Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern! 2 Singet ihm und spielet ihm, redet von allen seinen Wundern! 3 Rühmet seinen heiligen Namen; es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen! 4 Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit! 5 Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat, seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes, 6 du Geschlecht Abrahams, seines Knechts, ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten! 7 Er ist der HERR, unser Gott, er richtet in aller Welt. 8 Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter, 9 an den Bund, den er geschlossen hat mit Abraham, und an den Eid, den er Isaak geschworen hat. 10 Er stellte ihn auf für Jakob als Satzung und für Israel als ewigen Bund 11 und sprach: »Dir will ich das Land Kanaan geben, das Los eures Erbteils«, 12 als sie gering waren an Zahl, nur wenige und Fremdlinge im Lande. 13 Und sie zogen von Volk zu Volk, von einem Königreich zum andern. 14 Er ließ keinen Menschen ihnen Schaden tun und wies Könige zurecht um ihretwillen: 15 »Tastet meine Gesalbten nicht an, und tut meinen Propheten kein Leid!« 16 Und er rief den Hunger ins Land und nahm weg allen Vorrat an Brot. 17 Er sandte einen Mann vor ihnen hin; Josef wurde als Knecht verkauft. 18 Sie zwangen seine Füße in Fesseln, sein Hals wurde in Eisen gelegt, 19 bis sein Wort eintraf und die Rede des HERRN ihm recht gab. 20 Da sandte der König hin und ließ ihn losbinden, der Herrscher über Völker, er gab ihn frei. 21 Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Herrscher über alle seine Güter, 22 dass er seine Fürsten unterwiese nach seinem Willen und seine Ältesten Weisheit lehrte. 23 Und Israel zog nach Ägypten, Jakob ward ein Fremdling im Lande Hams. 24 Und der Herr ließ sein Volk sehr wachsen und machte sie mächtiger als ihre Feinde. 25 Diesen verwandelte er das Herz, / dass sie seinem Volk gram wurden und Arglist übten an seinen Knechten.
Psalm 105,1-25 Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Des Morgens, wenn Du aufstehst, kannst Du Dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater + Sohn und Heiliger Geist! Amen
Apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.
Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen (Luthers Morgensegen)
Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß Dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.
Als dann mit Freuden an Dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was Dir Deine Andacht eingibt.
Kollekte an Invokavit
Herr Gott, himmlischer Vater, Du hast Deinen Sohn in die Welt gesandt, daß er des Teufels Tyrannei wehren und uns wider den Feind schützen möge. Wir bitten Dich, Du wollest uns in aller Anfechtung erhalten und uns Deinen Geist geben, daß wir dem Satan Widerstand leisten, ihn durch Dein Wort von uns treiben und den Sieg über ihn davontragen, durch unsern Herrn Jesus Christus Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre.
1. Johannes 3,8
Lied aus dem lutherischen Kirchengesangbuch
Wir danken Dir, Herr Jesu Christ, daß Du für uns gestorben bist und hast uns durch Dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut.
Und bitten Dich, wahr Mensch und Gott, durch Dein heilig fünf Wunden rot, erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not.
Behüt uns auch vor Sünd und Schand, reich uns Dein allmächtige Hand, daß wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten Deiner schweren Pein.
Und schöpfen draus die Zuversicht, daß Du uns werdst verlassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, bis wir durchs Kreuz ins Leben gehn.
Christoph Fischer 1589 (LKG 134)
Fortlaufende Lesung
Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott. 3 Ein jeder fürchte seine Mutter und seinen Vater. Haltet meine Feiertage; ich bin der HERR, euer Gott. 4 Ihr sollt euch nicht zu den Götzen wenden und sollt euch keine gegossenen Götter machen; ich bin der HERR, euer Gott. 5 Und wenn ihr dem HERRN ein Dankopfer bringen wollt, sollt ihr es so opfern, dass es euch wohlgefällig macht. 6 Es soll an dem Tag gegessen werden, an dem ihr’s opfert, und am nächsten Tage. Was aber bis zum dritten Tag übrig bleibt, soll man mit Feuer verbrennen. 7 Wird aber am dritten Tage davon gegessen, so ist es untauglich und wird nicht wohlgefällig sein; 8 und wer davon isst, muss seine Schuld tragen, weil er das Heilige des HERRN entheiligt hat, und ein solcher Mensch wird ausgerottet werden aus seinem Volk. 9 Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht alles bis an die Ecken deines Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten. 10 Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott. 11 Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern. 12 Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR. 13 Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben. Es soll des Tagelöhners Lohn nicht bei dir bleiben bis zum Morgen. 14 Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten; ich bin der HERR. 15 Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht: Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen, sondern du sollst deinen Nächsten recht richten. 16 Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin der HERR. 17 Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.
