2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Tal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlecht.
3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.
4. Ach mache Du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein.
EG 10 (LKG 77) Ö / Jesaja 40,3-4 Text: Valentin Thilo 1642 STR. 4 LÜNEBURG 1657 Musik: VON GOTT WILL ICH NICHT LASSEN (NR. 365)
Freuet Euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet Euch! Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget Euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset Eure Bitten mit Gebet und Flehen vor Gott kund werden.
Kollekte
O Herr, wir bitten Dich: neige Dein Ohr zu unseren Gebeten und erleuchte die Finsternis unserer Herzen durch die Heimsuchung Deiner Gnade. Der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden. Bd.1. Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer. Lutherisches Verlagshaus: Berlin, 1955. S.8
Fortlaufende Lese
Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; 48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. 50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. 51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. 54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. 56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
Lukas 1,39-56
Morgenlese
Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, 2 dass die Völker sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. 3 Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. 4 Man soll dich nicht mehr nennen »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Einsame«, sondern du sollst heißen »Meine Lust« und dein Land »Liebe Frau«; denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Mann. 5 Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen. 6 O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, 7 lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden! 8 Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, 9 sondern die es einsammeln, sollen’s auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums. 10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! 11 Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her! 12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.
Jesaja 12
Abendlese
Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes. 30 Aber die Pharisäer und die Lehrer des Gesetzes verwarfen für sich Gottes Ratschluss und ließen sich nicht von ihm taufen. 31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? 32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot und trank keinen Wein; und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. 34 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; und ihr sagt: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! 35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
61Merkwürdige Debatten werden geführt über die Veränderung des Gesetzes, über neutestamentliche Handlungen der Gottesverehrung, über die Verlegung des Sabbats… Sie alle entspringen der falschen Meinung, es müsse in der Kirche eine Art levitischen Kult geben, und ebenso der falschen Meinung, als habe Christus von den Aposteln und Bischöfen erwartet, sich neue heilsnotwendige Formen der Gottesverehrung auszudenken. 62Diese Irrtümer haben sich nur deswegen in der Kirche eingeschlichen, weil die Glaubensgerechtigkeit nicht genügend klar gelehrt wurde. 63Manche argumentieren, die Sonntagsheiligung sei zwar nicht eigentlich göttlichen Rechts, aber doch praktisch dem göttlichen Recht gleichgestellt, und machen Vorschriften, wieviel an Feiertagen gearbeitet werden darf. 64Was aber sind solcherart Debatten anderes als Gewissensfallen? Auch wenn man versucht, die Traditionen abzumildern, so kann doch niemals ein rechtes Maß gefunden werden, solange man an ihrer Heilsnotwendigkeit festhält. Die Meinung über die Heilsnotwendigkeit aber wird sich nicht ändern, wo man die Glaubensgerechtigkeit und die christliche Freiheit ignoriert. 65Einst geboten die Apostel, sich von Blut [und Ersticktem] zu enthalten (Apostelgesch. 15,20.29). Wer hält sich heute noch daran? Aber es sündigt niemand, der sich nicht daran hält. Die Apostel selbst wollten nämlich keineswegs die Gewissen mit so einem Knechtsdienst belasten, sondern erließen nur ein zeitgebundenes Verbot, um Ärgernis zu vermeiden. 66Der Geist des Evangeliums muss ja bei so einer Verfügung stets mitbedacht werden.[Man muss in dieser Satzung Acht haben auf das Hauptstück der christlichen Lehre, das durch dieses Dekret nicht aufgehoben wird.]
67Kaum irgendwelche kanonischen Gesetze werden genau befolgt, und täglich fallen viele weg – auch bei denen, die die Traditionen hochhalten. 68Aber die Gewissen können nur dann guten Rat finden, wenn die Traditionen mit dem rechten Augenmaß befolgt werden – nämlich im Wissen darum, dass man sie nicht für heilsnotwendig halten darf und dass es gewissensmäßig unbedenklich ist, wenn Menschen sie abgewandelt befolgen. 69Die Bischöfe könnten leicht einen legitimen Gehorsam aufrechterhalten, wenn sie nicht auf der Befolgung von solchen Traditionen bestünden, die nur mit schlechtem Gewissen eingehalten werden können. 70Nun aber [verbieten sie beiderlei Gestalt des heiligen Sakraments,] fordern sie den Zölibat und nehmen auch nur solche in den Priesterstand auf, die schwören, dass sie nicht die reine Lehre des Evangeliums verkündigen wollen. 71Wir verlangen ja gar nicht, dass die Bischöfe ihre Ehre verlieren sollen, wenn sie die Einheit wiederherstellen – obgleich das guten Hirten [im Notfall] durchaus gut zu Gesicht stünde. 72Wir verlangen lediglich, dass sie die ungerechtfertigten Belastungen aufheben, die neu sind und ohne Rücksicht auf die Tradition der allgemeinen Kirche eingeführt wurden. 73Möglicherweise gab es ursprünglich akzeptable Gründe für solche Satzungen, aber sie passen nicht in die späteren Zeiten. 74Bei einigen ist auch offensichtlich, dass ihre Einführung ein Irrtum war. Aus diesem Grund sollten die Bischöfe sich jetzt nachgiebig zeigen und solche Satzungen abmildern; so eine Reform belastet keineswegs die Einheit der Kirche. Viele menschliche Traditionen sind ja im Lauf der Zeit geändert worden, wie selbst das kanonische Recht beweist. 75Falls aber Vorschriften, die nur mit Sünde befolgt werden können, nicht gelockert werden, müssen wir der apostolischen Richtlinie folgen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgesch. 5,29). 76Petrus verbietet den Bischöfen zu herrschen und auf die Gemeinden Druck auszuüben (vgl. 1. Petrus 5,3). 77Nun betreiben wir keineswegs die Entmachtung der Bischöfe, sondern verlangen lediglich dies Eine, dass sie die reine Evangeliumsverkündigung dulden und die Einhaltung der wenigen Vorschriften lockern, die man nicht ohne Sünde befolgen kann. 78Falls sie das aber nicht tun, dann sollen sie sehen, wie sie es vor Gott verantworten können, dass sie durch ihre Sturheit eine Kirchenspaltung verursacht haben[, die sie doch eigentlich verhüten helfen sollten].
