


Wir lesen weiter in der Apologie Melanchthons wie Justus Jonas sie übersetzt hat:
Actuum xv: „Durch den glauben reniget er ihre hertzen“; darümb ist der glaub, da die Apostel von reden, nicht ein schlecht erkentnis der Historien, Sondern ein starck krefftig werck des heiligen Geists, das die hertzen verendert. Abacuc ii. Cap: „Der gerecht lebet seines glaubens“; da sagt er erstlich, das der gerecht durch den glauben gerecht wird, so er gleubt, das Gott durch Christum gnedig sey. Zum andern sagt er, das der glaub lebendig macht. Denn der glaub bringet allein den hertzen und gewissen fride und freude und das ewige leben, wilchs hie inn diesem leben anfecht. Esaie liii: „Sein erkentnis wird viel gerecht machen.“ Was ist aber das erkentnis Christi, denn sein wolthat kennen und sein verheissung, die er in die welt hat geprediget und predigen lassen? Und die wolthat kennen, das heist an Christum warlich gleuben, Nemlich gleuben, das, was Gott durch Christum verheissen hat, das er das gewis geben wolle.
Aber die schrifft ist vol solcher sprüche und zeugnis, denn dieser zwey stücke handelt die schrifft, gesetz Gottes und verheissung Gottes. Nu reden, die verheissung von vergebung der sunde und Gottes versünung durch Christum. Und bey den Vetern findet man auch viel der sprüche; denn auch Ambrosius zu Ireneo schreibt: die gantze welt aber wird darümb Gott unterthan, unterworffen durchs gesetz, denn durch das gebot des gesetzs werden wir alle angeklagt, aber durch die werck des gesetzs wird niemands gerecht. Denn durch das gesetz wird die sunde erkant, aber die schuld wird auffgelöset durch den glauben, und es scheinet wol, als hette das gesetz schaden gethan, denn es alle zu sundern gemacht hat; aber der her Christus ist komen und hat uns die sunde, wilche niemands kont meiden, geschanckt und hat die handschrifft durch vergiessen seins bluts ausgelescht. Und das ist, das Paulus sagt zu den Römern am v: Die sunde ist mechtig worden durchs gesetz, aber die gnade ist noch mechtiger worden durch Jhesum.
Denn dieweil die gantze welt ist schuldig worden, so hat er der gantzen welt sunde weggenomen, wie Johannes zeugt: „Siehe, das ist das lamb Gottes, wilchs der welt sunde wegnimpt.“ Und darümb sol niemands seiner werck sich rühmen, denn durch sein eigen thun wird niemands gerecht; wer aber gerecht ist, dem ists geschenckt inn der Tauff inn Christo, da er ist gerecht worden. Denn der glaub ist, der uns los macht durch das blut Christi, und wol dem, wilchem die sunde vergeben wird, und gnad widderferet.
Diese sind Ambrosii klare wort, die doch gantz öffentlich mit unser lere auch stimmen; er sagt, das die wercke nicht gerecht machen, und sagt, das der glaub uns erlöse durch das blut Christi. Wenn man alles Sententiarios uber einen hauffen zusamenschmeltzet, die doch grosse titel füren, denn etliche nennen sie „Engelisch“, „Angelicos“, etliche „subtiles“, etliche „irrefragabiles“ i.e. Doctores, die nicht irren können, und wenn man sie alle lese, so werden sie alle mitein nicht so nütz sein, Paulum zu verstehen, als der einige spruch Ambrosii.
Auff die meinung hat auch Augustinus viel widder die Pelagianer geschrieben und „de spiritu et littera“ sagt er also: Darümb wird uns das gesetz und sein gerechtigkeit furgehalten, das, wer sie thut, dadurch lebe, und das ein jeder, so er sein schwacheit erkennet, zu Gott, wilcher allein gerecht macht, kome nicht durch sein eigen kreffte noch durch den buchstabe des gesetzs, wilchen wir nicht erfüllen können, sondern durch den glauben. Ein recht gut werck kan niemands thun, denn der zuvor selbst gerecht, from und gut sey; gerechtigkeit aber erlangen wir allein durch den glauben. Da sagt er klar, das Gott, wilcher allein seliget und heiliget, durch den glauben verünet wird und das der glaub uns fur Gott from und gerecht macht.
Und bald hernach: Aus dem gesetz fürchten wir Gott, durch den glauben hoffen und vertrauen wir in Gott. Die aber die straff fürchten, den wird die gnad verborgen unter wilcher forcht, wenn ein mensch inns angst ist etc, sol er durch den glauben flihen zu der barmhertzigkeit Gottes, das er dasjhenige gebe, dazu gnade verleihe, das er im gesetz gebeutet. Da leret er, das durch das gesetz die hertzen geschreckt werden und durch den glauben widder trost entpfahen.
