Was der glaub sey, der fur Gott from und gerecht macht (Apologie IV)

König David im Egbert Psalter (Erzbischof von Trier 977-993 AD)

Die widdersacher wöllen wehnen, der glaub sey dieses, das ich wisse odder gehört habe die Historien von Christo; darümb leren sie, Ich könne wol gleuben, ob ich gleich inn todsunden sey. Darümb von dem rechten Christlichem glauben, davon Paulus an allen orten so offen redet, das wir durch den glauben fur Gott from werden, da wissen odder reden sie garnichts von. Denn wilche fur Gott heilig und gerecht geacht werden, die sind jhe nicht in todsunden. Darümb der glaub, wilcher fur Gott from und gerecht macht, ist nicht allein dieses, das ich wisse die Historien, wie Christus geporn, gelieden etc. – das wissen die Teuffel auch – , Sondern ist die gewisheit oder das gewisse, starcke vertrauen im hertzen, da ich mit gantzem hertzen die zusag Gottes fur gewis und war halte, durch wilche mir angeboten wird one mein verdienst vergebung der sunde, gnade und alles heil durch den mitler Christum. Und damit das niemands wehne, es sey allein ein blos wissen der Historien, so setze ich das darzu: Der glaub ist, das sich mein gantz hertz desselbigen schatzes annimpt, und ist nicht mein thun, nicht mein schencken noch geben, nicht mein wercke odder bereiten, sondern das ein hertz sich des tröstet und gantz darauff verlesset, das Gott uns schenckt, uns gibt und wir ihme nicht, das er uns mit allem schatz der gnaden inn Christo uberschüt.

Aus diesem ist leicht zu mercken unterscheid zwischen dem glauben und zwischen der frömkeit, die durch gesetz kömpt. Denn der glaub ist ein solcher Gottesdienst und latria, da ich mir schencken und geben lasse. Die gerechtigkeit aber des gesetzs ist ein solcher Gottesdienst, der da Gott anbeutet unser wercke. So will Gott nu durch den glauben also geehret sin, das wir von ihm entpfahen, was er verheisset und anbeutet.

Das aber der glaub nicht allein sey die Historien wissen, sondern der da fest helt die Göttlich verheissungen, zeiget Paulus gnugsam an, der da saget zu den Römern am iiii: „Derhalben mus die gerechtigkeit durch den glauben komen, auff das die verheissung fest bleibe.“ Da hefftet und verbindet Paulus die zwey also zusamen, das, wo verheissung ist, da mus auch glaub sein etc., und widderümb correlative, wo verheissung ist, da foddert Gott auch glauben. Wiewol nock klerer und schlechter zu zeigen ist, was der glaub , der da gerecht macht, sey, wenn wir unser eigen Credo und glauben ansehen. Denn im symbolo stehet jhe dieser Artikel: vergebung der sunde. Darümb ists nicht genug, das ich wisse odder gleube, das Christus geborn ist, gelieden hat, aufferstanden ist, wenn wir nicht auch diesen Artikel, darümb das alles entlich geschehen, gleuben. Nemlich, ich gleube, das mir die sunde vergeben sein; auff den Artiel mus das ander alles gezogen werden, nemlich, das umb Christus willen, nicht umb meins verdiensts willen uns die sunde vergeben werden. Denn was wer not, das Gott Christum fur unser sunde gebe, wenn unser verdienst fur unser sunde könnte gnugthun? Derhaben soofte wir reden von dem glauben, der gerecht macht odder „fide iustificante“, so sind allzeit diese drey stücke odder obiecta beieinander: Erstlich, die Göttliche verheissung, zum andern, das dieselbige umbsonst one verdienst gnade anbeutet, fur das drit, das Christi blut und verdienst der schatz ist, durch wilchen die sunde bezalet ist. Die verheissung wird durch den glauben entpfangen; das sie aber one verdienst gnade anbeut, da gehet all unser wirdigkeit und verdienst unter und zu boden und wird gepreiset die gnad und gros barmhertzigkeit. Der Verdienst Christi aber ist der schatz; denn es mus jhe ein schatz und edels pfand sein, dadurch die sunde aller welt bezalt sein.

