„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit…“ (Thomas Mann)

Lukas Cranach d.J.: “Arbeiter im Weinberg”. Epitaph für Paul Eber (+1569) Familie (1573-1574)

Die „Alte Lateinschule“ (Siehe https://oldlatinschool.org/)  ist nun schon fast 5 Jahre „so schön wie nie!“  Am 3.Mai 2020 feiert sie bereits zum fünften Mal: „Reformationsfest“, die doch schon 1564 erbaut wurde und heuer zum 455x „Hausweih“ feiern kann. Vielleicht ist es an der Zeit in die Zukunft und deswegen an eine „Neue Englischschule“ zu denken oder zu mindestens an „St. Michael und alle Engel“. Das würde sicher ganz gut in die Nachbarschaft von St. Marien und Fronleichnamskapelle passen. Bei uns sind die willigen Boten von Gottes Wort und Luthers Lehr wachsam über Eingangsportal, posaunenblasend um den Kapellenaltar und jubilierend an der Krippe im Treppenhaus platziert. Jahrtausende schon sind sie in göttlicher Mission unterwegs – und noch heute tönt es froh in alle Welt hinaus: „Allein Gott in der Höh´ sei Ehr und Dank für seine Gnade!“  

Die „Alte Lateinschule“ ist in guter Gesellschaft. Täglich sammeln sich in dieser Stadt Menschen um Gottes Wort und Luthers Lehr, die hier in mancherlei Gestalt gepredigt, gelehrt, gesungen, gebetet, gespielt, gemalt und getrieben wird. Das geschieht natürlich wöchentlich am Tage der siegreichen Auferstehung unseres Herrn, wenn im Gottesdienst sein Wort laut gelesen, gepredigt, ausgelegt, verkündigt, gehört und geglaubt wird. Im heiligen Abendmahl wird unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi heiliger Leib und sein kostbares Blut für uns gegeben und vergossen unter dankbarem Singen und andachtsvollem Beten gegessen und getrunken – zur Vergebung der Sünden und zur Besserung unseres sündlichen Lebens. Es wird mit der ganzen Christenheit auf Erden der wahre Glaube gehalten, geglaubt und bekannt mit Worten des Nizänischem und Apostolischem Glaubensbekenntnis, manchmal sogar mit dem Athanasianischem.

Es wird auch unter der Woche täglich mehrmals gesungen und gebetet, georgelt und geblasen. Sogar afro-amerikanischer Gospel erklingt hier im Zentrum des alten Europas und seit kurzem auch quicklebendiger Jazz. So hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben die alte Weise „O Haupt voll Blut und Wunden“ bei „Blues Night“ auf Saxophon, Schlagzeug und Klavier. Eine tief bewegende Geschichte – Freitagabend um kurz vor Mitternacht – mitten in der Lutherstadt Wittenberg. Tagein- tagaus gibt es Tagzeitengebete. In Deutsch und English, vielleicht manchmal auch in Spanisch und Russisch. Die Glocken bei Katholiken und Evangelischen begleiten das Flehen im Geist und in der Wahrheit mit Geläut und Gebimmel – je nach Umfang und Größe der betroffenen Schallkörper. Bei uns passiert das meist leise und unscheinbar. Doch unser himmlischer Vater, der ins Herz und Verborgene sieht, hört auch das Gebet im kl. Kämmerlein nach der gnädigen Verheißung seines eingeborenen Sohnes, unseres wahren Bruders, dem lieben Sünderheiland IX.   

Die Kirchen sind allesamt feierlich geschmückt und täglich geöffnet. Da strömen, laut statistischem Befund des Tourismusbüros, 500 Übernachtungsgäste täglich zur Lutherstadt Wittenberg herein. Da sind die Fahrradfahrer auf dem Elberadweg noch nicht mal mitgezählt. Meistens bleiben diese Wandervögel nur eine Nacht. Die meisten bewundern Cranachs Altar von 1546 in der Stadtkirche. Viele lassen sich vor der Thesentür fotografieren. Alle, glaube ich, freuen sich über die gelungene Renovierung von Stadt und Kirchen. Einige finden den Weg zu uns in den Buchladen und die kl. Kapelle neben dem Bugenhagenhaus. Die meisten davon sind voll des Lobes und der Dankbarkeit über dieses Kleinod mitten in der Altstadt.  

