Derhalben können wir durch die vernunfft odder unser gute werck nicht frey werden von den sunden odder vergebung der sunden verdienen. Item, Iohannis am iii stehet geschrieben: „Es sey denn, das jemand neu geporn werde aus dem wasser und geist, so kann er nicht inn das reich Gottes komen.“ So nun das dazu gehöret, das wir durch den heiligen Geist müssen neu geporn werden, so werden uns unser gute werck odder eigen verdienst nicht rechtfertig machen fur Gott, so können wir das gesetz nicht halten noch erfüllen. Item, Romanos iii: „Sie sind allzumal sunder und mangeln des rhumes, den sie an Gott haben solten“, i.e. ihnen mangelt die weisheit und gerechtigkeit, die fur Gott gilt, dadurch sie Gott recht erkennen, gros achten und preisen sollten. Item, Romanos am viii: „fleischlich gesinnet sein ist ein feindschaft widder Gott, sintemal es dem gesetz Gottes nicht unterthan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich gesinnet sind, mögen Gott nicht gefallen.“
Das sind so gar klare, helle sprüche der schrifft, das sie nicht so schaffes verstands bedürffen, sondern allein, das man es lese und die klaren wort wol ansehe, wie auch Augustinus in der sache saget. Ist nu die vernunfft und fleischlich gesinnet sein ein feindschafft widder Gott, so kann kein mensch one den heiligen geist hertzlich Gott lieben. Item, ist fleischlich gesinnet sein widder Gott, so sein warlich die besten gute wercke unrein und sunde, die immer ein Adamskind thun mage. Item, Kann das fleisch Gottes gesetz nicht unterthan sein, so sundiget warlich auch ein mensch, wenn er gleich edele, schöne, köstliche gute wercke thut, die die welt gros achtet.
Die widdersacher sehen allein die gebot an der andern Taffel Mosi, die da auch von der eusserlichen erbarkeit redet, wilche die vernunfft besser vernimpt, und wollen wehnen, mit solchen eusserlichen guten wercken halten sie Gottes gesetz. Sie sehen aber die erste Taffell nicht an, wilche gebeut und von uns haben will, das wir Gott hertzlich sollen lieben, daran gar nicht wancken noch zweifeln sollen, das Gott umb der sunde willen zörne, das wir Gott hertzlich fürchten sollen, das wir uns gewis inn unseren hertzen sollen darauf verlassen, Gott sey nicht ferne, er erhöre unser gebet etc.
Nu sind wir, ehe wir durch den heiligen geist neu geborn werden, alle der art aus Adam, das unser hertz inn sicherheit Gottes zorn, urteil und dreuen verachtet, seinem urteil und straffen gehessig und feind ist. So nun alle Adamskinder inn so grossen sunden geboren werden, das wir alle von art Gott verachten, sein wort, sein verheissung und dreuen inn zweifel setzen, so müssen warlich unser besten gute werck, die wir thun, ehe wir durch den heiligen geist neu geborn werden, sundlich und verdampt werck fur Gott sein, wenn sie gleich fur der welt schön sein, denn sie gehen aus einem bösen, Gotlosen, unreinem hertzen, wie Paulus sagt, Rom.xiii: „Was nicht aus dem glauben gehe, das ist sunde.“ Denn alle solche werckheiligen thun werck one glauben, verachten Gott im hertzen und gleuben als wenig, das Gott sich ihrer anneme, als Epicurus gleubt hat. Die verachtung Gottes innwendig mus jhe die werck unfletig und sundlich machen, wenn sie gleich fur den leuten schön sind, denn Gott forschet die hertzen.
Zuletzt, so ist jhe das auch auffs nerrischt und ungeschickest von den widdersachern geredt, das die menschen, die auch ewigs zorns schuldig sein, vergebung der sunden erlangen durch die liebe odder „actum elicitum dilectionis“, so ist es doch unmüglich ist, Gott zu lieben, wenn das hertz nicht erst durch den glauben vergebung der sunden ergriffen hat. Denn es kann jhe ein hertz, dass inn engsten ist, Gottes zorn recht fület, Gott nicht lieben, er geb denn dem hertzen lufft, er tröste und erzeige sich denn widder gnedig; denn dieweil er schrecket und also uns angreifft, als wölle er uns in ewiger ungnade inn den den ewigen tod von sich stossen, so mus der armen schwachen natur das hertz und mut entpfallen und mus jhe fur so grossem zorn erzittern, der so greulich schreckt und strafft, und kann jhe als denn, ehe Gott selbst tröstet, kein füncklein liebe fülen.
Müssige und unerfarene leute mügen ihnen wol selbst ein traum von der liebe ertichten, darümb reden sie auch so kindisch davon, das einer, der gleich einer todsunde schuldig ist, könne gleichwohl Gott uber alles lieben, denn sie wissen noch nicht recht, was sunde fur ein last, was es fur ein gros qual sey, Gottes zorn fülen. Aber frome hertzen, die es im rechten kampff mit Satan und rechten engsten des gewissens erfaren haben, die wissen wol, das solch wort und gedancken eitel gedancken, eitel treume sind. Paulus sagt: „das gesetz richt nur zorn an.“ Ro.iiii. Er sagt nicht, das durch das gesetz die leute verdienen vergebung der sunden; denn das gesetz klagt allzeit das gewissen an und erschreckts. Derhalben macht das Gesetz niemands from und gercht fur Gott, denn ein erschrocken gewissen fleuhet fur Gott und seinem urteil; derhalben irren diejhenigen, die durch ihre wercke odder durch das gesetz wollen verdienen vergebung der sunden. Dieses sey gnug gesagt von der gerechtigkeit der werckheiligen odder der vernunfft, wilche die widdersacher leren; denn bald hernach, wenn wir werden sagen von der frömkeit und gerechtigkeit, die fur Gott gilt, die aus dem glauben komet, wird die sache an ihr selbs mit sich brengen, mehr sprüche aus der schrifft einzufüren, wilche denn alle auch gleich starck dienen werden, die abangezeigte irthumb der widdersacher umbzustossen.