Bechluß: 1Wir haben hier die wichtigsten der Artikel betrachtet, die offensichtlich strittig sind. Man könnte durchaus noch mehr Missstände nennen, aber um Weitschweifigkeit zu vermeiden, haben wir uns auf das Wichtigste beschränkt. 2Es hat nämlich auch viel Streit gegeben um Ablässe, Wallfahrten und ungerechtfertigten Ausschluss. Die Pfarrbezirke hatten sehr unter Wanderpredigern zu leiden. Nicht enden wollende Spannungen bestanden zwischen Pastoren und Mönchen über pfarramtliches Recht, Beichte-Hören, Beerdigungen und unzählige andere Dinge. 3Dies alles haben wir hier aber nicht behandelt, damit das, was wirklich wichtig ist, in aller Kürze leicht erfasst werden kann.
4Was wir hier gesagt und zusammengetragen haben, will auch niemanden in irgendeiner Weise beleidigen. 5Lediglich das haben wir vorgebracht, was uns nötig erschien, damit verständlich wird: Es gibt bei unserem Lehren und Handeln nichts, was der Heiligen Schrift oder der allgemeinen Kirche widerspricht. Es ist ganz offensichtlich: Wir haben uns sehr sorgsam davor gehütet, dass sich keine neuen gottlosen Lehren in unseren Gemeinden einschleichen. 6Die voranstehenden Artikel wollten wir entsprechend des Erlasses eurer kaiserlichen Majestät vorstellen. Mit ihnen haben wir unser Bekenntnis dargelegt. Auch kann man aus ihnen die grundlegende Lehre derer ersehen, die bei uns verkündigen. 7Sollte etwas in diesem Bekenntnis zu wünschen übrig bleiben, sind wir bereit, nach Gottes Willen weitere schriftgemäße Informationen darzulegen.
Eurer kaiserlichen Majestät treu und ergeben: Johann, Herzog zu Sachsen, Kurfürst Georg, Markgraf zu Brandenburg Ernst [Herzog zu Lüneburg] mit eigener Hand Philipp, Landgraf zu Hessen Johann Friedrich, Herzog zu Sachsen Franz, Herzog zu Lüneburg Wolfgang, Fürst zu Anhalt Bürgermeister und Rat zu Nürnberg [Bürgermeister und] Rat zu Reutlingen
Gebet im Advent
Herr Gott, himmlischer Vater, wir preisen Dich, daß Du Deinen Sohn Jesum Christum uns zugut in die Welt gesandt hast und Dich ihm aller Menschen herzlich annimmst.
Dir sei Dank, daß Du unsere harten Herzen und unsere Untreue nicht ansiehst und zu uns kommst in Wort und Sakrament.
Herr, entziehe uns Deine Gnade nicht, laß sie neu werden über Deiner Kirche und mehre unter uns Dein Reich.
Erfülle die Diener des Evangeliums mit dem Geist der Wahrheit, der Liebe und der Kraft, daß sie mit Freuden Dein Heil verkündigen und in Lauterkeit ihren Wandel führen.
Pflanze durch Dein Wort den Glauben in unsere Herzen, daß wir in rechter Furcht vor Dir wandeln. Die im Schlaf der Sicherheit liegen, wecke auf; die geistlich Toten rufe zum Leben. Denen, die sich reich und satt dünken, zeige ihre Armut.
Führe wieder herzu, die untreu geworden sind. Vollende in uns alle das angefangene Werk. Stärke die Schwachen, tröste die Traurigen, gib Sieg den Kämpfenden, bewahre die Treuen.
Du Gott des Friedens, heilige uns durch und durch, auf daß unser Geist ganz samt Seele und Leib unsträflich bewahret werde auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu bist Du, der Du uns berufen hast; Du wirst es auch tun. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Agende s.o. S. 356
Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist + Friede sei mit Euch + Amen. Amen