“Einen anderen Grund kann niemand legen als der gelegt ist in Jesus Christus – unserem Herrn”
1.Kor.3,11

Bei dem weltweit einmaligen Phänomen vier Weltkulturerben in nur einer Straße bewundern zu können, gibt es ziemlich viel zu verdauen. Empfehlenswert ist ein entspannter Aufenthalt. In einer Woche könnte man das Sehenswerteste ansatzweise mitkriegen, um es zu bedenken, bereden und als positive Erinnerung und Erfahrung zu behalten und mitzunehmen. In der Stadt gibt es über 1, 500 Gästebetten. Davon stehen 25+ in der Alten Lateinschule. Einzelbuchungen und Kleingruppen nehmen wir gerne an – telefonisch unter  03491-420 290 oder per Email admin@oldlatinschool.org oder auf dem Postweg: Jüdenstraße 38, D-06886 Lutherstadt Wittenberg.

Unsere Stadt hat knapp 50 Tausend Einwohner. Davon gehören knapp 20% zur Kirche. Die meisten sind Evangelisch, aber ein paar tausend sind noch Katholisch, so wie unser ehrenwerter Herr Ministerpräsident Haselhoff, dessen Familie bereits vor der Reformation hier ansässig war. Die christliche Minderheit spielt eine positive Rolle in Kirche und Gesellschaft und zwar weit mehr als ihre statistische Zahl vermuten ließ. Das hat mich zuerst überrascht. Doch entspricht es wohl dem verheißungs- und wirkungsvollen Zuspruch unseres Herrn Christi: „Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde!“ bzw: „Ohne mich könnt ihr nichts tun, aber wer in mir bleibt, der bringt viel Frucht!

Unser Haus – die Alte Lateinschule – steht mitten drin in der Altstadt. Gleich neben der Stadtkirche und dem Marktplatz. Zentraler geht kaum. Noch sind wir neu hier. Die SELK hat zwar lange einen Predigtplatz hier in der Stadt gepflegt, aber es waren meist nicht mehr als 2 oder 3 versammelt in seinem Namen. So ist es geblieben. Dennoch werden wir freundlich aufgenommen, zu vielen Veranstaltungen in Stadt, Gesellschaft und Kirche eingeladen. Da wollen wir uns als verantwortungsvolle Bürger erweisen und nicht das uns anvertraute Pfündlein aus schmählichem Kleinmut und Unglauben vergraben. Vielmehr es gerne einsetzen und -bringen.  Hüten müssen wir uns vor der Hybris der Selbstüberschätzung. Was in diesen Landen über Jahrhunderte verloren gegangen ist oder vielleicht niemals angekommen war (Siehe Luthers Klagen seinerzeit!), wird nicht Übernacht programmier- und machbar sein. Vielmehr wollen wir dem Herrn in den Ohren liegen und bei ihm Hilfe und Rettung suchen: „Herr, erbarme Dich uns und alle Welt!“ Er kann schaffen, was er will – und ins Leben rufen, was nicht ist, dass es sei!

Meine Vorgänger haben die folgenden Punkte als vorläufige und ausbaubare Zielvorstellungen des Hauses formuliert, denen es nachzustreben gilt:

  1. Aus- und Fortbildung: Studentenaustausch, Seminarbetrieb und Forschungszentrum
  2. Mission und Evangelisation: Gottesdienst, Katechese, Seelsorge und Bibelarbeit. 
  3. Zentrum für das konfessionell an das Konkordienbuch gebundenes Luthertum (ILC)
  4. Internationales Gäste- und Besucherzentrum: Gastfreundschaft und Willkommenskultur

Die Missouri Synode unter Präsident Matthew Harrison hat hier in Zusammenarbeit mit der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Bischof Hans-Jörg Voigt erfolgreich ein kl. Prachtstück saniert, das sich in der kirchlichen Landschaft Mitteldeutschlands sehen lassen kann.

Ich bin dankbar für das Vorrecht in dieser Alten Lateinschule eingesetzt zu sein und ermuntere Sie gerne, diese Glaubenseinrichtung und kirchliche Institution im Gebet und Fürbitte mitzutragen. Wenn Sie wollen, freuen wir uns auch über Ihre finanzielle Unterstützung unter International Lutheran Society of Wittenberg IBAN DE05 8607 0024 0822 2135 00 BIC (SWIFT) DEUTDEDBLEG.

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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