Träume, Erscheinungen und andere Offenbarungen…

Trotz der Warnung „Träume sind Schäume“, hören wir immer wieder „Träume werden wahr“ und nicht nur der „American dream“ oder wie ist es sonst zu erklären, dass immer noch hunderte und sogar tausende sich auf den Weg machen – ihr Glück in der Fremde zu suchen. Bestimmt nicht nur wegen Fernweh! Es ist wohl eher die große Triebfeder, die den anderen Dr. Luther schwärmen ließ: „I have a dream!“

Aus dunkler Vorzeit kennen wir die geschichtsträchtigen Träume des großen „King of dreams“. Seinen Vätern – die uns als Erzväter der Kirche bekannt sind – war das vertraut. Sie wussten dies und das Lied oder zwei von Träumen, Wunschbildern und göttlichen Vorstellungen zu singen. Sie waren dennoch keineswegs verträumte „day dreamer“. Vielmehr war ihnen viel bedeutsamer, was der Herr der Geschichte – der Gott von Anfang an, der derselbe ist gestern und heute und in Ewigkeit – der dreieinige Gott Vater, Sohn und hl. Geist selbst in Erscheinung tritt. Nicht als Fiktion menschlicher Spekulation oder Wunschgebilde. Nein, Er gab ihnen wirkliche Einblick in sein Wesen, Wollen und Vorhaben. Wie durch einen Schleier, gewiss. Nicht so oft von Angesicht zu Angesicht, wenn auch das tatsächlich vorkam. Vor allem bei seinem Knecht Mose mit dem er sprach wie zu seines gleichen – praktisch von Mann zu Mann. Oft blieb es aber beim ansatzweisen Staunen wie im rauchgefüllten Thronsaal Gottes, wo der Prophet Jesaja die Füße Gottes schauen durfte In dieser Reihe steht dann auch der allerletzte vor der herrlichen Erfüllung: Johannes der Täufer, der von sich bekannte, dass er nicht wert war, dem Herrn die Schnürriemen zu lösen, der aber dennoch der Größte in der Reihe war und doch vom Kleinsten im Himmelreich weit übertroffen.  

Gott zeigte Sternbilder bei Nacht. Malte Figuren, Ziffern und Hochrechnungen in den Sand: So viele Nachkommen wie Sand am Meer. Da konnte der Erzvater Abraham, dessen jahrhundertjahralter Leib schon recht betagt bzw bejahrt war mit 10 Dekaden, nur staunen. Doch er glaubte dem Versprechen Gottes als noch nichts zu sehen war als nur weiter Sandstrand am Meer und zahllose Sterne am Himmelszelt. Das rechnete Gott ihm zur Gerechtigkeit an.  Ja, der lebendige Gott – der ist, wer er ist; der alles geschaffen hat und auch noch regiert, erhält und führt – er lässt seine Auserwählten schauen, was er sich vorgenommen und was er haben will. Und sie erfahren es am eigenen Leibe, dass Gott seine Hl. wunderbar führt – zielsicher, effektiv und höchst verlässlich – „Und ob ich gleich nichts fühle von Deiner Macht, Du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht“ singt die Gräfin Jahrtausende später auf dem Weg auf das asiatische Missionsfeld, wo ihr vorausgegangener Bräutigam, bereits gestorben und ihr also endgültig voran gegangen und an unser aller Ziel und Gott gewollte Bestimmung gekommen war.

Selbst in diesen ausweglosen Situationen, waren Gottes Menschen – sein erwähltes Volk – Väter und Mütter, Eltern und Kinder – Familien, Stämme und Völker – selbst in der Fremde nicht auf sich selbst gestellt. Gott blieb dran. Er blieb bei, mit und unter ihnen. Wohnte mitten unter ihnen. Wurde in ihrer Mitte sesshaft. Ließ sich dort unter ihnen sein Zelt, seine Hütte, seinen Tempel konstruieren.  Damit sie auf dem Weg, auf der Wanderschaft in die ewige Heimat, ins himmlische Vaterland und göttliche Zion, dem wahren Jerusalem – ihn nicht vergessen, aus dem Auge und Herzen verlieren würden. Vielmehr sollten sie in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, ja mehr noch in echter Hausgemeinschaft mit ihm wohnen als Familienmitglieder, Freunde des Hauses, dazugehörig. Siehe da die Hütte Gottes bei den Menschen und er selbst Gott mit ihnen.

Er zeigte mit der Himmelsleiter, dass er den garstigen Graben der selbstverschuldeten Heimatlosigkeit, der andauernden Fremdlingsschaft, der Exilsbürde überbrücken konnte, wollte und tatsächlich auch immer wieder überwand. Er hat die, die draußen vor dem paradiesischen Tor, außerhalb des familiären Kreises, der heimatlichen Stadtmauer und vertrauten Umfriedung, jenseits der Grenze waren, heimgesucht und aufs barmherzigste heim ins Vaterhaus geleitet: Ist er nicht auch Abrahams Sohn, sie Abrahams Tochter?  Er sucht und macht selig, was verloren ist! Da ist auch eigene Schuld und Ungerechtigkeit, List und Gaunerei, Feindschaft, Hass, Neid und Streit, die in den besten Familie Ausgrenzung, Vertreibung, Flucht und Exil verursacht, nicht endgültig. Gott selber überwindet das. Stellt Kreuze in den Weg, baut Himmelleitern, schafft Ruhestätten mitten in der Wüste, überwindet Mauern und Grenzen, gibt Wege Lauf und Bahn – durchs wilde Meer, durch dürren Wüsten, selbst durchs tiefe Tal des Todes. Sein Stecken und Stab trösten uns gerade dort.

In merkwürdiger Gestalt ließ er dort in Pnüel nächtlicherweile mit sich leibhaftig ringen, sich in göttlicher Gestalt schauen und sogar überwinden – zur nachhaltigen Segenserbschaft und wunderbaren Namensgebung: Nicht mehr nur Jakob, sondern Israel. Ja, Gott ließ sich schauen, anfassen und erwies sich als überaus vertrauenswürdig, verlässlich und glaubwürdig. Machte seine Verheißungen und Versprechen Schritt für Schritt wahr. Führte ins gelobte Land. Schenkte seine gnädige Gegenwart immer wieder aufs Neue und machte die Tore des Himmels wieder auf, damit sein Haus voll würde, die von ihm längst schon vorherbestimmten Ehrenplätze besetzt und sein Volk von aller Welt Enden gesammelt endlich zur Ruhe gebracht würde.

Ja, er tat das, bis dass der Apostel zu unserer Erbauung im Glauben mit der ganzen Kirche und der Wolke der wahrhaftigen Zeugen bekennen konnte: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei. Amen. Amen.

About Wilhelm Weber

Pastor at the Old Latin School in the Lutherstadt Wittenberg
This entry was posted in Gedankensplitter and tagged , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.