Die gantze schrifft, alts und neues Testaments, wenn sie von Gott und glauben redet, brauchet viel dieses worts, güte, barmhertzigkeit, misericordia. Und die heiligen Veter in allen ihren büchern sagen alle, das wir durch gnade, durch güte, durch vergebung selig werden. Soofte wir nu das wort barmhertzigkeit inn der schrifft odder in den Vetern finden, sollen wir wissen, das da vom glauben geleret wird, der die verheissung solcher barmhertzigkeit fasset. Widderümb, soofft die schrifft vom glauben redet, meinet sie den glauben, der auff lauter gnade bauet; denn der glaube nicht darümb fur Gott from und gerecht macht, das er an ihm selbst unser werck und unser ist, Sondern allein darümb, das er die verhissen, angeboten gnade one verdienst aus reichem schatze geschanckt nimpt.

Und solcher glaub und vertrauen auff Gottes barmhertzigkeit wird als der gröste, heiligste Gottesdienst gepreiset, sondern inn Propheten und Psalmen. Denn wiewol das gesetz nicht vornemlich predigt gnade und vergebung der sunde wie das Evangelium, so sind doch die verheissung von dem künfftigen Christo von einem Patriarchen auff den andern geerbet, und haben gewust, auch gegleubt, das Gott durch den benedeieten samen, durch Christum, wolt segen, gnad, heil und trost geben. Darümb, so ist verstunden, das Christus solt der schatz sein, dadurch unser sunde bezalt werden, haben sie gewust, das unsere wercke ein solch gros schuld nicht bezalen konten. Darümb haben sie vergebung der sunde, gnade und heil one alle verdienst entpfangen und durch den glauben an die Göttlich verheissung, an das Evangelium von Christo, selig worden als wol als wir odder die heiligen im neuen Testament.

Daher kömpts, das diese wort barmhertzigkeit, güte, glaube, so offt inn Psalmen und Propheten widerholet werden. Als im cxxx. Psalm: „So du wilt, Herr, acht haben auff missethat, Herre, wer wird bestehen?“ Da bekennet David seine sunde, rhümet nicht viele verdienst, sagt auch weiter: „Denn bey dir ist die vergebung, das man dich fürchte“; da fület er widder trost und verlest sich auff gnade und barmhertzigkeit, verlest sich auff die Göttliche zusage und spricht: „Meine seele harret des Herrn, und ich warte auff sein wort.“ Und: aber „meine seele wartet doch auff den Herren.“ i.e. dieweil du verheissen hast vergebung der sunde, so halt ich mich an die zusage, so verlasse und wage ich mich auff die gnedige verheissung.

Darümb werden die heiligen Patriarchen fur Gott from und heilig auch nicht durchs gesetz, sondern durch Gottes zusage und den glauben. Und solt warlich jdermann sich hoch verwundern, warümb die widdersacher doch so wenig odder garnichts vom glauben leren, so sie doch sehen gar nahe inn allen sillaben der Bibel, das der glaube fur den allerhöchsten, edelsten, heiligsten, grösten, angenemesten, besten Gottesdienst gelobt und bepreiset wird. Also sagt er im xlix. Psalm: „Ruff mich an inn der zeit der not, und ich will dich erretten“, Also nu und durch diese weis will Gott uns bekannt werden. Also will er geeret sein, das wir von ihm gnade, heil, alles gut nehmen und entpfahen sollen, und nemlich aus gnaden, nicht umb unsers verdiensts willen. Dieses erkentnis ist gar ein edel erkentnis und ein grosmechtiger trost in allen anfechtung, leiplichen, geistlichen, es kom zu sterben odder zu leben, wie frome hertzen wissen. Und denselbigen edelen, teuren, gewissen trost rauben und nehmen die widdersacher den armen gewissen, wenn sie vom glauben so kalt, so vorechtlich reden und leren und dagegen mit Gotte der hohen Maiestat durch unser elend, bettelisch werck und verdienst handeln.


Apologia der Confession verdeutscht aus dem Latin durch Justum Jonam: AC IV (Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche hg.v Dingel u.a. i.A. der EKD (V&R: 2014. S.286-292)
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About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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