Es ist warlich wunder, das die widersacher können so blind sein und so viel klarer sprüche nicht ansehen, die da klar melden, das wir durch den glauben gerecht werden und nicht aus den wercken. Wo dencken doch die armen leute hin? Meinen sie, das die schrifft one ursachen einerley so offte mit klaren worten erholet? Meinen sie, das der heilig Geist sein wort nicht gewis und bedechtlich setzt odder nicht wisse, was er rede? Darüber haben die Gottlosen leute ein Sophistisch gloss ertichtet und sagen: die sprüche der schrifft, so sie vom glauben reden, sind von „fide formata“ zu verstehen. Das ist, sie sagen: der glaub macht niemands from odder gerecht denn umb der liebe, odder werck willen. Und inn Summa nach ihrer meinung, so macht der glaub niemands gerecht, sondern die liebe allein, Denn sie sagen, der glaube könne neben einer todtsunde sein. Was ist das anders, denn alle zusage Gottes und verheissung der gnade umbgestossen und das gesetz und wercke geprediget?
So der glaub vergebung der sunde und gnad erlangt umb der liebe willen, so wird die vergebung der sunde allzeit ungewis sein. Denn wir lieben Gott nimmer so volkömlich, als wir sollen. Ja, wir können Gott nicht lieben, denn das hertz sey erst gewis, das ihm die sunde vergeben sein, Also, so die widdersacher leren, auff liebe Gottes, die wir vermügen, und eigen wercke vertrauen, stossen sie das Evangelium, welchs vergebung der sunde prediget, gar zu boden, so doch die liebe neimands recht haben noch verstehen kann, er gleub denn, das wir aus gnaden umbsonst vergebung der sunde erlangen durch Christum.
Wir sagen auch, das die liebe dem glauben folgen sol, wie Paulus sagt: „Inn Christo Jhesu ist widder beschneidung noch vorhaut etwas, sondern der glaub, wilcher durch die liebe wircket.“ Man sol aber darümb auff die liebe nicht vertrauen noch bauen, als erlangten wir umb der liebe willen odder durch die liebe vergebung der sunde und versünung Gottes. Gleichwie wir nicht vergebung der sunde erlangen umb anderer werck willen, die da folgen, sondern allein durch den glauben. Denn die verheissung Gottes kann niemands durch werck fassen, sondern allein mit dem glauben. Und der glaub eigentlich odder „fides proprie dicta“ ist, wenn mir mein hertz und der heilige geist im hertzen sagt: die verheissung Gottes ist war; und ja, von demselbigen glauben redet die schrifft. Und dieweil der glaub, ehe wir etwas thuen oder wircken, nur ihm schenken und geben lesset und entpfehet, so wird uns der glaube zur gerechtigkeit gerechnet wie Abraham, ehe wir lieben, ehe wir gesetz thun odder einig werck.
Wiewol es war ist, das frucht und wercke nicht aussen bleiben; und der glaub ist nicht ein blos, schlecht erkentnis der Historien, sondern ein neu liecht im hertzen und krefftig werck des heiligen Geistes, dadurch wir neu geborn werden, dadurch die erschrocken gewissen wider auffgericht und leben erlangen, Und dieweil der glaub allein vergebung der sunde erlangt und uns Gott angenem macht, bringet er mit sich den heiligen Geist und solt billicher genent werden „gratia gratum faciens“, i.e. Die gnad, die da angenehm macht, denn die liebe, wilche folgt.
Bisanher haben wir reichlich angezeigt aus sprüchen der Veter und der schrifft, damit doch diese sache gar klar würde, das wir allein durch den glauben vergebung der sunde erlangen umb Christus willen und das wir allein durch den glauben gerecht werden, das ist, aus ungerecht from, heilig und neu geborn werden. Frome hertzen aber sehen hie und mercken, wie gantz uberaus hohenötig diese lare vom glauben ist, denn durch die allein lernt man Christum erkennen und seine wolthat, und durch die lare finden die hertzen und gewissen allein rechte, gewisse rhue und trost. Denn sol ein Christlich kirche sein, sol ein Christenglaub sein, so mus jhe ein predigt und lare darinnen sein, dadurch die gewissen auff kein wahn noch sandgrund gebauet werden, sondern darauff sie sich gewis verlassen und vertrauen mügen.
Darümb sind warlich die widdersacher untreue Bischoff, untreue prediger und Doctores, haben bisanher den gewissen ubel gerathen und rathen ihnen noch ubel, das sie solche lare rüren, da sie die leute lassen im zweifel stecken, ungewis schweben und hangen, ob sie vergeb ung der sunde erlangen odder nicht. Denn wie ists müglich, das diejhenigen inn todesnöten und letzten zögen und engsten bestehen sollten, die diese nötige lare von Christo nicht gehöret haben odder nicht wissen, die da noch wancken und im zweifel stehen, ob sie vergebung der sunde haben odder nicht? Item, sol ein Christliche kirche sein, so mus jhe inn der kirchen das Evangelium Christi bleiben, nemlich diese Göttliche verheissunge, das uns one verdienst sunden vergeben werden umb Christus willen. Dasselbige heilige Evangelium drücken diejhenigen gar unter, die von dem glauben, davon wir reden, gar nichts leren. Nu leren noch schreiben die Scholastici nicht ein wort, nicht ein titel vom glauben, welchs schrecklich ist zu hören; den folgen unser widdersacher und verwerffen diese höchste lere vom glauben und sind so verstockt und blind, das sie nicht sehen, das sie damit das gantze Evangelium, die Göttliche verheissung von der vergebung der sunde und den gantzen Christum unter die füs tretten.
Apologia der Confession verdeutscht aus dem Latin durch Justum Jonam: AC IV (Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche hg.v Dingel u.a. i.A. der EKD (V&R: 2014. S.310-316)