In den vergangenen Tagen las ich, dass Georg Gänswein,
Privatsekretär des Papstes, für den von ihm herausgegebenen Bildband “Benedikt
XVI – Urbi et Orbi” mit dem “Capri San Michele” Preis 2010 ausgezeichnet worden
ist. Es freut mich, wie Monsignore Gänswein seinen Arbeitgeber bewundert. Da
liest man z. B.: “Papst Benedikt XVI hat der Kirche und der Welt ein lehrreiches
Beispiel eines pastoralen Stils gegeben: Wer einen kirchlichen Dienst beginnt –
das ist seine Ermahnung -, darf die Spuren dessen, der vor ihm gearbeitet hat,
nicht auslöschen, sondern er muss seine eigenen Fußstapfen demütig in die Spuren
dessen setzen, der vor ihm gegangen ist und sich abgemüht hat. Wenn das immer so
wäre, dann würde ein reiches Erbe an Gutem gerettet, das dagegen oft zerstört
und verschwendet wird.” Dabei erinnere ich mich an das schöne Löhewort aus
seinem “Evangelischen Geistlichen”: Schone deinen Vorgänger und deinen
Nachfolger im Amt!
Selbstverständlich soll das für uns nicht heißen, dass wir
alles gut heißen, was unsere Vorgänger getan haben. Wir dürfen ihre Irrwege
nicht einschlagen oder als falsch erkannte eigene nicht weiter gehen. Es heißt,
dass wir, wo es nötig wird bei unserer Vergangenheitsbewältigung, wenn wir
Sünden, Fehler oder Irrwege vor allem anderer benennen und aufdecken, immer auch
E 4, 31-32 beachten: “Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und
Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander
freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch
vergeben hat in Christus.” Wieviel an Gutem, was ein Vorgänger gemacht hat, was
trotz all seiner Sünden, seiner Fehler und seiner Irrwege an echtem Vertrauen,
Glauben und Liebe aufgebaut worden ist in seiner Gemeinde, wird zerstört, wenn
mit Bitterkeit und Grimm seine Fehler und Irrwege aufgedeckt werden! Paulus
betet für die Korinther, damit sie ja nichts Böses tun, auf keinen Fall es ihm
nachtun, wo er ihnen möglicherweise als Untüchtiger erschien.
Wie verderblich ist es, wenn z. B. die enge Bindung an Schrift
und Bekenntnis in einer Kirche verlassen wird, weil man den Vorgängern
Lieblosigkeit in der Ausführung in ihrer Bindung an Schrift und Bekenntnis
nachweisen kann, oder weil der Vorgänger, der auf Zucht und Ordnung gedrungen
hat, und dann selbst öffentlich sündigt, man dann Zucht und Ordnung einfach als
nicht mehr für so nötig erklärt in einer christlichen Gemeinde. Ein Beispiel, wo
Nachfolger die Spuren der Väter verlassen haben, nennt Conrad Dreves im
Junimissionsblatt des Jahres 1899. Dort schreibt er auf S. 44-46: “in der
afrikanisch-lüneburgischen Prozeßsache vor dem Amsterdamer Gericht ist die
Aussage gemacht: wir, die Hannoversche evangelisch-lutherische Freikirche,
hätten eine ganz andere Abendmahlspraxis als die, welche Pastor Th. Harms bei
seinen Lebzeiten gehandhabt hätte, nämlich eine viel strengere und engere, sodaß
….” Daraufhin zitiert das Missionblatt Teile aus der Stellungnahme, die Th..
Harms gegen die Immanuelsynode veröffentlichte und zwei Briefe, die Th. Harms
einem Gemeindeglied schrieb, das ihn um seinen Rat gefragt hatte, ob er auf
Besuch bei landeskirchlichen Verwandten mit ihnen in ihrer Kirche mit zum
Abendmahl gehen könne. Der Herr schenke der Kirche, die sich an Schrift und
Bekenntnis gebunden weiß, nie die Spuren der Väter zu verwischen oder sogar
auszulöschen. Dabei denke ich auch ein wenig an den Weg unserer Lutherischen
Kirche im Südlichen Afrika, dass die Väter 1956 auf der Synode in Salem das Wort
Bantu aus dem Namen der Kirche, der vorgeschlagen war, gestrichen haben. Auf
keinen Fall sollte sie an eine Rasse gebunden werden. Sie sollte offen sein für
alle, für San, Inder, und gerade auch für Weiße. Dieser Grundsatz fand seinen
Niederschlag auch in den Beschlüssen der konstituierenden Synode 1967 in
Ventersdorp/Roodepoort, dass weiße Missionare ihren Dienst mit gleichen Rechten
in der Kirche ausüben sollten, wie vorher in den Missionsgemeinden. Die Fehler
durch die weiße Apartheid dürfen nicht durch schwarze Apartheid überwunden
werden. Auch die schwarze Apartheid hat kein Recht in der Kirche. Die Kirche ist
für die Menschen und Amtsträger aller Völker aller Zeiten. Leider verließ die
LuKiSA auf Druck vonseiten der Vorstellungen der Mission und einiger Missionare
hier die Spuren der Väter von 1956 und 1967 Ende der achtziger Jahre mit
Kirchenleitungs- und Synodalbeschlüssen. Durch die Wahl eines Weißen zum Bischof
der Kirche sind die Beschlüsse der achtziger Jahre ein wenig revidiert worden.
Ich hoffe, dass in Zukunft wieder immer mehr von einer gesunden Amtslehre her in
der Kirche die Pflichten auch ausländischer und überhaupt weißer Amtsträger
beurteilt werden. Dass die FELSiSA den Weg, den sie mit der Aufnahme der
Gemeinde Diepkloof beschritten hat, nun konsequent weitergehen möchte, wollen
wir von Herzen vom Herrn erbitten, dass da dann die weiße Apartheid überwunden
wird. Dekan Isashar Dube wies darauf hin, dass der englisch sprechenden
Indergemeinde die Bitte um Benutzung der Kirche einer deutschsprachigen Gemeinde
abgelehnt wurde, dass den englisch sprechenden Weißen die Benutzung ihrer Kirche
ganz selbstverständlich gewährt wurde. Durch diesen Hinweis hinterfragte er die
Begründung der Trennung unserer beiden Kirchen aufgrund der Sprachgrenze durch
das Deutsche. Der Herr erbarme sich über uns und erhalte uns die Einigkeit im
Glauben als unions-, staats- und weltbundfreie Lutherische Kirchen in diesem
vielvölkischen Land, die zusammengehören und immer mehr zusammenwachsen nach
seinem Willen und Wohlgefallen! Was bei Menschen unmöglich erscheint, kann Gott
möglich machen. Leider erscheint manchem in Südafrika die Überwindung der
Kirchengrenzen zwischen Menschen gleicher Hautfarbe für dringender und
möglicher, als die Überwidnung von Grenzen zwischen kirchlich Gleichgesinnten
aufgrund verschiedener Hautfarbe. Das wird dann sogar mit der Behauptung
bekräftigt, man sei kein Rassist. Ich wiederhole: Was bei Menschen unmöglich
erscheint, ist bei Gott möglich.
Mit herzlichen Grüßen
Euer Wilhelm Weber aus Welbedacht