Sommerferien 2019: Bootsfahrt in Masuren (Teil 6)

Also. Auf diesem Gebiet bin ich Novize. Vielleicht nach einer Woche Novize mit wochenlanger Erfahrung auf dem Wasser. Außerdem kenne ich Freunde, die haben Boote. Mit einigen bin ich sogar verwandt. Doch das ist wie weit meine Erfahrung auf dem Wasser geht. Wir können alle mehr oder weniger schwimmen – wenigstens im Schwimmbecken. 50m würde ich wohl schaffen. Versucht habe ich es allerdings länger nicht mehr. Wir haben auch nicht geschwommen. Wir sind mit dem Boot unterwegs gewesen. Kein Segelboot. Kein Ruderboot. Ein Hausboot. Das lag an unseren Vorstellungen und Vorurteilen – und an dem Angebot. Das letztere gab an, dass wir keine Vorkenntnis bräuchten und nach einer kurzen (!) Einführung würden wir schon klar kommen. Das wohl dichteste Vergleichsmoment aus meiner Erfahrung war ein Pkw auf einer Modderpiste… Dabei gab der Ausbilder nur den Hinweis: Nicht zu langsam! Nach einer Woche würde ich dagegen halten: Immer langsam voran!

Das Wasser war angenehme 18-20 Grad. Das Wetter hielt sich vorzüglich – und wir konnten es gut auf dem Boot aushalten bei 22-25 Grad. In der Woche vorher hatte es angeblich anhaltend wie aus vollen Kübeln gegossen. Neue Freunde auf dem Grillplatz in Steingut wußten ein Lied davon zu singen. Wir haben das nicht erlebt. Wir haben nur die tiefgrünen Wälder bewundert, die keiner Spuren von Borkenkäfern aufwiesen – und auch sonst keine Dürrespuren zeigten. Wir sind einen Tag in Lötzen Spazieren gegangen, da der Himmel verhangen und der Wind am Aufkommen war. Doch es war außer einer willkommenen Abwechslung nichts bedrohliches. Tagsüber haben wir die Fenster auf weit offen und Durchzug gestellt. Nachts war es kühl genug zum allgemeinene Schotten dicht machen. Mücken haben uns nur in der vorletzten Nacht besucht, aber auch dann nur zaghaft und als einzelene Vorhuten – der Schwarmangriff blieb aus. Zum Glück, denn die über Amazon bestellten Netze warteten erst bei unserer Rückkehr auf uns. Sie waren nicht zeitgerecht aus China geliefert worden 🙂

Tagsüber fuhren wir von einem Hafen zum anderen. Angekommen dockten wir an einem der vielen freien Plätze am Bootssteg an. Waschgelegenheiten gabs an Land: Praktisch, sauber und bezahlbar. Ebenso wie Einkaufsmöglichkeiten. Grillplätze. Bänke zum Ausruhen und Innehalten. Nur in der letzten Nacht waren unsere Nachbarn bis in die frühen Morgenstunden mit ausgelassenem Singen so laut, dass Angelika schließlich um 3h00 um Ruhe bat. Was auch sofort zugestanden wurde. Mit meinem Tiefschlaf habe ich davon nichts mehr mitgekriegt. Ich machte mich dann kurz nach 5h00 auf die Socken und staunte über die friendliche Hafenlandschaft… Viele Schulkinder machten offensichtlich Segelkurse mit – immer in Gruppen von 5-6 pro Boot wiederholten sie die verschiedenen Manöver von An- und Abdocken. Alte Männer fischten schweigsam durch die Nacht. Manche fuhren mit ihren kl. Kähnen aufs offene Wasser und ihre beliebten Fischstellen. Andere schmissen die Linie vom Bootsteg aus ins Wasser. Immer wieder hörte man den Jubel beim “Petri Heil.” Viele Familien waren gemeinsam unterwegs. Die saßen dann auf den verschiedenen Booten und unterhielten sich angeregt, aßen gemeinsam und genossen die sommerliche Ferienzeit. So war in jedem Hafen lustiges Treiben zu beobachten auch wenn wir uns bewußt an die abgelegenen Plätze im Norden hielten und den frequentierten Süden gewissenhaft vermieden.

Wir sahen viele Störche, Enten, Blesshühner, Säger, Möwen, Gänse, Reiher, Kraniche und auch einen Seeadler. Wenn wir mit einem Paddelboot in den Seitenkanälen gekommen wären, hätten wir wohl noch mehr im Schilf entdeckt. So, fuhren wir meist über die Seenplatten und dann ab und zu durch mehr oder weniger enge Kanäle und Passagen.

Wir hatten überlegt, ob wir zelten wollten. Doch aus Platzmangel beschlossen wir dagegen. Es war auch nicht nötig. Das Boot bot bequem Platz für 6 – und da waren 4 gut aufgehoben. Nach einer guten Woche hatten wir uns dann auch an das beständige Schaukeln gewöhnt. Wenn wir auf Land die Augen schlossen, fing gleich alles an zu kreisen und sich im Wellenrythmus zu wiegen. Lesen und schreiben ging deswegen auch nicht so ganz ohne Folgen für die Landratten ab. Das haben wir aber schnell gelernt. Am Ende waren wir schon fast Seebären, aber nur fast.

Am schönsten war es natürlich auf den dunklen Seen – bei abgeschaltetem Motor (125ps). Dann gluckste es schön gegen die Planken. Die kühle Brise vertrieb alle dunklen Gedanken, die Wälder waren so schön wie schon immer and trockenen waren wir sowieso.

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
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