ewige Leben zu verdienen. Dagegen ist ja öffentlich, daß sie das Herz inwendig nicht trösten; so bringen sie auch kein neu Licht oder Leben in das Herz; wie denn Paulus zu den Kolossern sagt, daß darum die Satzungen nichts helfen, ewige Gerechtigkeit oder ewiges Leben zu erlangen, denn die Satzungen lehren vom Unterschied der Speisen, Kleider und der Dinge, welche sich unter’n Händen verzehren. Das ewige Leben aber, welches inwendig durch Glauben in diesem Leben anfängt, wirkt der Heilige Geist im Herzen durch das Evangelium. Darum werden die Widersacher nimmermehr beweisen, daß man durch Menschensatzungen das ewige Leben verdiene.
So nun das Evangelium klar verbietet, daß mit solchen Satzungen die Kirchen und Gewissen nicht sollen beschwert werden, also daß man dadurch Vergebung der Sünden erlangen müsse, oder müsse sie halten als nötige Gottesdienste, ohne welche christliche Heiligkeit nicht sein könne, oder daß man sie bei einer Todsünde zu halten soll schuldig sein, so werden die Widersacher nimmermehr beweisen, daß die Bischöfe solche Gottesdienste anzurichten Macht haben.
Apologie XXVIII,1-11 Von der Potestate Ecclesiastica (Von der Macht der Bischöfe)
