“… In den vergangenen Tagen erreichten mich die Impulse, die mein Patenjunge heute bei der Ludwig Harms Konferenz in Farven vortragen will, mit ganz großen Buchstaben und interessanten Angaben über Wirklichkeiten in Deutschland und in der Welt. Als ich die mir etwas anschaute, musste ich an einen interessanten Titel eines Buches, das ich mir vor Jahren kaufte, denken: Wie wirklich ist die Wirklichkeit. Da ist es gut, dass wir Lutheraner sind und z. B. im Abendmahl einfach selbstverständlich mit der Realpräsenz des Leibes und Blutes unseres Heilandes in Brot und Wein, die ausgeteilt und empfangen werden, rechnen. So viele Wirklichkeiten sind gar nicht wirklich, aber die Wirklichkeit, die uns der Herr Christus verheißt, ist gewiss. Da tun wir auch gut daran, dass wir es fest glauben und nicht zweifeln, was er gesagt und aufschreiben lassen hat. Er hat uns verheißen, dass der heilige Geist uns an das, was er gesagt und gelehrt hat, erinnern wird und uns in seiner Wahrheit leiten wird. Die Wirklichkeiten und Wahrheiten von menschlichen Statistiken und Prognosen dagegen lassen manche Möglichkeiten offen, dass manche Pläne, die aufgrund solcher Möglichkeiten gemacht werden, sich oft in Kürze schon als unerfüllbar ergeben. Dabei dürfen wir Lutheraner gewiss sein, dass die Zusage gilt und immer gelten wird, wo das Evangelium recht gepredigt und die Sakramente evangeliums-, wort- und stiftungsgemäß verwaltet werden, unser Herr und Heiland Jesus Christus seine Kirche auch in Zukunft bauen und wachsen lassen wird bis hin zu seiner Wiederkunft. Da schenke der Herr uns auch die nötige Treue, nicht müde zu werden, Mittel und Wege, die der Herr uns schenkt, zu nutzen, seinem Missionsauftrag gern nachzukommen. Vor allem schenke er uns allen, dass wir unseren Herrn beim Wort nehmen, wo uns im Namen des dreieinigen Gottes die Sünden vergeben werden.
Bei meinen Vorträgen über die Geschichte der LCSA hatte ich gerade gemerkt, wie vorsichtig Statisiken zu beurteilen sind. Im Missionsblatt wurden bis 1968 die Statistiken der Gemeinden der MELF jährlich veröffentlicht. Die Angaben über die Taufen von Heiden über die Jahre hin sind sicher nicht anzuzweifeln. Die kann man sicher heute noch in den Taufbüchern der Gemeinden nachzählen. 1955: 94; 1960: 129; 1965: 146; 1967: 100; 1968: 144; auch damals die meisten Taufen von Heiden im Salemer Gebiet. Die Angaben über die Seelenzahl dagegen zeigten ein unwahrscheinliches Wachstum, über dreizehn Jahre 51%: 1955: 14506; 1960: 16083; 1965: 19844; 1967: 21416; 1968: 21964. Wie schon bei einem Bericht über die Geschichte von Umhlangeni habe ich mir dieses Wachstum so erklärt. Es war die Zeit, in der die Arbeit in den Großstädten florierte. Pastor Lubede im Durbaner Raum sammelte die Gemeindeglieder, die aus den Zulugemeinden Salem, Itshe Lejuba, Ebenezer, Pella und Umhlangeni dort Arbeit gefunden hatten und dort geheiratet und dorthin umgezogen waren. Die wurden in ihren Heimatgemeinden nicht als verzogen, aber in Durban als zugezogen verzeichnet. Ganz ähnlich war das mit den Gemeindegliedern, die aus den Zulu und Tswanagemeinden im Johannesburger Raum ihre kirchliche Heimat fanden, aber “zu Hause” in Roodepoort und Botshabelo eben gern weiter zur Gemeinde gehören wollten. Da auch selbstverständlich vor allem an den Festtagen mit zum Abendmahl gingen und in den Abendmahlsregistern erschienen. Es ist schon gut, zu fragen: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Da dürfen wir uns gar nicht wundern, wenn junge Pastoren und Missionare sich gar nicht vorstellen können, wie damals solche Zahlen genannt werden konnten. Der Herr schenke ihnen die Freudigkeit und Gewissheit, gern aufgrund des Auftrags und der Verheißung unseres Herrn ihren Dienst noch viele Jahr zu tun, auch wenn es an großen Zahlen fehlt.”
