Ich war noch nie in der Kap der guten Hoffnung. Das sollte sich bald ändern. Als ich in Seoul, S. Korea war, habe ich mich mit Christo Thessner angefreundet. In den Weihnachtsferien wollte er uns freundlicherweise sein Haus zur Verfügung stellen. Als die Schul- und Uniferien anfingen, sind wir Webers aus Murrayfield mit Sack & Pack Richtung Kap der Stürme aufgebrochen – praktisch der “Groot Trek” in die andere Richtung. Dieses Mal aber mit einem Toyota Condor und einem Ventertjie. Platz hatten wir also allemal, auch wenn wir Zelte, Schlafsäcke und “giet-yster potte” zur Sicherheit mitbrachten – wer war denn so sicher, dass wir tatsächlich im Haus unterkommen würden?
Obwohl wir schon kurz nach 5 Uhr auf dem Weg waren, war die Autobahn nach und um Johannesburg schon voll besetzt. Angelika versorgte uns mit belegten Brötchen, Kaffee oder Tee und nach der ersten Weihnachtsmusik gab’s dann ein Hörbuch von Terry Pratchett “Wintersmith“. So lässt es sich ausgezeichnet fahren – immer in Richtung Bloemfontein und dann weiter bis zum Gariep Dam bei Colesberg [http://www.colesberginfo.co.za/], wo Carola Pelser mit ihrem Mann Johann mitten im Dorf wohnt. Angelika war früher öfter bei den Niebuhrs zu Gast – auch gerade bei Onkel Edgar und seiner Frau Ingrid – und so war dieses eine gute Gelegenheit mal wieder alte Bekannt- und Freundschaften aufzubessern. Wir haben herrlich besucht in diesem malerischen Dorf in der Karoo und nach einem geselligen Abend und einer ruhigen Nacht sind wir dann seelenruhig weiter Richtung Port Elisabeth gejuckelt. Dieses Mal gab’s nach der Weihnachtsmusik ein Hörbuch mit Agatha Christie’s “They do it with mirrors“.
Die Karoo ist trocken und sieht aus wie eine Winterlandschaft. Weit offen liegt das Land, aber doch sind da erstaunlich viele Berge. Das geht in Bloemfontein los und dann hört es nicht mehr auf – außer auf den “Sand vlaktes” an der Küste. Dabei pustet der Wind stets um die Wette und als ob er’s bezahlt kriegt. Opa Scharlach meinte: “Port Elisabeth ist die zweit windigste Stelle in der Welt, die windigste ist schon weggeweht.” In PE haben wir Eugen Straeuli besucht. Das war auch besonders schön. Wir haben eine Stadtrundfahrt gemacht und dabei gestaunt, wie schön PE ist. übrigens kommt der Name nicht von der Königin, sondern von einer Elisabeth Donkin. Abends sind wir dann am Strand entlang und unsere Jungs haben noch eine Fischotter mit ihrem Jungen gesichtet ehe wir dann in einer gemütlichen Strandkneipe den Tag ausklingen ließen.
Am nächsten Morgen sah es schon bedrohlich dunkel aus. Der Wind hatte noch einiges dazugelegt und so fuhren wir die malerische Gartenroute immer mal wieder im Regen. In Storms Rivier haben wir uns die tiefe Schlucht angesehen ehe wir zur Flussmündung fuhren. Im strömenden Regen haben wir das aufgepeitschte Meer bewundert und Angelika’s Picknick im Auto genossen. Wie gut, dass wir noch im trocknen den “Ratel Trail” haben begehen und die alten Waldriesen bewundern können. Solch ein Wanderweg [3,6 km] durch den Urwald tut Wunder an Leib und Seele. Da kommt richtig Ferienstimmung auf – herrlich.
In George wollten wir zelten. Auf dem Weg dahin über Tsitsikama, Plettenbergbaai, Knysna, Sedgefield und Wilderness haben wir schon manchmal gezweifelt, ob das solch eine tolle Idee war. Wind und Wetter sprachen dagegen – vor allem gegen Hobby Zelter wie wir. Friederike hatte bald die Mehrheit auf ihrer Seite. Dennoch gab’s in George keine Herberge mehr. Alles ausgebucht von wegen “7-a-side Rugby”. Die Weltmeisterschaft wurde da aussortiert. Leider haben wir gegen England verloren. Also machten wir uns dann doch endlich auf den Weg über den regenverhangenen Outeniqua Pass & und wieder hinein in die ebenso malerische, aber kork-trockne Karoo. Wir wollten erst am nächsten Tag in Oudtshoorn landen, nun schafften wirs schon einen Tag eher. In der Swartberger Lodge blieben wir nogal luxuriös und preiswert d.h. nur knapp mehr als der Zeltplatz in George gekostet hätte. Hier gab es dann bald Straußensuppe und eine heiß ersehnte Nachtruhe. Da es hier so viel später dunkel wird, merkt man gar nicht wie spät es schon ist. Dennoch sind wir am nächsten Tag hübsch pünktlich auf der Safari-Straußen-Farm zur Rundfahrt gestartet ehe wir dann den weiteren Weg durch die Karoo angingen.
Ein herrlicher Familienausflug war’s. Überall – naja, ab und zu – malerische Dörfer, bildhübsche Kirchen und ganz schön ausgemergelte Leutchen. Los ging es also in Oudtshoorn, dann über Calitzdorp, Barrydale, Montagu, Robertson und Worcester und über den Bainspass – und dann war endlich unser Ziel in Sicht. Jedes dieser Dörfer war sicher eine Reise wert. Wir sind zwar nur durchgefahren, aber haben die Ansicht sehr genossen. Es war eine tolle Tagestour bei bestem Wetter und ruhigen Straßenverhältnissen.