Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Der Isenheimer Altar (1506 -1515) von Matthias Grünewald (Unterlinden Museum, Colmar)

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget allen Freuden, es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: »Ich will’s gern leiden.«

Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen: »Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zur Straf und Zornesruten; die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.«

»Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dir’s tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.« O Wunderlieb, o Liebesmacht, du kannst – was nie kein Mensch gedacht – Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen.

Paul Gerhardt 1647 (LKG 138,1-3)

Dienstag nach dem 5. Sonntag in den Fasten (Judika:Der Hohepriester)

Christus spricht: Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.

Johannes 17,19

Kollekte

Herr Gott, himmlischer Vater, der Du Deinen Sohn gesetzt hast zum rechten Preister und Mittler seines Volkes, verleihe uns, daß wir sein einiges ewiges Opfer mit gläubigem Herzen ansehen, und uns seiner Fürbitte allezeit getrösten, durch ihn unseren Herrn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert ein Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Orate fratres S. 128

Fortlaufende Lese

Und am ersten Tage der Ungesäuerten Brote, da man das Passalamm opferte, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und das Passalamm bereiten, damit du es essen kannst? 13 Und er sandte zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folgt ihm, 14 und wo er hineingeht, da sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist die Herberge für mich, in der ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern? 15 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der schön ausgelegt und vorbereitet ist; und dort richtet für uns zu. 16 Und die Jünger gingen hin und kamen in die Stadt und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.

Markus 14,12-16

Tageslese

Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel 2 und ist ein Diener am Heiligtum und am wahrhaftigen Zelt, das der Herr aufgerichtet hat und nicht ein Mensch. 3 Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, das er opfert. 4 Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. 5 Sie dienen aber dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er das Zelt errichten sollte: »Sieh zu«, heißt es, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.« 6 Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. 7 Denn wenn jener erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. 8 Denn er tadelt sie und sagt: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, 9 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr. 10 Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihren Sinn geben, und in ihr Herz will ich sie schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. 11 Und es wird niemand seinen Mitbürger lehren noch jemand seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen. 12 Denn ich will gnädig sein ihren Missetaten, und ihrer Sünden will ich nicht mehr gedenken.« 13 Indem er sagt: »einen neuen Bund«, hat er den ersten zu einem alten gemacht. Was aber alt wird und betagt ist, das ist dem Ende nahe.

Hebräer 8

Gebet am Dienstag

Allmächtiger Gott, himmlischer Vater!

Wir preisen Deine grundlose Barmherzigkeit, mit der Du Dich über sündige Menschen erbarmst. Alle Propheten und Apostel verkündigen uns das in Deinem Wort.

Laß unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden, wenn wir zu Dir beten für alle Leidenden in dieser Zeit. Denn siehe, der böse Feind ist mächtig geworden, und die Großen dieser Welt regieren oft mit Ungerechtigkeit. O GOTT, der Du vormals hast Deinen Heiligen überwinden lassen, stärke auch heute alle, die Deiner Hilfe gegen Unrecht bedürftig sind.

Gib, daß alle Kriegsgefangenen und Geiseln der Terroristen – als Sklaven gehalten und Opfer irdischer Rache – in ihre Heimat zurückkehren. Stehe allen Vertriebenen und Heimatlosen bei und sei Du ihre Gerechtigkeit. Den Witwen und Waisen sei ein Vater mit starkem Schutz.

O Jesu Christe, der Du Deine Heiligen wunderbar führst: Gehe durch Riegel und Gitter zu denen, die um Deines Namens und um Deiner Kirche willen gefangen sind; stärke sie zu einem guten Zeugnis und laß sie nicht wankend werden im Bekenntnis Deines Namens. Uns aber lehre durch das Beispiel so vieler heiliger Märtyrer, daß wir allezeit wach seien zum Bekenntnis Deines Namens. Laß uns nicht zu Schanden werden, wenn der böse Feind Hand an uns legt, sondern gib, daß wir in aller Anfechtung bestehen. Doch wenn es Dein Wille ist, dann laß uns in Ruhe und Frieden leben der Heiligung Deines Namens.

Um Deines heiligen Opfers willen, o Jesu Christe, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist, ein wahrer GOTT, lebest und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lutherisches Kirchengesangbuch (Lutheraner Verlag, Uelzen: 1956. Anhang: S.143)

Es segne und behüte Euch Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, Sohn + Heiliger Geist 
Friede sei mit Euch + 
AmenAmen

Unknown's avatar

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
This entry was posted in Passionszeit and tagged , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.