Dieweil denn kein mensch aus seinen krefften Gottes gesetz zu halten vermag und sind alle unter der sunde, schuldig des ewigen zorns und todes, so können wir durch das gesetz der sunde nicht los, noch fur Gott from werden, Sondern es ist verheissen vergebung der sunde und gerechtigkeit durch Christum, wilcher fur uns gegeben ist, das er die sunde der welt bezalet, und ist der einige mitler und erlöser. Und diese verheissung laut nicht also: durch Christum habt ihr gnad, heil etc, wo ihrs verdienet, sondern: lauter aus gnade beutet er an vergebung der sunde, Wie Paulus sagt: so aus den wercken vergebung der sunde ist, so ists nicht gnade. Und an einem andern ort: „Diese gerechtigkeit, die fur Gott gilt, ist one gesetz offenbaret“, i.e. umbsonst wird vergebung der sunde angeboten.
Und darümb ligts nicht an unserem verdienst, das wir Gott versünet werden; denn wens an unserm verdienst lege, vergebung der sunde und die versünnung Gottes aus dem gesetz were, so wer es verloren und weren warlich ubel Gott vereiniget und versünet. Denn wir halten das gesetz nicht und vermügen es nicht zu halten, so würde folgen, das wir auch die zugesagte gnade und versünung nimmermehr erlangeten. Denn also schleust Paulus zu den Röm.iiii: „so aus dem gesetz das erbe ist, so ist der glaub nichts und die verheisung ist abe“. So sich nun die verheissung gründet auff unsern verdienst und auff das gesetz, so folgte, dieweil wir das gesetz nicht halten können, das die verheissung vergeblich were.
So wir aber fur Gott from und gerecht werden allein aus lauter gnade und barmhertzigkeit, die inn Christo verheissen ist, erfolget, das wir durch unser werck nicht from werden. Denn was were sonst der herlichen, Göttlichen verheissung vonnöten und was dörfft Paulus die gnade so hoch heben und preisen? Derhalben leret, rhümet, prediget und preiset das Evangelion die gerechtigkeit, die aus dem glauben kömpt an Christum, wilche nicht ein gerechtigkeit des gesetz ist. So leret auch das gesetz davon nichts, und ist gar viel ein höher gerechtigkeit, denn des gesetzs gerechtigkeit ist; denn das gesetz foddert von uns unser werck und will haben, das wir innwendig im hertzen Gottforchtig und gantz rechtschaffen sind. Aber die Göttliche zusage, die beutet uns an als denjhenigen, die von der sunde und tode uberweldigt sein, hülff, gnad und versünung umb Christus willen, wilche gnad niemands mit wercken fassen kann, sondern allein durch den glauben an Christum. Derselb glaub brenget noch schencket Gott dem Herrn kein werck, kein eigen verdienst, sondern bauet blos auff lauter gnad und weis sich nichts zu trösten noch zu verlassen denn allein auff barmhertzigkeit, die verheissen ist inn Christo.
Derselbige glaub nu, da ein jder fur sich gleubet, das Christus fur ihn geben ist, der erlangt allein vergebung der sunde umb Christus willen und macht uns fur Gott from und gerecht. Und dieweil derselbige inn rechtschaffner bus ist, unser hertzen auch im schrecken der sunde und des todes widder auffrichtet, so werden wir durch denselbigen neu geporn und kömpt durch den glauben der heilig geist in unser hertz, welcher unser hertzen verneuert, das wir Gottes gesetz halten können, Gott recht lieben, gewislich fürchten, nicht wancken noch zweifeln, Christus sey uns geben, er erhöre unser ruffen und bitten, und das wir inn Gottes willen uns frölich geben können, auch mitten im tode. Also derselbige glaube, der aus gnaden umbsonst entpfehet und erlangt vergebung der sunde, ist rechtschaffen, der gegen Gottes zorn nicht seinen verdienst odder werck setzet, wilchs ein federlen gegen stromwind wer, sondern der Christum, den mitler, darstellet, und derselbig glaub ist ein recht erkentnis Christi. Wer also gleubet, der erkennet die grosse wolthat Christi und wird ein neu creatur, und ehe ein solch glaub im hertzen ist, kann niemands das gesetz erfüllen. Von demselbigen glauben und erkenntnis Christi ist nicht ein sillabe, nicht ein tittel inn allen büchern der widdersacher. Darümb schelten wir auch die widdersacher, das sie allein das gesetz leren von unsern wercken und nicht das Evangelium, das da leret, das man gerecht werde, wenn man an Christum gleubet.
Apologia der Confession verdeutscht aus dem Latin durch Justum Jonam: AC IV (Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche hg.v Dingel u.a. i.A. der EKD (V&R: 2014. S.280-286ff)
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