3. Mose (Leviticus) 19,1-18
Morgenlese
Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. 2 Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre 3 und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muss er losgelassen werden eine kleine Zeit. 4 Und ich sah Throne und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses für Jesus und um des Wortes Gottes willen und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. 5 Die andern Toten aber wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. 6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.
7 Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis 8 und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, Gog und Magog, und sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer. 9 Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. 10 Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Offenbarung 20,1-10
Abendlese
Da antworteten ihm einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen. 39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. 40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. 41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. 42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. 43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen am Ende ärger, als es vorher war. So wird’s auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
Matthäus 12,38-45
Bekenntnislese
Wir wissen sehr wohl, daß etliche sehr schreien, wir machten Schismata. Aber unsere Gewissen sind ganz sicher, nachdem wir mit allem treuen Fleiß Frieden und Einigkeit gesucht haben, und die Widersacher ihnen sich nicht wollen genügen lassen, wir verleugnen denn (das Gott verhüte!) die öffentliche göttliche Wahrheit, wir willigen denn mit ihnen, das häßliche Papstgesetz anzunehmen, fromme, unschuldige Eheleute voneinander zu reißen, die ehelichen Priester zu erwürgen, unschuldige Weiber und Kinder ins Elend zu vertreiben, ohne alle Ursache unschuldig Blut zu vergießen. Denn nachdem es gewiß ist, das solches Gott nicht gefällt, so sollen wir uns lassen lieb sein, daß wir keine Einigkeit noch Gemeinschaft, auch keinen Schuld an so viel unschuldigem Blut mit den Widersachern haben.
Wir haben Ursache angezeigt, warum wir es mit gutem Gewissen mit den Widersachern nicht halten können, die den Zölibat verteidigen. Denn es ist wider alle göttlichen und natürlichen Rechte, wider die Canones selbst, dazu ist’s eitel Heuchelei und Gefahr. Denn sie halten über derselben erdichteten Keuschheit nicht so hart Heiligkeit halben, oder daß sie es nicht anders verkünden; sie wissen wohl, daß jedermann der hohen Stifte Wesen, welche wir wohl zu nennen wüßten, kennt, sondern allein ihre Tyrannei und Herrschaft zu erhalten. Und es wird kein ehrbarer Mensch wider obenangezeigte starke, klare Gründe etwas können aufbringen. Das Evangelium läßt allen den Jungen den Ehestand frei, denen er vonnöten ist; so zwingt es die zum Ehestand nicht, so die Gabe der Keuschheit haben, wenn es allein rechte Keuschheit und nicht Heuchelei ist. Die Freiheit, halten wir, sei den Priestern auch zu vergönnen, und wir wollen niemand mit Gewalt zum Zölibat zwingen, wollen auch fromme Eheleute nicht voneinander treiben oder die Ehe zerreißen.
Wir haben nun etliche unserer Gründe auf diesmal kurz angezeigt; auch haben wir vermeldet, wie die Widersacher so ungeschickten Behelf und Träume dawider aufbringen. Nun wollen wir anzeigen, mit was starken Gründen sie ihr Papstgesetz verteidigen. Erstlich sagen sie, solch Gesetz sei von Gott offenbart. Da steht man, wie ganz unverschämt die heillosen Leute sind. Sie dürfen sagen, daß ihr Eheverbieten von Gott offenbart sei, so es doch öffentlich ist wider die Schrift, wider Paulum da er sagt: „Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.“ Item, so die Schrift und Canones stark verbreiten, daß man die Ehe, so schon vollzogen, in keinem Wege zerreißen soll, was dürfen die Buben sagen und den hohen, allerheiligsten Namen der göttlichen Majestät so frech und unverschämt mißbrauchen? Paulus der Apostel sagt recht, wer der Gott sei, der solch Gesetz erst eingeführt, nämlich der leidige Satan; denn er nennt’s: „Teufelslehre“. Und wahrlich, die Frucht lehrt uns den Baum kennen, so wir sehen, daß so viel schreckliche, greuliche Laster dadurch geursacht werden, wie an Rom zu sehen; item, daß auch über diesem Gesetz des Würgens und Blutvergießens der Teufel kein Ende macht.
Der andere Grund der Widersacher, ist, daß die Priester sollen rein sein, wie die Schrift sagt: „Ihr sollt rein sein, die ihr traget die Gefäße des Herrn.“ Das Argument haben wir hier oben widerlegt ; denn wir haben genug angezeigt, daß Keuschheit ohne Glauben keine Reinigkeit vor Gott sei, und der Ehestand ist Heiligkeit und Reinigkeit um des Glaubens willen, wie Paulus sagt: „Den Reinen ist alles rein.“ So haben wir klar genug gesagt, daß Mosis Zeremonien von Reinigkeit und Unreinigkeit dahin nicht zu ziehen seien. Denn das Evangelium will haben Reinigkeit des Herzens. Und hat keinen Zweifel, daß Abrahams, Isaaks, Jakobs, der Erzväter Herzen, welche doch viele Weiber gehabt, reiner gewesen seien denn vieler Jungfrauen, die gleich nach Reinigkeit des Leibes rechte, reine Jungfrauen gewesen. Daß aber Jesaias sagt: „Ihr sollt rein sein, die ihr das Gefäß des Herrn tragt“, das ist zu verstehen von ganzer christlicher Heiligkeit und nicht von Jungfrauschaft, und eben dieser Spruch gebietet den unreinen, ehelosen Priestern, daß sie reine, eheliche Priester werden. Denn wie zuvor gesagt ist, die Ehe ist Reinigkeit bei den Christen.
Das dritte ist erstlich ein schrecklich Argument, daß der Priester Ehe solle Ketzerei sein. Gnadet unserer armen Seele, liebe Herren; fahrt schöne! Das ist gar ein Neues, daß der heilige Ehestand, den Gott im Paradies geschaffen hat, soll Ketzerei sein worden. Mit der Weise würde die ganze Welt eitel Ketzerkinder sein. Es ist eine große, unverschämte Lüge, daß der Priesterehe solle Joviniani Ketzerei sein, oder daß solche Priesterehe zu den Zeit von der Kirche solle verdammt sein. Denn zu Jovinianus’ Zeiten hat die Kirche von diesem Papstgesetz, dadurch den Priestern die Ehe ganz verboten ist, noch nicht gewußt. Und solches wissen unsere Widersacher wohl. Aber sie ziehen oft alte Ketzereien an und reimen unsere Lehre dazu wider ihr eigen Gewissen, allein den Ungelehrten einzubilden, als sei unsere Lehre vor alters von der Kirche verdammt, und also jedermann wider uns zu bewegen. Mit solchen Griffen gehen sie um; Und darum haben sie und die Konfutation nicht wollen zustellen. Sie haben besorgt, man möchte ihre öffentlichen Lügen verantworten, welches ihnen eine ewige Schande bei allen Nachkommen sein wird. Was aber Joviniani Lehre belangt, haben wir hier oben gesagt, was wir von Keuschheit und was wir vom Ehestand halten. Denn wir sagen nicht, daß der Ehestand gleich sei der Jungfrauschaft, wiewohl weder Jungfrauschaft noch Ehestand gerecht macht vor Gott.
Mit solchen schwachen, losen Gründen schützen und verteidigen sie des Papstes Gesetz vom Zölibat, das so zu großen Lastern und Unzucht hat Ursache gegeben. Die Fürsten und Bischöfe, so diesen Lehrern glauben, werden wohl sehen, ob solche Gründe den Stich halten, wenn es zu der Todesstunde kommt, daß man vor Gott soll Rechenschaft geben, warum sie frommer Leute Ehe zerrissen haben, warum sie diese gestöckt und gepflöckt haben, warum sie so viele Priester erwürgt und unschuldig Blut über alles Klagen, Heulen und Weinen so vieler Witwen und Waisen vergossen haben. Denn das dürfen sie sich nicht in Sinn nehmen: die Zähren und Tränen der armen Witwen, das Blut der unschuldigen ist im Himmel unvergessen, es wird zu seiner Stunde als stark als des heiligen, unschuldigen Abels Blut über sie in hohen Himmel schreien und vor Gott, dem rechten Richter, rufen. Wenn nun Gott solche Tyrannei richten wird, werden sie erfahren, daß ihre Argumente Stroh und Heu sind und Gott „ein verzehrend Feuer“, vor dem nicht bleiben kann außer göttliches Worts, 1 Pet. 1, 24.25.
Unsere Fürsten und Herren, es gehe, wie es wolle, haben sich des zu trösten, daß sie mit gutem Gewissen gehandelt haben. Denn ich will gleich setzen, daß der Priester Ehe etwas anzufechten sei, als nicht ist, doch ist das stracks wider Gottes Wort und Willen, daß die Widersacher die vollzogenen Ehen also zerreißen, arme, unschuldige Leute ins Elend jagen und erwürgen. Es haben unsere Fürsten und Herren ja nicht Lust an Neuerung und Zwiespalt, dennoch sind sie schuldig, daß sie göttlich Wort und Wahrheit in so gerechter und gewisser Sache mehr lassen gelten denn alle andern Sachen. Da verleihe Gott Gnade zu! Amen.
Apologie XXIII,59-71 (Von der Priesterehe)
